Es ist: 25-09-2022, 14:52
Es ist: 25-09-2022, 14:52 Hallo, Gast! (Registrieren)


Im Regen geboren (4)
Beitrag #1 |

Im Regen geboren (4)
« 3. (Rosengarten) Vater


4. (nirgendwo) Mutter

Meistens war Vertrauen wie ein doppelter Boden. Leah stand sicher, doch jemand schnippste und der Sturz in die Tiefe begann von vorn. Klarheit mit Fragezeichen rumorte in ihrem Kopf. Chamäleon blieb stehen und bewegte sich doch, wie ein Fähnlein, das in Gedanken in eine Richtung trieb und in Wirklichkeit an einer Stelle verharrte.
„Wer bist du?“, murmelte sie.
Und stürzte und stürzte im Versuch zu verstehen, was es bedeutete.
Chamäleon unterbrach ihr klägliches Scheitern. „Der Vater deiner Mutter und dein Großvater.“ Die Gelassenheit seiner Stimme verzerrte die Situation für Leah nur noch mehr. „Und der Schwiegervater deines Vaters, aber das nur auf dem Papier.“ Er kam näher und griff nach ihrer Hand, fest, als wollte er nicht, dass sie sich von ihm abwandte. „Weißt du, Leah, es ist nicht leicht, das einzige Kind loszulassen, das man hat.“ Die Muskeln seiner Hand spannten sich noch ein Stück an. „Vor allem wenn es zu jemandem wie deinem Vater geht. Jemandem, dem Verantwortung ein Fremdwort ist und Pünktlichkeit erst recht! – Weißt du eigentlich, dass deine Mutter noch leben würde, wenn er nicht zu spät beim Kiosk gewesen wäre?“ Sie versuchte, ihre Finger aus seinem Griff zu lösen, klammerte sich mit ihrem Geist an eine Möglichkeit, sich von Chamäleon zu entfernen, um nicht länger zuhören zu müssen. Doch seine Kraft überstieg ihre um einiges, um viel zu viel.
„Die beiden hätten das Bier längst getrunken haben können, mit dem er sich für was auch immer bei ihr entschuldigen wollte. Haben sie aber nicht, da kam ein kleines Feuer dazwischen.“ Seine Gesichtszüge waren härter als seine Worte klangen. Keine Trauer, kein Schmerz lag darin, nur Verachtung. Erfüllte Verachtung. Dann rückte ein Grinsen zwischen seine Mundwinkel. „Und jetzt ist er verbrannt, wie sie. Nur dass er wahrscheinlich schon geschlafen hat. Nichts als Asche ist geblieben.“ Wieder griff er in seine Hosentasche, zog eine Zigarette heraus und wog sie wie ein Stück Gold in der Hand. Seine Augen verloren sich am Ende des Filterpapiers. „Nichts als Asche.“
Vorsichtig versuchte Leah erneut, ihre Hand aus seiner zu befreien. Doch die schwache Bewegung weckte ihn aus der Trance. „Weißt du, Leah, seit ich dich gefunden habe, wusste ich, dass du der Schlüssel zu meinem Kind bist.“
Jeder ihrer Herzschläge glich einem Schafott, das den Kopf vom Hals abtrennte. Das Denken vom Fühlen. Bis nur noch ziellose Schläge ihre Brust durchfuhren und ihre Gedanken leer bluteten.
„Dass du mir die Unruhe nehmen würdest. Ein Mensch für einen anderen und dann ist es in Ordnung.“ Glasig die Augen, standhaft die Beine.
Leah schluckte und fühlte sich wie eine Maschine, die den gespaltenen Körper ersetzte. Der Geschmack von Wörtern haftete in ihrem Mund. „Ein Mensch für einen anderen“, wiederholte sie ungläubig. „Aber das geht nicht.“ Jetzt schaffte sie es, sich aus seinem Griff zu lösen und taumelte ein paar Schritte nach hinten. „Sie ist nicht zurück gekommen.“ Klarheit im blutenden Kopf. „Oder siehst du sie hier?! Siehst du sie?! Sie ist nicht hier!“
Sein Blick schweifte durch den Rosengarten, auf der Suche.
„Es ist wie ein Austausch“, erklärte er dann. „Selbst wenn du sie nicht sehen kannst, es fühlt sich besser an. Nur das ist wichtig. Die Kinder auf dem Spielplatz, erinnerst du dich? Für sie fühlte es sich auch besser an, als sie den Platz ausgetauscht haben. Nebeneinander. Still und friedlich.“
Tim und Emma. Häuserruinen.
„Weil sie jetzt füreinander da sind. Das ist eine andere Ebene von Austausch, aber es ist eine. Etwas geben und etwas nehmen. Anders funktioniert das nicht.“
Am liebsten wäre sie gerannt. Entfernte sich innerlich immer mehr und konnte trotzdem keinen Schritt tun.
„Einer nimmt den Platz und der andere gibt ihn. Das ging bei deinem Vater und meinem Kind nicht, deswegen musste genommen werden. Verstehst du, Leah? Es ging nicht anders.“
„Was redest du eigentlich? - Du hast nichts gegeben! Du hast nur genommen! Was willst du bekommen? Das ist doch Schwachsinn! Schwachsinn ist das!“
„Ich habe deiner Mutter ihren Platz wiedergegeben.“
„Und ich, ich habe meinen Vater umgebracht. Deswegen?!“ Sie wollte zurück, konnte nicht, alles lag offen und war doch verklärt. Ihr Blick auf Chamäleon nur noch ein Zittern in den Augen, sie selbst nicht länger anwesend, nur eine Spielfigur, eine Spielfigur.
Er zuckte mit den Schultern. „Hast du Feuer, Leah?“ Ihr die Zigarette entgegen haltend. Leahs Hand schnellte nach vorn. Sie entriss ihm den Glimmstängel und warf ihn zu Boden; stampfte mit beiden Füßen darauf ein, als wäre er Chamäleon, schweigendes, totes Fastfeuer. Vorwärts stolpernd, das Schafott ihrer Herzschläge auf die Fäuste polend, schlug sie zu ...
... und wurde wie ein Amateur von seinem Boxtrainer abgefangen.
„Menschen sind wie Pferde, Leah. Der Weg durch das Feuer ist der einfachste. Du hattest die Wut, die Unruhe, genau wie ich, du hattest das Gefühl in dir, es müsste passieren, du müsstest es tun, das Haus anzünden. Wir stehen hinter den Flammen.“
Außer Atem blickte sie ihn an. „Warum?“
Antwortlos.
Er ließ ihre Fäuste fallen und entfernte sich, Zufriedenheit steckte in seinen Schritten. Fast trugen ihre Beine sie hinter ihm her, doch sie bewegten sich nicht. Er verschwand, geistgleich, der letzte Lebende ihrer Familie. Dabei hatte sie ihm vertraut; sich ihm anvertraut, in den letzten zwei Jahren, in den Gesprächen Mut gefunden. Sie hatte die letzte Blockade in sich selbst gebrochen und plötzlich wusste sie, was sie zuvor vom Zerstören abgehalten hatte. Es war das Wissen darum, was passieren würde, eine Ahnung nur vom Hinterher und Chamäleon hatte sich dieser Ahnung in den Weg gestellt, sie ersetzt durch ein Gefühl der inneren Zufriedenheit. Leah hatte ihm geglaubt und nun stand sie hier, verschwieg sich selbst und ihn in der Zukunft, schwieg ihn in sich tot. Ein Mord in Gedanken, der Vergangenes vertilgte.
Sie sehnte sich nicht nach Rache, nur Leere füllte ihren Körper und ließ das Blut zurück in den Kopf fließen. Rückwärts. Ein Schwindelgefühl bemächtigte sich ihres Geistes, schwankend lief sie los. Hinein in das Nichts, das geblieben war, in eine blinde Welt. Auge um Auge Menschen verloren, Hoffnung verschenkt und jetzt ohne Gegenwart laufend.
Laufend, laufend, rennend, rennend, galoppierend wie ein Pferd, der Schweif in Flammen, auf der Suche nach einer Wasserstelle, bis der Himmel brach und taubblinde Nässe ihre Blutungen endgültig stillte. Namen und Gesichter verschwammen zu fernen Schemen in abgebrochenen Zelten. Niemanden kannte sie mehr, wartete in einer inneren Embryonalstellung darauf, an der Hand geführt zu werden.
Doch Leah verknotete ihre Finger ineinander und lief weiter. Das Kind in ihr wurde zum Landstreicher, einsam, unverletzlich, auf der Reise. Der Weg vorbei an Bushaltestellen, Spielplätzen, Wohnsiedlungen, als würde sie auf der Asche laufen, die von den vergangenen sechzehn Jahren verblieben war. Als würde sie hinter der Asche neue Ufer suchen, wie ein Pferd.
Menschen sind wie Pferde.
Der Schlag ins Gesicht entknotete ihr die Finger, sie schlug zu, schlug zu, schlug zu, spürte die Abdrücke auf ihrer Wange, taub, noch immer im Laufschritt. Schwere bemächtigte sich ihrer Füße, doch die Kraft reichte, bis ihre Gedanken wieder bei Null standen.
Zurückgespult an den Anfang brach sie zusammen.


