Es ist: 03-06-2020, 17:52
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Die Götter der Germanen - Teil 5
Beitrag #1 |

Die Götter der Germanen - Teil 5
„Hahn!“, rief Voecks durch das Zimmer als Effer und Wittholz die Treppen hinab gingen und Hahn gerade die Tür zu Voecks Büro schließen wollte. Hahn steckte den Kopf in den Raum. „Chef?“
„Kommen Sie bitte noch mal kurz rein.“
Voecks sah ihn an, während er die beiden Männer hinter sich die Stufen hinab gehen hörte. Er betrat den Raum erneut, schloss die Tür hinter sich.
„Komische Vögel was, Hahn?“, fragte Voecks und winkte ihn näher. Er gab sich wieder mal jovial, wie er es immer tat wenn er eine unerfreuliche Situation hinter sich hatte, aber seine Stimme war noch immer gekünstelt und unsicher.
Hahn lächelte bei Voecks offensichtlichem Versuch, wieder schön Wetter bei ihm zu machen, nachdem er den beiden Geheimen beinahe in den Hintern gekrochen war. Dann starb sein Lächeln den schnellen Tod der Erkenntnis. Hahn bemerkte, dass er selbst nicht viel besser gewesen war als Voecks. Er hatte sich auch nicht gewehrt und den Fall ohne ein Widerwort abgegeben. Mit allen Unterlagen.
„Das kommt wohl von ihrer dauernden Geheimniskrämerei. Da muss man ja so werden“, sagte Hahn, versuchte einen lahmen Witz in den Satz zu legen, was ihm gründlich misslang.
Er sah ein, dass ihnen beiden nicht zum Scherzen zumute war und legte zusammen mit seinem Chef eine kurze Denkpause ein, bevor er weitersprach, diesmal ernst und sachlich.
„Gestern hatte ich mit Sturmbannführer Ahlers zu tun. Von der Gestapo. Seine Unterabteilung hat er nicht genannt“, fasste Hahn langsam zusammen.
„Sie werden dann vom Hauptamt angerufen, was vielleicht noch zu verstehen ist, da es sich um eine Juden-Angelegenheit handeln soll. Aber dann ruft Sie das RuSHA an. Was haben die damit zu tun? Und zum Schluß kommt dieser Effer vom Judenreferat der Gestapo und sagt, daß es sich bei der Leiche um die Ergebnisse von Tests mit einer neuen Waffe handelt. Diesen Ahlers kannte der gar nicht, oder besser: Er hat ihn mit keinem Wort erwähnt. Auch wenn sie unterschiedliche Dienststellen haben, dann wären sie doch mit dem gleichen Fall betraut und wüssten voneinander.“ Hahn wurde bei den letzten Worten noch langsamer und hätte sich, am Ende angelangt, am liebsten selbst geohrfeigt.
„Ich hätte Effer nach Ahlers fragen sollen.“
„Die Rechte weiß nicht was die Linke tut. Wie immer in der SS. Der SD macht das, was die Kripo machen soll, die Gestapo macht, was sie will und alle hacken auf der Kripo herum. Dabei ist nicht einmal ein Drittel der Männer von Gestapo, Kripo oder SD Mitglied in der SS wie wir beide. Seit es die SS gibt, erledigen mindestens zwei Dienststellen alles zwei- und dreimal, weil keiner genau weiß, was in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Und wenn jemand weiß, was in seinen Bereich fällt, hält er sich nicht daran. Wer soll da noch durchblicken! Hier könnte der Führer mal Ordnung schaffen.“
Unvermittelt zog Voecks einen Schieber seines Schreibtisches auf und kramte darin. Für Hahn sah es aus, als sei für Voecks der Fall, also die Leiche, damit abgehakt.
„Hahn, das war es aber nicht, warum ich sie hier behalten habe. Ich habe noch einen Brief für Sie. Aus dem Rasse- und Siedlungshauptamt, den ich Ihnen persönlich geben soll. ‚Vom Vorgesetzten persönlich auszuhändigen‘ steht drauf.“
Er sah auf und reichte Hahn den Brief, starrte ihn dabei an. Hahn sah Voecks in die Augen, nahm den Brief und erkannte die gespannte Haltung seines Chefs. Also machte er keine Anstalten, das Schreiben zu öffnen, sondern steckte es einfach ein.
Hahn hörte so etwas wie Enttäuschung aus Voecks Stimme als dieser das Gespräch schloss.
„Sie können dann wieder nach Hause. Bis ihr Dienst heute Mittag anfängt.“


Zu Hause in der ihm vor Jahren zugewiesenen Zwei-Zimmerwohnung angekommen, riss er den Brief nicht auf, sondern setzte sich auf seine abgewetzte Couch, ließ den gestrigen und den heutigen Tag nochmals Revue passieren, während ein undefinierbarer Geruch aus dem Treppenhaus die Wohnung erfüllte, aus dem nur der erdige Geruch nach ungeschält gekochten Kartoffeln hervorstach.
Lange bevor sein Dienst begann, ging er dann wieder in sein Büro, setzte sich an seinen Schreibtisch und öffnete den Brief.

