Es ist: 29-09-2020, 17:48
Es ist: 29-09-2020, 17:48 Hallo, Gast! (Registrieren)


Und von den Lampen
Beitrag #1 |

Und von den Lampen
Und von den Lampen bröselt grau der Tau
in Lilienblüten, die in Tinte schwimmen –
 
um Sterne zu entkernen, muss man sehr genau
die Kelche leeren und an Drachen glauben –
 
und in den Schatten, die uns arm genug,
verhindert's Feuerkind das Glimmen –
 
im entleibten Lichtschein steht ein Zug –
 
Tau bröselt grau von Lampen.


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Beitrag #2 |

RE: Und von den Lampen
Hey poLet,

nur ein kurzer Kommentar (tippe aufm Handy), aber dieses Gedicht gefällt mir soooo gut, dass ich dir kurz was schreiben muss.

Keine Verbesserungsvorschläge, ich find es so, wie es ist, wunderbar. Tolle Bildsprache, sehr atmosphärisch Icon_smile... (das entleiben doppelt sich, aber es passt, da die Zeilen aufeinander Bezug nehmen)

Viele Grüße

Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #3 |

RE: Und von den Lampen
Hi poLet,

da gibt es wirklich nichts zu sagen außer das subjektiv zuckende Schattenspiel zu beschreiben, das dein Gedicht an meine Wand wirft.

Alles beginnt in einem Raum - einem kahlen Raum? einfach, alt? Schließlich bröselt es darin. Cool, dass etwas so frisches wie Tau etwas so angestaubtes wie bröseln macht ... keine Ahnung wie das geht, aber sowas macht deine Sprache so besonders. Für mich fällt das Zeug in eine Flüssigkeit hinein, wo es dann so verfärbte Kreise und Linien zieht. Meinetwegen das Tintenfass des Autors.
Der greift prompt zur Flasche bzw. zum Kelch. Ebenfalls genial, dass man trinken und glauben soll, profan und visionär, sich betrinken (?) und eine kindliche Fantasie bewahren. Die Sterne entleiben mag ich erstmal nicht :/ ... aber wer weiß, vielleicht ist das so, wenn man Träume und Sterne vom Himmel holt, dass man sie ein Stück weit dabei tötet, töten muss. Ist schon plausibel. Das Kind in mir verlangt dann nur nach einer irgendwie positiven Wendung. Die kann ich beim poLet aber lang suchen.

Nun kommen wir zum Feuerkind. Da kann ich nur sagen, dass die Feuerkind-Zeile inhaltlich und sprachlich nichts bei mir anstößt. Das Glimmen zu unterdrücken, okay, schließlich haben wir grade schon Sterne gekillt. Aber warum das Feuerkind? Sollte das nicht visionär brennen?
 
Es folgt der Zug. Ich kann hier im Moment nur an Selbstmord denken. Die Zeile kam wie ein Lichtkegel mit kreischenden Bremsen auf mich zu. Wahrscheinlich war sie nie so gemeint, immerhin hast du "STEHT ein Zug" geschrieben. Aber das Bild kam so heftig in all seiner Blässe, dass es nicht mehr weggeht. 

Am Ende kehren wir zum Anfang zurück, sehr schön!

Mir sind nun noch zwei sprachliche Dinge aufgefallen:
- "entleibt" kommt zwei Mal. Ich gebe zu, es ist mir beim ersten Lesen nicht aufgefallen, insofern sollte ich vielleicht nix dazu sagen. Ich stelle jetzt einfach mal fest, es gibt eine Wortwiederholung. Sie scheint nicht wirklich zu stören, aber andererseits verschenkst du Platz, den ein wahrhaft neues den Leser überrollendes Wort einnehmen könnte.
- "Tau bröselt grau von den Lampen": Das ganze Gedicht ist schön schwingend im Metrum gehalten, hier stolperts kurz. Wenn aus künstlerischer Sicht nix dagegen spricht, "Tau bröselt grau von Lampen" wäre im Metrum und du würdest den Leser damit nicht auf den letzten Tritten nochmal in einen anderen Rhythmus stoßen. Denn ich schätze, die letzte Zeile ist nicht mehr zum stoßen und schocken da, sondern zur Rückkehr und Besinnung.



Soweit meine Eindrücke, doch wie gesagt, ein solches Gedicht muss letztlich bewertungslos für sich selbst stehen. Ich werde es in ein paar Tagen noch mal lesen und schauen, was bis dahin in meinem Unterbewusstsein noch passiert ist.

Nächtliche Grüße


ichigo


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Beitrag #4 |

RE: Und von den Lampen
(Huups!? Ein...nein, zwei Kommentare!?)
...
Hejes Ihr Leser und Kommentierer,

@Zack:
Danke für die kurze und gute Entgegnung.
"das Entleiben doppelt sich..." - ja. Und nein, ich
kann es nicht so schön rausreden wie Du.

@Ichigo:
Bin schon mal froh, nicht Deine Wand zu sein. Icon_wink

Zitat:Cool, dass etwas so frisches wie Tau etwas so angestaubtes wie bröseln macht ... keine Ahnung wie das geht, aber sowas macht deine Sprache so besonders. Für mich fällt das Zeug in eine Flüssigkeit hinein, wo es dann so verfärbte Kreise und Linien zieht. Meinetwegen das Tintenfass des Autors.
Ich denke, Du hast das Prinzip verstanden. Eben die "Tinte". Ich meine, wenn man die ganze Strophe
nimmt, ist es gar nicht so schwer zu erkennen. Dann bröselt eben auch Tau. Falls nicht verständlich:
Wenn "so etwas frisches'...bröselt, ist genug gezeichnet.

So. Jetzt möchte ich mich zu Deiner Deutung nicht mehr äußern, denn sie gehört Dir.
Aber ich möchte auf Deine kritischen Stellen eingehen.
"Entleiben" - Wortwiederholung, (auch von Zack angemerkt), jaaaa.
Zack kann dem Positives andichten, aber es ist freilich nicht in meinem Sinne, Worte zu wiederholen.
Daher werde ich es ändern.

Deinen Vorschlag metrischer Art möchte ich gerne verwenden, wenn ich darf.
Mir scheint, ich nuschele beim Schreiben. Icon_wink

Und Du hast Recht: Es geht nicht um Bewertung.

Merci beaucoup Zack und Ichigo!
Ich hoffe, Euch als LeserInnen zu behalten!

Bestes,
poLet


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