Es ist: 15-01-2021, 22:08
Es ist: 15-01-2021, 22:08 Hallo, Gast! (Registrieren)


Alltagsmord
Beitrag #1 |

Alltagsmord
Immer wieder werde ich ruckartig wach. Nur nicht einschlafen, nicht einschlafen, nein.
“Irgendwas hat sich verändert zwischen uns“
Eine bekannte Stimme in meinem Ohr. Ich kann nicht hören, ich kann nicht realisieren. Wieder schließen sich meine Augen. Mein Mund ist so trocken, ich habe durst. Mein verschwitzter Körper schmilzt und vereint sich mit dem heißen Asphalt.
Ich fühle mich so schwer.
Meine Augen öffnen sich wieder, oh wie die Sonne blendet! Sie strahlt so sehr sie kann und lacht mich dabei aus.
“Hör zu, es tut mir wirklich Leid“ Gesprächsfetzen nehme ich wahr. Die Stimme ist mir so vertraut, aber ich kann die Geräusche nicht zu Worten formen.
Der Geruch von heißem Asphalt setzt sich in meiner Nase fest und übertönt all meine anderen Sinne. Mein Blick irrt herum, nach jemand suchend, an dem er sich festhalten könnte.
Das ist niemand.
“Ich gehe jetzt“ Wessen Stimme ist das nur?
Schritte schlagen gegen den Boden und irgendwann verstummt alles. Die Schmerzen verziehen, die Flüssigkeit wird immer mehr. Ich schließe meine Augen, ich will jetzt schlafen. Alles ist so nass, so verschwitzt. Es fühlt sich an als würde ich brennen.
“Oh seht, sie ist voll Blut!“


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Beitrag #2 |

RE: Alltagsmord
Hallo Eva,


den Text kenne ich ja schon - dann will ich jetzt ausführlicher darauf eingehen.
Wie immer zu Beginn meine Anmerkungen; was du davon übernimmst, bleibt natürlich dir überlassen:

=> Mein Mund ist so trocken, ich habe durst.
Durst

=> Meine Augen öffnen sich wieder, oh wie die Sonne blendet!
Ich würde das Komma durch einen Gedankenstrich ersetzen und dafür das "oh" streichen - also: "Meine Augen öffnen sich wieder - wie die Sonne blendet!"

=> “Hör zu, es tut mir wirklich Leid“
"leid" hier klein, glaube ich ...
Und: Ich fände es schön, wenn du nach jedem Gesprächsfetzen einen Absatz machst, nicht nur nach dem ersten; das finde ich von der Strukturierung her passend.

=> Mein Blick irrt herum, nach jemand suchend
nach jemandem

=> Das ist niemand.
Da ist niemand (oder?)

=> Die Schmerzen verziehen
Eigentlich "verziehen sich" - aber das gefällt mir nicht so. Vielleicht "werden schwächer", "ziehen sich zurück", etwas in der Art?

Das war's an Auffälligkeiten.
Mir gefällt dieser Text Icon_smile ... Die Beschreibung der Szenerie durch die vernebelten Sinne, die verklebte Hitze, die Benommenheit, das vermittelst du gut, ohne pathetisch zu werden. Nur der letzte Satz wirkt etwas aufgesetzt - einfach, weil ich niemanden kenne, der so sprechen würde Icon_wink
Gerade durch die Überblendungen mit den Gesprächsfetzen gewinnt dein Text auch wieder, finde ich. Und dadurch, dass du darauf verzichtest, zu erklären, was hier eigentlich passiert ist.
Alles könnte passiert sein - aber es ist unwichtig. Was bleibt, sind nicht die Ursachen, nicht der Ablauf, es sind nur die Hitze, die Benommenheit, der Schmerz.
Ja, gefällt mir! Icon_smile


