Es ist: 01-04-2020, 18:20
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Tats / Kapitel 1: Malve
Beitrag #1 |

Tats / Kapitel 1: Malve
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Tats
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Klappentext:
In einem Hexenhaus aufzuwachsen ist wirklich nicht leicht. Vor allem, wenn die Hexe Malve nur wenig Rücksicht auf die dreizehnjährige Tats nimmt. Als die alte Malve eines Tages stirbt, ist Tats plötzlich allein in einer Hütte, die vom Keller bis zum Dach voller Geheimnisse steckt. Als dann auch noch fremde Magier vor der Tür stehen, beginnt Tats zu ahnen, dass das Haus weit mehr Experimente beherbergt, als sie ahnte...

Inhaltsverzeichnis:
Teil 1: Malve

Vorbemerkung für Kommentatoren
Ich schreibe diese Geschichte mit verhältnismäßig wenig Planung. Das heißt für Kommentatoren: Der Text wird sich wahrscheinlich noch verändern und ein detailliertes Lektorat damit überflüssig.
Aus allen allgemeinen Hinweisen z.B. zu Sprache und Stil, Logik etc. kann ich aber handwerklich etwas lernen und die Hinweise bei der Bearbeitung und beim weiteren Verlauf berücksichtigen.
Außerdem gibt es Platz für Ideen und Anregungen inhaltlicher Art Icon_wink



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Kapitel 1:
Malve

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Nichtsahnend ringelte sich der kleine Tatselwurm auf dem Stein und genoss sichtlich die Morgensonne. Allzu viel Wärme konnte er allerdings noch nicht aufgesogen haben, denn sein länglicher Körper schimmerte nahezu vollständig in einem sanften Grün. Nur am Kamm auf dem Rücken entlang begannen sich die Schuppen rot zu verfärben.
Wütend biss ich mir auf die Lippe. Ich hatte mich vorsichtig herangepirscht, gut verborgen hinter den Stauden. Die Gelegenheit war perfekt. Und dann war der Tatsel grün – ungenießbar. Es würde noch eine Weile dauern, bis er das leuchtende Rot annahm, mit dem er am besten schmeckte.
Ich sollte nach Hause gehen, dachte ich zum wiederholten Mal.
Ich hätte schon vor einer Stunde heimkehren sollen. Als ich die letzten Hibiskuszweige schnitt und in das große Bündel packte, das nun duftend auf meinem Rücken hing. Blumen für Malve zu finden, das war das Ziel meines Ausflugs gewesen, und trotzdem war ich noch immer hier und drückte mich vor dem Heimweg.
Ein Süßknollenstrauch? Unbedingt ausgraben, eine solche Köstlichkeit findet man schließlich nicht alle Tage. Ein Baumläufer im Geäst? Musste ich unbedingt haben, sein seltenes eisblaues Fell würde mir einen guten Preis einbringen. Ein unvorsichtiger Tatselwurm? Konnte ich unmöglich laufen lassen.
Ich seufzte. Nur noch den Tatsel, sagte ich mir. Er war der letzte, der allerletzte Vorwand, noch länger im Wald zu bleiben.
Ich musste also warten, bis die Echse rot wurde. Vorsichtig legte ich mein pralles Bündel ab und machte es mir bequem, zumindest so bequem, wie es in einer Wiese werden konnte, die bis zum Rande vollgesogen war vom nächtlichen Tau. Um mich herum suchten sich Asseln, Grillen und Schnecken ihren Weg durch das nasse Gras. Innerlich schüttelte ich mich. Graue Nebelschwaden, feuchte Wiesen, grüne Tatselwürmer – die frühen Morgenstunden waren einfach nicht meine Zeit.
Erschöpft legte ich den Kopf auf meine Knie. Obwohl ich noch nicht lange auf den Beinen war, fühlte ich mich zerschlagen. Mein ganzer Körper war bleischwer und seltsam taub, als würde ich gar nicht wirklich darin wohnen. Ich fragte mich, ob ich jemals wieder in mir, in meinem Körper, wohnen würde. Ob ich mich jemals in unserer Hütte wieder zu Hause fühlen würde. Ob ich jemals wieder etwas anderes fühlen würde als diesen bodenlosen Zorn. Zorn auf Malve.
Hatte sie gewusst, dass sie bald sterben würde? Der Gedanke ließ mich nicht los. Malve ließ sich nicht gern in die Karten schauen, nicht einmal bei ihrem Tod. Sie hatte mich nicht im Geringsten darauf vorbereitet, dass ich sie eines Morgens steif in ihrem Bett vorfinden würde. Auf ihren Lippen das geheimnisvolle Lächeln, das mich schon zu ihren Lebzeiten in den Wahnsinn getrieben hatte. Um uns herum eine Hütte, randvoll mit gefährlichen Pflanzen, unbekannten Kreaturen und bizarren Rezepten. Meine Ziehmutter Malve hatte mir nicht annähernd alles erklärt, was ich darüber wissen musste…
Und nun graute mir so sehr vor der Heimkehr, dass ich lieber auf meinem taunassen Hosenboden im Dreck saß. Mir graute davor, alleine in der Hütte mit ihren Geheimnissen zu sein. Mir graute davor, alleine auf den Markt in der Stadt zu gehen, wo alles so schnell und laut um mich herumwirbelte, dass mir schwindelte. Mir graute davor, meine Ziehmutter zu verbrennen.
Ich war erst elf. Zu jung, um eine Hexenhütte zu bewirtschaften, fand ich zumindest. Aber Malve sah das vermutlich anders.
Wahrscheinlich bin ich auch bald tot, dachte ich düster. Weil Malve in irgendeinem verborgenen Winkel gerade noch irgendein wahnsinniges Tier ausbrütet, das mich eines Nachts einfach auffrisst.
