Es ist: 16-09-2019, 10:18
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Das Leben im Alltag
Beitrag #1 |

Das Leben im Alltag
Das Leben im Alltag



Ich schlendere durch die Gegend und blicke um mich herum, was ich sehe erschüttert mich, ich sehe Menschen die Essen wegwerfen, weil sie es nicht mögen oder satt sind. Ich sehe Firmen die Essen massenweise wegwerfen, weil das Haltbarkeitsdatum überschritten wurde, aber das Essen an sich noch gut ist. Ich sehe Menschen die andere ausgrenzen, weil sie anders aussehen, gehandicapt sind etc.,… Ich beobachte Menschen die sich gegenseitig drohen, weil ihnen die Meinung der anderen nicht gefällt, Menschen die sich gegenseitig bekriegen dabei weiß keiner mehr warum. Ich blicke weiter und sehe Leute die nicht wissen, wo sie ihr Geld lassen sollen, die mehrere Häuser haben, massenweise Kleidung besitzen und sich alles was sie wollen kaufen können. Ich sehe andere Menschen die kein Geld haben, nur das Besitzen was sie am Leib tragen, keine Wohnung haben und die ihren Kummer und ihr Leid in Alkohol tränken von dem Geld was sie sich erbettelt haben. Ich schaue zu Menschen die ihren Körper leid zufügen, indem sie sich Piercings stechen lassen, sich tätowieren, rauchen oder harte Drogen nehmen, dabei ist unser Körper doch heilig und muss gut gepflegt werden. Ich blicke weiter und sehe Menschen, die neidisch auf andere sind und diese beklauen durch Betrüger Maschen usw.,… Noch mehr Menschen sehe ich die wahllos Tiere töten nur um aus ihrer Haut oder ihren Zähnen Souvenirs zu machen. Ich laufe weiter und bleibe bei Menschen stehen die mit Absicht Eigentum von anderen Personen zerstören, weil sie ihnen diese Dinge nicht gönnen. Ich sehe weitere Menschen die (massenweise) Wälder zerstören und das nur damit sie sich daraus Häuser bauen können oder Möbel. Ich schaue weiter und bemerke wie Menschen als Götter behandelt werden nur, weil sie in Filmen mitspielen oder Lieder singen und dadurch auch noch Millionen verdienen. Ich sehe Menschen die ihren Müll auf den Straßen und Gehwegen verbreiten, obwohl direkt neben ihnen ein Mülleimer steht. Mehrere Firmen bemerke ich die der Umwelt enorm schaden und nicht bereit sind was zu ändern. Ich schaue zu Menschen, die nicht arbeiten wollen, es dennoch könnten, gleichwohl bedienen sie sich lieber an dem Geld der Steuerzahler und nichts wird dagegen unternommen. Ich sehe Menschen die sich selber Politiker nennen und über uns und unsere Zukunft entscheiden doch selber haben sie keine Ahnung von den Problemen der Bevölkerung, weil sie in ihrer eigenen kleinen Welt leben in der alles perfekt ist. Ich schaue weiter und sehe so viele Menschen die der Umwelt, sich selber oder andere Schaden und merke nicht, wie ich selber ein teil der Bevölkerung bin und dasselbe der Umwelt und meinen Körper antue.


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Beitrag #2 |

RE: Das Leben im Alltag
Hallo Chrisi,

wir hatten noch nicht das Vergnügen. Icon_smile  Du bist online, ich bin online, ich denke, das ist der perfekte Moment, um unser Kennenlernen nachzuholen.  Mrgreen

Dein kleiner Text(-ausschnitt) hat es in sich. Ohne große Bilder zu entwerfen, triffst du mit einer objektiven, nüchternen Sprache ins Schwarze. Allerdings neigst du an manchen Stellen zu verurteilenden Verallgemeinerungen, die die (durchaus berechtigt) kritische Erzählstimme in ihrer Argumentation ausbremsen. Ich werde besagte Stellen im Einzelnen besprechen.

Leider strotzt dein Text in Relation zu seiner Länge nur so vor Fehlern, die besonders auf eine mangelnde Interpunktion zurückgehen. Hier werde ich dir nicht jeden einzelnen anmerken. Große Probleme hast du mit Relativsätzen, es heißt:

Menschen, die ...
Geld, das ...
das (besitzen), was ...

Auch würde ich "was" in einem Text, der großflächig auf Umgangssprache verzichtet, nur in Fragen verwenden oder eben in einer Konstellation wie "das, was", nicht aber als Ersatz für "etwas".

So. Nun Schluss mit den allgemeinen Anmerkungen, auf ins Geschehen!

Zitat:Ich schlendere durch die Gegend und blicke um mich herum, was ich sehe KOMMA erschüttert mich, ich sehe Menschen die Essen wegwerfen, weil sie es nicht mögen oder satt sind.

Der Betonung wegen hätte ich vor "was ich sehe" und "ich sehe" Punkte gesetzt. Durch kurze Sätze generierst du Spannung und kannst bewusst Sachverhalte betonen. So, wie der Satz dasteht, nimmst du dem, was gesehen wird, die Bedeutung.

Statt satt sind würde ich "satt gegessen haben" schreiben, um den Prozess des Sattwerdens zu schildern. So wie es dasteht, wirkt es, als hätten sie das Essen gekauft, als sie bereits satt waren, nicht aber, dass sie einfach zu viel gekauft haben und den Rest wegschmeißen.

Zitat:Ich beobachte Menschen die sich gegenseitig drohen, weil ihnen die Meinung der anderen nicht gefällt, Menschen die sich gegenseitig bekriegen dabei weiß keiner mehr warum.

Vor dabei würde ich um der Betonung wegen einen Punkt setzen. Außerdem würde ich keiner durch niemand ersetzen, da keiner ziemlich umgangssprachlich klingt.

Zitat:Ich sehe andere Menschen die kein Geld haben, nur das Besitzen was sie am Leib tragen

besitzen

Zitat:Ich schaue zu Menschen die ihren Körper leid zufügen, indem sie sich Piercings stechen lassen, sich tätowieren, rauchen oder harte Drogen nehmen, dabei ist unser Körper doch heilig und muss gut gepflegt werden.

Hier verlierst du mich.
Erstens Leid groß, zweitens verurteilt deine Erzählstimme nun alle Personen, die Piercings und Tattoos haben, dabei hat es kurz zuvor noch geheißen:

Zitat:Ich sehe Menschen die andere ausgrenzen, weil sie anders aussehen, gehandicapt sind etc.

Ab hier wirkt die Erzählstimme nicht mehr glaubwürdig. Schon klar, der Clou dieses Textes ist es, dass die Erzählfigur selbst nicht besser ist als all die Leute, die beobachtet werden, dennoch solltest du dir diese Pointe bis zum Schluss aufsparen und  bis dahin in sich schlüssig argumentieren.
Wenn du davon redest, wie jemand den Körper verunstaltet, ist mir als erstes Selbstverletzung wie Ritzen etc eingefallen. Ich muss dazu aber auch sagen, dass du auf der Makroebene beginnst, dh. du schilderst Begebenheiten, die für die Öffentlichkeit von Bedeutung sind und dort auch wahrgenommen werden und plötzlich dringst du in den Privatbereich, in die Mikroebene ein. Inwiefern "schadet" ein Mensch einem anderen, indem dieser gewisse Dinge mit seinem Körper anstellt? Personen, die sich selbst verletzen, leiden an Depressionen, Stress etc., doch so, wie du sie darstellst, kehrst du ihr Opfersein eines psychischen Zustandes in ein Täter*innendasein um, in denen du ihnen Schuld zuschiebst, die nicht da ist. Die Erzählfigur wirkt so extrem konservativ und alles andere als liberal, was man sich eher erwarten würde, wenn sie all dieses (Fehl-)Verhalten kritisiert.

Zitat:weil sie anders aussehen, gehandicapt sind

Nochmal dieser Satz. Beim ersten Mal Lesen musste ich schlucken, tat mir aber schwer, mein Unwohlsein auszudrücken. Nun weiß ich, was mich stört. Du setzt hier Behinderungen bzw. Handicaps mit Äußerlichkeiten gleich, wobei es eine Vielzahl von Behinderungen gibt, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Du grenzt also hier doppelt Personen mit Behinderungen aus, indem du sie als ausgegrenzte Personen schilderst, aber auch indem du nicht sichtbare Behinderungen verschweigst.

Außerdem ist gehandicapt einfach ein zu großes Wort, um es in diesen Text einfach so reinzuwerfen, ohne es zu reflektieren. Handicap ist nicht gleich Handicap. Die Gesellschaft entscheidet, was Handicaps sind und inwiefern sie den Alltag einer Person entscheiden. Jemand, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hat in einer Großstadt (und da auch abhängig von dem Bewusstsein der Stadtplaner*innen) ganz andere Möglichkeiten als am Land, wo bspw. das Auto das einzige Mittel ist, um von A nach B zu kommen. Was ich sagen will, eine Person im Rollstuhl fühlt sich in einer Stadt, wo es überall funktionierende Aufzüge, ebene Gehsteige, breite Eingänge, behindertenfreundliche Toiletten etc. gibt, gar nicht so gehandicapt, im Gegensatz zu Orten, wo das nicht der Fall ist. Mit anderen Worten: Personen sind nicht von Haus aus gehandicapt, sondern werden es durch die Umstände erst gemacht. Die Art, wie dieser Satz aber dasteht, stempelt eine Personengruppe einfach als "gehandicapt" ab, dabei ist es eben nicht so einfach. Der Text will so tiefschürfend sein und auf systematische Probleme in der Gesellschaft hinweisen,dann dürfen solche argen Verkürzungen aber nicht vorkommen.

