Es ist: 23-01-2020, 05:18
Es ist: 23-01-2020, 05:18 Hallo, Gast! (Registrieren)


AutorenMonogamie?
Beitrag #1 |

AutorenMonogamie?
Vor einigen Monaten bin ich auf ein Video gestoßen, bei dem es ums Zeichnen ging, aber viele der Tipps erinnerten mich ans Schreiben. Die Frage war, "Wie kann ich jeden Tag zeichnen" bzw. wie kann man die Motivation aufrecht erhalten.

Einer der Tipps war, an mehreren Bildern zu arbeiten und ab und zu mal das Projekt zu wechseln, um für Abwechslung zu sorgen. Das ist bei mir hängen geblieben.

Ich hatte immer automatisch angenommen, wenn man es wirklich ernst meint mit dem Schreiben, dann "muss" man sich auf EIN Projekt konzentrieren und sich da zeitaufwändig reinfuchsen und sich nicht ablenken lassen.
Diese Annahme signalisierte mir auch: "Ich bin fürs Schreiben ziemlich ungeeignet, denn ich verzettele mich lieber." Der Tipp des Videos hat mich zunächst mal darauf aufmerksam gemacht, dass ich vielleicht doch schreibgeeignet sein könnte.

Sicherlich ist das auch eine Geschmacksfrage, aber mich würden eure Erfahrungen interessieren.

Wie macht ihr das? Schreibt ihr immer nur an einem Projekt?

Profil auf NaNoWriMo: eule
Profil auf dsfo: eule

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #2 |

RE: AutorenMonogamie?
Hey Ichigo,

Ich schreibe meist an einem Projekt über Wochen / Monate, aber ich lass es auch mal liegen und schreib was anderes, manchmal wird da was draus, manchmal bleibt es bei Skizzen.

Jeder macht das anders. Ich kenne viele Autoren, die ein Projekt nach dem anderen angehen, aber viele schreiben auch an 2 oder 3 Sachen parallel. Und mancher springt zwischen vielen Projekten hin und her. Da musst du für dich herausfinden, was für dich funktioniert Icon_smile 

Da ich relativ selten schreibe die letzten Jahre, breche ich eher mal was ab und fang was neues an... Oder ich schreibe Szenen, die nicht zum eigentlichen Text gehören, aber mir gefallen, so wie eine Fanfiction Icon_wink

Viele Grüße

Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #3 |

RE: AutorenMonogamie?
Wo ist der Sumpf?  Icon_confused Also zu dem Thema habe ich doch etwas zu sagen.^^

Hi Ichigo Icon_smile

Von "müssen" und "dürfen" beim Schreiben zu reden halte ich für falsch, da es suggeriert, es gäbe ein Richtig und ein Falsch beim Schreiben, doch das ist Humbug. Durch Sprachwandel und regionale Sprachvarietäten gibt es nicht einmal noch die eine richtige Grammatik oder Rechtschreibung, ein "Richtig" ergibt sich immer situationsabhängig.

Wir alle sind Individuen, die unterschiedlich aufgewachsen und erzogen sind, woraus sich unterschiedliche Eignungen in unterschiedlichen Situationen ergeben. Es gibt mMn keine Menschen, die sich zum Schreiben "eignen", sie eignen sich vielmehr das Handwerks des Schreibens an und schaffen optimale Voraussetzungen, um dieses anwenden zu können.

Um auf deine Frage zu antworten: Nein, mitnichten.

Ich schreibe an mehreren Projekten, die sich in ganz unterschiedlichen Stadien befinden. Ein Roman ist zu 99,9% fertig, ein anderer zu, sagen wir mal, 95%, da fehlt noch der Feinschliff. Dann gibt es andere Romane, die auf den ersten aufbauen, die teilweise nur als Notizen bestehen oder sich auch schon im fortgeschrittenen Stadium befinden. Da ist nur das Problem, dass ich mich noch nicht zu sehr ins Ausformulieren konkreter Szenen stürzen will, da sich gewisse Nuancen im Plot noch verändern können, solange die Teile davor nicht geschrieben sind. Meine Datei, die für diesen Romankomplex die meisten Notizen beinhaltet (aber auch nicht ganz vollständig ist, weil ich sie stückweise aufdrösle und an anderer Stelle fortführe), hat an die 140.000 Wörter. Hier haben sich in den letzten Jahren alle Ideen, Dialogfetzen, Szenenbeschreibungen etc. gesammelt.

Aber warten Sie, es gibt noch mehr!  Icon_wink

Immer wieder kommen mir neue Ideen, die sich für eine eigenständige Geschichte eigenen würden. Im Groben skizziere ich sie, damit ich, sollte mich die Lust für dieses eine Thema packen, damit arbeiten kann. Ich muss dazu aber auch sagen, dass, je umfangreicher diese Projekte sind, desto größer ist meine Hemmschwelle, mich darauf einzulassen. Bevor ich etwas ganz Neues beginne, möchte ich lieber bereits laufende Projekte weiterentwickeln. Das oben beschriebene ist, ist so umfangreich, dass für jede Tagesverfassung eigentlich eine Szene darauf wartet, geschrieben zu werden.

