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Der neue Weltalmanach - der Ostkontinent, die Khishim-Staaten
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Der neue Weltalmanach - der Ostkontinent, die Khishim-Staaten
Überblick
Sprachen und Völker
Sprechen wir heute über die Khishim-Staaten, so meinen wir die drei Königreiche Luas, Shi-Am und Khm’ia. Die Bezeichnung wurde vom Eigennamen der Einwohner Khmi’as abgeleitet. So wird der Eindruck erweckt, die drei Staaten seien von einem Volk oder doch von drei sehr nah verwandten Ethnien besiedelt. Dem ist aber tatsächlich nicht so. Die Khn sind das Staatsvolk von Shi-Am und sprechen P̣hās̄ʹā, das Staatsvolk von Luas sind die Pasason, die Phasa sprechen und die Khisihim im eigentlichen Sinne sind das Staatsvolk Khmi’as, deren Sprache Pheasaea ist. Bei einem flüchtigen Vergleich der Sprachen wird man einige Überstimmungen zwischen allen drei Idiomen finden, tatsächlich sind aber nur P̣hās̄ʹā und Phasa miteinander verwandt (Ngam-Sprachen), während das Pheasea zusammen mit dem ngôn ngữ die Zentral-Ost-Sprachen (pheasaea k nta l khangkaet) darstellt. Einer der bedeutendsten Unterschiede zwischen den drei Sprachen ist, dass die auch als Lua-Am-Sprachen zusammengefassten Idiome im Gegensatz zu den Zentral-Ost-Sprachen Tonsprachen sind[1].
 
Ngam-Sprachen
Die jahrhundertelange hierarchische Struktur der Gesellschaft hat sich im P̣hās̄ʹā auch auf die Sprache übertragen, was zur Entstehung von fünf Sprachregistern (Kār lng thabeīyn p̣hās̄ʹā h̄̂ā p̣hās̄ʹā) geführt hat, die auch noch die moderne Sprache deutlich prägen. Es handelt sich um die
·      Umgangssprache (Khả s̄læng), die vor allem in der Familie und unter Freunden gesprochen wird
·      gehobene Sprache (P̣hās̄ʹā h̄rū), die man im Umgang mit Fremden, Vorgesetzten und Älteren benutzt
·      die Amtssprache (P̣hās̄ʹā rāchkār), die in öffentlichen Verlautbarungen und in den Behörden verwendet wird.
·      die Hofsprache (P̣hās̄ʹā phra mh̄ā ks̄ʹạtriy̒) für alle die königliche Familie betreffenden Angelegenheiten, mit sehr vielen speziellen Höflichkeitspartikeln und anderem Vokabular, meist aus dem Khmi’a stammend, das selbst lange Zeit die Hofsprache gewesen ist.
·      die Tempelsprache (P̣hās̄ʹā phra wih̄ār) mit eigenen Höflichkeitspartikeln und Vokabular, die in Bezug auf den die Religion verwendet wird und sehr durch die Khmi’a beeinflusst ist. Ritual- und Kulttexte sind meist sowohl in Pheasea als auch in der P̣hās̄ʹā phra wih̄ār niedergeschrieben
 
Das Phasa kennt vier Register (si longthabian), nämlich
Eine Umgangssprache (phasa dadaek)
Eine höfliche Sprache (phasa thangdankanmeuong)
Eine Hofsprache (phasa kasa tli)
Eine Frauensprache (phasa aemnying)
Im P̣hās̄ʹā gibt es fünf verschiedene Töne und die meist einsilbigen Wörter erlangen durch Aussprache in unterschiedlichen Tonhöhen und Tonverläufen gänzlich unterschiedliche Bedeutungen.
Die Töne sind
I.              mittel (a)
II.            tief (à)
III.           hoch (á)
IV.          steigend (ǎ)
V.            fallend (â).
Das recht eng verwandte Phasa kennt sieben Tonhöhen
I.              mittel (a)
II.            tief (à)
III.           hoch (á)
IV.          steigend (ǎ)
V.            fallend (â).
VI.          Steigend-fallend
VII.        Hoch-mittel
Bede Sprachen kennen bei den Verschlusslauten die drei Reihen aspiriert-stimmlos-stimmhaft. Zudem handelt es sich bei beiden Idiomen um so genannte isolierende Sprachen, dass heisst sie kennen weder Deklination noch Konjugation. Ebensowenig kennen die Sprachen einen Artikel oder ein grammatisches Geschlecht. Die Satzstellung Subjekt-Verb-Objekt muss stets eingehalten werden. Die Bildung des Plurals ist recht kompliziert, denn er wird mit Hilfe von Partikeln gebildet, die man als Zahlwörte (Tạwlek̄h/ lek) bezeichnet. Das P̣hās̄ʹā kennt dreißig, das Phasa 19 solcher Partikeln, die sich jeweils nach dem Grundwort richten.
So ist das Zahlwort für Personen khn/phusai. Sagt man also „Zwei Leute“ so muss dies ausgedrückt werden als khn S̄xng khn (Zahlwort+2+Menschen) = zwei Leute.
Im P̣hās̄ʹā verwendet man für Tiere und Pflanzen das Zahlwort S̄ạtw̒ und für unbelebte Gegenstände wie Kleidung (allgemein, s.u.), Möbel, Gebäude usw. das Zahlwort R̀āngkāy, im Phasa wird für beide Kategorien das gleiche Zahlwort hangkai verwendet usw.
Die Zeitformen der Verben erkennt man in beiden Sprachen ebenfalls an vorangestellten Partikeln. Ein Satz in der Grundform, z.B. Reā pị/ phuakhao pai „wir gehen“ ist als Präsens zu verstehen. Will man diesen Satz auf die Zukunft beziehen, so verwendet man die Partikel Nı mị̀ cĥā/ naiuaaini, also Nı mị̀ cĥā reā pị/ naiuaaini phuakhao pai „wir werden gehen“, für die Vergangenheit verwendet man dagegen Rạb/ dai, also Rạb reā pị/Dai phuakhao pai „wir gingen/sind gegangen“.
Vergleicht man die beiden recht eng verwandten Sprachen miteinander, so stellt man allerdings fest, dass der Einfluss des Pheasea im Phasa deutlich geringer ist, als im P̣hās̄ʹā.
Das Pheasea ist verwandt mit dem ngôn ngữ in den Vao-Staaten. Nach der grundlegenden Logik dieses Buches, müssten daher eigentlich die Khmi’a und die Vao zusammen als Angehöriger eines Großvolkes betrachtet werden, nämlich der người/ brachachon, die kulturellen Unterschiede zwischen den Vao-Staaten einerseits und die Unterschiede zu den als Khmi’a-Staaten bezeichneten Ländern und deren kulturellen Übereinstimmungen andererseits rechtfertigen aber aus kulturwissenschaftlicher Sicht die Zusammenfassung der Völker Luas, Shi-Ams und Khmi’as[2].
 
Pheasea
Pheasea ist, wie ngôn ngữ und die Ngam-Sprachen isolierend und verwendet sowohl Zahlwörter als auch Partikeln zum Ausdruck von Zeiten. Pheasea ist allerdings keine Tonsprache. Da aber auch das ngôn ngữ eine Tonsprache ist, hat man lange angenommen, dass es tatsächlich verwandtschaftliche Beziehungen zwischen dem ngôn ngữ und den Ngam-Sprachen gebe, das Pheasea dagegen den letzten Zweig einer ansonsten verschwundenen Sprachfamilie darstellt. Andere nahmen an, dass das Pheasea zusammen mit dem Bharsarhcakarr Mynmas eine entfernte Verwandtschaft verbindet. Erst genauere Untersuchungen in den letzten dreißig Jahren haben die genaueren Strukturen und Verwandtschaftsbeziehungen der einzelnen Sprachen in diesem Gebiet zu Tage gebracht. Diese Einteilung war auch deswegen von enormer Schwierigkeit, da sich die Sprachen gegenseitig massiv beeinflussten und gerade im ngôn ngữ auch starke Einflüsse des Yǔyán der Sinu enthält.
Beispiele für die Zahlwörter des Pheasea sind z.B. das Zahlwort für Personen brachachon, man bildet also die Phrase „zwölf Frauen“ als brachachon teang dbpir roub strei. Bei Tieren verwendet man dagegen sat, also z.B. „drei Pferde“ sat bei seh.
Als Partikel der Zukunft verwendet man Chab nasa, also z.B. lok chaul tow, er geht, chab nasa lok chaul tow, er wird gehen. Für Vergangenheit verwendet man kalpi msailminh, also kalpi msailminh lok chaul tow, er ging/war gegangen[3].
 
