Es ist: 28-10-2021, 06:56
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Verbrechen wider Willen XII
Beitrag #1 |

Verbrechen wider Willen XII
Ein Schnüffler kennt keine Grenzen...

Die Entführer hatten es vielleicht übertrieben.
Zum einen hatte sie die Gier am Schlawittchen, denn sie wollten das Lösegeld noch einmal um eine Null erhöhen – und hatten erneut die Ehefrau angesimst, die Order hinzugefügt, das Auto abzuschließen, da jemand zufällig vorbeikommen, die Geldablage beobachten oder auch einfach so im Gefährt nach Verwertbaren rumschnüffeln konnte und am Ende auf die lieben Scheinchen stieß.
Auch hätte die Ehefrau trotz Warnung doch die Polizei eingeschaltet und wenn diese fix reagiert hätte, hätten sie den Aufenthaltsort des Anrufers peilen können. Und damit wären sie längst schon unter Beobachtung gestanden. Die wollten natürlich die Gängster nicht ohne Lösegeld kaschen. Und so fühlte sich Blondie nunmehr besonders unter Beobachtung. Aber er würde auf der Hut sein.
Eine kleine Weile schlich er um den Parkplatz.
Aber Nachdenken, Argwohn und Vorsicht hin oder her, er hielt es schließlich nicht mehr aus, ging so achtlos wie möglich zum Cabrio, scharwenzelte doch erst einmal wie ein Betrunkener drumherum, tat so, als beäugte er die Reifen, warf einen Blick auf den Unterbodenschutz, dann auf die Schlagschlösser – und ging wieder weg. Legte sich doch noch einmal auf die Lauer, wartete ungeduldig das hereinbrechende Zwielicht der Abenddämmerung ab. Zwar hätte es noch dunkler werden müssen bis zum optimalen Zeitpunkt, aber es wurde ihm doch zu blöd. Er ging stracks aufs Auto zu, tat aber so, als wollte er es öffnen ohne die geringsten Hilfsmittel, stampfte mit dem Fuß auf, ging vom Auto weg, aber – jetzt war es ihm wirklich zu bunt – kehrte um und riß den Autoschlag auf.
Das Geld war da!!
Oder?
Er beugte sich zum Koffer, der da auf dem Beifahrersitz lag, raffte ihn an sich, öffnete ihn an seiner Brust, sah die Blüten, klappte den Behälter wieder zu, bewegte seinen Oberkörper aus dem Auto, schlug den Schlag zu, schloss zu – warum eigentlich, wußte er momentan nicht, vielleicht springt noch eine Fahrt im Cabriolet heraus – und machte sich auf den Heimweg.
So, jetzt war wieder ein neuralgischer Punkt.
Haben ihn die Verfolger nicht durch Peilung des Handys entlarvt, so mochten sie ihn von einem Satelliten aus im Visier haben oder welche technischen Möglichkeiten unbekannter Art die Behörden auch immer hatten. Er könnte zudem direkt verfolgt werden. Dies galt es einen Riegel vorzuschieben im wahrsten Sinne des Wortes. So wählte er natürlich den Weg zum Tunnel. Was einmal funktioniert hatte, nämlich beim Polizisten, würde es wieder tun. Er lief einige Zickzacks, trotz Dunkelheit, aber er kannte sich hier wie in seiner Westentasche aus, gelangte zur kleinen, röhrenförmigen Bahnunterführung, blickte sich um, was zwar eine überflüssige Geste war, denn er war sich seiner Sache sicher. Sollte sich jemand verdeckt an seine Fersen gehaftet haben, dann war hier Ende der Fahnenstange, wäre er doch längst über alle Berge, nachdem er die Tunneltür verschlossen hatte. Das Fahrradschloß hielt gut die eiserne Tür fest zu.
Nur hatte er nicht mit einem wie dem Ernst gerechnet.
Denn zur selben Zeit kam dieser zum Parkplatz, beobachtete die Lösegeld-Abnahme und stieß auf Blondie.
Ernst kam nun auch in den Tunnel, fand ihn versperrt, stach aus dem Tunnel heraus, krabbelte den Bahndamm hoch und stand vor den Gleisen im Dunkeln.
Es war wie russisch Roulette.
Würde er entkommen – trotz der Gefahr?
Er mußte einfach Erfolg haben, es allen beweisen, was für einer er war und so lief er los, von einem Gleis zum anderen – ein Hochgeschwindigkeitszug rauschte knapp vorbei – er fiel hin, aber nur aufs Schotter. Flüssigkeit rann ihn an der Backe herab, aber er war schon über die Hälfte des Wegs und stürzte dann das letzte Stück noch weiter, fiel den Bahndamm hinunter, schürfte sich die Innenflächen der Hände auf, kam auf die der Bahngleise entlangführenden Asphaltstraße zum Halt, wobei er sich in sehr günstiger Position befand, da er liegend kaum gesehen und einen Blick auf Blondie erhaschen konnte. Als dieser gerade das Gartentürchen öffnete, wußte Ernst, wo die Erpresser wohnten.
So war er sehr zufrieden, wenn er auch starke Schmerzen an Händen und Gesicht verspürte, aber die zählten jetzt nicht. Nachdem er sich zum Haus hingeschlichen hatte, erkannte er durch das Store in den beleuchteten Räumen sich Menschen hin und her bewegen.
War der Täter dort drinnen?
Unbedingt, denn die Gartenzäune grenzten jeweils an weitere Grundstücke, dort, wo er gerade stand, war der einzige von außen zugängliche Weg hinein.
Er duckte sich und verharrte in gekauerter Haltung.
Die Polizei, seinen Neffen, anzurufen jetzt, verkniff er sich. Sich den besten Bissen vom Fang wegschnappen zu lassen, ha! Killerinstinkt - wie seinerzeit 7. Kanzlerin Angela Merkel sich vom großen Vorbild des 6. Kanzlers Helmut Kohl distanzierte...
Plötzlich nahm er ein Polizeiauto wahr. Bevor sie ihn entdeckten, nachfragten, was er hier zu suchen habe, schlug er sich lieber in die hohen Ginstersträuche vor dem nahen Bahngleisdamm. Gut positioniert, verfolgte er von dortaus das weitere Geschehen.
Das Auto hielt direkt vor seiner Nase. Zwei Uniformierte und ein Ziviler stiegen aus, standen einen Moment unschlüssig vor dem Gartentürchen, der Zivile zeigte mit dem Finger zum Haus, sie öffneten das unverschlossen Gartentürchen, gingen die paar Meter hintereinander zur Eingangstüre und klingelten.
Ernst verspürte jetzt unbändig seine Wunden überall.

alle Rechte beim Autoren Werner Pentz

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