Es ist: 15-08-2020, 05:09
Es ist: 15-08-2020, 05:09 Hallo, Gast! (Registrieren)


Der Weg
Beitrag #2 |

RE: Der Weg
Hallo Wackelkrakeel!

Herzlich willkommen noch einmal! Ich will mich gleich mal um dein Geschichtenhäppchen hier kümmern Icon_smile
Kurz drei kleine Hinweise für den leichteren Einstieg bei uns:
Schön, dass du so schnell unsere Fortsetzungsrubrik gefunden hast! Pro Zu lange Texte, die wie eine Wand vor dem Leser stehen, wirken abschreckend und werden erfahrungsgemäß nicht gelesen, und dafür gibt es die Fortsetzungen. Damit es nicht zu unübersichtlich wird, nummerieren wir hier die Geschichtenteile durch. Ich möchte dich also bitten, diesen Post in "Der Weg, Teil 1" oder etwas in der Art umzubenennen und weitere Teile dann als Teil 2, Teil 3 ... hier im Sonstiges-Fortsetzungen-Forum zu posten (bitte nicht als Antwort in diesem Thread!).
Der zweite Punkt, auf den ich zu sprechen kommen wollte, ist die Länge deiner Geschichte hier. Zu lang ist nicht gut, das habe ich schon geschrieben, aber bei zu wenig Text wird es den Kommentatoren schwer fallen, dir Hinweise zu geben, wie die Geschichte verbessert werden kann, insbesondere, weil es sehr schwer ist, in sehr kurzen Texten - wie in deinem Fall mit nicht einmal 300 Wörtern - schon so etwas wie einen Plot unterzubringen. Da du dies hier in den Fortsetzungen gepostet hast, nehme ich an, dass noch etwas kommen wird und die Geschichte hier noch nicht fertig ist: Lieber etwas größere Häppchen! Drei, vier Wordseiten dürfen es schon sein. Dann kann man auch etwas zum Inhalt sagen.
Und als letzte technische Vorbemerkung: Ich habe gesehen, dass die Anführungszeichen in deiner Geschichte durchgehend gerade Häkchen oben ("...") sind. Die meisten Textverarbeitungsprogramme wandeln die beim Tippen um in (schräge) Häkchen unten und oben („…“), nicht so unser Foreneditor. Oftmals ist das ein Indiz dafür, dass der Schreiberling seine Geschichte unmittelbar hier in das Forum getippt hat. Davon möchte ich aus zwei Gründen abraten: Erstens ist der Editor nicht hundert Prozent zuverlässig - es kommt zwar selten vor, aber er stürzt schon einmal ab, und dann ist alles weg, kein Autosave, nichts. Zweitens sind Geschichten direkt nach dem Schreiben selten gut. Ein paar Mal Korrektur lesen und überarbeiten und die eine oder andere Nacht darüber schlafen sorgen regelmäßig dafür, dass die Geschichte schon deutlich besser wird. Wir sind hier dazu da, dir dort helfen, wo du allein nicht mehr weiterkommst, nicht dafür, leicht selbst behebbare Kinderkrankheiten anzumerken. Daher besser in Word und Co. schreiben und die fertigen Geschichten in einer als vorläufiger Endfassung präsentablen Form hier einstellen!

Uffz. Da oben hab ich irgendwas zum Thema "Textwand schreckt ab" geschrieben ... Icon_ugly
Jetzt aber zum eigentlichen Kommentar. Ich gehöre hier im Forum zu den Leuten, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg halten und sie sehr deutlich formulieren. Das klingt schon mal sehr hart, ist aber nie so gedacht, dass es dich persönlich verletzen soll. Ich bin nur der Meinung, dass man von geheucheltem Lob keinen wirklichen Lerneffekt davonträgt. Nimm dir einfach was dir hilft - es ist schlicht meine Meinung, keine höhere Weisheit oder sonst irgendwie zwingend Icon_wink