» Ausstieg: Hinter dem Feuer

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
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Beitrag #2 |

RE: Im Regen geboren (4)
Guten Abend Libbi
Eigentlich wollte ich ja selber an meiner Geschichte rumschreibseln, aber dann habe ich deine Geschichte gesehen und dachte so bei mir: Klasse, habe die einmalige Chance, die Erste zu sein und habe mal flugs gelesen. Wird immer spannender und ich stelle mir jedesmal die Frage, Wird sie je gefasst und wenn ja, wann? Bin halt ein kleiner Sadist *gg*

Zitat:Vor allem wenn es zu jemandem wie deinem Vater geht. Jemandem, dem Verantwortung ein Fremdwort ist und Pünktlichkeit erst! – Weißt du eigentlich, dass deine Mutter noch leben würde, wenn er nicht zu spät beim Kiosk gewesen wäre?“
Ich finde es nicht richtig, dass er so über ihren Vater herzieht. Er mag ihn hassen, aber das tut man nicht.

Zitat:Und ich, ich habe meinen Vater umgebracht.
Könnte ohne meinen geliebten Papi gar net leben

Zitat:schweigendes, totes Fastfeuer. Vorwärts stolpernd, das Schafott ihrer Herzschläge auf die Fäuste polend, schlug sie zu ...
Deine Worterfindungen sind ja spitze. Mir fällt das nie ein

Zitat:Dabei hatte sie ihm vertraut; sich ihm anvertraut, in den letzten zwei Jahren, in den Gesprächen Mut gefunden.
Was ich nicht so ganz verstehe, ist, woher weiß er, das er ihr Großvater ist?

Zitat:der Schweif in Flammen, auf der Suche
Armes Pferd Icon_nosmile

Zitat:Der Weg vorbei an Bushaltestellen, Spielplätzen, Wohnsiedlungen, als würde sie auf der Asche laufen, die von den vergangenen sechzehn Jahren verblieben war.
Ich dachte sie wäre 19. Jetzt ohne Witz

Deine Geschichte gefällt mir total gut und ich freue mich schon total auf den nächsten Teil.

Viele liebe Grüße und guds Nächtle Persephone


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Beitrag #3 |

RE: Im Regen geboren (4)
Mein liebes Libbi!

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe, als ich die Fortsetzung gesehen habe. Noch vor Amsterdam!Icon_jump Okay, ich muss trotzdem warten mit dem weiterlesen, aber ich durfte mich vorher wenigstens noch auf ein unbekannts Stückchen stürzen. Yeah, Baby!

Startschuss.
Mein Gott, hatte das Gefühl, dass das mit jedem Kapitel abgedrehter wird. Wie eine Welt kurz vom schwarzen Loch - der Sog wird immer schneller, alles dreht sich immer schneller. Man will gar nicht begreifen könne, was da grade passiert, aber man tut es doch. Unweigerlich von der Faszination Chaos angezogen. Der Terrorkuss des Wahnsinns brennt heiß auf Leahs Lippen, während sie verzeifelt versucht, trotzdem den Kopf oben zu halten, die Kontrolle nicht zu verlieren. Ohne zu merken, dass sie ganz tief Innen schon lange verloren hat. Sie sucht nach Halt, bekommt aber nur noch Trümmer zu greifen und dann tritt Chamälion auch noch das letzte bisschen unter ihren Händen weg. Und lächeld ihr dabei auch noch lächelnd ins Gesicht, als wäre die Wahrheit, die er sich baut die einzige, die ein noch eine Berechtigung zur Existenz hat. Er weiß, dass Leah sich auf ihn fokussiert hat, weil sie sonst damit klarkommen müsste, allein zu sein. Verucht, ihr Gedanken anzudrehen, die absolut kaputt sind, einfach nur krass. Und merkt dabei nicht, wie er die Grenzen überschreitet. Er geht zu weit. Nicht einen Schritt zu weit, sondern ein ganzes Leben. Aber trotzdem schafft Leah es nicht, die Distanz zu wahren, um abzuschütteln, was er in ihr Herz gepflanzt hat.
Unbewusst marschieren seine Worte in ihren Kopf ein, beginnen da Nester zu bauen, sich weiter auszubreiten. Ich glaube, Leah braucht ein mentales Luftgewehr, um die Kreaturen abzuknallen, die da in ihr schlüpfen, damit sie wieder leichter atmen kann, leichter weiterleben kann.

Da sind einfach so viele kaputte Menschen. Leah war seit dem Anfang schon ein kleines, zerstörtes Kind, das trotzdem weiterfunktionieren muss. Die Zeit kann man nun mal nicht umbringen, die geht immer weiter und weiter, selbst, wenn man in sich verloren geht. Wenn man anhält. Aus dem Leben fällt. Auch wenn man aus eigener Kraft nicht mehr laufen kann, man wird trotzdem weitergeschoben.
Das Schlimmste ist eigentlich, wenn man die Bewusstlosigkeit besiegen kann - eigentlich eine schöne Leistung. Weil dann steht man plötzlich irgendwo und weiß nicht wo das ist, wie man da hingekommen ist. Hoffe irgendwie, dass Leah nicht zu weit weg geht, dann ist es einfacher, die verlorenen Momente noch in der Nähe.
Und Chamälion... bisher wirkte er nur ein bisschen verrückt, aber in diesem Kapitel wird dann auch klar, dass er kaputt ist. Er versucht irgendwie, sich da rauszuholen, aber was er schafft sind Scheinwelten. Seine Erklärungen sind wirklich erschreckend, noch schlimmer, wenn man weiß, dass er selber daran glaubt. Einfach nur krass, was er da sagt. Unheimlich schön, ja, aber eben krass!

Die Welt, in der diese beiden Menschen untergehen ist eine unglaublich traurige und hoffnungslose. Alles düster und beklemmend, ohne Aussicht, irgendwann die Sterne wieder sehen können. Sonnenstrahlen zu führen. Alles Leben ausgesaugt auf den Boden geschmissen und zertrampelt. Wie soll das denn nur enden? Ich weiß nicht, irgendwie hatte ich bisher immer im Kopf, dass Leah und Chamälion es sicher irgendwie hinkriegen. Aber inzwischen ist die Hoffnung in die Mülltonne geflogen, wo deine Welt schon drin lag (hat sie wenigstens Gesellschaft, die Welt). Keine sonnigen Aussichten mehr. Keine Zukunft. Ich kann da einfach nicht mehr dran glauben.

Egal, wieviel Traurigkeit, wieviel Schmerz - du hast mich wieder einmal mitgerissen, hat mir sehr sehr gefallen. Vielleicht auch grade weil es so eine verdammt kaputte Story ist. Da check ich mal, wie das ist, wenn man die Leute am laufenden Band abstürzen lässt, wie ich das immer mache. Warte mit wachsender Vorfreude auf den nächsten Teil...
Zitat:Weißt du eigentlich, dass deine Mutter noch leben würde, wenn er nicht zu spät beim Kiosk gewesen wäre?“
An der Stelle hätte ich am liebsten geschrieen. Und seinen Kopf so lange gegen die Wand geschlagen, bis er mal überlegt, was er da eigentlich sagt! Ich meine, das ist doch einfach nur scheiße! Wie kann er seiner Enkelin denn so einen Satz an den Kopf werfen??
Zitat:Das Denken vom Fühlen.
Wunderschön formuliert.
Zitat:„Und ich, ich habe meinen Vater umgebracht. Deswegen?!“ Sie wollte zurück, konnte nicht, alles lag offen und war doch verklärt.
Das finde ich irgendwie ein bisschen verwirrend. Ich dachte, das Feuer war ein Versehen gewesen. Hat sie jetzt doch alles angezündet und ihn sterben lassen oder so? Oder sagt sie das nur, weil sie sich die Schuld an seinem Tod gibt?
Zitat:Der Schlag ins Gesicht entknotete ihr die Finger, sie schlug zu, schlug zu, schlug zu, spürte die Abdrücke auf ihrer Wange, taub, noch immer im Laufschritt.
Auf so etwas habe ich die ganze Zeit gewartet irgendwie... ging gar nicht anders, wenn man ihren Zustand so anschaut. Wer immer weiter auf das Nichts zuläuft, kommt da sicher auch irgendwann an. Und jetzt ists vorbei mit Kontrolle, mit sie-selbst-sein. Der endgültige Kollaps... na ja, vielleicht geht es ihr ja ein bisschen besser, wenn sie aufwacht, das wäre schön.

Liebe Grüße,
Lain

Schmetterlinge weinen nicht

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Beitrag #4 |

RE: Im Regen geboren (4)
Hallo Libbi,

der vierte Teil und du feuerst uns Lesern ein wahres Feuerwerk an sprachlicher Spielerei entgegen. Oder nein, vielleicht sollte ich es ein "Sammelsurium schöner Sätze" nennen. Icon_smile Sprachlich-stilistisch übertriffst du dich hier jedenfalls selbst und ich werde es mir sicher nicht nehmen lassen, meine liebsten Sätze zu erwähnen.

Des Rätsels Lösung - und sie ist schrecklich. Chamäleon, der Freund, der Vertraute, der Halt in Leahs Leben (oder zumindest einer) - plötzlich zum Feind mutiert, zu der wispernden, flüsternden Stimme, die so hässliche Worte in Leahs Kopf transportiert hat. So hässliche Worte, dass Leah letztendlich Dummheiten gemacht hat. Mit tödlichen Folgen.
Gut, ganz dicht kann die Kleine vorher schon nicht gewesen sein, die Veranlagung zur Pyromanin war da, auf jeden Fall. Doch vielleicht wäre sie niemals zum Ausbruch gekommen, wenn Chamäleon es ihr nicht eingeredet hätte.
Jetzt verstehe ich auch, wie er schon vorher über sie und ihre Feuerlaune Bescheid wissen konnte. Sie haben drüber geredet. Mehr als einmal.

Chamäleon spuckt auf die Liebe zu seiner Tochter, finde ich. Denn er lässt deren Tochter, seine Enkelin, durch die Hölle gehen. Wo bleibt da die Liebe? Für Chamäleon zählt nur der Ausgleich, die Rache.
Ich hoffe, im letzten Teil passiert ihm etwas. *trotzig*
Arme Leah. Nun ist sie eine Waise. Oh Gott, ich stelle mir gerade vor ... der Großvater wird einer ihrer nächsten Verwandten sein und Leah ist minderjährig ... was, wenn sie zu ihm muss?!
Bitte lass es offen, falls es so sein sollte ... Das würde sie nicht überstehen. Spätestens in einem Jahr ist sie in der Klap(p?)se.

Ich frage mich, was jetzt noch kommen wird, und ich sage dir, wie ich es am liebsten hätte: Leah hat sich zwar im Datum geirrt, aber der Vater war trotzdem nicht daheim. Und ist am nächsten Morgen nicht nicht zur Arbeit gekommen, weil er tot ist, sondern weil er sich um die Brandfolgen kümmern musste.
Okay? Bitte ... Icon_nosmile

Zum Text:

Zitat:Chamäleon blieb stehen und bewegte sich doch, wie ein Fähnlein, das in Gedanken in eine Richtung trieb und in Wirklichkeit an einer Stelle verharrte.

Ich würde "und doch bewegte er sich" schreiben, aber - wie wohl das meiste, was ich dir hier vorschlagen werde - einzig aus einem Gefühl heraus.

Zitat:Jemandem, dem Verantwortung ein Fremdwort ist und Pünktlichkeit erst!
Aus einem Gefühl heraus: "und Pünktlichkeit erst recht!". Oder einen Gedankenstrich vor "und" - den hast du aber gleich danach auch schon.

Zitat:Weißt du eigentlich, dass deine Mutter noch leben würde, wenn er nicht zu spät beim Kiosk gewesen wäre?“ Sie versuchte, ihre Finger aus seinem Griff zu lösen, klammerte sich mit ihrem Geist an eine Möglichkeit, sich von Chamäleon zu entfernen, um nicht länger zuhören zu müssen. Doch seine Kraft überstieg ihre um einiges, um viel zu viel.
„Sie hätten das Bier längst getrunken haben können, mit dem er sich für was auch immer entschuldigen wollte. Haben sie aber nicht, da kam ein kleines Feuer dazwischen.“
Die Stelle, wird, finde ich, nicht ganz klar.
Der Vater war am Kiosk, mit jemandem ein Bier trinken, während die Mutter zu Hause in einem Feuer ums Leben kam?
Oh, das ist aber gut. Vielleicht deshalb Leahs Hang zum Feuer!
"Sie hätten das Bier längst getrunken haben können" - wer sind "sie"? Vielleicht konkretisieren, auch das mit der Entschildigung. An wen? Wofür?
Sonst könnte man das missverständlicherweise mit der Mutter in Verbindung bringen, finde ich.

Zitat:Jeder ihrer Herzschläge glich einem Schafott, das den Kopf vom Hals abtrennte. Das Denken vom Fühlen. Bis nur noch ziellose Schläge ihre Brust durchfuhren und ihre Gedanken leer bluteten.

Wow ...

Zitat:Der Geschmack von Wörtern haftete in ihrem Mund.
Wow-er!

Zitat:„Was redest du eigentlich? - Du hast nichts gegeben! Du hast nur genommen! Was willst du bekommen? Das ist doch Schwachsinn! Schwachsinn ist das!“
Allerdings. Der Schwachsinn eines Geisteskranken. So vernünftig ist sie also noch, dass sie das erkennt und ihm widerspricht. Dennoch habe ich kaum Hoffnung für ihr Seelenheil.

Zitat:Der Weg durch das Feuer ist der einfachste.
Über den Satz werd ich noch mal nachdenken müssen ... Ich find ihn toll, aber ich weiß nicht, ob ich ihm zustimme oder ihm widersprechen will.

Zitat:Er verschwand, geistgleich, der letzte Lebende ihrer Familie.
Oh nein ... *Angst* Das spricht für meine Befürchtung von oben ...

Zitat:Hinein in das Nichts, das geblieben war, in eine blinde Welt. Auge um Auge Menschen verloren, Hoffnung verschenkt und jetzt ohne Gegenwart laufend.

Hier bist du richtig in Fahrt gekommen, oder? So viele tolle Sätze und Formulierungen ab der Stelle ...

Zitat:Der Schlag ins Gesicht entknotete ihr die Finger, sie schlug zu, schlug zu, schlug zu, spürte die Abdrücke auf ihrer Wange, taub, noch immer im Laufschritt. Schwere bemächtigte sich ihrer Füße, doch die Kraft reichte, bis ihre Gedanken wieder bei Null standen.

Das ist richtig anschaulich geschrieben und es hat mir eine Gänsehaut vor Mitleid verpasst. Arme kleine Leah.

Zitat:Zurückgespult an den Anfang brach sie zusammen.

Zurückgespult an den Anfang sehen wir Leser ins Feuer ...?

Richtig toll. Was ganz anderes von dir, aber die Schönheit ist geblieben.
Freue mich auf den nächsten Teil und bin gleichzeitig traurig.

Lieben Gruß,

Lilly


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Beitrag #5 |

RE: Im Regen geboren (4)
Hallo ihr drei,

ich freue mich gerade wie ... nee, da fehlt mir der Vergleich, auf jeden Fall freue ich mich total, dass ihr so schnell weitergelesen und gleich ein paar (und ein paar mehr) Zeilen dagelassen habt.
Vielen Dank dafür! :D

zu Persephone:
Klasse, die einmalige Chance und gleich genutzt.
Zitat:und ich stelle mir jedesmal die Frage, Wird sie je gefasst und wenn ja, wann? Bin halt ein kleiner Sadist *gg*
Na, schau mal, es grade mal ein Tag vergangen. Ich unterstelle den Suchenden einfach mal, dass es nicht immer so schnell geht wie im Tatort (also innerhalb von höchstens achtzig Minuten, weil dann die Sendezeit vorüber ist; abgerechnet zehn Minuten Vorspann und Rumgeplänkel ... Mord und so).
Zitat:Ich finde es nicht richtig, dass er so über ihren Vater herzieht. Er mag ihn hassen, aber das tut man nicht.
Ja, da hast du vollkommen Recht. Aber man redet Mädchen, die zerstörerisch veranlagt sind (Pyromanie, wie Lilly mir beibrachte, aber bei Leah nicht nur auf Feuer bezogen), auch nicht ein, dass es sich besser anfühlt hinterher. Insofern ist es in diesem Fall auch egal - nein, oder eher: Es gehört zu seinem Ausgleich. Es geht da überhaupt nicht um Leah.
Zitat:Könnte ohne meinen geliebten Papi gar net leben
Ja. Ich hab überlegt, ob sie da was anderes sagen soll; ob sie trauriger werden soll. Aber sie wollte nicht.
Zitat:Deine Worterfindungen sind ja spitze. Mir fällt das nie ein
Dankeschön Mrgreen
Chamäleon weiß, dass er der Großvater ist, weil er wohl wusste, dass seine Tochter ein Kind hat. Nur dass er mit der Familie nicht gesprochen hat - wegen des Vaters. Und woran er sie erkannt hat: Denk dir was aus, vielleicht hat sie ihm ihre Geschichte erzählt und da hat er es gemerkt.
19? Ich hatte Leah anfangs auch in der Richtung; aber dann kam von allen Seiten, das wäre zu alt und sie müsste doch ... Gedanken zu kindlich sonst, deswegen hab ich sie ein bisschen runtergesetzt.
Schön, dass es dir weiter gefallen hat! Icon_smile

zu Lain:
Und wieder so tief rein in Leah ... als ich deinen Kommi gelesen habe, musste ich erstmal schauen, wann du ihn geschrieben hast - weil er so nach Selbstschreibstimmung klingt, zum Beispiel: "Der Terrorkuss des Wahnsinns brennt heiß auf Leahs Lippen" Ja, genau das. Ganz genau das! Toll gesagt Icon_smile.
Zitat:Ich glaube, Leah braucht ein mentales Luftgewehr, um die Kreaturen abzuknallen, die da in ihr schlüpfen, damit sie wieder leichter atmen kann, leichter weiterleben kann.
Ja, das wäre etwas - aber was bringt das jetzt noch? Es ist zu spät. Die Körperhülle ausgebrannt, Blut fließt zurück ins Nichts und irgendwo dazwischen pocht mittlerweile die Gewissheit, was der Fehler war. Zu viel geglaubt, zu früh geglaubt, nachgegeben. Worte sind so groß; und hier nichts als leere Luft. Geradeso Chamäleon verstanden, aber was bringt das noch? Wie eine Ideologie, die untergeht.
Zitat:Hoffe irgendwie, dass Leah nicht zu weit weg geht, dann ist es einfacher, die verlorenen Momente noch in der Nähe.
Ja, mal sehen, wohin sie kommt. Ich denke, die wichtigsten Momente sind geblieben, die, die sich irgendwann mit Traumfetzen vermischen und die Vergangenheit ausmalen, zu etwas Wunderbarem, das es nie war.
Zitat:Aber inzwischen ist die Hoffnung in die Mülltonne geflogen, wo deine Welt schon drin lag (hat sie wenigstens Gesellschaft, die Welt).
Was für ein schöner Gedanke. Die Hoffnung und die Welt liegen in der Mülltonne und spielen Mikado - wer zuerst zappelt muss Brötchen holen.
Zitat:Da check ich mal, wie das ist, wenn man die Leute am laufenden Band abstürzen lässt, wie ich das immer mache.
Ja, ich versteh auch nicht ganz, wie du das durchhältst, die müssen doch wenigstens zwischendurch mal auf die Mondsichel klettern, bevor sie wieder ins Bodenlose fallen. Die Mondsichel war Chamäleon - und am Ende leider Neumond. Pech gehabt.
Zitat:Ich dachte, das Feuer war ein Versehen gewesen. Hat sie jetzt doch alles angezündet und ihn sterben lassen oder so?
Sie wollte das Feuer legen, etwas zerstören, im Haus (das Haus). Aber sie wollte ihren Vater nicht umbringen, das war das Versehen.
Zitat:Der endgültige Kollaps... na ja, vielleicht geht es ihr ja ein bisschen besser, wenn sie aufwacht, das wäre schön.
*lacht* Das klingt wie: Als würde sie sich danach besser fühlen, sie soll mal schön ohnmächtig bleiben, da steht sie außer sich, da geht's ihr am besten, da kriegt sie's nicht mit, da kann sie sich ihre Welt bauen und die Hoffnung geht Brötchen holen.
Deine Gedanken sind toll.

zu Lilly:
Zitat:Sprachlich-stilistisch übertriffst du dich hier jedenfalls selbst und ich werde es mir sicher nicht nehmen lassen, meine liebsten Sätze zu erwähnen.
*freu* Ich hatte sprachlich-stilistisch auch meinen Spaß an diesem Teil. Ausweglosigkeit und Zusammenbruch sind so facettenreich Mrgreen Schade, dass ich nicht grundlos über sowas schreiben mag *g.
Zitat:So hässliche Worte, dass Leah letztendlich Dummheiten gemacht hat. Mit tödlichen Folgen.
Schön. Ja, Dummheiten, wobei es in ihr liegt - das sieht man auch an den ersten Teilen (hoffe ich); sie hat diese Wut in sich, polt sie auf anderes, zerstört das Sandhaus im ersten Teil, scheinbar mutwillig, schlägt auf Chamäleon ein und da sind noch ein paar. Aber genau, in diesem Ausmaß wäre das nicht passiert, hätte Chamäleon nicht seine Finger im Spiel gehabt. Und das ist auch schon alles - die ganze verwirrende Geschichte: Er hat es ihr solange eingeredet, bis sie soweit war, es zu tun. Und ihr findet Möglichkeiten ... Icon_wink
Zitat:Für Chamäleon zählt nur der Ausgleich, die Rache.
Ich hoffe, im letzten Teil passiert ihm etwas. *trotzig*
*lacht* Immerhin schlägt Leah nicht nach ihm (keine Rache ...) Aber Lil, es kommt der Ausstieg und wir sind wieder am Anfang.
Zitat:Oh Gott, ich stelle mir gerade vor ... der Großvater wird einer ihrer nächsten Verwandten sein und Leah ist minderjährig ... was, wenn sie zu ihm muss?!
Ja, voll geil, dass ihr mir eingeredet habt, dass sie noch nicht erwachsen ist Icon_fies
Zitat:Leah hat sich zwar im Datum geirrt, aber der Vater war trotzdem nicht daheim. Und ist am nächsten Morgen nicht nicht zur Arbeit gekommen, weil er tot ist, sondern weil er sich um die Brandfolgen kümmern musste.
Okay? Bitte ...
Das ist genauso wie Zeit zurückspulen. Vor 24 Stunden ist das und das passiert, vor 48 das; vor so und so viel Wochen haben wir uns getroffen, usw. Aber mal ehrlich, wenn's so ausgehen würde, dann würdest du mit der Pfanne nach mir schlagen. Aber wenn du magst: Lies einfach das Ende nicht und dann ist es so.
Zitat:Der Vater war am Kiosk, mit jemandem ein Bier trinken, während die Mutter zu Hause in einem Feuer ums Leben kam?
Der Vater wollte sich mit der Mutter in einem Kiosk (in meiner Vorstellung im Rosengarten, aber das habe ich nicht reinbekommen, dachte, das wäre dann auch zu viel des Guten) treffen, um sich für irgendwas zu verabschieden. Er kam zu spät, ein Feuer ist ausgebrochen und die Mutter gestorben. Chamäleons Sicht: Wäre er früher da gewesen, wären sie schon weg gewesen. Neutrales Kommentar: Oder beide tot.
Ich versuche das ein bisschen deutlicher zu machen.
Zitat:Der Weg durch das Feuer ist der einfachste.
Ich find ihn toll, aber ich weiß nicht, ob ich ihm zustimme oder ihm widersprechen will.
Ist die Basis von Chamäleons Argumentation. Kurz und schmerzlos, sozusagen.
Wobei ich der Meinung bin, dass das bei vielen Dingen funktioniert. Nur irgendwo hört's dann auch auf. So, und hier hör ich auf, sonst quassel ich mich noch total fest *g.
Zitat:Hier bist du richtig in Fahrt gekommen, oder? So viele tolle Sätze und Formulierungen ab der Stelle ...
Jaaaa :D
Zitat:Richtig toll. Was ganz anderes von dir, aber die Schönheit ist geblieben.
Danke, das freut mich richtig, richtig doll. Dass die Konstruktion aufgegangen ist. Und es gefällt, so gut *strahl*
Deine beiden Vorschläge les ich mir gleich in aller Ruhe laut vor *g. Danke auch dafür Icon_smile.

Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
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Beitrag #6 |

RE: Im Regen geboren (4)
Hallo Libbi,

zu Teil 4 kam ich gestern nicht mehr, also heute.

Der Großvater, Chamäleon, ist für mich einfach nur egoistisch. Wie kann man nur so mit seinem Enkel umgehen. Eigentlich hat er sie nur benutzt. Von dem Geben und Nehmen von dem er spricht, merke ich genauso wenig wie Leah. Im Gegenteil, er hat wirklich nur genommen und jetzt auch noch ihren Vater, da er Leah so beeinflusst hat, dass sie das Haus anzündet.

Zitat:„Vor allem wenn es zu jemandem wie deinem Vater geht. Jemandem, dem Verantwortung ein Fremdwort ist und Pünktlichkeit erst! – Weißt du eigentlich, dass deine Mutter noch leben würde, wenn er nicht zu spät beim Kiosk gewesen wäre?“

Es klingt für mich wie eine Art Rache und dass er Leahs Vater noch nie leiden konnte und nach dem Tod seiner Tochter erst recht nicht mehr. Ich höre nur Verachtung heraus.

Zitat:„Weißt du, Leah, seit ich dich gefunden habe, wusste ich, dass du der Schlüssel zu meinem Kind bist.“

Purer Egoismus. Er sieht in ihr nicht seine Enkelin, sondern versucht seine Tochter in ihr zu sehen. Wie es Leah dabei geht, scheint ihm irgendwo egal zu sein. Das bestärkt mich alles eigentlich nur in der Annahme, dass er sehr gefühlskalt ist.

Zitat:„Dass du mir die Unruhe nehmen würdest. Ein Mensch für einen anderen und dann ist es in Ordnung.“

Sowas ist nie in Ordnung. Das nennt man Selbstjustiz und die findet nie ein Ende.

Ein kurzes Kapitel, aber inhaltlich sehr stark. Der Schlussteil ist wieder ganz Libbi.

Zitat:Der Weg vorbei an Bushaltestellen, Spielplätzen, Wohnsiedlungen, als würde sie auf der Asche laufen, die von den vergangenen sechzehn Jahren verblieben war.
Kann ich darauf schließen, dass sie 16 ist, oder liege ich da völlig falsch?

Leah tut mir wirklich leid, weil ich dachte, dass Chamäleon ihr helfen könnte, aber das Gegenteil ist der Fall. Er macht alles nur noch schlimmer, lässt sie noch weiter abstürzen. Jetzt bleibt ihr wirklich nichts.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Liebe Grüße

Shaddowangel

"Unsere Blicke folgten den Möwen. Wie sie würden auch wir irgendwie am Leben bleiben. Wie ihnen ist auch uns ein Himmel bestimmt, der uns auf ewig Zuflucht und Heimat sein wird." (die letzten Zeilen aus "Harlans Endspurt" von Patricia Nell Warren)
Mehr über mich und meine Werke.

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Beitrag #7 |

RE: Im Regen geboren (4)
Hi Libertine,

vierter Teil, wortgewaltig wie immer.

Und: Kommissar Teja hatte recht. Chamäleon ist der Anstifter und eigentliche Meuchelmörder. Leah war nur das Werkzeug. Gut so.

Schön geschrieben, ich hatte das Gefühl, dass dieser Teil nicht ganz so bildüberladen war und das hat dem Lesefluss und mitdenken geholfen.

Okay, wann geht’s also weiter?

Ich stell mir das jetzt so vor:

Leah wartet, bis der Alte ruhig und zufrieden schläft und zieht dann die Zündhölzer aus der Tasche (ich glaub die hat sie noch dabei) und fackelt das Haus ab, in dem er schläft. Und dann schiebt sie die Schuld auf … hm … nein, sie schleicht sich rein, zündet eine Kerze an und stellt sie auf den Wohnzimmertisch, dann erst fackelt sie das Haus ab indem sie den Wohnzimmertisch anbrennt und behauptet hinterher, dass er immer mit einer brennenden Kerze im Wohnzimmer geschlafen hat. Dann können die Brandermittler nur finden, was zur Aussage passt.
Sie muss nur aufpassen, dass sie die Streichhölzer entweder neben die Kerze legt oder verschwinden lässt. Und keine Fingerabdrücke hinterlassen.
Ich hör dann ma besser auf …


Zitat:„Weißt du, Leah, es ist nicht leicht, das einzige Kind loszulassen, das man hat.
Was ist denn das für einer? Das hat doch schon milliardenfach geklappt …

Zitat:dem Verantwortung ein Fremdwort ist und Pünktlichkeit erst
Hihi. Hm. Ähm. Willst du das Pünktlichkeit nicht durch etwas anderes ersetzen? Die Pünktlichkeit, die er hier als seine Co-Motivation für die Anstiftung zum Mord nennt, passt eigentlich nicht zu ihm. Klar, in der Malerhose und das alles kann gespielt gewesen sein, aber Pünktlichkeit als Mord-Motiv? Das zieht es etwas ins Lächerliche.

