Es ist: 13-08-2022, 08:13
Es ist: 13-08-2022, 08:13 Hallo, Gast! (Registrieren)


Könige der Prärie - 1. Teil (überarbeitet)
Beitrag #6 |

RE: Könige der Prärie - 1. Teil
Hallo Persephone,

eine Indianergeschichte, uiii fein war mein erster Gedanke. Hm, nun bin ich ja echt schon in der Oma-Generation, wenn auch bisher nur Tante und keine Oma :Icon_smile und ich liebe Indianergeschichten seit frühester Kindheit. Ich bin aufgewachsen mit Winnetou und Lederstrumpf, ich liebe Chingachgook und Cochise und natürlich alle Sioux über die jemals geschrieben wurde. So bin ich jetzt hier hängengeblieben.
Ich bin ein schwieriger Leser und habe meine ganz eigenen Vorstellungen von einem gut geschriebenen Text. Bitte nimm nichts von dem was ich schreibe, persönlich, es sind nur meine Gedanken und Anregungen und viele Dinge, die ich hier selbst gelernt habe.
Ich konzentriere mich nicht auf Rechtschreibfehler, da die schon in den anderen Kommis abgearbeitet wurden. Und ich kommentiere direkt beim Lesen - sorry - aus Zeitgründen.
Los geht's.

Zitat:Die Kutsche rumpelte über die letzten Meter Kopfsteinpflaster und schüttelte die Passagiere im Inneren ordentlich durch.
Im Hafen herrschte geschäftiges Treiben. Reisende zeigten geduldig ihre Fahrkarten vor, Kinder sprangen aufgeregt um ihre Eltern herum und konnten es gar nicht abwarten, das riesige Schiff, das sie in eine neue Welt bringen sollte, zu betreten.

Der Anfang schmeißt mich direkt in eine lebhafte Welt. Ich würde es aber umbauen, um diesen Satz rauszunehmen: "Im Hafen herrschte geschäftiges Treiben." (Ich hab' keine Zeit nachzuforschen, warum meine Anführungszeichen immer nur oben sind, entschuldige).
Diesen Satz habe ich schon tausendmal gelesen und wahrscheinlich auch selbst geschrieben, aber es langweilt mich schrecklich. Ich würde ihn streichen und stattdessen erzählen, wie die Kutsche an der Hafengasse hält, die Leute sich aus der Kutsche drängeln, nach ihrem Gepäck suchen, Unsicherheit auf den Gesichtern der ungewissen Zukunft wegen oder aus anderen Gründen, und nicht erfreut über die Menge von Menschen, die bereits an der Abfertigung anstehen und ihre Fahrkarten vorzeigen ... Ich finde das lebendiger.
Zitat:Zwei Hunde balgten sich wütend kläffend um ein fauliges Stück Fleisch und hoch oben am blauen Himmel zogen weiße Möwen schreiend ihre Kreise.

