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Cordurié: Sherlock Holmes das Necronomicon
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Cordurié: Sherlock Holmes das Necronomicon
Sylvain Cordurié / Vladimir Krstic-Laci: Sherlock Holmes & das Necronomicon; Splitter - Verlag Bielefeld 2016; 94 Seiten; ISBN: 978-3-86869-107-8

Professor Moriarty möchte mit Hilfe des Necronomicons wiederauferstehen. Dafür zeigt er am Hamilton Square seine Macht und droht, ganz London zu zerstören. Also haben seine Gegenspieler - vor allem Sherlock Holmes - keine andere Wahl, als ihm das mit dem Flucht belastete Buch auszuhändigen.

Es ist aber nicht ganz so risikolos, das Werk zu benutzen. Ist Moriarty bereit, sich den Folgen seines Handelns zu stellen. Kann Holmes ihn stoppen, bevor Moriarty etwas tut, was nicht mehr rückgängig zu machen ist?
Dieser Comic ist der Phantastik zuzuordnen, hat sich also weit vom Original entfernt. Dies wird schon an Äußerlichkeiten sichtbar. Personen wie Dr. Watson, Inspektor Lestrade, Mycroft Holmes oder die Baker Street Irregulars kommen überhaupt nicht vor. Stattdessen kommen beispielsweise schwarze und weiße Magie oder Zombis zum Einsatz.

Auch wenn es keinen klassischen "Kriminalfall" gibt: Die gezeichnete Geschichte beschreibt den klassischen Kampf Gut (z. B. Sherlock Holmes) gegen Böse (Prof. Moriarty). Die Geschichte ist spannend und gut lesbar angelegt.

Und dennoch bleiben Fragen. Machen sich Pastiches - wie das vorliegende Exemplar - den Namen "Sherlock Holmes" verkaufsfördernd zunutze? Wie würde es sein, wenn man Hercule Poirot oder Miss Marple in ein anderes Genre transferiert?

Am Ende gibt es einen Bonusteil. Er beeinhaltet Kurzbiographien von Cordurié und Laci, ein Interview mit Cordurié und umfangreiches Skizzenmaterial. So werden die Herangehensweise des Franzsoen und des Serben verständlich.

Was ist von solchen gezeichneten Pastiches zu halten? Die literaturgeschichtlich interessante und bedeutsam Figut des Sherlock Holmes entwickelt hier ein Eigenleben, das ihr nur bedingt gerecht wird. Eigenheiten (wie die Deduktion, die genaue Untersuchung eines Tatortes oder ein Adlatus / Chronist) fehlen völlig.
Für nicht eingeweihte Leser, die sich in der Phantastik nicht auskennen und nur wegen des Namens Sherlock Holmes zu dem Titel greifen, bleibt vieles unverständlich. Was ist an dem Necronomicon so besonders? Wer oder was sind die Alten Götter? Es fehlt ein Glossar, das zentrale Begriffe der Phantastik erklärt.

Titel wie dieser sind selbst im gut sortierten Buchhandel nur schwer erhältlich. Selbst Großhändler führen ihn nicht unbedingt im Lager. Liegt das an der überschaubaren Gruppe der Phantastik-Liebhaber? Am Verlag? Gibt es Sherlock-Holmes-Pastiches schon im Überfluß? Oder liegt es an der fehlenden Comic-Tradition im deutschsprachigen Raum? Dies sind Fragen, bei denen eine Antwort nur schwer abzuschätzen ist.

Sir Arthur Conan Doyle und Sherlock Holmes sind in der Literaturwissenschaft sicherlich gut erforscht. Nun gilt es, sich den Pastiches zuzuwenden.


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