Zitat:rauchen oder harte Drogen

Und nochmal zurück zu dem anderen Satz. Du nimmst dir hier heraus, zu entscheiden, welche Drogen gut und welche böse bzw. "hart" sind. Ich nehme mal an, dass du hierbei auf all die Drogen abzielst, die im Sprachgebrauch dazu führen, jemanden als Junkie zu bezeichnen. Dabei hat Alkohol viel mehr (Todes-)Opfer zu verzeichnen als all die anderen so verpönten anderen Drogen. Dazu würde ich sagen, dass Alkohol ein viel größeres bzw. sichtbareres Problem als Heroin oder dgl. ist (zB in Europa sage ich mal), wenn man sich Todesfälle durch Trunkenheit am Steuer anschaut. Hier werden wieder Makro- und Mikroebene vermischt. Den Leuten kann es doch egal sein, wenn eine Person regelmäßig eine Line zieht (oft wissen das doch nur die engsten Angehörigen), doch es wird ein öffentliches Thema, wenn jemand Betrunkenes ein anderes Auto in den Straßengraben fährt.

Zitat:Ich blicke weiter und sehe Menschen, die neidisch auf andere sind und diese beklauen durch Betrüger Maschen usw.,…


Betrügermaschen.

Du machst es dir imo etwas zu leicht, indem du immer wieder auf "etc.", "usw.", "..." dgl. ausweichst. Entscheide dich für ein zwei exemplarische Beispiele und gehe bei denen ins Detail. So wird dein Text eindrücklich und die Glaubwürdigkeit deiner Erzählstimme steigt.

Zitat:Ich sehe weitere Menschen die (massenweise) Wälder zerstören und das nur damit sie sich daraus Häuser bauen können oder Möbel.

Du nimmst den Satz an Gewalt, indem du das massenweise in Klammer setzt.

Die Logik funktioniert nur teilweise. Es sind meistens NICHT dieselben Menschen, die Wälder roden, um dann dort zu wohnen oder die Ressourcen zu verarbeiten. Du verkürzt da einen komplexen Kreislauf sehr stark. Bestes Beispiel: Amazonas. Die ansässigen Leute zerstören den Wald dort, um Ressourcen zu gewinnen, die dann von Leuten bspw. aus Europa konsumiert werden.

Zitat:Ich schaue weiter und sehe so viele Menschen die der Umwelt, sich selber oder andere Schaden und merke nicht, wie ich selber ein teil der Bevölkerung bin und dasselbe der Umwelt und meinen Körper antue.

Teil.

Ja, das Ende habe ich erahnt und ich finde, es passt auch kein anderes, um diesen Text stimmig zu machen. Dennoch finde ich den Schlusssatz schwach. Er ist viel zu lang und umständlich. Außerdem klingt er unglaubwürdig, denn das Ich merkt sehr wohl, dass es Teil des Problems ist. Hättest du dich für den personalen bzw. auktorialen Erzähler entschieden, wäre dieses Ende weniger problematisch, weil da leicht eine Aussage von außen getätigt werden kann, dass di*er Protagonist*in etwas nicht weiß. Doch das Ich kann nicht sagen "Ich habe von nichts eine Ahnung" und erwarten, dass es ernst genommen wird.
Solltest du es hier mit Sarkasmus probiert haben, funktioniert der eben nicht aufgrund der erzähltechnischen Voraussetzungen.

Fazit: Den Grundgedanken des Textes mag ich (die anderen sind böse, aber eigentlich bin ich auch nicht besser), doch einige Aussagen sind zu verurteilend/anmaßend, verallgemeinernd und tw. einfach falsch. Als erster Entwurf für dich (nicht für deine Leser*innen) passt der Text, erlaube ich mir anzumerken, weil die Richtung deiner Gedanken erkennbar und der rote Faden einer Argumentation erahnbar ist. Dennoch schwirren die einzelnen Teile noch ungeordnet herum. Stichwort Essen, Müll und Tiere. Das sind Bereiche, die zusammengehören, doch sie stehen verstreut voneinander losgelöst im Text. Es wäre schön, wenn diese "Beobachtungen" inhaltlich aneinander geknüpft werden und sich in Bezug auf Dringlichkeit steigern, sodass sich ein Höhepunkt im Text abzeichnet, bevor sich das Ich als Heuchler*in outet.

Ich hoffe, wir lesen uns noch öfters. Icon_smile

LG
Sniffu

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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