Zuviele Adjektive. Als Vorschlag - sinngemäß dasselbe, aber Verben haben genug Ausdruckskraft, um ein deutliches Bild beim Leser zu hinterlassen, ohne ihn in seiner Fantasie einzuschränken:
"Hunde kläfften, fletschten die Zähne und balgten sich um ein Stück Beute. Der Himmel strahlte und die Möwen schrieen, während sie ihre Kreise am Horizont zogen."
Okay, das nur als Beispiel, natürlich kannst Du auch Adjektive benutzen, aber sie sollten sehr gezielt eingesetzt werden.
Zitat:Katharina, von allen nur Katie genannt, setzte den strengen schwarzen Hut auf, der ihr feuerrotes Haar nur notdürftig verdeckte und band mit festem Zug eine Schleife unter dem Kinn.
Gleiches wie oben.
Und nenn sie doch einfach Katie - es ist hier überhauptnicht wichtig, dass sie eigentlich Katharina heißt - das kannst Du später deutlich machen z.B. durch ein Schreiben, eine Notiz, oder durch jemand, der sie nach ihrem Namen fragt.
Als Vorschlag:
"Katie setzte den Hut auf, der ihrer Erscheinung eine Note von Strenge verlieh und zog die Schleife fest unter dem Kinn zusammen."
Zitat:Die Kutsche hielt an und die junge Frau nahm ihre Tasche, sie reiste nur mit leichtem Gepäck. Dort, wohin ihr Weg sie führte, war der Tand, den Damen ihrer Zeit zu benötigen glaubten, nur eine Last.
Du hast mir gerade Katie vorgestellt und ich bin viel näher an Deiner Figur, wenn Du aus ihrer Perspektive schreibst.  Lass sie etwas denken oder fühlen oder mit eigenen Augen sehen und verbinde das mit der Information, die Du rüberbringen möchtest. Als Vorschlag:
"Die Kutsche hielt in der Einfahrt zur Hafengasse, der Kutscher kletterte vom Bock, wischte sich die Hände an der Anzughose ab und öffnete die Tür. Katie schnappte ihre Tasche und war heilfroh, der Enge der Kutsche zu entkommen. Sie reiste mit leichtem Gepäck: Dort, wohin ihr Weg sie führte, war der Tand, den Damen zu benötigen glaubten, nur eine Last."
"ihrer Zeit" stört mich hier irgendwie, aber es ist natürlich möglich, dass Katie so über die Frauen in ihrer Umgebung denkt.
Zitat:Sie lächelte bei dem Gedanken, dass heute der erste Tag ihres neuen Lebens war und beschirmte beim Aussteigen die Augen mit der Hand.  Das Sonnenlicht brannte ihr unter den Lidern ihrer Augen, die seit Stunden an die Dämmerigkeit der Kutsche gewöhnt waren. Sie blinzelte ein, zweimal. Vor ihren Augen tanzten helle Flecken.
Hier stört mich "beim Aussteigen" und auch das "war" ist ein farbloses Wort, das vermieden werden sollte, soweit möglich.
"Sie lächelte bei dem Gedanken, dass heute der erste Tag ihres neuen Lebens begann und beschirmte ihre Augen mit der Hand, als sie vom Halbdunkel der Kutsche ins Sonnenlicht trat. Es brannte unter den Lidern ihrer Augen, die Stunden dem Dämmer in der Kutsche ausgesetzt waren."
Der Duden kennt das Wort Dämmerigkeit nicht und ich auch nicht.
Zitat:Einen Moment sah sie sich wie suchend um, als würde da jemand stehen, der sie verabschiedete, ein bitteres Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Niemand von den vielen Menschen, die durcheinander wuselten wie in einem Ameisenstaat, würde ihr auch nur mit dem Taschentuch hinterher winken. Sie würde keine Lücke hinterlassen.
Hier finde ich "durcheinander wuselten wie in einem Ameisenstaat" nicht passend, das klingt irgendwie naiv. Vielleicht besser: "... die dicht gedrängt auf ihre Weiterreise warteten" oder so was.
Zitat:Vorsichtig bewegte sie die Schultern, das Abschiedsgeschenk der Mutter Oberin, sieben Stockschläge, brannte noch immer auf ihrem Rücken. Katie nahm ihre Tasche auf und machte den ersten Schritt in ein neues Leben, ohne Zwänge und in Freiheit.
"noch immer" finde ich überflüssig. "ohne Zwänge und in Freiheit" klingt so sorglos, aber das ist es ganz sicher nicht.
Zitat:Plötzlich fiel ihr Blick auf etwas, das so blau leuchtete wie der Himmel an diesem warmen Frühlingsmorgen. Ruckartig blieb Katie stehen und wandte den Kopf. An einen der Pollern gedrückt, fast schon an den Pfahl geklammert, lehnte ein junges Mädchen und beobachtete das Treiben mit großen, erschrockenen Augen. Katie schätzte die Kleine mit der blauen Taftschleife in den blonden Locken und dem farblich passenden Kleidchen auf kaum älter als vierzehn Jahre.
Das ist etwas unglücklich ausgedrückt. Katies Blick fiel auf etwas, also muss sie sich nicht extra umdrehen, um es zu sehen. Das "plötzlich" ist überflüssig. Das "Etwas" ist so unbestimmt, dass ich eher schreiben würde:
"Etwas zog ihre Aufmerksamkeit auf sich, leuchtend blau wie der Himmel an diesem warmen Frühlingsmorgen."
Erschrockene Augen sind immer groß, das ist doppelt. Ist sie nun ein junges Mädchen oder "die Kleine"? Das ist nicht dasselbe. Danach kommt "kaum älter als vierzehn Jahre". Das ist keine "Kleine", wirklich nicht, nichtmal, wenn sie für ihr Alter klein ist. Und hier frage ich mich zum ersten Mal, wie alt ist Katie? Vielleicht dann eher:
"... eine zierliche Gestalt, ... schien wenig jünger als Katie selbst", oder irgendsowas.