Jetzt aber wirklich Icon_ugly


Zitat:Hinaus aus der Tür, den Kiesweg entlang, dann nach rechts in den kleinen Park. Nicht in die Regenpfützen treten. Den verirrten Fußball der Kinder abfangen, die am Ufer des Teiches ihre Spiele spielen.
Für jemand so junges wie dich finde ich diesen Einstieg überraschend! Unvollständige Sätze sind ein Stilmittel, das man in der Schule ja an sich nicht unbedingt lernt. Aber wie das mit Stilmitteln so ist, auch Ellipsen sollte man sparsam verwenden. Der erste Satz gefällt mir ganz gut so, aber die beiden danach finde ich schon hart an der Grenze. Sie drohen die Wirkung der ersten Ellipse zu schlucken.
Vielleicht machst du einfach einen Absatz nach dem ersten Satz, lässt ihn so stehen und wirken, und fährst dann fort mit etwas in dieser Richtung:
Es hatte geregnet und der Weg war übersät mit Pfützen. Er/Sie hatte den Blick gesenkt und trat vorsichtig um sie herum. Gerade noch rechtzeitig erkannte er/sie den verirrten Fußball, der auf ihn/sie zugeflogen kam, fing ihn ab und warf ihn zurück zu den spielenden Kindern am Teich.
Insbesondere im dritten Satz stört mich die Dopplung in "Spiele spielen".

Zitat:Da ist er ja endlich, der Stadtarbeiter, gut gelaunt und pfeifend. Schnell winken:"Hallo Robert, nimmst du mich mit?"
Was ist ein Stadtarbeiter? Landarbeiter kenne ich, Stadtstreicher auch ( Mrgreen ), aber in der Kombi ... Meinst du einen Gartenarbeiter (vom Grünflächenamt oder so)?
Auch hier das "Schnell winken" ist eine Ellipse - ab und an gerne, aber das ist zu viel für meinen Geschmack! Und das sage ich als jemand, der selbst am Anfang hier mit seinen eigenen Ellipsen auf ein *hüstel* geteiltes Echo gestoßen ist ...
Zwischen Doppelpunkt und direkte Rede kommt ein Leerzeichen.

Zitat:Hinten aufspringen und die Beine baumeln lassen. Das Gefühl der Freiheit genießen. Die Welt fliegt vorüber, der kleine Park versinkt im Häusermeer.
Der dritte Satz dieses Zitats ist der dritte vollständige Satz der Geschichte! Und einer davon ist direkte Rede ...

Zitat:Menschen rasen vorbei. Gesichter: verblüfft, erschrocken, amüsiert. Letztere sind die Besten, die nehmen`s mit Humor.
Das liest sich hübsch! Auch wenn in "nehmen's" typographisch statt des Gravis (`) - die Taste rechts vom ß - ein "echter" Apostroph ('), rechts vom Ä, angebrachter wäre. Und aufgrund der etwas vollständigeren Sätze liest es sich hier erstmals auch ein bisschen flüssiger.

Zitat:"Hey Teo, wo bist du denn, mein kleiner Schatz? Komm zurück!"
"Teo" ist mir in der Schreibweise "Theo" geläufiger, aber wahrscheinlich geht das auch so.

Zitat:"Guten Tag! Ist das Buch schon da?"
"Hallo! Ja. Hier für Sie."
Dieser Dialog ist mir zu kurz. Er passt zwar zum etwas atemlosen Stil (dazu weiter unten), aber ich nehme ihn dir nicht ab. Entweder der Käufer ist unbekannt - dann läuft er vielleicht eher so: "Guten Tag!"
"Was kann ich für Sie tun?"
"Ich hatte gestern ein Buch bestellt, Inferno. Auf den Namen Müller."
Er lehnte mit den Händen an dem Verkaufstresen und reckte den Hals, als die Verkäuferin über den Rand der Lesebrille die Bestellungen auf dem Computerbildschirm studierte.
"Müller, Max? Ja, das Buch ist da. Inferno: Die großen Geschichten der Menschheit von Dante Alighieri und Karl Witte."
"Nein, das meinte ich nicht, ich wollte das neue von Dan Brown!"
"Oh, dann hat die Kollegin Sie gestern missverstanden. Das macht aber nichts, den neuen Brown haben wir auch da - steht doch auf Platz eins!" Sie lachte kurz auf und reichte ihm den Titel. "Das macht dann sechsundzwanzig Euro, bitte."

Oder der Kunde ist altbekannt:
"Ah, Herr Müller, schön, dass Sie da sind!" Die Verkäuferin eilte um den Tresen herum. "Das Buch, dass Sie bestellt haben ..."

Worauf ich hinaus will: Name, Titel des bestellten Buches - das muss schon rein in so ein Gespräch.

