Es ist: 19-11-2019, 03:37
Es ist: 19-11-2019, 03:37 Hallo, Gast! (Registrieren)


Blutige Seelenbilder
Beitrag #15 |

RE: Blutige Seelenbilder
Hallo Lady,

ich hab noch einen meiner Kommentare aus VeWe gefunden. Ja, zu dieser Geschichte. Ich dachte mir, da mir die Geschichte immer noch so gefällt, dass er hier nicht fehlen darf. Icon_wink Ein wenig abgeändert hab ich ihn allerdings schon, bzw. angepasst.

Blutige Seelenbilder
=> na dann aber her damit, ... *g*

Die Feder kratzt über das Papier, hinterlässt Buchstaben aus schwarzer Tinte und kein anderer Laut ist zu hören. Avanjos sitzt an seinem Schreibtisch. Es ist Nacht und sein Arbeitszimmer wird nur spärlich vom blassen Mondlicht erhellt. Auf der Fensterbank steht eine Kerze, er schreibt in ihrem flackernden Licht, liebt dieses Spiel mit den Worten.
=> Uiiii ich denke, jeder (Hobby)-Autor kann sich gut in Avanjos hineinversetzen. Ein sehr schöner, stimmiger Einstieg / Moment.

lässt sie noch einen Moment lang, um ihren Liebsten Trauern, doch dann beendet er, mit dem letzten geschriebenen Wort, die Geschichte und das Leben der jungen Frau und sieht auf.
=> Eine wunderbare Stimmung, die du hier aufbaust. Allerdings hab ich (immer noch) mit der Doppelung "und" noch immer ein kleines Problem. Es klingt nicht so rund. "und sieht auf" wirkt hinten angehängt.
Das mit der Buche gefällt mir sehr sehr gut, ... wirklich gut.
Jedes Blatt, ein Menschenleben.

Avanjos hält inne, sieht nicht mehr die Buche, sondern Bilder von Blut, welches aus den Büchern rinnt, aus dem Regal fließt und kleine Seen auf dem dreckigen Teppich bildet, sich zu einem roten, grenzenlosen Meer sammelt und schließlich den gesamten Fußboden bedeckt. Blut fließt aus seiner Feder, bildet dünne Linien auf dem Papier, formt Wort für Wort und schreibt seine Geschichte.
=> Gut gedacht. Ein Autor, der Geschichten schreibt, fühlt wie das Blut, das er in seinen Geschichten vergossen hat, an seinen Händen klebt, wie es ihn verfolgt, wie er in den Wellen des Blutmeeres ertrinkt. - Gefällt mir, kenn ich so ein bisschen, wenn es bei mir ans Blut vergießen geht.

Ich bin der Herr der Realität. Nur ich allein habe die Macht, das geschriebene Wort Wirklichkeit werden zu lassen. Ich habe schon tausende Schicksale besiegelt, habe Leben geschaffen und Leben genommen.
=> *g* jaja, das (Ab)Leben / Schicksal eines Autors, ... Mrgreen

Das silbrige Mondlicht fällt niemals auf die Wände meines Arbeitszimmers. Sie sind vollständig bedeckt von Bücherregalen. Jedes Buch ist ein Menschenleben, ein Schicksal.
=> In meinem ersten Kommentar hab ich diese Stelle hier bemängelt, weil du von einem Menschenleben geschrieben hast. Ich freu mich, dass es sich in dieser Version geändert hat. Klingt so bei dir nun auch vielschichtiger. Icon_smile

Ich bin einsam, allein gelassen mit den Leben der Menschen. Niemand kennt meinen Namen, hat mein Äußeres gesehen oder meine Stimme vernommen. Ich wurde vom Leben vergessen.
Ich habe versucht der Realität zu entkommen, wurde aber von ihr eingeholt, bin für immer verloren in der Ewigkeit.
Die Welt wird mir fremd, bricht über mir zusammen und zerfällt zu Staub, der wie Wasser durch meine Finger rinnt.

=> Ein Autor, der sich in der Welt des Schreibens wohl vollkommen verloren hat!

Ich koche Tee, in der Hoffnung, dass dieser mich beruhigen wird. Während die heiße Flüssigkeit in die Tasse läuft, tauchen die Blutbilder, aus meiner Seele, wieder vor meinem geistigen Auge auf. Ich lasse die Kanne fallen, sie schlägt auf dem Boden auf und zerbricht in viele Scherben. Die Scherben meines Lebens und ich bin unfähig dieses Puzzle wieder zusammenzusetzen.
=> Einfach wunderschön geschrieben. Ein Scherben-Puzzle.
* Sternchen ist immer noch begeistert.

Fehler sind mir keine weiteren mehr aufgefallen. Deine Geschichte ist nahe, berührt und bringt mich zu einer Frage, die ich mir so oft stelle: Wieso, wenn wir uns nach einer schöneren Welt sehnen, erschaffen wir dann immer wieder Geschichten, die schlimmer sind als unser Leben? Wir erschaffen Schicksale, brechen Herzen, erfüllen und nehmen Wünsche. Nur verständlich, dass man sich darin verlieren kann.
Danke für diese Geschichte, ich hab sie sehr sehr gerne gelesen.
Die Idee mit dem Tee finde ich wunderschön, ... wirklich gut gemacht, auch wenn ein Vergiften mit der Blutbuche nicht gelungen wäre. Der Text-Wirkung tut das keinen Abbruch. Interessant fand ich auch den Perspektiven-Wechsel, der ist dir gut gelungen und hilft dem Leser, den Gedanken des Autors besser folgen zu können.
Schön! Sprachlich, sowie Inhaltlich.

(wieder) gerne gelesen,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
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