Zitat:Ein Mensch für einen anderen und dann ist es in Ordnung.

„Aber das geht nicht.“ Jetzt schaffte sie es, sich aus seinem Griff zu lösen und taumelte ein paar Schritte nach hinten. „Sie ist nicht zurück gekommen.“
Das ist so richtig klasse. Den Sinn des Bibelspruchs verdreht und ausgesprochen und recht gehabt. Super.

Zitat:nicht länger anwesend, nur eine Spielfigur, eine Spielfigur.
Ähm … ich würde nach dem ersten ‚Spielfigur’ einen Punkt setzen, sonst hielte ich es für eine Wortwiederholung bzw. verstehe den Satz nicht.

So, ich wünsch dir was.

CU,
Teja


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Beitrag #8 |

RE: Im Regen geboren (4)
Hallo ihr zwei!

Danke. :D

zu shaddow:
Zitat:Er sieht in ihr nicht seine Enkelin, sondern versucht seine Tochter in ihr zu sehen.
Ja, oder einen Weg hin zu ihr, ein Mittel. Sieht die Züge seiner Tochter in ihr und wird weich, nur um dann wieder jedes Gefühl abzulegen, als er ihr in die Augen blickt. Kein Mensch, mit dem ich gern verwandt wäre. Aber was die Verbitterung aus einem macht ...
Zitat:Sowas ist nie in Ordnung. Das nennt man Selbstjustiz und die findet nie ein Ende.
Genau. Wobei es ein sehr eigener Fall von Selbstjustiz ist. Wer würde ihr glauben, statt sie direkt zum Psychiater zu schicken?
Wobei sie den nach der ganzen Sache wahrscheinlich so oder so nötig hat.
Zitat:Der Schlussteil ist wieder ganz Libbi.
:D ich musste einfach.
Zitat:Kann ich darauf schließen, dass sie 16 ist, oder liege ich da völlig falsch?
Sie ist sechzehn. Wie alt hast du sie dir vorgestellt?
Jetzt kommt nicht mehr viel, es muss nur noch ein Ende drunter stehen.

zu Teja:
Zitat:Kommissar Teja hatte recht. Chamäleon ist der Anstifter und eigentliche Meuchelmörder. Leah war nur das Werkzeug. Gut so.
Gut so? *grinst* Ja, Kommissar Teja hat ganze Arbeit geleistet! *Däumchen hoch*
Zitat:ich hatte das Gefühl, dass dieser Teil nicht ganz so bildüberladen war und das hat dem Lesefluss und mitdenken geholfen.
Interessant, dabei sind hier die - für mich - stärksten Bilder drin, die, die ich mit der Geschichte verbinde (Herzschlägeschafott und Pferdeschweifbrand). Und am Ende auch eine geballte Ladung. Ich übe weiter, okay?
Es geht am Wochenende zu Ende. Den Ausstieg habe ich neu geschrieben am Wochenende, deswegen muss der warten, bis es wieder Samstag ist und ich sicher sein kann, dass ich selbst ein bisschen Abstand dazu habe. Sonst ist das noch zu frisch, zu leserbeugsam *g.
Du bietest mir übrigens gerade die vierte Variante eines Endes an (zwei hab ich, eine Lilly, eine du). Tja. Vielleicht mache ich ein Do it yourself draus.
Zitat:Was ist denn das für einer? Das hat doch schon milliardenfach geklappt …
Jeder fängt bei null an.
Zitat:Hihi. Hm. Ähm.
Nicht so schüchtern, was ist denn dein Problem, ah:
Zitat:Willst du das Pünktlichkeit nicht durch etwas anderes ersetzen?
Das geht nicht. Auf Unpünktlichkeit basiert sein Rachegrund, weil der Vater zu einer Verabredung mit der Mutter zu spät gekommen ist und sie deswegen bei einem Brand ums Leben gekommen ist. Es ist also begründet; und ich hoffe, nicht lächerlich *g.
Zitat:Das ist so richtig klasse. Den Sinn des Bibelspruchs verdreht und ausgesprochen und recht gehabt. Super.
Danke Icon_smile Weißt du, wie lange ich überlegt habe, welchen Bibelspruch du meinst? Zugegeben, ich bin sehr bibellocker. Auge um Auge - meinst du, nicht? Cool, den hab ich sogar drin.

Schön, dass ihr Leah bis hierhin begleitet habt Icon_smile.
Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
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Beitrag #9 |

RE: Im Regen geboren (4)
Hallo Libbi,

so, früher ging es nicht und wie ich sehe, hast du den Ausstieg auch schon online gestellt. Dann mal los, ich hoffe beides geht sich heute noch aus.

Zitat:Meistens war Vertrauen wie ein doppelter Boden. Leah stand sicher, doch jemand schnippste und der Sturz in die Tiefe begann von vorn.
Gefällt mir sehr sehr gut!
*schnipste – Word sagt mit einem „p“

Zitat:„Weißt du, Leah, es ist nicht leicht, das einzige Kind loszulassen, das man hat.“ Die Muskeln seiner Hand spannten sich noch ein Stück an. „Vor allem wenn es zu jemandem wie deinem Vater geht. Jemandem, dem Verantwortung ein Fremdwort ist und Pünktlichkeit erst recht! – Weißt du eigentlich, dass deine Mutter noch leben würde, wenn er nicht zu spät beim Kiosk gewesen wäre?“
Und hier klärt sich dann "alles" auf. Jedenfalls der wirklich interessante Teil. Klarheit. Bilder - Weil er nicht wusste was Pünktlichkeit heißt! Ja - sehr gut gemacht. Die Geschichte ist bis hierhin sehr gut aufgebaut, da du es erfolgreich geschafft hattest, den Leser hierher zu führen. Mit seinen Gedanken und Vermutungen und nun stehen wir hier. Vor einem Seelenkranken Mann, der das einzige zerstört, dass ihm von seiner Tochter noch geblieben ist. Leah.