Vom Rasse- und Siedlungshauptamt undsoweiter an Walter Hahn, Hauptsturmführer undsoweiter.
Weiter unten fand Hahn nach all den Titeln und Wichtigkeiten, die ein offizieller Brief zu verbreiten hatte, die entscheidenden Worte.
‚Leider kann der Heirat zwischen oben genanntem SS-Hauptsturmführer Walter Hahn, geboren am 15.07.1912 in Hannover, und Johanna Maria Berger, geboren am 29.01.1920 in Berlin, aus Gründen der Volksgesundheit und der Reinheit des deutschen Blutes nicht zugestimmt werden.
Im Stammbuch oben genannter Johanna Maria Berger ist im Jahre 1853 mütterlicherseits ein volljüdischer Ahne eingetragen. Oben besagter Johanna Maria Berger kann zur Niederkunft ihres Kindes ein Platz im Heim des Lebensborns in Posen zugewiesen werden‘
Und so weiter.

Fassungslos, zutiefst in seiner volksdeutschen Seele getroffen, starrte Hahn auf den Briefbogen.
Hahn verfiel automatisch in sein antrainiertes Verhalten, war wieder ganz der Kriminalist. Und wie bei jedem seiner Fälle ging er automatisch anhand der Fakten die Geschichte durch. So objektiv wie es ihm nur irgendwie möglich war.

Sie hatten sich vor einem Jahr getroffen, bei irgendeiner Parteiveranstaltung in Berlin, als er einen kriminaltechnischen Lehrgang in der Stadt besuchte. Er war fremd und suchte Zeitvertreib bei den Veranstaltungen der Partei, zu denen er Zutritt hatte. Es folgte das normale Kennenlernen und Ausgehen und nach sieben Abenden waren sie im Bett gelandet. Hahn war das recht gewesen. Er hatte schon lange keine Freundin mehr gehabt, und in seinem Alter sollte er eigentlich nach den Vorgaben der Partei und der SS schon verheiratet sein und Kinder haben. Also entschied er für sich, dass sie zusammen bleiben würden. So konnte Hahn auf offiziellen Veranstaltungen wenn schon keine Frau, so doch eine Freundin vorweisen. Das war gut für sein Ansehen in der Partei und der SS. Außerdem befriedigte es auch einige menschliche Bedürfnisse, die man als Mann so hat.
Seit dem Lehrgang hatte er sie mit Ausnahme seiner Zeit in Russland jedes Wochenende und an den Feiertagen in Berlin besucht. Er war jedes Mal in der gleichen Pension abgestiegen und sie klopfte immer abends um neun Uhr an seine Tür.
Aber seine Liebe war nach seinem Russland-Einsatz langsam kälter geworden und seit er das gemerkt hatte, konnte er sich kein dauerhaftes Leben mit Hanne mehr vorstellen, wollte es sich nicht wirklich vorstellen, konnte sich vor allem nicht entscheiden, sie zu heiraten. Obwohl er gespürt hatte, wie sehr sie auf seinen Antrag gewartet hatte.
Aber er hatte ihr auch nicht sagen können, dass es vorbei sei. Also hatte er es laufen lassen. Aus lauter Feigheit, vor dem einen, wie dem anderen, wie er sich seither mehrfach eingestanden hatte. Und er hatte sich auch noch eingestehen müssen, dass er sie wahrscheinlich nicht wirklich liebte. Er mochte sie. Unheimlich. Aber er liebte sie nicht wirklich. Liebte sie nicht mit dem Feuer, mit dem man eine Frau in seiner Vorstellung ein Leben lang lieben sollte. Mit dem gierigen Feuer und der brennenden Begierde, die einmal angezündet, nie wieder verlöschen würden.

Er spielte mit dem Brief in seinen Händen und die Gedanken an Hanne brachten Hahn trotz allem zum Grinsen. Keinem gehässigen oder schwärmerischen Grinsen, eher einem unschuldigen, lieben Grinsen, wie kleine Kinder es unbewusst, einfach so und ohne Anlass, auf ihr Gesicht zaubern können.

Hanne war eine liebe Person. Man musste sie sofort mögen. Tief im Glauben an das Volk und den Führer verwurzelt, aber immer noch standhafte Christin. Groß, in den Schultern und im Becken etwas zu breit, aber es passte alles zueinander, auch die paar Kilo zu viel. Die langen schwarzen Haare immer selbst frisiert, war sie auch mit zierlichen schwarzen Brauen und ausdruckstarken Augen gesegnet, die ihn immer wieder in ihren Bann zogen. Ob er wollte oder nicht.
Sie war keine Schönheit, aber irgendwie süß und schnuckelig. Und lieb eben. Es gab kein anderes Wort, das einfach alles an und in ihr ausdrückte. Sie war einfach lieb.

Er faltete den Brief mehrfach, steckte ihn in das Kuvert und nahm ihn wieder heraus, als er sich an die vielen Male erinnerte, wenn er ihr Freitagabends die Tür zu seinem Zimmer in der Berliner Pension öffnete.

Vor zwei Monaten war Hanne als er gerade angekommen war in sein Zimmer gekommen. Sie hatte rote, verweinte Augen gehabt, ihr Haar war wirr und ungekämmt, hing nicht zurechtgemacht an ihrem Kopf herunter und sie war unordentlich gekleidet gewesen.
Er war erschrocken, hätte viel vermutet, als er sie sah, aber nicht, dass sie sein Zimmer betreten würde und noch bevor er die Türe ganz geschlossen hatte, mit brechender Stimme einfach „Ich bin schwanger!“ sagen würde.
Er war herumgefahren und jetzt sah er immer noch ihre tiefgründigen Augen auf ihn blicken, voller Angst vor dem, was er sagen würde. Und doch war darin eine Andeutung des Glücks, das sie empfinden würde, wenn er sich in ihrem Sinne entschied.
Und das war für ihn der Abend der Entscheidung geworden. Innerhalb der wenigen Minuten, in der sie ihm auf seine Bitte hin schluchzend alles berichtete, hatte er sich entscheiden müssen.
Und er hatte sich nicht getraut, ihr zu sagen, dass ihr Leben zerstört sei.