Zitat:Trotz dass die Kleidung schmutzig war, wiewohl auch Gesicht und Hände schon einige Tage kein Wasser mehr zu sehen bekommen hatten, sah man dem Kind an, dass es aus gutem Haus stammen musste.
ist schlechter Stil. Warum nicht geradlinig:
"Die Kleidung war schmutzig, Gesicht und Hände schienen seit Tagen kein Wasser gesehen zu haben, dennoch wirkte sie, als käme sie aus gutem Hause."

Zitat:"Nicht mein Problem", murmelte Katie zu sich selbst und wollte ihre Tasche schultern, das Schiff zu betreten, als sie ein stechender Schmerz durchfuhr, der sie aufschreien ließ. Erschrocken presste sie die Hand auf den Mund, mehrere neugierige Köpfe wandten sich zu ihr um.
Der Satz ist nicht korrekt. Und ich verstehe nicht, was hier vor sich geht. Versteht es Katie selbst? Sie verschwndet nicht einen Gedanken daran, was gerade passiert sein könnte und wendet sich dem Mädchen zu, das jetzt plötzlich wieder als klein dargestellt wird - sie ist niemals vierzehn, mit vierzehn ist man jung aber nicht klein.
Ich weiß es als Leser auch nicht und da Katie mir keinen einzigen Hinweis und nicht einmal Unruhe oder Angst zeigt, ist es unglaubwürdig.

Zitat:"Hey Kleine", begann sie unbeholfen das Gespräch. "Hast du dich verlaufen? Wo sind denn deine Eltern?" Sie hätte sich für die plumpe Fragerei ohrfeigen können, denn es war ganz offensichtlich, dass die Kleine weggelaufen war.
Du beschreibst es selbst, auch mir als Leser ist das zu plump, und niemals fragt man so eine Vierzehnjährige.
Der folgende Abschnitt ist mir schlichtweg zu naiv geschrieben, um interessant oder spannend zu sein. Du verschenkst hier viel Potenzial. Du könntest die Begegnung mit den Gendarmen ausbauen und mir zeigen, wie clever und mutig Katie ist. Lass mich fühlen, dass da ein Konflikt aufkommt und Katie unter Druck gerät. Zuvor beschreibst Du ja, dass ihr Temperament anfängt zu kochen. Wobei ich gerade darüber nachdenke, ob ein Temperament kochen kann. Eher ist es hitzig oder ungestüm, aber kochen tut eigentlich Blut in den Adern oder sie kocht vor Wut. Die kurze Episode bleibt farblos.

Zitat:Später konnte sie sich kaum noch an diese wenigen Augenblicke erinnern, wenn der Verstand aussetzt und das Herz sich für das Richtige entscheidet
"Später konnte sie ... erinnern, als ihr Verstand aussetzte und das Herz sich für das Richtige entschied."
Klingt für mich richtiger.

Zitat:Energisch packte sie das Mädchen am Arm und schob es zu einem kleinen Häuschen, wo ein weißhaariger Mann mit freundlichem Gesicht die Fahrkarten in die Neue Welt verkaufte.
Nanu, gibt's da nicht 'ne Schlange an der man anstehen muss? Diesen Eindruck hatte ich.

