Es ist: 08-03-2021, 04:19
Es ist: 08-03-2021, 04:19 Hallo, Gast! (Registrieren)


Spiegelflucht
Beitrag #1 |

Spiegelflucht
Spiegelflucht
Wir schauen in den Spiegel
Hoffnungsvoll zu sehen strahlende Jugend
Wir schauen in den Spiegel
Hoffnungsvoll zu sehen makellose Schönheit

Manchmal erblicken wir den Schimmer der Vergangenheit
Manchmal entdecken wir die Spuren des Gestern
Manchmal erahnen wir die Furchen der Zukunft
Kaum beruhigt das heutige Bild

Selten befriedigt das Gegenwärtige
Vergeblich ist die Flucht
vor dem Spiegel des Lebens
er zeigt unser Erbe

Erkennen wollen
ist der erste Schritt des Verstehens.
Zunächst im Selbstversuch!

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Beitrag #2 |

RE: Spiegelflucht
Hallo Helga,

ich mag das Bild, welches deine Zeilen in meiner Vorstellung zeichnen, das Leben als Spiegel zu sehen. Zuerst hatte ich das Bild im Kopf, wie ich vor dem Spiegel im Bad stehe und versuche in meinem Spiegelbild zu lesen. Doch dann hast du mich in etwas Größeres geführt, nämlich das Leben, meine ganzheitliche Warhnehmung als Spiegel zu sehen.

Und ja, das gefällt mir sehr. Icon_smile Schließlich ist die wahrgenommene Welt durch unsere Glaubensgrundsätze, unsere Erfahrung und unsere Hoffnung nicht nur punktweise selektiert, sondern auch verzerrt. Diese Verzerrung kann uns viel besser erzählen wer wir sind, als jeder Badspiegel. Sie sind die wahren Furchen unseres geistigen Wesens. Wir würden sie erkennen als Kontrast und im Vergleich mit Erlebnissen der Loslösung, d.h. einer Schau von ausserhalb der Verzerrung, außerhalb von einem selbst. (Stichwort: Meditation, Kontemplation, Versenkung)

Am Ende sehe ich darin dann nur mein "Erbe"? Das ist mir persönlich zu wenig. Ich möchte mehr darin sehen, als das Karma der Vergangenheit, wie in den Zeilen vorher schon angedeutet. Obwohl, vielleicht kann man auch nicht mehr schreiben, ist dieses Erbe am Ende doch nur Zeichen, weil es als Andeutung auf Nichtsagbares dient. In diesem Fall würde ich noch ein zusätzliches Wort hinzufügen, z.B.: geistiges Erbe, oder: verborgenes Erbe.

Auf jeden Fall danke ich dir für die kleine Reise und die Inspiration, die mir dein Gedicht beschert hat.

Liebe Grüße
root

"Das Leben ist ein Sturm, der um die verborgensten und zartesten Gefühle der Liebe kreist."

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Beitrag #3 |

RE: Spiegelflucht
Hallo Root,

ich danke Dir sehr für Deinen interessanten und ausführlichen Kommentar. Schön, dass ich Dich ein wenig verführen konnte, tiefschürfender darüber nachzudenken. Das gefällt mir natürlich ganz besonders.:icon_danke_ATDE:
Vielleicht gebe ich noch zur letzten Zeile eine kleine Erklärung, wie das mit dem Erbe gemeint ist (man kann es natürlich auch anders verstehen, wäre mir auch sehr Recht):
Wenn ich in den Spiegel schaue, bemerke ich, je älter ich werde, zunehmende Ähnlichkeit mit meinem Vater, der leider schon verstorben ist. Ich sehe seine Züge, aber ich sehe auch die Züge meines Sohnes, meiner Tochter, lese also Vergangenes und Künftiges ab. Man kann diesem Spiegelbild nicht entfliehen, ob wir es schön oder nicht so schön empfinden, es zeigt unser Leben ganz werteneutral. Alles andere ist Makulatur. Ich muss es annehmen, zu mir stehen, dann wirds wieder erträglich.

