Es ist: 04-12-2020, 20:41
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Adsartha
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Fünf Wörter Teil 2 1/2
Beitrag #21 |

RE: Fünf Wörter (Teil 2 1/2)
hey,

diesmal war echt schwerer. zumal ich mich auch irgendwie vertrödelt habe. Icon_smile

Basketball, Stuhl, Dom, Hamster und Speisekarte.

Sommertag
In einer kleinen Stadt, zu Füßen des altehrwürdigen Doms erstreckte sich der Vorplatz. Kopfsteingepflastert und von den anliegenden Cafés mit Tischen und Stühlen versehen, bot er an diesem Tag ein beliebtes Ausflugsziel. Nicht nur für Touristen, sondern auch einige Einwohner der kleinen Stadt saßen auf den bequemen Stühlen und ließen sich von der Frühlingssonne wärmen.
Auch Anna hatte sich an ein Tischchen gesetzt. Sie hatte sich schon einen Eisbecher aus der Speisekarte ausgesucht und benutzte diese nun, um sich kühlende Luft zuzufächern. Kinderlachen lag in der Luft.
Während sie auf ihre Bestellung wartete, nutzte sie die Zeit um sich umzuschauen. Einige Kinder spielten in dem Rund, welches die Stühle und Tische bildeten. Vier Jungen spielten Basketball. Sie warfen ihn sich zu und versuchten ihn sich wieder abzunehmen, sie wie sie es im Fernsehen gesehen hatten.
Etwas abseits entdeckte Anna zwei kleine Mädchen. Sie beobachtete diese, wie sie neugierig in einen Schuhkarton starrten. Da Anna ihren Eisbecher in der nächsten Zeit nicht erwartete stand sie auf und ging zu den beiden hinüber.
„Was habt ihr den in dem Karton?“ Erst in diesem Moment fiel ihr auf, dass die Schachtel voller Löcher war.
Das Mädchen mit den langen, blonden Zöpfen antwortete: „Ich habe einen Hamster gekriegt!“ Stolz zeigte sie mit ihrem dünnen Fingerchen in den Karton. Das andere Mädchen mit den braunen, zerzausten Haaren erklärte ebenso stolz: „Ich hab’ ihn schon gestreichelt!“ Anna, die außer Stroh in der Schachtel nichts erkennen konnte fragte: „Wie heißt dein Hamster denn?“ „Felix“, antworteten die beiden wie aus einem Mund.
Sie wollte gerade fragen wo Felix denn sei, als sie aus den Augenwinkeln sah, wie ihr Eisbecher auf einem kleinen, silbernen Tablett von einem Kellner gebracht wurde. Mit einem schnellen: „Ich muss gehen“, verabschiedete sich Anna, nicht gerade höflich, von den beiden Mädchen.
Sie ging mit schnellen Schritten zu ihrem Tisch zurück. Der Kellner hatte sie bereits gesehen und lächelte ihr freundlich zu.