Einen Moment, es kommt noch mehr!  Icon_shocked

Wenn gar nichts geht, schreibe ich Kurzgeschichten, bei denen ich mich auf fremdes Terrain begebe, indem ich neue Genres, Schauplätze, Figuren etc. ausprobiere. Ich muss sagen, dass der Unterschied zwischen einem Roman und einer Kurzgeschichte sehr spürbar ist, aber es hilft mir ungemein, Szenen, die ich vor Jahren geschrieben habe, neu zu bewerten und zu verbessern.

Es gibt nichts Schlimmeres, um dich vom Schreiben abzuhalten, wenn du schreiben willst, als dieses "eigentlich solltest du ja ..." Wenn dir danach ist, das eine Projekt heute anzufangen, aber du morgen mit deinen Gedanken bei einem anderen bist, dann ist das okay. Hauptsache, du schreibst, egal wie und was. Solange du keinen Abgabetermin bei einem Verlag hast, bist du ungebunden und kannst schreiben, wie es in deinen Fingern juckt. Oft hilft es sogar, sich kurzzeitig aus einem Projekt auszuklinken und in ein anderes hineinzuschnuppern, weil es dir eine neue Perspektive verschafft und du auf neue Ansätze stößt, wie du dieses oder jenes Problem lösen kannst, vor dem du zuvor ratlos gestanden bist.

Wenn man durchgehend an einem Projekt durchschreibst, ist mMn die Gefahr größer, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen und im eigenen Kopf zu versinken, will heißen, du schaffst es nie, die nötige Distanz aufzubauen, um auch nur im Ansatz nachempfinden zu können, wie dein Text auf andere wirkt, die nicht über dein Hintergrundwissen verfügen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn es sich richtig anfühlt, dann ist es das höchstwahrscheinlich auch. Egal, welche Methode du wählst, die die dich am Ball bleiben lässt, ist die, die zu dir passt.

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #4 |

RE: AutorenMonogamie?
Hi ihr zwei,

oki, danke für die Antworten. Vieles was ihr so schildert, denke ich mir auch so, aber es ist gut, das ganze bestätigt zu sehen.

Keine Sorge Sniffu, mittlerweile habe ich auch kapiert, dass es Quatsch ist, sich mit vermeintlichen Standards selbst niederzumachen. Sonst wäre ich jetzt wahrscheinlich nicht hier im Forum. Es hat nur eine Weile gebraucht.

Zitat:Ich muss sagen, dass der Unterschied zwischen einem Roman und einer Kurzgeschichte sehr spürbar ist, aber es hilft mir ungemein, Szenen, die ich vor Jahren geschrieben habe, neu zu bewerten und zu verbessern.

Was genau meinst du damit??

Zum Sumpf hab ich auch viele Fragen, aber ich verzichte darauf, sie hier zu stellen  Icon_smile



Viele Grüße


ichigo

Profil auf NaNoWriMo: eule
Profil auf dsfo: eule

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #5 |

RE: AutorenMonogamie?
Zitat:Was genau meinst du damit??

Dass ein Roman dich dazu verführt, ins Schwafeln zu kommen, eine Kurzgeschichte diese Ausschweifungen aber weniger verzeiht, weil da wirklich jedes Wort zu sitzen hat und ein Ungleichgewicht sich sofort bemerkbar macht. Ob du jetzt in einem Roman von ca. 100.000 Wörter hier und da einen kleinen Satz einschiebst, der ein bisschen zur Innenansicht der Figuren beitragen soll, fällt imo nicht so ins Gewicht wie bei einer Kurzgeschichte, wo man sich wirklich fragen muss: Ist der Satz an der Stelle nun wirklich berechtigt oder nimmt er nicht einem wichtigeren, aussagekräftigeren den Platz weg?

Ein Roman hat ein elastischeres Gewebe, was das Szenengefüge betrifft, du kannst mehr herumschieben, ohne dass sofort das Kartenhaus einstürzt, dass du so mühsam zusammengebaut hast. Die eine Szene um ein paar Seiten, Kapitel verschieben, bisschen herummodelieren. Da eine KG aber gedrängter ist, ist alles dichter vernetzt und die Aufmerksamkeit der Leser*innen dementsprechender gebündelter, weshalb etwaige Unschärfen schneller auffallen. KGs zu schreiben, finde ich, hilft ungemein, die eigene Ökonomie beim Schreiben zu schulen. Ein Roman bietet mehr Möglichkeiten, Fehler, Unstimmigkeiten, unausgewogene Kleinigkeiten wieder gutzumachen, als eine KG, weil da schlichtweg der Platz fehlt.

Zitat:Zum Sumpf hab ich auch viele Fragen, aber ich verzichte darauf, sie hier zu stellen  [Bild: icon_smile.gif]

Kannst du, nur ob die Antworten darauf befriedigend ausfallen ... vielleicht kann Zack aushelfen ^^

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2020 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme