Es ist: 27-06-2022, 22:10
Es ist: 27-06-2022, 22:10 Hallo, Gast! (Registrieren)


Chiral
Beitrag #11 |

RE: Chiral
Hallo Zack,


hm, den wievielten Anlauf nehme ich jetzt? Icon_wink Tja, aber diesmal wird etwas aus dem Kommi.
Habe ich mir vorgenommen zumindest. *g*

=> Zwei dunkle Ringe – Symbole jener Nächte, in denen Schlaf nie Gast war geschweige denn Freund
Komma nach "Gast" - und ich würde fast "ein Freund" schreiben, dann liest es sich mit dem Nachfolgenden besser ...

=> Ian lebte ohne die Bedeutung dieses Seinszustands zu kennen.
Komma nach "lebte"

=> Aufblitzende Lichtmomente [...] Eine Säule kränkelnden Lichts fiel auf ihn
Jetzt bin ich mal haarspalterisch und sage, dass man das als Wortwiederholung werten könnte, wenn man wollte. Icon_wink

=> Ian spürte die Blicke des Fremden auf seinen Gedanken lastend
"lasten" (ohne d)

=> versank in ihren eiskalten, himmelgrauen Iriden. [...] Ian wurde unsanft zurück in die kalten Gefilde der Realität geschleudert.
Wieder eine erbsenzählerische Wortwiederholung Icon_wink

=> Eine Hohle Sackgasse, die sich schmerzhaft ausformte.
"hohle" klein

=> Ihn durch Häuserschluchten zerrten und offene Winkel schoben.
"in offene Winkel" oder so - hier fehlt ein Wort

=> Umschlang seinen Nacken, so dass Ian zusammenzuckte
sodass (glaube ich)

=> Ein Bild von vielen Bildern.
Würde hier nur "Ein Bild von vielen." stehen lassen ...

=> Nun hatte Ian es gesehen – senkte den Blick und ging.
Diesen Satz würde ich irgendwie "abschließender" gestalten (bloß weiß ich nicht, wie genau). Etwas in der Art wie "Nun hatte Ian es gesehen. Senkte den Blick - und ging." Und vielleicht noch was dranhängen, dass er sich wieder von diesen Menschenmassen verschlucken lässt oder so (natürlich nicht so abgedroschen sondern mit einem deiner tollen Bilder Icon_wink).

Aber jetzt zum Eigentlichen (ich möchte hier wieder ein bisschen schrittweise vorgehen):

Zitat:Ian war der Inbegriff scharlachgrauer Einsamkeit.
Zitat:Laney war eine Karikatur der menschlichen Existenz.
Parallelgeschichte, sagst du? Ja, tatsächlich. Zwei Personifikationen; Karikatur und Inbegriff ... "scharlachgrau": Eine Verknüpfung (zumindest für mich) zu deinem Gedicht "Frühlingsgrau" ... aber während du dort von Scharlachweiß schreibst, wirkt die Kombination hier auf mich - ja, "ungesund", das Wort hat für mich eine hässliche Farbe. Icon_wink

Zitat:Augen wie vertrocknetes Moos
Schön. Und Ian ist ein ganz anderer Charakter als Laney, das merkt man schon in diesen ersten beiden Sätzen.

Zitat:Zwei dunkle Ringe – Symbole jener Nächte, in denen Schlaf nie Gast war geschweige denn Freund, der seine kühle Hand lindernd auf verbranntes Herzfleisch senkte.
Zitat:Da war ein Mann mit minimal bläulich schimmernden Kringeln um ein versunkenes Starren.
Und wieder eine Parallele ... das verändert mein Bild von dem Mann in "Interstitiell" sehr.
Eine schöne Formulierung mit dem Schlaf ...

Zitat:Schwarzes Haar, so liebevoll aufs Haupt drapiert, dass es in Anpassung erstickte.
Auch eine gute Charakterisierung; und wieder unterstreichst du den Kontrast zu Laney.
Mit jedem Satz wird das Gefühl der Leere, die Farbe Grau verstärkt. Während Laney ... ja, "bunt" ist das falsche Wort, aber während um ihn Farben existieren, ist hier alles in Grau getaucht; während Laney innerlich alt ist, aber gewissermaßen weise wirkt, mit sich selbst im Einklang ist, ist Ian leer und hat sich selbst verloren. Ist chiral - nicht mit sich selbst in Deckung zu bringen.

Zitat:Ian lebte ohne die Bedeutung dieses Seinszustands zu kennen. Sie ging verloren, irgendwann in einer Zeit, an die er sich nur schemenhaft erinnern wollte. Aufblitzende Lichtmomente, verstorben neben unfassbarer Ablehnung, die sie ihm als Mahnmal in seine Erinnerung malte. Wie ein Bild, dessen Konturen längst verblasst waren. Doch nie verwischt.
Wieder sehr schöne Formulierungen.
"Sie" - du hast Recht, da stolpert man beim Lesen erst mal ... Unfassbare Ablehnung. Die Erfahrung, die Ian hier machen musste, war so einschneidend, so brutal, dass er versucht, den Erinnerungen daran auszuweichen; die Konturen sind verblasst, aber immer noch scharf und schneidend. Nicht verwischt.
Hier zeichnest du das Bild eines tiefsitzenden Schmerzes, einer Wunde, die nicht heilt.

Zitat:Eine Säule kränkelnden Lichts fiel auf ihn wie ein unheilvolles Zeichen. Ian kniff die Augen zusammen und wandte sich um, sah die verzerrten Reflektionen leuchtend gelber Narzissen. Verschwommene Farbkleckse auf schwarzem Asphalt. Boten eines Frühlings, den er nicht ertragen wollte. Seine Blicke, halb verzweifelt, halb ermüdet, suchten nach der sicheren Mattigkeit graphitfarbener Pflastersteinkolonien, als farblose Schleier den Horizont verhüllten.
Die Narzissen, Laneys Narzissen ... die seltsamen Blumen zwischen Farblos und synthetischem Bunt, irgendwo dazwischen. Schon allein in der Betrachtungsweise der Narzissen charakterisierst du sie: Für Laney Zeichen des Dazwischen, für Ian Hohn seiner Einsamkeit, die sich so tief in sein Herz gegraben hat. Und auch die graphitfarbenen Pflastersteinkolonien sind eine Parallele:
Zitat:Graphitfarbene Pflastersteinkolonien zwischen den Schienen. Laney dachte daran, dass der Mann ihrer sorgsamen Anordnung keinerlei Beachtung schenken würde. Er sah zwischen ihnen hindurch, sah in ein Gesicht, das sein Lächeln nicht mehr erwiderte.
- Als ich das hier wieder las, dachte ich nur noch: Laney, wie konntest du das wissen? Woher? ... Er fasziniert mich. Es fasziniert mich auch das Wechselspiel zwischen den Texten, die Ebenen, auf denen sie sich überschneiden, wieder trennen, das Bild noch mehr ausweiten und vertiefen. Beinah wünsche ich mir noch eine Geschichte - zu ihr, die beinah unwirklich in beiden Texten auftaucht und wieder verschwindet, kaum fassbar und so eindrücklich für die beiden.

Zitat:Im Augenwinkel das Bild eines jungen Mannes. Schütteres, buchrindenfarbiges Haar, das glanzlos über seine viel zu hohe Stirn fiel. Transparent überlagert vom trüben Widerschein der Außenwelt, gebrochen in bräunlichen Mustern. Ian spürte die Blicke des Fremden auf seinen Gedanken lastend – und starrte in ihr Gesicht. Schenkte der vorbeifahrenden Gestalt kein Bild seiner Augen, sondern versank in ihren eiskalten, himmelgrauen Iriden. Verfing sich in ihrem dunklen Reif.
Ein Ellbogen streifte seine Rippen und Ian wurde unsanft zurück in die kalten Gefilde der Realität geschleudert. Ein Tropfen verfing sich in seinem Haar. Aufkommender Wind umspielte seine Wangen und Ian erwachte – schlich davon. Ging den Weg, den er schon vor Minuten einschlagen wollte. Hinein ins Herz der Stadt.
Hier taucht er auf: Laney. Ian fühlt, wie dessen Blicke seine Gedanken geradezu entblättern. Und dann ... sie. Die Erinnerung. Ein kurzes Aufbrechen der Bilder, ihr Blick, der ihn geradezu flutet, und - wieder die Realität. Zurückgeworfen. So bitter, dieses Erwachen ... und wie betäubt geht Ian weiter.

Zitat:Menschen glitten lautlos an ihm vorüber.
Wie Sandkörner, die von zitternden Fingerkuppen verdrängt wurden.
Wunderbares Bild! Und schon wieder eine Parallele, eine wunderbare, weil sie die Perspektiven so eigentümlich verschiebt ...
Zitat:Ein zitterndes Blinzeln und kurze Finger, die ein Sandkorn aus der Vertiefung zwischen Auge und Nasenwand kratzten.
Ich kann mir nicht helfen, aber diese Parallele ist einfach nur durch und durch gelungen. Und ich kann dieses seltsame Gefühl gar nicht beschreiben, dass sie bei mir auslöst; als würde Laney über allem stehen ein Stück weit, als wäre er ein Stück weit "außerhalb", und als wäre Ian mitten in mikroskopischem Alltagssand gefangen, selbst so klein, dass es ihm unmöglich ist, hinauszufinden, den Blick zu heben ...
Ich rede wirr, ich weiß, ich kann die Empfindung eben nicht in Worte fassen ^^

Zitat:Kälte kroch wie der Duft ihrer Haut über seine Arme. Umschlang seinen Nacken, so dass Ian zusammenzuckte und den Kopf zur Seite warf.
So, so schön!
Und so eindringlich. Ihre Kälte, die Kälte der Erinnerung, die sich um seinen Nacken schlingt (du weißt, dass ich das als Parallele zu deinem Gedicht "Schattennah / Distanz" empfinde?) ... und dieses Zusammenzucken! Wie verletzlich, wie empfindlich Ian ist; immer noch. Wie er noch immer ihre Nähe zu fühlen glaubt.

Zitat:Nichts. Nur sein zweifacher unförmiger Abglanz, in schwarzviolette Gläser gebannt. Umrahmt von blassen, knochigen Wangen und rotbraunem Haar, das in halb gelockten Strähnen über spitze Schultern fiel. Leidgezeichnete Knochen, die sich über ihre Lunge erhoben. Ian legte einen flüchtigen Blick in die Dunkelheit, die ihre Augen verbarg – sie vor dem Licht schützte, das unter einem grauen Wolkenbrei verschüttet lag.
Und hier eine neue Gestalt. Wenn du wolltest, könntest du diese Texte wohl bis ins unendliche auffächern, indem du die Personen, die sich zufällig begegnen, eine eigene Geschichte kreierst ... Ach, fast bin ich verlockt, darum zu bitten. *g*
Wieder sehr schön, dieses Bild, deine Worte. Wie du sielbst sie, diese flüchtige Randfigur, durch diesen kurzen Blick von Ian zu charakterisieren vermagst.

Zitat:Ian wandte sich ab.
Seine Schritte weiteten sich, seine Beine trugen ihn nun schneller. Weg von den Menschen, die ihm einer nach dem anderen allmählich viel zu nahe kamen. Hin zu den Schaufenstern, in denen nur leblose Puppen von Freude erzählten. Glaskästen, gespickt mit tausend Sinnlosigkeiten.
Achja, so etwas magst du. *g* Irgendwie ist diese Beschreibung der Schaufenster und Modepuppen ganz typisch für dich ^^ ...
Und natürlich fügt es sich gut in die Geschichte ein. Es ist seltsam - in dieser Geschichte befinden wir uns in derselben Stadt, derselben Gegend wie bei "Interstitiell", und doch unterscheidet sich die Betrachtungsweise so sehr. Laney sieht die einzelnen Menschen, Ian die fremde Masse. Laney die Farben, Ian das Grau. In Laneys Augen ist die Stadt lebendig - bei Ian ist sie kalt und steril ... da fügt sich diese Betrachtungsweise in diesem Absatz sehr gut ein.

Zitat:Zwischendrin verspiegeltes Glas, das Ian festhält. Er bleibt stehen, starrt das Wesen an, das ihm äußerlich bis aufs letzte Haar gleicht. Deutlich und unverkennbar fremd. Übersät von trägen Wassertropfen, die gewillt zu sein scheinen, ihrem Dasein ein Ende zu setzen und sich doch nicht lösen können. Wie Ian.
Erinnerungen brechen auf. In einem flüchtigen Moment der Vergangenheit entführt sie ihn in eine andere Dimension, aufgefaltet aus der Schnittebene ihrer Blicke. Zeitlos und unendlich wie ihre Zuneigung. Eine zarte Knospe, deren zukünftige Blüten prachtvolles Schimmern rückwärts in die damalige Gegenwart werfen. Ihre Fingerspitzen, die zwischen seinen tanzen.
Ihre warme Handfläche, an die Ian die seine hilflos presste. Eisigkalt. Nur sein Abglanz, eine zerplatzte Seifenblase. Augen, die Müdigkeit erbrachen. Blasse Lippen, die immer noch flehten: Geh nicht. Ein Körper, der dem seinen nicht mehr glich.
Und hier: Zeitenwechsel. Ein Schnitt, plötzliche Klarheit, flutende Erinnerung. Und wieder sie.
Nun kann man erahnen, wer sie für ihn war ... da war Nähe, da war so viel Verbundenheit, so viel Zuneigung; und dieses Bild ist zersplittert. In Gedanken presst er seine Handfläche an die ihre, in der Realität ist da nur das kalte Glas der Scheibe. Durch sie war er ganz, nun bleibt nur die Leere, die Erschöpfung, die alles zerfressende Einsamkeit - und diese tiefe, tiefe Sehnsucht nach ihr.
Er hat sich selbst verloren durch die Trennung von ihr. Sich von sich selbst entfremdet. Erkennt sich nicht mehr. Ist chiral.
Schön, wie du auch die Schnittebene der Blicke wieder aufgreifst ...
"Eine zarte Knospe, deren zukünftige Blüten prachtvolles Schimmern rückwärts in die damalige Gegenwart werfen."
- Dieser Satz ist unglaublich schön und melancholisch. Einfach ein absolut berührendes Bild!

Zitat:Ian war allein. Sein Spiegelbild eine überzeichnete Wirklichkeit. Nicht mehr passend, nicht zugehörig. Verloren. Ein Bild von vielen Bildern. Keine Drehung vermochte mehr, es mit ihm in Einklang zu bringen. Nun hatte Ian es gesehen – senkte den Blick und ging.
Und hier erkennt Ian, was mit ihm geschehen ist. Muss es erkennen. Weiß, dass es kein Zurück mehr gibt für ihn.
Und wie die Erinnerung vergräbt er auch dieses Wissen in sich; wendet sich ab; nimmt es hin - und geht. Was soll er schon tun? ...

Aufgefallen ist mir, dass auch das Spiegeln eine Parallele ist; unter anderem beim Abschluss von "Interstitiell":
Zitat:Wie das Eintauchen in einen Spiegel.

Viele Parallelen, viele Verknüpfungen; manche offensichtlich, manche sehr subtil. Und dennoch ist dieser Text wieder eine ganz eigene Welt.
Du spielst hier mit Facetten und Perspektiven, fächerst auf und verknüpfst, arbeitest mit detaillierter Genauigkeit an kleinen Einzelheiten und zeichnest große Zusammenhänge. Und bei all dem bewegst du dich außerhalb des wirklich Fassbaren. Immer bleibt eine Spur von Rätsel, von Geheimnis.

Mies nanntest du den Text? Ganz und gar nicht.
Schwieriger als "Interstitiell"; man muss sich mehr darauf einlassen, in den Zwischentönen suchen. Aber das entspricht auch Ians Charakter. Er ist verschlossener als Laney.
Schön. Sprachlich und bildlich wieder mit richtigen Höhepunkten; farblich viel Grau in verschiedenen Abstufungen; nur sie bringt Farbe in den Text. Und atmosphärich sehr dicht, melancholisch.

Ein Text, der wieder mit dem Lesen wächst, mit der Intensität der Beschäftigung immer mehr Facetten offenbart - wieder einmal. Ganz Zack.
Gefällt mir wieder sehr, sehr gut. Icon_smile


Mira


P.S: Auch schön, wie die Überschriften der Texte jeweils nicht nur den Text, sondern auch den Protagonisten charakterisieren ... Laney ist interstitiell, Ian chiral.
By the way: "Chiral" ist ein genial schönes Wort und farblich einfach nur passend.

