Es ist: 15-11-2019, 22:02
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Terra Mater Kapitel 1
Beitrag #1 |

Terra Mater Kapitel 1
(Prolog: https://www.literatopia.de/forum/thread-...#pid124746)

~1~


“Hast du auch alles?” Mom sah mich beinahe panisch im Rückspiegel unseres alten Fords an. Der blaue Lack platzte von den Seiten ab und das alte Leder roch nach Tabak und einem von Moms vielen Duftbäumchen. Ihr dauergewelltes, braunes Haar wippten im Takt der Schlaglöcher, durch die wir fuhren.
“Ja, Mom.”, sagte ich leicht genervt. Ich hatte mir extra eine Liste geschrieben, um auch ja nichts zu vergessen. Diese hing in meinem Zimmer und jedes Mal, wenn mir noch etwas einfiel, schrieb ich es darauf. Mom schüttelte damals den Kopf, nun war sie es, die panisch über irgendwelche Dinge nachdachte, die ich noch gebrauchen könnte. Doch ich hatte alles nach und nach abgehakt, als ich meine sieben Sachen packte. Jetzt sind waren auf dem Weg nach Cambridge, Massachusetts. Endlich konnte ich unserem viel zu großen und leeren Farmhaus entfliehen, in der nur meine Mutter, ich und meine Hündin Daisy wohnten. Nun würden sich die langen, harten Jahre in der Schule endlich auszahlen. Ich studierte auf dem besten College in den ganzen Vereinigten Staaten von Amerika. In Harvard, meinem großen Traum. Ich würde mein Musikstudium beenden und als Lehrerin arbeiten können. Oder in einem Theater. Oder in einem Musical. Die Möglichkeiten waren schier endlos.
Mit einer seufzenden Bewegung schob ich meine Sonnenbrille zurück auf den richtigen Platz auf der Nase. Gleichzeitig schob ich meine widerspenstigen braunen Haarsträhnen hinter die Ohren. Daisy hinter mir bellt unwillig.
“Ja, meine Süße. Wir sind bald da.”, säuselte ich meiner Hündin zu. Ich hatte Glück, dass ich eine Stunde mit dem Auto von der Universität entfernt wohnte, denn so konnte ich bequem am Wochenende nach Hause fahren. Den heutigen Tag ließ sich meine Mutter jedoch nicht nehmen, mich persönlich zu meinem ersten Tag zu fahren. Nur der Abschied von meiner geliebten Hündin würde mir schwerfallen.
“Mom.”, unterbrach ich ihren Redeschwall energisch. “Ich habe alles. Und außerdem bin ich doch spätestens am Wochenende wieder da.”
Die kleine Cockerspaniel Dame mit dem weiß-braunem, weichem Fell, die mich besser kannte als ich mich selbst, schmiegte sich an mich.
Riesige Unterrichtskomplexe, in denen ich studieren würde, ragten vor uns auf. Ich war so aufgeregt, dass ich kaum ruhig auf dem Beifahrersitz sitzen bleiben konnte.
“Ruhig, Mäuschen. Wir sind fast da.”, lachte Mom neben mir. Ich grinste sie an. Sie kannte mich ebenso gut wie Daisy. Mom war eine schöne Frau. Sie benutzte kein Make-Up, doch ich fand auch nicht, dass es notwendig wäre. Sie hatte eine schöne,, gesunde Hautfarbe, kaum Falten und ihre strahlend blauen Augen musste sie nicht betonen. Sie betonten sich selbst.
Endlich hielt der Ford auf dem Campus.
“Du meldest dich an und suchst die Zimmernummer und ich packe schon mal aus.”, sagte Mom grinsend zu mir. Ich nicke schnell, schnallte mich ab und stieg aus dem Wagen. Draußen schnappte ich nach Luft. Es roch nach Wissen und Weisheit, wie ich es liebte.
Schnurstracks lief ich auf die Menschenschlange zu, die ich bereits von weitem stehen sah. Dort mussten die Zimmernummern ausgegeben werden. Ich ordnete mich ein. Allein in dieser Schlage entdeckte ich so viele Klischees, wie es sie auch in meiner alten High School gab. Die Campus-Queen und ihr Gefolge, die die anderen mit einem spöttischen Blick bedachten und sich ihre Markenklamotten glatt strichen, die Football-Champions, die mit ihren Muskeln angaben und denen bereits einige Mädchen an den Lippen hingen, die Nerds, die nur auf ihre Tablets sahen. Bereits in meiner alten Schule hatte ich diese Klischees gehasst. Aber wie soll man dem Status Quo entkommen? Ich war noch nicht mal einen Tag hier, und schon hatte ich alle Klischees auf einem Haufen. Die Streber hinter mir, die Sportler vor mir. Die Beliebten, die Reichen, die Außenseiter. Zu welcher Gruppe würde ich in einem Jahr wohl gehören?
Nach einer guten viertel Stunde war ich endlich bis vorne angekommen.
“Name?”, nuschelte eine ältere Frau mit verwässerten Augen.
“Äh, Freya. Freya Meloy.”
“Haus vier, Zimmer 342.”
“Danke.”
Mit einem Zettel in der Hand ging ich zurück zu meiner Mom, die inzwischen meine zwei schwarzen Koffer aus dem Kofferraum hievte. Daisy hüpfte an meinem Bein hinauf. Ich streichelte ihren weichen Kopf.
“Danke, Mom. Ich habe die Zimmernummer.”
Sie sah mich zärtlich an. “Dann komm. Daisy braucht etwas Bewegung.”
Mom nimmt den großen Koffer in die Hand, während ich meinen kleinen Geigenkoffer in die eine und Daisys braune Leine in die andere Hand nahm. Meine kleine Hündin schnüffelte aufgeregt überall umher, während ich mich neugierig umsah.
Der Campus war so groß, dass ich mich fragte, wie ich mich hier je zurechtfinden sollte. Auf den Marmorplatten, die die Hauptwege markierte, klangen unsere Schritte unnatürlich laut, auch wenn das Geschwätz der anderen alles übertönte. Einzelne Bäume schmückten Grünflächen, in den man im Sommer sicher sehr gut lernen und sich gleichzeitig vor der Hitze verstecken konnte. Ich war begeistert von der Menge an Schüler, die dasselbe Bedürfnis nach Wissen hatten wie ich. Überall hing das Wappen des College, während die alten Wände der Hallen einen altmodischen Flair verliehen. Natürlich hatte ich gründlich im Internet recherchiert. Es gab zwei Hauptblöcke, die sich in Schlaf- und Unterrichtsblock unterteilen ließen. Daneben gab es noch kleine Häuser, wie der Cafeteria, der Bibliothek, einem großen Sportplatz für die Studenten, und einen großen Theatersaal, in dem sich mein Studium konzentrierte. Ich freute mich jetzt schon wahnsinnig auf den Unterricht.
Jetzt konzentrierten wir uns vor allem darauf, das richtige Haus zu finden, was wir nach einiger Suche auch fanden. Mein Haus lag in der Mitte der Häuserreihe und war in einem schrecklichem grün gestrichen. Die meisten Fenster waren geöffnet, um den muffigen Geruch aus den verlassenen Zimmern zu bekommen. Sicher hatte der Somme seine Wärme in den Zimmern gelassen, in denen während der Semesterferien niemand war. Eine schmale Grünfläche mit blühenden Blumen, weißem Stein und einigen kleinen Büschen gab einen hübschen Blickfang, auch wenn es meiner Meinung nach zu viel Grün war. Ehrfürchtig ging ich die Marmorstufen nach oben und öffnete die mit herrlichen Schnitzereien verzierte Holztür.
Von innen war es gar nicht schlecht. Ja, es war spärlich eingerichtet und ja, es roch nach Schweiß und Deo, aber es war immerhin die Uni. Allein deswegen liebte ich es schon. Es gab ein weißes, flauschiges Sofa in der Mitte des Eingangsbereiches, in dem sich einige meiner Kommilitonen tummelten. An den goldenen Wänden hingen Porträts einiger mit unbekannter Künstler, während auf dem hellen Laminatboden verschiedene Topfpflanzen hingestellt wurden, um den Eindruck eines gemütlichen Heimes zu vermitteln. Im hinteren Teil des Hauses ging eine Treppe nach oben. Ein kleines Schild zeigte verschiedene Zimmernummer und dessen Stockwerke. Mein Zimmer war, wie mich die Zimmernummer schon wissen ließ, im dritten Stock. Ich fand es auf anhieb zwischen den gleichfarbigen, weiß gestrichenen Türen. Im Gegensatz zur Frontfarbe des Hauses war die Inneneinrichtung sehr hell gehalten, abgesehen von den grünen Topfpflanzen, die überall zu finden waren.
Freudig öffnete ich die Tür, um meine neue Mitbewohnerin zu begrüßen - und erstarrte auf der Schwelle. Unzählige Katzen sahen mich an. Mürrische, freundliche, lachende. Alles Katzen, in allen möglichen, Formen, Größen und Farben. Auf einem in regenbogenfarben bezogenem Bett saß ein Mädchen in meinem Alter. Ihre großen blauen Glubschaugen waren hinter einer dicken Brille versteckt, ihre blonden Rastalocken lagen kreuz und quer über dem Kopf. Ihre Kleidung erinnerte mich an die Lehrerin von Wahrsagen bei Harry Potter. Sie trug ein sandfarbenes Sackkleid und eine regenbogenfarbige Leggins. Irgendwie gruselig. Ich hörte, wie meine Mom hinter mir kurz der Atem stockte.
Tapfer räusperte ich mich. “Äh, hi. Ich bin deine Zimmernachbarin.”, stellte ich mich höflich vor. Sie stand von dem quietschendem Bett auf und kam ganz nah an mich. Daisy schnupperte an ihrem Bein.
“Hallo, Zimmernachbarin. Ich heiße Sienna.”, hauchte sie mich an. Ihr Atem roch nach Tabak und einem Hauch Pfefferminze. Ihre Pupillen waren geweitet und ich fragte mich, was sie genommen hatte.
“Ich bin Freya.”
“Uh, du hast ja einen Hund.”, sagte sie wenig enthusiastisch. Sie hatte Daisy entdeckt, die immer noch an ihrem Bein schnupperte, und trat angeekelt zurück.
Ich trat an ihr vorbei in das Zimmer. Meine Seite war völlig unberührt. Ich hatte ein schmales Bett, ein Nachttisch und eine kleine Kommode für mich. Den Schreibtisch und den große Wandschrank mussten wir uns teilen. Sienna hatte auf ihrer Seite dieselben Möbelstücke, nur waren diese mit einem Haufen Bilder einiger Verwandte und vor allem Katzen zu sehen. Sogar als Kuscheltier hatte sie sie. Sie waren über das gesamte Bett verteilt, sodass kaum noch Decke und Kissen zu sehen waren.
“Äh, ja. Habe ich. Das ist Daisy.”
Sienna rümpfte die Nase. “Sie bleibt aber nicht hier, oder?”
Damit fiel sie in meiner Sympathieskala weit nach unten. “Ja.”, erwiderte ich kurz angebunden. Dann legte ich meine Koffer auf dem Bett ab. Eine kleine Staubwolke brach heraus und ließ mich husten. Ich würde später lüften, was Sienna scheinbar nicht gemacht hatte, als sie ankam.
“Komm, Mom. Lass uns zum Auto gehen.”, sagte ich zu Mom betont unbeschwert und wir gingen zusammen hinaus.
“Deine Zimmergenossin ist etwas … speziell.”, sagte Mom vorsichtig und krampfte ihre Finger etwas.
Ich schnaubte. “Und ich dachte, in der High School bin ich allen Freaks begegnet.”
“Nur weil sie ein gewissen Faible für Katzen hat, muss sie noch lange kein Freak sein.”, rügte Mom mich augenblicklich.
Ich seufzte, erwiderte aber nichts. Mom hatte eine dünne Haut, was dieses Thema betraf. Sie konnte die Zeit, als ich in der Schule als Freak abgestempelt und gemieden wurde noch weniger verkraften, als ich.
Die Zeit des Abschieds war gekommen. Mom umarmte mich leise schluchzend und ich auch musste einige Tränen verdrücken. Sie streichte mir über halblanges Haar, und wie immer blieben einige Strähnen in ihren Ringen hängen.
“Mom, wir sehen uns doch am Wochenende wieder.”, versuchte ich sie aufzumuntern und blinzelte schnell.
Sie strich mir über die Wange, während sie schniefte. “Mein kleines Mädchen geht zum College.”, seufzte sie immer wieder verzückt und wischte sich ihre wiederkehrenden Tränen von den Wangen. Ich versuchte, mich nicht umzusehen und meine Mutter zu beruhigen. Wir hatten bereits einige Zuschauer, was mir unsagbar peinlich war. “Weißt du noch, welches Lied ich dir immer vorsingen musste, wenn du nicht einschlafen konntest?”, schniefte sie und begann, leise zu singen.
Ich spürte, wie ich rot anlief, als einige meiner Kommilitonen zu kichern begannen. “Mom, bitte. Wir sehen uns doch in ein paar Tagen wieder. Ich bin nicht aus der Welt.”
Dann beugte ich mich zu meiner Hundedame, damit Mom sich wieder beruhigen konnte. Der Abschied von Daisy fiel mir auch nicht leicht. Sie wusste zwar nicht, was los war, aber sie würde mir unheimlich fehlen. Ich drückte ihren flauschigen Körper an mich, bevor ich zusah, wie Mom und Daisy in das jetzt leere Auto stiegen. Mom winkte, Daisy stellte sich winselnd auf das Armaturenbrett, bevor Mom anfuhr und vom Campus fuhren. Dann sah ich mit einem teils erleichterten und teils wehmütigen Gefühl den Rücklichtern nach. Jetzt war ich allein. Ich schlang mir meine Hände um die Arme, bevor ich zurück zu meinem Haus ging.


   * * *


Nachdem meine Sachen ausgepackt waren, fühlte ich mich noch immer unbehaglich. Ich wusste, dass Sienna mich anstarrte, das war ich nicht gewohnt.
“Ich werde mir noch etwas den Campus ansehen.”, sagte ich schließlich, packte meinen kleinen Geigenkoffer und verschwand schnell aus dem Zimmer.
Der Flur war voller Studenten. Ängstlich presste ich meinen kleinen Koffer an die Brust und schlängelte mich durch die Massen. Hoffentlich fand ich draußen einen unberührten Fleck.
In Menschenmengen hatte ich mich noch nie wohlgefühlt. Es löste in mir stets ein beklemmendes Gefühl aus. Ich mied sie so gut es ging. Nur jetzt konnte ich es nicht. Viele kamen gerade an, schleifen ihren Koffer hinter sich her oder diskutierten mit ihren Eltern, ältere Studenten umarmten sich stürmisch, als sie ihre Freunde sahen.
