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Es ist: 28-09-2022, 19:44
Es ist: 28-09-2022, 19:44 Hallo, Gast! (Registrieren)


Hammer und Amboss (vor 1654 Jahren) IV
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Hammer und Amboss (vor 1654 Jahren) IV
Hammer und Amboss
Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV, Teil V, Teil VI, Teil VII, Teil VIII, Teil IX, Teil X


Nur das spärliche Glühen des Kohletopfes sorgte für eine Ahnung von Kontur. Thakis konnte seine Arme erkennen, gestützt auf ebenfalls gerade noch zu sehende Beine, doch schon das mit Fellen ausgekleidete Lager, auf dem er saß, war nur noch Teil der schwarzen Masse um ihn herum.
Trotzdem blieben seine Augen offen, so weit aufgesperrt, dass es fast schon schmerzte. Im Geiste lief er immer noch die Stellungen ab – hin und her, in einem stetigen Rhythmus, der mit den schweren Atemzügen synchron ging.
So als könnte er mit bloßen Gedanken das entscheidende Loch im Wall stopfen, die verborgene Schwachstelle entdecken, oder einfach nur dem müden Wachposten die Augen aufhalten.
Verdammt, ich bin es leid, zu warten. Sollen sie endlich kommen!
Aus den Augenwinkeln vermeinte er huschende Bewegungen zu erhaschen, die ausgemergelten Körper gefallener Kameraden, ebenso wie die verzerrten Fratzen, in die er einst seine Klinge gestoßen hatte – und er spuckte ihnen entgegen, während seine Rechte nach der hölzernen Trinkflasche tastete, die sich in der zerwühlten Schlafstatt verbarg. Leer, nur der rauchige Geruch von gegorenem Honig zeugte noch vom verheißungsvollen Inhalt.
Verfluchte Scheiße!
Leider tat das Gefäß ihm nicht den Gefallen, befriedigend laut an der Wand zu zerschellen, es rutschte nur mit einem dumpfen Schaben an der Zeltwand hinab.
Verfluchte Scheiße.
In Ermangelung einer sinnvollen Beschäftigung begannen seine Hände Felldecken glatt zu streichen, durch kaltgebliebene Leere zu wandern, während Thakis an seine Heimat dachte. An glücklichere Tage – hatte es die jemals gegeben? Er war immer Krieger gewesen, es hatte immer die düstere Ahnung über allem geschwebt, er könnte ein Mal nicht mehr zurückkehren. Aber es hatte glückliche Augenblicke gegeben. Der General dachte an Kinderlachen, an die braunen Augen seines Sohnes, die wohl nicht mehr so funkeln würden, wenn sie ihn hier so sähen.
Bei dem Gesicht seiner Frau brannte das Schuldbewusstsein am stärksten.
Hier in dieser schlaflosen Einsamkeit schien die Vorstellung, die ihn früher am Tag noch mit Hoffnung erfüllt hatte, wieder grenzenlos abwegig.
Lysander hatte Recht … warum sollte der Fürst von Skarr auf einmal einlenken? Aber zumindest war es irgendetwas, woran er sich klammern konnte.
Und vermutlich war es auf dem Weg nach Skarr sicherer als hier auf dem Schlachtfeld …
Ich hoffe du lebst noch, Aliya.
Plötzlich wurde es laut um sein Zelt herum, Rufe tönten von den Stellungen herauf. Und obwohl Thakis ihre Bedeutung sofort erahnte, kam er nur schwankend auf die Beine.
"Feuer! Eines der Feuer brennt …!"

***

Erfüllt von augenweitendem Staunen, das sie sogar ihre Schmerzen vergessen ließ, verfolgte Aliya das Zusammenspiel der mannshohen Zahnräder, die – angetrieben von einem Wasserrad, wie sie es von Getreidemühlen kannte – das Tor langsam und knirschend wieder schlossen.
Knappe, harsche Befehle tönten durch die in den Fels geschlagene Eingangshalle, während zwei Zwerge in den Kettenpanzern der Wache eine hölzerne Winde bewegten. Stein rieb über Stein und der stetige Wasserstrom, der aus einer von zwei Öffnungen in der Decke stürzte, versiegte tröpfelnd.
Ein schwerer Riegel wurde kettenrasselnd vorgeschoben – dann war es auf einmal still.
Nach dem Gebrüll der Jagdhunde, den Stimmen ihrer Führer, später dem monotonen Pochen ihrer Schritte auf Fels schnitt die plötzliche Abwesenheit von Geräusch wie eine Klinge in die Ohren der Hauptfrau.
Fröstelnd zog sie sich den mittlerweile recht mitgenommenen Umhang um die Schulter und blickte sich um.
Natürlich war es nicht absolut still. Da war ihr eigener Atem – und der Herzschlag der Stadt wehte gelegentlich die marmorne Treppe dem Tor gegenüber hinab, die im seltsam blassen Schein der Lampen funkelte und wirkte, als könnte ein ganzes Regiment unbeengt darauf marschieren.
Und doch, die junge Frau hatte zum ersten Mal das Gefühl, etwas Atem schöpfen zu können.
Brombasch und Harkun waren die flachen Stufen in der Rückwand der Halle hinaufgestiegen und tiefer im Berg verschwunden.
Die restlichen Zwergenwächter hielten Abstand zu ihr, beobachteten sie nur schweigend. Ein Duzend von ihnen bemannten die Eingangshalle. Die meisten standen diszipliniert Spalier und flankierten, mit ihren Äxten auf den Boden gestützt, den Aufstieg ins Innere.
Ein Dutzend Augenpaare, die auf ihr ruhten, jedes von ihnen in einer anderen, leuchtenden Farbe, die den Schätzen der Erde selbst entnommen zu sein schienen.
Nach und nach flaute der Gedankensturm ab, der hauptsächlich um den Krieg und um die Notwendigkeit von Verstärkung gewirbelt hatte, und eine erste Neugier schimmerte durch, die Aliya bisher in den Hintergrund geschoben hatte.
Wer hatte auch gedacht, dass sie nicht im Reich der Toten, sondern im Vorhof einer Bergfestung erwachen würde?
Fast hätte sie laut losgelacht, stattdessen lehnte sie sich mit dem Rücken an das kühle Tor. Und wer hätte gedacht, dass an den Geschichten über die kleinen Felswichte, die man Kindern zum Einschlafen erzählte, etwas Wahres dran war?
Die Kriegerin band sich die vielen verirrten Haarsträhnen zurück in ihren Zopf, einfach nur weil sie die Zeit dafür hatte, während sie ihre Umgebung nun näher in Augenschein nahm.
Hätte sie es nicht besser gewusst, sie hätte glauben können, auf einer Sommerwiese zu stehen und nicht tief im Inneren eines Berges. Der Boden unter ihren Stiefeln war noch der selbe Fels wie der vor dem Tor. Doch er war verziert mit Einlegearbeiten - einem weitverzweigten, verschlungenen Ornament aus grünem Edelstein in den verschiedensten Farbabstufungen, das mehr als nur ein wenig an Pflanzen gemahnte.
Auch der steinernen Kuppel, in die die Torhalle nach oben hin auslief, fehlte nicht viel, um als dunkler Nachthimmel durchzugehen. Allerdings trübten die seltsamen, in der Waagerechte liegenden Kriegsbögen – auf festen Gestellen auf einer Brüstung vor den verschlossenen Schießscharten montiert – das beschauliche Bild.
Und mit einem Mal war der Gedanke an den Krieg und ihre Aufgabe wieder da, drängte sich robust zurück in den Vordergrund. Das Lächeln der Hauptfrau erstarb.
Ihr Blick wanderte die Mamortreppe hinauf und sie fragte sich unwillkürlich, wie lange sie nun schon wartete, wie viel Zeit sie schon verloren hatte.
„Wasser, bitte?“
Als Antwort erhielt Aliya nur ratlose Mienen, also deutete sie mit einer Handbewegung einen Becher am Mund an.
Das funktionierte. Eine der Wachen brachte eine Feldflasche. Aber die junge Frau nahm nur am Rande wahr, dass dieser Zwerg keinen Bart trug, ihm lediglich zwei dichte, geflochtene Zöpfe über die Schultern fielen, stattdessen verharrte ihr Blick starr auf dem Aufgang.
Nun stand sie also hier – und wusste nicht im Geringsten, woran sie war. Sie fand einfach keinen Trost in dem Gedanken, dass ihre Aussichten in Skarr ebenfalls ungewiss gewesen wären. Dort hätte sie zumindest eine Vorstellung von dem gehabt, was sie erwartete.
Ohne ernsthafte Vorwarnung gaben ihre Beine nach und sie rutschte zu Boden. Kopfschmerz gesellte sich zu einem stetigen Ziehen in den Gliedmaßen und einem stechenden Pulsieren in der Seite ihres Brustkorbs.
Ein Schluck aus der Wasserflasche linderte immerhin das Kratzen in ihrem Hals, aber der Eindruck von Frische blieb flüchtig.
Sie fühlte sich so hilflos.
Sie war Kriegerin, keine Diplomatin. Sie wusste nicht, wie man sich zu verhalten hatte, mit welchen Worten man fremde Heerführer überzeugen konnte … und in dieser Hinsicht war Thakis auch nicht der beste Lehrmeister gewesen.
Das Bild von ihrem General als wortgewandter Botschafter heiterte sie nun doch wieder ein wenig auf.
Auch, weil es von dem Bild eines toten Thakis ablenkte.
Was blieb ihr anderes übrig, als auf ihren Einsatz zu warten?
Also prostete sie ihren so auf Abstand bedachten Bewachern zu und erntete Gemurmel.
Bis sich plötzlich eine schwere Hand auf Aliyas Schulter legte und man ihr bedeutete, mitzukommen.

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

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Hammer und Amboss (vor 1654 Jahren) IV - von Der Weltenwanderer - 27-10-2013, 16:53

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