Es ist: 29-11-2020, 14:33
Es ist: 29-11-2020, 14:33 Hallo, Gast! (Registrieren)


Den Wald vor lauter Bäumen ...
Beitrag #1 |

Den Wald vor lauter Bäumen ...
Hallo zusammen,

ich möchte an dieser Stelle einige eurer Techniken kennenlernen und antrainieren, die einem helfen etwas so komplexes und umfangreiches zu erschaffen wie ein Roman.

Und ich meine Roman! von Anfang bis Ende. Keine Logikfehler. Keine herumtreibenden Textinseln, die eigentlich überhaupt nicht mehr zum Rest passen.

Ich möchte alles wissen. Aber die Problematik, die mich bewogen hat das Thema zu starten, ist die, dass ich einfach den Überblick über den Inhalt verliere.
Deshalb den Wald vor lauter Bäumen ...
Immer wieder steh ich vor dem Problem blättern oder scrollen zu müssen, weil ich nicht mehr weiß, was wann eigentlich passiert ist.
Ich habe schon eine Excel-Tabell, in der steht, in welchem Kapitel welcher Charakter vorkommt. Hatte sogar schon Karteikarten!!! aber meine französischlehrerin hat mir die einfach zu stark versaut.

Ich wollte schon eine pin-/ Magnetwand aufhängen und eine art Baum zeichnen, der mir alles vor augen hält. aber da hätte ich meine poster abhängen müssen ... das geht zu weit.

Lasst mich eure Methoden wissen, die euch helfen den Überblick zu wahren.

Ihr müsst natürlich keinen Roman haben oder schreiben, um hier zu posten.

Gruß


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Beitrag #2 |

RE: Den Wald vor lauter Bäumen ...
Hallo Jeronimus,

ein schönes Thema, das du hier eröffnet hast. Leider habe ich noch keinen Roman geschrieben, also noch keine praktische Erfahrung, wie sich meine Kniffe bei etwas sehr langem bewähren.

Grundsätzlich bevor ich eine Geschichte beginne nehme ich die Grundidee und grüble genau welche Charaktere ich möchte und welche vielleicht noch fehlen, die meine Geschichte ein wenig interessanter machen. Dann erstelle ich von jeden ein Anfangsprofil, dafür brauch ich oft eine gaaaanze Menge von Zeit, weil das sehr genau für mich sein muss. Sobald ich die Protogarnisten habe, nehme ich mir ein weißes Blatt und schreibe Titelüberschriften untereinander. Die sind für einzelne Kapitel, die ich mir anfangs zurecht lege und unterscheide von "will ich" oder "brauche ich". Ich verwende die Überschriften nicht, aber es ist eben die richtig grobe Zusammenfassung von einem Kapitel in ein paar wenigen Wörtern. Ich schreiben daneben in Klammer, wer mitspielt, somit habe ich den Überblick wer was macht. Wenn das erledigt ist, nehme ich diese Überschriften und ändere die Reihenfolge so, wie ich denke das sie interessant zu lesen sein könnte. Dann hab ich praktisch meinen sehr groben Plot beisammen.
Meist ändert sich danach noch viel, aber bevor ich in den Inhalt eingreife, schau ich mir oft mein Blatt an, um nicht selbst den Faden zu verlieren und zu sehen, ob es trotzdem noch in die Richtung geht, die ich brauche um es Fertigzustellen.

Das ist so mein grober Plan, um die Übersicht nicht zu verlieren. Ich wende ihn nicht immer an, wenn ich was neues beginnen, aber meist bereue ich es dann ganz schnell. Ich muss mir am Anfang einfach elends viel Gedanken machen, um später Situationen zu formen, die notwendig und interessant sind. Wenn ich den Ablauf der Geschichte nicht kenne, verlaufe ich mich ansonst sehr schnell.

Den Wald vor lauter Bäumen? Dieses Gefühl hab ich ab und an, wenn ich mir zu viel Gedanken machen, aber mein nüchternes Blättchen holt mich da schnell wieder auf den Boden.

Grüß dich,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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Beitrag #3 |

RE: Den Wald vor lauter Bäumen ...
Hm,
bisher hatte ich das Problem mit den Bäumen noch nicht, aber vielleicht liegt das einfach daran, dass ich bei meinem Fantasy-Roman noch nicht sehr weit gekommen bin. Icon_wink
Ich weiß noch, dass ich meinen Flieder innerhalb von zwei Monaten heruntergeschrieben habe. Jeden Tag drei bis fünf Stunden. Da steckte ich so in der Materie drin, dass ich immer genau wusste, wo ich war und was wann passiert ist.
Ansonsten hilft es aber, wenn man sich eine Worddatei macht, die jedes Kapitel in wenigen Stichpunkten umreißt.
Z.B. Kapitel 1: - Treffen des Prots mit X
(Gespräch über ...)
Kapitel 2: - Aufbruch und Überfall der Räuber
etc.