Hahn faltete den Brief ein letztes Mal und legte ihn ordentlich vor sich auf seinen leeren Schreibtisch.

Er hatte sich für das kleinere Übel entschieden, ging den Schuldgefühlen und dem Wissen, feig und inkonsequent zu sein, aus dem Weg.
Nachdem er ihr gesagt hatte, dass sie heiraten würden, hatte sie sich jubelnd an ihn geworfen, ihn umschlungen und es war eine ganz besondere Nacht geworden.
Aber die Erinnerung an diese besondere Nacht hielt nicht lange vor. Ein paar Tage später fragte er sich, ob er das richtige getan hatte. Er fragte sich, ob er nicht doch lieber so weiterleben wollte, wie bisher, fragte sich, wie er sich wohl das Leben mit Hanne vorstellen sollte, fragte sich, ob er nicht doch noch in den sauren Apfel beißen und ihr sagen sollte, dass er sie nicht liebte, fragte sich, was sich für ihn alles ändern würde, wenn er mit einer Frau zusammenlebte, die er nicht liebte. Zum Guten wie zum Schlechten. Er konnte auf seine vielen Fragen keine Antworten finden und fragte sich weiter die gleichen Fragen. Immer wieder.

Er hob den Brief erneut von der Schreibtischplatte und begann, mit ihm auf die Knöchel der Finger seiner linken Hand zu schlagen.

Jetzt kam dieser Brief, der seine Entscheidung nichtig machte, der die quälenden Gedanken in jeder Nacht der letzten Wochen gegenstandslos machte. Selbst wenn er wirklich wollte, wenn er nichts auf der Welt mehr wollte, als sie zu heiraten, war es ihm doch verboten. Und wenn er sie nicht heiraten wollte, wenn er sein Leben so weiterführen wollte, wie es vor Hanne gewesen war, wäre dies nun die Entschuldigung. Er brauchte keine Schuld auf sich zu laden, Hanne getäuscht zu haben. Dieser Brief machte es endgültig.
Er hatte verboten bekommen, Hanne zu heiraten.

Und dann sah er es, erkannte den Punkt, der ihn störte. Er merkte, wie er zornig auf Hanne wurde, wie er seine Erregung kaum bändigen konnte. Er musste sich beherrschen, den Brief nicht zu zerknüllen, sondern dieses offizielle Dokument sorgfältig einzustecken.

Es war die Berechnung, mit der Hanne ihm ein Kind angehängt hatte, die ihn so traf und die jetzt seinen Zorn entfachte. Sie musste gewusst haben, dass sie einen jüdischen Ahnen hatte und hatte sich ihn wahrscheinlich in der Hoffnung ausgesucht, trotz dieses jüdischen Ahnen, mit und durch ihn in eine gesellschaftlich angenehmere Position zu kommen. Sie musste gehofft haben, dass die Ahnenreihe von SS-Mitgliedern nicht so streng durchforscht würden wie bei normalen Volksgenossen.
Sie hatte sich ihn mit Berechnung ausgesucht. Sie hatte es gewusst. So ein Luder.
Aber dann entspannte er sich, lehnte sich auf seinem Stuhl zurück dachte daran, dass erst recht die Ahnenreihen von SS-Mitgliedern und ihren zukünftigen Ehefrauen besonders sorgfältig und besonders lange zurückverfolgt wurden, während sein Gesicht sich zu einer grimmig grinsenden Maske des Zorns verzog.

Glossar:
Lebensborn: Ein von Himmler gegründeter Verein der SS, der versuchte, die Geburtenrate rassisch 'gesunder' Kinder (mindestens ein Elternteil ist deutsch) durch die Verhinderung von Abtreibungen zu erhöhen. Die Kinder konnten in eigens eingerichteten Heimen geboren werden und wurden dann, wenn möglich, zur Adoption vermittelt. Unter anderem kam es aber auch zzu Kindesentziehungen und anderen Verbrechen.


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Beitrag #2 |

RE: Die Götter der Germanen - Teil 5
Hallo Teja!

Hui, das ging aber diesmal schnell mit der Fortsetzung. Habe mich wieder sehr gefreut, als ich sie hier stehen sah. Eigentlich hatte ich ja vor, mich ins Bettchen zu legen, bevor es morgens hell wird, wie alle normalen Leute auch. Aber jetzt werde ich wohl doch noch ein bisschen kommentieren, jetzt, wo ich die Geschichte schon fertig gelesen habe...
Außerdem finde ich ist der Sonnenaufgang die schönste Zeit des Tages, dieses schummrige, farbige Licht, dass sich im Raum ausbreitet, wenn die Wolken anfangen zu leuchten, in Rosa und Orange und Gelb - ein feuriger Regenbogen am Himmel...
Und schlafen kann ich auch noch genug, wenn ich tot bin Mrgreen.