 
Religion in den Khmi’a-Staaten
Die Religion der Brachachon verbreitete sich ebenso wie der Gedanke der gefestigten Staatlichkeit ausgehend von Khmi’a auch über Shi-Am und Luas. Man bezeichnet diese Religion als vithi nei brachnha/ Wit̄hī h̄æ̀ng pạỵỵā/ vithikan khong pnaia, Pfad der Weisheit.
Es handelt sich um eine durchaus ungewöhnliche Mischung von lebenspraktischer Philosophie und volkstümlicher Religion.
Der Begriff „volkstümliche Religion“ ist insofern irreführend, als es sich bei dieser Kultreligion auch um die am Köngishof und im Staatskult zelebrierte Form der Religion handelt. Diese ist geprägt durch den Glauben an unzählige Götter und Göttinnen, Geistwesen, Dämonen, Halbgötter und Heroen. Diese sind regional von unterschiedlicher Bedeutung und auch die ihnen zugeschrieben Eigenschaften und Fähigkeiten können sich bisweilen von Dorf zu Dorf massiv unterscheiden. Zu den wichtigsten Göttern im ganzen Kulturraum gehören der Schöpfer- und Sonnengott Phkay mean ponlu/ Dārā reụ̄xng s̄æng/ Dav aedng, der stets mit acht Armen und vier Köpfen dargestellt wird, die Kriegsgöttin Anak chambeang banghourchham/ Nạkrb thī̀ peụ̄̂xn leụ̄xd/ aemnying khihai, die in Khmi’a und Shi-Am als Mutter bzw. Gemahlin des Sonnengottes, in Luas als dessen Tochter gilt. Andere beliebte Gottheiten sind der Gott der Wissenschaft und Schreibkunst Sarser bich/ K̄heīyn pākkā/Muk, die Göttin der Liebe, Sexualität und Freude Samrosa/ Khwām ngām/ khuaamngam oder die Göttin des Handels Stang/ Būṭh/ bud.
Die Götter werden in großen Tempeln verehrt, an die fast immer auch Klöster angeschlossen sind, In allen drei Staaten ist es üblich, dass die Könige während ihrer Regentschaft mehrere Tempelklöster stiften und auch unterhalten. Viele reiche Familien bauen zumindest einen kleinen Schrein und bezahlen Mönche, damit sie diesen pflegen und dort täglich beten. Einige Mitglieder der Königsfamilien haben sich im Verlauf der Geschichte als große Förderer der Religion hervorgetan, so die Königin Sikrit von Khmi’a, die im 18. Jahrhundert 24 Tempelklöster gegründet und durch Stiftungen unterhalten hat. Die Tempelklöster spielten in Shi-Am und Khm’ia bis zur Einführung eines allgemeinen Schulsystems zudem eine wichtige Rolle als Schulen und höhere Bildungseinrichtungen. Fast alle Männer und Frauen sind deswegen eine gewisse Zeit in ihrem Leben in ein Kloster eingetreten. Diese Tradition hat sich in sofern bis heute erhalten, als zumindest die jungen Männer an ihrem 18. Geburtstag noch immer für ein Jahr in ein Kloster eintreten. In Luas spielen die Klöster noch heute eine wichtige Rolle im Bildungssystem. In Shi-Am und Khmi’a gelten die Könige als irdische Avatre des jugendlichen Gottes Kmengobrosa saat bzw. de kriegerischen Butr chāy und sind die Schutzherren der Mönchsgemeinschaften. In Luas gilt der Hohe Rat, khoanaenoa sung, unter der Leitung des Athi kan sungsudkhong mud sa lim als religiöse Führungsinstanz.
Die Mönche, die zugleich die Priester der Tempel sind, beten stets für das ganze Volk und opfern im Namen der Seele des Königs und aller Einwohner des Landes, um das Wohlwollen der Götter auf das Land herabzurufen. Es gibt zwar viele lokale und überregionale Feste, wie das in allen drei Staaten groß begangene Neujahrsfest chhnam thmei/ Trus̄ʹ/ pihaim, die stets auch mit religiösen Zeremonien, bisweilen auch mit Prozessionsfesten, verbunden sind, gemeinsame Gebete im Tempel sind aber eher unüblich.
Da die Mönche so genannte Stundengebete halten, kann man diesen einfach anschließen, wenn man im Tempel ist. Aber ein Besuch und ein kleines Opfer von Blumen, Wasser oder Speisen ist zu jeder Zeit möglich. Viele Gläubige unterhalten zu Hause zudem einen kleinen Schrein für die Hausgeister, dazu kommen so genannte Geisterhäuser, besonders an Handelswegen, Kreuzungen und gefährlichen Strassen, in denen man die Geister der Natur, die so genannten Kleinen Götter, preah tauch, Lit teîl theph, theuaada nony, verehrt und besänftigt. Einen Ahnenkult gibt es dagegen nur in den großen Königsdynastien von Shi-Am und Khmi’a.
Die Jenseitsvorstellungen sind in weiten Teilen ebensoweng stringent wie die Gottesbilder. Unter dem Einfluss der so genannten Großen Lehrer (krou da aschar, Khrū p̄hū̂ yìng h̄ıỵ̀, khuson thi nyinghainy) verbreitete sich die Vorstellung von Veasanea (Schicksal, der Begriff wird trotz deiner Pheasea-Herkunft als feststehender Ausdruck in allen Staaten genutzt) und Wiedergeburt. Verkürzt ist die Lehre der großen Lehrer so zu verstehen, dass jedes Handeln in der Welt Folgen hat, sowohl für den Handelnden als auch für die von den Handlungen betroffenen Personen, Tiere, Pflanzen und Gegenstände. Positives Handeln wirkt sich daher positiv auf das persönliche Veasanea aus, negative Handlungen dagegen schlecht. Die Großen Lehrer fordern daher zum umfassendem Mitgefühl mit allen Lebewesen auf. Der Glaube an die Götter spielt dabei aber nur eine sehr untergeordnete Rolle, entstand doch die Bewegung der Lehrer vor allem aus dem Bedürfnis heraus, die Religion sinnvoller zu ordnen und logisch nachvollziehbar zu machen. Die Großen Lehrer lehnen daher magische Praktiken, aber auch einfache Bittgebete ab. In ihren Augen liegt es allein in der Hand der Menschen, ihr Leben zu verbessern. Die Aufgabe der Götter ist der Erhalt des Kosmos, das ist ihre ihnen zugewiesene Rolle und daher benötigen sie auch keine Verehrung oder Opfergaben, mischen sich aber auch nicht in das Leben der einfachen Menschen ein. Zudem verbreiteten die Großen Lehrer die Vorstellung der Wiedergeburt: Menschen sammeln auf ihren Seelen die guten und schlechten Taten und je nach dem, welches Leben man geführt hat, wird man auf einer höheren Daseinsstufe oder einer niedrigeren wiedergeboren, Nur ein perfektes Leben im Einklang mit der Natur und den Menschen führt zum eingehen in das himmlische Paradies[4].
Die Lehren der Großen Lehrer wurden eine zeitlang von verschiedenen Königen gefördert, konnten sich aber letzendlich im Volk nicht vollends durchsetzen. Übernommen aus ihrer Lehre hat man aber die Vorstellung des Schicksals und der Wiedergeburt, weswegen Toleranz, Mitgefühl und ein großer Gemeinschaftssinn typische Eigenschaften der Khmi’a-Völker geworden sind. Den Glauben und die Opfer an die Götter konnten die großen Lehrer aber nicht verdrängen. Sie sind vielmehr selbst zu Objekten der Verehrung geworden und werden fast wie die Götter um Beistand angerufen und mit Statuen in den Tempeln geehrt. Nur in Luas wird den Großen Lehrer noch eine immense Aufmerksamkeit geschenkt, hier aber auf einem Sonderweg, der im entsprechenden Kapitel zu Luas besprochen werden soll.