Erleichtert atmete ich vor dem Heim die frische Luft ein, als ich die Tür hinter mir ins Schloss fallen ließ. Auf dem Campus waren mehrere Autos zu sehen. Mädchen wie Jungen sahen sich unsicher um, die Schlange vor den Zimmerverteilungen war noch länger. Ich ging langsam vor dem Haus entlang, ließ meinen Blick schweifen. Eine Bänke waren in meiner Nähe besetzt und ich hörte mit einem kleinen Stich in der Brust das Lachen sich wiedergefundener Freunde. Ich hatte selten irgendwelche tiefen Freundschaften gepflogen, niemand wollte mir zu nahe kommen.  
In meiner Kindheit war ich ein Freak, eine Kuriosität. Mein Dad hatte meine Mom verlassen, als ich noch klein war, aber Mom schaffte es auch ohne ihn. Sie verlange von mir, eine musikalische Schulung zu absolvieren, was ich, wenn auch mit murren, tat. Ich lernte Klavier, Gitarre und Geige. Diese spielte ich mit absoluter Leidenschaft, allerdings hatte ich selten Zuschauer. Dieses Studium hatte ich nur harter Arbeit und einem Musikstipendium zu verdanken. Ich war schon immer mehr allein als andere. Deswegen bedeutete mir Daisy auch so viel. Mom hatte sie mir zu meinem siebzehnten Geburtstag geschenkt, also vor zwei Jahren. Sie war meine beste Freundin, allerdings würde ich mich jetzt nicht sehr viel um sie kümmern können, was mir beinahe das Herz brach. Aber bei meiner Mom ging es ihr einfach besser, und meine Mom war auch nicht allein.
In diesem Moment sah ich ihn zum ersten Mal. Seine beunruhigende Aura spürte ich schon lange, bevor ich ihn sah, auch wenn ich es nicht zuordnen konnte. Ein paar Minuten später knallte ich mit ihm zusammen.
Meine Geige flog in hohem Bogen auf den Boden, ich hinterher. Mein Steißbein pochte und mein Ellenbogen tat weh. Wütend sah ich auf. Und begegnete den klarsten Augen, die ich je gesehen habe. Sie waren Himmelblau, mit einem Stich ins grüne, von langen schwarzen Wimpern umrandet und dunklen Augenbrauen darüber. Er hatte ein rechteckiges Gesicht, mit einem spitzen Kinn und ausgeprägten Wangenknochen. Seine halblangen, dunkelblonden Haare fielen ihm etwas in die Augen, als er seinen Kopf senkte. Der Mann trug ein weißes Statement-Shirt, dessen Aufdruck durch die dunkelgraue Lederjacke verdeckt wurde. Dazu trug er eine ausgewaschene straight Jeans mit schwarzen Sneakers.
Seine Augen huschten hin und her, bevor er mich wieder fixierte. “Pass auf, wo du hin läufst.”, raunte er mit einer tiefen, rauen Stimme, die mit eine Gänsehaut verlieh.
Das brachte mich wieder auf den Boden der Tatsachen. Ich schnaubte und verdrehte die Augen. “Du bist in mich gelaufen.”, erwiderte ich nur, stand auf und sammelte meinen Geigenkoffer vom Boden auf. Währenddessen strich ich mir eine braune Haarsträhne aus dem Gesicht. Hoffentlich war meine Geige nicht kaputt.
Der Fremde jedoch hob nur eine dunkle Augenbraue. “Wenn ich mich recht entsinne, bist du mit deinen Gedanken nicht gerade den Weg mitgelaufen, richtig?”
“Du aber scheinbar auch nicht. Denn wenn du mich gesehen hättest, hättest du ausweichen können.”, konterte ich und verschränkte die Arme. Der Geigenkoffer baumelte an meiner Hüfte.
Seine blauen Augen blitzten. “Und wenn ich es nicht wollte?”, forderte er mich heraus, verschränkte ebenfalls die Arme und ich grinste.
“Tja, dann habe ich keine Schuld.”, präzisierte ich. Gewonnen.
Sein rechter Mundwinkel zog sich nach oben, er nickte beifällig. “Gut, und was machen wir jetzt?”
Mein Herz schlug plötzlich schneller. “Ich weiß nicht.”
Plötzlich streckte er seine Hand aus. “Mitchell. Logan Mitchell.”, stellte er sich vor.
Zögernd ergriff ich seine Hand und war überrascht, wie weich und warm sie sich anfühlte, jedoch gleichzeitig kräftig und sehnig.
“Meloy. Freya Meloy.”
“Hm, Freya.” Er ließ sich meinen Namen über der Zunge zergehen, während er meine Hand weiter hielt. Neugierig ließ er den Blick über mein Gesicht wandern, während meine Atmung sich beschleunigte. Was war hier los?
Plötzlich pfiff es hinter mir. Logan ließ ruckartig meine Hand los, als hätte er sich verbrannt, und sah über mich hinweg. Immerhin war er einen Kopf größer als ich. Neugierig dreht ich mich um. Am anderen Ende des Platzes standen drei weitere junge Männer und bedeuteten Logan, zu ihnen zu kommen. Sie standen unter einem der Bäume im Schatten und schienen eine ähnlich kräftige Statur zu haben wie Logan.
“Na dann, man sieht sich.”, verabschiedete dieser sich plötzlich wortkarg und ging an mir vorbei, ohne mich nochmal anzusehen. Ungestüm drehte ich mich um und ging mit zittrigen Knien weiter.
Ich atmete zittrig durch.Ein Teil von mir hoffte, ihn morgen zu sehen. Der andere, größere Teil warnte mich vor ihm. Solche Männer wie er waren normalerweise Bad-Boys, die Mädchen abschleppten und sich nicht festlegten. Und ich wollte definitiv nicht eine von denen sein, die sich einbildeten, einen Bad-Boy verändern zu können, oder gar zu binden. Ich wollte mich klar auf mein Studium konzentrieren, und dafür brauchte ich gewiss keine Beziehung.
Schnaubend schüttelte ich den Kopf. Ich war kaum einen Tag hier und dichtete einem Kerl, den ich eben das erste Mal gesehen habe, bereits eine Beziehung an. Hatte ich es wirklich so nötig?
In meinen Gedanken stritt ich weiter mit mir selber, und achtete nicht mehr auf den Weg. Irgendwann verließ ich den Campus und kam an einem kleinen Wäldchen an. Irgendwas zog mich weiter hinein, bis an einen kleinen See ankam, der etwas abseits vom Campus war, nicht weit entfernt, aber durch blickdichte Bäume und Sträucher versteckt wurde. Hier war der perfekte Ort, um mich von den Eindrücken der letzten Stunden zu erholen. Ich legte meinen Koffer auf das feuchte Gras, holte meine Geige heraus und kontrollierte sie auf irgendwelche Blessuren. Der Wirbelkasten sah gut aus, das Griffbrett schien keine Blessure zu haben, die Decke war in Ordnung, der Steg war nicht gebrochen. Ich atmete tief durch, legte mein Kinn auf den Kinnhalter und setzte den Bogen an die Saiten an. Ich entschied mich spontan für ein Stück aus Schwanensee.
