Es ist: 24-10-2021, 02:59
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Literarisches Tagebuch
Beitrag #281 |

RE: Literarisches Tagebuch

Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.
Und ich würde so gern, doch von meinen Lippen springt bloß ein stummer Schrei,
der an tauben Ohren verklingt.


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Beitrag #282 |

RE: Literarisches Tagebuch
6°C. Regen.
Wieder nur:
Spiegelbilder in Fensterscheiben
Abzüge der Realität.

as I move my feet towards your body

Jemand fragt zurück,
dort draußen in der Dunkelheit.
Legt den Kopf in den Nacken und winkt den Flugzeugen hinterher ...
Den blinkenden Lichtern des Riesenrads.

I'm empty as that beating drum

Die Nacht frisst die Hölle der Gegenwart.


We are all accidents
Waiting
Waiting to happen
Radiohead, "There There"

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Beitrag #283 |

RE: Literarisches Tagebuch
Du magst wieder da sein. (Ich spüre dich so schummrig wie einen fadenscheinigen Schleier um meinen Kopf.)
Aber ich gehe nicht zurück. Dieses Mal triffst du mich nicht alleine, und ich weiß, dass ich nicht hilflos bin. Ich habe gelernt, hochzublicken und mit deinem Anblick trotz aller Angst und mit all den Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit fertig zu werden. Und selbst falls ich stolpern sollte, wenn du ausholst und versuchst, mich wieder niederzuschlagen, dann habe ich Verbündete, die mir zur Seite stehen. Ich höre deine Worte, aber jetzt kenne ich sie und glaube keine Silbe mehr. Und erinnerst du dich an die Fledermaus, die sich letztes Mal zwischen uns geworfen hat (mein fusseliger Held)? Sie ist noch da und wartet nur auf eine zweite Chance, sich dir furchtlos entgegenzustellen.
Ich gehe nicht zurück, denn ich stehe mit beiden Füßen auf dem Erdboden und sage: Du kannst mich mal.

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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Beitrag #284 |

RE: Literarisches Tagebuch
Ich wache auch. Wieder mal sehr spät, so wie die letzten Tage.
Ich wache auf, werfe meine Decke zurück und fange an zu lesen. Es ist schon eine Art Ritual geworden. Mein Mailaccount geht los und das nächste Adventstürchen wartet.
Ich freue mich über Rezepte, und Worte. Worte die Mut machen, als tausende mit Lichter auf den Strassen spazieren. Worte die einen trüben. Die Tage werden dunkler.
Als ich das heutige Türchen verschlafen öffne, ahne ich schon nach dem Wort syrisch, worauf die heutige Geschichte gehen wird. Und dennoch bin ich überrascht.
Als ich fertig bin, denke ich an einen Freund, der als Schreibprojekt durch meine Schule vor 10 Jahren begann und sich mittlerweile als steter Begleiter meines Lebens entwickelt hat.
Mein Freund kommt aus Syrien. Mein Freund macht mir Angst, als ich sechs Monate nichts von ihm höre. Mein Kopf spinnt Geschichten. Geschichten voller Hoffnung, denn sobald das Wort Tod auftaucht, verweigert mein Kopf jegliches Weiterdenken. Mein Freund hat es geschafft, er ist jetzt hier. Und ich schaue mich um. Auch in London wird eine bahn gesprengt, in paris passiert was, in graz rast einer mit dem Auto, und in meine Zeitung beobachten zwei kinder den Mord an ihren Eltern. Ich bin zu stolz um den Namen einer gewissen Gruppe in den Mund zu nehmen, ihnen noch mehr Macht zu geben, wo es schlicht Menschen sind, die unmenschliches tun, und das was sie predigen offensichtlich selbst nicht verstehen.
Ich sitze da und meine Freundin fällt mir ein. Wie ich einen Satz auf eine Karte schreiben soll. Au der Rückseite ist schon etwas maschingeschrieben gedruckt.
Wir müssen nicht das Böse bekämpfen, sondern das Gute stärken.

Ich denke an Ghandi, an den Dalai Lama, an meine Mutter und an meinen Freund, der jetzt viel näher ist. Und ich denke an meine Nichte, die gerade mal zwei ist und mich seit ihrer Geburt fasziniert. Ich denke an sie alle - und ich lächle.