„Felix!“ ein heller Kinderschrei erschall über den Domplatz. Anna warf einen Blick über die Schulter und sah, wie die beiden Mädchen mit dem offenen Karton in den Händen quer durch die spielenden Kinder liefen. Dabei verloren die Jungen die Kontrolle über ihren Basketball und dieser hüpfte direkt auf Anna zu. Diese wollte ihn fangen, doch ihre Fingerspitzen streiften den Ball lediglich. Er sprang noch einmal auf dem Tisch ab und flog auf den verdutzten Kellner zu, der den Rand seines Tabletts verzweifelt mit den Fingern umklammerte. Doch es half nichts, das Spielzeug traf Annas Eisbecher und riss ihn mit zu Boden. Das Glas zerbrach auf dem Kopfsteinpflaster und die Erdbeersoße lief über die Scherben.
„Wo ist mein Hamster?“ Das kleine Mädchen, mit den blonden Zöpfen kam eilig auf Anna zugerannt. „Er ist weggelaufen!“ „Dabei habe ich ihn nur ganz kurz aus der Schachtel geholt“, erklärte ihre Freundin.
Der Kellner hatte sich bereits auf den Boden gekniet um die Scherben aufzusammeln. Auch die Jungen eilten herbei, weil sie ihren Ball zu suchen.
„Da ist er ja!“, rief das braunhaarige Mädchen und lief mit ihren hellen Sandalen durch die Erdbeersoße und krabbelte dann unter einen Tisch an dem ein junges Paar Kaffee trank. Die Hamsterbesitzerin folgte ihr.
Anna hob den Basketball auf und gab ihn seinem Besitzer zurück. Dann stieg sie vorsichtig über die Reste ihres Eisbechers und half den beiden Mädchen den Entlaufenen einzufangen. Die Mädchen hatten Glück, denn eine ältere Dame am Nachbartisch hatte schnell reagiert und den Hamster eingefangen.
Die Glocken des Doms begannen zu schwingen, das erste „Plong“ ertönte. Die Menschen auf dem Platz hielten inne. Die Mädchen die ihren Hamster zurück in die Schachtel setzen wollten, der Junge mit seinem Basketball unter dem Arm und Anna die sich nach den Scherben gebückt hatte. Dreimal war das „Plong“ zu hören, dann verdunkelte sich der Himmel und es begann zu regnen. Winzige Regentropfen fielen aus den schwarzen Wolken und ließen sich auf dem Kopfsteinpflaster nieder. Mit schnellen Schritten verließen die Menschen den Vorplatz, der nun wie ausgestorben zu Füßen des Doms lag.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #22 |

RE: Fünf Wörter (Teil 2 1/2)
Mensch, das hat richtig Spaß gemacht, danke, Adsartha! :icon_thumbs1:
Mrgreen


Basketball, Stuhl, Dom, Hamster und Speisekarte

Restaurant


oder: Der Rhythmus im Blut deines Lebens

Das Klirren des Bestecks klang wie ein schlechter Versuch, das finale Crescendo einer Stomp!-Show nachzuäffen. Nur dass es eben weder Absicht noch das Ende von irgendetwas war, sondern lediglich ein weiteres kleines Dilemma am Rande seines Sichtfelds. Die Bedienung hatte den Besteckkasten fallen lassen, das war alles. Mit zittrigen Fingern hob sie Messern und Gabeln wieder auf, er wandte den Blick ab und schon war sie nur noch Lärm in der Erinnerung und gleich darauf nichts mehr.
Mit einem Lächeln erinnerte er sich an den letzten Stomp!-Abend. Mit voll aufgedrehten Lautsprechern hatte er in seinem Wohnzimmer gesessen und dem Alltagsorchester gelauscht. Küchengeräte, Besen, Basketbälle – das Leben hat den Rhythmus im Blut. Wenn er sich nur das Blechtrommeln auf dem Altpapiercontainer in den Kopf rief, zuckte sein Fuß bereits wie ein Metronom.
„Guten Tag, Sie – Sie wünschen?“
Anscheinend hatte die junge Frau das Besteck endlich an seinen Platz geräumt, nur um direkt dort weiterzumachen, wo sie aufgehört hatte: dabei, ihn zu belärmen.
„Nichts im Moment“, entgegnete er, ohne den Blick von nirgendwo nach hier zu wenden. „Danke“, fügte er gequält hinzu, als sie trotzdem keine Anstalten machte, jemand anderen zu bedienen.
„Aber das geht nicht, Sie können hier nicht nur sitzen. Wir sind schließlich ein – ein – ein“
„Ein was?“, fiel er ihr ins Wort und jetzt fanden seine Augen den Weg zurück. Aus ihrer Tasche baumelte ein Plüschanhänger. Als sie seinen Blick bemerkte, schob sie den kleinen Hamster schnell zurück in sein Stoffversteck. Dann räusperte sie sich. „Ein Haus, das sich damit rühmen kann, jeden Mittag -“
Er lachte auf. „Den Spruch kannst du dir sparen, Kleine, gib mir fünf Minuten.“
Sie verschwand. Er ließ sein Fußmetronom wieder laufen. Rhythmus, den Rhythmus. Warum sie sich in diesem piekfeinen Restaurant mitten im sogenannten „Dom“ - eigentlich war es wirklich nicht mehr als ein hohes Haus mit Spitzdach - treffen mussten, war ihm immer noch unklar. Alles war Lärm hier, aufgesetzt. Es gibt den guten Klang, wie es wirklich ist, und es gibt Orte wie diesen hier. Dom. Alles klar.
Anscheinend fühlte sich sein Bruder nicht wohl, wenn sie sich auf eine Currywurst treffen würden, dann würde der Sache der edle Touch fehlen. That's life, mate! Wahrscheinlich ging es nur wieder um eine Frau, alle Freunde abgesprungen, weil er sich so dämlich angestellt hatte; und dann kam er angeschlichen, den Kopf in den Himmel gehoben, in der Hoffnung, seine erbärmliche Gestalt bekäme dann – zumindest die Vertikale entlang – etwas mehr Tiefe. Und das hier war nur das bisschen Stil, das ihn wie einen Geschäftsmann wirken lassen sollte. Business as usual.
Ein ohrenbetäubendes Kreischen riss ihn aus den Gedanken. Die Bedienung stand an der Theke, verkrampft, starr und wahrscheinlich ein bisschen blass - wie es sich in solchen Situationen eben schickt. Sie zeigte auf das Tablett vor sich, die andere Hand um den Anhänger aus ihrer Tasche geklammert, würgte noch ein paar Schreie in das wohlige Ambiente, ehe einer ihrer Kollegen das Tablett mit der Bemerkung „Ist ja nur 'ne Spinne“ abwischte.
Vielleicht saß er einfach falsch, zu nah an der Theke, zu weit in der Mitte, zu weit zwischen den Menschen. Aber wenn sich sonst jeder in seine Ecke setzt, warum sollte er das tun?
Geräuschvoll schob er seinen Stuhl zurück und erntete prompt einige missbilligende Blicke. 'Kann der nicht mal normal aufstehen, wenn er schon aussieht wie Sau.' Nein, konnte er nicht, sieht man doch.
Mit schlacksigen Schritten ging er bis zur Theke und baute sich vor der Bedienung auf.
„Ich kann mich nicht ganz entscheiden, Ihr Haus scheint sich vor allem durch die vielen Spezialitäten zu rühmen.“
Sie blickte ihn an wie ein UFO mit Motorschaden.
Er spürte die Zunge seines Bruders in seinem Mund liegen, als er hochmütig fortfuhr: „Vieles scheint auch nur an manchen Tagen verfügbar zu sein, ich schätze, das liegt an der gebotenen Frische.“
Jetzt nickte sie.
„Nur eins, eins habe ich noch nicht herausgefunden.“ Wieder fiel sein Blick auf den Plüschanhänger, der aus ihrer Jacke baumelte.
„Wie kann ich Ihnen denn helfen?“ Endlich Sprache. Routine.
Er räusperte sich mit einem gehässigen Grinsen auf den Lippen: „Haben Sie auch Hamster auf der Speisekarte?“
Er schiss auf seinen Bruder, diesen Dom, er schiss auf diese jämmerliche Gestalt vor sich. Zu unfähig, um überhaupt etwas hervorzubringen. Nicht mal ein klägliches „Ich rufe meinen Chef“, drauf geschissen, was willst du denn?
Sag bloß, du suchst auch den Rhythmus im Blut deines Lebens, mein Gott, sogar dein Besteckkasten hat mehr davon als du in deiner besten Minute.
Er lachte und dann war er schon zur Tür raus. Direkt vor ihm ging ein Taubenschiss nieder. Das ist der Rhythmus, Mann! Mit einem halben Sprung in die Luft, und es fühlte sich so gut an.



Stomp!
Basketbälle
Küchengeräte

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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