Es ist: 15-08-2020, 06:11
Es ist: 15-08-2020, 06:11 Hallo, Gast! (Registrieren)


Der Weg
Beitrag #5 |

RE: Der Weg
Guten Abend, gute Nacht... will ich dir auch meinen Kommentar hier lassen. Mrgreen

Wir kennen uns ja schon von deiner Vorstellung. Icon_smile Ich will abermals hervorheben, dass die Kritik ausschließlich den Text betrifft und möglichst objektiv gehalten ist. Womit du schließlich etwas anfangen kannst, bleibt dir überlassen, es bleibt dein Text, ich male nur mit meiner Senftube dran rum.

Zuerst mal eins: Respekt. Dass dieser Text von jemand so jungem stammt, hätte ich nicht erwartet. Da steckt sehr viel Potential drinnen, das du hier sicher ausbauen kannst.

Auf geht's.

Zitat:Hinaus aus der Tür, den Kiesweg entlang, dann nach rechts in den kleinen Park.

Ein flotter Einstieg, der allerdings bereits durch die ersten zwei Wörter abgebremst wird. Hinausaus. Man verhaspelt sich, gerät ins Straucheln, der Lesefluss ist gestört.

Zitat:Den verirrten Fußball der Kinder abfangen, die am Ufer des Teiches ihre Spiele spielen.

Nett, wie du dir etwas über die äußere Handlung nachdenkst.
Du schwächst "verirrt" aber mit der näheren Bestimmung durch "die Kinder" ab. Besser hätte ich gefunden: "dem verirrten Fußball ausweichen".

Zitat:Da ist er ja endlich, der Stadtarbeiter, gut gelaunt und pfeifend. Schnell winken:"Hallo Robert, nimmst du mich mit?"

Es ergibt für mich keinen Sinn, dass der Erzähler die Person zuerst über ihren Beruf identifiziert, diese dann aber freundschaftlich duzt. Schlüssiger wäre: "Da ist er ja, der Robert [...] Hallo, du alter Stadtarbeiter" Wobei ich auch hier finde, dass die Berufsbezeichnung zu vage ausgefallen ist und nur für Stirnrunzeln sorgt. Wieso definierst du ihn nicht genauer? Stadtgärtner? Müllmann?
Durch die fehlende Bestimmung ist dem Leser auch gar nicht klar, dass Robert einen Wagen hat, sodass sich folgende Stelle komisch liest:

Zitat:Hinten aufspringen und die Beine baumeln lassen.

Wird der Erzähler gerade Huckepack genommen?Mrgreen

Zitat:Gesichter: verblüfft, erschrocken, amüsiert. Letztere sind die Besten, die nehmen`s mit Humor.

Du willst mit schnellem Tempo erzählen und dann baust du einen solchen Rückgriff ein, der dir automatisch das Tempo nimmt.

Zitat:Los, runter und weiter gelaufen, zu dem gut versteckten Kiosk an der Ecke.

Gut versteckt will mir hier nicht passen. Vielleicht eher "unscheinbar"

Zitat:Der Hund kehrt um und tippelt davon.
Wieder allein, zwischen lauter Artgenossen.

Du läufst hier Gefahr in die Perspektive des Hundes zu kippen. In diesem Zusammenhang bietet sich "Artgenossen" nicht an, es kann zu Verwirrungen führen.

Zitat:"Guten Tag! Ist das Buch schon da?"
"Hallo! Ja. Hier für Sie."

Der Dialog liest sich gestellt und falsch. Lockere ihn etwas auf, damit sich die Antworten auch tatsächlich auf die dazugehörigen Fragen beziehen.

Zitat:Wieder hinaus, auf der Suche nach einer Bank. Hier steht nirgends eine.

Besser: "Nirgends eine in Sicht."

Zitat:Aber dort, als kleiner Punkt vor der Sonne erkennbar, ist da nicht eine?
Schnell hingesprintet. Aber es war nur ein Mülleimer. Schade! Wohin jetzt?

lol. Eine Bank ist allein vom Umriss, waagrecht und rechteckig, ein Mistkübel eher senkrecht und oval. Selbst aus der Ferne ist der Unterschied zu erkennen.

Zitat:Villeicht ja hier?

Vielleicht

Zitat:Doch was steht dort unten im Schilf: eine Bank.

Bis jetzt hat sich der Erzähler, falls es einen denn gibt, noch nicht durch 1., 2. oder 3. Person zu erkennen gegeben. Dennoch entsprechen diese Gedankenfetzen doch sehr einem inneren Monolog, in dem jemand zu sich selbst spricht und kommentiert. Ein Doppelpunkt kann als Stilmittel eingesetzt werden, um Gewicht auf eine neue Information zu verlagern. Gedanken kannst du mit Punkten, Beistrichen, Strichpunkten etc. teilen, aber ein Doppelpunkt eröffnet eine neue Informationseinheit, die dem Leser bis jetzt noch nicht bekannt gewesen ist. Darum kann in einem inneren Monolog kein Doppelpunkt stehen, weil der Erzähler sich selbst nie überraschen kann. Wenn er die Bank bereits wahrnimmt, denkt er auch schon darüber nach.

Zitat:Ein paar Schritte, niedersinken, auf dem rauen Holz. Das Buch hervorholen, auschlagen
und lesen.

aufschlagen

So, was passiert denn auf dem rauen Holz? Die paar Schritte oder das Niedersinken? Du kannst natürlich sagen: beides! Bewegung und Erstarrung zum Preis von einem. Interpretatorisch sehr spannend, doch grammatisch musst du dich entscheiden. Denn belässt du den Beistrich, liest es sich: Ich gehe ein paar Schritte, sinke darnieder und robbe noch ein paar Schritte auf dem Holz weiter.

Das waren auch schon meine Anmerkungen.

Deine Geschichte liest sich wie ein Motor, bei dem ordentlich angegast, bevor er auch schon wieder abgedrosselt wird. Das Erzähltempo ist durch das Mosaik von übermäßigen Ellipsen und plötzlich langen Sätzen nicht ausgewogen.

Zitat:Du meintest, dass die Handlung zu schnell dahinfließt, dafür, dass das Thema eigentlich so ruhig ist. Genau das wollte ich erreichen. Ich liebe es, wenn Gegensätze aufeinanderprallen.

Ich erkenne dein Vorhaben, doch es fehlt das richtige Verhältnis. Für Federlehrling besteht zu wenig Handlung, mir dagegen ist sie zu viel. Für eine Parabel von Zeit(losigkeit) geschieht zu viel, um diese Gegensätze ordentlich wirken zu lassen.
Wo passt da der Stadtarbeiter hinein? Was macht der Hund da? Das sind kurze, aber überflüssige Szenen, die zu wenig Gehalt haben, um sie überhaupt zu rechtfertigen. Für eine Kurzgeschichte reicht es nicht, da sie nichts zur Handlung beitragen. Hier solltest du dich entscheiden, ob du ihren Part noch ausbaust oder völlig auf sie verzichtest.
Ich hätte den Erzähler bereits eingangs das Buch besitzen und ihn durch die Stadt auf der Suche nach einem ruhigen Platz zum Lesen hetzen lassen. So ersparst du dir den sperrigen Dialog und die oben genannten Figuren und könntest dich eher auf die Eindrücke und Gedanken des Erzählers konzentrieren.
Dem Text fehlt es an einer Grundaussage, einem roten Faden, an dem man sich orientieren kann. Dazu ist es egal, wie viel jetzt genau passiert, doch im besten Fall sollten deine Leser etwas von der Geschichte mitgenommen haben und sich nicht nur denken: Wie? Das war's schon?

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.Icon_smile

Schöne Träume wünscht

Sniffu

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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Der Weg - von wackelkrakeel - 07-06-2013, 13:22
RE: Der Weg - von Federlehrling - 07-06-2013, 21:17
RE: Der Weg - von wackelkrakeel - 07-06-2013, 23:49
RE: Der Weg - von Adsartha - 08-06-2013, 00:37
RE: Der Weg - von Sniffu - 08-06-2013, 00:56
RE: Der Weg - von wackelkrakeel - 08-06-2013, 07:02
RE: Der Weg - von Eselfine - 08-06-2013, 09:46

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