Es ist: 28-11-2021, 07:26
Es ist: 28-11-2021, 07:26 Hallo, Gast! (Registrieren)


Adjektive
Beitrag #1 |

Adjektive
Adjektive - vermutlich habt ihr alle schon einmal den Vorwurf gehört, zu viele davon zu verwenden; vermutlich haben sich viele schon mit Streichungen herumgequält, vielleicht habt ihr auch schon versucht, trockene Texte mit ihrer Hilfe aufzupeppen.
Was sagt ihr zu der Forderung, den Gebrauch von Adjektiven einzuschränken, die beinahe schon zum Rezept geworden ist (wie auch das unsägliche "show, don't tell" Icon_wink)?
Wie konkret müssen Bilder sein? Wann seid ihr für den Einsatz der beschreibenden Worte, wann dagegen? Wollt ihr überhaupt keine Einschränkungen oder neigt ihr dazu, jedes Adjektiv zu verteufeln?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen ...


Mira

Ich bin ein Fragezeichen
kein Punkt
- Rose Ausländer -

Avatar von Zwielichtstochter

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Beitrag #2 |

RE: Adjektive
Ich mag Adjektive sehr gerne, weil ich zu den Menschen gehöre, denen das "wie" mindestens genauso wichtig ist wie das "was" - wenn nicht manchmal wichtiger.
In der Phantastik sind Adjektive ohnehin gut geeignet, um Welten ohne Vorwissen des Lesers (aus der Realität) zu erschaffen - und insbesondere bei irrealen / surrealen Texten unverzichtbar Icon_wink ...

Allerdings passen Adjektive nicht zu jedem. Es gibt Leute, die nutzen sie spärlich und sehr gezielt und es passt alles - da würde jedes weitere nur seltsam wirken. Und es gibt Leute, die nutzen sie häufig und es würde gar nicht passen, wenn sie auf einmal sparsam wären.
Jeder muss für sich selbst herausfinden, ob er mit Adjektiven um sich werfen mag, damit sparen oder die goldene Mitte suchen ...

Ich denke, bei Adjektiven laufen auch viele Gefahr, sie "sinnlos" zu verwenden.
"Ach, dem Satz fehlt noch was, setzen wir noch ein "stahlblau" von den Himmel ..."
Adjektive sollten immer bewusst eingesetzt werden - wenn man einfach mal irgendetwas dazuschreibt, merkt das der geübte Leser sowieso.

Ich persönlich stehe ungemein auf gekonnte Adjektiv-Nomen-Kombinationen Mrgreen ...

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #3 |

RE: Adjektive
Hallo.

Adjektive - nun ja. Es gibt tatsächlich jemanden mit seinen Werken, der Adjektive sehr gezielt als "Hauptdarsteller" in den jeweiligen Texten benutzt - nein, falsch. Als sehr oft und gern verwendetes Element verwendet, um einem Bild mehr Farbe zu geben. ( Icon_wink )

Bilder. Hier halte ich es wie Stephen King. Schreiben ist (mehr oder weniger) Telepathie. Daher muss man sich fragen, wie genau soll das Bild gezeichnet werden? Oder, besser gesagt: Versteht mich jeder? Wieviele Adjektive brauche ich, um die feinen Linien eines Bildes darzustellen?
Wie ich finde, von Bild zu Bild unterschiedlich. Oder anders gesagt, je komplexer, desto reicher an Adjektiven.

Das, was ich weniger mag, sind adverbiale Adjektive. (Oder Adjektiv - Adverbien) in Dialogelementen zum Beispiel:

"Nein", schrie er entsetzt.
"Du kleiner Penner!", meinte er verächtlich.

Gut, ich habe teilweise auch solche Konstruktionen niedergeschrieben, aber ich versuche doch, diese Klippen weiträumig zu umschiffen.

D.


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Beitrag #4 |

RE: Adjektive
Hallo zusammen

Adjektive und Adverben sind wie das Salz ... zu wenig und ein Text kann schnell sehr fade und langweilig werden - zuviel, dann wirkt ein Text gestelzt, überladen und er liest sich mühsam.
Allerdings gibt es wahre Meister im Benutzen beider Möglichkeiten.
z.B. Huraki Murakami verwendet sehr sparsam und selten die beiden As., schafft aber durch sein Erzählen eine Atmosphäre, in der der Leser seine Phantasie rasant entfalten kann - es wird lebendig und realistisch ...
... dann wieder z.B. Zack, die in ihren surrealen Universen nicht ohne die genaue, detailierte Beschreibung ihrer "Zustände" auskommen kann. Wir verstünden kein Wort, es wäre eine farb- und strukturlose Welt ohne die As.
In ihrer Verwendung stimme ich Zacks Meinung zu - die As sind mit Bedacht zu wählen, aber ich denke, jeder muss das für seinen Stil selbst finden. Risiko ist besser als sich an Stile anzulehnen. Deshalb - schreibe und denk nicht so viel.
Liebe Grüße
Deddy


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Beitrag #5 |

RE: Adjektive
Schön, dass doch noch Antworten zum Thema kommen Icon_smile ...

