Es ist: 08-03-2021, 04:34
Es ist: 08-03-2021, 04:34 Hallo, Gast! (Registrieren)


Helgas Marotten
Beitrag #1 |

Helgas Marotten
Nun, ich bin hier eingetragen und freundlich begrüßt worden, somit habt Ihr Anspruch auf einen Beitrag. Ich habe etwas aus meiner Single-Zeit hervorgekramt.
Jetzt ist es allerdings aus mit meinen Marotten und siehe da, ich lebe trotzdem und nicht einmal schlecht, ganz im Gegenteil.

Also hier die Geschichte:

Umräumen



Also, ich weiß ja nicht, was andere leute so machen in ihren wohnhöhlen, ich jedenfalls muss hin und wieder zu hause einen anderen anblick haben. Das heißt es muss irgendwie alles umgestellt werden.
Als wenn man nichts anderes zu tun hätte! Es gäbe da so notwendige arbeiten, wie zum beispiel mal die fenster zu putzen oder vielleicht noch was köstlicheres, wie den keller aufzuräumen. Ach, mir fällt da so viel ein: da wäre noch wäsche zu plätten ( großes pfui). Ich hasse es! Oder den bürokram in ordnung bringen, 1000 zettel abheften, was mehr als horror im heim bedeutet.

Na ja, jeder hat da so seine „lieblingsbeschäftigungen, die ständig auf grund irgendwelcher vorgeschobener angeblich weitaus brennender wichtigkeiten zum st.nimmerleinstag verschoben werden.
Also, ich finde es schon ungeheuer wichtig, dass ich mal was anderes sehe, wenn ich die zimmertür öffne, als jahrzehntelang das ausgeleierte sofa in der linken ecke und den tanzenden elfenreigen über dem bett.

Es soll menschen geben, die lieben das, das gewohnte, sie ertragen keine veränderung. Die ertragen überhaupt und schon aus prinzip kein abweichen von dem mit der muttermilch eingesogenem reglement. Das war gut und ist gut und wird immer das einzig wahre sein. Mahlzeit! Auch eine einstellung!
Nun, lassen wir sie im eigenen saft schmoren. Meistens sind solche typen auch noch nervend rechthaberisch. Streitet man sich in solchem fall?….nein man lächelt milde und lässt sie in dem glauben, die anderen wären die deppen. Man überzeugt sie sowieso nicht von den erfrischenden, belebenden gefühlen, die eine kleine veränderung mit sich bringen kann. Lassen wir sie den keller bohnern und endlich alles geschirr noch mal abwaschen ( steht ja schon so lange im schrank und es ist staub drauf). Sie sind dann glücklich und darauf kommt es ja schließlich an. Im übrigen haben diese mentalitäten auch keinerlei verständnis, wenn andere ausbrechen und sich verändern, welches gebiet es auch betreffen mag.

Nun, ich brauche wie gesagt mindestens eine sommer- und eine wintervariante. Ich nenne es der einfachheit mal so. Natürlich bin ich versucht, zwischendurch auch noch so einiges zu bewegen. Ich nehme da mal kurz die bilder von der wand und stelle kleinere sachen auf einen anderen platz. Das ist die harmlose tour. Zum glück redet mir dabei keiner rein. Früher war das alles mit härtesten diskussionen verbunden und im kalten krieg wurde dann wieder alles in abwesenheit auf den alten platz gestellt. Ein anderes thema!