Ich bin ein Fragezeichen
kein Punkt
- Rose Ausländer -

Avatar von Zwielichtstochter

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Beitrag #12 |

RE: Chiral
Hallo Mira,

danke für deinen Kommentar und die Fehlerkorrektur Icon_smile ...

Freund steht absichtlich ohne Artikel da und ich möchte es auch so lassen (Gast steht ja auch ohne).

=> Ihn durch Häuserschluchten zerrten und offene Winkel schoben.
"in offene Winkel" oder so - hier fehlt ein Wort


das is schon so gemeint: "durch Häuserschluchten und durch offene Winkel" - nur das zweite "durch" hab ich weggelassen ...

"so dass" ist schon korrekt, kann man zusammen und getrennt schreiben

=> Ein Bild von vielen Bildern.
Würde hier nur "Ein Bild von vielen." stehen lassen ...


mhm, mir gefällts anders einfach besser

Auch das Ende lass ich so - es soll eben nicht abschließend sein. Die Story ist nur ein Ausschnitt aus Ians Leben, genauso wie Interstitiell ein Ausschnitt aus Laneys Leben. Beide haben etwas erkannt, aber bei beiden ändert sich dadurch "nichts" ... sie leben weiter. Natürlich bewirkt die Erkenntnis etwas, aber sie ist nicht so umstürzend und revolutionär ...

- Als ich das hier wieder las, dachte ich nur noch: Laney, wie konntest du das wissen? Woher? ... Er fasziniert mich. Es fasziniert mich auch das Wechselspiel zwischen den Texten, die Ebenen, auf denen sie sich überschneiden, wieder trennen, das Bild noch mehr ausweiten und vertiefen. Beinah wünsche ich mir noch eine Geschichte - zu ihr, die beinah unwirklich in beiden Texten auftaucht und wieder verschwindet, kaum fassbar und so eindrücklich für die beiden.

Eine Geschichte zu "ihr" wird's wohl nicht geben. Würde ihr wohl ihren "Zauber" nehmen ...
Auch zu der neuen Gestalt werde ich wohl nichts schreiben - wäre zwar theoretisch möglich, aber bei den Geschichten geht es um Gegensätze und eine dritte Geschichte würde da nicht gut reinpassen.

Freut mich jedenfalls, dass du alle Personen im Text erkannt hast und die Parallelen siehst ... (besonders nachdem der Text eigentlich weniger gut ankam). Ich bin wohl einfach zu detailverliebt, dann kommt die Hälfte ned an und ach Mrgreen ... schön, dass es bei dir angekommen ist.

Danke nochmals! Icon_smile

Liebe Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #13 |

RE: Chiral
Sternchen schrieb:Hey Zack,

sicherlich wird es dir gut gelungen sein. Ich bin wohl was zweideutig und "leise" Texte angeht nicht so geschult. Vermutlich ebenso wie bei Lyrik. Also ich glaube nicht, dass es an dir und deinem Text lag. - Vermutlich sollte ich mehrere solcher Texte lesen. Ich lese ansonst eigentlich ziemlich eindeutige Dinge, wenn sich dann etwas so schleichend dazumischt bin ich vermutlich nicht gerade Sherlock. Icon_smile
Also mach dir wegen deiner Geschichte keinen Kopf. Vermutlich fehlt mir die Übung beim lesen solcher Texte - ich bin eine simpel gestrickte Seele. *grins*

Grüße,
Sternchen

Und hallo

ich kann mich dem Kommentar von Sternchen nur anschließen. Ich bin auch beim Lesen solcher Texte überfordert.

Dein Text ist auf jeden Fall gut geschrieben.

Doch ich bevorzuge Geschichten, die für mich leicht verständlich zu lesen sind.

Heidemarie


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Beitrag #14 |

RE: Chiral
Hallo Heidemarie,

danke für das Lob!

Ansonsten kann ich mit deinem Kommentar leider nicht viel anfangen - es trifft nicht deinen Geschmack, ist in Ordnung, aber dann dürfte wohl gar nichts von mir deinen Geschmack treffen, was auch vollkommen in Ordnung ist.
Nur ist so ein Kommentar dann einfach "bedeutungslos" für mich ...