Und es wird über mich geredet? *hust* ... wieso denn das?
Aber ich stimme dem Detlev zu ... jeder muss seinen eigenen Stil finden. Und je nachdem, welches Genre man schreibt, passen die As besser oder schlechter ...

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #6 |

RE: Adjektive
Lieber zu wenig als zu viel! Adjektiv drosseln erheblich das Tempo und machen einen Text weitaus behäbiger, als es sein müsste.


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Beitrag #7 |

RE: Adjektive
hi ihr,

bei mir und den adjektiven ist das ganz seltsam. wenn ich ganz gezielt versuche etwas zu beschreiben, z.b. ein haus, dann bekomme ich gesagt, dass ich ruhig mehr adjektive verwenden sollte, da die beschreibung sonst zu ungenau wäre.
aber wenn ich (mehr unterbewusst) mehr wert auf die atmosphäre lege und diese beschreibe, funktioniert das anscheinend besser. das könnte daran liegen, dass ich es da schaffe die adjektive treffender auszusuchen.^^
ich denke es kommt eben immer auf den text drauf an und wie dieser aufgebaut ist, auf sein ziel. und auf den autor, ob dieser es schafft gezielt die passenden auszusuchen und einzusetzen.

lg

Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #8 |

RE: Adjektive
Die Verwendung von Adjektiven unterliegt leider den "Modetrends" im Wandel des Sprachgefühls.
Mein Großvater bekam in der Schule für Aufsätze schlechte Noten, weil sie zu "trocken" seien.
Ich habe einige davon gelesen und sie entsprachen bestens unterem heutigen Lesegeschmack.
Es ist, in meinen Augen, ganz einfach eine Frage des persönlichen Schreibstils und der jeweiligen Geschichte, wieviele Adjektive sie verträgt. Festlegen kann ich mich da nicht.
Lesevergnügen wir bei mir eher (vor allem bei längeren Romanen), von Unwortansammlungen getrübt- "und", "aber", "nämlich", "doch", "danach" und zwar genau dort, wo man den Quatsch ersatzlos streichen könnte, ohne eine Bedeutungseinbuße zu haben.
Das sind auch die Sünden, die ich selbst, wenn eine Geschichte lange genug Schubladenpause hatte, bei mir merke und dann konsequent den Radiergummi benutze. es schreibt sich mit den Dingern soooo herrlich süffig und klingt sowas von Schmalz ...
Erinnert mich irgendwie an das Kindergebet:
"Lieber Gott, bitte lass doch die Vitamine im Pudding, statt im Spinat sein."
Ich hätte gern mehr Bedeutung in Unworten.

Ninita

Glück ist eine Zuchtpflanze aus Ehrgeiz und Fleiss,
gesät in eine Mischung von Geduld und Beharrlichkteit,
regelmäßig gedüngt mit Humor. (Xelanja)

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Beitrag #9 |

RE: Adjektive
Servus,

manchmal ist es hilfreich, die deutsche Bezeichnung zu einem Begriff herauszusuchen, besonders, wenn es um sprachliche oder schriftliche Dinge geht wie hier.

Adjektiv entspricht dem Eigenschaftswort (war jetzt überflüssig, aber ich brauche es für das weitere Geschreibsel).

Es geht also darum, ob und wie man die Eigenschaften von Figuren, Orten, Dingen etc. zu beschreibt. Ob eine Figur groß oder klein ist, dürfte schon eine entscheidende Eigenschaft sein und für die bildhafte Vorstellung unverzichtbar. Anders wird das z. B., wenn es darum geht, welche Hautfarbe die Figur hat. Kann wichtig sein, aber auch nicht. Eine Eigenschaft, auf die jetzt von vorne herein und ohne Nachfrage verzichtet werden kann, gibt es mMn nicht.

Im Endeffekt, wie schon viele hier angemerkt haben, eine Fallentscheidung. Die Frage, die ich mir dabei immer stelle: Ist die Eigenschaft für die Geschichte oder die bildhafte Vorstellung wichtig?
Ja? Rein damit - Nein? Raus damit.

Liebe Grüße


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Beitrag #10 |

RE: Adjektive
Kaputtlach, es ist ja meist gar nicht so, dass wir weniger "Eigenschaften" darstellen, wobei man auf Adjektive allerdings fast immer verzichten kann.
Früher hätte man geschrieben:
"ihr langes, blondes Haar"
Die "moderne" Version:
"Der Schleier ihres Goldhaares fiel über ihr Gesicht und floß über ihren Oberkörper in ihren Schoß"
Aha.
"ihren", "ihr", "ihren", "ihren" und das im mit "2" bewerteten Aufsatz eines Abiturienten. Aber immerhin - nicht ein Adjektiv! Icon_ugly
Mir gefällt die alte Version besser, wenn ich ehrlich sein soll.
Komisch, was einem beim Lesen erst dann bewusst auffällt, wenn man grad mal drüber diskutiert hat.

Ninita

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