Jetzt aber zum neusten Teil deiner Geschichte:
Ich hab ihn sehr gerne gelesen, war ja auch ziemlich neugierig, was als nächstes wohl passieren würde, was Hahn jetzt vor hat. Weißt du noch, ein bisschen früher habe ich mich doch gefragt, wie er es schaffen will, den Fall zu behalten, daran weiter arbeiten zu dürfen. Jetzt stehen seine Chancen ein bisschechen schlechter, wirklich etwas herauszufinden, weil er offiziell ja keine Ermittlungen anfangen kann. Allerdings: Wieso sollter er es nicht einfach mal versuchen? Auf eigene Faust. Er muss es ja niemandem erzählen, dann geht das bestimmt in Ordnung. Seinen Bericht wird er nicht wirklich vermissen, ich hatte irgendwie den Eindruck, dass die Gestapo-Leute nicht wirklich zufrieden mit seiner Arbeit waren, das irgendwie zu wenig ist (auch weil Voecks sich für seinen Mitarbeiter entschuldigt hat - ich glaube "mehr haben wir nicht" oder so ähnlich hat der Kripo-Chef an der Stelle das gesagt"). Allerdings fehlt ihm jetzt auch die Leiche, die haben die beiden Herren sicher mitgenommen haben, um sie iorgendwo zu "entsorgen". Also keine weiteren Untersuchungen mit dem grimmigen Herrn Doktor, keine Befunde, was genau die Todesursache war. Außer der Arzt hat sich direkt nach dem Fund der Leiche an die Arbeit gemacht und kann so doch ein paar Ergebnisse vorweisen, aber da müsste Hahn schon viel Glück haben.
Sehne mich schon ein bisschen nach der nächsten Fortsetzung...:icon_buch:

Du steigerst einfach die Spannung, weil du immer nur ein ganz kleines bisschen Information verrätst. Neben der Leiche gibt es da ja immer noch die Sache mit Ahlers. Wer ist der Kerl nur? Und was wollte er an der Unfallstelle?
Wenn ihn niemand kennt und er so also vielleicht gar nicht zur Gestapo gehört - was hatte er dann vor?
Eins muss man Ahlers aber lassen, er hat einen überzeugenden Auftritt hingelegt, wenn er vorhatte, alle zu täuschen. Wenn er mit der Leiche einfach verschwunden wäre, hätte es vermutlich nicht mal jemand bemerkt...
Außerdem, noch eine Frage die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will: Ist die Leiche wirklich ein Jude?

Gefallen hat mir außerdem, dass wir diesmal ein wenig mehr von Hahns Privatleben erfahren. Ich hab schon fast geglaubt, er wäre ein Wokaholic, verlässt seine Stelle nur, wenn er heim schlafen geht oder so. Auf die Idee gekommen bin ich wegen seiner Verbissenheut, seiner Weigerung, den Fall abzugeben, es selber zu erledigen (sonst wird's wahrscheinlich nie erledigt - ich denke nicht, dass die Gestapo in diesem Fall irgendwelchen Ermittlungen zustimmen wird) und dass er selbst jetzt, wo er bereits "verloren" hat, trotzdem nicht die Finger bzw. die Gedanken davon lassen soll.

Mit jedem neuen Kapitel macht mir das Lesen dieser Geschichte mehr Spaß. Ich habe mich mittlerweils sogar fast an die vielen Nazis gewöhnt, vorurteilsfreier lesen ist einfach schöner.
Also schreib fleißig weiter, bisher ist dir alles wirklich ansprechend gelungen und ich glaube nicht, dass sich diese Einstellung noch ändern wird, dafür ist deine Erzählweise einfach zu gut.:icon_thumbs1:

Zitat:Er spielte mit dem Brief in seinen Händen und die Gedanken an Hanne brachten Hahn trotz allem zum Grinsen. Keinem gehässigen oder schwärmerischen Grinsen, eher einem unschuldigen, lieben Grinsen, wie kleine Kinder es unbewusst, einfach so und ohne Anlass, auf ihr Gesicht zaubern können.
Ja, ja, da hat er ja einen feinen Vorwand, um eine Schwangere einfach so sitzen lassen! Ich glaube es einfach nicht, dass er nicht mal einen Anflug von schlechtem Gewissen hat Icon_shocked. Schon ein wenig gemein und hinterhältig, was er hier abzieht.
Und ich bin überrascht, dass es ihn nicht mal interessiert, was aus seinem kleinen Kind wird. Immerhin ist er der Vater!
Ja, sie haben da diese Heime für solche Kinder, aber ist es wirklich für ihn wirklich okay, dass sein Baby in einem Heim groß wird? Ohne Eltern - naja, zumindest ohne Vater. Er hat nicht mal eine Sekunde an das Kind gedacht - unmöglich!Icon_irre
Zitat:Sie hatte sich ihn mit Berechnung ausgesucht. Sie hatte es gewusst. So ein Luder.
Und dann auch noch ihr die ganze Schuld in die Schuhe schieben, nee, nee, das ist doch... Icon_igitt. Er weiß nicht mal, was wirklich los ist, aber hauptsache er verurteilt sie. Was kann denn bitte sie dafür, wenn er sich Tag und Nacht mit seinen eigenen Fragen quält. Klar ist es schwer in so einem Fall eine Entscheidung zu treffen, aber er kann gar nicht anders. Bin schon neugierig, wie er ihr das beizubringen versucht.
Aber nur "keine Liebe" reicht mir als Motiv nicht ganz aus. Da muss schon noch mehr sein, wenn er sich nicht mal Sorgen um sein Kind macht...
Zitat:Glossar:
Lebensborn:
Hey!Icon_jump ausnahmsweise Mal ein Wort das ich kenne!Mrgreen
Allerdings - die Bedeutung wusste ich bisher nicht. Das kleine Lexikon unter der Geschichte gehört für mich einfach dazu. Finde, du machst das auch gut, so hat jeder gleich die Möglichkeit, nachzugucken, wenn er ein Wort nicht weiß.