Wir müssen nicht das Böse besiegen, sondern das Gute stärken.

Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.

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Beitrag #285 |

RE: Literarisches Tagebuch
04.01.2016

"Willst du mich loswerden?"
Die Nacht legte sich über uns und wie immer roch er nach Papierfetzenduft.
"Eliah, es gibt noch andere ...", ich seufzte und betrachtete ihn mir wehmütig. Er ist so perfekt und doch hatte er mich so oft zur Verzweiflung gebracht. Ich wollte ihn nicht hergeben.
"Andere", er klang zweifelnd, "wie mich?"
"Ja sicher." Ich wusste, dass ich ihn freigeben musste. Um selbst frei zu sein. Mich wieder neuem zuwenden zu können. Er sah mich an. Stumm. Entschlossen.
"Dann ist es also wirklich vorbei?"
"Ja, Eliah. Es ist zu Ende."

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #286 |

RE: Literarisches Tagebuch
... und du fühlst dich fern an, Millionen Meilen von mir,
und ich schreib auf Papier ...
(Thomas D. - Liebesbrief)


Es ist wieder einmal mitten in der Nacht und wieder einmal kann ich nicht schlafen, weil mein Kopf keine Ruhe gibt und mit jeder Minute, die ich mich ruhelos hin- und herwälze, werde ich aufgebrachter. "Schluss damit", denke ich, und dass ich all das endlich aus meinem Kopf bekommen muss, weil ich sonst noch durchdrehe. Also sitze ich jetzt hier und schreibe. Wieder einmal. An Dich. In dem Wissen, dass, selbst wenn Dich diese Worte irgendwann erreichen sollten, Du nicht wissen wirst, was Du dazu sagen sollst. Wie Du es seltsamerweise seit meiner "großen" eMail Ende Januar nicht mehr weißt. Seit welcher ich von Dir keine 20 Nachrichten mehr erhalten habe. Zwanzig. So viele bekam ich vor dieser Mail manchmal an einem Tag.

Und jetzt - heute sind es schon wieder zwei Wochen, in denen ich rein gar nichts von Dir gehört habe. Unsere letzten "Gespräche" verliefen immer ähnlich - ich schrieb Dir, Du antwortetest erst Tage später, immer mit einer Entschuldigung für die Verspätung, und ich machte immer wieder den Fehler, direkt zu reagieren, um anschließend wieder der Stille entgegen zu blicken und mich zu fragen, was nur passiert ist. Ich wusste immer, dass Du viel zu tun hast - Überraschung, das hatte und habe ich auch. Ich wusste, dass dieser ganze Gefühlskram für Dich nicht leicht zu handhaben ist. Dass Du ein Emotionskrüppel bist - willkommen im Club. Dass Du gefühlte tausend andere Baustellen in Deinem Leben hast - wer hat die nicht? Auch ich habe mit vielen verschiedenen Dingen zu kämpfen und auseinander zu setzen. Und doch fand ich immer die Zeit, auf Dich einzugehen, Deine Textnachrichten zu lesen und Dir, egal wie schlimm es gerade zu sein schien, ein paar positive Gedanken und Worte mit auf den Weg zu geben.

Zwei Wochen sind es heute wieder, seit unserem letzten "Gespräch", welches wieder einmal mit einer Nachricht von mir endete. Du bist schwer beschäftigt, sicher, beruflich geht es bei Dir gerade steil bergauf. Und ich freue mich darüber, freue mich für Dich, dass Du gewisse Punkte Deines Lebens, gewisse Sorgen in Angriff genommen und in den Griff bekommen hast. Zu haben scheinst. Denn sicher weiß ich es nicht - weil ich seit zwei Wochen nichts von Dir gehört habe. Du bist busy, busy, busy - aber dann doch irgendwie nicht busy genug, um nicht täglich auf Facebook zu sein, auf Postings zu reagieren (natürlich nicht auf meine), neue Freunde zu sammeln und selbst Postings zu schreiben, einige Deiner Fotos zu posten und Dich in den Komplimenten für Deine Fähigkeit als Fotograf zu suhlen. Ich klinge wie eine Stalkerin, wenn ich das hier schreibe, aber weißt Du, Facebook hat leider die Angewohnheit, solche Dinge in meine Timeline zu packen und mir somit zu zeigen, dass da doch ein wenig Zeit zwischen all dem "busy" übrig zu sein scheint. Für alles Mögliche, aber nicht dafür, mir wenigstens eine kurze Nachricht zu schicken.

