Es ist: 24-10-2021, 04:20
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Literarisches Tagebuch
Beitrag #261 |

RE: Literarisches Tagebuch
Wenn sich Nachhausekommen nicht wie Nachhausekommen anfühlt ...

Seit knapp zwei Tagen bin ich nun wieder in Hamburg. Und hatte bei meiner Rückkehr das erste Mal in den acht Jahren, in denen ich hier wohne und lebe, das Gefühl, dass es nicht richtig ist, hierher zurück zu kommen oder hier zu sein. Was nur noch zusätzlich verstärkt wurde durch die Tatsache, dass ich im grauen Regen völlig verloren alleine am Flughafen stand – weil niemand kam, um mich in Empfang zu nehmen.

Weil niemand da war und mir das Gefühl vermittelte, dass ich vermisst wurde in den drei Wochen, die ich weg war. Weil niemand da war, um die unglaubliche Lautstärke in mir zum Schweigen zu bringen. Weil niemand da war, um mich vor der Stille in meiner Wohnung zu retten. Weil niemand da war, als ich ankam, bei dem ich wirklich ankommen konnte. Weil ich allein war mit meinen Tränen und meinem Kummer und meinem Schmerz und meiner Sehnsucht und diesem Gefühl, nicht am richtigen Platz auf der Welt zu sein.

Und dann komme ich heute ins Büro, wo ich gegen eine Wand des Schweigens laufe und mir den Kopf stoße an einem Gefühl des Unwillkommenseins. Wo von all den Mitarbeitern nur einer aufrichtig sagen kann, dass ich gefehlt habe. Dass es schön ist, dass ich wieder da bin. Dass ich verstanden werde, dass mein Wunsch, wieder dorthin zurück zu gehen, am besten sofort oder spätestens morgen, verstanden wird und sogar nachvollzogen werden kann.

Eine Freundin, mit der ich gestern Abend noch viel geschrieben habe, weil ich einfach nicht wusste, wohin mit all dem Chaos, das in mir tobt, meinte, dass ich wahrscheinlich ein wenig unter Schock stehe. Damit hat sie wohl Recht. Denn die Umstellung ist schwer. Nicht wegen der Zeitverschiebung, mit der habe ich kein Problem, nein, es ist vielmehr die Kultur, der Umgang der Menschen miteinander, die ganze Atmosphäre – einfach alles ist so anders hier.

Und vielleicht wird dieses Gefühl, nicht mehr hierher in meine Herzensstadt zu gehören, anhalten. Vielleicht ist es nicht nur eine Phase, nicht nur eine Post-Reise-Depression, wie man sie eben nach einer tollen Zeit hat. Und was ist dann?

In meinem Kopf tobt ein Sturm der Ideen, der Möglichkeiten, der Optionen.
Mein Herz zieht mich jetzt, nach knapp 44 Stunden zurück in Deutschland, ganz klar und deutlich in eine Richtung.
In eine etwa 9.500 Kilometer entfernte Richtung.
Auf unbestimmte Zeit.

(09.02.2015)

... weil das Leben seltsame Wege geht ...

Der Sprung über den eigenen Schatten gelingt leichter,
wenn wir ihn für jemanden wagen,
der Licht in unser Leben bringt.
(unbekannt)

Eine Schattengestalt und ihre Schattengedanken


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Beitrag #262 |

RE: Literarisches Tagebuch
Ferne Orte haben etwas Idyllisches, Verklärtes. Es ist wie ein Traum, der für eine Zeit anhält. Kraft gibt. Durchatmen lässt. Die Batterie neu auflädt.

Die Rückkehr zum festen Bezugspunkt, dem Ort, den man als sein Zuhause bezeichnet, ist immer ernüchternd, denn er kann dem Vergleich kaum standhalten. Niemals, selbst hier nicht.

Jemand, den ich schätzen gelernt habe, sagte mir mal:
Durchatmen. Augen schließen. Wo bist Du? Wie riecht es? Was fühlst Du? Wie geht es Dir? Genau jetzt in diesem Moment?

Mit all den Antworten bestimmt man seine Position im Jetzt und hier. Und man kommt unter Anderem der Antwort auf die Frage "Wer bin ich? Wo will ich hin?" ein Stück näher.

Abgesehen davon:
Herzlich Willkommen zurück.

LGD.

Edit:
Deine Herzensstadt wird immer Deine Herzensstadt bleiben. D.


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Beitrag #263 |

RE: Literarisches Tagebuch
Die Nächte, vor denen ich hundemüde ins Bett falle und in denen ich gegen Mitternacht aus dem Schlaf schrecke und nicht wieder einschlafen kann, weil mein Kopf voll von Gedanken ist, die keine Ruhe geben wollen, sind die schlimmsten.

Es sind diese Nächte, in denen ich Fragen wälze und keine Antworten finde, in denen ich Nachrichten formuliere und sie doch nicht schreibe geschweige denn abschicke, weil ich Angst vor den Worten habe, die zurückkommen oder ausbleiben könnten.

Es sind genau die Nächte, die ich lange Zeit so sehr geschätzt habe, weil sie meine kreativsten und inspirierendsten und produktivsten waren, die mir jetzt den Schlaf und die Kraft rauben, weil alles das, wonach ich mich in diesen Augenblicken sehne, so weit entfernt scheint, und alle Pläne, alle Ideen, alle Ziele ungreifbar wirken.

Es sind Nächte wie diese, nach denen ich mit toten Augen, müdem Körper und kaputtem Kopf durch die Welt schleiche und mich frage, ob das alles eines Tages vielleicht ein Ende finden wird.

~16.02.2015~

... weil das Leben seltsame Wege geht ...

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Beitrag #264 |

RE: Literarisches Tagebuch
In den letzten Tagen schwankt meine Stimmung gefährlich zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Nahezu im Minutentakt. Ich kenne die Ursache.

Und wisst ihr, ich habe gemerkt - Rückschläge werfen uns nicht zurück, sondern bringen uns voran. Weil wir feststellen, dass wir manchmal für etwas kämpfen müssen, wonach wir uns sehnen. Weil wir uns manchmal für etwas anstrengen müssen, von dem wir wissen, dass es uns glücklich macht. Weil es manchmal unglaublich viel Kraft kostet, stark zu sein und zu bleiben, wir aber sicher sind, dass sich all die Mühe lohnen und belohnt werden wird.

Am Mittwoch habe ich zwei große Schritte gewagt. Ich habe eine Nachricht abgeschickt. Und ich habe meinen Flug zurück in die Sonne gebucht.
Anschließend folgten zwei herbe Rückschläge. Aber ich gebe nicht auf. Denn ich habe schon immer einen Weg aus allen Miseren gefunden. Und das werde ich auch dieses Mal schaffen. Auch wenn es mir momentan ein wenig den Schlaf raubt. Auch wenn ich mir momentan den Kopf zerbreche. Auch wenn mir momentan oft danach ist, mich wieder einzuigeln und zu vergraben.

Doch das tue ich nicht, denn das führt zu gar nichts. Höchstens in die falsche Richtung. Und die kann niemals gut sein. Also kämpfe ich. Wie so oft in meinem Leben. Und auch dieses Mal weiß ich, dass ich gewinnen werde. Irgendwie.

~22.02.2015~

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Beitrag #265 |

RE: Literarisches Tagebuch
Momentan wäre ich gerne "da", ohne mich dahin bewegen zu müssen. Ich weiß sogar genau, wo "da" ist, bin aber viel lieber hier. Gestern wollte ich noch unbedingt "dahin" und morgen werde ich mich daran erinnern, dass ich nicht "da" war. Mir stinkt 's jetzt schon, dass ich mich morgen ärgern werde.

Die einzige Lösung ist, das "da" nach "hier" zu verlegen. Dann war ich "da" und "hier".

Und schon bin ich zufrieden?


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Beitrag #266 |

RE: Literarisches Tagebuch
Gedanken

Why do we laugh, when we wanna cry?
Why do we push, when all we want is someone to be around?
And while we are standing there, shouting,
crying out loud,
our outside remains silent.

Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.

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Beitrag #267 |

RE: Literarisches Tagebuch

Stell Dir vor:
Der Boden unter Deinen Füßen bricht
und alles was kommt ist glänzendes Licht.




Danke!


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Beitrag #268 |
Smile 

Smile  RE: Literarisches Tagebuch
Sie will bloß spielen
als wäre es nur ein Leben,
eines von vielen.


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Beitrag #269 |

RE: Literarisches Tagebuch
12.04.2015. Auf dem Wehrgang.
Nur ein wenig

Ich war ein bisschen verwirrt, und außerdem schien es ein milder Nachmittag zu sein. Er passte nicht zu der Nacht, in die ich bis vor kurzem noch hinausgeblickt hatte, verloren irgendwo zwischen Gedanken und Pflichten. Doch den Ausblick auf die Hügellandschaft kannte ich, und ich wusste auch, wer hinter meinem Rücken zwischen den Zinnen des offenen Wehrgangs hockte.
Als ich mich umdrehte, hatte Trisha ihren Blick abgewandt und schien das nachmittägliche Treiben im Wirtschaftshof zu beobachten, während der Rauch zwischen ihren Lippen hervorquoll. Keiner der geschäftigen, meist violett berobten Gestalten achtete auf uns.
„Du weißt, dass er das -“
„Ja“, sagte sie, ohne mich anzusehen.
Kurz zögerte ich, doch irgendwie schien dieser kurze Austausch das Eis gebrochen zu haben. Ich trat ruhig an die Zinne heran, an die sie sich gelehnt – ihren hageren Körper regelrecht eingeklappt – hatte, und bemerkte nebenher mit Wohlwollen, dass sie zur Seite ausatmete, in der mir der Wind den Rauch nicht ins Gesicht blies. Sie war nicht immer so rücksichtsvoll.
„Er ist nicht da, oder?“
Sie antwortete nicht. Mir fiel auf, dass ich ihn aus den Augen verloren hatte, in den letzten Tagen, und sie im Grunde auch, wenn sie hier einfach so auftauchen konnte. Wie ich auch.
„Willst du reden?“
Trisha hob den Kopf, nur ein wenig, und blickte aus den Augenwinkeln in meine Richtung. Vielleicht, ohne mich wirklich zu sehen, denn ihr langes Haar fiel windzerzaust um ihr Gesicht.
„Und du?“, fragte sie.
Und mehr redeten wir nicht. Trisha atmete tief durch, ohne dass man es Seufzen nennen konnte, und dann sahen wir nur noch über die Zinnen. In meinem Blickfeld schlierten wirre Strähnen fast schwarzen Haares und Rauch, den ihren Vater nicht toleriert hätte. Doch er war nicht da, sondern ich, und für ein paar Momente überlegte ich, ob sie das vielleicht sogar genoss.
Vielleicht ... nur ein wenig.

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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Beitrag #270 |

RE: Literarisches Tagebuch
Stumpf siehst du mich an, wie aus Staub
benetzten Iriden dein Blick, der vielleicht
auch nur ein halber ist; aufgezehrt
von Selbstlüge und Illusion. Du bist ein bisschen mehr du selbst, heute, aber
um dich herum:
das Echo deiner Wünsche.
Ich kann sie wispern hören, und dein Selbst bleibt dahinter verschwommen, dein Selbstlos blind. Du bist einsam mit ihnen, aber das bringt dich nur verzweifelter dazu, ihnen zuzuhören. Dein Weg zurück ist ein Kreisverkehr. Ein Teilchenbeschleuniger. Eine kleine Schwindelei, die sich selbst trägt:
Irgendwann, irgendwann ... Morgen
wirst du vielleicht erkennen, dass es dir h e u t e besser ging. Heute ist ein guter Tag.

15 / 04 / 2015

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

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