Es ist: 28-11-2021, 06:50
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Kinderbücher
Beitrag #1 |

Kinderbücher
Ich liebe Kinderbücher - schillernde, unschuldige Abenteuer, Lukas der Lokomotivführer, der immer „verflixt und zugenäht“ sagt, Kindheitsnostalgie pur.
Worüber wir uns damals keine Gedanken gemacht haben: Wie prägen uns diese Bücher eigentlich? Welches Weltbild wird da vermittelt? Welche Bücher würden wir unseren eigenen Kindern vorlesen? Astrid Lindgren, Michael Ende, Cornelia Funke? Joanne Rowling, Roald Dahl? Winnie Puh, Alice, Winnetou? Und wie stehen wir zu Lucky Luke, Asterix und Obelix oder Entenhausen?

Vor einiger Zeit hab ich irgendwo - ich glaube in der Süddeutschen - einen Artikel zu Kinderbüchern gelesen. Der/die/das Autor schrieb über die Verschiebung von der schwedischen Kinderliteratur (Astrid Lindgren) zur angelsächsischen (Rowling).
Pippi Langstrumpf ist wohl eine der seltensten Figuren in der Kinderliteratur: Sie ist ein Mädchen, das stärker ist als die Jungs, und ein Kind, das Erwachsene an der Nase herumführt. Sie stellt alle Hierarchien und traditionellen Bilder auf den Kopf und singt: „Ich mach mir die Welt (widewide^^) wie sie mir gefällt.“ Wobei ich mir vorstellen kann, dass nicht alle Eltern diese Weltsicht an ihre Kids vermitteln wollen. :D
Im Gegensatz zu dieser "rebellischen" Kinderliteratur sei Harry Potter eher "konservativ" auf die Erhaltung des Status Quo ausgerichtet: Es gibt klare Grenzen und Hierarchien zwischen Magiern und Nichtmagiern, Schülern und Lehrern, den Guten und den Bösen. Grenzen und Hierarchien werden nicht in Frage gestellt.
Eine Figur, die hier Grenzen bricht, ist für mich Hermine. Ihre Funktion als „Streberin“ ist zwar auch eher ein Mädchenklischee, aber sie ist auch ein mutiges Mädchen, ohne das die Jungs nicht auskommen, abgesehen davon eine Magierin aus einer nicht-magischen Familie, was geradezu „rebellisch“ nach Kritik an den Problemen in der Harry-Potter-Welt schreit.
Ansonsten aber muss ich der Kritik zustimmen, nach meinem Geschmack wimmelt es in Harry Potter sowie so schon nur so von dummen Klischees. Muss mal irgendwann weiterlesen :D....

Offensichtlichste Ansatzpunkte für Kritik an Kinderbüchern sind zB
- Vermittlung „falscher“ Moralvorstellungen
- Feministische Kritik (Darstellung von Mädchen und Jungen)
- Rassismus-Vorwürfe (Darstellung verschiedener Kulturen)
Ich überlass da aber erst mal euch das Feld, sonst wird mein Beitrag so lang. :D


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Beitrag #2 |

RE: Kinderbücher
Hallo Ichigo,

da ich die richtigen Kinderklassiker (Ich denke da an Kästners Kinderbücher genauso wie an Defoe's "Robinson Crusoe" oder auch Astrid Lindgren) als Kind nie gelesen habe, freue ich mich richtig darauf, meinen Kindern diese vorzulesen und sie mit ihnen zusammen zu lesen.

Als Kind (sagen wir so acht Jahre alt) mochte ich eine Mädchenbuchreihe aus den 30ern: "Pucki" von Magda Trott. Daran lässt sich recht deutlich machen, wie Kinder auf die Moral in Büchern reagieren, jedenfalls war das bei mir so: Ich mochte die Geschichten einfach, aber dass Pucki den für die damalige Zeit mustergültigen Lebenslauf einer Ehefrau und Mutter einschlug, darüber machte ich mir keine Gedanken. Das wird einem erst mit den Jahren klar, wenn man sich daran zurückerinnert.

Hermine ist auch für mich ein sehr starker Charakter, der besonders für Mädchen wichtig in der "Harry-Potter"-Reihe ist, aber sicherlich genauso für Jungen. Da wird gezeigt, dass auch ein Mädchen mutig sein kann und die Jungen haben vor ihr wahrscheinlich genauso Respekt, wenn nicht sogar mehr als vor Ron, der vor Spinnen davonläuft :D

"Pädagogisch wertvoll" ist für mich ohnehin ein Ausdruck, der auf Literatur bezogen einen sehr üblen Nachgeschmack hinterlässt. Denn: Wer entscheidet was wertvoll für Kinder ist?! Klar, nicht jedes Buch, das in der Kinderabteilung steht, ist auch wirklich für Kinder bzw. macht Sinn. "Pippi Langstrumpf" finde ich für Kinder fantastisch, auch wenn die Eltern kein Kind haben wollen, das ihnen auf der Nase herumtanzt Icon_wink Aber darum geht es in den Büchern ja auch gar nicht an erster Stelle, finde ich. Pippi ist einfach ein Mädchen, dass sich nichts gefallen lässt und das wirklich durchaus in den richtigen Situationen.

Da ich die Klassiker als Kind, wie gesagt, nicht gelesen habe, kann ich nicht sagen, wie sie mein Weltbild geprägt haben. Aber ich denke, ein Weltbild prägt sich sowieso erst in der Pubertät, erst da werden wir wirklich individuell (auch wenn sich das jetzt recht negativ anhört) und entwickeln unsere Vorstellungen und Ansichten.
Auf jeden Fall finde ich, egal, was ein Kind liest oder was man ihm vorliest, sollte ein Kind Kontakt zur Literatur haben. Besonders wir, die wir alle selbst mehr oder minder Bücherwürmer sind, werden unseren Kindern von Alice und Winnie Puuh und von Bastian und von Jim Knopf vorlesen Icon_smile Ich könnte mir nichts schrecklicheres vorstellen als wenn mein Kind kein Interesse an Literatur zeigen und nur vor der Glotze sitzen würde. Natürlich müsste ich das akzeptieren, aber so lange es in meinen Möglichkeiten steht, das zu beeinflussen, werde ich das auch tun ...



Grüße,
Isola.


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Beitrag #3 |

RE: Kinderbücher
Wer ist denn Bastian? ^^... Der aus "Unendliche Geschichte"?

Oh ja, die Glotze -- die macht mir auch Kopfzerbrechen. Ich habe schöne Kindheitserinnerungen von den Abenden, wo wir zusammen gelesen oder gesungen haben, das möchte ich meinen Kindern unbedingt auch weiter geben. Ein Grund für mich, irgendwann mal Gitarre zu lernen. Vielleicht wenn ich schwanger bin :D

Die Glotze bringt mich aber noch auf einen anderen Gedanken: Viel schwieriger als die Frage "Was will ich meinen Kids vorlesen?" ist glaub ich die Frage "Was sollen sie nicht sehen und wie krieg ich sie dazu, es nicht zu sehen"....

Dass man als Kind viele Dinge gar nicht so bewusst aufnimmt, das stimmt. Ich bin auch manchmal überrascht, wenn ich Bücher in die Hand nehme die ich als Kind gelesen habe, und da lauter Dinge entdecke, die ich gar nicht wahrgenommen hatte. Ich würde auch niemals so weit gehen, meinen Kids ein Buch zu verbieten, nur weil meiner Meinung nach irgendein Detail nicht koscher ist. Jim Knopf zB. mag ich auch sehr gerne, weil es so mit Kindheit behaftet ist, obwohl es leider ein paar problematische Stellen gibt wenn man genau darüber nachdenkt. Letztendlich ist sicher wichtiger, was die Kids in Wirklichkeit sehen und hören. Ich will auch keine Bücher die ständig mit dem moralischen Zeigefinger kommen (ich kann dem Struwwelpeter & Co nix abgewinnen), das wichtigste ist, dass sie die Fantasie beflügeln. Aber ganz jenseits von aller Kritik ist die Kinder- und Jugendliteratur auch wieder nicht.

Witzigerweise erinnere ich mich an ganz viele Gelegenheiten, wo das feministische Korrektiv in meinem Leben - aka meine Mutter - bei irgendwelchen Kinderbüchern oder Kinderkassetten protestierte. "Was ist denn das schon wieder für ein Frauenbild?! Glaub denen das ja nicht." ...was sie manchmal total zum Spielverderber machte, aber mich ungemein sensibilisiert hat. *lol*

Wer entscheidet was wertvoll für Kinder ist?!
==> Was pädagogisch wertvoll für meine Kinder ist entscheide ich ;-) Und ich würde meinen Kids Pippi auf jeden Fall vorlesen. :D

Eins meiner Lieblingsbücher ist Ronja Räubertochter und "pädagogisch sinnvoll" finde ich es auch:

1) Moralisch: Zu Beginn bekämpfen sich zwei befeindete Räuberbanden. Ronja und Birk aber, die Kinder der Banden, schließen über diese Grenzen hinweg Freundschaft. Schließlich sehen die Räuberbanden ein, dass es klüger ist, sich zu verbünden. Die Geschichte zeigt deshalb, dass Feindschaft überwunden werden kann -- diesen Gedanken finde ich sehr wichtig, weil in Filmen und z.T. in Büchern all zu oft "die Guten" und "die Bösen" einander unversöhnlich gegenüber stehen. Das ist auch ein Faktor, den ich beim Fantasy-Genre überhaupt nicht mag.
Das Räuberleben selbst ist bei "Ronja Räubertochter" zwar sicher ein Abenteuerfaktor in dem Buch, dessen moralische Fraglichkeit kommt aber auch zur Sprache. So beschließen Ronja und Birk gegen den Willen ihrer Eltern, dass sie niemals Räuber werden wollen. (Oh, wieder eine Pippi-Rebellion gegen die Erwachsenen.)

2) Mannsvolk und Weiber: Von Prinzessinnen, die von ihrem Prinzen gerettet werden (siehe Jim Knopf!!) ist hier keine Spur. Ronja und Birk sind gleichermaßen draufgängerisch und unerschrocken und retten sich gegenseitig dutzendeweise das Leben (gleich beim ersten Mal darf Ronja heldenhaft Birk das Leben retten). Aus dem Film habe ich in Erinnerung, dass Ronja versierter im Brotbacken und Wunden verarzten ist als Birk (nach dem Motto „Das hat mir meine Mama gezeigt“), was sie aber noch lange nicht zum Hausfrauchen macht; sie strolcht munter weiter durch die Wälder und bändigt Wildpferde.
Im Räuberlager bleibt die Hauptmannsfrau Lovis zu Hause und macht den Haushalt für alle 12 Räuber ---oder wie viele es waren. Andererseits lässt sie sich vom „Mannsvolk“ nichts sagen und wirft die Räuber auch mal raus wenn sie ihr auf die Nerven gehen. Die große Glucke in der Kindererziehung ist der Räuberhauptmann Mattis. Mattis ist eine ziemlich coole Figur, er ist der gefürchtete Räuberhauptmann, jähzornig und manchmal ein bisschen einfältig, zugleich ein liebender Vater und Ehemann, der viele Tränen um sein Kind vergießt & sich von seiner Frau trösten lassen muss.

3) Noch ein großes Thema: Natur. Die spielt in Ronja Räubertochter eine große Rolle, sie ist Ronjas Zuflucht, Heimat, zugleich aber auch ungezügelt und für jemanden, der nicht mit ihr vertraut ist, bedrohlich -- und unendlich faszinierend. Da kriegt man irgendwie Lust, draußen rumzustreunen.

Ronja Räubertochter kann ich wirklich empfehlen :D Auch sprachlich einfach schön.


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Beitrag #4 |

RE: Kinderbücher
Ja, Bastian ist der aus der Unendlichen Geschichte Icon_wink

Und bei Ronja Räubertochter kann ich dir nur zustimmen, das war und ist auch eines meiner liebsten Kinderbücher Icon_smile

Zum Thema Fernsehen nur eine knappe Meinung: Wenn man Interesse daran hat, was das Kind sich ansieht, was es spielt, was es liest, was es hört, wie auch immer, dann denke ich, wird es auch sinnvolle Sendungen anschauen. Natürlich ist vieles auch nur Unterhaltung, aber meine Mum z.B. hat immer ein Auge darauf gehabt, was ich da gerade gucke, deswegen kann ich mich an keinen Mist à la Pokemon in meiner Kindheit erinnern. Sachen wie "Es war einmal der Mensch" kennen die Kinder von heute ja gar nicht mehr :rolleyes:
Trotzdem ist es sehr schwierig für ein Kind, denke ich, wenn es vollkommen ohne Fernsehen aufwächst. Erstens wird es schief angeguckt und zweitens lernt es dadurch auch sicherlich nicht den richtigen Umgang mit dem Medium.

Aber jetzt schweife ich ab ... Vielleicht sollte man mal zu dem Thema einen eigenen Thread aufmachen? Aber bitte erst nach meiner Klausurphase! :D


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Beitrag #5 |

RE: Kinderbücher
Bücher waren in unserem Haus immer sehr, sehr wichtig - das ganze Haus ist voll davon, und ich kann mich auch nicht erinnern, daß es "verbotene Tabu-Bücher" gegeben hätte. Ich schätze es im Nachhinein sehr an meiner Familie, die eigentlich keine war/ist, daß sie uns das alles geboten haben. Wir mußten oft ziemlich sparen - aber an Büchern hat's nie gemangelt.

Das möchte ich meinen Kindern auch bieten. Eine Bibliothek als Refugium, nachhaltig.

Ich liebte Astrid Lindgren und Erich Kästner, Roald Dahl natürlich und Enid Blyton und viele andere englischsprachige Autoren die am Kontinent gar nicht bekannt sind, Christine Nöstlinger, die Geggis, die Omama im Apfelbaum, Valerie und die Gutenachtschaukel, die Findus Bücher, ich könnte elendslange Listen schreiben und ja, ich werde es genauso machen.

Was mir und meinen Kindern nicht ins Haus kommt: Thomas Brezina. Pfui der Gack.

Fernseher hatten wir keinen jahrelang, später nur mit zwei Programmen und geschaut werden durfte nur Nachrichten und Universum (eine Natur-Dokusendung) - mein Bruder hat viel heimlich geschaut, unreflektiert, hat sich zu seinem 18. einen Kabelzugang geschenkt und verbringt seither sein Leben davor, ich hab' bis heute keinen...

Icon_jump t.

Ich bin absolut dafür, daß man Narren von gefährlichen Waffen fernhält. Beginnen wir mit Schreibmaschinen. (Frank Lloyd Wright)

Prinzessin von Kagran

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Beitrag #6 |

RE: Kinderbücher
Fernsehen ist tatsächlich ein Topic für sich... Ich bin auch ohne Fernsehen aufgewachsen und tatsächlich fand ich es nicht immer leicht, neben meinen Klassenkameraden zu stehen und gar nicht mitreden zu können. Die ganzen Stars und Sternchen, in die man sich mit 14 verlieben musste um dabei zu sein, hab ich immer nur auf den Postern in anderen Kinderzimmern gesehen. Bleibende Schäden hab ich aber nicht davon getragen... ich denke es kommt auch auf das Kind drauf an, ich bin sicher noch vergleichsweise gut damit klar gekommen, dagegen stehen andere Kinder sicher in anderen Freundeskreisen, unter anderem Druck und pochen deshalb auch auf Fernsehen. Da die Glotze nie so eine Faszination auf mich ausgeübt hat, hab ich mich auch nicht auf sie gestürzt als sie dann endlich im Wohnzimmer stand. Kinder dagegen, die sehnlichst Fernsehen gucken wollen und es verboten bekommen, können dann glaube ich eher nicht richtig damit umgehen. Zumindest hab ich das an den Kindern einer Bekannten beobachtet, die immer Süßigkeiten verboten bekommen hatten und dann bei Besuch bei anderen Kindern jedes Bonbon im Haus aufspürten.

Ich finde die Ghibli-Filme insgesamt sehr kindertauglich, wenn auch nicht alle für jedes Alter. Sie sind wundervoll lebensbejahend und fantasievoll, der Natur wird einen großen Stellenwert eingeräumt, auch das feministische Auge findet keinen Makel an den gleichermaßen mutigen oder ängstlichen Jungs & Mädels.

Tja, wo wir über Fernsehen sprechen, können wir auch gleich das Thema Internetanschluss ansprechen, oder?^^


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Beitrag #7 |

RE: Kinderbücher
In meinem Erstlesealter hatten wir noch keinen Fernseher, hätte auch nicht gelohnt.
Aber was Kinderbücher auf mich für einen Eindruck hinterlassen haben, kann ich beantworten - gar keinen.
Und dabei besaß ich massig und sehr gute und erinnere mich an fast alle. Angefangen mit "Kater Schnurz" von Bela Tanko, das heute ja wiederaufgelegt wurde, als ganz kleines Mädchen, später die Bücher von Alexander Wolkow, die über Ellies Abenteuer im Wunderland erzählen, die russische Adaption von Dorothy, ein weniger bekanntes Buch, des Autors der Biene Maja - "Himmelvolk", das ich heute noch im Schrank stehen habe ...
Ich habe die Geschichten genommen, wie sie sich darstellten, "langweilige" tiefsinnige Bücher sehr schnell wieder weggelegt. Am Ende konnte ich meine Lieblingsbücher fast auswändig, habe, viel, viel zu früh, aus Mutterns Bücherschrank "Ein Kampf um Rom" rausgezerrt (da war ich 12) und richtiggehend "gefressen" weil ich es so spannend fand, nur um es drei Jahre später nicht mehr angucken zu können - was für ein Kleister (tschuldige Teja Icon_smile).
Mit 14 habe ich Charlotte Brontés Jane Eyre gelesen und fand es sooooo romantisch :D.
Als wir das Ding später in der Schule besprachen, war ich richtiggehend erschüttert, wieviel Bedeutung man in das Teil reininterpretieren konnte.
Moral hatte das Ganze für mich nicht. Die habe ich eher aus dem Verhalten der Erwachsenen um mich herum gezogen, ihrem Auftreten, den Dingen, die sie sagten.
Erst viel später sind auch Bücher in diesen Bereich meines Lebens vorgedrungen. Ich habe meinen Kindern früher zwar Bücher gekauft, die mir gefielen, aber bei uns steht alles, wirklich alles voller Bücher und ich habe nicht kontrolliert, ob und was sie sich da mit ins Zimmer genommen haben. Wenn sie langweilig waren, haben sie sie eh zurückgebracht, wenn sie Fragen hatten, haben sie gefragt und wir haben mit ihnen, oft bis viel zu spät abends, endlose Diskussionen geführt (da hatten wir dann bereits wieder keinen Fernseher mehr - und weder wir noch die Kinder haben ihn vermisst). Mein Großvater sagte mal zu meiner Mutter, den "Kampf um Rom" betreffend:
"Wenn ein Kind alt genug ist, ein Buch zu Ende zu lesen, ist es auch alt genug, es zu verstehen - man muss nur in der richtigen Weise drüber reden."
Und das sehe ich inzwischen genau so.

Ninita

Glück ist eine Zuchtpflanze aus Ehrgeiz und Fleiss,
gesät in eine Mischung von Geduld und Beharrlichkteit,
regelmäßig gedüngt mit Humor. (Xelanja)

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Beitrag #8 |

RE: Kinderbücher
@"Pädagogisch wertvoll": Na, jetzt muss ich das aber mal verteidigen als "ausgebildete Pädagogin" (*hustlol*) Mrgreen ...
Das hat ganz und gar nichts mit angestaubt zu tun; im Gegenteil. "Struwwelpeter" und Co. sind jedenfalls definitiv nicht pädagogisch wertvoll Icon_wink
Da fallen eher Kriterien drunter, wie Ichigo sie aufgezählt hat. Pädagogisch wertvolle Bücher stärken die drei Kompetenzen der Kinder: Selbstkompetenz (positives Selbstbild etc.), Sachkompetenz (also nicht unbedingt eierlegende Osterhasen Icon_wink ... wobei das grad bei Kinderbüchern natürlich nicht streng genommen wird - es fallen aber auch Wortschatz, Klischees etc. drunter; also wie ist das Buch geschrieben und "verarscht" es die Kinder auch nicht) und Sozialkompetenz (also Umgang mit Anderen, ob jetzt Kinder, Erwachsene, Eltern ... whatever). Das ist pädagogisch wertvoll.
Pippi fällt übrigens im höchsten Grad in dieses Schema, weil sie besondes für die Selbstkompetenz (vermittelt ein sehr positives Kinderbild - unabhängig und stark) und die Sozialkompetenz (lässt sich nichts gefallen, ist aber sehr verlässlich und beschützend ihren Freunden und Schwächeren gegenüber) einfach ideal ist.
So, und jetzt will ich nichts mehr gegen pädagogisch wertvolle Bücher hören, auch wenn es echt ein Unwort ist, ich geb's zu Mrgreen
(Pädagogisch nicht wertvoll sind halt solche Bücher wie ... keine Ahnung ... klatschrosa Glitzergeschichten von Prinzessin Lilifee und wie sie ihren Schönheitswettbewerb gewinnt und dieses Klischeezeug - oder Zeigefingermoral-Geschichten ...)

Es prägt Kinder übrigens unbewusst sehr wohl, was sie früh lesen und zu hören bekommen. Und ich kann bezeugen, dass sie in der Pubertät zwar ihre Persönlichkeit manchmal sehr ändern, aber im Grunde schon im Kleinkindalter einen sehr eigenen Charakter haben. Gerade da werden Grundsteine für das ganze spätere Leben gelegt - ist unheimlich, stimmt aber. Leider. Soll heißen: Da kann extrem viel verbaut werden. (Weshalb ich natürlich trotzdem nicht für Bücherverbote bin, außer in Grenzfällen - das nützt nämlich gar nichts. Nur sollte man sehr wohl auch "gute" Bücher anbieten.)


@Fernseher: Hatten wir auch nicht und haben wir immer noch nicht; ich fand das als Kind furchtbar und jetzt geht er mir nicht im mindesten ab. Icon_wink
Vermutlich war das ein Grund, warum ich schon in jüngsten Jahren der Lesesucht verfallen bin.


Und, endlich doch noch, @Topic:
Ich bekam als kleines Kind viel vorgelesen und erzählt; vor allem viele Märchen, aber auch Bücher von Mira Lobe (Bimbuli, Das kleine Ich-Bin-Ich und Co., auch die Abenteuer von Kasperl und Bärli Hupf - was habe ich die geliebt *lach*), Astrid Lindgren (DIE Klassiker unter den Kinderbüchern - ich mag sie heute noch; sie hat so eine ganz besondere Art, für Kinder zu schreiben), Michael Ende (oh ja, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer waren herrlich), Käthe Recheis (ihre wunderbaren Indianerbücher! Lichtjahre besser als Karl May und vor allem authentischer) etc. pp. - wie gesagt, sehr viel. Und ich habe es geliebt.
Bald hat es mir nicht mehr gereicht, also habe ich Buchstaben erfragt und mir selbst das Lesen beigebracht; ab da war kein Halten mehr. Nichts war vor mir sicher. *gg* Am ersten Schultag, als wir die Bücher bekamen, hab ich mich auf die Stufen vors Haus gesetzt und das Lesebuch in einem Rutsch durchgelesen - und war enttäuscht von diesem langweiligen Zeug :D
Was ich alles gelesen habe, weiß ich gar nicht mehr. Die Minibibliothek war jedenfalls bald aufgebraucht und ich habe jede Gelegenheit genützt, mir Bücher auszuborgen, egal was Icon_wink
Hatte auch eine schwere Comic-Phase mit Donald Duck, Micky Maus und Co. (Mangas waren tabu, die sind für meine Eltern beinah so kulturlos wie Thomas Brezina, den ich auch nie gelesen habe *g*).