Anachak khong Luas

                                                                                                   Königreich von Luas
Sadtha khon savan
[align=justify]Amtssprache(n): Phasa

                                                                                     Hauptstadt: Nakhonruang
                                                                                     Regierungsform: theokratische Monarchie
Staatsoberhaupt: König Suriyavong II.
                                                                                     Regierungschef: Abt Savang
Fläche: 482.136 km2
                                                                                     Einwohnerzahl: 7,3 Millionen
                                                                                     Bevölkerungsdichte: 15,1 Ew./km2
                                                                                     Währung: Felūs


 
Luas ist der kleinste der Khmi’a-Staaten und mit nur 8,9 Millionen auch der am dünnsten besiedelte. Zudem hat sich die traditionell theokratische Form des Gottkönigtums der Khmi’a in Luas in eine ganz besondere und einzigartige Regierungsform entwickelt, die eher an die Manche-Staaten erinnert, als an die Systeme in Luas und Khmi’a. Luas war niemals die dominierende Macht der Region, sondern fast immer der passive Spielball der anderen Regionalmächte.
 
Kurzer Abriss der Geschichte Luas‘
Die Pasason sind wohl die ursprüngliche Bevölkerung Luas‘. Es kann bisher allerdings nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden, ob die Pasason von Süden her in das Land eingewandert sind oder andererseits die Khn von Norden nach Shi-Am auswanderten. Möglich erscheint auch eine diffuse Verteilung der Bevölkerung von einem ursprünglichen Heimatgebiet über beide späteren Staaten zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Die Quellen zu Luas in der Zeit vor dem 6. Jahrhundert sind nicht sehr zahlreich und ergeben nur ein sehr unvollständiges Bild. Spuren menschlicher Besiedlung in Luas sind mindestens seit 600 v. G. d. S. durch archäologische Ausgrabungen nachzuweisen. Die Keramik ist dabei eines der wichtigsten erhaltenen Medien. Ein Hauptfundort ist der Ort Ban Santiphap, nach dem die Ware als Ban-Santiphap-Schalen bezeichnet wird. Diese kommt im 5. Jahrhundert v. G. d. S. im Zentrum von Luas auf (heutige Provinz Xeno) und verbreitet sich bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts auch über Teile des heutigen Shi-Am und Khmi’as. Ob man deswegen annehmen muss, dass sich auch das Volk auf diesem Weg verbreitete, ist nicht gesichert.
In Khmi’a verändern sich Typus und Dekoration der Keramik sehr schnell, während die Ware in Shi-Am bis in das 1. Jahrhundert v. G. d. S. nicht von der aus Luas unterschieden werden kann. Die gefundenen Siedlungsreste sind spärlich, da die ersten Ansiedlungen in Luas im feuchten Waldgebiet gelegen haben. Die wenigen Spuren deuten auf eine Gesellschaft hin, die von einem primitiven Ackerbau, dem Sammeln von Pflanzen, der Jagd und möglicherweise einer rudimentären Tierzucht (man fand vor neben Knochen von Wildtieren vor allem Schweine) lebte. Die Dörfer sind, soweit die Spuren eine solche Bewertung zulassen, klein und bestehen aus drei bis sechs Häusern, die allerdings enorm groß sein können. Das größte gefundene Exemplar in der Siedlung mit dem Rufnamen Meuong Vinnyan war ursprünglich wohl um die 40m lang. Solche Langhäuser (Heuon nyav) gibt es noch heute sowohl in Luas als auch Shi-Am im ländlichen Raum. Wahrscheinlich dienten sie auch damals schon jeweils einer Großfamilie als Wohnstätte. Im 1. Jahrhundert dann wächste die Zahl der Siedlungen an, doch handelt es sich noch immer um Dörfer mit einigen wenigen Häusern. Interessant sind zwei Fakten. Zum einen werden die Siedlungen seit der Mitte des 1. Jahrhunderts mit hölzernen Palisaden geschützt, zum anderen gibt es einige deutlich größere Dörfer mit bis zu 15 Häusern und kleinen, als Tempel interpretierten Rundbauten in der Dorfmitte. Einige wenige Mythen und Märchen sind in dieser Zeit angesiedelt, aber die dort beschriebenen Verhältnisse dürften eher der Zeit des 5. und beginnenden 6. Jahrhunderts entsprechen, als denen des 1. Jahrhunderts. Man kann aber wohl aus der Anlage von Schutzwällen und größeren Zentralorten von einer langsamen Entwicklung einer hierarchisch strukturierten Gesellschaft mit einer herrschenden Elite ausgehen. Ob die größeren Dörfer dabei tatsächlich lokale Machtzentren oder vielleicht doch nur Kult- und Marktflecken waren, kann man heute kaum noch entscheiden. Sicher ist aber, dass sie dann im 5. und 6. Jahrhundert tatsächlich zu den Zentren lokaler Kleinfürsten werden. Aber weder Namen noch Umfang der Herrschaftsgebiete oder ihrer Fürsten sind uns bekannt, sieht man von den sagenhaften Prinzen Skihiav Kob oder Seu einmal ab, deren Existenz als eher unsicher gelten muss[1]. Je nach Perspektive kann man das 6. Jahrhundert als einen Endpunkt authochtoner Entwicklung oder einer explosionsartigen kulturellen Entwicklung betrachten: in Khmi’a hatte sich mit dem Reich von Preichhen (362-689) eine erste große Herrschaft gebildet, die nach einer Phase der inneren Konsolidierung eine expansive Politik betrieb. 541 erscheint in den Listen der eroberten Gebiete dann zum ersten Mal die Provinz Bratesa Lav, also Luas. Ob damit bereits das ganze Land unter die Herrschaft der Dynastie von Preichhen gekommen ist oder nur die östlichen Teile, ist bisher noch nicht geklärt, spätestens 560 stand dann aber ganz Luas unter der Kontrolle Khmi’as. Es entstehen im ganzen Land neue Siedlungen, die jetzt oftmals schon den Charakter von kleinen Städten mit Tempeln, Marktplatz und Häusern der Oberschicht annehmen. Teile dieser Eliten stammten wohl aus Khmi’a, der größte Teil rekrutierte sich aber aus der lokalen Bevölkerung. Die Städte und die materielle Kultur sind ab diesem Zeitpunkt stark von Khmi’a abhängig, so wird die sarser aksaarophchang genannte Schrift der Khmi’a in Luas eingeführt und auch die Gebäude sind unverkennbar im Stil des großen Nachbarn gebaut, allerdings gibt es auch in den Städten des 6. und 7. Jahrhunderts noch die typischen Langhäuser, die erst danach langsam aus den urbanisierten Zentren verschwinden und nur noch auf dem Land gebaut werden. Das bedeutendste Zentrum der Khmi’a-Kultur in dieser Epoche war die neugegründete Stadt Phonthong/Phra Thong, eine Planstadt mit breiten Strassen, einem ausgeklügelten Bewässerungssystem und einem steinernen Tempel für den Sonnengott. Phonthong sollte über Jahrhunderte die bedeutendste Stadt in Luas bleiben.
Mitten in der Blüte seiner Macht stehend, zerbrach das Khm’ia-Reich von Preichhen 689 in einem blutigen Bürgerkrieg, der zwischen verschiedenen Linien des Königshauses ausbrach[2]. Luas kam dabei unter die Herrschaft des Prinzen Phol, der das Land brutal auspresste und so die Bevölkerung und den lokalen Adel gegen sich aufbrachte. In einem Guerillakrieg versuchten diese den Besatzer aus dem Land zu treiben, was dieser mit der Zerstörung wichtiger Ortschaften und der Ermordung vieler Khmi’a-Adligen im Land beantwortete. Seinem Nachfolger Poth entglitt allerdings um 723 die Kontrolle über die sehr gut befestigte Stadt Phonthong, der Anfang vom Ende der Phol-Phot-Dynastie. Ermutigt durch
