Es ist: 21-10-2021, 00:15
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Im Regen geboren (Ausstieg)
Beitrag #21 |

RE: Im Regen geboren (Ausstieg)
Hi libbi!
Endlich also zum Ausstieg ... ich freu mich schon richtig!^^

Zitat:Leah fühlte sich wie ein Strichmännchen, dessen Rückgrat am Hals abgeknickt war.
Mit was für einem Bild du schon wieder beginnst Icon_wink toll!

Zitat:Mühsam öffnete sie die Lider erneut und erblickte ein Wohnhaus vor sich, dessen Fassade tiefschwarz gefleckt war.
Sie ist also "nach Hause" zurückgekehrt ...

Zitat:In einer Pfütze neben ihr trieb ein Zigarettenstummel, räkelte sich für Sekunden in der Morgensonne und ging unter.
Für mich ein geniales Bild ... Die Zigarette, im vorherigen Teil ganz klar ein Zeichen für Feuer (Fastfeuer), für Chamäleons Sieg, geht unter in einer Pfütze ... im Wasser das der Regen hinterlassen hat. Der Tod geht unter, das Leben setzt sich durch? Der Knackpunkt? Geht es jetzt endlich wieder aufwärts für Leah?

Zitat:Sie legte eine Hand in das Wasser und spürte den Staub aus ihren Poren kriechen.
Am Anfang war der Qualm in ihren Poren ... ob der wohl auch zu Staub geworden ist und mit rauskriecht?

Zitat:In ihren Gedanken malte sich eine Puppe in ihren Arm
Ah, die namenose Puppe? Die niemals einen Namen bekommen wird ...

Zitat:Dann ein Gutenachtkuss und vor dem Fenster das Licht einer Straßenlampe, halbmondgleich.
Leahs Erinnerungen rufen bei mir eine traurige, fast schon melancholische Stimmung hervor ... die ganze Szene ist melancholisch-grau ... und irgendwie betäubt, ja müde ... Leah hat genug.
Zitat:Für immer nicht mehr.
Was will man mehr dazu sagen?

Zitat:Ob, und was wenn, sie doch wieder aufwachte? Ob, und was wenn, sie doch jemand sah? Ob, und was wenn, sie doch nicht verschwand.
Das ist die Frage ... hofft sie nicht vielleicht sogar, dass sie gefunden wird? Warum sonst, sollte sie genau vor dem Haus sitzen? Wo, wenn nicht dort, wird man sie suchen?

Zitat:Tiefbraunes Haarkleid, schwarzer Trauermantel. Das fremde Gesicht beugte sich zu ihr hinunter.
Einerseits ein fremdes Gesicht ... andererseits der Trauermantel ... vielleicht wegen dem Tod des Vaters? Vielleicht eine entfernte Verwandte von Leah?

Zitat:Ihr wurde aufgeholfen; ein Mantel über den Schultern drückte ihre Gedanken auf den Boden der Tatsachen. Dann führte die Fremde sie fort, ihre Füße folgten nach. Weil Stillstand Tod wäre.
Ein sehr schönes Ende ... ja schön ist das richtige Wort ... in sich rund und gleichmäßig und etwas traurig. Doch Stillstand ist Tod und Bewegung ist Leben ... es muss weiter gehen, immer weiter. Leahs Schicksal kippt in die Lebensrichtung ... aber ich finde es ist klar, dass sie sich schon entschieden hat, zumindest innerlich, unterbewusst, denn sie wartet, will verschwinden, aber verschwindet nicht, will vielleicht doch gefunden werden?

Fazit:
Wow, deine Geschichte hat mich wirklich beeindruckt ... und es hat echt Spaß gemacht sie zu lesen! Vieles war angelegt, lag da, verborgen unter der Oberfläche, aber wenn man genau gelesen hat, dann öffnete sich einem ein unglaublich farbiges Bild. Von Leah und ihrer Gedanken- und Gefühlswelt, aber auch von ihrer Beziehung zu den Mitmenschen.
Seltsam ist eigentlich, dass die Handlung, das Feuer, schon vorbei ist, wenn deine Geschichte beginnt ... aber eigentlich brennt es doch die ganze Zeit in Leah. Verschwindet vielleicht manchmal kurz in der Asche, aber nur um wieder entfacht zu werden ... erst ganz am Ende verlischt es endlich ...
Eine wahre Tragödie spielt sich da ab, das Feuer am Anfang greift um sich erfasst eine ganze kleine Welt (bzw dem Leser wird nach und nach bewusst, dass sie in Flammen steht), die als Asche über Leah zusammenbricht, aber letztendlich kann auch diese Asche fortgespühlt werden Mrgreen

Dein Schreibstil hat mir auch sehr gefallen. Teilweise unglaublich eindringliche Bilder, die über geniale Wortspielereien eingeflossen sind. Und dann noch so schön verschlüsselt, ohne unverständlich zu sein.
Selten so wenig zu meckern gehabt! Icon_wink
Eine tolle Geschichte. Sehr gerne gelesen!

Ps. schade das ich mich jetzt auf keinen nächsten Teil mehr freuhen kann Icon_wink

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

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Beitrag #22 |

RE: Im Regen geboren (Ausstieg)
Hallo Adsartha,

und schon zum letzten Mal ...
Mein Dank an dich für deine Kommentare und die Anregungen! An ein paar Stellen hast du ja doch noch etwas herauslupen können Icon_smile

Zitat:Wehe, du tust der armen Leah jetzt noch was. Und dieser Opa, den will ich bestraft sehen. Und sowieso, kann es kein Happy End geben? Alles nur ein böser Spuk?
Sonst noch was?! Wie wäre es mit: Chamäleon kommt nochmal vorbei, drückt ihr eine Pistole in die Hand, sagt: Da sind Platzpatronen drin, aber probier ruhig mal aus, was sie dann auch tut und die ganze Welt ist tot ...
Mrgreen Kann es kein Happy End geben?
Zitat:Der Backstein massierte ihren Hinterkopf.
- cool, son Haus will ich auch.
Ja, das wär's mal *g*
Über das Lob zu den zwei Stellen freu ich mich, natürlich Icon_smile

So, und jetzt zum Ende:
Ja, es ist ein sehr offenes Ende, aber etwas anderes hätte hier nicht gepasst. Das einzig Abschließende wäre ihr Tod gewesen und damit wäre ich beim besten Willen nicht zufrieden gewesen - alles andere muss so offen sein, und ein paar Sachen, die passieren werden, sind wohl klar. Wie es seelisch mit Leah weitergeht, ist eine interessante Frage, für die man wohl etwas mehr von der Materie verstehen müsste, als ich es tue. Ich denke, da gibt es ordentlich was einzusammeln nun.
Zitat:Der Inhalt, die Charaktere - auch wenn ich immer noch nicht weiß, warum der Opa nun Chamläleon heißt - aber vor allem deine Konstruktionen, die manchmal recht eigenwillig, doch zumeist sehr genial sind. Hat mich irgendwie inspiriert, und auch etwas neidisch gemacht.
Icon_smile Schön, dass es dir so gut gefallen hat.
Und dann gleich noch inspiriert - was will man mehr? *freu*

Und zu deinem PS: Es ist nicht rausgekommen, weshalb sie das Haus angezündet hat?
Leah hat eine innere Zerstörungswut, fast wie ein Zwang, zu zerstören, was ihr wichtig ist oder was sie aufgebaut hat, da schlägt manchmal eine Gewalt aus ihr, die sie nicht kontrollieren kann. Das sieht man zum Beispiel am Spielplatz, als sie die Sandhäuser zerstört, auf die sie gerade noch ihre Hoffnung gesetzt hat. Oder daran, dass sie Chamäleon irgendwann anfängt zu schlagen, nur noch die Wut aus sich herausschlägt (ohne wirklich Kraft zu haben). Chamäleon lernt sie zwei Jahre vor der Geschichte kennen. Die Mutter ist schon tot und auch vorher hat Chamäleon die Familie gemieden, weil er den Vater nicht ausstehen konnte. Er erkennt das "Potential", das in Leah liegt und flüstert ihr quasi ein, dass sie ihrem Zerstörungsdrang nachkommen soll, weil sie dann zufrieden wird. Als er das geschafft hat, braucht er es nur noch so zu arrangieren, dass der Vater doch zu Hause ist am Anfang, das schafft er, indem er Leah einredet, es wäre der falsche Wochentag. Das schlechte Gefühl, das Leah vor der Tür hat, ist eine Art Ahnung, etwas, das man nicht erklären kann, aber sie geht ihr nicht nach, sondern flüchtet. Chamäleon heißt nur zwischen den beiden so, er ist Maler, wahrscheinlich ist es ein Namensspiel aus der Zeit, in der sie sich kennenlernten.