Nur auf Kinderbücher habe ich mich dann bald nicht mehr beschränkt, deshalb kann ich zu dem Thema nicht so viel sagen eigentlich - nur, dass Astrid Lindgren, Käthe Recheis, Mira Lobe usw. uneingeschränkt als Kinderliteratur empfehlenswert sind. Spannend, unterhaltsam und hochgradig "pädagogisch wertvoll" *fg* Mrgreen

Ich bin ein Fragezeichen
kein Punkt
- Rose Ausländer -

Avatar von Zwielichtstochter

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Beitrag #9 |

RE: Kinderbücher
Klar nimmt man als Kind die "Moral der Geschicht" nicht bewusst wahr. Meistens nimmt man (auch als Erwachsener) auch Klischees nicht bewusst wahr, erst dann wenn sie gebrochen werden: Ein Prinz, der die Prinzessin rettet, da denken wir uns nicht viel dabei, aber wenn die Prinzessin den Prinz retten muss, denken wir: "Hoppla! Da hatte ich ein anderes Bild im Kopf." Diese Bilder entstehen durch das was wir sehen, erleben und auch lesen. Wobei 1 emanzipiertes Buch wiederum nicht gegen eine 100% konservative Umwelt ankommt schätze ich :D

( Irgendwie muss ich gerade an Prinzessin Pfiffigunde denken, die nicht heiraten will und deshalb alle Prinzen verarscht :D )


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Beitrag #10 |

RE: Kinderbücher
Hallo zusammen,

Kinderbücher finde ich auch ein spannendes Thema, obwohl ich selbst leider nicht sehr viel von eben diesen verstehe. Bei uns in der Familie wurde eigentlich nur selten vorgelesen. Erst recht nicht, als ich ein wenig älter wurde. Da wurde gespielt, es wurden Geschichten erzählt und die Zeit wurde vor dem Fernseher verbracht. Zum eigentlich Lesen kam ich erst viel später, deshalb sind mir auch Autoren wie Lindgren und etc. zwar nicht ganz unbekannt, doch gelesen hab ich bisher wohl nur ein Buch von ihr. Ein sehr gutes Kinderbuch, das ich mir in meiner Schulzeit einmal ausgeborgt habe, war "Der weiße Wolf" von Kathe Recheis. Ich kann mich gut erinnern, dass dieses Buch sehr viele Werte vermittelt hat. Gemeinschaft, Naturschutz, Akzeptanz, Toleranz, Sanftmütigkeit und Kampfgeist. Es war eine wunderbare Fantasygeschichte, die mich bis heute sehr, sehr berührt hat. Ich erinnere mich weiters an das "Tiger-Team", aber nicht an die vermittelten Werte, ich denke, es gab nicht viel.

An sich finde ich, dass die "Dinge" uns prägen. Und damit meine ich einfach alles und vor allem in der Kindheit, obwohl ich auch als Erwachsener noch viel durch das Lesen lerne. Das Kinder oder Jugendliche viel lesen, oder vorgelesen bekommen würde ich begrüßen, allerdings kenne ich die Realität leider anders. Viele bekommen ein bisschen vorgelesen, die meiste Zeit aber werden sie vor den Fernseher gesetzt. - Wenig Aufwand, und vielleicht das gleiche Ergebnis? Was meint ihr dazu? Denkt ihr, dass das Fernsehen mittlerweile "Kinderbücher" schon mehr als gut ersetzt, oder sind die generell unentbehrlich?

Ich freu mich auf eure Meinung und bin gespannt, vor allem als Mensch, der eben nicht mit Büchern aufgewachsen ist und daher leider auch scheinbar tolles verpasst hat.

Grüße,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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