Es ist: 28-10-2021, 07:21
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Verbrecher wider Willen X
Beitrag #1 |

Verbrecher wider Willen X
'Endlich eine richtige Aufgabe!'
Am Montag, dem Tag der Geldübergabe, drückt Ernst die Pedale, fuhrwerkt das Getriebe und fährt beschwingt wie auf Schmetterlingsflügeln.
'Hoffentlich ist die Sache bald erledigt. Ich muß nach Berlin. In wenigen Wochen ist die Wahl zum Präsidentenkandidaten meiner Partei. Das ist meine ganz große Chance. Endlich! Nach dieser Sache hier. Nachdem ich die Gängster überwältigt habe. Dann kann ich allen zeigen, was in mir steckt! Ich weiß schon, daß die meisten denken, ich bin ein Loser und Verlierer, aber sie täuschen sich. Ich bin es nicht. Wenn ich natürlich Augen und Ohren offenhalte wie ein Lux und Fuchs!'
Zum Parkplatz des Krankenhauses fand er schlafwanderlisch hin, war es doch ein Heimspiel. Er hatte eine Beschäftigung bei der Firma eines Freundes seines Bruders, des Arztes, ergattert, zugeschustert und gnädigerweise erhalten, die vorwiegend für Versicherungen tätig war bei Schadensfällen, die in einem Haus, Gebäude oder Fabrikhalle geschehen konnten. Dazu zählten Kellerunterwasserungen, Schimmelbildungen, Dachschäden durch zu heftigen Wind, kurzum alles, was einer höheren Naturgewalt zum Opfer fallen konnte. Er selbst, kein ausgebildeter Handwerker, war aber nur für die Dinge zuständig, die die angestellten Handwerker, Fachleute und Beschäftigten nicht taten. Bagatellen, Nebensächlichkeiten, Unvermeidbarkeiten, eine private Postzustellung hier oder den Firmen-Junior zu einem Schulkamerad dort hinfahren, manchmal das Frühstück für die Arbeiter beim Bäcker einkaufen, wozu sich die Lehrerlinge, ehemals dafür eingesetzt, zu schade waren und heutzutage entschieden verweigerten. Was immer halt anfiel, mußte er erledigen.
Das war sehr herabsetzend.
Für einen, der sich zu Höherem berufen fühlte.
Seine Lippen pressen sich automatisch zusammen.
Mensch, er hatte doch eine exzellente Kaufmanns-Ausbildung abgeschlossen, Abitur gemacht, hätte studieren können, aber jetzt für Handwerker, Arbeiter und Gehilfen Kaffeekochen, Brötchen-und-Wurst-Einkaufen tätigen, war schon sehr erniedrigend und demütigend.
'Wenn mich meine Partei nach Berlin beruft, dann ist damit Schluß! Nach dieser Geisel- und Bruder-Befreiung. Jawohl!'
Ja, seine Partei ist die der Starken, der Leistungserbringer, der Pioniere, Draht- und Strippenzieher, der Macher, Bahnbrecher, Entscheider, halt derjenigen, die die Gesellschaft voranbrachten, die Wege freimachten, die Interessenvertreter der Unternehmer, Reichen, Ärzte, Kaufmänner, Börsenmakler, äh, heißt Broker, Beamten, kurzum, derjenigen, die schon immer das Rückrat der Gesellschaft bildeten, deren einer ihrer Devisen lautete: geht es den Reichen gut, geht es den Armen um so besser.
Zwar war er auch nur Arbeitnehmer, der sogar nur Helfersdienste verrichtete, warum aber gehörte er zur anderen Seite? Weil er selbst Spross eines erfolgreichen Unternehmers war, eines Metzgermeisters und Wirtshausbesitzers, der das renommierteste Gasthaus weit und breit führte. Von daher wußte er zum Beispiel ganz genau, was es heißt, eigenständiger Unternehmer zu seine, wenn man mit Untergebenen zu tun hatte, die faulenzten, Zeit schindeten oder nachlässig arbeiteten, oder meist krankgeschrieben waren, äh...'