Was an sich okay wäre - hättest Du mich nicht beim Flughafenpersonal Dein "girl friend" genannt. Würdest Du mich nicht mit diversen Spitznamen wie "my dear" oder "hun" ansprechen. Sag, wie viele Mädchen, wie viele Frauen nennst Du so? Mit der Anrede "meine Frau" können die amerikanischen Girls sicherlich nicht viel anfangen, aber wer weiß, vielleicht hast Du ja ein englisches Pendant dazu, sodass es am Ende gar nicht so etwas Besonderes ist, wie ich die ganze Zeit dachte. Dass ich am Ende gar nicht so "special" für Dich war oder bin, wie Du immer wieder behauptet hast. Wie Du immer wieder geschrieben hast. Ist das so eine amerikanische Sache oder bin ich einfach nur überempfindlich in dieser Beziehung? Denn ich verstehe nicht, wie es zu einer derartigen Stille oder vielmehr einem derartigen Abfall unserer täglichen Kommunikation gekommen ist.

Ja, ich würde statt all der schriftlichen Worte auch viel lieber mit Dir telefonieren. Mit Dir skypen, Deine Stimme hören und Dein Gesicht sehen. Auch wenn es mir schwerer fällt als zu schreiben, auch wenn es kein richtiger Ersatz für all die Nähe ist, die wir hatten, als ich bei Dir war. Nur vergisst Du scheinbar immer wieder die enorme Zeitverschiebung zwischen unseren beiden Städten. Wenn Du fragst, ob ich "heute Abend" Lust auf ein Skype-Gespräch habe, dann kommt diese Nachricht bei mir in den frühen, frühen Morgenstunden an. Es ist okay, dass Du vergisst, dass ich ebenfalls berufstätig bin oder Termine habe, von denen ich Dir sogar erzählte. Es ist okay, weil Du solche Dinge einfach nicht in Deinem Kopf behälst. Und manchmal musste ich sogar lächeln, wenn ich morgens aufwachte und eine solche Nachricht von Dir vorfand.

Inzwischen ist das nicht mehr so. Denn ich habe Deinen Kontakt in WhatsApp auf Stumm gestellt. Weil ich nicht jedes Mal, wenn diese kleine grüne Sprechblase auf meinem Display aufleuchtet, darauf hoffen will, dass Dir wieder eingefallen ist, dass da im kalten Deutschland jemand ist, der vielleicht mal wieder ein paar Worte von Dir bekommen könnte. Ich habe Dich auf Facebook entabonniert, weil ich nicht mehr ständig sehen will, dass Du hier ein Foto mit einem Like versiehst oder da einen Kommentar schreibst oder sogar selbst etwas postest. Weil es mich verletzt, dass SocialMedia - wofür Du nach eigener Aussage nicht viel übrig hast - plötzlich doch einen so hohen Stellenwert für Dich hat, dass Du sogar mehrfach täglich dort zu finden bist. Aber eine Nachricht für mich ist nicht drin. Weil Du nicht weißt, was Du sagen sollst. Was Dich "früher", vor dieser Mail, in der ich Dir mein Herz - noch einmal - förmlich Schwarz auf Weiß zu Füßen gelegt habe, nie davon abgehalten hat, mir zu schreiben.

Ich bin nicht böse auf Dich. Bin ich tatsächlich nicht. Ich bin nur stinksauer. Und enttäuscht. Du kannst mit Geschenken nicht viel anfangen und vielleicht warst Du, seit mein Geburtstagsüberraschungsgeschenk angekommen ist, noch nicht wieder bei Deiner Tante, weshalb ich bislang noch nicht einmal einen Dank dafür von Dir bekommen habe. Diese Tante, zu der Du mich mitgenommen und der Du mich vorgestellt hast, als wir uns noch nicht mal einen Monat kannten. Was etwas Besonderes war, wie Du mir immer wieder versichert hast, weil sie und ihre drei Jungs die einzige Familie sind, die Du dort vor Ort hast. Die mich so wunderbar herzlich aufgenommen hat, dass es mir auch jetzt noch die Tränen in die Augen treibt.

Irgendwann hast Du mal in einer Deiner wenigen Mails geschrieben, dass Du auf keinen Fall einfach aufhören würdest, auf Nachrichten zu reagieren. Dass Du mich niemals einfach aus Deinem Leben streichen und weitermachen würdest. Doch genau so fühlt es sich gerade für mich an. Als würdest Du genau das tun. Wir sind kein und waren nie ein richtiges Paar, trotz der besonderen mentalen und emotionalen Nähe, die uns - wie ich dachte - verbunden hat. Deshalb haben wir auch nie richtig "Schluss gemacht", warum auch? Es war immer klar, dass das zwischen uns nichts Festes, nichts Offizielles, nichts Exklusives sein würde. Du warst von Anfang an ehrlich in diesem Punkt und mein Kopf wusste all das auch. Nur haben wir diese Rechnung ohne mein Herz gemacht. Mein Herz, das ich seit meiner letzten Beziehung von vier oder fünf Jahren sorgfältig hinter einer Mauer verborgen habe, einsam, aber immer geschützt. Und dann kamst Du um die Ecke und hast mit nur einem Blick, nur einem Wort sämtliche Steine in Staub verwandelt. Nicht mit Absicht, ich weiß, es war nie deine Absicht, mir weh zu tun.

Du hast oft gesagt, Du wärst dankbar dafür, dass ich für Dich da bin, dass wir uns auch ohne viele Worte so gut verstehen, dass wir manchmal gar nicht zu sprechen brauchen und trotzdem wissen, was dem anderen gerade gut tut. Und Du hast gesagt, dass Du ebenfalls jederzeit für mich da wärst. Doch als ich Dir von meinem kleinen Zusammenbruch erzählte, von all dem Ärger und Trubel, in dem ich gerade feststeck(t)e, da kam gar nichts. Kein einziges Wort des Zuspruchs, kein einziges Wort der Aufmunterung, kein einziges Wort. Nichts. Rein überhaupt gar nichts. Das gibt mir das Gefühl, dass ich wie schon oft in meinem Leben wieder an diesem Punkt bin, wo ich anderen dabei helfe, irgendwie über ihre Talfahrt hinweg zu kommen - um mich dann allein in diesem Tal wiederzufinden und mich zu fragen, wie das passieren konnte.

Versteh mich nicht falsch, ich bin gern für andere da und helfe, so gut ich kann, und wenn es nur durch positive Worte ist. Und ich bin froh, dass ich auch Dir helfen und anscheinend ein paar Steine ins Rollen bringen konnte, sodass Du Deinen Arsch endlich hochbekommen und ein paar schwierige Punkte in Angriff genommen hast. Ich habe nie irgendwas von Dir als Gegenleistung verlangt. Es war mir genug zu wissen, dass es Dir geholfen hat, dass ich in diesen Momenten, in denen es Dir schlecht oder zumindest nicht gut ging, für Dich da sein konnte. Und doch frage ich mich jetzt, was bleibt am Ende für mich?

