Es ist: 08-03-2021, 05:06
Es ist: 08-03-2021, 05:06 Hallo, Gast! (Registrieren)


Der Bahnhof von hinten
Beitrag #1 |

Der Bahnhof von hinten
Der Bahnhof von hinten

Hinten ist er weniger schön
Weil hinten die Leute nicht stehn
Wichtig ist vorne nur
Sie sehen die Zeiger der Uhr
Sie schreiten durch ein Hauptportal
Kaufen mit Genuss
Was muss
Hinten ist er weniger schön
Weil ihn hinten die Leute nicht sehn
Wichtig ist nur die Fassade für alle
Eine einladende Halle
Die angenehme Falle
Lauft, aber mit Genuss
Schluss
Hinten zu schauen
Mich überkommt Grauen
Vergessen, verschimmelt, verrottet,
Ein Hund zwischen den Tonnen trottet
In der Ferne ein Ton, ein schwaches Licht
Schimmert rüber, mehr nicht.
Schicht
Den Bahnhof von hinten
Sieht flüchtig der Reisende nur
Er schüttelt den Kopf, schaut auf die Uhr
Er blickt nach vorn, geht durch die Halle

Das machen fast alle.

Erkennen wollen
ist der erste Schritt des Verstehens.
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Beitrag #2 |

RE: Der Bahnhof von hinten
Hallo Helga,

der Bahnhof von hinten. Rein bildlich frage ich mich, wo bei einem Bahnhof hinten ist. Die meisten Bahnhöfe, die ich kenne, haben kein Vorne, sondern zwei Vornes. Oder eben ein Vorne und ein An der Seite.
Aber ich sehe dein Gedicht eher metaphorisch und da ist das Bild eines, das zum Nachdenken anregt. Ein kurzer Blick und dann vorbei am Hinten, wo kaum Licht hingelangt. Das lässt sich natürlich in viele Richtungen interpretieren und ich mache das mal im Stillen, weil ich mich nicht für eine entscheiden kann.
Rhythmisch ist dein Gedicht an manchen Stellen holprig, vor allem weil die Verslängen sehr unterschiedlich sind. Beim Vorlesen kommt man aber gut durch. Ich würde dir vorschlagen, ein, zwei Leerzeilen einzufügen. Dadurch setzt man beim Lesen ein paar Pausen und hastet nicht so durch das Gedicht. Außerdem werden dann ein paar Akzente gesetzt. An einigen Stellen ist es nämlich schwierig dem Gedicht zu folgen, da du zusätzlich ohne Punkt und Komma schreibst, zum Beispiel hier:
Zitat:Lauft, aber mit Genuss
Schluss
Hinten zu schauen
Mich überkommt Grauen
Da könnte man lesen:
Schluss, hinten zu schauen. Mich überkommt Grauen.
Oder:
Schluss! Hinten zu schauen - mich überkommt Grauen.
Sicher gibt es noch einige andere Möglichkeiten.

Zitat:Sie schreiten durch ein Hauptportal
Da du von "dem Bahnhof" schreibst, würde hier auch "das Hauptportal" gut passen.

Insgesamt ein inhaltlich gelungenes Gedicht, aus dem du formal noch ein bisschen mehr rausholen könntest.
Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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Beitrag #3 |

RE: Der Bahnhof von hinten
Hallo Libertine,

Dankeschön Libertine, dass Du mein Gedicht gelesen hast.
Über Deine Hinweise will ich gerne nachdenken und dann eventuell das Eine oder Andere verbessern.
Natürlich ist der Bahnhof ein Methaper. Wie oft wird großer Bahnhof veranstaltet und es ist nichts dahinter? Man möchte nur das Schöne sehen und hastet durch die Hallen, von Event zu Event.
Und...ich sah allerdings auch tatsächlich viele Bahnhöfe von hinten, von den Gleisen aus, im Vorbeifahren, zugig, schmutzig, reichlich dunkel. Daran erinnerte ich mich als ich dieses Gedicht schrieb. Die Gedanken treffen auf viele Lebensbereiche zu, wie Du es auch schon gesagt hast. Es werden so oft in Wirtschaft und Politik Shows veranstaltet, um sich zu profilieren, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Wirklichkeit sieht leider ganz anders aus.

Lieben Gruß
Helga

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Beitrag #4 |

RE: Der Bahnhof von hinten
Mir gefällt es.
Die sich wiederholende Struktur setzt meiner Meinung nach die Akzente, auch fürs Lesen bzw. Vorlesen.
Da könnte man noch etwas Feinarbeit leisten, was z.B. die Reimschemen betrifft, die Zeilen- bzw. Versfolge. Auch das schon angesprochene Holpern. Nur als Beispiel:
aus:
Wichtig ist nur die Fassade für alle
besser:
Wichtig nur die Fassade für alle

Ich denke aber, dass du, wenn du immer ein bisschen weiterfeilst, von selbst schnell dem Optimum nahe kommst. Es lohnt sich Icon_wink.

LG
Philipp


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Beitrag #5 |

RE: Der Bahnhof von hinten
Danke, Philipp für Deinen Kommentar und es freut mich natürlich sehr, dass Dir dieses Gedicht gefällt.
Ja, Du hast wohl recht, man muss immer wieder die Verse laut lesen, dann fällt auch Holprigkeit auf. Es ist schwierig, ein perfektes Gedicht zu schreiben, aber ich glaube, das will ich auch gar nicht.
Komischerweise bringt das Nachbessern (bei mir zumindest) meist nichts, es artet in eine Schlimmverbesserung aus. Eher versuche ich, ein anderes, neues Gedicht zu verfassen, allerdings unter Berücksichtigung mir brauchbar erscheinender Hinweise.
Ich habe auch bemerkt, dass viele Poeten sich die guten Vorschläge der Kritiker höflich anhören, dafür danken und dennoch ihr Werk so lassen, wie sie es geschrieben haben. Es gibt zuweilen Vorschläge wie das betreffende Gedicht mit anderen Worten (die Worte des Kritikers natürlich) aussehen könnte. Der Kommentierende findet es sooo natürlich ungleich besser. Aber sei doch mal ehrlich, würdest Du Deine Kopfgeburt umschreiben, weil es Dir im Kommentar angeraten wurde?
Das betrifft jetzt nicht Deinen Hinweis für mein Gedicht, den halte ich natürlich für umsetzbar, keine Frage. Meine Bedenken beziehen sich auf Kommentare, die ein Gedicht fast völlig demontieren. Ich würde das nie machen, weil der Poet sich klein und hässlich dabei vorkommen muss und dies ist meiner Meinung nach überhaupt nicht hilfreich. Aber vielleicht bin ich auch viel zu sensibel.

Lieben Gruß Helga

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Beitrag #6 |

RE: Der Bahnhof von hinten
Ich denke, ich würde jeden Hinweis, der mir nicht von Beginn an völlig absurd vorkommt, gründlich durchdenken. Möglicherweise würde ich es ausprobieren. Vielleicht auch nur merken, dass der Hinweis gut, der Verbesserungsvorschlag aber verbesserungswürdig ist. In jedem Fall bleibt die Entscheidung meine eigene.

Aber du hast recht: Lyrik ist da besonders sensibel. Und es geschieht schnell, dass ein Kritiker seine eigenen Maßstäbe und Geschmäcker an den fremden Text heranträgt.

LG
Philipp


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