Es ist: 08-03-2021, 04:52
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Die Enthaarung
Beitrag #1 |

Die Enthaarung
Die Enthaarung

Die Enthaarung der Frau
sei ein Zeichen von Klasse
Meint die Meier-Dingsbumsen
aus der Nobel-Schröder-Gasse
Wie ein Kinderpopo die Beine
Dazwischen nur feine
Unter den Armen keine
Die Brauen gezupft oder epiliert
Der Damenbart abrasiert
Die Frau völlig aufpoliert
Schäumt über vor Rasse
Männe greift resigniert in die Familienkasse
Die Enthaarung des Mannes spielt keine Rolle
Gewöhnlich verliert er auch so die Tolle
sein Haar auf Brust und Unterleib
Entzückt das enthaarte Rasseweib
Sie streichelt ihn zart,
sie zirpt und zupft
Die Frau ist enthaart,
er ist gerupft
Die Meier-Dingsbumsen
aus der Nobel-Schrödergasse
Meint ein Zeichen von Rasse
Wäre nun ein Arschgeweih
Der Mann mit dem Horn auch am Schädel
Tätschelt am Steiß sein Mädel
nicht sehr begeistert, doch ist er dabei
er ist verkleistert, wie einerlei

Es folgt der Enthaarung, das ist die Erfahrung
Die Degenerierung, und die Verblödung
Die Desorientierung, auch die Kopfverödung
Wen stört das schon, es ist halt Mode
Es ist gewollt, es scheint Methode
von den haarigen Sachen sind sie abgelenkt
Frau Meier-Dingsbumsen nicht mehr denkt
Nur Frau Eier-Bingsumsen klagt
Enthaarungscreme fördere Gicht
Aber Frau Leier-Stinkrumsen wagt
Eine neue Sicht
Bietet an das überflüssige Haar
Auf mildtätig nützlichem Straßenbasar
Als Kissenfüllung warm und dicht
Es wär für die Welt ganz wunderbar

Allmählich geht nun aus das Licht
Enthaarte Affen lachen nicht.


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Beitrag #2 |

RE: Die Enthaarung
Hm, hallo Helga.


Ein Gedicht, das kritisch und zugleich auch ein wenig humorvoll ist. Es liest sich flüssig und ist angenehm salopp, allerdings find ich's um die Hälfte zu lang.

Der erste Teil passt zum Titel und ist kritisch. Er hört für mich jedoch bei Schäumt über vor Rasse, spätestens aber bei er ist gerupft auf. Dann liest es sich zwar weiter flüssig und salopp, allerdings geht irgendwie die Relevanz und der Sinn zwischen den Reimen verloren. Gegen Ende (Kissenfüllung etc.) bist du wieder beim Thema; allerdings irgendwie gefesselt vom Reim.

Wenn du nach einer der oben kursiv gestellten Zeilen noch eine Schlusspointe schreiben und damit dein Gedicht beenden würdest, würd's mir persönlich um einiges besser gefallen. Ich find nämlich den ersten Teil ganz gelungen. Danach ist es eben nicht mehr mein Fall.

Das ist natürlich alles nur meine Meinung.
lg
lu Icon_smile

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Beitrag #3 |

RE: Die Enthaarung
Hallo und guten Morgen,

Danke lu, dass Du mein Gedicht gelesen hast. Wenn Dich ein Teil nur amüsiert hat und der andere nicht mehr so Dein Ding ist, dann hätte ich ja wenigstens einen TeilerfolgIcon_wink

Ich sehe da zwar keinen Bruch und finde auch und gerade den zweiten Teil kritisch, weil ich da eine ganz bestimmte Gruppe von Leuten im Visier, eigentlich ganz bewusst, die Sache auf die Spitze getrieben habe. "Relevanz zwischen Sinn und Reim geht verloren", hier verstehe ich nicht, was Du genau meinst. Das Reimen hat hier doch nur die Funktion, das Gedicht flüssig lesbar werden zu lassen und erhöht durch die passende Wortwahl den Witz.

Im Grunde geht es hier gar nicht um die Enthaarung an sich, sondern um den Wahn der Leute, unbedingt "modern" zu sein, Aufmerksamkeit zu erregen um jeden Preis und sich das Gewissen für die Perversität der Wohlhabenden mit Scheinsolidarität für die Ärmsten der Welt zu erleichtern.

Was die Länge anbetrifft, gebe ich Dir Recht. man hätte ohne Weiteres auch zwei Gedichte daraus machen können. Ich war aber so im Fluss, hatte ich doch die "Goldelsen" im Sinn, die aufgedonnert und behängt wie ein Weihnachtsbaum deutlich sichtbar mit Arschgeweih versehen, rauchend, auf irgendeinem Solibasar Häkeldeckchen und gebrauchte Klamotten verkauften. Dann hörte ich noch zu allem Überfluss, wie sie sich das Maul zerrissen über die kulturlosen Ostfrauen, die sich nicht einmal unter den Achseln rasieren. "Pfui Deibel, diese Frauen aus der ehemaligen DDR sind einfach widerwärtig und kulturlos", hörte ich. Da hats mir gereicht. So ist halt dieses zu lange Gedicht entstanden.

Also, ich danke Dir auf alle Fälle für Deinen Kommentar.:icon_danke_ATDE:

Helga

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Beitrag #4 |

RE: Die Enthaarung
Hallo Helga Icon_smile

wenn ich geschrieben habe, die Relevanz geht verloren, hab ich gemeint, dass es dann im zweiten Teil eben nicht mehr um Enthaarung geht, eigentlich. Relevanz bzgl. Titel.

Dass dir der Sinn zwischen den Reimen abhanden kommt, hab ich so gemeint, dass manche Zeilen sich für mich so lesen, als wären sie nur um des Reimes Willen da und nicht, weil sie relevant und sinnvoll für das Gedicht wären.

naja, wieder nur meine Meinung
lg
lu Icon_smile

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Beitrag #5 |

RE: Die Enthaarung
Hi Helga Icon_smile

ich hätte an deiner stelle nach 'gerupft' (= ca. mitte) aufgehört. für das thema wäre die länge nicht nur passender gewesen, sondern bis dahin ist es wirklich konzentriert geschrieben nach meinem empfinden. danach verliert der text an stärke. das wäre - nach meinem vorschlag - dann zwar ein langer limerick, aber eben flüssig und am thema bleibend. bis dahin find' ich's auch ganz gut gelungen.

Grüße
candida

Es gibt nichts, was es nicht gibt, und nichts ist weniger ergründbar als die Komplexität und der Facettenreichtum zwischenmenschlicher Beziehungen, und seien es Liebesbeziehungen. 'Ich' ©


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