Ich hab noch einen Vorschlag für eine Rubrik, wo du die Geschichte unter bringen könntest. Es erinnert mich einfach an Krimis -> wäre das nichts? Ich finde, auch wenn es zu einer anderen Zeit als heute spielt, wäre es doch was für dahin...
Denk mal dreüber nach.
Allerdings weiß ich jetzt auch nicht, was jetzt noch alles passieren könnte ist - wie gesagt - ein etwas zaghafter Vorschlag (muss leider gestehen in Sachen Krimi kenne ich mich jetzt nicht sooo toll aus).

Fehlerchen:
Zitat:während ein undefinierbarer Geruch aus dem Treppenhaus die Wohnung erfüllte, aus dem nur der erdige Geruch nach ungeschält gekochten Kartoffeln hervorstach.
Lange bevor sein Dienst begann, ging er dann wieder in sein Büro, setzte sich an seinen Schreibtisch und öffnete den Brief.
Wiederholung von "Geruch", wüsste jetzt aber auch kein anderes Wort, was hier passen könnte...
Zitat:Aber die Erinnerung an diese besondere Nacht hielt nicht lange vor. Ein paar Tage später fragte er sich, ob er das richtige getan hatte. Er fragte sich, ob er nicht doch lieber so weiterleben wollte, wie bisher, fragte sich, wie er sich wohl das Leben mit Hanne vorstellen sollte,
Groß schreiben...

Ganz liebe Grüße Icon_bussi
Lain

Schmetterlinge weinen nicht

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Beitrag #3 |

RE: Die Götter der Germanen - Teil 5
Hi Lain,

schön, wieder dein Kommi hier zu finden. Ich freu mich so, dass dir die Geschichte so gefällt. Bin gespannt, was du zu sagen hast.

Zitat:Weißt du noch, ein bisschen früher habe ich mich doch gefragt, wie er es schaffen will, den Fall zu behalten, daran weiter arbeiten zu dürfen. Jetzt stehen seine Chancen ein bisschechen schlechter, wirklich etwas herauszufinden, weil er offiziell ja keine Ermittlungen anfangen kann.
Ein guter Ermittler wird immer einen Weg finden. *ggg
Und Hahn ist einer der Guten (Ermittler).

Zitat:Wieso sollter er es nicht einfach mal versuchen? Auf eigene Faust. Er muss es ja niemandem erzählen, dann geht das bestimmt in Ordnung.
Hm. In diesen Zeiten ist man öfter mal an der Front oder im KZ gelandet, wenn man jemandem nicht gepasst hat. Darum birgt diese Sache auch ein großes Risiko für Hahn.

Zitat:Also keine weiteren Untersuchungen mit dem grimmigen Herrn Doktor, keine Befunde, was genau die Todesursache war.
Nein, das ist jetzt Essig. Aber er wird einen Weg finden. Da bin ich mir fast sicher.

Zitat:Neben der Leiche gibt es da ja immer noch die Sache mit Ahlers. Wer ist der Kerl nur? Und was wollte er an der Unfallstelle? Wenn ihn niemand kennt und er so also vielleicht gar nicht zur Gestapo gehört - was hatte er dann vor?
Ja, schön, oder? Ahlers bleibt undurchsichtig und das ist ganz gut so. Er kann sich ja nicht gleich am Anfang outen. Schon gar nicht, wo es hier doch um eine Menge geht. Aber er wird sich noch richtig vorstellen. Glaub ich zumindest.

Zitat:Außerdem, noch eine Frage die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will: Ist die Leiche wirklich ein Jude?
Die Antwort darauf steht im nächsten Teil, da greife ich nicht vor. Mrgreen Mrgreen Mrgreen Mrgreen

Zitat:Auf die Idee gekommen bin ich wegen seiner Verbissenheut, seiner Weigerung, den Fall abzugeben, es selber zu erledigen (sonst wird's wahrscheinlich nie erledigt - ich denke nicht, dass die Gestapo in diesem Fall irgendwelchen Ermittlungen zustimmen wird) und dass er selbst jetzt, wo er bereits "verloren" hat, trotzdem nicht die Finger bzw. die Gedanken davon lassen soll.
Hahn ist ein Kriminaler, solche Leute sollten verbissen sein, damit sie etwas erreichen können. Er ist gut in seinem Job und macht ihn gern. Aber er ist sich auch seiner Stellung bewusst und handelt entsprechend seiner Stellung und der damals geltenden Regeln.

Zitat:Mit jedem neuen Kapitel macht mir das Lesen dieser Geschichte mehr Spaß. Ich habe mich mittlerweils sogar fast an die vielen Nazis gewöhnt, vorurteilsfreier lesen ist einfach schöner.
Also schreib fleißig weiter, bisher ist dir alles wirklich ansprechend gelungen und ich glaube nicht, dass sich diese Einstellung noch ändern wird, dafür ist deine Erzählweise einfach zu gut.
Danke, das freut mich sehr zu hören. Und: Ja, vorurteilsfrei sollte man diese Geschichte lesen, sonst bringt sie einem nichts. Denn wenn man nur den Nazi sieht und nicht auch den Menschen dahinter, kann man mit der Geschichte nichts anfangen.