Ohje, jetzt habe ich doch erklärt, dabei dachte ich, diese Geschichte wäre klar genug, dass ich es nicht machen muss.
Hast du denn diesen Hintergrund in etwa rauslesen können?

____________

Hallo Weltenwanderer,

dass erst Addi kommen musste, damit du endlich zu Ende liest ... nein, ich freue mich riesig, dass du den Ausstieg jetzt gelesen und kommentiert hast.
Icon_smile

Zitat:Für mich ein geniales Bild ... Die Zigarette, im vorherigen Teil ganz klar ein Zeichen für Feuer (Fastfeuer), für Chamäleons Sieg, geht unter in einer Pfütze ... im Wasser das der Regen hinterlassen hat. Der Tod geht unter, das Leben setzt sich durch? Der Knackpunkt? Geht es jetzt endlich wieder aufwärts für Leah?
Ja, so ähnlich ist das Bild gedacht, toll, dass du das rausliest. Es geht darum, dass sie im Regen geboren wird, dass das Früher vergeht. Mehr ein Schnitt denn ein Knackpunkt *g*
Zitat:In ihren Gedanken malte sich eine Puppe in ihren Arm
Ah, die namenose Puppe? Die niemals einen Namen bekommen wird ...
Ja, genau die. Symbol der Welt, die war - alles verbrannt. Abschiedsgedanken, wenn man so will.
Zitat:Ein sehr schönes Ende ... ja schön ist das richtige Wort ... in sich rund und gleichmäßig und etwas traurig. Doch Stillstand ist Tod und Bewegung ist Leben ... es muss weiter gehen, immer weiter. Leahs Schicksal kippt in die Lebensrichtung ... aber ich finde es ist klar, dass sie sich schon entschieden hat, zumindest innerlich, unterbewusst, denn sie wartet, will verschwinden, aber verschwindet nicht
So ist es gedacht, ja. Eigentlich das größte Happy End, das in diesen Kontext passen kann.
"Leahs Schicksal kippt in die Lebensrichtung" ist ein toller Satz Icon_smile Der trifft es ziemlich gut.

Dein Fazit bringt mich richtig zum Strahlen Icon_smile. Du hast die Geschichte unheimlich einfühlsam und präzise gelesen, das ist wirklich toll!
Und ja, du hast Recht, das eigentliche Geschehen ist schon im Einstieg vorbei, alles danach ist nur das Austrudeln nach der Pistenfahrt und doch ist das der Teil, in dem die beiden Menschen - Leah und Chamäleon - am stärksten aufeinander stoßen, ihre eigenen Grenzen finden und sie in Leahs Fall übertreten müssen, um weiterleben zu können.
Auch dein Lob zur Sprache freut mich sehr Icon_smile.
Ach, und es kommt mit Sicherheit eine neue Geschichte Icon_wink


Einen schönen Abend euch beiden!
Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
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Beitrag #23 |

RE: Im Regen geboren (Ausstieg)
Hallo Libbi,

und schon zur letzten Rückmeldung ...

Zitat:Sonst noch was?! Wie wäre es mit: Chamäleon kommt nochmal vorbei, drückt ihr eine Pistole in die Hand, sagt: Da sind Platzpatronen drin, aber probier ruhig mal aus, was sie dann auch tut und die ganze Welt ist tot ...
Mrgreen Kann es kein Happy End geben?
- Na das, waär doch mal was. Icon_wink
Nein, nein, find das Ende sehr gut so, wie es ist. Ein Neuanfang ...