Ich holte tief Luft und hob den Kopf von den Knien. Direkt vor mir hatte sich ein Himmelsfalter niedergelassen. Der Grashalm bog sich unter seinem Gewicht, als er seine handtellergroßen Flügel öffnete und mir sein Muster offenbarte: Weiße Spiralen auf gelbem Grund. Es würde also ein sonniger Tag werden. Ich lächelte. Immerhin das.
Malve hätte den Himmelsfalter mit gurrenden Worten gelockt und ihn dazu gebracht, ihr nach Hause zu folgen, nur um ihn dort in unser Wetterglas zu sperren. Malve hatte alles angezogen, was schön und bunt war und Glück brachte. Ich weiß wirklich nicht, womit sie das verdient hatte.
Ich dagegen war besser darin, Tatselwürmer zu töten. Der Gedanke erinnerte mich an mein Vorhaben und daran, dass es bereits merklich wärmer geworden war. Die Feuchtigkeit stieg in dicken Schwaden aus der Wiese und in die Wipfel hinauf.
Vorsichtig lugte ich hinter den Stauden hervor. Der Tatselwurm lag auf dem Rücken und rekelte sich in der Sonne. Sein Bauch war noch immer hell, doch als er sich umdrehte, schimmerte der Rest seines Schuppenkleids in einem matten Hellrot. Das musste reichen.
Meine Fersen gruben sich in den Boden auf der Suche nach einem guten Halt. Dann schoss meine rechte Hand blitzschnell vor und schloss sich um die Echse. Sofort stellte der Tatsel den scharfen Kragen auf, der seinen Hals umgab, und begann in meiner Hand zu glühen.
Gleißende Hitze schoss durch meinen Körper. Die Wiese, der Tatsel, die duftenden Blüten in meinem Bündel, alles verschwand in einem Fluss aus reinem, glühenden Gold.
Gold, direkt aus dem Herzen der Sonne.
Einen Moment lang erlaubte ich mir, in den Fluss einzutauchen, meinen Körper und meine Seele verbrennen zu lassen. Dann hob ich die linke Hand, die das Messer umklammerte, und schnitt der Echse den Kopf ab.
Der Körper erschlaffte. Rauch stieg von dem glatten Schnitt auf, dann erlosch auch dieser. Gerade noch hatte das Tier in meiner Hand gezappelt. Im nächsten Moment löste es sich in Nichts auf. Unwiederbringlich.
So wie Malve.
Ich saß in der dampfenden Wiese, das Messer in der einen Hand, den langen schlaffen Kadaver in der anderen Hand, und heulte mir die Seele aus dem Leib.
Malve war weg.
Sie hatte mich allein gelassen. Mutterseelenallein. Wie oft hatte ich meine Ziehmutter verwünscht. Wenn ich ihr Haar stundenlang frisierte und sie noch immer etwas auszusetzen hatte. Wenn sie einfach wortlos für zwei Tage verschwand, ohne mir zu sagen, wohin. Wenn sie mich mitten in der Nacht weckte und auf irgendeine haarsträubende Mission jagte, deren Zweck ich nicht erkennen konnte. Wenn sie mir ein Rezept zur Hälfte beibrachte und ich die andere Hälfte „durch eigenes Erkennen“ erschließen sollte, selbst noch, nachdem mir „mein eigenes Erkennen“ eine breite Narbe auf der Wange hinterlassen hatte.
Aber so verrückt sie sich auch gebärdete, sie war nun einmal alles, was ich hatte. Und nun war sie weg.
Nun ja, noch nicht ganz weg. Ihr Leichnam lag noch immer in unserer Hütte und wartete darauf, dass ich den Mumm aufbrachte, ihn zu verbrennen.
Ich wischte mir mit dem Arm übers Gesicht. Ich musste mich zusammenreißen und tun, was getan werden musste. Malve würde es mir nie verzeihen, wenn ich sie liegen ließ, bis sie zu stinken begann. Ausgerechnet sie, die sich mit allerhand Ölen und Duftwassern parfümierte, bis sie roch wie ein Blumenstrauß.
Außerdem konnte ich nicht ewig auf der Wiese sitzen, ohne Deckung, weithin sichtbar für jeden diebischen Kobold oder, schlimmer noch, für das scharfe Auge einer Harpie.
Ich band mir den toten Tatzelwurm an meinen Gürtel, wo bereits der Baumläufer hing, und machte mich auf den Heimweg, dem Unausweichlichen entgegen.
Ich gebe zu, meine Deckung ließ sehr zu wünschen übrig. Auf dem letzten Wegstück stolperte ich sogar über das Loch eines Erdzahns. Erst als der nackte, armdicke Wurm aus seinem Loch herausschoß und blind in die Luft schnappte, taumelte ich zurück. Er verfehlte mich so knapp, dass ich sein Gift riechen konnte.
Aber schließlich erreichte ich die Hütte, die einmal mein Zuhause gewesen war. Das Holz hatte ich bereits zu einem letzten Totenbett aufgeschichtet. Eine kurze Berührung sagte mir, dass es trocken war und gut brennen würde.
Ich wollte nicht an Malve vorbei und betrat das Haus zunächst durch den Hintereingang, der direkt in die Küche führte. Dort bearbeitete ich sorgfältig die erbeuteten Tiere. Dann trat ich in den vorderen Teil der Hütte.
Malves nachtschwarze Haut wirkte ein wenig matter als gewohnt, doch ansonsten war sie schön wie eh und je. Sie musste viel älter sein, als ich hatte ahnen können.
Ich holte noch einmal tief Luft, griff ihr unter die Arme und begann zu ziehen. Sie war leichter, als ich angenommen hatte. Kurz überkam mich ein schlechtes Gewissen. Wann war meine Ziehmutter so abgemagert? Warum hatte ich es nicht bemerkt?
Dann aber zog ich mich wieder in meine Wut zurück. Malve hatte die Nerven, mich alleine mit ihrer Bestattung zu lassen. Es war nur gerecht, dass sie sich ein Gewicht zulegte, welches ich gerade noch bewältigen konnte.
Als ich sie endlich aus dem Haus gezogen und auf das Lager aus Holzscheiten gebettet hatte, lief mir der Schweiß den Rücken herab. Mein Körper schrie nach einer Verschnaufpause, doch ich wusste, dass ich diesen Anblick nicht mehr viel länger ertragen würde.
Ich zog Malve die Schlafmütze von ihren Locken und legte unsere schönste Decke über ihren Körper. Dann holte ich meinen Beutel und begann, den Holzstoß zu schmücken. Girlanden von feuerroten Fuchschwänzen säumten die Ränder. Zartrosa Hibiskusblüten verströmten ihr süßes Aroma. Um den Kopf legte ich einen violetten, duftenden Kranz aus Malvenblüten, die Namensverwandten meiner Ziehmutter, die sie so sehr geliebt hatte.
Dann stand ich vor meinem Werk, erschöpft bis auf die Knochen, und blickte auf meine Ziehmutter hinab.
Es war alles perfekt.
Malve würde diese Welt in einem Meer aus Farben und Düften verlassen, so wie es ihr gefallen hätte.
Ich legte ein letztes Mal meine Hand auf ihre Wange. Wenn ich ihre langen, krausen Locken ölte und auskämmte, hatte ich dabei immer ihren Kopf berührt und heimlich mit den Fingerspitzen nach ihrem Lebensfeuer getastet. Ich hatte ein helles, violett schimmerndes Licht gefunden, zart und liebevoll. Dieses Licht steckte tatsächlich hinter der seltsamen und manchmal schroffen Art, die Malve an den Tag legte. Dieses Licht war es, das ich geliebt hatte.
Nun war der Funke erloschen. Meine Finger glitten durch samtweiche Leere. So also fühlte sich die Asche einer Seele an.
Schließlich zog ich meine Hand zurück und legte sie stattdessen auf das Holz. Obwohl es trocken und rissig war, erkannte ich noch den Rest eines grünlich schimmernden Lebensfeuers, das einmal einem Baum gehört hatte. Ich schloss die Augen und griff in mich hinein, tief in meine Seele hinab, bis mich gleißend goldenes Licht umgab. Hitze schoss durch meinen Körper, durch meinen Arm, in meine Hand. Meine Fingerspitzen begannen zu glühen. Prasselnd und knackend entzündete sich das Holz. Ich schritt einmal um das Totenbett herum und strich mit meinen Fingern am Holz entlang, bis die Flammen hoch in den Himmel stiegen.
Dann trat ich zurück. Der Fuchsschwanz verbrannte, dann die Malvenblüten, dann die bestickte Decke… Vor meinen Augen ging meine Ziehmutter in Flammen auf.
Das Farbenmeer, die bunte Blumenwiese, die ich Malve bereitet hatte, alles verschwamm vor meinen Augen, bis nur noch eine einzige Farbe übrigblieb:
Gold. Gleißendes Gold.
Ab jetzt musste ich allein klarkommen.
 
Als ich meinen Beutel aufhob, fiel mir eine vergessene Malvenblüte in die Hände. Gedankenverloren strich ich über die Blütenblätter, während ich zur Hütte zurück ging, und tastete unwillkürlich nach ihrer Lebensflamme.
Sanft, silbrig, mit einem violetten Schimmer.
Ich runzelte die Stirn. Seltsam… Das Lebensfeuer der Blume zeigte eine verblüffende Ähnlichkeit zu dem meiner Ziehmutter.
Zufall? Ich seufzte tief auf. Nein, Malve ließ sich wirklich nicht gern in die Karten schauen…


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Beitrag #2 |

RE: Tats / Kapitel 1: Malve
Hallo Ishigo, 

Juchuuu die erste und ich finde es wahnsinnig lieb von dir, dass du so eine tolle Geschichte veröffentlichst. Damit hast du haargenau meinen Nerv getroffen. Ich liebe Fantasy und grade wenn es um Hexen, Zaubertränke und dergleichen geht.  Icon_cuinlove

Du beschreibst diesen Morgen im Wald wunderschön. Das sind grade die schönsten Stunden. Ich würde gerne in diesem Moment mit Tats tauschen, aber da ihre liebevolle Ziehmutter gerade gestorben ist, hat sie verständlicherweise keinen Nerv dafür. 

Ja ich finde, dass Malve eine liebevolle Ziehmutter war (bis hierher, den Rest wird man sehen). Sie hat Tats gelehrt, ihr aber auch Raum gegeben, sich selbst zu entwickeln. Eine moderne Mama  Icon_smile

Warum muss der schöne Tatselwurm getötet werden? Muss man echt alles verspeisen? Ich hätte ihn als Haustier behalten. 

Du hast alles sehr gut beschrieben, so dass man sich in die Szene reinfühlen kann. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. 

Liebe Grüße 

Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



Werkeverzeichnis

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Beitrag #3 |

RE: Tats / Kapitel 1: Malve
Hey Ichigo, das freut mich, dass du uns etwas von dir lesen lässt. Icon_smile

Zuallerlerst lässt sich sagen, dass es sich sehr sauber vom Satzbau, Grammatik, aber auch deinen Bildern, die du erschaffst, liest. Ich fürchte fast zu sauber. Deine Erzählerin liest sich in meinen Augen nämlich nicht wie elf, sondern eher wie 21. Geschuldet ist dieser Eindruck ihrer Aufmerksamkeit für die Naturbeschreibungen um sie herum sowie auch ihrer Abgebrühtheit in Bezug auf den Tod ihrer Ziehmutter. Manche Kinder sind reifer als andere ja, aber gerade weil Malve ihre einzige Bezugsperson zu sein scheint, würde ich mir erwarten, dass deren Tod sie viel härter trifft. Auch die mehrfache Erwähnung der "Ziehmutter" schafft Distanz, wo sie meiner Meinung nach nicht hingehört.

Generell eine Anmerkung, die ich nur exemplarisch vertiefen möchte:


Zitat:Nichtsahnend ringelte sich der kleine Tatselwurm auf dem Stein und genoss sichtlich die Morgensonne. Allzu viel Wärme konnte er allerdings noch nicht aufgesogen haben, denn sein länglicher Körper schimmerte nahezu vollständig in einem sanften Grün. Nur am Kamm auf dem Rücken entlang begannen sich die Schuppen rot zu verfärben.


Diese Wörter schwächen deine Bildgewalt, darum würde ich sie streichen oder griffigere Alternativen finden.

Natürlich genießt er die Sonne sichtlich, sonst würde Tats es nicht wahrnehmen. Meiner Meinung wäre die Verwendung von sichtlich nur gerechtfertigt, wenn da noch so ein Nachsatz käme, dass der Wurm eine Handlung ausführt, die er sonst nicht ausführen würde, wenn er nicht das Sonnenbad besonders genießen würde. Da so ein Satz nicht kommt, würde ich auf das sichtlich verzichten.

Nahezu vollständig sagt eigentlich genau dasselbe wie begannen danach. 99,9% grün, allmählich wird der Rest rot. Ohne die Füllerwörter liest sich der erste Satz viel griffiger als mit. Auch bin ich der Meinung, dass du beginnen in dem Kontext überhaupt nicht brauchst. Die Verbindung von nur und verfärben zeigt doch, dass ein Prozess im Gange ist, der im Kleinen beginnt.

Anmerkung am Rande: Ist dir die Ähnlichkeit zwischen Tats und Tatselwurm bewusst? Wenn das zufällig passiert ist, würde ich entweder eine Erklärung hinzufügen, um eine Brücke herzustellen oder einen Namen ändern, sonst kommt es zu Verwirrung.

