Es ist: 22-11-2019, 13:56
Es ist: 22-11-2019, 13:56 Hallo, Gast! (Registrieren)


Blutige Seelenbilder
Beitrag #2 |

RE: Blutige Seelenbilder
Hallo Lady,

ich hoffe, es macht dir nichts aus, wenn ich dir meinen Kommentar an dich noch mal schreibe ... wie ich sehe, hast du noch keine, hoffe, das ändert sich noch, bei der tollen Geschichte ... Icon_smile

Wahnsinn, was du da gemacht hast - und vom Thema her genau etwas, was ich mag. Ganz toll. Aber ehe ich mich schon jetzt in Lobeshymnen ergehe, ein bisschen mehr zum Text.

Für mich ist es eine Mischung aus Fantasy (wegen des Autors Namen), Surrealismus (wegen der Szene mit den Gedanken und dem Tee), Drama (weil er sich das Leben nimmt) und ... nein, das war's. Also, ich finde die Rubrik nicht ganz passend, aber auch nicht unpassend. Ansonsten noch Sonstiges, weil ich festgestellt habe, dass einige der Geschichten dort vom Feeling her auch so düster-prophezeiend-dramatisch sind. Ist aber eigentlich auch egal, denn was wirklich zählt, ist der gelungene Inhalt.

Ich glaube (oder ich weiß, denn ich habe etwas in dieser Richtung auch schon mal geschrieben), dass jeder Autor auf irgendeine Art und Weise besessen von seinen Figuren ist/wird. Vielleicht nicht von allen gleich stark, aber sie haben ihn in der Hand. Manchmal haben sie sogar die Feder in der Hand und scheinen ihre Geschichten selbst zu schreiben. Und als Autor wird man überrannt, werden die Figuren für einen quasi lebendig.
Ich kann gut verstehen, weshalb es deinen Prot so quält. Sein Leben ist ein Leben voller Besessenheit. Ständig muss er Menschen töten, er lebt in einer Welt aus Blut und Gewalt. Und bleibt dabei selbst auf der Strecke, weil er viel zu tief in seiner Welt versunken ist. Wie Atreju, der vom Moor verschlungen wird und sich nicht befreien kann, obwohl er es so verzweifelt begehrt.
Ich habe Mitleid mit Avanjos und bin auch kein bisschen neidisch auf den Erfolg, den er zu haben scheint, auf die vielen Bücher, die er geschrieben hat. Er hat eigentlich gar nichts, er ist gar nichts. Er lässt andere leben, nur um sie wieder sterben zu sehen.

Ich konnte mich voll und ganz in deinen Text fallen lassen, denn er ist nicht nur inhaltlich wahnsinnig gut geworden, sondern auch sprachlich. Ich bin wirklich begeistert. es schwingt eine ganz eigentümliche Melodie in den Worten, lassen das Ganze geheimnisvoll und dramatisch wirken. Toll gemacht - trotz der relativen Kürze des Textes hast du ganz viel hineinpacken können.


Zitat:Konzentriert arbeitet Avanjos an der Geschichte einer jungen Frau. Er hat sich lange mit Theas Vergangenheit beschäftigt, weiß genau, was sie fühlt, denkt und tun wird. Sie wohnt in einer großen Stadt und vor ein paar Minuten hat sie Nico zum ersten Mal gesehen, den Mann, in den sie sich verlieben wird. Soeben hat sie ihn auf einer Party kennengelernt und die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen.

Diese und die darauffolgende Stelle ist so realistisch geschrieben. Hier sehen wir durch Avanjos Augen, sehen, was ist und was sein wird, führen sozusagen selbst ein bisschen die Feder mit. Gelungen.

Zitat:In jedem sieht Avanjos ein Menschenleben. Die kleinen, roten Knospen genauso winzig, zart wie ein neugeborenes Kind. Die großen Blätter, stark wie Erwachsene in der Blüte ihres Lebens und schließlich die tiefroten, ausgetrockneten Blätter, genauso kraftlos wie die alten Menschen am Ende ihrer Jahre. Jedes Blatt, das vom Baum fällt, bedeutet ein weiteres, beendetes Menschenleben, eine neue Todesvision.

Ein sehr eindruckvolles Bild, das mir gut gefällt.

Zitat:Ich bin der Herr der Realität. Nur ich allein habe die Macht, das geschriebene Wort Wirklichkeit werden zu lassen. Ich habe schon tausende Schicksale besiegelt, habe Leben geschaffen und Leben genommen. Das silbrige Mondlicht fällt niemals auf die Wände meines Arbeitszimmers. Sie sind vollständig bedeckt von Bücherregalen. Jedes Buch voller Menschenleben, voller Schicksale.
Ich bin einsam, allein gelassen mit den Leben der Menschen. Niemand kennt meinen Namen, hat mein Äußeres gesehen oder meine Stimme vernommen. Ich wurde vom Leben vergessen.

Der Meister, der in der Realität keinerlei Macht hat. Wie traurig muss es sein, so von seiner Phantasie vereinnahmt zu sein, dass sie alles andere auffrisst, ehe es eine Chance hat, sich zu regen?
Ich bin wirklich fasziniert von Stil und Sprachschatz in dieser Geschichte.


Zitat:Ich erblicke auch die vielen Menschenschicksale, die ich sooft, in meinen Büchern, zur Wirklichkeit habe werden lassen. Ich sehe die Realität in meinem Tee und trinke mit jedem Schluck einen kleinen Teil davon.

Kleine Schlucke der Realität bedeutet kleine Schlucke Tod ... Weil er das einzige ist, das sein Leben real machen wird ... Tragisch.
Wird "sooft" in diesem Fall wirklich zusammengeschrieben?!

Bitte mehr von so etwas, das hier war für mich vollkommen überzeugend präsentiert. Ich habe überhaupt nichts zu beanstanden.

Lieben Gruß,

Lilly


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