Zitat:Icon_smile Schön, dass es dir so gut gefallen hat.
Und dann gleich noch inspiriert - was will man mehr? *freu*
- Hat es, ja, fand die Geschichte sehr toll. Icon_smile

Zitat:Und zu deinem PS: Es ist nicht rausgekommen, weshalb sie das Haus angezündet hat?
Leah hat eine innere Zerstörungswut, fast wie ein Zwang, zu zerstören, was ihr wichtig ist oder was sie aufgebaut hat, da schlägt manchmal eine Gewalt aus ihr, die sie nicht kontrollieren kann. Das sieht man zum Beispiel am Spielplatz, als sie die Sandhäuser zerstört, auf die sie gerade noch ihre Hoffnung gesetzt hat. Oder daran, dass sie Chamäleon irgendwann anfängt zu schlagen, nur noch die Wut aus sich herausschlägt (ohne wirklich Kraft zu haben). Chamäleon lernt sie zwei Jahre vor der Geschichte kennen. Die Mutter ist schon tot und auch vorher hat Chamäleon die Familie gemieden, weil er den Vater nicht ausstehen konnte. Er erkennt das "Potential", das in Leah liegt und flüstert ihr quasi ein, dass sie ihrem Zerstörungsdrang nachkommen soll, weil sie dann zufrieden wird. Als er das geschafft hat, braucht er es nur noch so zu arrangieren, dass der Vater doch zu Hause ist am Anfang, das schafft er, indem er Leah einredet, es wäre der falsche Wochentag. Das schlechte Gefühl, das Leah vor der Tür hat, ist eine Art Ahnung, etwas, das man nicht erklären kann, aber sie geht ihr nicht nach, sondern flüchtet. Chamäleon heißt nur zwischen den beiden so, er ist Maler, wahrscheinlich ist es ein Namensspiel aus der Zeit, in der sie sich kennenlernten.
- doch, irgendwie war das schon klar. Aber ich dachte vielleicht, es gibt nen Grund für diese Zerstörungswut. Icon_confused

Zitat:Ohje, jetzt habe ich doch erklärt, dabei dachte ich, diese Geschichte wäre klar genug, dass ich es nicht machen muss.
Hast du denn diesen Hintergrund in etwa rauslesen können?
- Jupp, hab ich. Icon_wink
Also setz dich erstmal und atme tief durch. Icon_smile

LG
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #24 |

RE: Im Regen geboren (Ausstieg)
So, kommen wir zum Ende. (Und dann habe ich auch endlich Feierabend.)

Einzige Anmerkungen:
Zitat:Ihr wurde aufgeholfen; ein Mantel über den Schultern drückte ihre Gedanken auf den Boden der Tatsachen. Dann führte die Fremde sie fort, ihre Füße folgten nach. Weil Stillstand Tod wäre.
So, wie ich es gesehen habe, war in der ursprünglichen Version der letzte Satz 'Zurück ins Leben'.

Ich finde, die Kombination aus Urfassung und derzeitiger Version wäre stimmiger. Vorschlag:
Ihr wurde aufgeholfen; ein Mantel über den Schultern drückte ihre Gedanken auf den Boden der Tatsachen. Dann führte die Fremde sie fort, ihre Füße folgten nach. Zurück ins Leben.
Weil Stillstand Tod wäre.


Gesamtbetrachtung:
Die Rahmenhandlung lag auf den einzelnen Kapiteln verteilt, wobei die jeweiligen (titelgebenden) Akteure gut in Szene gesetzt worden sind. Neben den vielen handwerklich wirklich gut zu lesenden Sätzen und Vergleichen ist es Dir gelungen, in dieser Geschichte nicht nur die Taubheit Leahs rüberzubringen, sondern auch den wahren Hintergrundakteur aufzuzeigen - insbesondere mithilfe der Dialoge die widersinnige Logik Chamäleons.

Bei Tim (besonders bei ihm) sehe ich die Metaphorik im Vordergrund. Taub, still, hinter dem Feuer - auf dem Spielplatz in Sicherheit. Noch scheint Leah zu sehr an dem Wunsch eines Zuhauses zu hängen, erst nach Fertigstellung zerstört Sie es. Baut es aber (fast) sofort wieder auf.

Bei Chamäleon kam zuerst ein väterlicher Unterton zum Vorschein, der sich im Bus langsam zu der Stimme eines Freundes, schlussendlich aber zu der eines Mitverschwörers entwickelte. (Auch wenn da bereits klar war, dass er der Initiator gewesen ist.)

Bei dem Vater dachte ich erst an Rückblenden - völlig verwirrt durfte ich stattdessen erkennen, dass es sich nicht um Leahs Vater handelte, sondern dem Vater ihrer Mutter. Ja, auch 'ein' Vater - aber anders.