Zitat:Ja, ja, da hat er ja einen feinen Vorwand, um eine Schwangere einfach so sitzen lassen! Ich glaube es einfach nicht, dass er nicht mal einen Anflug von schlechtem Gewissen hat . Schon ein wenig gemein und hinterhältig, was er hier abzieht.
Naja, *gggg*, er ist nicht nur Nazi und Mensch, er ist auch noch dazu ein Mann! Und ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere Mann in einer solchen Situation schon so denken könnte!

Zitat:Und ich bin überrascht, dass es ihn nicht mal interessiert, was aus seinem kleinen Kind wird. Immerhin ist er der Vater!
Ja, sie haben da diese Heime für solche Kinder, aber ist es wirklich für ihn wirklich okay, dass sein Baby in einem Heim groß wird? Ohne Eltern - naja, zumindest ohne Vater. Er hat nicht mal eine Sekunde an das Kind gedacht - unmöglich!
Stimmt, aber er hat nicht mit dem Abstammungszeugniss gerechnet, und das haut ihn als guten Nazi doch schon ein bisschen vom Hocker und stellt seine ganzen Annahmen über sein weiteres Leben auf den Kopf. Vielleicht sind alle seine Träume weg?

Zitat:Und dann auch noch ihr die ganze Schuld in die Schuhe schieben, nee, nee, das ist doch... . Er weiß nicht mal, was wirklich los ist, aber hauptsache er verurteilt sie. Was kann denn bitte sie dafür, wenn er sich Tag und Nacht mit seinen eigenen Fragen quält. Klar ist es schwer in so einem Fall eine Entscheidung zu treffen, aber er kann gar nicht anders. Bin schon neugierig, wie er ihr das beizubringen versucht.
Natürlich verurteilt er sie. Er ist im Stadium des geschockt-sein und unter Umständen wird sich seine Meinung ändern, wenn er mal ne Weile drüber nachgedacht hat. Oder auch nicht.

Zitat:Aber nur "keine Liebe" reicht mir als Motiv nicht ganz aus. Da muss schon noch mehr sein, wenn er sich nicht mal Sorgen um sein Kind macht...
Na, da kommt vielleicht noch was …

Zitat:Das kleine Lexikon unter der Geschichte gehört für mich einfach dazu. Finde, du machst das auch gut, so hat jeder gleich die Möglichkeit, nachzugucken, wenn er ein Wort nicht weiß.
Danke. Ich war mir beim ersten Posting nicht sicher, wie das so ankommt.

Die Fehler mach ich noch raus. Danke fürs raussuchen.

So, vielen Dank für dein Kommi, hab mich sehr darüber gefreut. :icon_danke_ATDE:

Ich wünsch dir was.

CU,
Teja


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Beitrag #4 |

RE: Die Götter der Germanen - Teil 5
Nummer 5 - Und weiter gehts ...

Moin Moin.

Zitat:mindestens zwei Dienststellen alles zwei- und dreimal, weil keiner genau weiß, was in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Und wenn jemand weiß, was in seinen Bereich fällt, hält er sich nicht daran.
Hm, unschöne Wiederholung. Vorschlag:
mindestens zwei Dienststellen alles zwei- und dreimal, weil keiner genau weiß, was in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Und wenn doch, hält er sich nicht daran.

Zitat:Vom Rasse- und Siedlungshauptamt undsoweiter an Walter Hahn, Hauptsturmführer undsoweiter.
Weiter unten fand Hahn nach all den Titeln und Wichtigkeiten, die ein offizieller Brief zu verbreiten hatte, die entscheidenden Worte.
‚Leider kann der Heirat zwischen oben genanntem SS-Hauptsturmführer Walter Hahn, geboren am 15.07.1912 in Hannover, und Johanna Maria Berger, geboren am 29.01.1920 in Berlin, aus Gründen der Volksgesundheit und der Reinheit des deutschen Blutes nicht zugestimmt werden.
Im Stammbuch oben genannter Johanna Maria Berger ist im Jahre 1853 mütterlicherseits ein volljüdischer Ahne eingetragen. Oben besagter Johanna Maria Berger kann zur Niederkunft ihres Kindes ein Platz im Heim des Lebensborns in Posen zugewiesen werden‘
Und so weiter.
Das gefällt mir noch immer ausgesprochen gut - Blablabla ... keine Heirat ... blablabla ...
Scheißamtsdeutsch.

Zitat:Fassungslos, zutiefst in seiner volksdeutschen Seele getroffen, starrte Hahn auf den Briefbogen.
Hahn verfiel automatisch in sein antrainiertes
Anstelle des ersten Hahn ein "er"?

Zitat:und in seinem Alter sollte er eigentlich nach den Vorgaben der Partei und der SS schon verheiratet sein und Kinder haben. Also entschied er für sich, dass sie zusammen bleiben würden. So konnte Hahn auf offiziellen Veranstaltungen wenn schon keine Frau, so doch eine Freundin vorweisen. Das war gut für sein Ansehen in der Partei und der SS.
Hm, auch hier wiederholst Du Dich leider. Beim ersten Mal würde ich die Partei wegstreichen - beim zweiten die SS. Passt dann besser ...

Zitat:Liebte sie nicht mit dem Feuer, mit dem man eine Frau in seiner Vorstellung ein Leben lang lieben sollte. Mit dem gierigen Feuer und der brennenden Begierde, die einmal angezündet, nie wieder verlöschen würden.
Also, erstmal Glückwunsch. Genialer Satz. Finde ich gut herausgearbeitet - ein wenig poetisch steht Dir auch nicht schlecht. Aber einige Worte schmälern hier Deine Leistung. Empfehlung vom Küchenchef:
Begehrte sie nicht mit der Leidenschaft, mit der man eine Frau in seiner Vorstellung ein Leben lang lieben sollte. Mit dem gierigen Feuer und der brennenden Sehnsucht, die einmal angezündet, nie wieder verlöschen würden.

Zitat:Ein paar Tage später fragte er sich, ob er das richtige getan hatte.
Meine, es würde groß geschrieben ...

Was mir hier sehr gut gefällt, ist die Wandlung des Walter Hahn - ein kurzer Blick in sein Privatleben, wenn man sowas in solchen Zeiten so nennen kann. Eindringlich - nicht aufdringlich.

LG
D.


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Beitrag #5 |

RE: Die Götter der Germanen - Teil 5
Hi Dread,

und weiter geht’s. Sorry, dass ich bei deinem Marathon nicht zeitgerecht mitmache. Aber ich bin eh eher der Kurzstrecken-Typ. Schwach anfangen und dann stark nachlassen.

Zitat:Das gefällt mir noch immer ausgesprochen gut - Blablabla ... keine Heirat ... blablabla ...
Scheißamtsdeutsch.
*ggggg
Scheint gut geworden zu sein. Danke.

Zitat:Also, erstmal Glückwunsch. Genialer Satz. Finde ich gut herausgearbeitet - ein wenig poetisch steht Dir auch nicht schlecht. Aber einige Worte schmälern hier Deine Leistung. Empfehlung vom Küchenchef:
Begehrte sie nicht mit der Leidenschaft, mit der man eine Frau in seiner Vorstellung ein Leben lang lieben sollte. Mit dem gierigen Feuer und der brennenden Sehnsucht, die einmal angezündet, nie wieder verlöschen würden.
Danke. Bist der erste, der sagt, dass mir Poesie stehen würde. Allerdings kostet mich so ein Satz immer Stunden, in denen ich mir das Hirn zermartere, wie ich das am besten Ausdrücken kann. Von daher lasse ich die Ausflüge in die Poesie möglichst sein.
Und die Empfehlung, wie die anderen auch, werde ich übernehmen. Freut mich aber, dass ich immer weniger den Küchenchef brauche. Wie gesagt, das ist die gute Arbeit, die sich frühere (*ggggg) Kommentatoren mit der Geschichte gemacht haben.

Zitat:Was mir hier sehr gut gefällt, ist die Wandlung des Walter Hahn - ein kurzer Blick in sein Privatleben, wenn man sowas in solchen Zeiten so nennen kann. Eindringlich - nicht aufdringlich.
Ein bisschen privater Hahn war mir wichtig, weil ich diese Dimension bei einer Geschichte dieser Länge nicht außen vor lassen kann. Im Gegenteil, eigentlich vollzieht sich die Geschichte ja auf zwei Ebenen. Der private Hahn, der sein privates Glück finden will und der berufliche Hahn, der an seinem beruflichen Glück arbeitet.

So, was kann ich sagen, außer: Herzlichen Dank?
Nichts, ne? Jedenfalls fällt mir niggs ein.

CU,
Teja


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Beitrag #6 |

RE: Die Götter der Germanen - Teil 5
Hiho Teja!

Ich hoffe du erträgst mich noch Icon_wink

Zitat: Hahn lächelte bei Voecks offensichtlichem Versuch
Allmählich treibt mich das Lächeln echt auf die Palme. Hahn lächelt ständig. Das scheint seine einzige Ausdrucksmöglichkeit zu sein. Er lächelt über alles und jeden, selbst wenn ich nicht verstehen, warum überhaupt.

Zitat: Diesen Ahlers kannte der gar nicht, oder besser: Er hat ihn mit keinem Wort erwähnt.
Klingt vielleicht blöd, aber bisher kam es rüber, als wäre die Gestapo ein ziemlich geheimer Haufen. Wieso sollten sie da mit Namen hausieren gehen. Das Argument finde ich ziemlich schwach. Sie haben ja auch so bekommen, was sie wollten, warum sollen sie dann noch groß erklären, wer wem warum ans Bein gepisst hat Icon_wink

Zitat: „Hahn, das war es aber nicht, warum ich sie hier behalten habe.
»Sie«

Zitat: Zu Hause in der ihm vor Jahren zugewiesenen Zwei-Zimmerwohnung
»Zweizimmerwohnung« , ohne Bindestrich

Zitat: Zu Hause in der ihm vor Jahren zugewiesenen Zwei-Zimmerwohnung angekommen, riss er den Brief nicht auf, sondern setzte sich auf seine abgewetzte Couch, ließ den gestrigen und den heutigen Tag nochmals Revue passieren, während ein undefinierbarer Geruch aus dem Treppenhaus die Wohnung erfüllte, aus dem nur der erdige Geruch nach ungeschält gekochten Kartoffeln hervorstach.
Lange bevor sein Dienst begann, ging er dann wieder in sein Büro, setzte sich an seinen Schreibtisch und öffnete den Brief.

