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Es ist: 01-12-2022, 21:18
Es ist: 01-12-2022, 21:18 Hallo, Gast! (Registrieren)


Das Lefavre-Experiment
Beitrag #1 |

Das Lefavre-Experiment
Sanya und herzlich willkommen zu unserem Experiment! Die Vorgeschichte ist im Diskussions-Thread nachzulesen.
Der Übersicht halber:
Adsartha -
Åke Strindberg
Eselfine -
Fjóla Hrönnsdóttir
LaFleur -
Camille Bertoulle
rex noctis -
Alban Hérissan
Trinity of Chaos -
Frieda Stratberg


Es beginnt ...

Die unheimlichen Geräusche, die zwischen blanken Rohren, höhlenartigen Kellerwänden und Zellenwänden durcheinandergeworfen wurden, hallten in Frieda Stratbergs Dämmerzustand wider. Die Lichtblitze und Dampfpfade, die ab und zu an ihrem vergitterten Fenster vorbeizogen, schienen sie bis in das Halbbewusstsein zu verfolgen. Längst hatte sich ihre Zelle mit den lautlosen Fragen gefüllt, die sich die junge Frau immer wieder gestellt hatte, während die Erinnerungen an den Frühling in Trier, das Haus von Onkel und Tante und die fortwährenden Kämpfe gegen den starren Widerwillen der altertumskundlichen Dozenten gegen Damen bei Surveys verblassten. Frieda dämmerte in Düsternis und Einsamkeit der Zelle, in der nur ab und an das Gesicht dieses merkwürdigen Franzosen zu flimmern schien, der sie und ihren Cousin auf dem Heimweg angesprochen hatte. Doch beim besten Willen konnte sie an nichts weiter erinnern, das sie in diese surreale Welt aus Stein und Kupfer gebracht haben könnte, deren Luft dampfgeschwängert war, angereichert mit dem Stampfen von Maschinen, knisternder Elektrizität und den Rufen, in denen sie manchmal Tiere zu erkennen glaubte. Und Schmerz, Angst.
Frieda hatte unbestimmte Zeit an die unnachgiebige Wand gelehnt verbracht, mit kältesteifen Fingern an ihrem langen Rock gefriemelt und war immer wieder herumgerutscht, um ohne Stuhl oder Hocker eine Position zu finden, in der die Korsage sie nicht traktierte. Neben ihr glänzten die von fadem Licht belebten Federn an ihrem Hut, den sie irgendwann abgelegt hatte, um sich statt der Krempe ihren blonden Dutt von der Wand in den Nacken drücken zu lassen. Ein Knistern ging durch die Luft, und es schien ihr einen Augenblick, als lade sich die Luft ihrer Zelle mit statischer Energie auf … Wie in Watte gepackt betrachtete sie verschwommen, wie blaue Blitze über die metallische Tür jagten, die sie einschloss, konnte sie aber kaum für wirklich halten. Ihr Geist driftete ab, sie meinte ein helles Kreischen zu hören, wie aus weiter Ferne, und ein lähmendes Kribbeln breitete sich in ihrem Körper aus. Sie schloss die Augen und fühlte ihren Herzschlag, der zu versuchen schien, sich einem fremden Takt anzupassen.
Dann fiel der Schuss.
Er schreckte Frieda auf, jagte sie eilig auf die Beine und ihren Blick zu den Gitterstäben. Ein Aufschrei leitete einen Tumult ein, dessen Ursache Frieda nicht sehen konnte, der aber begleitet von heftigem Knistern und einem zuckenden Lichtspiel auf dem Gang vor ihrem Fenster etwas derart Unheimliches hatte, dass sie den Anblick nicht misste. Voller Furcht konnte sie nichts anderes tun, als abzuwarten, was als nächstes geschehen würde – horchend, zitternd und mit den klarsten Gedanken seit Antritts ihres Heimweges vom Gebäude der ehrwürdigen Instituts. Ein weiterer Schuss fiel, Frieda hörte das Projektil scharf gegen einen metallischen Gegenstand prallen, hörte gewaltiges Scheppern und Zischen, dazu die unverständlichen Schreie mehrerer Stimmen. Dazwischen erhob sich wie das surreales Relikt eines Traumes das Gebrüll eines Raubtieres, Frieda drückte sich gegen die Wand und hielt sich die Ohren zu. Elektrizität schien in der Luft zu toben und wieder befiel ein Kribbeln ihren gesamten Körper, diesmal klar und scharf, schmerzvoll. Frieda schrie, fiel kraftlos zu Boden und wand sich in Krämpfen. Mächtige Energien rissen an ihren Armen, zerrten an ihren Fingern, zogen an ihren Knochen. Die Halbschatten verschwammen vor ihren Augen und ihr war, also würde etwas sämtliche Kraft aus ihren Gebeinen saugen, bis sie nur noch wie eine Hülle ihrer Selbst dalag.
Ewigkeiten schienen zu vergehen, bevor der Schmerz sie aus seiner verzerrten Welt ließ. Ein metallischen Kreischen, gefolgt von rumpelnden Bewegungen drangen an Frieda heran, die sich kehlig stöhnend auf dem Zellenboden wiederfand. Die Düsternis schien nicht mehr dieselbe zu sein, es war, als hätte man alles um sie herum nur auf Pappe gemalt, und sie fühlte sich so kraftlos wie noch nie in ihrem Leben. Der Stoff ihrer Röcke schien sie zu Boden zu drücken, die Korsage schnürte ihr mit einem Mal alles ab und als sie die Lippen bewegen wollte, schienen diese knöchern verwachsen. Ihre Hände waren unbeweglich wie die starr gegossenen Formen von Prothesen, die zittrig nach ihrem Gesicht tasteten und die beinerne Oberfläche erfühlten, die sich aus ihrem Gesicht zu schälen schien und ihren Unterkiefer geradezu versteinerte. Wo einst die vertrauten Formen ihrer Wangen gewesen waren, saßen die Knochen wie mutwillig verbogen unter ihrer Haut und als sie nach ihrer Schläfe tasten wollte, sah sie ihre Finger direkt vor Augen. Von ihrer Hand waren nur groteske Formen übrig, um die der schlaffe Stoff ihrer Handschuhe zusammengefallen war: ein einziger langer Fingerzeig, flankiert von zwei verkümmerten Gebilden, die einst weitere Finger gewesen sein mochten. Sie zuckte zurück, wollte schreien. Erstickte Laute waren das einzige, was sie herausbekam. Frieda wollte sich aufrappeln, stemmte die skurrilen Gebilde ihrer Hände gegen den Boden und kämpfte gegen das Gewicht ihrer Kleidung, als seien ihre Knochen mit einem Mal hohl, während ihr Blick zuckte wie der einer Verrückten. Wo vorher das Metall der Tür schimmerte, drang nun das diffuse Licht des Ganges über den steinernen Boden.
Frieda hielt bei dem Anblick inne. Um alles in der Welt wollte sie diesem Horror entkommen, wieder sie selbst werden. Mit einiger Kraft schaffte sie es auf die Füße, konnte aber kaum aufrecht gehen. Die Stiefel hingen schwer um ihre Füße und schienen sie bei jedem mühsamen Schritt fest auf dem Boden verankern zu wollen. Gekrümmt, soweit es die mit einem Mal so strenge Korsage zuließ, schleppte sie sich auf die Öffnung ihrer Zelle zu. Am Rahmen angekommen, lehnte sie sich gegen die Metallfassung, während die kümmerlichen Überreste ihres Daumens im versuchten Griff daran abglitten, und spähte voller Angst hinaus in den Gang. Was mochte sie dort draußen nur erwarten?