Mira

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Beitrag #3 |

RE: Alltagsmord
Hallo Eva,

Ich weiß nicht so wirklich, was ich von deiner Geschichte halten soll. Auf der einen Seite klingt sie interessant, das Abenteuer in den Sinnen eines Menschen, bei dem nichts mehr funktioniert. Der einfach da ist und da passiert was, aber was genau, das sieht er nicht mehr. Ist viel zu beschäftigt mit dem, was da in seinem Körper abgeht. Versteht nicht wirklich, dass da noch Leben ist, in ihm, aber das Herz schlägt. Ich glaube, es schlägt bis zum Schluss. Allerdings ist er schon zu weit von sich selbst entfernt, als dass er das noch wahrnehmen könnte. Was nimmt er überhaupt nochma. Die Eindrücke sind verwirrend, weil man die Rahmenhandlung nicht wirklich überblicken kann, man tappt im Dunkeln, wenn man verstehen will, wie es zu diesen Gefühlen gekommen ist. Deshalb bin ich mir auch nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe. Und es ist immer schwierig, seine Meinung zu sagen, wenn man nicht alles mitbekommen hat, finde ich.

Vielleicht solltest du versuchen, ein wenig mehr Struktur in den Text hineinzubekommen. Zum Beispiel, in dem du genauer schilderst, wo er sich befindet. Ist das drinnen oder draußen? So etwas bemerkt man ja, auch wenn man sich wirklich in krassen Zuständen befindet. Ist er allein? Offensichtlich nicht. Da sind diese Stimmen. Am Anfang kamen die noch klar rüber, ein Freund oder Bekannter oder so, der sich verabschiedet. Befindet er sich in diesem Zustand, wegen dem Abschied, den er vielleicht nicht verkraftet? Oder war der Zustand schon vorher da, ist vielleicht der Grund für diesen Abschied? Und wem gehört dann die Stimme, die das mit dem Blut sagt? Wie du siehst bleiben einfach noch ein paar Fragen offen und wie gesagt bin ich ein wenig durcheinnader gekommen.
Außerdem fand ich den Text auch ein wenig kurz, irgendwie. Kann aber auch an meinen konfusen Gedanken diesbezüglich liegen.

Also, vom Stil her fand ich es wirklich in Ordnung, war leicht und flüssig zu lesen, außerdem ist es immer eine Herausforderung, solche Emotionen zu beschreiben und das reine Beschreiben hast du schon sehr gut hinbekommen. Man kann genau nachvollziehen, was da in seinem Kopf abgeht. Es fehlt halt nur ein bisschen das, was draußen passiert.

Fehler:
Zitat:Mein Mund ist so trocken, ich habe durst. Mein verschwitzter Körper schmilzt und vereint sich mit dem heißen Asphalt.
"Durst" groß schreiben...
Zitat:Mein Blick irrt herum, nach jemand suchend, an dem er sich festhalten könnte.
Das ist niemand.
Da...

Liebe Grüße,
Lain

Schmetterlinge weinen nicht

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Beitrag #4 |

RE: Alltagsmord
*kurz vorbeischau*

Für mich ist da ein Unfall passiert; jemand liegt auf der Straße und stirbt ... und es flattern noch Gesprächsfetzen vom letzten Abschied in den Kopf.
Der Unfall könnte passiert sein, weil das Ich - zu sehr beschäftigt mit dem Abschied - in ein Auto gelaufen ist. Oder es hat sogar Selbstmord begehen wollen deswegen (vielleicht ist es verlassen worden).
So ein Szenario ist das für mich ... und wie gesagt, ich mag, wie es nicht deutlich ausgesprochen wird, sondern so ganz auf die Sinneseindrücke eines Sterbenden reduziert wird. Icon_smile

Das nur kurz zur Erklärung, wie ich es gelesen habe Icon_wink *wieder verschwind*

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Beitrag #5 |

RE: Alltagsmord
Da Eva sich leider vorläufig aus dem Forum verabschiedet hat (siehe hier) und wir nicht wissen, ob es in ihrem Sinne ist, wenn sie weiter kommentiert wird, werden ihre Texte und Gedichte erst einmal gesperrt. Sollte sie zurückkehren und sich weitere Rückmeldungen wünschen, werden wir sie aber natürlich wieder öffnen.

Wir finden diesen Abschied schade, respektieren aber Evas Entschluss und wünschen ihr alles Gute.


Mira

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