den Widerstand Phonthongs erhoben sich überall größere Rebellionen und ein gutes Dutzend von Städten konnte sich der Herrschaft Phots entwinden. Teilweise standen die Städte dabei unter der Kontrolle von Luas-Fürsten, die kulturell stark khmi’aisiert waren, teilweise unter der Herrschaft von Khmi’a-Adligen, andere wurden durch so genannte sdechatranh, warlords, also Angehörigen der Armee, regiert. Der Sohn Phots, Saloth Sar, der in seinem Herrschaftsgebiet, dass noch etwa die Städte Muang Phiang, Pakse und Phonsavan umfasste, wollte unbedingt die Stadt Thakhek unter seine Kontrolle bringen, um den wertvollen Zugang zum Weiten Ozean für sich zurückzugewinnen. Sein blutiger Terror nach der Einnahme der Stadt – er ließ über 8000 Personen hinrichten – entflammte den Widerstand im ganzen Land. Amuvong von Phonthong nahm 744 daraufhin den Titel eines Kasa Tli, Königs an. Er konnte eine Koalition gegen Saloth Sar zustande bringen, die diesen auf die Stadt Huay Xay im äußerten Nordosten des Staatsgebietes zurückwarf. Es kam dann allerdings auch in der Koalition zu Streitigkeiten, weil Amuvong die befreiten Städte seinem Herrschaftsgebiet einverleiben wollte, was die anderen Herrscher als eine zu große Machtballung in nur einer Hand betrachteten. Nach zähen Verhandlungen konnte Amuvong dann aber die Städte Muang Phiang und Pakse für sich gewinnen. Zudem wurde eine zehnjährige Schutzzeit für Thakhek vereinbart. Als diese 756 auslief, zog sich Amuvong allerdings nicht wie vereinbart zurück, sondern behielt die Stadt, was seinen Nachfolgern die Möglichkeit der Machtkonsolidierung gab. Thakhek wurde zeitweise sogar zur neuen Residentstadt.
Diese drohende Übermacht eines Herrschers führte zu einem neuen Bündnis der zahlreichen Kleinstaaten gegen den neuen und jungen König Kaysone I. Die Kämpfe flammten um 786 offen auf und als 787 die Hauptstadt Phonthong an die Aufständischen fiel, schien die Lage für Kaysone aussichtslos. In diesem prekären Moment stürzte sein älterer Halbbruder Mon den König, sammelte die Armee hinter sich und bezwang in einem Gewaltmarsch alle warlords und Kleinfürsten. Bereits 790 konnte sich Mon in der alten Haupstadt Phonthong zum König von ganz Luas, kasa tli chakthangmod Luas krönen lassen.  Mit ihm beginnt nach der Zeitrechung des Staates die Dynastie von Phonthong, die das Land bis 1093 beherrschen sollte. Der neue Staat sah sich aber schon ganz am Anfang seines Daseins einer großen Bedrohung durch das Königreich von Chon Buri ausgesetzt, welches immer wieder die südlichen Grenzregionen überfiel. Durch das Ausschalten der Warlords hatte Mon nun aber die Hand frei – und verfügte über die notwendigen Truppen – um seinerseits gegen Chon Buri vorzugehen. 794 wird die Hauptstadt des Gegners dem Erdboden gleichgemacht und ein Teil des Adels nach Luas deportiert. Wohl auch, weil das eigene Gebiet noch dringend reformiert und nach den Bürgerkriegen wiederaufgebaut werden musste, nahm Mon zwar den umfangreichen Staatsschatz Chon Buris an sich und presste aus dem Land immense Tribute und Abgaben, besetzte das Gebiet aber nicht. Die wirtschaftliche Situation in Chon Buri sowie das Fehlen der politischen Eliten führte zu einem langen Zusammenbruch dieses Gebietes. Bis 844 konnten sich so die Nachfolger Mons, der bis 821 regierte, Ong Long (821 -839) und Nanthesan (839-852) dem Aufbau des Staatswesens widmen und das Land zu einer ersten Blüte führen. In der Kunst, Architektur und Religion dominierte noch immer der Einfluss aus Khmi’a, allerdings wurde unter Nanthesan das Phasa als Amtssprache eingeführt und zugleich eine eigene Schrift, das did tuaakson (ດິດຕົວອັກສອນ) eingeführt. Unter diesem Herrscher entstand auch die große Pagode von Phonthong, noch heute einer der bedeutendsten Kultbauten des Landes.
Hier zeigt sich dann auch einer der bedeutendsten Unterschiede zwischen der Tempelarchitektur der Khmi’a und der Pasason: In Luas dominieren in den Tempelbezirken große turmartige Pagoden, die über nur sehr kleine Innenräume im Sockelbereich verfügen und die oftmals mit Gold überzogen worden sind. Die Friedensperiode endet recht überraschend 844 mit einem gemeinsamen Angriff des Reiches von Peam Ro und Lop Buri auf das Reich von Phonthong, doch kann dieser zurückgeschlagen werden. Dabei wird die Arme Lop Buris fast völlig vernichtet, was dann zur Annexion des Gebiest durch die Khmi’a führt[3].
Das Reich von Phonthong trat danach wieder in eine lange Friedenszeit ein, die bis 1078 anhielt, auch wenn 948 ein geplanter Angriff Khmi’as nur durch Tributzahlungen verhindert werden konnte.
Um 1000 tritt in Khmi’a der erste der vier großen Lehrer auf, Samtac Pra Phaya, der in einem Zeitraum von etwa 50 Jahren alle Gebiete der Khmi’a und auch Luas besuchte und predigte. Er konnte eine große Zahl von Schülern überzeugen, ihm zu folgen und ihrerseits seine Lehren weiterzugeben. Bereits Samtac konnte in Luas überproportional viele Menschen überzeugen, darunter auch König Inthavong, der Samtac an seinen Hof einlud und viele Posten am Hofe und in der Verwaltung mit Anhängern des Samtac neubesetzte. Unter den Nachfolgern Kingkitsarat I., Kingkitsarat II. und Kingkitsarat III., verbreiteten sich die Lehren des Samtac immer weiter, zumal um 1061 mit Anurut der zweite Große Lehrer auftrat, der selbst aus Luas stammte. In diesem Zeitraum pflegte Luas sehr gute Kontakte zu fast allen direkten und entfernteren Nachbarn. Abschlüsse von Freundschaftsverträgen mit Shi-ie-La, Šturi und Nipil bestärkten König Ong Kham I. in seiner Absicht, das stehende Heer aufzulösen und durch eine im Bedarfsfall einzuberufene Selbstverteidigungsarmee (kongthab tonoeng pongkan). Dies erwies sich dann aber als ein ganz entscheidender Fehler, da das neue und starke Shi-Am-Reich von Sadao sich im Innern gefestigt hatte und nun eine hegemoniale Rolle in der Region anstrebte. Trotz des Protestes des Großen Lehrers Anurut sowohl an den Höfen von Peam Ro als auch in Sadao, griff König Phrachao Prathumsuriyawong von Sadao 1078 mit einem großen Heer das Königreich von Phonthong an und konnte es binnen weniger Monate völlig in die Knie zwingen. Die Hauptstadt Phonthong ging dabei in Flammen auf, nur die etwas außerhalb gelegene große Pagode und Teile des alten Königspalastes blieben verschont. Beim Brand des Sommerpalastes kam die gesamte königliche Familie ums Leben. Sadao gliederte dann das gesamte Gebiet von Vang Vien im Westen bis Luang Namtha im Osten in sein Herrschaftsgebiet ein. Nach einem erbittert geführten Bürgerkrieg im unbesetzen Landesteil kann sich dort ab 1086 die Dynastie von Pakse etablieren, die aber nur zwei Könige Inthasom (1086-1091) und Inta Pom (1091-1094) umfasst. Wie so oft in der Geschichte wurde das Schicksal Luas in einem der beiden größeren Königreiche in seiner Nachbarschaft entschieden: 1089 hatte ein Putsch die schwache Dynastie von Rothathani in Khmi’a hinweggefegt und die neue, machtvolle und aggressive Dynastie von Jhoghavan an die Macht gebracht. König Vibol attackierte noch im Jahr seiner Thronbesteigung das strauchelnde Sadao, wendet sich dann aber überraschend Mynma zu, das bezwungen und erobert wird. Mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet, nimmt Vibol den Kampf gegen Sadao wieder auf, das bereits 1093 ganz aus dem Khmi’a-Gebiet herausgedrängt werden kann. 1094 fällt das Königreich von Pakse an Vibol, 1095 dann auch ganz Shi-Am. Etwa zu dieser Zeit tritt in Luas mit Sakkalin der dritte Große Lehrer auf, im gesamten Reich von Jhaghavan predigt, am Ende aber durch König Vibol hingerichtet wird. Die Verbreitung der Lehren der Lehrer werden im ganzen Reich verboten – und finden wohl schon aus diesem Grund wieder merh Anhänger in Luas, wo 1098 bereits der Vierte Große Lehrer Graeg aus Shi-Am predigt, allerdings wird auch 1106 hingerichtet.