Hier noch ein kleines Stück, das mich beim ersten Mal Lesen verwirrt hat:


Zitat:Einen Moment lang erlaubte ich mir, in den Fluss einzutauchen, meinen Körper und meine Seele verbrennen zu lassen. Dann hob ich die linke Hand, die das Messer umklammerte, und schnitt der Echse den Kopf ab.
Der Körper erschlaffte. Rauch stieg von dem glatten Schnitt auf, dann erlosch auch dieser. Gerade noch hatte das Tier in meiner Hand gezappelt. Im nächsten Moment löste es sich in Nichts auf. Unwiederbringlich.
So wie Malve.

Ich habe da ernsthaft geglaubt, dass Malve im Sterben liegt und sie mit dem Mord an der Erdechse Malves Leiden beendet. Malve scheint zu diesem Zeitpunkt aber schon tot zu sein und sie braucht die Echse für das Bestattungsritual, oder? Generell war mir diese Szene (morgens) ein bisschen zu brutal und hat mich etwas aus der Fassung gebracht, da der Rest des Textes eine solche Explizität nicht vermuten lässt.

Ich hoffe, du kannst etwas mit meinen Eindrücken anfangen. Icon_smile

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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Beitrag #4 |

RE: Tats / Kapitel 1: Malve
Hallo Persephone und Sniffu,

danke euch beiden treuen Schreiberlingen für eure hilfreichen Kommentare Icon_smile

Ich beginne mit Persephones Kommentar:

Zitat:Damit hast du haargenau meinen Nerv getroffen. Ich liebe Fantasy und grade wenn es um Hexen, Zaubertränke und dergleichen geht.

In meinem ganz ganz ganz alten Erstentwurf war noch von einer ominösen "Meisterin" die Rede. Nachdem du geschildert hast, was du gerne liest, dachte ich mir, ich kann auch ein Hexenhaus draus machen. Also, du bist jetzt offiziell die Zielgruppe Icon_lol

Zitat:Ja ich finde, dass Malve eine liebevolle Ziehmutter war (bis hierher, den Rest wird man sehen). Sie hat Tats gelehrt, ihr aber auch Raum gegeben, sich selbst zu entwickeln.

Das ist eine interessante Einschätzung! Kann gut sein, dass es so ist, und Tats das im Moment einfach nicht so sehen kann...

Zitat:Warum muss der schöne Tatselwurm getötet werden? Muss man echt alles verspeisen? Ich hätte ihn als Haustier behalten.

Die Tatselwürmer werden nochmal auftauchen. Ich fürchte aber nicht als Haustier ... Icon_lol

Vielen Dank für deine Eindrücke, Persephone Icon_smile 


Es geht weiter mit Sniffus Kommentar:


Zitat:Deine Erzählerin liest sich in meinen Augen nämlich nicht wie elf, sondern eher wie 21.

Ich hatte auch schon überlegt, ob ich sie älter machen müsste. Das Alter auf 13 zu ziehen kann ich mir vorstellen, auf 21 würde ich nur ungern gehen Icon_lol
An der Sprache lässt sich sicherlich noch etwas abschwächen.
Was die Naturbeschreibung und Abgebrühtheit betrifft: Im Nachhinein ist mir nun aufgefallen, dass das Kapitel vor allem Malve charakterisiert und die Charakterisierung von Tats sehr in den Hintergrund gerät. Das trägt vielleicht auch zu deinem Einwand mit bei. Denn Tats lebt nun einmal sehr nah an und mit der Natur, inklusive der urtümlichen Notwendigkeiten und Instinkte. "Tun, was getan werden muss" ist in so einer Umgebung der Leitsatz. Klar gibt es die Hütte und einen gewissen Schutz, aber trotzdem. Das ist aber alles im Text nicht besonders deutlich.