Seine Brust hob sich.
Er sah sich schon in Bellevue residieren, aber da sah er den Parkplatz.
Er fuhr mit einem Transporter älteren Baujahrs der Firma, der mit einem großen lackierten Logo versehen war, sprich die beste Tarnung für seine Ingonito-Vorhaben, langsam dort ein. So ein Gefährt auf einem Parkplatz war unauffälliger als ein PKW. Schließlich war es üblich geworden, daß die Unternehmen allzu gern und häufig ihre Fahrzeuge auf öffentlichen Parkplätzen parkten, um die Unterbringungskosten für ihren Fuhrpark zu sparen.
Zudem war dieses Fahrzeug nicht von außen einsehbar. Zwar gab es in der Dachebene einige Plexigläser, durch die man hinaus-, leider auch hineinsehen konnte, aber nur für einen Zwei-Meter-Mann. Im Innern konnte man sich auf eine Bank stellen und von dort aus nach außen lugen und observieren.
'Genial einfach, ich bin einfach genial!'
Er legte das Geld in den unverschlossenen Caprio unter die Gummiunterlage an der Fahrerseite, wie geheißen und verschwand wieder sofort in seinen Tarnwagen. Einziges Problem wäre, kämen die Geiselnehmer zu später Abendzeit oder gar Nacht, aber auch dann würden sie entdeckt werden, schließlich standen an den Ecken des Parkplatzes ein paar doch ziemlich helle Eckleuchter.
'Ich bin einfach genial! Auch wenn's keiner weiß. Noch!'

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Beitrag #2 |

Verbrecher wider Willen XI
Wer sich verführen lässt, fällt rein...

'Fuck, das mach ich jetzt schon seit meinem vierzehnten Lebensjahr! Aber gut, mittlerweile habe ich Untergebene. Na, wozu hat man schließlich studiert!'
Diese Frage stellte sich ein Abteilungsleiter eines gutgehenden Einkaufszentrum zehnmal am Tage, während er grimmig seinen Staplerwagen um die Ecken schiebt und über die knochenharte, primitive Arbeit, Waren auf Paletten herumzuschippern, schimpft und flucht.
'Mittlerweile bin ich ja endlich Herr und Meister, habe Beschäftigte, die endlich mal nach meiner Pfeife tanzen müssen. Aber halt, es geht nur darum, daß manche Menschen einfach Führung brachen, jemanden, der sie an der Hand nimmt und zeigt wo's langgeht. Sonst sind die wie mutterlose Kinder verloren auf dieser Welt, so schaut's aus!'
Als er um eine weitere Ecke biegt, taucht Blacky auf.
'Na, der kommt mir grad recht! Leere Pfandflaschen aus Mülleimer gefischt hier zu vergolden, um seine 12köpfige Familie aus Syrien, Rumänien oder Weiß-der-Teufel-Woher zu versorgen, statt geregelter Arbeit nachzugehen, aber nicht mit uns! Das Pfandgeld kann er sich an den Hut stecken!'
Blacky ist nicht nur auf des Cabos Schirm, sondern auch auf dem des Lehrlings, und auf dem des... Einer nach dem anderen!
Das letzte Mal wollte Blacky nur eine Flasche einlösen, der türkische Lehrling war sich aber nicht sicher, ob er diese entgegennehmen darf. Blacky wurde wütend, was gibt es da zu zweifeln angesichts dieses eindeutigen Flaschenpfandlogos: „Sie sehen es doch!“ „Trotzdem! Ich muß den Chef fragen!“, wandte sich um und ging ins Büro des Abteilungsleiter, kam wieder heraus und ging an ihm vorbei: „Herr Abteilungsleiter telefoniert noch. Er kommt gleich. Warten Sie hier!“ Blacky wartete und wartete. „Was soll das, der telefoniert und telefoniert und lässt einen Kunden sich den Körper in den Bauch stehen!“ Er wurde immer wütender. Schließlich drückte er auf den Knopf der Flaschenmaschine und eine weibliche Roboterstimme ertönte: „Ein Mitarbeiter bitte zum Flaschenautomaten!“ Nichts tat sich. Noch einmal gedrückt und wieder nichts und wieder gedrückt. Unterdessen hörte der Chef den Lärm mit, wie die blöde monotone Maschinenstimme immer wieder die ganze, lange Halle beschallte, konnte aber nicht vom Telefon gehen, weil er in einem wichtigen Gespräch verwickelt war. Dementsprechend belferte er den Dunklen an, als er endlich herauskam: „Können Sie nicht mal warten, wenn ich telefonieren muß!“
Wer ist hier König, der Kunde oder der Verkäufer!“
Der Abteilungsleiter unterdrückte seine Wut diesmal und händigte ihn den 25 Cend Pfandgut-Bon aus.