Gruß

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #15 |

RE: Chiral
Hallo Zack,

mir kommt diese Geschichte ganz still vor, oder eher: stumm. Sie ist lautlos. Da läuft dieser Mensch - letzter Rest von sich selbst, der er ist - durch die Straßen einer wohlbevölkerten Stadt, bemerkt andere Menschen, bemerkt sich selbst im Spiegel und doch scheint es, als sähe er nur auf Abbilder von Wesen. Er ist zu weit weg, stumm geworden vor der Welt.
Was ist ihm passiert? Entweder er hat sich selbst in einer unglücklichen Liebe verloren oder in seiner Lethargie. Da bin ich mir nicht ganz sicher, weil ich keine "sie", von der du ja einige im Text hast, zuordnen kann. Sie. Wer ist sie? Worauf bezieht "sie" sich? Die Figur aus Interstitiell ist ein Mann, ich denke, er ist die Blickbegegnung am Anfang. Schön ist der Gegensatz zwischen den beiden anhand des Vergleichs von gelben Narzissen und Pflastersteinen zu sehen, für den einen nur zufällig, für den anderen die Erlösung für einen Moment. Trotzdem schreibst du:
Zitat: Ian spürte die Blicke des Fremden auf seinen Gedanken lasten – und starrte in ihr Gesicht. Schenkte der vorbeifahrenden Gestalt kein Bild seiner Augen, sondern versank in ihren eiskalten, himmelgrauen Iriden.
Dabei kommt der Bezug für "ihr", nämlich "die Gestalt", erst danach. Dieser Wechsel des Personalpronomens verwirrt vor allem beim ersten Lesen ganz schön, vielleicht findest du da statt "Gestalt" etwas anderes, um beim "er" zu bleiben.
Oder zeigt das seine Gleichgültigkeit?
Zitat:Leidgezeichnete Knochen, die sich über ihre Lunge erhoben. Ian legte einen flüchtigen Blick in die Dunkelheit, die ihre Augen verbarg – sie vor dem Licht schützte, das unter einem grauen Wolkenbrei verschüttet lag.
An dieser Stelle dachte ich beim ersten Lesen, ich hätte irgendwo eine "Gestalt im Spiegel" überlesen, aber da steht keine. Ian ist schließlich auch ein Mann, wer ist "sie"?
Zitat:Erinnerungen brechen auf. In einem flüchtigen Moment der Vergangenheit entführt sie ihn in eine andere Dimension, aufgefaltet aus der Schnittebene ihrer Blicke.
sie - die Gestalt im Fenster? Hier dachte ich dann, könnte es eben auch seine Liebe gewesen sein, die er verloren hat. Bei den darauffolgenden ebenso, aber da war ich mir nicht sicher, ob die Fingerspitzen, die zwischen seinen tanzen, nun ein Bild der Erinnerung sind oder doch Teil dessen, was er gerade sieht. Schließlich steht er vor seinem Spiegelbild und hier trennt sich sein Geist endgültig von seinem Körper, im Sinne von: Sein Körper war schon immer da und immer dabei, aber er ist wohl irgendwann abgedriftet.

Du hast Ians Geschichte sehr feinfühlig aufgebaut, er ist kalt, ablehnend, und doch hat er etwas Menschliches an sich. Vor allem durch die Verben schaffst du unheimlich viel Stimmung. Nur die "sie", die musst du mir wohl mal erklären *g.

Sonstige Anmerkungen:
Zitat:Symbole jener Nächte, in denen Schlaf nie Gast war geschweige denn Freund, der seine kühle Hand lindernd auf verbranntes Herzfleisch senkte.
sprachlich richtig wäre: gesenkt hätte, glaube ich. Schließlich gab es diesen Freund nicht und die kühle Hand wäre zwar schön gewesen, aber es gab sie nicht.
An der Stelle kann ich aber verstehen, wenn du es so stehen lassen willst, "gesenkt hätte" klingt einfach nicht.
Zitat:Ian lebte, ohne die Bedeutung dieses Seinszustands zu kennen. Sie ging verloren, irgendwann in einer Zeit, an die er sich nur schemenhaft erinnern wollte.
Hier würde ich aber schon "war verloren gegangen" schreiben, schließlich liegt das wirklich zurück.
Zitat:Aufblitzende Lichtmomente, verstorben neben unfassbarer Ablehnung, die sie ihm als Mahnmal in seine Erinnerung malte.
"malte" steht stark in Kontrast zu "verstorben", "unfassbarer Ablehnung" und "Mahnmal" - ist das Absicht?
Rein vom Klang her würde mir hier ein "aggressiveres" Verb besser gefallen - kratzte, ritzte, schmierte, ...
Zitat:Ihn durch Häuserschluchten zerrten und offene Winkel schoben.
willst du sagen "durch offene Winkel schoben" oder "offene Winkel schoben" - die Wiederholung von "durch" wäre zwar nicht schön, aber ansonsten könnte das missverständlich sein.

Ich habe deine Geschichte gern gelesen.
Liebe Grüße,
Libertine

/Nachtrag: Nach dem Lesen der anderen Kommentare ist mir klar, wie du es gemeint hast. Das Mahnmal-Sie habe ich aber ganz klar auf Ablehnung bezogen *g, okay, jetzt verstehe ich auch, warum da "Mahnmal" steht. Und was seine Vergangenheit war, okay, dann habe ich das ja wenigstens von allein verstanden *freu*, gibt es nicht irgendeine Möglichkeit, "sie" doch etwas weiter hervorzuheben? Damit man zumindest merkt, wann man es mit ihr und wann mit einem gewöhnlichen Pronomen zu tun hat? Oder aber du verzichtest auf alle anderen sies Mrgreen Ach, ich weiß nicht.

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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Beitrag #16 |

RE: Chiral
Hallo Libertine,

erst einmal danke für deinen Kommentar Icon_smile

Zu den Anmerkungen:

"gesenkt hätte" wäre die übliche Umschreibung, wenn man den Konjunktiv II nicht benutzen kann Icon_wink - "senkte" ist Präteritum und Konjunktiv II von "senken", ich denke, das passt hier schon ...

Zu "war verloren gegangen" - mhm, joar, ich mag nur das PQP ned. Aber ja, wäre korrektor *übernehm*

malte" steht stark in Kontrast zu "verstorben", "unfassbarer Ablehnung" und "Mahnmal" - ist das Absicht?

ja, ist Absicht - ich fands einfach für meine Vorstellung am passendsten

Ja, es soll "durch offene Winkel" heißen und hier verzichte ich zugunsten der "Ästhetik" auf leichte Verständlichkeit *g* ...

Ansonsten: Ich möchte "sie" nicht stärker hervorheben. Sie soll nur wie ein dunkler Schatten in der Geschichte auftauchen.
Wenn das nicht jeder so sehen kann, muss ich damit leben - ich möchte nicht alles überdeutlich machen müssen. Und ich wollte wirklich aus Ians Sicht schreiben, der so weit weg von allem ist, so sehr in sich selbst versunken ...

