Es ist: 20-09-2019, 01:10
Es ist: 20-09-2019, 01:10 Hallo, Gast! (Registrieren)


Kurz vor Zwölf
Beitrag #11 |

RE: Kurz vor Zwölf
Heja Addi -
Zitat:Aber erstmal danke für die vielen Erklärungen, bin jetzt viel schlauer und verstehe einige Stelle besser. Icon_smile
schön, dass es so ist!
Zitat: Zitat:Dein kommentar insgesamt hat mich beinahe umgehauen!!!Icon_shocked

- Warum? War doch nett.
freilich, sehr sogar!!!

Nochmals danke!
Bestes,
poLet

P.s.:...erklärungen sollten niemanden vom kommentieren abhalten!


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Beitrag #12 |

RE: Kurz vor Zwölf
Moin poLet.

Diese Geschichte hat mir (neben anderen Sachen) teilweise den Schlaf der letzten Tage geraubt, während mein Bauch Überstunden aufgebaut hat (die ich im Übrigen kaum auszahlen kann) um zu ergründen, was es mit dieser Geschichte (in meinem!) Subforum auf sich hat. Versteh mich nicht falsch - ich beiße gerne zu und lasse in den wenigsten Fällen wieder los. Aber hier ... naja, ein Vergleich zu einem geschrubbten Wolf käme dem sehr nahe. Zuzüglich dazu noch eine Prise "Hä?" und "Was?" sowie "Ich-geb-nicht-auf-mein-Schatz-ich-komme-erst-ins-Bett-wenn-ich-dat-hier-endlich-kapiert-habe", was dazu führte, dass ich in meinen mir auferpressten Vorlesungen hinter (im Geiste) verschlossenen Lidern tatsächlich über afrikanische Trommeln gegrübelt habe - und wie lange sich darauf gewisse Flecken halten.
Ich mache es mal unkonventionell. Das hier war der erste Entwurf des Kommentares ...

Moin poLet.

Ich hab grad mal nachgeschaut - nein, wir hatten noch nicht das Vergnügen. Icon_wink
Diese Geschichte hinterlässt mich zwiespältig. Die Ausgestaltungen der Sätze sind überwiegend sehr gut zu lesen, auch wenn einige Schachtelsätze darunter sind, die zu einem erneuten (aufmerksameren) Lesen zwingen. Beispielsweise hier.
Zitat:Dennoch hatte sie sich bis dahin niemals die Frage gestellt, ob sie sich der Gefahr einer Schwangerschaft auslieferte, wenn sie sich ohne Höschen unter dem Kleid auf das kühlende Mitbringsel aus St.Louis, der zerfallenden Kolonialbaustätte im Norden Senegals, wo sie drei Wochen lang lernen musste, was es hieß, 'weiß' zu sein, hockte, um beispielsweise mit übereinandergeschlagenen Beinen und in die Hände gestütztem Kinn, den Tag und dessen ruhmlose Geräusche an sich vorüberziehen zu lassen.
Das ist ein Satz, wo ich mehrmals lesen musste und der sehr verschachtelt ist - was übrigens auch eine Kunst ist, solche Kombinationen zu formen, aber hier bin ich (und mein Bauch) der Auffassung, dass eine Unterteilung in mehrere Sätze vielleicht besser wäre.

Zitat:ein Wunsch, begattet zu werden, geschwemmt zu werden mit den Ausläufern eines Stroms,
An der Stelle würde ich nicht unbedingt "geschwemmt" empfehlen, sondern eher zum stärkeren "weggeschwemmt" oder "fortgeschwemmt" tendieren.

Die Formulierungen lassen das Herz meines Bauches höher schlagen - und alleine deswegen wäre diese Geschichte eine Empfehlung wert. Allerdings erschließt sich mir der Sinn leider gar nicht. Drei Hauptdarsteller und drei (mit dem Baum am Anfang sogar vier) Nebendarsteller sind es, die hier miteinander agieren. Michel, Ines, Freddy sowie die Fensterputzerin, der Autofahrer, der Pfarrer. Die Handlung zwischen Michel und Freddy ist eindeutig (Freunde - einer hat vom Leben genug - der Andere will ihn nicht gehen lassen), dagegen ist Ines hier irgendwie fehl am Platze.