Wenn ich an meine ersten Versuche dachte, musste ich immer lachen. Es hörte sich damals an, als hätte eine Katze Stimmbruch. Ich wollte nicht mehr, hatte meine Geige in die Ecke geschmissen und heulte vor mich hin. Mom nahm meine Geige in die Hand, ließ mich auf ihrem Schoß sitzen und half mir, die Geige richtig zu halten und den Bogen korrekt zu führen. Da habe ich den ersten klaren Ton herausbekommen. Ich war so stolz. Ehrgeiz hatte mich gepackt und ich übte wie eine Verrückte. Zwei Jahre später hatte ich meinen ersten Auftritt, damals war ich neun. Bis heute habe ich meine Fähigkeiten weiter verbessert. Heute konnte ich mit Stolz mit den besten der Besten mitspielen. Was natürlich keiner wusste. Ich hatte es niemandem verraten. Nur meine Mutter wusste, wie gut ich spielte. Sie und die Leiter von Harvard. Denn bei meiner Anmeldung wollte sie ein Stück von mir sehen. Ohne dieses wäre ich hier nie angenommen worden.
Als die letzte Note verklungen war, ließ ich meine Geige sinken und sah auf den kleinen See vor mir. Wie konnte es sein, dass niemand diesen wundervollen Ort bemerkt hatte?
Seufzend wandte ich mich ab und ging langsam zurück zum Heim. Ich musste mich darauf vorbereiten, mit der Uni loszulegen. Das würde spaßig werden.


Am ersten Tag klingelte mein Wecker um halb sechs. Meine Zimmergenossin schmiss mit einem Kissen nach mir und maulte mich an, das Scheißding auszumachen. Ich tat es schnell, bevor ich vielleicht noch eine Katze im Mund hatte. Ich holte meine Jogginghose und mein gelbes Trägertop, zog sie schnell an und verschwand aus dem Wohnheim. Ich hatte mir schon früh angewöhnt, am Morgen eine Runde zu joggen, bevor die Schule losging. Danach war ich wesentlich entspannter und ausgeglichener, wenn ich im Unterricht saß. Das war schon immer so.
Ich joggte los an der Haustür los. Einmal um den gesamten Campus, damit ich mir gleich noch einen Überblick verschaffen konnte.
Meine Unterrichtsfächer bildeten sich daraus, an welcher Schule ich unterrichten wollte. Ob an einer Secondary School, Middle School, High School oder am College. Da ich mich eher auf kleine Kinder verstand, hatte ich mich für die kleinste Schule entschieden. Also hatte ich die Fächer künstlerische Praxis - Grundlagen und Vertiefung,  Begleitende Praxis, Musiktheorie und -wissenschaften, Musikpädagogik und -didatik (Theorie und Praxis) und Musikgeschichte.
ich betete diese einzelnen Fächer wie ein Gebet vor mich hin, während ich rannte. Meine Augen huschten von einem Gebäudekomplex zum nächsten, während ich gedanklich den Weg nachging. Kaum ein Schüler war zu sehen. Ab und zu entdeckte ich ein paar Schüler mit verstrubbelten Haaren und verrutschter Kleidung. Hach, College.
Als ich wieder an meinem Wohnkomplex war, atmete ich tief durch. Ich schlich in mein Zimmer, holte neue Kleidung und ging nach unten in die Gemeinschaftsdusche. Ich hatte Glück, es war niemand da. Hier waren nur mehrere Tücher angebracht, die die einzelnen Duschen voneinander trennten. Trotzdem waren es Duschen für beide Geschlechter. Ich duschte schnell und zog mich ebenso schnell an - eine kurze Jeanshose und weiße Ballerinas, dazu eine weiße Bluse mit versetzten Rüschen. Schließlich noch die Kette meiner Mutter. Eine kleine Muschel, die sie damals am Strand fand, als sie mit mir schwanger war. Ihre Form erinnert an ein kleines Herz. Sie ließ eine Kette daraus fertigen und schenkte sie mir. Ich trug sie immer.
Nervosität kroch in mir hoch. Ich atmete tief durch, während ich die Stufen wieder nach oben kam,, nachdem ich meine Zähne geputzt und meine Haare gekämmt hatte. Meine Haare ließ ich immer offen, ich hatte meistens nicht die Geduld, mir eine Frisur zu erstellen.
Ich hasste es, neu in eine Klasse zu kommen. Und sei es auch nur hier, wo jeder fremd war. Schon immer war ich ruhig und schüchtern. Ich konnte nicht auf andere Leute zugehen. Das brachte mir eben nicht so viele Freunde ein. Nach und nach würde ich warm werden, aber das dauerte eben.
Sienna war wach, als ich das Zimmer wieder betrat. Gut, sie saß wie apathisch auf ihrem Bett und starrte mich an, aber sie saß. Ich ignorierte ihren Blick und legte meine Toilettenartikel ordentlich in eine Schublade meines Nachttisches.
“Wie kannst du schon so fit sein? Es ist doch erst halb acht.”, stieß sie dann heraus.
Ich zuckte mit den Schultern. “Ich bin eher der Frühaufsteher.”, erwiderte ich nur. Das mich meine Nervosität wach hielt, wollte ich ihr nicht auf die Nase binden. Ich lächelte ihr zu, schnappte meine  bereits gepackte Tasche und verschwand.
Langsam kam Leben auf dem Campus. Meine erste Vorlesung war um halb neun, also hatte ich noch genug Zeit. Ich stellte mich an die kleine Schlange in der Mensa, einem kleinen, kapellenartigem Haus, kaufte eine heiße Schokolade, ein belegtes Brötchen und einen Apfel, und ging wieder nach draußen.
Auf dem Weg zu meinem ersten Kurs aß ich meinen Apfel. Die Luft war kühl, aber es war diese Art der Kühle, wenn man weiß, dass der Nachmittag brechend heiß wurde.
Der Vorlesungssaal war so gut wie leer, als ich ihn betrat. Er war zylinderförmig aufgebaut, mit breiten Bänken in den oberen Reihen und schmalen Bänken in den vorderen Reihen. Auf dem Lehrerpult lagen schon einige Zettel verteilt, doch ich sah keinen Lehrer. Hinter dem Pult war eine gigantische Tafel und ich fragte mich, wie unser Lehrer die ganze Tafel voll schreiben wollte.
Ich war eine der ersten, also freie Platzwahl. Schnell setzte ich mich in eine der vorletzten Reihen. Ich packte einen Stift und meinen Block aus und wartete, das der Unterricht begann. Zur Beschäftigung holte ich mein Handy aus der Tasche, las mir die Nachrichten meiner Freunde in unserem Gruppenchat durch und spielte dann einige Spiele. Währenddessen füllte sich der Raum langsam. Eine Schar kichernder Mädchen kam herein und setzte sich beinahe bis ganz nach vorne.
Um Punkt halb neun kommt der Professor herein. Es war ein kleiner, untersetzter Mann mitte vierzig mit einer Glatze, auf der ein paar Warzen bräunlich schimmerten, und einer dicken Brille vor zwei glubschigen Augen.
“Willkommen, Erstsemester. Heute werdet ihr von mir eine kleine Einführung in das Musikstudium bekommen.”
Die kleine Einführung brauchte mehr als anderthalb Stunden. Darin erklärte er uns den Werdegang, die unterschiedlichen Fächer, die sonstigen Angebote und die Fakultät an sich.
Nach diesen Stunden brummte mein Kopf so vor Informationen. Mein Blatt war vollgekritzelt mit unnötigen Infos, aber sicherheitshalber hatte ich sie aufgeschrieben. Als uns der Professor um halb elf entließ, sah ich als erstes auf meinen Stundenplan. Ich hatte jetzt eine Freistunde und danach meine erste Stunde Musiktheorie. Nach dieser Stunde hatte ich eine Doppelstunde Geschichte, die ich mir mit anderen Studenten teilen musste. Und das war´s dann für den Montag. Ich hätte es schlimmer treffen können.
Unwillkürlich wanderten meine Gedanken zu Logan. Was würde ich machen, wenn wir gemeinsam ein Fach hätten? Ganz einfach, ich würde mich von ihm fernhalten. Er sprühte eindeutig Gefahr aus, und das würde ich so gut es ging meiden.
Ich schüttelte den Kopf, schulterte meine Tasche und verließ den Hörsaal. Was sollte ich jetzt in meiner Freistunde tun? Mom sagte, ich sollte mir eine Job suchen, damit ich etwas für die Studiengebühren beitragen konnte. Ich hatte zwar ein Stipendium, aber das deckte nur einen Teil, wenn auch großen. Und ich wollte so schnell wie möglich aus dem Wohnheim raus, also musste ich Geld verdienen. Und wo hingen die
Stellenangebote? Am schwarzen Brett. Nur musste ich das noch finden. Ich ging den Flur entlang und sah mich aufmerksam an den Wänden um, doch außer einzelne Werbeplakate und ein paar Kritzeleien konnte ich nichts entdecken.
Da rammte ich jemanden, der auf den Boden fiel und spitz aufschrie.
Ich sah erschrocken auf und blickte in zwei dunkelbraune Augen, die mich wütend anblitzten. Ihr zartes Gesicht wurde von hellblonden, lockigen Haarensträhnen umrahmt, der Rest wurde in einem ordentlichen Knoten zusammengehalten. Ihr perfekter Schmollmund war wütend zusammengekniffen.
“Ich… ich … das tut mir so leid.”, stammelte ich unbeholfen und begann, ihre Sachen zu sammeln, die sie hat fallen lassen.
“Schon gut.” stieß sie aus, riss mir ihre Sachen aus der Hand und machte sich aus dem Staub.
“Tja, jetzt kennst du auch die Dramaqueen Eliza.”, ertönt eine fröhliche Stimme hinter mir und ich zuckte erschrocken zusammen. Hinter mir kam ein weiteres Mädchen aus einer Ecke geschossen, die gut einen Kopf kleiner war als ich, und ich war nur ein Meter sechzig. Ihre hellbraunen Haaren flogen lockig in alle Richtungen und ihre moosgrünen Augen sahen mich verspielt an. Ihr rundes Gesicht wirkte freundlich, ihre rosigen Wangen natürlich. Sie reckte mir die Hand entgegen. “Hi, ich bin Hailey. Zweites Studienjahr, Psychologie.”
Überrumpelt sah ich sie an, weshalb sie schließlich meine Hand nahm und langsam nach unten drückte, als würde ich an einem psychischen Knacks leiden. “Geht es dir gut?”
Ich lächelte. “Sag du es mir. Du studierst Psychologie.”
Sie machte einen Schritt zurück und nahm mich unter die Lupe. “Hmmm… Du hast einen Hand um deinen anderen Ellenbogen gelegt, also fühlst du dich unwohl und unsicher. Du suchst Schutz, wie damals, als deine Eltern dich an der Hand hielten.” Sie ließ den Blick kurz nach unten schweifen. “Du hast deine Beine gekreuzt, also bist du entweder verschlossen oder extrem unsicher. Deine andere Hand reibt dein Ohr, also willst du das, was ich gerade sage, ausschließen. Du willst dir die Ohren vor meinen Worten verschließen, weil sie dir unangenehm sind, oder ich lasse dich nicht zu Wort kommen, wie auch immer. Richtig?”
Ich war baff. Das alles hatte sie aus meiner Haltung gelesen? Ich musste unbedingt mehr Zeit mit meiner Körpersprache verbringen. Auf ihrem Gesicht erschien ein verspieltes, glückliches Lächeln. “Ich hab recht, richtig?”
Langsam nickte ich. “Du bist mir unheimlich. Ich bin Freya.”
Sie kicherte. “Danke. Mich hat man besser nicht als Feind. Generell alle Psychoanalytiker.”
“Kannst du mir sagen, wo ich das schwarze Brett finde?”
“Klar, das ist in der Cafeteria. Wollen wir zusammen hin?”
Ich nickte und zusammen verließen wir den Komplex.
“Was studierst du?”
Ich musste über ihre Neugierde lächeln. “Ich studiere Musik.”
“Und wie ist es so?”
“Kann ich dir noch nicht so sagen. Ich hatte eben meine erste Stunde.”, lachte ich, doch Hailey wurde nicht mal rot.
“Hab ich vergessen. Ich hatte ja schon mein erstes Jahr.”
Wir liefen zur Cafeteria und unterhielten uns dabei über unsere unterschiedlichen Kurse. Es war deutlich voller als heute Morgen und so mussten wir uns durch die Massen schlängeln.
“Da wären wir. Das schwarze Brett vom Campus.”
Es war eigentlich nur ein schmales Holzbrett, auf dem sich die Zettel so tümmeln. Auf einem verkauft einer sein Fahrrad, dort sucht jemand einen Mitbewohner und in irgendeinem Markt in der Nähe gibt es Softeis umsonst.
“Gibt es hier auch irgendwo ein System?”, rief ich halb verzweifelt, halb belustigt.
Hailey kicherte nur und schüttelte den Kopf. “Was suchst du denn?”
“Einen Job.”
Sie trat einen Schritt nach vorne und hob ein paar Blätter an. “Hier wird jemand im Supermarkt gesucht.”
“Regale einräumen? Nein, danke.”
Ich tat es Hailey gleich und hob einige Blätter an. Hier wurde eine Putzfrau gesucht, dort eine Verkäuferin in einem Modeladen. Hm. Scheinbar war heute nichts dabei.
“Hey, hier wird ein Kindermädchen gesucht.”
Damit hatte Hailey meine Aufmerksamkeit geweckt. Sie hielt mir einen Blatt hin und ich las die Anzeige. Es ging um Drillinge, die dringend jemanden zum aufpassen brauchten. Das Gehalt war erstaunlich und die Zeiten verhandelbar. Ich steckte den Zettel ein. Nach meiner letzten Stunde würde ich dort anrufen.
“Hast du auch einen Studienkredit?”, fragte Hailey ohne Hemmung, als wir uns an einen Tisch niederließen.
Ich schüttelte den Kopf. “Nein, ich habe ein Stipendium. Aber ich will aus dem Wohnheim ausziehen.”
Sie machte große Augen. “Wow, ein Stipendium. Dann musst du wirklich gut sein. Was die Sache mit dem Wohnheim angeht, das habe ich mir auch gedacht, aber ich habe es erst vor kurzem geschafft, dort auszuziehen. Der Krach war ja nicht auszuhalten. Weißt du, die Wände dort sind extrem dünn. Da wurde eindeutig an Spachtelmasse gespart. Aber ich hab noch ein Zimmer frei und bin sowieso auf der Suche nach einem Mitbewohner. Wenn du willst, kannst du einziehen.”
Ich sah sie erstaunt an. “Bist du dir sicher? Du hast mich doch gerade erst kennengelernt.”