Zudem solltest du darauf achten, es nicht zu komplex zu machen, denn wenn du als Autor schon den Überblick verlierst, wie soll es dann erst dem späteren Leser ergehen.
Ich für meinen Teil hasse Bücher, die so komplex und Überladen sind,d ass man ständig zurückblättern muss, um den Überblick zu behalten.
Vielleicht solltest du noch mal kritisch herangehen und ausdünnen, wenn es zuviel wird.

LG
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #4 |

RE: Den Wald vor lauter Bäumen ...
Thema wurde ins Café verschoben. Bitte Beiträge zum Thema Schreiben immer hier rein!


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Beitrag #5 |

RE: Den Wald vor lauter Bäumen ...
Hallo,

Adsarthas Vorschlag kann ich nur unterstützen. Ich fasse vor dem Korrekturlesen die Inhalte der einzelnen Kapitel auf handschriftlichen Notizzetteln zusammen, um Logikfehlern zu Leibe zu rücken. Das ist ein bisschen zeitaufwendig, aber funktioniert, finde ich, ganz gut, obwohl ich sagen muss, dass sich mir das Problem der fehlenden Übersicht während des Schreibens in dieser Weise noch nicht gestellt hat.

Ich habe auch einmal einen Zeitstrahl verwendet, aber der eignet sich weniger gut als Gedächtnisstütze als vielmehr als Leitfaden, um sich nicht zu verfransen.

Mehr fällt mir im Augenblick leider auch nicht ein.



Liebe Grüße,

Melanie

Worüber man nicht schweigen kann,
darüber muss man sprechen,
denn die Grenzen der Sprache
sind die Grenzen der Welt,

Ludwig Wittgenstein


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Beitrag #6 |

RE: Den Wald vor lauter Bäumen ...
Hallo jeronimus,

ich habe bis jetzt zwei Strategien, die sich bewährt haben:

zum einen die Kapitelübersicht, die Adsartha schon beschrieben hat, in der ich die Erzählstränge zusammenfasse und auch farbig markiere, daß ich mich nicht verhasple (in meinem momentanen Projekt kommen viele Zeitblenden, Rückschauen usw. vor)

zum anderen habe ich ein Blatt für jeden wichtigen Charakter angelegt, wo ich wichtige Dinge aufschreibe (Persönlichkeit, Vorlieben, Haarfarbe, etc. - kann man immer mal brauchen) und zum anderen die wichtigsten Schritte seiner Entwicklung in der Geschichte protokolliere. Das ist im Groben schon festgestanden, bevor ich zu Schreiben begonnen habe, und wird immer wieder verfeinert im Lauf der Zeit. Außerdem zeichne ich gerne ein Mindmap-mäßiges etwas, um die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander festzuhalten.

Keep on writing!
Icon_jump t.

Ich bin absolut dafür, daß man Narren von gefährlichen Waffen fernhält. Beginnen wir mit Schreibmaschinen. (Frank Lloyd Wright)

Prinzessin von Kagran

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Beitrag #7 |

RE: Den Wald vor lauter Bäumen ...
Hallo,

uff, also ich muss mal was fragen:

Zitat:Immer wieder steh ich vor dem Problem blättern oder scrollen zu müssen, weil ich nicht mehr weiß, was wann eigentlich passiert ist.
Ich habe schon eine Excel-Tabell, in der steht, in welchem Kapitel welcher Charakter vorkommt. Hatte sogar schon Karteikarten!!!

Hast du dich denn an ein sehr komplexes Erstlingswerk rangewagt? Denn so hört es sich zumindest an. Gibt es da mehrere Handlungsstränge, die nebeneinander verlaufen und von Kapitel zu Kapitel wechsel - also Parallelgeschichten etc.

Denn es kommt immer sehr auf den Aufbau an! Wenn du die Geschichte von A bis Z aus einer Sicht durcherzählst, dann hast du den geringsten Aufwand. Den einen Charakter, seine Erlebnisse und dann brauchst du höchstens Karteikarten oder Notizen, die dir sagen, wo er in der Storyline grade in Kapitel 3 ist oder in Kapitel 16 und welche Charas dort vorkommen.

Grüße,

Holy


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Beitrag #8 |

RE: Den Wald vor lauter Bäumen ...
Hallo Jeronimus.

Vielleicht hilft es dir erst einmal, dir die Handlung vor Augen zu führen: was ist der Haupthandlungsstrang und nur der? Schreibe vielleicht eine Zusammenfassung (keine lange, eine kurze, in der alle Eckpunkte angesprochen werden, reicht) des Haupthandlungsstrang (lass dabei die Nebenhandlungen völlig außen vor) und verdeutliche dir selbst, wo etwas geschieht, das für den Haupthandlungsstrang wichtig ist.

