Es ist: 03-12-2020, 20:32
Es ist: 03-12-2020, 20:32 Hallo, Gast! (Registrieren)


Kitsch reloaded -- oder: Abschreckende Beispiele
Beitrag #21 |

RE: Kitsch reloaded -- oder: Abschreckende Beispiele
Sie dürfen, aber sie müssen nicht. Das hat sich hier zwar so ergeben, war aber nicht ursprüngliche Idee.

... weil das Leben seltsame Wege geht ...

Der Sprung über den eigenen Schatten gelingt leichter,
wenn wir ihn für jemanden wagen,
der Licht in unser Leben bringt.
(unbekannt)

Eine Schattengestalt und ihre Schattengedanken


[Bild: 12.gif]

Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #22 |

RE: Kitsch reloaded -- oder: Abschreckende Beispiele
Hier nun, der mit Spannung erwartete dritte Teil meiner (feaux pas) Geschichte. Mrgreen

dazumals, um 1720

Was soll ich euch sagen, Leute, es wurde langsam Nacht. Das Abendessen mit fünf Gängen und heiterer Konversation, die nicht wenig dem Wein zu verdanken war, hatten wir hinter uns. "Ich ziehe mich in mein Gemach zurück", flüsterte die Prinzessin mir ins Ohr. "Ich komme dann später nach", flüsterte ich zurück. Sie sah mich brüskiert an. "Aber Herr Graf, so war das doch nicht gemeint." Sie musterte mich von oben bis unten. "Ich bin müde, möchte noch ein bisschen lesen und dann schlafen." Oh wie langweilig, dachte ich. Sie wird doch nicht außen so süß, schön und verführerisch sein und innerlich eine von diesen vertrockneten Jungfern? "Nicht, was Sie vielleicht denken", antwortete ich. "Ich dachte mit einer Flasche Schaumwein aus Frankreich zu Ihnen zu stoßen, ein Gläschen davon mit Ihnen zu trinken, noch ein bisschen zu plaudern und mich dann zu empfehlen."
Die Prinzessin sah mich an und legte die Stirn in Falten. Sollte sie diesem Graf trauen? Er ist ein toller Schütze und Beschützer, aber vielleicht auch ein Blaubart, der es auf meine Jungfräulichkeit abgesehen hat. Doch dann hellte sich ihr Gesicht wieder etwas auf und sie sagte: "Na gut, aber wirklich nur ein Gläschen." Ich machte mit der rechten Hand das Schwurzeichen und bestätigte: "Nur ein Gläschen!"

Als die Prinzessin nach oben gegangen war, rannte ich rüber ins Haus, wo die Angestellten wohnten. Ich lief zum Zimmer des Gärtners, klopfte und trat ein. "Ich brauche Rosen!" Der Gärtner sah mich an, als hätte er eine Erscheinung. Die hatte er ja auch: Ein verrückt gewordener Graf, der nachts noch Rosen wollte. "Es ist dunkel", erwiderte er, "wie soll ich sie da ordentlich abschneiden können?" - "Du bekommst zwei Leute mit Fackeln mit." Der Gärtner nickte, zog sich Schuhe und Jacke an und stand auf. Gemeinsam gingen wir nach draußen; wo ich ins Schloß zurück lief und der Gärtner in den Garten. Im Schloß befahl ich den erst besten Türstehern, sich Fackeln zu nehmen und rüber in den Garten zu laufen. "Ihr müsst dem Gärtner beim Rosen schneiden leuchten." Sie sahen mich verwundert an. "Ja, ich brauche Rosen, verflucht!" Mit einer Handbewegung machte ich ihnen klar, dass sie sich gefälligst da hin bewegen sollten.

Dann hatte ich die Rosen: Sie dufteten gut. Ich hatte mein bestes Gewand angelegt, die Flasche Schaumwein in der Jackentasche stecken und den Strauß Blumen in der Hand. Gemessenen Schrittes ging ich nach oben, lief den Gang entlang und stand schließlich vor der Tür des Gemaches, in dem die Prinzessin hoffentlich sehnsüchtig auf mein Erscheinen wartete. Heiliger Bimbam ging mir der Stift..., äh ich meine natürlich, dass ich sehr aufgeregt war und mir das Herz heftig klopfte. A propos klopfen..., das tat ich dann im nächsten Moment. Als niemand antwortete, klopfte ich ein zweites Mal. "Kommen Sie doch herein, Herr Graf", hörte ich dann, was mir ein Lächeln ins adelige Antlitz zauberte. Ich räusperte mich, holte tief Luft, drückte die Klinke und trat ein...


Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2020 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme