Es ist: 09-12-2021, 01:30
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Literarisches Tagebuch
Beitrag #271 |

RE: Literarisches Tagebuch
Ich stehe hier und lausche.
Hinaus in die Welt, in die Wälder, in die Seen.
So vieles blieb noch unerkannt.

Ich stehe da und horche.
Höre das Meer, die Stimmen, die Vielfalt.

Allein in einer Blumenwiese – tausend Arten.
Eigentlich kann ich es kaum noch erwarten.

Leben, leben, einfach atmen!

Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.

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Beitrag #272 |

RE: Literarisches Tagebuch
Zwischen Fernweh und Stillstand
Reicht der Tod mir die Hand.
Verschmitzt lächelnd,
Fremd und doch bekannt.

Trocknet meine Tränen im Wind,
macht mich lächeln
als wär ich ein Kind.

Verspricht die Abkehr von allem was ist.
Als wäre was nie endet
Endlich doch gewendet.

Mit dir im Rücken
Baue ich mir Brücken.
Danke.


- keine Ankündigung! -


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Beitrag #273 |

RE: Literarisches Tagebuch
Rostrot lichtet sich die Nacht
fällt ihr Urteil
und übergibt
sich dem Tag.

Der deckt sie mit
der Sonne
zu.

Guten Morgen!


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Beitrag #274 |

RE: Literarisches Tagebuch
Ich bin Herr, der Schattenkönig,
schaurig schöne Gänge,
wander hier, namenlos,
und fürchte keinen mehr.

Mein Name einst verhallte,
stumm im Menschentreiben,
so auch ich will kehren heim,
in die Arme meiner Frau,

jene wartet, am Ende dieses Ganges,
mit offnen Armen, lächelndem Gesicht,
und zur Freude mir erscheint,

Nur Liebe, ja Liebe sie zu geben hat.

Womit habe ich das verdient?

Ich sehe in ihre Augen und weine.

Nur Liebe, ja Liebe.

Ich bin geheilt.

Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.

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Beitrag #275 |

RE: Literarisches Tagebuch
Wenn Könige träumen
wünschen sie sich ein
einfaches Leben


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Beitrag #276 |

RE: Literarisches Tagebuch
Nebel liegt wieder über dem Land. Wie vor einem Jahr. Die Zeit ist identisch, nur der Ort ist anders.

Was blieb vom Tage übrig? Was vom ganzen Jahr? Hat sich jede Idee weiterentwickelt? Ist jeder Gedanke zuende gedacht und jeder Wunsch erfüllt worden? War die Hoffnung berechtigt, oder ein Trugschluss? War die Zeit gut? Tat sie gut?

Neue Lebensabschnitte haben etwas von Ablegern semi-erfolgreicher Serien. Mit alten Charakteren, die als Gaststars auftauchen. Für ein oder zwei Episoden. Selbst gesetzt? Selbst verursacht? Wieviele Fehler habe ich schon gemacht? Wieviele werden noch folgen? Bin ich ein Irrer, der Relativität lehrt? Ein Bösewicht, der anderen aufhilft? Ein rastloser Geist, der fest verankert ist?

Das Leben als ewige Replik eines Remakes. Auf und davon. Hin und zurück. Wo steht der Schuh, wenn man sich am wohlsten fühlt? Ist es diese Zeit? Dieser Ort? Diese Welt?

Ich würde gerne reden mit dem Knebel im Mund. Ich würde gerne auf die Probleme zeigen mit den festgeketteten Händen auf dem Rücken. Aber ich ertrinke im Sekt und schmecke Wasser. Überall.

Kann man hier weg? Ist das ein Ziel? Gibt es noch andere, oder ist das Sein so derart im Heute verankert, dass es nicht mehr über den Tellerrand schauen kann? Wo sind die Ziele, wenn man sie mal braucht? Vielleicht ein Bootsführerschein? Und dann mit einem Boot hinaus, weg vom ankernden Land, warten bis die Ebbe kommt und das Watt unter dem Rumpf erscheint. Erzwungene Auszeiten, ein Garant für Zeitlosigkeiten? Oder doch nur ein Boxenstop des Lebens?

Nebel liegt über dem Land. Der Morgen keine ferne Illusion mehr. Neues beginnt - vielleicht sollte ich das alte Leben schlafen legen. Ausgeruhter Aufbruch in eine Endlosschleife aus anderen Kostümen und bekannten Linien. Was bleibt vom Gestern übrig?

Nebel liegt über dem Land.
Wahrscheinlich sagen sie morgen wieder, dass es eine klare Nacht war.

D.


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Beitrag #277 |

RE: Literarisches Tagebuch
Hast du die Welt gesehen?
Dort vorne ist sie.
Aber
um sie wahrzunehmen,
musst du dich umdrehen.


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Beitrag #278 |

RE: Literarisches Tagebuch
Neonlicht flutet den Innenhof. Weißgelb unter winterschwarzem Nachthimmel.
Neumodische Glasfassaden werden es Raum für Raum dunkel.
Für heute ist der letzte Workshop durch.
"E-Mail verschlüsseln" - für Anfänger.

Vor der Tür stehen die Referenten. Reden einander ein, was für eine nette Aktion es wiedermal gewesen sei. Dass man bei der nächsten CryptoParty gern wieder aushelfe. Party. Echt, so heißt es im Szene-Jargon. CryptoParty.
Voll die Party, auf der die Stimmung jedesmal von diffusem Interesse über ängstliche Motivation in Ernüchterung übergeht.

Der Veranstalter hat drei Geschenktüten verteilt. An die fünf Referenten. Egal, da ist nur Alkohol drin. Niemand von uns säuft. Der mit dem größten Rucksack muss dezent alle einstecken, um sie an irgendwen weiter zu schenken.

Man tratscht über Freifunk, über kommende Veranstaltungen. Niemand redet über den gerade abgehaltenen Workshop.
Denn der lief wie immer: Alle freuen sich, dass sie die erste verschlüsselte Mail ihres Lebens verschickt haben ... keiner wird seine Kontakte überzeugen, das ab jetzt auch zu nutzen. Sie werden den Lehrstoff vergessen, weil das soziale Umfeld nicht mitzieht.

Noch schlimmer, das berufliche Umfeld:
Anwälte werden weiter mit Bleistift kritzeln. Dokumentenechte Tinte macht ja Aufwand, man müsste den Federhalter füllen.
Ärzte werden weiter Postkarten schreiben, denn Briefumschläge kosten Arbeitszeit, man muss sie erst zukleben.
Morgen werden unsere Teilnehmer die Zeitungen aufschlagen, sich vielleicht am nächsten "Abhörskandal" aufgeilen. Doch die Hoffnung ist gering, dass es in einem Kopf klickt ... Hey, der "Skandal" bin ich! Wer sonst liefert die Daten zum Abhören?

Man tratscht über die nächste Party zu der man mal einladen müsse. Über leichtere Themen die man da abdecken müsse. Begriffe fliegen, Inhalte sprudeln ... keiner spricht aus, was wir wirklich mal bräuchten:
Einen redegewandten Prediger, den die Leute ins Herz schließen.
Wir überzeugen reihenweise Köpfe, ernten Zuspruch zu Argumenten ... aber welcher Mensch lebt bitte kopfgesteuert?
Das Problem der Nerds ist, dass sie Nerds sind.
Um "die Normalen" zu motivieren, brauchst du einen Popstar.


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Beitrag #279 |

RE: Literarisches Tagebuch
Gestern: Eine Todeswelle in der Stadt der Liebe.

Stille und Sprachlosigkeit gleitet wie Nebel durch das Land. Insta betet für Paris.

Schock, gepaart mit dem üblen Beigeschmack der Erkenntnis: Niemand ist überrascht, was geschieht ist längst Alltag und allgegenwärtig…



Ich lege Blumen nieder in Gedanken und Gedenken, mich festhaltend an Worten die schon vor so langer Zeit gesprochen und doch viel zu selten gelebt werden: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“ (Mahatma Gandhi)


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Beitrag #280 |

RE: Literarisches Tagebuch
Fall in die kleine Welt.

Wir sind Trabanten derselben Sonne, die so weit fort ist, dass wir ihres Glühens kaum noch gewahr werden. Wir sind Motten, angezogen von demselben Licht, das fahl sein kann und bunt – eigentlich belanglos. Dort sind wir uns einmal begegnet, im Schein von etwas und waren doch im Grunde Kartoffeln; vergraben in eigener Erde und vielleicht, vielleicht auch nicht Teil derselben Knolle.
Romantik: nur noch ein Mattscheibenvorfall. Du reichst mir die Chips, ich nehme sie und gucke weiter fern, sehr fern.

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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