Zitat:"Zwei Mal nach New York bitte", verlangte Katie und legte das abgezählte Geld hin.
Leider glaube ich das nicht. Ohne auch nur einmal nachzufragen was passiert ist, woher das Kind kommt oder wer die Eltern sein könnten schleppt sie sie mit auf's Schiff? Ich stelle mir Katie jetzt nicht viel älter als Sina vor und finde das mehr als verantwortungslos. Sina könnte auch krass schauspielern, könnte Angehörige einer Diebesbande sein oder von jemandem geschickt sein, der Katie schaden will. Katie hat echt andere Probleme als sich um ein entlaufenes Kind zu kümmern, sie weiß ja nichtmal, was aus ihr selber wird. Und so gerät Kathie eigentlich in einen furchtbaren Konflikt: Kümmert sie sich um das Kind, verpasst sie vielleicht ihr Schiff, kümmert sie sich nicht darum, passiert dem Kind vielleicht etwas Schreckliches - das wäre spannend.

Zitat:Ein paar Stunden später, als die beiden Quartier bezogen und das Schiff im Hafen ausgelaufen war, machte Katie sich daran, die Geschichte ihres neuen Schützlings zu erfahren.
...
Wenigstens wusste sie schon mal den Namen. Sina. Doch mehr hatte sie aus dem verängstigten Mädchen nicht herausbekommen.
Ist Sina ein Name, der in diese Zeit passt? Ich glaube eher, das ist ein sehr aktueller Name und das passt für mich nicht.
Diesen gesamten Abschnitt würde ich nochmal überarbeiten, da kommt so gar keine Atmosphäre rüber. Katie und auch Sina fühlen sich bestimmt weder glücklich noch zufrieden oder beruhigt in dieser eigentlich sehr verfahrenen Situation. Katie muss sich doch Gedanken darüber machen, was sie da plötzlich am Hals hat. Stattdessen nimmt sie ein Buch aus der Tasche und liest seelenruhig.
Ein Reisender, der sein Land verlässt steht in der Regel an der Reling und schaut zurück, selbst wenn er gerne geht.
Sie sitzt auf einem Diwan? Ist das ein Luxuskreuzfahrtschiff?
Der nächste Abschnitt ist eigentlich überflüssig und mir viel zu viel Beschreibung. Du brauchst Katies Gedanken über ihre Vergangenheit gar nicht zu beschreiben, denn Du baust ja eine Rückblende ein, in der Du Katie mit ihrem Onkel zeigst. Du kannst an dieser Stelle den Leser alles erleben lassen, was Du zuvor nur erzählt hast und so ein lebendiges Szenario schaffen. Du könntest aus dem einen Kapitel eigentlich zwei machen und aus beiden den Schwerpunkt besser herausarbeiten. Im ersten Kapitel zeigst Du Kathie, wie sie versucht in ein neues Leben zu gelangen und dabei auf Sina trifft, was zweifellos Konflikte mit sich bringen muss und im zweiten Kapitel zeigst Du wie es dazu kam, dass sie ihr Land verlassen muss und wie es ihr im Kloster ging.

Zitat:Einen Moment zögerte Katie, das Angebot war einfach zu verlockend.
Das ist auch nicht sehr glaubwürdig, so eine Entscheidung ist ziemlich schwerwiegend und die Aussagen von ihrem angeblichen Onkel muss sie doch erstmal verdauen. Das ist ja ein ziemlich starkes Stück, was er da von sich gibt.
Damit bin ich eigentlich durch. Inhaltlich kann ich mir das gut als Auftakt zu einer guten Geschichte vorstellen, aber an der Umsetzung solltest Du arbeiten. Mir ist das Ganze zu naiv, zu unrealistisch und atmosphärisch nicht dicht genug.
Nimm für Dich mit, was Du an meinen Anmerkungen gebrauchen kannst und tu das, was Du für richtig hälst.

Liebe Grüße von slainte music


Mich kann man nicht komprimieren!

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RE: Könige der Prärie - von coco - 10-04-2017, 12:27
RE: Könige der Prärie - von Persephone - 10-04-2017, 19:36
RE: Könige der Prärie 1. Teil - von Jan95 - 18-04-2017, 23:43
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RE: Könige der Prärie - 1. Teil - von Zack - 31-10-2017, 12:19

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