Jetzt bin ich der king und es bleibt so, wie ich es festgelegt habe…außer ich bekomme einen erneuten anfall und stelle selber wieder zurück (kommt auch vor)
Nun, wenn ich unerhört gut drauf bin, dann geht das los. Es werden die größten möbelstücke von einer ecke in die andere geschoben. Da entsteht ein chaos, was jeder beschreibung spottet, denn mit meinen bescheidenen kräften, muss alles cm-weise vorwärts bewegt werden und man muss scheuerlappen drunterlegen, hat ja nicht jedes stück rollen. Manchmal muss vorher noch was ausgeräumt werden. Und jetzt wird’s wirklich spannend, ich entdecke vermisste dinge, auch staub, das gebe ich mal zu, aber den habe ich natürlich nicht vermisst. Jedenfalls ist es ein grund zur wiedersehensfreude.
Es kam auch schon vor, dass der plan nicht aufgegangen ist, das heißt das bett ist zu lang es passt nicht in den zugewiesenen platz oder die wand ist zu kurz. Habe ich mich vermessen? Mir wird ganz heiß, jetzt muss ich die ganze chose zurückrammeln. Bloß gut, dass kein neunmalkluger zuschaut und hohnlächelnd weise ratschläge erteilt.
Wie nennt man das: mut zur umkehr! Hat nicht jeder. Da gibt es welche die verkürzen glatt das bett, bloß um nicht zuzugeben, dass sie sich vergaloppiert haben. Die würden sogar mauern einreißen, ehe sie einsicht in den irrtum ihrerseits zeigen. Oh, heilige einfalt!

Ich gehöre zu den umräumertypen, die nichts unversucht lassen aber auch geneigt sind, andere wege zu beschreiten, notfalls auch den alten zustand wieder herstellen (zähneknirschend aber schon). Ein bisschen muss man schon ein wühlertyp sein, einer der für einen anderen anblick die welt verändert, für einen besseren anblick versteht sich. Ist doch bloß die kleine welt, wird doch keiner geschädigt. Es sei denn man klemmt sich oder irgendwas geht zu bruch bei der aktion, soll vorkommen. Dann sagt man stets, das war sowieso nicht mehr gut und für die selbstverstümmlung ist man halt auch selber schuld, darüber wird nicht gejammert.

Wenn dann das werk vollbracht ist, dann lasse ich genüsslich die blicke schweifen und finde es großartig so. Bei der gelegenheit wurde der fällige großputz auch mit erledigt und so hat sich alles bestens gefügt. Wehe es kommt nun einer, der sagt mit einer unangenehmen betonung, dass es vorher aber besser gewesen wäre. Der erntet einen giftigen blick. Mehr protest gegen diese äußerung ist bei mir nicht drin, höchstens noch schwächelnde verteidigungsversuche für die einrichtungsvariante. Aber es bleibt erstmal so, bis ich wieder anfange rapplig zu werden. Ich mache das immer wieder, weil ich halt so ein heißblütiger umräumungswühlertyp bin. Möglicherweise steckt das im blut, gewissermaßen ist dieser drang irgendwie vererbbar. Also das ist es. Es gibt beweise.
Man kann soviel erben, reichtümer, schulden, krankheiten oder lange nasen und große füße. Dass man aber mit diesem umräumungshang auch erblich belastet oder gesegnet sein könnte, hat bestimmt noch kein wissenschaftler untersucht. Wäre doch mal eine anregung, oder?

Ich bin mir allerdings noch nicht ganz sicher, ob man diese untersuchungen nicht zu gunsten anderer erbsachen zunächst einmal verschieben sollte.


Bitte seht mir die durchgängige Kleinschreibung nach (war auch eine Marotte, wenn auch eine schrecklich blödsinnige)


Helga


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Beitrag #2 |

RE: Helgas Marotten
Hallo Helga,


dann nehmen wir deine Marotten mal unter die Lupe Icon_wink ...
Gleich vorweg: Wenn Kleinschreibung, dann bitte konsequent - also auch am Satzbeginn.
Weitere Anmerkungen (was du übernimmst, bleibt aber selbstverständlich immer dir überlassen):

=> ich jedenfalls muss hin und wieder zu hause einen anderen anblick haben. Das heißt es muss irgendwie alles umgestellt werden.
Wortwiederholung - vielleicht "ich jedenfalls brauche hin und wieder zu hause einen anderen anblick"?
Und: Komma nach "heißt"

=> Als wenn man nichts anderes zu tun hätte!
als ob man ...