Öh … warum? Also warum macht er den Brief erst im Büro auf? Und warum verschenkst du hier die wunderbare Gelegenheit, uns an Hahns Gedanken teilhaben zu lassen, sondern fasst alles mit »er ließ die zwei Tage Revue passieren« zusammen, und schließt dem Leser damit aus Hahns Welt aus?
Genau diese Szene wäre richtig gut geeignet, um die Sache mit dem Devisenfall einzubringen, um Hahns Einstellung zur Gestapo zu untermauern, um mögliche Befürchtungen zu säen, oder was auch immer er bei dem Brief empfindet, was er denkt.
Ich weiß, das ist Geschmackssache und manche Autoren / Leser mögen es lieber nüchtern. Ich nicht. Ich mag es gefühlvoll, packend und mitreißend. Für mich braucht ein Protagonist mehr als nur einen Fall und ein paar Dinge, auf die er reagieren kann. Er braucht Seele. Die wird bei Hahn leider immer blasser. Schade.

Woah, die Sache mit der Frau kam aber plötzlich. Sehr unvorbereitet. Mal schaun, ob sie mich meine Aussage über die Seele zurücknehmen lässt. Aber ich bin kein Freund von Liebesgeschichten *lach*

Hm … Fazit nach dem Brief: er bekommt mitgeteilt, dass er die Frau, die er sowieso nicht heiraten will, auch nicht heiraten darf? …
Und was tut Johanna, warum war sie auf dem Kongress, wer ist sie? Die Rekaputilation der Beziehung liest sich nicht wie eine Erinnerung sondern wie ein Ablesen aus dem Jahreskalender. Kalt und sachlich. Gut, das war auch Hahns Intention, aber … hm … mir gefällt er so nicht *lach*

Also vermute ich, Hahn wollte sie nur heiraten, weil sie schwanger (von ihm?) ist? Also ist der Brief eher Erleichterung? Ich fühl mich da von Hahn so alleingelassen, dass er mir nichtmal einen Hinweis darauf gibt, was der Brief in ihm auslöst.

Zitat: Vor zwei Monaten war Hanne als er gerade angekommen war in sein Zimmer gekommen.
Komma zwischen »Hanne, als« und »war, in«

Zitat: ihr Haar war wirr und ungekämmt, hing nicht zurechtgemacht an ihrem Kopf herunter
wirr und ungekämmt sagt das gleiche aus wie »nicht zurechtgemacht«, nur bildlich stärker

Zitat: Es war die Berechnung, mit der Hanne ihm ein Kind angehängt hatte, die ihn so traf und die jetzt seinen Zorn entfachte. Sie musste gewusst haben, dass sie einen jüdischen Ahnen hatte und hatte sich ihn wahrscheinlich in der Hoffnung ausgesucht, trotz dieses jüdischen Ahnen, mit und durch ihn in eine gesellschaftlich angenehmere Position zu kommen. Sie musste gehofft haben, dass die Ahnenreihe von SS-Mitgliedern nicht so streng durchforscht würden wie bei normalen Volksgenossen.
Sie hatte sich ihn mit Berechnung ausgesucht. Sie hatte es gewusst. So ein Luder.

Äh bittewas?
Er erzählt uns seitenweise von der Frau, die so toll, so nett, so wunderbar und … in seinen Worten »lieb« ist, und wie aus heiterem Himmel ist sie plötzlich ein berechnendes, eiskaltes Luder, nur weil sie einen jüdischen Ahnen hat? … Ich weiß nicht, kann das nicht einordnen: Wusste da echt in dieser Zeit jeder bis in die xte Generation zurück, ob Juden im Stammbaum waren?
Und selbst wenn – käme nicht zuerst der Ärger, dass Hanne ihm nix gesagt hat und DANN die Überlegung, ob sie es wohl extra verschwiegen hat? Also eine Entwicklung von »Sie ist eine sooo tolle Frau, ich heirate sie sogar, weil sie so lieb ist« zu »dämliche Schlampe«?
Das geht mir so rapide, so Schlag auf Schlag, dass ich es nicht nachvollziehen kann.

Und das Grinsen am Schluss … also echt, dass ist Hahns Antwort auf alles, oder? *lach*

Kommt jetzt vielleicht blöd, weil ich mir vorhin noch Emotionen gewünscht habe, aber die Geschichte um Hanne reißt mich voll raus. Ein zweiter Handlungsstrang, der sich wuchtig in das bisherige Geschehen drängt, ohne auch nur angedeutet worden zu sein, ohne Vorwarnung. Eben dachte man noch, es geht um einen toten Juden aus geheimen Nazi-Experimenten und zack! ist man in einem Liebesdrama drin. Uff, zuviel für mich.
Wenn die beiden Handlungen ineinander verflochten wären oder sich sanft abwechseln würden – Szene 1: Hahn bei der Leiche – Szene 2: Hahn auf dem Heimweg denkt an private Dinge – Szene 3: Hahn im Büro … usw. wenn sie miteinander verknüpft wären, Hanne schon vorher in den Gedanken Hahns aufgetaucht wäre, wohlgemerkt: nicht mitten in einer Leichendiskussion sondern in einer ruhigen Minute … ein Bild von ihr auf seinem Schreibtisch (naja gut, das wohl eher nicht *lach*) … ein Hinweis auf ihre Existenz.
Stattdessen tauchen wir in Handlungsstrang 1 ein und werden plötzlich in ein ganz anderes Szenario geschleudert, das auch eine neue Geschichte sein könnte. Das gefällt mir gar nicht.

Aber weil ich ein sturer Mensch bin, lese ich weiter. Außerdem will ich immer noch wissen, was es mit den Judenexperimenten auf sich hat Icon_smile

Liebe Grüße
Lanna

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