Danke nochmal Icon_smile

Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #17 |

RE: Chiral
Hey Zack,

Die Paralellgeschichte will ich natürlich nicht auslassen. *lacht*

Zitat:"Chiral" ist etwas, wenn man es mit seinem Spiegelbild nicht in Deckung bringen kann ...
Hast du uns nach "interstitiell" nicht mehr zugetraut, selbst zu googeln? *g*

Ein sehr schöner Titel, finde ich jedenfalls. Er regt mich sehr zum Phantasieren an ... ich stelle mir gerade die ganze Zeit mein eigenes Spiegelbild vor und versuch es in Deckung zu bringen.
Da es als Paralellgeschichte zu Interstitiell gedacht ist, bin ich umso gespannter auf die letztendliche Bedeutung des Titels. Worauf spielt er an? Das einerseits Ähnliches passieren wird, wie in der einen Geschichte, dass es aber auch entscheidene Unterschiede gibt.
Oder greifst du die Seelenverwandtenthematik wieder auf und zeigst, dass auch sie nicht exakte Spiegelbilder sind?

Zitat:Ian war der Inbegriff scharlachgrauer Einsamkeit.
Wieder so ein Vorschlaghammereinstieg. Schön.

Zitat:Augen wie vertrocknetes Moos, niemals mehr suchend nach einem ehrlichen Lächeln.
Und ein weitere Pralelle: du steigst wieder mit einer Beschreibung der Augen und wieder mit einem eigentlich negativ wirkenden Vergleich, der trotzdem sehr gut gelingt. (Allerdings geht diese Beschreibung noch weiter, klingt nach Resignation, nach Entäuschung/Verzweiflung)

Zitat:Schwarzes Haar, so liebevoll aufs Haupt drapiert, dass es in Anpassung erstickte.
Starke Beschreibung.

Zitat:Aufblitzende Lichtmomente, verstorben neben unfassbarer Ablehnung, die sie ihm als Mahnmal in seine Erinnerung malte.
Hier sind die Bezüge unklar. Auf was bezieht sich das "sie", auf die Zeit? Auf die Bedeutung?

Zitat:Boten eines Frühlings, den er nicht ertragen wollte. Seine Blicke, halb verzweifelt, halb ermüdet, suchten nach der sicheren Mattigkeit graphitfarbener Pflastersteinkolonien, als farblose Schleier den Horizont verhüllten.
Ah, es ist der Mann, den Laney gesehen hat!

Zitat:Im Augenwinkel das Bild eines jungen Mannes. Schütteres, buchrindenfarbiges Haar, das glanzlos über seine viel zu hohe Stirn fiel.
... und da ist er auch schon.

Zitat:Schenkte der vorbeifahrenden Gestalt kein Bild seiner Augen, sondern versank in ihren eiskalten, himmelgrauen Iriden. Verfing sich in ihrem dunklen Reif.
Sie ist also das Zentrum seiner Gedanken, der Grund für sein Leiden. Du schreibst oben von unfassbarer Ablehnung, deshalb muss ich unwillkürlich an Trennung, an Liebeskummer denken - aber so intensiv wie Ian reagiert, könnte auch der Tod die Trennung vollzogen haben. Die Ablehnung oben kann sich auch aus Ian selbst speisen, der jeden Gedanken an die Vergangenheit von sich schiebt. Aber es könnte eben auch ein Ansatzpunkt sein.

Auch die Kälte, die du beschreibst, ist nicht ohne weiteres zu interpretieren: ist einfach nur die Farbe der Augen wirklich so kalt? Oder schaut sie nur noch kalt (-> Trennung?), oder sind sie gar erkaltet (-> Tod) ... eigentlich ist nicht wichtig, was genau dahinter steckt, das Bild, dass du zeichnest bleibt so, oder so eindringlich.

Zitat:Sie türmten sich neben ihm auf, verschmolzen zu einer hässlich bunten Masse, in die sich Ians Weg einkerbte.
Eine tolle Beschreibung für dafür, dass Ian seine Umgebung kaum wahrnimmt und wenn dann nur flüchtig und mit Abscheu ("hässlich").

Zitat:Doch Ian sah sie nicht. Er spürte nur unwirklich die schattenhaften Flanken, die ihn heimlich und unnachgiebig vorwärts drängten.
Diesen Abschnitt finde ich allerdings unnötig. Für mich drückst du genau das selbe schon mit dem Bildern oben aus, denn du verwendest ja einen personalen Erzähler, so dass alle Bilder auch Bilder des Geistes der (Haupt-)Person sind. Das führt dazu, dass diese Stelle mich rausholt aus dem Lesefluss.

Zitat:Nur sein zweifacher unförmiger Abglanz, in schwarzviolette Gläser gebannt.
Sehr gut dargestellt. Der Blick in eine Sonnebrille.

Zitat:Leidgezeichnete Knochen, die sich über ihre Lunge erhoben. Ian legte einen flüchtigen Blick in die Dunkelheit, die ihre Augen verbarg – sie vor dem Licht schützte, das unter einem grauen Wolkenbrei verschüttet lag.
Wieder eine Begegnung wie in Interstitiell - und wieder ein Wiedererkennen? Leidgezeichnet? Furcht vor dem verschütteten Licht (tolles Bild!)?
Warum trägt man Sonnebrille an einem (scheinbar) verregneten Tag? Es könnte mehr dahinter stecken, z. B. verweinte Augen.

Zitat:Glaskästen, gespickt mit tausend Sinnlosigkeiten.
Auch dieses Bild will ich hervorheben.

Zitat:Übersät von trägen Wassertropfen, die gewillt zu sein scheinen, ihrem Dasein ein Ende zu setzen und sich doch nicht lösen können. Wie Ian.
Was für ein Vergleich! *lacht* Gelungen. (Und es stellt sich die Frage, was hält ihn noch im Leben? Und es scheint, als könne er sie selbst nicht wirklich beantworten.)

Zitat:Eine zarte Knospe, deren zukünftige Blüten prachtvolles Schimmern rückwärts in die damalige Gegenwart werfen.
Wieder eines dieser umgedrehten Bilder (irgendwie trifft es das am besten) ... eine verheißungsvolle Zukunft wird hier zu einem Schimmern rückwerts durch die Zeit. Das gefällt mir gut.

Zitat:Eisigkalt. Nur sein Abglanz, eine zerplatzte Seifenblase.
Weil er seine Hand eigentlich an die seiner Spiegelung gelegt hat ... schön! Und so zerplatzt der kurze Lichtblick ins Gedächtnis.

Zitat:Blasse Lippen, die immer noch flehten: Geh nicht.
Das unterstreicht es noch einmal: Ian hat sie verloren. Wer "sie" ist, ist nicht wichtig.

Zitat:Sein Spiegelbild eine überzeichnete Wirklichkeit. Nicht mehr passend, nicht zugehörig. Verloren. Ein Bild von vielen Bildern. Keine Drehung vermochte mehr, es mit ihm in Einklang zu bringen.
Und da taucht auch der Titel wieder auf. Sein Spiegelbild, sein äußeres Abbild also, lässt sich mit Ian dem Menschen nicht mehr in Einklang bringen. Nicht, weil äußerlich etwas anders wäre, sondern weil Ian ein so wichtiger Teil seines selbst genommen wurde, dass sein Spiegelbild nur noch eine Hülle abbildet. So verstehe ich diese Stelle zumindest.

Zitat:Nun hatte Ian es gesehen – senkte den Blick und ging.
Dieser Satz bringt wiederum den Satz mit den lebensmüden Wassertropfen zum klingen. Es wirkt nicht so, als könne Ian, jetzt wo er erkannt hat, dass er nicht mehr er selbst ist, einen Neunanfang wagen. Mehr so, als hätte er entgültig erkannt, dass ihn nichts mehr in diesem Leben hält ...

Interstitiell ließ sich eher zart lesen, wie da gesagt, mit eher blassen Farben gemalt, als läge ein leichter Nebelschleier über allem. Diese Geschichte dagegen steht in dunklen, vollen, kalten Farben. Wir begleiten einen Mann (den Mann aus der ersten Geschichte) bei seiner anscheinend ziellosen Wanderschaft durch die Stadt. Sie ist in seinen Gedanken, überall. Wer sie ist, wissen wir nicht - nur dass es ein sehr wichtiger, wohl ein geliebter Mensch gewesen sein muss, doch das reicht ja auch.
Auch diesmal gab es eine Begegnung, mit einer Sonnenbrillenträgerin, aber diese hatte nicht den Durchschlag, den Laneys Begegnung hatte - vielleichte hätte sie sie in einer anderen Zeit gehabt, aber das ist nur Spekulation. Viel mehr scheint es so, als hätte Ian seine Seelenverwandte schon gefunden und wiederverloren. Aber sie war ein so wichtiger Teil von ihm, dass er zu der Erkenntis gelangt, ohne sie ist er nicht mehr das, was sein Spiegelbild vorgaukelt. Nicht mehr vollständig, würde ich sagen.
Deine Sprache war auch in dieser Geschichte sehr schön - ich lese ein solches Spiel mit Metaphern und Vergleichen sehr gern. Sie wirkt auf mich auch rund, wir bekommen ein eindringliches Bild von Ians Innenleben und seiner Verzweiflung geschildert, das Ende klingt dann sehr melancholisch, düster, aus.
Mir hat sie daher gut gefallen, auch wenn ich als Leser unwillkürlich wünsche, es möge wieder aufwärts gehen für Ian, würde so etwas nicht in diesen Text passen. Er wirkt vollständig, deshalb belasse ich es jetzt dabei. Icon_wink

Liebe Grüße vom Wanderer

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

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Beitrag #18 |

RE: Chiral
Hey Wanderer,

vielen Dank auch für diesen Kommi! Hab gerade nicht so viel Zeit, aber zum meisten weiß ich eh nicht, was sagen *mhm* Icon_wink ... ist ja doch recht positiv alles.

Doch Ian sah sie nicht. Er spürte nur unwirklich die schattenhaften Flanken, die ihn heimlich und unnachgiebig vorwärts drängten.

Diesen Abschnitt finde ich allerdings unnötig. Für mich drückst du genau das selbe schon mit dem Bildern oben aus, denn du verwendest ja einen personalen Erzähler, so dass alle Bilder auch Bilder des Geistes der (Haupt-)Person sind. Das führt dazu, dass diese Stelle mich rausholt aus dem Lesefluss.


Mhm, mir hat das Bild einfach gefallen und jetzt die Geschichte schon zu lange so, als dass ich das streichen würde. Und so doppeltgemoppelt find ichs jetzt gar nicht *grübel* ...

Aufblitzende Lichtmomente, verstorben neben unfassbarer Ablehnung, die sie ihm als Mahnmal in seine Erinnerung malte.

Hier sind die Bezüge unklar. Auf was bezieht sich das "sie", auf die Zeit? Auf die Bedeutung?