=> die fenster zu putzen oder vielleicht noch was köstlicheres
nach "putzen" komma oder gedankenstrich

=> ( großes pfui)
Da ist dir ein Leerzeichen zuviel in die Klammer geschlüpft Icon_wink

=> 1000 zettel abheften
In Prosatexten wirkt es grundsätzlich besser, Zahlen auszuschreiben (also "tausend"). Hier aber nicht unbedingt notwendig, da du ja auch alles klein schreibst (frag mich nicht, wie das zusammenhängt *lach*) ...

=> jeder hat da so seine „lieblingsbeschäftigungen
Ein Anführungszeichen oben hat sich in Luft aufgelöst

=> die ständig auf grund irgendwelcher vorgeschobener angeblich weitaus brennender wichtigkeiten zum st.nimmerleinstag verschoben werden
... aufgrund irgendwelcher [...] weitaus brennenderer wichtigkeiten bis zum st. nimmerleinstag ...

=> Also, ich finde es schon ungeheuer wichtig
Komma zuviel

=> die lieben das, das gewohnte
Einmal "das" und ein Komma zuviel

=> kein abweichen von dem mit der muttermilch eingesogenem reglement
eingesogenen

=> Streitet man sich in solchem fall?….nein man lächelt milde
Nur drei Punkte - und nach der neuen Rechtschreibung je ein Leerzeichen davor und dahinter, außer das Wort ist unvollständig.
Außerdem: Komma nach "nein"

=> ( steht ja schon so lange im schrank und es ist staub drauf)
Wieder ein Leerzeichen zuviel in der Klammer (und hier musste ich grinsen Mrgreen ...)

=> Ich nenne es der einfachheit mal so
... der einfachheit halber ...

=> es bleibt so, wie ich es festgelegt habe…außer ich bekomme einen erneuten anfall und stelle selber wieder zurück (kommt auch vor)
Wieder je ein Leerzeichen vor und nach den drei Punkten. Außerdem ein Komma nach "außer" und einen Punkt am Ende es Satzes.

=> ein chaos, was jeder beschreibung spottet
... das jeder beschreibung ...

=> mit meinen bescheidenen kräften, muss alles cm-weise vorwärts bewegt werden
Komma zuviel (und besser "zentimeterweise")

=> das heißt das bett ist zu lang es passt nicht in den zugewiesenen platz
das heißt, das bett ist zu lang, es passt nicht an den zugewiesenen ...

=> oder die wand ist zu kurz
*grins*

=> Da gibt es welche die verkürzen glatt das bett
Komma nach "welche" (und: *gg*)

=> Ich gehöre zu den umräumertypen, die nichts unversucht lassen aber auch geneigt sind
Komma nach "lassen"

=> notfalls auch den alten zustand wieder herstellen (zähneknirschend aber schon)
Den Zusatz in der Klammer finde ich ein bisschen unklar formuliert - meinst du "zähneknirschend, aber doch" oder doch eher "wenn auch zähneknirschend"? Vielleicht kannst du das klarer ausdrücken ...

=> einer der für einen anderen anblick die welt verändert
Komma nach "einer"

=> für die selbstverstümmlung ist man halt auch selber schuld
Entweder "an der selbstverstümmelung ..." oder "für die selbstverstümmelung trägt man halt auch selber die verantwortung"

=> Wehe es kommt nun einer, der sagt mit einer unangenehmen betonung, dass es ...
Klingt holprig - Vorschlag: "... der mit einer unangenehmen betonung sagt, dass es ..."