In Luas wurden in den kommenden Jahren die in den zahlreichen Kriegen zerstörten Städte neu errichtet, allerdings wurden allerorts die Befestigungen geschleift, um Aufstände zu erschweren. Phothong verliert seinen Status als Zentrum der politischen Macht an die beiden Städte Thakhek und Nakhonruang, die jeweils Sitz eines Vizekönigs, Ubreach, werden.
Es handelte sich um Mitglieder der großen Familie des Vibol, die allerdings Ehefrauen aus den Adelshäusern von Luas zugewiesen bekamen. Das Haus des Ubreach von Nakhonruang ist übrigens das Stammhaus der derzeit in Luas regierenden Shihamoi-Dynastie. In Luas werden zahlreiche Tempelklöster errichtet, auch um den Einfluss der Lehren der Großen Lehrer einzudämmen, allerdings werden gerade diese Klöster, in denen zweitweise bis zu 40 % der Männer zwischen 18 und 30 leben, zu regelrechten Oppositionszentren und Missionierungsstellen für die Lehren der Großen Lehrer. In den Jahren zwischen 1094 und 1209 bildet sich bereits die für Luas so typische Sonderform der Religion aus, in der die großen Lehrer immer weiter verklärt und zu gottähnlichen Wesen werden, der Kult um die himmlischen Götter aber weitgehend zurücktritt. Obwohl politisch abhängig, ist das Leben in Luas in dieser Zeit durch einen stetigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt geprägt. Niemals zuvor waren die Städte so prächtig und groß, wie in dieser Zeit. Kunst, Kultur und vor allem die Literatur erleben eine absolute Blüte[4].
Da das Reich von Jhaghavan die westlichen Provinzen fest im Griff hatte, reduzierte man die dortige Truppenstärke seit 1204. Den Norden hatte das Reich aber wohl nicht im Blick oder man hatte das entstehende Großreich der Anadolü schlicht unterschätzt – 1209 jedenfalls überrennen die Reiterheere der Anadolü Luas und können die unbefestigten Städte im Handstreich nehmen. Um ein Blutbad an der Bevölkerung zu verhindern, dass im Teilreich von Thakhek zu einer wahren Entvölkerung ganzer, einstmal blühender Städte geführte hatte, zu vermeiden, unterwirft sich der Viezkönig von Nakhonruang den Anadolü und übergibt freiwillig den Staatschatz.
Der Westen nahm viele Flüchtlinge aus den Ostgebieten auf, was zu einem wirtschaftlichen Niedergang und zur Verbreitung von Krankheiten in Nakhonruang und damit auch zu einem Bevölkerungsrückgang führte: Hatten vor der Eroberung durch die Anadolü gut 14 Millionen Menschen in Luas gelebt, so waren es 1251 nur noch 7,9 Millionen. Anders als in den eroberten Westprovinzen begnügten sich die Anadolü in Luas mit der Ausbeutung der Naturschätze und Abholzung der Wälder, hinterließen aber ansonsten kaum einen bleibenden Eindruck, sieht man einmal von der Einrichtung von einigen öffentlichen Badehäusern in den größten Städten des Landes ab. Als Besatzer blieben neben zwei Armeen knapp 10.000 Anadolü in Luas.
Nicht ganz 60 Jahre dauerte die Besatzungszeit der nördlichen Fremdherrscher: Das Reich von Ang Chand, 1246 in Khmi’a gegründete, brachte eine große Koalition aus Shi-Am, Rebellen aus Luas und sogar Hilfstruppen aus Nipil und Shi-ie-La zusammen, die 1247 die von den Anadolü besetzten Nordprovinzen Khmi’as zurückerobern können und 1248 bereits ganz Luas besetzt hatten. Bei einem regelrechten Genozid an den Anadolü verloren Schätzungen zu Folge etwa 9700 der 10.000 Anadolü in Luas den Tod, weitere 24.000 in Khmi’a.
Das Reich von Ang Chand war allerding kein territorialer Staat, sondern eine so genannte Galaxie-Gesellschaft: Der König von Ang Chang regierte seinen Stadtstaat unmittelbar, andere Gebiete wurden unterworfen, aber unter lokaler Herrschaft belassen. Diese Vasallenstaaten mussten Tribute und bei Bedarf Truppen entsenden, konnten ihre inneren Angelegenheiten aber weitestegehend selbstbestimmen. In Luas wurde 1249 Sotika Kuman von Pakse zum Unterkönig (kraom karokrobkrong robsa sdech) des Ostens und Manthatulat von Nakhonrunag zum Unterkönig des Westens ernannt. In Luas wurden in dieser Zeit noch vier so genannte Späte Große Lehrer (khuoachan thi nyinghainy thi sa) anerkannt, deren Lehren allerdings z. T. massiv von denend er alten Großen Lehrer abwichen (siehe dazu Kapitel Religion in Luas). Die in den langen Kriegen zerstörten Städte wurden in den kommenden 200 Jahren wieder aufgebaut, gerade bei den Tempeln versuchte man dabei stets, den Zustand vor der Zerstörung wiederherzustellen, so dass es auch heute noch einige Zeugnisse der früheren luatischen Architektur gibt, insbesondere in der auch heute noch kulturell und religiös wichtigen Stadt Phonthong. Erste massivere Spannungen mit den Oberherren von Ang Chand gab es 1403, als die Dynastie von Pakse ausstarb und das Reich von Nakhonrunag, das mit dem Nachbarhaus verschwägert war, Ansprüche auch auf diesen Thron erhob. Statt ihrer wurde die bisher eher unbedeutende Dynastie von Pak Lay mit dem Osten des Landes belehnt[5].
Im 15. Jahrhundert erhob sich im Osten ein weiteres aggressives und expansives Reich, dass stark von den staatlichen Formen und Strukturen Shi-ie-Las geprägt war: lớn Viên Viên. Das junge Imperium strebte einen Zugang zum Meer an und begann deswegen einen Krieg gegen das Khmi’a-Reich, der von 1419 bis 1440 andauerte. In dessen Verlauf wurden zwischen 1421 und 1438 die Küstenregionen Shi-Ams besetzt, zudem griffen die Vao die südöstlichen Provinzen im Delta des Perlflusses an. Dies nutzte Rajabud Yoh von Pak Lay, um die westlichen Nachbarn zu unterwerfen. Die Königsfamilie von Nakhonrunag floh in die nicht besetzten Shi-Am Provinzen, während sich Rajabud Yoh 1421 zum „Alleinherrscher und König der Gesamtheit“ (phupokkhong diav lae kasad khong thangmod) krönen ließ. Bereits 1443 war der Traum aber bereits zu ende: Die Dynastie von Nakhonrunag verbündete sich mit dem Reich von Ang Chand und konnte nach der bereits erfolgten Rückeroberung Shi-Ams nun mit einem Heer aus Shi-Am, Khmi’a und Luas die Dynastei von Pak Lay beseitigen. Die Dynastie von Nakhonrunag wurde daraufhin vom Reich von Ang Chand als Vasallenkönig von ganz Luas eingesetzt. Manoi, der erste König der neuen Dynastie, erhielt dann auch einen neuen Titel verliehen: wahrer König von Luas, treuer Freund des großen Gottes von Ang Chand, khonthiaethchingkhong Luas mupheuon thi susad khongphrachao thi nyinghainykhong Ang Chand/ sdech pit nei lok Luas, mitt smaohtrang robsa preah da aschary robsa lok ang chan. Bis zum Zusammenbruch der Dynastie von Ang Chand 1689 durchlebte Luas eine Zeit des Friedens und inneren Aufbaus, der aber zweimal durch Epidemien unterborchen wurde: 1543 wütete ein Fieber in im nördlichen Teil von Luas, das etwa 500.000 Menschen das Leben kostete, 1613 dann war es vermutlich eine Cholera-Epidemie, die nochmals fast eine Million Menschenleben forderte.
1685 starb die regierende Dynastie von Luas im Mannestamm aus, der Thron fiel an Prinz Bun Laphan Ratsadany (geboren als Gamkhat Ramadhapati), einen jüngeren Sohn des Fürsten von Shiamoi in Khmi’a, der mit der ältesten Tochter des Königs von Luas vermählt worden war. So ist es auch leicht zu erklären, dass der neue König von Luas 1689 im Thronfolgekrieg in Khmi’a nach dem Ende der Dynastie von Ang Chand zu Gunsten seines Bruders, des neuen Fürsten von Shiamoi, eingriff. Nach zähen Kämpfe konnte sich dieser durchsetzen und wurde 1691 als Rithisakis I. König von Khmi’a (das Land trägt nun als Reich zum ersten Mal diesen Namen). Vor allem aus innenpolitischen Gründen, wohl aber auch als Dank für die geleistete Unterstützung im Thronkrieg wird 1698 das Königreich Shi-Am unter Rama X. in die völlige Selbstständigkeit entlassen, 1703 erfolgt dann auch die völlige Loslösung von Luas. Obwohl der neue König selbst Khmi’a ist, nimmt er als Zeichen des nationalen Aufbrauchs den neuen Namen Suriyavong I. an, mit dem die Shiamoi-Dynastie von Luas beginnt, die noch heute das Land regiert[1].