'Schau, daß die schleichst, du räudiger Hund, du!'
Dann war Blacky auf dem Schirm des sächsischen Mitarbeiters X. Dessen Reich war der Flaschenpfandbereich. Dessen Provokationen Blacky gegenüber stand in enger Absprache mit dem Video-Überwachungs-Administrator. Zusammen beobachteten sie den Dunklen schön öfter auf dem Überwachungs-Schirm. Er erschien ihnen höchst verdächtig. Nur fehlten stichhaltigen Beweise. Der Administratot stand sehr unter Druck. Die teure Video-Überwachsungs-Anlage mußte sich endlich lohnen. Der Einkaufshaus-Besitzer schaute ihn schon scheel an. Nur einen Kaufhausdieb konnte er bisland überführen.
Mitarbeiter X verstand sofort, sowie ihm der Administrator einige Aufnahmen von Blacky vorführte.
Man kann nichts erkennen. Daß er sich etwas in die Tasche steckt! Aber...“
Mitarbeiter X wurde hellhörig und aufmerksam. Da mußte nur etwas nachgeholfen werden, dachte er. Er war ein Psychologie, der die falsche Arbeit erledigen mußte: Flaschenentsorgen. Man konnte ganz andere Flaschen „entsorgen“.
So überzog er den Dunklen mit einer Provokation nach der anderen.


Heute quittierte der Flaschenautomat wieder nicht eine Flasche. Blacky drückte erneut auf die Klingel und Mitarbeiter X trat aus dem Hinterraum hervor und erbot sich zunächst recht freundlich, natürlich sofort nach der von der Maschine verschluckten Flasche zu suchen.
Warten Sie hier. Bin gleich zurück!“
Warten“, dieses Wort brachte Blacky in diesen Räumen sofort auf die Palme.
Ich geh mal schnell zur Metzgerei davorne. Wenn Dein Chef kommt...“ Der danebenstehende Lehrling nickte.
Als Blacky mit einem verpackten Batzen Hackfleisch wiederkam, traf er auf den mit Schultern zuckenden Mitarbeiter X.
Da hat sich keine Flasche gefunden!“
Heißt wohl, ich bekomm keinen Bon, was! Dann ruf ich ihren Chef!“ Schon wendete sich Blacky dem Geschäftsbüro des Einkaufszentrum zu.
Halt!“ Er blickte in die grinsende, verquerte, verlogene Visage. Dieser hielt bereits einen vorbereiteten handschriftlich ausgestellten Bon in der Hand hoch.
Blacky hatte noch eine dritte Flasche in petto.
Eigenartigerweise fehlte diesem das Pfandemblem.
Da kann ich nun wirklich nichts machen!“
Aber...!“
Nun aber wirklich. Tut mir leid!“
Kommen Sie mal mit. Ich zeige Ihnen etwas!“
Blacky lief wütend um die Ecke zu solchen verkaufbaren Flaschen.
Okay, dann halt!“ Mitarbeiter X lachte und zeichnete die leere Flasche gegen.
Dem Dunklen kochte das Blut in den Adern.
Wütig lief er zur Kasse und unterließ in seiner Wut das zu zahlende Fleischprodukt zu begleichen. Es steckte uneinsehbar in seiner Jackentasche. Er ließ sich den Wertschein ausbezahlen und verließ eiligst das Geschäft.
'Gerechtigkeit muß sein! Verarschen laß ich mich nicht. Widerstand ist nötig, um nicht sein Gesicht zu verlieren.'
Er trat aus dem Einkaufsareal hinaus und spürte eine Hand auf seiner Schulter.
Kommen Sie mit, junger Mann!“
Der stinkige Abteilungsleiter und der aufstierende, unseriöse Mitarbeiter X forderten ihn eintschieden auf, mit ins Geschäft hinein zu kommen.
Wieso?“
Wir müssen da ein paar Dinge klären!“
Sie hatten seine Unterlassung auf Video aufgezeichnet und weil jeder Diebstahl zur Anzeige gebracht wurde, dafür kein Verständnis aufgebracht wurde und bei allen anderen auf taube Ohren stieß, riefen sie die Polizei.
Während Blacky allein im Aufenthaltsraum der Mitarbeiter des Lebensmittelgeschäfts auf die Ermittler warten mußte, wurde ihm allmählich seine Lage klar. Rational sagte er sich zwar, daß es letztlich geschissen war auf die Tatsache, daß er nicht umhinkäme, eine kleine Strafzahlung für einen kleinen Diebstahl zu errichten – aber was war das schon im Vergleich zur Höhe des Erpressungsgeldes, das auf ihn wartete?
Aber, je länger er zuwartete, desto nervöser wurde er.
Wenn sie Verdacht schöpften, wenn die Arztfamilie vielleicht doch die Polizei eingeschaltet hatte nämlich und diese in dieser Gegend hier auch die Entführer mutmaßte, wovon entschieden auszugehen war, würden die schönen Scheine unwiderbringlich flöten gehen. Was war mit dem Herumliegen auf einer Insel, die vielen Tussi und das beschwerlich Leben hierzulande vor allem...
Mensch, er mußte sich verdünnisieren.
Er spitzte aus dem Raum, sah dort den Besitzer und den Administrator an den an den Decken in Abständen herunterhängenden Rohrleitungen Muskelübungen vollführen, was angesichts deren Korpulenz aussah, als ob Rindvieher, nur wie im Schlachthaus nicht umgekehrt, herunterhingen. Zu allem Übel, aller Bedrohlichkeit und vor allem jetzt Scham kam noch eine schnucklige Verkäuferinnen herein, um sich aus dem Kühlschrank etwas zum Vespern zu holen. Sie lächelte verlegen.
'Bin ich denn der Depp!', entfleuchte es ihm, verschluckte aber diesen Wortschwall sofort, so daß nur ein Grunzen herauskam und er bekam es mit der Angst zu tun, so daß er schnell aufs Klo im hinteren Bereich rannte. Dort entleerte er sich mit einem gehörig lauten Plippfff und erblickte über sich ein kleines, schräges, aufgeklapptes Fenster. Durch dieses gelang ihm die Flucht.
Aber das war ein Fehler, denn er wurde verfolgt. In seiner Freude über die Flucht hatte er sich nicht sorgfältig nach Verfolgern umgesehen. Nun würde die Polizei erfahren, wo er logierte und vielleicht, wenn sie dennoch nicht über die Erpressung informiert worden ist, über diese erst in Kenntnis gesetzt, sogar darauf gestoßen werden, sobald sie in ihr Haus eindrangen, mit dem Verdacht, daß hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging.
Diese Lage würde fatal werden. Zu welchen unschönen Szenen es zudem kommen könnte? Der Nachteil dabei: Sie hatten keine Waffe. Wie nimmt man einem Bewaffneten seine Knarre weg?
'Mir fehlt einfach die Erfahrung. Dumm, dumm. Noch nie ein Schießeisen in der Hand gehabt und Erpresser spielen wollen, tztzt...'
Noch wußte er nicht, daß sie verfolgt wurde. Sollte es zu einer Konfrontation kommen, war klar wie Kloßbrühe: sie würden sich bis zum letzten Messersicht wehren.

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