Sie tippte sich gegen die Stirn. “Psychologe. Und außerdem bist du mir von allen Kandidaten am sympathischsten. Außerdem, wie lernt man sich besser kennen, als sich eine Wohnung zu teilen?”
Ich lächelte sie an. Ich mochte Hailey und war mir sicher, dass wir gute Freundinnen werden konnten.
“Kann ich denn einfach so meinen Platz kündigen? Ich meine, ich habe heute erst angefangen.”
Sie zuckte mit den Schultern. “Keine Ahnung, aber ich denke schon. Frag später einfach im Sekretariat nach.” Ich nickte zustimmend.
Da stand sie auf. “Tut mir leid, Freya, aber ich muss jetzt zu meinem Kurs. Sehen wir uns in der Mittagspause?”
“Klar.”
“Super, bis dann!”
Und damit war sie weg. Ich sah ihr grinsend nach. Hailey war eine einzige Powerkugel. Wenn ich wirklich bei ihr einzog, würde mein Leben wahrscheinlich viel interessanter werden, das hatte ich im Gefühl.
Plötzlich sah ich Logan. All meine Härchen stellten sich auf und meine ganze Aufmerksamkeit richtete sich auf ihn. Er war mit seinen drei Freunden zusammen, die ich gestern unter dem Baum gesehen habe. Vielleicht waren sie in derselben Sportmannschaft?
Er ist nichts für dich!, rügte ich mich in Gedanken selber. Schnell wandte ich den Blick ab, bevor er mich noch erwischte, wie ich ihn angaffte. Das wäre peinlich.
Ich sah mir die Anzeige vor mir genauer an und beschloss, gleich mein Glück zu
versuchen.
Zehn Minuten später legte ich zufrieden auf. Die Frau am anderen Ende klang freundlich und hatte mir angeboten, morgen einen Probearbeitstag zu machen, bevor sie mir sagte, ob ich für den Job genommen wurde oder nicht.
“Hey, Freya.”
Erschrocken drehte ich mich um. Logan stand hinter mir und grinste mich an. Überrascht bemerkte ich, dass uns alle anstarrten.
“Ähm, hi.”, erwiderte ich verunsichert. Er setzte sich wie selbstverständlich neben mich. “Habe ich dir gesagt, dass du dich neben mich setzen darfst?”
Logan starrte mich verblüfft an, bevor sich ein Lächeln auf seinen Zügen ausbreitete, das in seinen Augen erstrahlte.
“Ist das etwa dein Tisch?”, zog er mich auf.
Ich hob eine Augenbraue, das hatte ich mir bei Mom abgeschaut. “Solange ich hier sitze, ja.”
Logan kicherte. “Da ich jetzt auch hier sitze, kannst du ruhig meine Anwesenheit genießen.”, sagte er gönnerhaft und verschränkte die Arme hinter dem Nacken. Ich stellte mir vor, wie alle Mädchen im Umkreis zu sabbern anfingen.
“Danke, ich verzichte.”, schnaubte ich, packte meine Sachen und stand auf.
“Meinst du das ernst?”, fragte er entgeistert. Wahrscheinlich bekam er nicht oft einen Korb.
“Willst du einen Beweis?” Damit drehte ich mich um und verschwand aus der Mensa. Jetzt hat mir dieser überhebliche Schwachkopf auch noch meine Pause versaut. Doch ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass es ohnehin Zeit für meinen nächsten Kurs war. Also hat mich Mr. Unglaublich zur rechten Zeit vertrieben.


Die restliche Woche ging ohne weiteres an mir vorbei. Ich lernte meine neuen Fächer und Professoren kennen und hatte das Vorstellungsgespräch hinter mich gebracht, leider ohne Erfolg. Jetzt musste ich mir einen anderen Job zulegen. Logan hat mich nicht wieder angesprochen. Doch manchmal, wenn ich mit Hailey draußen zusammen saß, bemerkte ich, wie er mich ansah. Dann wurde er von seinen Freunden angesprochen und sah wieder weg. Ich ignorierte ihn, so gut ich konnte.
Ich hatte auch mit der Sekretärin geredet, einer rundlichen, alten Dame, und sie hatte mir versichert, dass es kein Problem wäre, da einige ebenfalls eine Wohnung suchen und es ja erst am Anfang des Semesters wäre. Also war ich auch Sienna los. Puh. Ich hatte daraufhin mit Hailey gesprochen und sie meinte, dass ich sofort einziehen könnte. Da ich nicht viel hatte, zog ich noch am selben Tag bei ihr ein. Das ich noch kein eigenes Geld verdienen konnte, nahm sie mir nicht krumm. Sie sagte, dass ich einfach mit einsteigen konnte, wenn ich einen Job hatte. Deswegen bemühte ich mich, um so schneller einen Job zu finden. Zur Not würde ich auch in dem Supermarkt arbeiten, um Geld zu verdienen. Nur, als ich den Zettel suchte, war er bereits weg.
“Ach, mach dir nichts draus.”, sagte Hailey und tätschelte mir die Hand, als ich mich frustriert neben ihr niederließ. Die Cafeteria war voll, aber Hailey hatte es dennoch geschafft, einen freien Tisch zu ergattern.
Ich seufzte. “Ich brauche aber einen Job, damit ich die Miete mit dir zahlen kann.”
“Jetzt mach dir mal darüber keine Sorgen.”
“Doch! Ich werde dir bestimmt nicht auf die Füße fallen. Ich suche mir einen Job beim
Bäcker oder sowas. Kann ich deinen Laptop benutzen? Meiner ist noch bei Mom.”
Sie grinste mich an. “Klar.” Dann wanderte ihr Blick hinter mich und sie runzelte die Stirn. “Wieso starrt dich Logan an?”
Überrascht drehte ich mich um - und begegnete himmelblauen Augen. Logan sah mich tatsächlich an. Auch als ich zurück starrte, wandte er den Blick nicht ab. Im Gegenteil, seine Augen schienen mich regelrecht zu hypnotisieren. Es schien, als würde es nur noch ihn und mich geben. Bis Hailey mich in die Seite stupste. Blinzelnd wandte ich den Blick ab und sah leicht verwirrt zu Hailey, die in sich hinein grinste.
“Was denn?”, raunzte ich sie an und sah auf den Tisch.
Sie prustete los. “Ich habe noch nie gesehen, dass Logan Mitchell ein Mädchen anstarrt. Aber dir scheint es ja ähnlich zu gehen.”
Wütend sah ich auf. “Gar nicht wahr! Ich kenne ihn ja gar nicht!”, verteidigte ich mich, doch sie lachte nur noch mehr.
“Ich muss jetzt los.”, stieß ich aus, packte meine Tasche und  verließ schnellen Schrittes die Cafeteria. Massen an Menschen stießen mich an, doch ich drängelte mich einfach dazwischen durch. Das war das positive an meiner kleinen Größe - ich kam überall durch.
“Hey, Freya!”
Wie festgefroren blieb ich auf der Stelle stehen und drehte mich langsam um. Logan Mitchell kam auf mich zu gejoggt, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Ich verschränkte instinktiv die Arme.
“Was willst du, Mitchell?”, fuhr ich ihn gröber als beabsichtigt an.
Er hob eine Augenbraue. “Bleib mal ruhig, Kratzbürste.” Aus den Augenwinkeln nahm ich wahr, wie uns alle anstarrten. Hatten die nichts zu tun?