Zitat:Erfüllte Verachtung. Dann rückte ein Grinsen zwischen seine Mundwinkel. „Und jetzt ist er verbrannt, wie sie. Nur dass er wahrscheinlich schon geschlafen hat. Nichts als Asche ist geblieben.“ Wieder griff er in seine Hosentasche, zog eine Zigarette heraus und wog sie wie ein Stück Gold in der Hand. Seine Augen verloren sich am Ende des Filterpapiers. „Nichts als Asche.“
Ja - ich kann ihn verstehen. Chamäleon gefällt mir. Da haben wir Hass und in Wahrheit auch Schmerz, der zu einer Mücke geworden ist, verdrängt durch Rachegefühle, durch die Liebe zu seiner Tochter. Projiziert auf Leahs Vater, der durch Leah gestorben ist. Der perfekte Mord. Ich überlege gerade. Eigentlich könnte man ihn doch verurteilen.
Anstiftung zum Brand und fahrlässiger Todschlag. Im schlimmsten Falls, sogar Mord. "So gut durchdacht ist das gar nicht, du Penner!" *- Sternchen zu Opa schreit*

Zitat:„Weil sie jetzt füreinander da sind. Das ist eine andere Ebene von Austausch, aber es ist eine. Etwas geben und etwas nehmen. Anders funktioniert das nicht.“
Krank, krank, krank. Jupp, ein kranker, alter, ausgelaugter, von Hass erfüllter, dummer Verlierer. Wie gesagt, den Char. hast du toll entwickelt, ich mag ihn sehr. Gut gemacht!

Zitat:Er zuckte mit den Schultern. „Hast du Feuer, Leah?“ Ihr die Zigarette entgegen haltend.
Icon_lachtotIcon_cuinlove:icon_thumbs1:

Zitat: Leahs Hand schnellte nach vorn. Sie entriss ihm den Glimmstängel und warf ihn zu Boden; stampfte mit beiden Füßen darauf ein, als wäre er Chamäleon, schweigendes, totes Fastfeuer.
Gefällt mir gut, klingt komisch, aber passt zur Geschichte.

Ein sehr schöner Teil und hier klärt es sich und zwar alles. Mehr kann man nicht erwarten. Leah liegt am Boden. Opa hat was er will. Noch vor dem Ende, wird er wissen, was er in Wahrheit geopfert hat, um seinen Rachedurst zu stillen. Meist, spätestens dann wenn so ein Mensch im Sterbebett liegt, wird er sich bewusst, wie schön es wäre, wenigstens einen zu haben, der einem so etwas wie Liebe entgegenbringt. Seine Tochter hat er jedenfalls enttäuscht. Sie womöglich schlimmer verletzte, als alle anderen - wenn sie noch sehen könnte. Dummer, dummer Mensch.
Leah ist am Ende und das ganz verständlich, hier gehört sie hin. Auf den Boden, in den Staub, am besten ein Loch buddeln und sich verstecken. Verbergen vor dem Leben und dieser Grausamkeit, irgendwohin, an einen verdammt dunklen und Stillen Ort. Nichts sehen, nichts hören. Stille und verdammt schöne Dunkelheit.
- Ich könnte mir vorstellen, dass sie so fühlen würde.

Ein schöner Teil, es gibt nichts zu meckern. Ausstieg kommt nun und ich bin gespannt, was ich zu erwarten hab. Bis hierhin - ein gaaaaanz großes Lob. Du hast eine schöne Geschichte aufgebaut. Der tiefste Char. war ganz klar Chamäleon, ob du wolltest oder nicht. Von Leah gab es immer nur ein Gefühl. Trauer. Manchmal auch Wut, aber eigentlich hast du immer nur in Elend geblickt. Der Opa, war die schön berechnende Seite. Wie Schwarz und Weiß. Die Mischung ist dir gut gelungen und die Idee, bzw. Geschichte hast du schön umgesetzt.

Ganz großes Lob also. Für mich endet hier die Geschichte. Jedenfalls frei nach meinen Gefühl. Ich bin gespannt was du als Ausstieg genommen hast, mit der Handlung an sich, wird es nichts mehr zu tun haben können.

Zwei Daumen hoch!
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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Beitrag #10 |

RE: Im Regen geboren (4)
Hallo Sternchen!

Schön, dass du zu Ende gelesen und kommentiert hast! *freu*

Ich bin ja ganz erleichtert, wie du die Auflösung aufgenommen hast. Es ging dir also nicht vollkommen gegen den Strich und hast du gemerkt, wie nah du die ganze Zeit dran warst?
"schnipsen" geht beides, aber mit einem p ist schöner, hast Recht.
Zitat:Chamäleon gefällt mir. Da haben wir Hass und in Wahrheit auch Schmerz, der zu einer Mücke geworden ist, verdrängt durch Rachegefühle, durch die Liebe zu seiner Tochter. Projiziert auf Leahs Vater, der durch Leah gestorben ist. Der perfekte Mord. Ich überlege gerade. Eigentlich könnte man ihn doch verurteilen.
Ja, natürlich könnte man ihn verurteilen - Anstiftung zu Vandalismus mit Todesfolge oder so etwas. Aber es muss Leah erst einmal jemand glauben, dass es so gewesen ist. Wie du sagst: der perfekte Mord. Wobei er auch echt ... Glück gehabt hat - wäre Leah etwas besser auf der Spur gewesen, naja.
Zitat:Wie gesagt, den Char. hast du toll entwickelt, ich mag ihn sehr. Gut gemacht!
:D :D
Zitat:Gefällt mir gut, klingt komisch, aber passt zur Geschichte.
*lacht schallend* "Klingt komisch, is aber so."
Zitat:Nichts sehen, nichts hören. Stille und verdammt schöne Dunkelheit.
- Ich könnte mir vorstellen, dass sie so fühlen würde.
Ja, das passt ganz gut. Nichts mehr sehen, nichts mehr fühlen, ihr Kopf vergisst - alles und sich selbst. Und sie läuft eben dazu, damit sie etwas zu tun hat, läuft rückwärts, bis alles verschwunden ist. Die Erinnerung in einem tiefen schwarzen Loch und der Rest - nur noch Hülle.
Zitat:Der tiefste Char. war ganz klar Chamäleon, ob du wolltest oder nicht. Von Leah gab es immer nur ein Gefühl. Trauer.
Ja, im Nachhinein. Das ist auch okay. Viel etwas anderes kann Leah auch nicht fühlen, oder? Vielleicht ein bisschen Geborgenheit, als sie ihn im Bus trifft, aber da ist ja schon die Befürchtung, er hätte doch ...
Zitat:Für mich endet hier die Geschichte.
Für mich auch. Deswegen konnte ich mich lange nicht entscheiden, ob ich überhaupt einen Ausstieg schreiben sollte und wenn ja, wie der aussieht. Denn ich wollte keinen Leser an diesem Ende stehen lassen. Alles im Boden, alles auf Null. Da hätte mir dann noch der Schlussakkord gefehlt. Wenigstens ein kleines Weiter, denn Figuren im Boden versinken lassen, das bring ich einfach nicht Icon_wink.

*freut sich noch ein bisschen*
Liebe Grüße,
Libertine

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