Hier ähnlich wie bei "Interstitiell" - der Bezug soll nicht klar sein. Es kann die Ablehnung gemeint sein, oder eben auch "sie", diese eine ...

Ian ist so ziemlich das Gegenteil von Laney. Laney nimmt die Welt sehr bewusst war, sehr intensiv, an Ian zieht alles vorbei. Laney ist interstitiell, dazwischen und mittendrin - Ian ist außerhalb. Aus dem Gedanken ist diese Parallelstory entstanden. Ich hatte mal noch eine dritte Story geplant zu der Person mit der Sonnenbrille, sie hat auch einen Titel, aber irgendwie hab ich sie nie fertig geschrieben. Die Stories sind Momente und für eine dritte Story war der Moment nie da irgendwie *g* ...

Natürlich wünscht sich der Leser meistens, dass dem Prot ein wenig Glück widerfährt. Aber die Story sollte wie "Interstitiell" enden - Laney geht vorbei, lässt den entscheidenen Moment bewusst verstreichen. Und Ian ahnt schon, was mit ihm passiert ist, am Ende kommt nur die letzte Erkenntnis, das alles verloren ist. Vielleicht wird sich in ein paar Jahren was für Ian ändern, aber an dem Punkt, wo er gerade ist, wäre jede Hoffnung nur Heuchelei.

Schön, dass dir auch diese Story gefallen hat!

Grüße

- Zack


“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #19 |

RE: Chiral
Hey Zack!

Mein Kopf dampft inzwischen zwar schon, aber ich bin grad so gut in deiner Schreibe drin, da will ich kurz vor dem Ziel nicht schlappmachen. Hier lieferst du die Erklärung zum Titel direkt mit, sehr schön. Muss ich weniger nachschlagen Icon_wink

Mir hat – und das klingt jetzt vielleicht paradox – Interstitiell besser gefallen, weil es abstrakter und weniger greifbar war. Bei Chiral habe ich ein Gefühl von erdrückender Realität, während Interstitiell einfach … ja, dazwischen war. Es war ein entrücktes Leseerlebnis.
Chiral wirkt schwermütiger, benommener. Das passt natürlich perfekt zum Inhalt, aber es ergibt im Endeffekt kein solch angenehmes Lesegefühl bei mir.

Besonders gefallen hat mir, wie du immer wieder Dinge aufgreifst und die Parallelen ziehst, wie ähnlich und doch grundverschieden Ian und Laney sind. Schon der Anfang beginnt damit:
Ian war der Inbegriff scharlachgrauer Einsamkeit.
Augen wie vertrocknetes Moos

Und immer wieder gibt es Stellen mittendrin, die bekannt wirken. Wobei ich teilweise aber auch einfach an deine Gedichte erinnert war, vor allem das Scharlachgrau lässt mich an scharlachweiß denken.

Puppen hinter Schaufenster, da dachte ich an Fieberglanz, bei der den Nacken umschlingenden Kälte an Schattennah / Distanz, wie auch bei dem Glas als Abgrenzung, bei den zarten Knospen an Frühlingsgrau … dadurch erreicht die Geschichte für mich eine ganz andere Ebene, sie nährt sich quasi aus den Gedichten oder vielleicht sind auch die Gedichte aus ihr gespeist – es bleibt unklar, aber es … es gibt halt irgendwie einen tieferen Hintergrund, ein Fundament. Das find ich faszinierend Icon_smile

Boten eines Frühlings, den er nicht ertragen wollte.
Allein der Satz sagt schon so viel über Ian aus, so viel über seinen Schmerz, über seine verlorene Hoffnung, seinen Unwillen, es doch nocheinmal mit dem Leben zu versuchen … so viel Leid in wenigen Worten

Augen, die Müdigkeit erbrachen.
Icon_cuinlove

Ja, wie schon gesagt: Mit Interstitiell bin ich schneller warm geworden, hab mich bereitwillig mitreißen lassen. Hier ist die Grundstimmung so düster, so deprimierend und träge – eine verlorene Liebe, ein aufgegebenes Leben. Damit komme ich nicht so gut zu recht, daher hast du mich hier nicht ganz so stark packen können.
Nichtsdestotrotz prangt auch hier zwischen den Zeilen viel Gefühl, dunkle Tiefe hinter den grauen Bildern, die Ian gefangen halten. Er versucht auch gar nicht, zu entkommen, er erkennt – und zuckt die Schultern. Vielleicht will er nicht, vielleicht kann er nicht weiterkämpfen. Zu dunkel das Leben ohne die Liebe, vielleicht auch schon zu viele Rückschläge, die ihn am nochmaligen Aufstehen hindern.
Er ist müde. Und das erkennt er an seinem Spiegelbild.
Aber er wird es nicht ändern.

Auch schön – wenn auch auf eine … bedrückendere Art.

Liebe Grüße
Lanna (die dich immer noch beneidet Icon_wink )

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #20 |

RE: Chiral
Hallo Lanna,

so, hier noch die Antwort zum Kommentar der Partnerstory. Eigentlich weiß ich gar nicht viel zu sagen ... mhm, ich mag "Interstitiell" auch lieber, weil ich Laney einfach lieber mag. Ian ist einfach ein Kontrast zu ihm, er ist der Mann, den Laney für einen kurzen Moment sieht. Doch während Laney zwar "anders" ist, aber trotzdem auf seine ganz eigene Art glücklich damit, so war Ian eigentlich mittendrin, ein Teil der Welt und des Lebens - und aus diesem wurde er herausgerissen und findet keinen Weg zurück, keinen Sinn mehr.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank für deine vielen, vielen Kommentare! Icon_smile

Liebe Grüße

- Zack

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