Ich weiß nicht mehr, was von all dem echt und was gespielt war. Warum Du immer, von Anfang an, wenn sich auch nur die leistesten Zweifel in mir gemeldet haben, genau die richtigen Worte gefunden hast. Vielleicht weil ich es glauben wollte. Weil ich empfänglich dafür war. Weil ich es in diesen Momenten brauchte, mich gebraucht und gewollt und geliebt zu fühlen. Weil ich dachte, es wäre die Wahrheit, wenn Du sagst, diese Verbindung zwischen uns wäre etwas Besonderes. Und vielleicht war sie das ja auch wirklich. Vielleicht haben sich die Dinge einfach weiterentwickelt. Vielleicht haben wir uns weiterentwickelt und vielleicht war es für uns beide zu genau diesem Zeitpunkt wichtig, dass wir uns über den Weg laufen. Und vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dass sich unsere Wege wieder trennen - auch wenn es schmerzt. Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass Du mir fehlst. Ganz schrecklich fehlst. Du als Person, als Mensch, als Freund. Als jemand, mit dem ich so viele Dinge aus meiner Vergangenheit und in meinem Leben teilen konnte, mit dem ich mich blind verstanden habe, trotz all der Kommunikationsschwierigkeiten. Ich bin nicht schwach, aber ich bin auch nicht stark genug, mir jeden Tag und jede Nacht weiterhin diese Gedanken zu machen und dabei immer sicherer zu sein, dass Du Dir nicht einmal im Ansatz ähnliche Gedanken machst. Vielleicht spricht hier mein angeknackstes Ego aus mir. Vielleicht bin ich aber auch nur deshalb so wütend, weil Du mir derart viel bedeutest. Keine Ahnung, wie und wo das noch hinführen soll. Wie und wo es enden soll. Ich bin niemand, der aufgibt oder Menschen kampf- und wortlos aus seinem Leben streicht. Aber allein auf weiter Flur zu stehen und bis zum Umfallen zu kämpfen, immer und immer wieder gegen Wände anzureden, dafür habe ich nach inzwischen mehr als zwei Monaten einfach nicht mehr die Kraft.

Heute weiß ich: Es war kein Fehler, mich in Dich zu verlieben. Der Fehler bestand darin, es Dich wissen zu lassen.

Geht es mir jetzt besser, nachdem ich alles das aufgeschrieben habe? Nein. Ich bin müde, weißt Du. Ich bin so müde und wäre es nur das, könnte ich damit umgehen. Aber es ist eben nicht nur das. Meine Arbeit leidet unter dieser Situation, mein Team muss mit meiner schwankenden Laune klarkommen und meinen FreundInnen gegenüber erwähne ich vielleicht noch einmal die Woche ansatzweise, wie schlecht es mir tatsächlich mit all dem geht. Weil ich sie nicht nerven will. Weil ich mir selbst auf die Nerven gehe. Weil ich mich selbst ankotze. Weil ich mich mit meinem fast 32 Jahren wieder wie ein dummes, kleines Teenager-Mädchen fühle und weil ich in alte Verhaltensmuster zurückfalle, ohne das zu wollen. Und ohne wirklich etwas dagegen tun zu können.

Vielleicht bin ich irgendwann in der Lage, all diese Worte zu nehmen, zu übersetzen und für Dich in eine eMail zu packen. Die Du lesen wirst, ganz bestimmt. Aber wirst Du sie auch wirklich verstehen?



~ 07. April 2016, 03:54 Uhr ~

... weil das Leben seltsame Wege geht ...

Der Sprung über den eigenen Schatten gelingt leichter,
wenn wir ihn für jemanden wagen,
der Licht in unser Leben bringt.
(unbekannt)

Eine Schattengestalt und ihre Schattengedanken


[Bild: 12.gif]

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Beitrag #287 |

RE: Literarisches Tagebuch
31.07.2016

Sag mir –
Ist das ein Lächeln?
Zähnefletschende, geifernde Angst
Bereit zum Angriff
Deine Augen, dein Mund –
Dein Gesicht hat keine Farbe.
 
Sag mir –
Wo endet die Dunkelheit?
Leere, erdolchte Hoffnungen
Die Messer gewetzt
Du nahmst
Mir all meine Kraft.
 
Sag mir –
Wer sind wir schon?
Zerrissenes, rottendes Fleisch
Zerfall in jedem Atemzug
Verwehte Brandung
Gebrochener Sand
 
Und doch:
Du bist nichts
Denn wir sind alles.


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Beitrag #288 |

RE: Literarisches Tagebuch
Zurück ...

... zu folgendem Erinnerungseintrag:

"Du hast meinen Burger gegessen?"
Da war ein Grollen in Deiner Stimme gewesen. Und auch Deine Körpersprache verriet mir, dass ich nicht weit davon entfernt war ohne Zähne durch den Rest meines Lebens zu laufen.
"Hm", machte ich und versuchte den vollen Mund zu kaschieren. "Schorrie!"
Peinlich, wirklich peinlich, auch wenn es anatomisch verständlich war: Mehrere Stockwerke ohne Fahrstuhl. Viel zu viel Gegenstände, unhandlich und schwer, die in den gierigen Schlund des Crafters verschwinden sollten. Aber da wären wir wieder beim Hunger, weswegen wir beim goldenen M halten mussten. Und das ist eigentlich nicht das Thema.