“Ich wollte dich fragen, ob du Lust hättest, mit mir was zu unternehmen? Jetzt am Wochenende?”
Hatte mich gerade Mr-Mein-Lächeln-Ist-Heißer-Als-Die-Hölle zu einem Date eingeladen? Puh, nein danke. Ich hatte nicht vor, in meinem ersten Jahr am College das Gesprächsthema Nummer eins werden. Geschweige denn, mich wegen eines Kerls von meinem Plan abbringen lassen.
“Nein, danke.”, sagte ich und drehte mich wieder um.
“Hast du gerade Nein gesagt?”, hielt mich seine fassungslose Stimme zurück. Hatte der etwa noch nie einen Korb bekommen?
Schnaubend sah ich ihn wieder an. “Richtig, nein. Soll ich es buchstabieren?” Scheinbar war er es gewohnt, dass Mädchen sich vor ihm auf die Füße warfen, wenn er sich auch nur ansah. Nicht mit mir!
“Aber ... “
“Was? Hast du noch nie einen Korb bekommen? Gewöhn dich dran.” Ich sah ihn arrogant an. Diesen Blick hatte ich genug bei meinem Dad gesehen, deswegen konnte ich ihn perfekt. Nur wieso wollte ich nicht, dass er mich für arrogant hielt? Logan Mitchell weckte widersprüchliche Gefühle in mir, und das wollte ich definitiv nicht.
Jetzt sah er mich ebenfalls arrogant an. “Wie kam ich nur darauf, mit dir ausgehen zu wollen? Du bist schließlich nicht besser als die ganzen Bitches, die sich mir sonst an den Hals werfen.” Er wandte sich ab.
“Moment mal!”, rief ich aus und machte einen Schritt auf ihn zu. “Hast du gerade nicht gehört, dass ich dir einen Korb gegeben habe? Wieso sollte ich mich dir an den Hals werfen? Etwas Würde habe ich auch noch!”
“Du bist nicht besser, weil sich all die Weiber auch für was besseres halten. Lass mich raten: Reicher Daddy, der dir alle Türen öffnet und eine Mummy, die dir den Bauch krault, wenn du pfeifst? Solche wie dich kenne ich.”, sagte er verächtlich. Zuerst starrte
ich ihn fassungslos an. Dann holte ich aus und pfefferte meine Hand mit Schmackes auf seine Wange. Es klatschte, ein roter Abdruck prangte dort, wo zuvor meine Hand war.
“Wenn du es dir nochmal erlauben solltest, irgendwas über meine Familie oder mich zu sagen, dann reiß ich dir die Eier ab, verstanden?”, zischte ich so bedrohlich wie möglich. Wenn ich etwas nicht leiden konnte, dann solches Schubkastendenken. “Du kennst mich nicht.”
Dann drehte ich mich so würdevoll wie möglich um, ignorierte die Gaffer und lief so schnell es ging zu meiner neuen Wohnung.


Hailey wohnte ungefähr fünf Minuten vom Campus entfernt. Es war ein hübsches, altbackenes Haus mit hohen Stützbalken und Backsteinen, einen gepflegten Vorgarten mit akkuraten Hecken, Beeten mit Blumen und verschiedener Deko wie ein Haufen Gartenzwerge und verschiedener rosa Flamingos. Ein schmaler, heller Weg aus Kies führte über den Garten bis hin zur Haustür. Der Garten selbst war mit einem hellen, elegant verschlungenen Zaun gesäumt, an der an der vorderen Tür ein weißer Briefkasten hing. Ich zog den kleinen Schlüssel aus meiner Tasche, öffnete den Briefkasten und nahm die Post heraus. Die meisten Briefe waren für unsere Vermieterin, Mrs Duncan.  Mrs Duncan war eine ältere Frau mitte sechzig, deren Mann vor ein paar Jahren gestorben war. Seitdem vermietete sie die obere Etage ihres Mehrfamilienhauses. Kinder hatte sie keine, soviel ich wusste. Ich mochte die alte Frau. Sie hatte einen kleinen Mops namens Dippens, was sie mir noch sympathischer erscheinen ließ. Langsam ging ich den Weg zur Haustür und las dabei die Empfänger der Briefe durch. Zwei waren für Hailey, aber nichts für mich. Ich schloss die Tür auf und stieß beinahe mit Mrs Duncan zusammen, die Dippens an der Leine hielt. Der Hund schnupperte an meiner Hose und wandte sich dann wieder ab, als ich ihm keine Leckerlies gab.
“Ach, meine Liebe. Du hast mich vielleicht erschreckt. Hast du dich schon gut eingelebt?”, fragte sie mich gutmütig. Ihre graue Lockenpracht hatte sie mit so viel Haarspray fixiert, dass sich kein Haar traute, aus der Reihe zu tanzen. Sie sah mich mit ihren braunen, intelligenten Augen an und ich kam mir vor, als könnte sie meine Gedanken lesen.
“Ja, Mrs Duncan. Die Wohnung ist wirklich schön. Ich habe Ihnen Ihre Post mitgebracht.”, sagte ich zu ihr und reichte ihr den Stapel.
“Das ist lieb von dir.”, sagte sie lächelnd. “Sei doch so lieb und leg sie mir vor die Tür, ja? Dippens, jetzt hör auf! Wir gehen ja schon! Bis später, Liebes.”
Dippens zog an der Leine und wollte endlich aus dem Haus raus. Das kannte ich nur zu gut von Daisy. Hach, mir fehlte mein Hund.
Ich lief die Holztreppe hoch und spürte das Ächzen der Treppe unter meinen Füßen. Oben schloss ich meine Tür ebenfalls auf, dann zog ich bereits die Schuhe aus und meine Gedanken wanderten wieder zu Logen.
Wie konnte er es nur wagen, mich mit einem reichen, schnöseligen Mädchen zu vergleichen? Ich war weder das eine noch das andere. Mom konnte froh sein, wenn der Lohn reichte, um die Kosten für das Haus zu decken. Von meinem Dad fing ich lieber gar nicht erst an. Vielleicht hatte er es inzwischen geschafft und lag tot in einer dunklen Gasse, weil der Alkohol sich durch seinen Körper gefressen hatte. Vielleicht auch die ein oder andere Droge. Jedenfalls war es mir egal. Er war mir egal. Logan Mitchell sah vielleicht gut aus - okay, er war ziemlich heiß -, aber ich würde sicherlich nicht eine von seinen Bettpfostenkerben werden. Dessen war ich mir sicher.
Unsere Wohnung war klein, es gab nur zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, ein kleines Bad mit einer Dusche, einer Toilette und einem Waschbecken, und eine kleine Küche, wo gerade so ein Herd, ein Spülbecken und ein Kühlschrank inklusive ein Tisch, was wir als Arbeitsplatte verwendeten, passten. Trotzdem hatte Hailey mit schönen Wandfarben wie Violett und Türkis, Dekoartikeln sowie etlichen Pflanzen, Kissen, Decken und Lichtern eine kleine Oase des Friedens geschaffen. Ich liebte diese Wohnung auf anhieb und hoffte, ich durfte noch länger hier bleiben. Schnell ging ich in mein Zimmer, in dem ich ein Sofa als Bett benutzte, einen kleinen Kleiderschrank sowie einen Schreibtisch mein Eigen nennen durfte. Meine Geige lehnte an meinem Bett und ich nahm sie. Wenn mich etwas beruhigte, war es meine Musik. Und davon brauchte ich jetzt ganz viel. Ich sah auf die Uhr. Es war jetzt um fünf, vor halb sechs würde Hailey nicht heimkommen. Es war nicht so, dass ich mich für mein Talent schämte, aber ich wollte nicht damit angeben. Es war schon schlimm genug, dass ich das Stipendium hatte, das wollte ich ebenfalls nicht jedem auf die Nase binden. Es war mir schlicht unangenehm.