=> bis ich wieder anfange rapplig zu werden
Komma nach "anfange"

Gut, das war's, was ich beim Durchlesen gefunden habe.
Eine lockere, selbstironische Idee ...
Ich denke, dass zwar humormäßig noch ein wenig mehr Potential drin wäre (wenn du z.B. stellenweise konkreter werden würdest - weniger "die Theorie des Umräumens" sondern "wie sieht es aus, wenn ich umräume") - aber auch so liest es sich schon abschnittsweise wirklich witzig.
Meine Lieblingsstelle(n):

Zitat:Lassen wir sie den keller bohnern und endlich alles geschirr noch mal abwaschen ( steht ja schon so lange im schrank und es ist staub drauf).

und

Zitat:Wie nennt man das: mut zur umkehr! Hat nicht jeder. Da gibt es welche die verkürzen glatt das bett, bloß um nicht zuzugeben, dass sie sich vergaloppiert haben. Die würden sogar mauern einreißen, ehe sie einsicht in den irrtum ihrerseits zeigen.

- musste wirklich grinsen. *g*

Ja, wie gesagt - da wäre mehr Potential, denke ich.
Aber auch so liest es sich locker und humorvoll, besonders die leichte Selbstironie gefällt mir.
Eine symphatische Marotte - solang man nicht selbst davon betroffen ist :D


Mira

Ich bin ein Fragezeichen
kein Punkt
- Rose Ausländer -

Avatar von Zwielichtstochter

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Beitrag #3 |

RE: Helgas Marotten
Oh, Mira, großen Dank für Deine unendliche Mühe, meine kleine Geschichte so unter die Lupe zu nehmen. Ich schäme mich eine sooo schlampige Arbeit vorgestellt zu haben. Du hast absolut Recht. Ich werde mich befleißigen, besser auf Interpunktion und sonstige Luschigkeiten zu achten. Ich bewundere Deine Genauigkeit. Das hätte ich nie drauf. Ich achte, wenn ich lese, fast nur auf den Inhalt, auf die Flüssigkeit, auf die Art und Weise zu artikulieren. Aber auch Handwerkszeug muss beherrscht werden. Das A un O halt.

Nun, Dank auch für Dein Lob, es tröstet ein wenig über die berechtigte Kritik hinweg. Du wirst bei meinen anderen Geschichten sicher auch sehr erfolgreich sein bei der Fehlersuche. Ich schrieb und schreibe immer nur zum Vergnügen munter drauf los und arbeite dabei stets etwas nachlässig, mir fehlt irgendwie die Akuratesse, was keine Marotte ist, eher ein Manko. Ein Lektor hätte bei mir sicher viel Anlass für Schimpfe, Rüge und Rüffel. Aber wenn er trotzdem über meine Texte schmunzeln kann und sie nicht sofort weg legt, dann bin ichs zufrieden.Icon_lachtot

Lieben Gruß und nochmal Danke Mira für Deine viele Mühe und Deinen Kennerblick.:icon_danke_ATDE:

Helga

P.S.

Nun, ich wollte noch anmerken, dass meine Geschichten vordergründig betrachtet, wie schon bemerkt, sich durchaus witzig anfühlen, sich deshalb recht schnell und flüssig lesen mögen, aber das Eigentliche ist nur für den Leser sichtbar, der zwischen den Zeilen liest. Ja, da gibt es Potentiale, die ich allerdings nicht im Ausbau des allgemeinen Klamauks sehe, sondern eher und bei mir immer in der philosophischen Betrachtung durch den Leser allein. Ich weiß, dies ist mühevoller als nur den blanken Text zu zerlegen. Diese Geschichte habe ich unter dem Aspekt der ständigen Veränderung im Leben geschrieben, auch unter dem fast zwanghaften, fieberhaften Drang, das Leben zu ordnen, neu zu ordnen, im Kleinen, damit zu beginnen, aufzuarbeiten, auch der Versuch, Fehlentscheidungen zu revidieren.
Nein, ich kann und werde nicht erwarten, dass irgend jemand tiefschürfende Deutungen versucht. Das wäre viel zu viel verlangt. Muss auch nicht sein. Man liest halt eine muntere Geschichte, sieht ein paar Fehler und schmunzelt, vielleicht sogar über die scheinbare Naivität der Autorin. Das ist ok und total normal.

Erkennen wollen
ist der erste Schritt des Verstehens.
Zunächst im Selbstversuch!

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