Im Spiel der Mächte dieses Raumes war Luas meist der passive Part, oft erobert, unterworfen und durch Kriege, Hunger und Seuchen entvölkert. Das hat sich ganz massiv in die Volksseele eingebrannt. Die Lehren der Großen Lehrer und der Späten Großen Lehrer hat wohl auch deswegen gerade in Luas so viele Anhänger gefunden, weil sie das Schicksal in die Hand der Menschen legt und diese für das gute und das schlechte in der Welt verantwortlich machen. Der Glaube an gütige Götter dürfte vielen Menschen in Luas oft schwergefallen sein. Möglicherweise sind es auch die die Erfahrungen jahrhundertelanger Fremdbestimmung, die das Volk von Luas bis heute hörig gemacht haben. Das politische System jedenfalls unterdrückt die persönlichen Freiheiten viel stärker als in den beiden anderen Khishim-Staaten.
 
Geographie
Luas grenzt im Nordwesten an Anadolü, im Norden und Nordosten an Khmi’a, im Südwesten an Hilğiş im Süden an Shi-Am und im Südosten an den Weiten Ozean.
Das Land zerfällt in zwei Großgebiete:
den westlichen „Stil“ (aeb) mit Vang Vien als dem westlichsten und Luang Namtha als dem östlichsten Ort
den östlichen „Kopf“ (hua), der nördlich von Huay Xay und südlich bis zur Küste reicht.
Man bezeichnet auf Grund seiner Form das Land auch als „Hammerstaat“ (khon lad).
Der „Stil“ kann grob in drei Regionen unterteilt werden, nämlich:
I.              die westliche Ebene (nailadab tauaentok) von Vang Vien im Westen bis zum Aemn oa khoa
II.            das Flussland (Pathed Noa) zwischen dem Aemn oa khoa und dem Sikhiav hai
III.          das Waldland (Pa) vom Sikhiav hai im Westen und Luang Namtha im Osten.
 
Der Kopf kann wiederum in drei Zonen aufgeteilt werden
I.              Küste/Tiefland (Fang/ khedthongphiang)
II.            Hochland (naikhedphudony)
III.           Gebirge (phupha padong)
 
Gut und nachhaltig landwirtschaftlich nutzbar sind nur die Gebiete westlich der Hauptstadt sowie die Gebiete um die Städte Muang Phiang, Pakse, Phonsavan und Thakhek. Der Versuch, den Regenwald urbar zu machen – so um Nambak, Pakxan und Luang Namtha, erwiesen sich als Fehlschläge: Der Boden laugte zu schnell aus und liegt jetzt in großen Teilen brach oder wieder als Weideland genutzt.
Luas verfügt über fast keine Bodenschätze, sieht man von wenig eher schlechtem Eisenerz im Phupha Padong ab. Auch Stein als Baumaterial ist nur in ganz geringen Mengen vorhanden, weswegen die traditionelle Bauweise auch stets in Holz ausgeführt wird[2].
 
Administrative Gliederung
Aus Rücksicht vor den lange gewachsenen historischen Strukturen behielt man in Luas die Einteilung in Aekhuang genannte Provinzfürstentümer bei. Es handelt sich dabei um die Fürstentümer von:
Vang Vien
Phonthong (traditionell die Domäne des Kronprinzen)
Pakxan
Huay Xay
Pakse
Thakhek
Die Fürsten (Na) sind zwar politisch entmachtet, spielen aber als Beratungsgerium des Königs eine nicht zu unterschätzende Rolle. Der Adel, der durch die Fürsten repräsentiert wird, steht oft in einem offenen Gegensatz zu den Klostergemeinschaften und ihren Äbten (siehe Regierungssystem). Die eigentlichen Verwalter der Provinzen sind die Erlauchten Erste Äbte (brasaer bamphot bopvoborsa dambaung[3]), die von den Äbten der Klöster innerhalb der Provinzen gewählt werden. Die Klöster sind auch die größten Besitzer von Grund und Boden – ihnen gehören 80 % der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche und 40 % der Waldgebiete. Zudem untersteht einer durch die Klöster verwalteten Handelskompanie (bolisad kan sukhai) der gesamte Seehandel, der über Thakhek abgewickelt wird. 10 % der landwirtschaftlich nutzbatren Fläche gehören dem Königshaus, die übrigen 10 % sind recht gleichmäßig auf die übrigen fünf Fürsten aufgeteilt, denen somit jeweils etwa 2 % der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche gehören. Ihr Anteil am Wald ist noch sehr viel geringer, da nur die Fürsten von Pakxan über eigene Waldflächen verfügen, die etwa 4 % des Gesamtbestandes darstellen, während dem Königshaus 58 % der Waldnutzflächen sowie ein Monopl auf den Holzabbau kommen. In Luas gibt es keine Polizei, vielmehr unterhalten die Städte eigene, von ihnen besoldete Wache, hinzu kommen die Tempel- und Klosterwachen, die Palastwachen der Fürsten und des Königs und private Feuerwachen. Die Provinzen sind nicht autonom und die Äbte verwalten sie eher als Privatbesitz der Klöster denn als Teile einer gesamtstaatlichen Organisation. Der Staatshaushalt, der faktisch mit der Schatulle des Königs zusammenfällt, ist daher vor allem auf die Einnahmen aus dem Holzhandel, den festgelegten Anteil von 5 % des Gewinns der bolisad kan sukhai und den direkt im Königsgebiet um die Hauptstadt und die Kronprinzenresidenz Phonthong zu erwirtschaftenden Steuern[4].