... geändertes Ende des Entwurfes ...
Die Formulierungen lassen das Herz meines Bauches höher schlagen - und alleine deswegen ist diese Geschichte eine Empfehlung wert. Der Sinn dagegen ist nur schwer zu ergründen, ich nehme an, dass diese Geschichte durch die Ausuferung der Darsteller auf den Pfarrer, den Autofahrer, die Fensterputzerin und Ines eher in Alltag gehören könnte. Überdies hinaus ist mir nicht verständlich, was gerade Ines hier für eine Rolle spielt, da sie nicht aktiv in der Handlung agiert, zumindest nicht aktiv genug, um Freddy zu retten.

... drittes Ende, nachdem ich mir einen frischen Kaffee nachgeschenkt hatte und mein Augenmerk auf die Rubrik lenkte ...
Die Formulierungen lassen das Herz meines Bauches höher schlagen - und alleine deswegen ist diese Geschichte eine Empfehlung wert. Wie mir scheint, muss man diese Geschichte unter einem anderen Blickwinkel - unter anderen Voraussetzungen lesen. Scheinbar ist dies hier alles die Wirklichkeit, doch genau hier kam ich (nach dem x-ten Mal lesen) ins Grübeln:
Zitat:Ein roter Fiesta schlich die Straße entlang an mir vorbei, wobei sich der Fahrer und ich uns für einen Augenblick zu fragen schienen, ob das wirklich alles sei.
Klingt jetzt (!) so, als wäre da wirklich nur die Fensterputzerin, das metallene Tor und der Erzähler auf dem Bild zu sehen - sowie natürlich der Fiesta-Fahrer. Mit anderen Worten: das erinnerte mich an "Dark City", wo eine Stadt als Raumschiff durchs Weltall fliegt. Nur ein Bruchstück, ein Ausschnitt aus einer kopierten Wirklichkeit? Nur ein nicht zuende gemaltes/gedachtes Bild? Maler müde, Farbe alle?
Und ab hier habe ich anders gelesen. Freddy und Michel ähneln sich in ihren Ausdrücken, im Abschnitt von Ines kommt es zu einem Bruch zwischen der Erzählweise (Erzähler schildert "gegenwärtig", als wenn er sie wirklich sehen würde) und plötzlich tritt der Erzähler nicht als "er" hervor, sondern als "Ich". Ich vermute, dass Michel/Freddy sich hier an einem Ort hinter den Lidern befinden - und einer der Beiden hat keine Lust mehr auf diese Art der Existenz.


... abschließend:
Ich denke, ich habe genug geschrieben. Das hat mir hier sehr gut gefallen und ich hoffe, Du kannst mir mit Deiner Antwort entweder meine Vermutung bestätigen oder widerlegen. Bis dahin verbleibe ich mit schläfrigen Grüßen
D.


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Beitrag #13 |

RE: Kurz vor Zwölf
Heja Dread -

Deine replik amüsiert mich! - Hm, habe ich "Dein subforum" bekleckert? Den schlaf Dir rauben...nee, wollt ich nicht. Nicht mal dran teilhaben, ehrlich!
Mir persönlich ist Dein
Zitat:... drittes Ende, nachdem ich mir einen frischen Kaffee nachgeschenkt hatte und mein Augenmerk auf die Rubrik lenkte ...
am sympathischsten, da es mit meiner ureigenen annahme einhergeht, dass ohne "frischen Kaffee" a) wenig geht & b) zuviel davon die thematik der rubrik leichter erreicht werden kann!

Mit Deiner anmerkung zu schachtelsätzen hast Du bestimmt recht; freilich ist es auch eher auffällig, wenn es im gesamten text nicht homogen auftaucht, sondern nur an wenigen stellen...naja, bin ein anfänger in dieser hinsicht.
Ich verstehe diese einlassung. Nur beim schreiben war ich wohl 'drin', im fluss, & habe mich scheinbar wenig um homogenität gekümmert. Das bspl., das Du anführst, finde ich immer noch witzig.

Überrascht bin ich über Deine wertschätzung der fensterputzerin gegenüber; Du erwähnst sie so oft, obwohl sie nur in einem halben halbsatz erwähnt wird...ok, der pfarrer...was soll ich sagen?!

Nichts ist in diesem text so, wie es sein könnte, & zu erklären bleibt nicht viel übrig.
Freddy ist Michel & doch nicht; eine zeitschleife um kurz vor zwölf, die stehenbleibt & sich variiert wiederholt; Ines ist ungemein wichtig, da sie der baum sein kann & Freddys & Michels & des pfarrers mittelpunkt; dem Fiesta-fahrer bleibt die rolle des nicht-teilhabenden helden, der -mehr noch als die fensterputzerin- wirklichkeit verkörpert.