Eigentlich ... Mal wieder.
Eigentlich war es einfach die Herkulesaufgabe zu bestehen: Schleppen, laden, fahren. Hin und wieder zurück, obwohl damals niemand ahnen konnte, dass 'Der Hobbit' jemals verfilmt werden würde.
Mitten durch den Tag, ausladen in der schönsten Stadt der Welt. Wieder zurück. Durch die Nacht, durch den Wind, der den Crafter mehr als einmal von links nach rechts wegfegen wollte. Und das alles mit sinkenden Vorrat an Kaffee und Zigaretten. Schweigend, nicht weil nichts mehr zu sagen war, sondern wegen der ausgelauchten Körper. Nur ab und zu blitzte das, was uns als Mensch ausmacht, noch hervor. Auch wenn es nur abgespeckte Ergüsse waren:
"Musst gleich abfahren." Müde zielte Dein Finger wie eine betrunkene Pistole auf einen Punkt mitten ins Schwarz der Nacht. "Da. In dreihundert Metern."
"Hm." Blinker setzen, abbremsen, einfädeln. "Okay."
Ein gähnendes Duett entstand, nur mit uns beiden da vorne im Fahrerhaus. Sanft beleuchtet von den Instrumentenlämpchen, und den Träumen, die noch ausgiebig schliefen.
"Müssen gleich noch die Katzen in die Körbe packen."
"Die freuen sich bestimmt schon drauf", meinte ich. "Überlandfahrt mitten durchs Nichts."
Du nicktest.
"Nicht nur das."
"Was meinste?"
Du hast mit den Augen gerollt.
"Drei Katzen. Zwei Körbe."
"Oh." Ein Seufzer. "Scheiße."
"Kriegen wir schon hin." Dein Blick war nachdenklich zum Zwilling auf der anderen Seite der Türscheibe gewandert. "Kriegen immer alles hin."
"Wird definitv einfacher als der neue Lebensabschnitt." Ein erneutes Gähnen unterstrich diesen geistigen Dünnpfiff. "Scheiße bin ich müde ..."
Du hattest schweigend mitverfolgt, wie wir auf die andere Autobahn auffuhren, und eigentlich hatte ich gerade wieder mehr damit zu tun, den Crafter in der Spur zu halten. Dread gegen den Wind. Ungleich, aber wir mussten da ja durch.
"Ein neues Leben", hast Du gemurmelt. "Von vorn anfangen. Wieder."
Zuerst hatte ich Dich angeschaut, während ich eine der beiden Gehirnzellen damit beauftragte, eine - möglichst - gute Antwort zu geben. Leider waren wir alle müde, nicht nur die Menschen.
"Wird bestimmt besser als das alte Leben."
"Ach!"
Ja, idiotische Floskel. Und nachdem sich beide Gehirnzellen eingeschaltet hatten:
"Auch wenn die Zukunft genauso dunkel wie die Nacht ist ..." (Und mein Blick wanderte unterstreichend kurzfristig zu Dir hinüber.) "... Du kannst sie mit Leben füllen. Neuen Bildern, Momenten, Gefühlen."
"Als wenn es so einfach wäre ..."
Blick wieder zurück auf die Straße ins Nichts.
"Es ist so einfach."

@Angel.

LGD.


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Beitrag #289 |

RE: Literarisches Tagebuch
Ach Furchtloser ... achteinhalb Jahre ist das jetzt her. Und gerade in den letzten Monaten denke ich viel an diese Tage zurück. Vielleicht weil ich gerade wieder vor einem neuen Lebensabschnitt stehe.

Noch immer: Danke. Für so vieles. Und Meer.

... weil das Leben seltsame Wege geht ...

Der Sprung über den eigenen Schatten gelingt leichter,
wenn wir ihn für jemanden wagen,
der Licht in unser Leben bringt.
(unbekannt)

Eine Schattengestalt und ihre Schattengedanken


[Bild: 12.gif]

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Beitrag #290 |

RE: Literarisches Tagebuch
(Auch wenn die Entfernung, das Leben und die Zeit uns trennt, bin ich immer da.
Auch schweigend.)

D.


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