Dann gehe über zu den Nebenplots. Erst einmal: mach dir klar, welche das sind (kannst du mit ein, zwei Oberbegriffen, ein paar Stichpunkten zusammenfassen) und wo sie wie eine Rolle spielen. Mich explizit mit ihnen auseinandersetzen würde ich voerst nicht; es sei denn, sie bereiten dir Probleme (z.B. beim Spannungsaufbau - du hast eine Nebenhandlung völlig vergessen und willst sie nicht erst 20 Kapitel nach dem letzten Einsatz weiterführen).

Mir persönlich hilft so eine Struktur schon mal ungemein. Als Prinzip gilt: nicht stringent den Kapiteln folgen, sondern das Ganze über inhaltliche Brücken meistern. Icon_smile

Hoffe, das hilft.

Liebe Grüße,
Zwielichtstochter


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Beitrag #9 |

RE: Den Wald vor lauter Bäumen ...
danke für die Tipps ihr Hilfreichen,

mit Karteikarten Meinte ich quasi zu notieren: wer kommt vor und was war geschehen.
allerdings schaue ich die dann auch irgendwie nich mehr an.

es ist ja nicht so, dass ich keinen blassen habe was vonstatten geht, aber ich weiß zB nicht mehr ob "charkter 2" in 18 oder 12 vorkommt, oder beiden.

ich steh nicht völlig verwirrt im raum, aber ich habe noch nicht die richtige "persönliche"-Methode. eine die mir spaß macht und mich nicht zu bürokratisch belastet.

@holy
zu deiner Frage. ich habe tatsächlich eine zumindest im Vergleich zur Eincharaktersicht komplexere Struktur aufgebaut. Wie gesagt ich vergesse nicht den inhalt, mehr die Reihenfolge.
Ich kann gar nicht anders, als aus mehreren Perspektiven schreiben. Ich schreibe quasi Film mit Kapiteln als Kameraschnitten.
mit "Utgard" entferne ich mich davon. Die sollte nur aus einer sicht stattfinden, aber eben nicht das erstlingswerk. Um genau zu seine wechsle ich zwischen 1,2,3,4,5,6 ... ca. 6 Personenbündeln ... personen sinds also noch mehr.
schwierig für den anfang? vllt, aber ich KANN NICHT ANDERS!!!!!!Icon_ugly

Gruß und mehr tipps bitte!!!!!!!!


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Beitrag #10 |

RE: Den Wald vor lauter Bäumen ...
hallo jeronimus,

also mein geheimnis den überblick nicht zu verlieren ist eigentlich ganz schlicht: unzählige notizen. Icon_smile ich bin eigentlich eine ziemlich chaotische schreiberin. was bedeutet, dass ich einfach loslege, wenn ich eine idee hab, bzw. mir eine geniale formulierung einfällt. dabei entstehen natürlich, die schon von dir erwähnten, textinseln. für die ist es ganz einfach, entweder ich grieg sie doch noch irgendwie in das gesamtgefüge rein, oder sie werden im ozean auf der festplatte untergehen.

aber nun zurück zu meinen notizen, konkret die zu meinem aktuellen roman, damit es auch zum thema passt. Icon_wink in meinem notizbuch findet sich zunächst mal ganz dick geschrieben der arbeitstitel, dann folgt ganz grob dargelegt die idee, also da wo ich mal hin will. dann folgen die darsteller, also die figuren und ihre namen (die namen haben bedeutungen deshalb stehn sie auch da). dazu schon ganz grob was in welchem kapitel passieren soll. den jede figur bekommt ihr eigenes kapitel, indem ich sie dazu griegen will ihre "aufgabe" am schluss auch zu erfüllen. Icon_smile
so dann folgt ein ganz wichtiger teil: beschreibung der figuren. so dinge wie äußeres, soziales umfeld, vergangenheit, talente. moment jetzt muss ich wieder blättern ...
hier kommt noch was ganz wichtiges: der zeitliche ablauf. da stehen dann so dinge wie morgens passiert das und das und mittags das und das, weil ich auch handlung hab die parallel zueinander abläuft. ja, und dann hab ich noch ein paar wichtige details aufgeschrieben, wie z.b. das alter der figuren, weil ich auch von einem die vergangenheit näher beleuchte. oder auch sehr wichtig, die beziehung der helden zum bösen prot. Icon_smile

so und das wars eigentlich schon. ein exclusiver einblick in meine notizen die wahrscheinlich niemand außer mir lesen kann. Icon_ugly beim schreiben selbst kann ich so die wichtigsten dinge immer nachschlagen. ab und zu muss ich natürlich auch nachschauen, was ich bisher so geschrieben hab, aber dafür hat word ja diese wunderbare "dokumentstruktur" funktion mit der ich zwischen den kapiteln einfach springen kann. da die kapitel im moment noch die namen der figuren tragen und ein stichwort was die jeweilige stimmung unterstützt, reicht mir das in diesem fall schon.

ich hoffe nicht allzu viel unnützes gelabert und dir wenigstens ein bisschen geholfen zu haben.

lg [Bild: smiley_emoticons_winken3.gif]

Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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