Ähnliches auch hier:


Zitat:Generell war mir diese Szene (morgens) ein bisschen zu brutal und hat mich etwas aus der Fassung gebracht, da der Rest des Textes eine solche Explizität nicht vermuten lässt.

Ich nehme an, mit der "Szene morgens" meinst du das Töten des Tatselwurms?
Das ist irgendwie lustig... Ein klarer Schnitt ist explizit, aber ich finde es gnädig Icon_lol  Pragmatisch wäre es wahrscheinlich auch, seinen Schädel auf dem Stein zu zertrümmern. Ich bin sicher, Tats kriegt das auch so gekonnt hin, dass er auf der Stelle tot ist.
Sniffu, wie würdest du den Tatselwurm lieber sterben sehen?

Auch hier ist mir aber jetzt im Nachhinein aufgefallen, dass ihr armen Leser tatsächlich nicht auf das Wesen des Ökosystems vorbereitet werdet: Tats ist in der Wiese zunächst umgeben von harmlosen oder gar schönen Kreaturen wie dem Falter, das alles hinterlässt bei euch erst einmal einen idyllischen Eindruck. Die Jagd auf den Tatselwurm ist da in der Tat ein heftiger Bruch. Erst DANACH wird deutlich, dass die Idylle auch ein gefährliches Ökosystem ist: denn erst danach hütet sich Tats vor Jägern aus der Luft und aus der Erde. Insofern ist hier schlichtweg die Beschreibung der Wiese "falsch" bzw. die Infos sind ungleich verteilt. Ich könnte zum Beispiel das Auftreten des gefährlichen Erdzahns tauschen mit dem Auftreten des schönen Himmelsfalters. Wenn der Leser als erstes erfährt, dass Tats in diesem Ökosystem schnell zur Gejagten wird, hat er vielleicht mehr Verständnis dafür, dass Tats auch selbst jagt.

Interessant finde ich, dass die Jagd auf den Tatselwurm als grausam empfunden wird. Für mich ist die eigentliche Brutalität des ersten Kapitels, gleich mit dem Tod der Stiefmutter anzufangen und Tats damit allein zu lassen. Ich war mir nicht sicher, ob ich mal wieder zu morbide bin. Meine Fantasie kommt instinktiv immer auf diese Morbidität zurück, aber vielleicht sollte ich bei einer anderen Geschichte mal genau darauf achten und dem entgegen treten.


Zitat:Diese Wörter schwächen deine Bildgewalt, darum würde ich sie streichen oder griffigere Alternativen finden.

Ahhhhh, sehr guter Hinweis! Das Beispiel reicht, verstehe was du meinst. Ich werde den Text auf "überflüssige Wörter" bzw. "verzichtbare Wörter" durchscannen und ihn straffen. Wahrscheinlich hast du damit auch schon meine Schwäche identifiziert.

Zitat:Ist dir die Ähnlichkeit zwischen Tats und Tatselwurm bewusst?

"Tats" ist ihr Spitzname, und er wird auch noch erklärt. Verwirrung darf trotzdem nicht entstehen. Ich werde darauf achten bzw. habe noch einen Gedanken, wie ich das vielleicht noch ändern/entschärfen kann. Danke für den Hinweis!


Zitat:Ich habe da ernsthaft geglaubt, dass Malve im Sterben liegt und sie mit dem Mord an der Erdechse Malves Leiden beendet.

Schlecht Icon_lachtot 
Diese Annahme muss ich unbedingt ausschließen.



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Ich muss jetzt mal überlegen, wie ich weiter vorgehe. Dazu können wir uns aber im Schreibcafe unterhalten Icon_smile

Ich freue mich sehr, dass wir hier zusammen arbeiten und uns austauschen und das Forum immer mehr auflebt!!! Icon_jump


Vielen herzlichen Dank nochmal den Kommentatoren und viele Grüße


ichigo


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