Lieben Gruß Helga

Erkennen wollen
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Beitrag #4 |

RE: Spiegelflucht
Einen schönen guten Tag Helga,

danke für deine Erklärung. Dann bezieht sich das darauf, eine ungesunde Art der Selbstwahrnehmung nicht mehr gelten zu lassen, weil man sich nicht mehr als getrennt, sondern als Bestandteil einer Kette wahrnimmt. Ja, das klingt sehr schön.

Lieben Gruß Icon_smile
root

"Das Leben ist ein Sturm, der um die verborgensten und zartesten Gefühle der Liebe kreist."

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Beitrag #5 |

RE: Spiegelflucht
Hallo Helga,

nun will ich dir doch einmal einen Kommentar schreiben. Fällt mir zugegebenermaßen schwer, weil du nicht wirklich meinen Geschmack triffst. Insgesamt sind mir deine Gedichte zu "einfach", ist eben einfach eine Geschmackssache.

Nichtsdestotrotz klicke ich gerne mal rein und dieses hier zum Beispiel finde ich ganz gut. Insgesamt immer noch zu einfach formuliert, besonders die erste Strophe, da fehlt mir das Persönliche, da stimme ich zwar zu, aber da fehlst mir Du - Helga, die das schreibt, deine Persönlichkeit dahinter. Ich habe bisher an deinem Stil noch nichts Markantes gefunden, etwas, woran ich dich sofort erkennen würde, ohne, dass dein Name dabei stehst.

Aber genug gemeckert. Kommen wir lieber zum Positiven - dem Inhalt. Auf der Ebene hat mich das Gedicht nämlich angesprochen. Die erste Strophe weniger, aber die anderen beiden. Nur, warum widmest du der Vergangenheit zwei Zeilen und Zukunft und Gegenwart nur eine? Wie wäre es z.B. mit Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart und "Ewigkeit", "Zeitlosigkeit" - etwas, das immer (oder niemals) so ist?

Die letzte Strophe hat mir dann am besten gefallen, sie schließt das Gedicht schön ab und wirft neue Gedanken auf wegen dem "Erbe" - bringt einen neuen Aspekt rein. Das hat mir gefallen.

Liebe Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #6 |

RE: Spiegelflucht
Guten Morgen Zack,

ich finde es gut, dass Du mein Gedicht kommentierst, obwohl ich Deinen Geschmack damit nicht wirklich treffe. Lieben Dank, dass Du mir Deine Zeit schenktest.
Jeder versucht sich halt auf seine Weise mit den Themen, die uns zuweilen bewegen, zu befassen. Es ist ganz klar, dass dabei auch experimentiert wird. Also ich für meinen Teil, die nun tatsächlich auf verschiedenen Gebieten versucht kreativ zu sein, probiere mich gerne täglich neu: beim Malen, beim Schreiben, beim Fotografieren auch beim Modellieren neuerdings. Ich finde es spannend, so allmählich herauszufinden, was macht mir Spaß, was fällt mir leicht und wo tue ich mich schwer.
Du hast natürlich absolut Recht, dass man, wenn man sich nicht festlegen möchte, schwerlich in eine Schublade zu legen ist. Oder negativer ausgedrückt: Außenstehende entdecken dann den Stil nicht, vermissen ihn und erachten dies als Manko.
Nun, eine Persönlichkeit ist eh nicht mit ein paar Geschichten oder Gedichten zu erfassen oder gar einzuordnen, das wäre doch wirklich zu vorschnell.

Ich danke Dir natürlich auch herzlichst dafür, dass Du Dich auch mit dem Inhaltlichen befasst hast, mit durchaus positivem Ergebnis. Das freut mich.
Vielleicht noch einen Satz von mir dazu: wenn man, sagen wir Mal, schon zwei Drittel seines Lebens hinter sich hat, dann nimmt das Erlebte einen breiten Raum ein im Spiegel des Lebens und dies... hhmm... leider sehr sichtbar. Aber ich denke doch, dass ich, was mich betrifft, auch der Gegenwart und sogar der Zukunft (ich habe nämlich noch viel vor) ausreichend oder nicht, jedenfalls Gedanken widmete. Das Ganze mündet in eine philosophische Betrachtung, die jeder für sich ausdehnen mag. Das ist das Gute daran, es bleiben Spielräume und es sind Denkanstöße gegeben. Das wollte ich eigentlich.Icon_smile

LG Helga

Erkennen wollen
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