Bevölkerung und Ballungszentren

Ethnisch gesehen ist die Bevölkerung von Luas äußerst homogen: 98 % (7,154 Mio.) der Bevölkerung sind Pasason, etwa 1,5 % (109.500 Personen) Brachachon und 0,5 % Khn (36.500 Personen). Die Khn leben vor allem im Grenzgebiet zu Shi-Am in der Stadt Nambak, wo sie knapp 92 % der Bevölkerung stellen sowie in der Haupstadt, die Brachachon vor allem in Thakhek, wo sie mit 103.498 Personen rund 10,5 % der Bevölkerung stellen und Phonsavan wo sie mit 5000 Personen 9,65 % der Einwohner ausmachen.
Die einzigen wirklichen Großstädte des Landes sind die Haupstadt mit 347.896 Einwohnern, Phothong mit 459.321 Einwohnern und Thakhek mit 987.805 Einwohnern. Damit leben in den drei größten Städten Luas‘ 1.795.022 Personen oder 24,6 % der Bevökerung, also gut ¼ der Einwohner. Wirtschaftliches Zentrum des Landes ist Thahek mit dem einzigen großen Hafen in Luas, religiöses und kulturelles Zentrum und seit 30 Jahren auch wieder Sitz des Königs (und damit de facto auch die Hauptstadt) ist Phothong.
Die übrigen größeren Städte des Landes sind
Pakse                           86.325
Xeno                           51.765
Phonsavan                   51.689
Pak Lay                       44.230
Pakxan                         31.786
Nambak                       23.076
Vang Vien                   11.309 
Muang Phiang              9876
Luang Namtha             8764
Huay Xay                    7654
Die Urbanisierungsrate liegt demnach bei 2.121.496 bei nur 29,06 %. Dieser äußerst geringe Wert war aber wohl für Luas im Gegensatz zu seinen Nachbarn in Shi-Am und Khmi’a, beides äußerst städtische Kulturen, schon immer die Regel gewesen ist. Die Anadolü nannten Luas das „Land der tausend Dörfer“ (Bin köylerin arsası). In den unzähligen kleinen Dörfern leben meist nur ein oder zwei Großfamilien, etwa 50 bis 120 Personen zusammen, die Mehrzahl der Weiler hat aber eher 30 bis 50 Einwohner. Auf dem Land dominieren bis heute die hölzernen Langhäuser, in denen gesamte Familien leben. Ein durchschnittliches Dorf besteht aus einem Männerhaus, dem ban phusai, einem Haus der Frauen und Kinder, dem heuonkhong aemnyinglaedeknony und einem Gemeinschaftshaus, dem ban sumson, in dem z.B. gegessen und gefeiert wird, in dem aber auch der Dorfrat, der Sapha Muban tagt. Diesem kommt im Leben der Menschen eine große Bedeutung zu, da der Rat, bestehend aus den Oberhäuptern der Kleinfamilien, in Streitfragen von eher geringer Bedeutung Recht zu sprechen. Sie handeln auch mit den Klöstern, denen das Land gehört, die zu zahlenden Abgaben aus und verteilen die vom Kloster gewährten so genannten „Geschenke“ wie Schweine oder Hühner unter den Dorfbewohnern. Die Khmi’a-Kultur ist auf dem Land nicht vielmehr als eine dünne Farbschicht.
Die Bauern werden in den offiziellen Texten von Luas als Eigentum der Tempel (Savbsin khong vad) bezeichnet und tatsächlich beschreibt „Leibeigenschaft“ wohl am Besten den Zustand der Landbevölkerung in Luas[1].
 
Gesellschaftsschichten in Luas
Etwa 72 % der Bevölkerung sind „Bauern“ (sauakasikon), etwa 15 % werden als „Bürger“ (phonlameuong) bezeichnet, 11 % sind Mönche (song) und 2 % gehörend dem Adel (aphichon[2]) an. Fast alle jungen Männer treten zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr für eine gewisse Zeit in eines der zahlreichen Klöster ein, davon ausgenommen sind allerdings die Bauern. Der Grund dafür ist, dass es nur Bürgern und Adligen gestattet ist, als Kinder die Tempelschule (ohnghian vad) zu besuchen, in der den Kindern das Lesen und Schreiben beigebracht wird. Diese Fähigkeiten sind aber für einen Eintritt in ein Kloster unerlässlich, da das Leben in den Gemeinschaften vor allem vom Studium der Lehren geprägt ist.
Wie oben bereits erwähnt, ähnelt der Status der Bauern dem von Sklaven, sie benötigen sogar zur Heirat die Einverständniserkärung des Abtes des Klosters, auf deren Land sie leben. Die Lebensbedingungen sind hart und die Erträge der kleinen Felder meist eher gering. Dennoch ist nur eine sehr geringe Anachoresis zu beobachten, was mit der Situation in den Städten zu erklären ist. Alle Städte sind umwallt und haben nur drei Tore, ein Adelstor, ein Mönchstor und ein Bürgertor, die streng bewacht und nur mit Passierscheinen durchquert werden dürfen. Bauern, die direkt einer Stadt unterstehen erhalten einmal in der Woche Zugang zum Markt, eine Möglichkeit, die immer wieder genutzt worden ist, um sich in den Siedlungen zu verstecken. Es gibt aber fast keine Arbeitsmöglichkeiten in der Stadt. Einige Nähereien, Färbereien, Gerbereien und andere schwere körperliche Berufe wie Träger oder Bauhhelfer dürfen von Bauern ausgeübt werden, jüngere Söhne erhalten so manchmal die Erlaubnis in die Stadt umzusiedeln. Geflohene versuchen dann bei Verwandten unterzukommen, die bereits in der Stadt leben. Die Zunahme von Bettlern und Prostituierten auf den Strassen der Hauptstadt hat dann aber so zugenommen, dass die Zahl Bauern in der Stadt verstärkt kontrolliert worden sind: Wer ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung aufgegriffen wird, muss mit schweren körperlichen Strafen oder sogar dem Tod rechnen. Zudem kam es in der Vergangenheit auch zu Fällen von Sippenhaft oder Enteigungen von Bauernfamilien, deren Mitglieder geflohen waren. Etwa 30.000 Bauern sind in den letzten zehn Jahren dennoch geflohen, meist aber nach Shi-Am und nicht in die Städte des eigenen Landes. Diese Bauern leben aber auch in Shi-Am meist in großer Armut und müssen durch den Sozialfond (Kxngthun prakạn s̄ạngkhm) unterstützt werden. Die Beziehungen zu Shi-Am haben sich aus diesem Grund auch merklich abgekühlt.
Die Bauern müssen im Übrigen eine große Menge von Frondiensten für die Klöster leisten, wie Baumaßnahmen, das Anlegen von Kanälen usw. Wie oben bereits erwähnt werden auch viele der schweren Arbeiten durch Angehörige dieses Standes ausgeführt.
Die „Bürger“ sind eine noch deutlich heterogene Gruppe: Es handelt sich bei ihnen um die städtische Bevölkerung, die in allen Feldern der Wirtschaft tätig ist. Innerhalb der Gruppe gibt es enorme soziale Unterschiede – vom reichen Händler, dessen Leben sich nur unwesentlich von dem des Adels unterscheidet hin zu einfachen Handwerkern und Arbeitern, deren Leben fast so hart ist wie das der Bauern. Die Bürger sind von Frondiensten ausgenommen, auf ihren Schultern liegt aber die Hauptsteuerlast. Das führte in der Vergangenheit immer wieder zu Spannungen zwischen den wohlhabenderen Bürgern und den Klöstern, da letztere viele Handelsmonopole besitzen aber keine Steuern entrichten müssen, während die Bürger 55 % ihrer Einkünfte an den Staat und weitere 10 % an die Klöster zahlen müssen. Das gehobene Bürgertum ist in diesen Konflikten mit dem Adel geeint, dessen Lebensgrundlage stets der Landbesitz gewesen ist und der hohe Posten in der Staatsverwaltung besetzt hatte und sich jetzt zunehmend marginalisiert sieht. Einige wohlhabendere Kaufleute haben Handelsniederlassungen in Shi-Am oder Khmi’a gegründet und konnten so immensen Reichtum anhäufen. Da sie ihre Steuern in den Nachbarstaaten zahlen, sind sie sowohl der Regierung als auch den Klöstern ein Dorn im Auge, bisher hat man aber noch nichts unternommen, da diese Kaufleute meist in privater Initiative auch soziale Einrichtungen in Luas finanzieren und bei einer noch höheren Besteuerung oder einem Eingriff des Staates in ihre ausländischen Geschäfte mit Auswanderung drohen.
Der Adel ist eine Gruppe, die als Keimzelle von Aufruhr gilt und deswegen von staatlicher Seite besonders scharf beobachtet wird. Ihnen ist der Handel verboten, ebenso die Betätigung in der Staatsverwaltung. Dem hohen Adel ist zudem der dauerhafte Eintritt in die Klöster nahezu unmöglich. Treten die Söhne hoher Adliger für eine gewisse Zeit in ein Kloster ein, so erhalten sie auf dem Rücken eine Tätowierung, wolle Sie länger als zwei Jahre die heiligen Schriften studieren so erhalten sie auch Tätowierungen im Gesicht und auf dem Kopf. Dies gilt im Adel als große Schande und macht den Mann als Heiratskandidaten ungeeignet, ein Aufstieg zum Abt ist ihnen aber damit aber auch versperrt. Ihre ihnen zugewiesene Aufgabe, die Verteidigung des Volkes, ist von ihnen faktisch nicht zu leisten, da der Unterhalt priavter Truppen auf ein Minimum beschränkt ist und diese Soldaten meist die Aufgaben einer Stadtwache in den jeweiligen Fürstensitzen übernehmen und nur leicht bewaffnet sind. Die einzige wirkliche Betätigung liegt in einem Hofamt, doch sind die Posten auch hier naturgemäß stark begrenzt. Einige der Fürstenhäuser nutzen Bürgerfamilien, um doch Handel treiben zu können, aber grundsätzlich stellt sich die wirtschaftliche und soziale Lage des Adels als eher prekär dar. Gerade die kleinen Adelshäuser des niederen und mittleren Adels entsenden daher – der Schande zum Trotz – ihre jüngeren Söhne in die Klöster, damit diese zumindest wirtschaftlich abgesichert sind, auch wenn ihnen jede Aufstiegsmöglichkeit in der Klosterhierarchie verwehrt ist.
Die Mönche sind keine homogene Gruppe: Ein großer Teil der Ordensbrüder ist nur zeitweise Mitglied im einem Kloster und der einzelne Mönch muss ein Armutsgelübe ablegen, dass ihm nur zwei Gewänder, ein Paar Sandalen, einen Wanderstock, einen Schlafsack und zwei Schüsseln als Besitz zugesteht. Wenn von den Mönchen als politischer, sozialer und wirtschaftlicher Macht die Rede ist, dann sind damit nur die Führungsebenen der Klöster gemeint, also alles in allem etwa 0,5 % der Bevölkerung, die über fast 80 % der Wirtschaftskraft des Staates gebieten. Zwar haben auch Äbte ein Armutsgelübde abgelegt, doch spielt dies in der Praxis für die Führungsebenen der Klöster keine Rolle. Die Klöster sind für Bürger und Adlige die einzigen Bildungsmöglichkeiten, da es kein staatliches Schulsystem gibt. Bestimmte Berufe wie der des Arztes werden stets von Mönchen ausgeübt, auch alle Krankenhäuser sind Teile von Tempel- und Klosteranlagen. Da es keine wirkliche Staatsverwaltung gibt, übernehmen die Klöster auch diese Aufgaben. Die Regierungsgeschäfte werden in der Praxis auch durch den brasaer bamphot bopvoborsa dambaung des ganzen Landes, derzeit Abt Savang des Thang Tihelak Phed-Klosters von Phonthong[3].
 