Ich lief in das Wohnzimmer und stellte mich aufrecht hin. Meine Augen schlossen sich von selbst und ich atmete tief durch. Jedes Mal, wenn ich spielte, stellte ich mir vor, ich würde auf einer Bühne stehen. Vor mir ausverkaufte Ränge mit Menschen, die mich gerne spielten hörten.
Ich legte mein Kinn auf den Kinnhalter und ließ mich treiben. Spontan entschied ich mich für Mozarts Kleine Nachtmusik. Ein Klassiker.
Die Töne kamen unter meinem Bogen zum Leben und schon bald war ich in meinen eigenen Tönen gefangen. Ich fühlte mich befreit und spielte immer weiter. Selbst als das Lied schon vorbei war, spielte ich. Ich dichtete einfach selber Noten dazu und fühlte mich, als hätte man mir eine tonnenschwere Last von den Schultern genommen. Wozu brauchte ich irgendwelche Drogen? Musik bewirkte bei mir denselben Effekt.
Als ich den Bogen sinken lasse, fühle ich mich so entspannt, als wäre ich gerade von der Massage gekommen. Ein Lächeln schlich sich auf meine Züge.
“Wahnsinn, jetzt weiß ich auch, wieso du das Stipendium bekommen hast.”
Erschrocken wirbelte ich herum und sah Hailey grinsend neben mir stehen. “Wie… Wie lange stehst du da schon?”
Sie zuckte mit den Schultern und setzte sich auf das Sofa. “Ich habe noch das Ende von Mozart gehört, danach hast du aber was eigenes gespielt, oder? Es klang jedenfalls super schön.”
Ich wurde rot. Das hatte ich so nicht geplant.
“Was war eigentlich jetzt mit Logan?”, wechselte sie das Thema. Sie hatte bestimmt in meiner Körpersprache gelesen, dass es mir unangenehm war.
Ich legte meine Geige in den Koffer zurück und setzte mich neben sie. Dann erzählte ich ihr mit leiser Stimme, was zwischen mir und Logan vorgefallen war. Sie hörte ruhig zu, doch nach und nach erfüllte Entsetzen ihre schönen Gesichtszüge.
“Hat er nicht!”, stieß sie dann aus.
Ich nickte. “Hat er. Und ich habe ihm dafür eine geknallt.”, antwortete ich, nicht ganz ohne Stolz.
“Wahnsinn. Aber ich habe noch nie gehört, dass Logan mit irgendeinem Mädchen gesprochen hat.”
Ich runzelte die Stirn. “Was weißt du über Logan?”
Hailey rückte näher zu mir. “Er gehört zu dieser Vierer-Bande, bestehend aus ihm, Aiden Garrett, Oliver Zyber und Asher Thompson. Sie sind alle im Footballteam, aber man sieht sie nur zusammen, mit niemanden sonst. Gerüchten nach sollen sie einer geheimen Sekte angehören, wobei ich denke, dass die alle Dealer oder sonst was mit der Mafia laufen haben. Aiden ist der Schläger. Er ist beinahe jede Woche in einer
Schlägerei verwickelt. Oliver ist hyperintelligent. Er ist beinahe nie im Unterricht, und wenn doch, schläft er oder lenkt sich sonst wie ab. Und trotzdem ist er Klassenbester. Asher ist der größte Playboy von ihnen. Man sieht ihn nie mit ein und demselben Mädchen zweimal, manchmal auch mehrere an einem Tag. Und Logan ist der schweigsame Typ. Du könntest ihm ein Ohr abquatschen, und er würde dich einfach ignorieren. Oder eine reinhauen. Er schweigt wie ein Grab. Man hat ihn auch noch nie mit einem anderen sprechen sehen, geschweige denn einem Mädchen. Deswegen haben dich auch alle angestarrt.”
Ich hörte schweigend zu und musste ihr insgeheim recht geben. Ich war zwar noch nicht allzu lange an dem College, aber das war mir auch schon aufgefallen.
“Hört sich ein bisschen nach Twilight an.”, gab ich zu bedenken.
Sie lacht auf. “Ja, aber es sind keine Vampire, das versichere ich dir. Sie sind eben … anders. Ich weiß auch nicht.”
Plötzlich hörte ich ein Hupen. Ich stand auf und lief zum Fenster. Unten stand meine Mom vor dem Auto, eine niedergeschlagene Daisy an der Leine. Ich hatte ganz vergessen, dass Mom mich für das Wochenende abholen wollte. Das heute Freitag war, hatte ich ebenfalls durch den Schulstress und Logan vergessen.
“Ist das deine Mom?”, fragte sie mich und nickte nach unten. Dann zog sie scharf die Luft ein. “Du hast einen Hund? Oh mein Gott, ist der süß!”
Ich lachte. “Es ist eine Sie. Sie heißt Daisy.”
Wieder quietschte sie, woraufhin ich kicherte. Dann stürmten wir beide die Treppe nach unten. Mom erwartete uns bereits und Daisy zog wie verrückt an der Leine, als sie mich sah. Sie riss sich los und rannte auf mich zu, bevor sie heulend und bellend an meinem Bein hoch hüpfte. Ich kniete mich auf den Boden und Daisy schleckte mir die Wange ab. Beinahe kamen mir die Tränen.
“Ist das ein Reinrassiger?”, fragte Hailey, als wir fertig mit unserer Kuschelstunde fertig waren.
Ich schüttelte den Kopf. “Nein, es ist noch etwas Husky drin, deswegen sind ihre Augen auch so blau.”, erklärte ich ihr.
“Sie ist einfach goldig.”
Mom wandte sich an mich. “Also, Zuhause ist sie wirklich extrem geworden. Sie isst kaum noch, kauert die ganze Zeit vor deinem Zimmer und scheint auf dich zu warten. Ich bekomme sie gar nicht mehr aus dem Haus. Du musst dir was überlegen, Freya.”
“Bring sie doch mit her!”, rief Hailey überschwänglich und kraulte Daisy im Nacken.
Ich starrte sie an. “Aber … ich kann doch kaum die Miete bezahlen. Daisy kostet nochmal extra.”
“Du suchst dir einen Job, dann zahlst du mit. Aber willst du deinen Hund dahinvegetieren lassen?”
“Natürlich nicht.”
“Dann bring sie am Sonntag mit. Ich helfe dir, gehe mit ihr Gassi, wenn du weg bist.”
Ich atmete tief durch. Dieses Mädchen war so gut … Es müsste viel mehr Menschen wie sie geben.  “Okay. Dafür stürze ich mich jetzt auf die Anzeigen.”
Sie grinste mich an. “Ich weiß.”
Ich fiel Hailey spontan um den Hals, bevor ich Daisy auf meine Arme hob. Mein Mädchen war ganz schön schwer.
Da sah ich eine Gruppe hinter Hailey auftauchen. Es waren Logan und seine Freunde. Verfolgte er mich etwa? Langsam wurde ich paranoid. Wahrscheinlich bildete ich mir auch nur ein, dass seine Freunde mich wütend anstarrten.

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