Bei der Mutter (die passiv blieb) bin ich mir unschlüssig, was genau in der Vergangenheit geschah. Sowohl Vater als auch Mutter bleiben anonym, sind nur Asche abseits der Zeilen hier. Trotzdem sind sie das Hauptmotiv, der Motor der ganzen Geschichte.

Beim Ausstieg (wobei ich mir nicht sicher bin, ob es diesen Ausstieg geben musste) wandelt sich die taube Depression, die ungewisse Zukunft ins Gegenteil. Auch wenn man annehmen darf, dass die Frau einer staatlichen Einrichtung angehört und Leah womöglich bestraft wird, so ist doch ihre Zukunft klar erkennbar. Nicht so hell wie vor dem Feuer, aber auch mehr als die Asche, die übrig blieb.

Dennoch erschließt sich mir der Hintergrund nicht. Reibereien mit dem Vater? Fehlende Vaterliebe aufgrund der Arbeit als Busfahrer? Was - so habe ich gedacht - hat ihr Großvater nur die ganze Zeit in ihren Kopf für Gedanken gesetzt?

Auch ist mir das Alter (in Verbindung mit dem Verhalten Leahs) unklar. Sie wirkt wie jemand, der jahrelang im Keller gefangen gehalten wurde, zumindest was ihre Wertigkeit oder ihre Vorstellungen (bezüglich Feuer) angeht.

Zum abgehackten Stil:
Natürlich ist es durchaus plausibel, das ganze Empfinden, die Ziellosigkeit Leahs durch den Stil zu unterstreichen. Aber ich finde, es ginge auch anders.

Fazit:
Ein klare Geschichte, flüssig - obwohl mancherorts der abgehackte Stil vorherrschend war. Gefällt mir sogar in Anteilen besser, als die Träume in den Pappkartons.

Liebe Grüße
D.

Nachtrag: (06.03.)
Natürlich lässt einen Leser eine solche Geschichte nicht wirklich los - hier noch ein paar Gedanken dazu.

Das 'Set' (so nenne ich es immer) hat mich an die Kulissen aus Til-Schweiger-Filmen erinnert. Egal welcher Film, jedesmal ist die Stadt eigentlich namenlos. Jedes Auto wirkt (nach unserem Verständnis) fehl am Platze, passt aber aufgrund der Farbgebungen etc. gut hinein.
Genau wie hier.
Der Ort ist namenlos - es ist nur wichtig, dass es 'der Spielplatz', der 'Tim', der 'Chamäleon' oder der Bus mit dem 'Fahrerkollegen ihres Vaters' ist.
Die statistischen Rollen bleiben wirklich eher im Hintergrund und unterstützen von dort die Geschichte wunderbar. Und es geht auch nicht so sehr um das, was mit Leah passieren wird. Ob es ein Happy End gibt, ob ihr Schritt über den eigenen (Mauer)schatten verziehen wird. Oder Sie sich selbst verzeihen wird.
Nein, der Sprung über eben diese Mauer (der Sprung, der 'zwei Jahre'?) von Chamäleon aka ihr Großvater initiiert wurde, ist das eigentliche Thema. Das Spiel mit dem Feuer, das keines ist. Was tun wenns brennt?

Ich wollte ..., nein. Ich möchte an dieser Stelle noch (einmal) hervorheben, dass ich die Beschreibung von Leah - sowohl von außen wie auch von innen - als sehr gut umgesetzt empfinde.

D.


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Beitrag #25 |

RE: Im Regen geboren (Ausstieg)
Hey Dread,

und jetzt der große Rundumschlag?

Ich denke mal darüber nach, ob ich "Zurück ins Leben" wieder zurückhole. Gefällt mir ganz gut, wie du es da aufgeschrieben hast. Und der ursprüngliche Schluss: Also hast du's schonmal gelesen, hm?

Zitat:Dennoch erschließt sich mir der Hintergrund nicht. Reibereien mit dem Vater? Fehlende Vaterliebe aufgrund der Arbeit als Busfahrer? Was - so habe ich gedacht - hat ihr Großvater nur die ganze Zeit in ihren Kopf für Gedanken gesetzt?
Eine andere Vorstellung von Moral, ein anderes Verständnis davon, was passieren sollte oder könnte, vielleicht dass man den Wert erst erkennt, wenn etwas oder jemand nicht mehr da ist. Nur auf die bitterst mögliche Weise. Letztlich hat der Großvater es geschafft, zu manipulieren und ihr einen Gedanken in den Kopf zu pflanzen (hehe: inception *grinst*), den sie so niemals gedacht hätte und dem sie erst nicht gefolgt wäre. Das ist der entscheidende Hintergrund.

Leahs Alter - ja, das habe ich schon öfter gehört. Ich weiß nur nicht, wie ich daran etwas drehen kann - und bin um ehrlich zu sein mit der Geschichte jetzt auch soweit durch, dass ich nur noch Kleinigkeiten daran ändere.

Zitat:Zum abgehackten Stil:
Natürlich ist es durchaus plausibel, das ganze Empfinden, die Ziellosigkeit Leahs durch den Stil zu unterstreichen. Aber ich finde, es ginge auch anders.
Mit Sicherheit würde ich die Geschichte heute anders schreiben, würde sie anders hier stehen, in einem anderen Stil (wahrscheinlich auch inhaltlich hie rund da anders). Ich bin mir nicht mehr sicher, wann ich angefangen habe, diese Geschichte zu schreiben, aber es muss bald vier Jahre her sein, das merkt man natürlich Icon_wink.

Zitat:Nein, der Sprung über eben diese Mauer (der Sprung, der 'zwei Jahre'?) von Chamäleon aka ihr Großvater initiiert wurde, ist das eigentliche Thema. Das Spiel mit dem Feuer, das keines ist. Was tun wenns brennt?
Ja, genau das. Deswegen ist das Davor, aber vor allem das Danach auch weniger relevant.

Ich freue mich, dass diese Geschichte dir gefallen hat, dass sie nachgewirkt hat.
Danke, dass du sie noch einmal ausgekramt hast! Und entschuldige hier noch einmal, dass du einen Monat auf eine Antwort warten musstest. Wenn die Tage so voll sind, verliere ich das Gefühl für das Verstreichen der Zeit.

Liebe Grüße und einen schönen Abend,
Libertine

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Beitrag #26 |

RE: Im Regen geboren (Ausstieg)
Hallo Libertine, 

Und da isser, der Schluss. Hätte es mir ja denken können  Icon_smile Ein offenes Ende und den Rest der Nacht werde ich darüber grübeln, wie es mit Leah jetzt weitergeht. 

Zitat:Leah fühlte sich wie ein Strichmännchen, dessen Rückgrat am Hals abgeknickt war. 
Wieder so ein tolles Bild. 

Zitat:Ein Räuspern, das Gefühl, beobachtet zu sein, und schließlich eine Frauenstimme.

„Bist du Leah?“
Woher weiß sie das? Hatte sie eine Beschreibung?

Zitat:hr wurde aufgeholfen; ein Mantel über den Schultern drückte ihre Gedanken auf den Boden der Tatsachen. Dann führte die Fremde sie fort, ihre Füße folgten nach. Weil Stillstand Tod wäre.
Man kann nur spekulieren, wer die Fremde ist. 

Ohne viel Pathos hast du eine tolle Geschichte geschaffen, die zum Nachdenken anregt und ich konnte nicht aufhören zu lesen.  Icon_wink

Liebe Grüße Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



Werkeverzeichnis

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Beitrag #27 |

RE: Im Regen geboren (Ausstieg)
Hallo Persephone, 

vielen Dank auch für diesen Kommentar und für das Lob zur Geschichte!
Darüber freue ich mich sehr :-)

Ja, das Ende ist sehr offen. Wie sollte es sonst aus-, wie weitergehen? Und wie es ihr wohl ergangen ist? Meine Vorstellung war, dass die Fremde zu Sozialdienst oder Polizei gehört. So oder so geht es wohl erstmal nicht ganz allein weiter. So hat das Ende vielleicht auch etwas Versöhnliches.

Viele Grüße
Libertine

ps. Es hätte übrigens noch einen Einstieg gegeben, den Du vielleicht übersehen hast. Schön dass die Geschichte auch ohne funktioniert. Wer braucht schon Prologe ;-)
Und ich sehe gerade, dass du damals zu den ersten Kommentatorinnen dieser Geschichte gehörtest? Kann das sein? :-D

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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