Der Sonderweg der Religion: Luas und die Großen Lehrer
Schon immer haben die Lehren der Großen Lehrer in Luas besonders viele Anhänger gefunden. Für das politisch meist unterdrückte oder untergeordnete Luas war die Idee einer pazifistischen und auf Nächstenliebe aufgebauten Welt wohl besonders attraktiv. Auch die Vorstellung, dass nicht Götter das Unglück bringen, sondern Menschen durch ihre schlechten Taten scheint für die Pasason beruhigend gewesen zu sein. In Luas gab es allerdings schon recht früh einen regelrechten Kult um die toten Großen Lehrer, denen man Statuen in eigens für sie errichten Tempeln widmete. Ganze Klöster kümmern sich bis heute um Reliquien der Großen Lehrer in riesenhaften Pagodentempeln und die Schriften der Lehrer werden in den Klöstern auswendig gelernt. In Khmi’a und Shi-Am fanden zwar Vorstellungen aus den Lehren durchaus eingang in den Volksglauben, die Lehrer selbst wurden aber verfolgt und ihre Lehren von offizieller Seite unterdrückt. So erkennt man auch nur in Luas eine Reihe als Später Großer Lehrer bezeichneter Gurus an, deren Lehren heute in Luas dominieren, die aber in ihrem Kern recht weit von den ursprünglichen Vorstellungen der Großen Lehrer entfernt sind. So wird in deren Lehren erklärt, die Bauern z.B. seien auf Grund von einem schlechten vorherigen Leben in diese sozial untergeordnete Rolle geraten und könnten sich nur durch Gehorsam und Dienst an den Klöstern wieder auf der sozialen Leiter der Wiedergeburten nach oben arbeiten. Wer dagegen als Adliger oder Abt wiedergeboren werde, sei ein guter Mensch gewesen und jetzt auf jeden Fall am Endpunkt seiner Wiedergeburten angelangt. Die Großen Lehrer hatten ja gerade eben diese soziale Unterscheidung nicht vorgenommen, sondern Nächstenlieb, Barmherzigkeit und Gnade für alle und von allen Mitgliedern der Gesellschaft gefordert. In Luas entwicklte sich aus den Lehren der jüngeren Lehrer die Vorstellung, dass nur ideale Menschen für die Führung des Staates in Frage kommen würden, also der Adel und die Mönche, genauer die Äbte der Klöster. Da diese viel Zeit mit dem Studium der Lehren verbrächten, seien sie noch besser zur Staatsführung geeignet, als die Adligen, deren Hauptaufgabe als Schutz des Landes verstanden werden sollte. (sieh dazu auch das Kapitel zur Regierungsform).
Inkarnation einer Gottheit gilt. Zwar beanspruchen auch die Könige von Luas in ihrer „Großen Anrede“[4]einen göttlichen Status, doch hat dieser in der Praxis fast keine Bedeutung[5].
 
Regierungssystem
Es ist schwierig, das Regierungsystem Luas‘ zu beschreiben, da Theorie und Praxis in vielen Punkten nicht übereinstimmen und die staatlichen Strukturen derart heruntergefahren worden sind, dass die eigentliche Rolle der Klöster weniger im religiösen als im verwaltungstechnischen Bereich liegt. Staatsoberhaupt in Luas ist der König (Kasa Tli), dem vor allem die Rolle als oberster Schutzherr der Klöster, Stifter neuer Klöster und Festleiter bei den großen Feierlichkeiten zukommt. Alle Gesetze (ladtha bnaiad) tragen sein Siegel. Zudem gilt der König als der oberste Richter des Landes und als Gesetzgeber. Faktisch sind aber beide Funktionen nicht mehr in seiner Hand: als oberstes Gericht fungiert der Sang Sunsud, der hohe Klostergerichtsrat und als Regierungschef der Oberste brasaer bamphot bopvoborsa dambaung. Ein Legislativorgan gibt es nicht, allerdings nimmt der [i]brasaer bamphot bop


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