Zitat:Wieder hinaus, auf der Suche nach einer Bank. Hier steht nirgends eine.
Hier kommt dir die hohe Taktzahl der Geschichte in die Quere: Du erzählst für mich zu schnell, als dass ich auf die Idee käme, dein Protagonist suchte eine Parkbank. Ich dachte, er hätte nicht genug Geld für das Buch dabei, oder müsste noch fix die Miete überweisen oder so. Icon_ugly

Zitat:Aber dort, als kleiner Punkt vor der Sonne erkennbar, ist da nicht eine?
Schnell hingesprintet. Aber es war nur ein Mülleimer. Schade! Wohin jetzt?
Brille gefällig? Icon_wink
Aber ehrlich mal: Sprintest du zu einer Bank, wenn du genug Zeit hast, darauf sitzen zu bleiben?

Zitat:Ein paar Schritte, niedersinken, auf dem rauen Holz. Das Buch hervorholen, auschlagen
und lesen.
Jetzt klingt es doch so, als wäre die Geschichte an dieser Stelle schon zu Ende. Kommt noch etwas? Ansonsten schiebe ich sie auch gern aus den Fortsetzungen zu den kürzeren Kurzgeschichten - musst nur Bescheid sagen.

Tja, kurze Geschichte, langer Kommentar. Kurzes Fazit.

Sehr erfreulich ist deine sprachliche Richtigkeit! Ich habe nicht einen einzigen Rechtschreibfehler, kein falsches Komma, nichts gefunden. (Bis auf das eine fehlende Flüchtigkeitsleerzeichen vor der wörtlichen Rede. Und das typographisch falsche Apostroph. Geschenkt.) Saubere Arbeit insofern!

Inhaltlich kann ich - Überraschung - nicht viel sagen. Eine Person geht ein Buch kaufen, wird auf dem Weg ein Stück von einem Bekannten mitgenommen und besorgt noch Schokohaferkekse. Die Suche nach einer Bank zum Lesen gestaltet sich etwas schwierig, aber zu guter Letzt kommt sie doch noch zur verdienten Lektüre. Mehr passiert nicht.

Dein Stil liest sich schon irgendwie ... gereift. Ungewöhnlich jedenfalls. Mir gefällt er aus zwei Gründen nicht so gut:
Erstens übertreibst du es für mich mit den unvollständigen Sätzen. Ich hab's oben schon angedeutet, ich hab das auch mal gemacht. Nicht ganz so krass wie du, meine ich, aber so sehr, dass man es auch bei mir angemerkt hat in den Kommentaren. Denk einfach daran, dass Stilmittel Einzelgänger sind. Wenn sie zu einem Rudel zusammengepfercht werden, dann beißen sie sich gegenseitig, und hinterher sind alle angeschlagen. Heg sie und pfleg sie, aber in Einzelhaltung kommen sie besser zur Geltung! Probier dich in der Hinsicht einfach ein bisschen aus.
Zum zweiten - weniger allgemein - stört mich der Effekt, den du hier mit den Ellipsen und Infinitivsätzen hervorrufst. Auch das habe ich oben schon einmal angedeutet. Unvollständige Sätze wirken abgehackt, gehetzt. Man macht den Leser tendenziell atemlos. Das kann mal gewollt sein, in echten hektischen Szenen. Hier aber passt es leider überhaupt nicht. Das Thema ist ruhig und gemütlich, dein Protagonist scheint alle Zeit der Welt zu haben. Und du lässt den Leser hechelnd mit der Zunge bis zum Knie hinterherhetzen ... Mein Rat also: Schalt einen Gang runter! Lass dir mit dem Erzählen mehr Zeit. Arbeite die einzelnen Bilder, die Szenen stärker aus, geh ins Detail, lass den Protagonisten wirklich mit der Umgebung interagieren. Das macht es lebhafter, glaubwürdiger. Und flüssiger zu lesen.

Ich glaube, dass du durchaus mit Wörtern umgehen kannst. Hier hat es für meinen Geschmack nicht ganz geklappt, aber probier dich ruhig aus! Nur so kannst du zu deinem Stil finden. Und bei allen weisen Ratschlägen, die wir dir hier erteilen können - das ist es meines Erachtens, worauf es eigentlich ankommem sollte beim Schreiben.

Liebe Grüße und viel Erfolg beim Überarbeiten!
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