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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Das Lefavre-Experiment - von Trinity of Chaos - 28-03-2013, 15:45
RE: Das Lefavre-Experiment - von Adsartha - 13-04-2013, 19:02
RE: Das Lefavre-Experiment - von LaFleur - 14-04-2013, 11:49
RE: Das Lefavre-Experiment - von Eselfine - 15-04-2013, 17:04
RE: Das Lefavre-Experiment - von rex noctis - 16-04-2013, 14:39
RE: Das Lefavre-Experiment - von Eselfine - 28-04-2013, 16:59
RE: Das Lefavre-Experiment - von Adsartha - 29-04-2013, 22:33
RE: Das Lefavre-Experiment - von LaFleur - 30-04-2013, 17:01
RE: Das Lefavre-Experiment - von rex noctis - 02-06-2013, 00:08
RE: Das Lefavre-Experiment - von LaFleur - 04-06-2013, 13:30
RE: Das Lefavre-Experiment - von rex noctis - 10-10-2013, 17:17
RE: Das Lefavre-Experiment - von Adsartha - 07-12-2013, 11:59
RE: Das Lefavre-Experiment - von rex noctis - 05-01-2014, 16:53
RE: Das Lefavre-Experiment - von Eselfine - 07-01-2014, 19:43
RE: Das Lefavre-Experiment - von LaFleur - 23-04-2014, 11:44

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