Ich verstehe nicht, wie diese geschichte entstehen konnte, & ich verstehe nicht die fragen nach dem verstehen. Vielleicht war es eine übung, absurd zu sein. Oder wirklich. Oder fremd.

Vielen dank für Deinen kommentar
-(die trommel übrigens hängt bei mir an der wand!)-
& dem herzen Deines bauches...-
schlaf gut,
poLet


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Beitrag #14 |

RE: Kurz vor Zwölf
Moin moin poLet - kleine Rückmeldung am frühen Morgen.

Zitat:Hm, habe ich "Dein subforum" bekleckert?
Nö - mit dieser Geschichte ist das schlicht unmöglich. Icon_wink
Zitat:Den schlaf Dir rauben...nee, wollt ich nicht. Nicht mal dran teilhaben, ehrlich!
Nur die Interpretation war es, die mich daran gehindert hat.
Zitat:am sympathischsten, da es mit meiner ureigenen annahme einhergeht, dass ohne "frischen Kaffee" a) wenig geht & b) zuviel davon die thematik der rubrik leichter erreicht werden kann!
... und das ist mir überaus sympathisch. Mrgreen

Zitat:Nur beim schreiben war ich wohl 'drin', im fluss, & habe mich scheinbar wenig um homogenität gekümmert.
Joar, das kenne ich. Es war nur ein Beispiel, weil es mich gerade an der Stelle gestoppt hat. Aber nicht weiter wild. Vielleicht sehen andere das ganz anders.

Zitat:Überrascht bin ich über Deine wertschätzung der fensterputzerin gegenüber; Du erwähnst sie so oft, obwohl sie nur in einem halben halbsatz erwähnt wird...ok, der pfarrer...was soll ich sagen?!
Ich konnte sie zuerst nicht einordnen - und zum Schluß hing sie in meinem Bild irgendwo in der Luft. Zusammen mit einem Lappen, einem Eimer und einem der Schwerkraft trotzenden Fenster. Icon_wink

Zitat:Ich verstehe nicht, wie diese geschichte entstehen konnte, & ich verstehe nicht die fragen nach dem verstehen.
(Geht mir manchmal ebenso.)

Ich denke, es ist ein kleiner Edelstein - und schön, dass diese Geschichte von Dir hier in "meinem" kleinen Reich steht.

LG
Der (ausgeschlafene) D. Icon_wink


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Beitrag #15 |

RE: Kurz vor Zwölf
Nun, Dread -

da es unhöflich ist, Deine erweiterte antwort unbeachtet stehen zu lassen:
ich denke, wir verstehen uns!
Gut so.
Grüße,
poLet


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Beitrag #16 |

RE: Kurz vor Zwölf
Hallo PoLet,

viele Tage zu spät (und noch weitere sieben, um den Kommentar und mich rasten zu lassen) und doch hab ich nicht vergessen, endlich meinen Kommentar zu deiner Geschichte zu posten, diesmal bist du vor Lanna dran, damit sich auch ja alles ausgeht und dann erst schau wieder wieder weg aus dem Surreaslismus, der mir ansonst ja recht wenig gefällt. Achja und ich setze mich ingesamt nun zum dritten Mal an diesen einen Kommentar.

Mit einem Mal wurde ihm bewusst, er würde es nicht schaffen, bis zwölf Uhr mittags betrunken zu sein. Es blieben ihm noch gut zehn Minuten, diese Enttäuschung hinunterzuspülen.
=> Wie gesagt, für solche Art von Humor, für solche Gestalten schwärme ich. Wunderbar. Wunderbar, sag ich. Ein toller Einstieg. So kann es weiter gehen.

Danach - er trat ans offene Fenster und musterte wieder einmal den Baum, dem er sich nicht entschließen konnte, einen Namen zu geben.
=> Der Bindestrich hat mich etwas ins Stolpern gebracht. Man erwartet nen Bindestrichschluss, vom Lesefluss her. Aber da ist nix, nur eine Fortsetzung. Danach also was? Eine offene Frage? Wenn ja, würd ich sie anders formulieren, anders präsentieren, anders wirken lassen.

Einen, der etwas ausdrücken sollte, etwas wie Zuneigung. Der Ahorn, dessen Gabelung ihn immer wieder an ein kopfstehendes Mädchen erinnerte, die Beine gespreizt, wie über die Stirn des Windes stolzierend, der auf die Erde herabsah aus Spott und Mitleid. Das waren seine Gedanken, seine Bilder. Das war ihm ebenso bewusst, wie sein geöffneter Hosenschlitz und der daraus hervorgereckte Penis.
=> Genial. Wirklich genial. *lach* Der ... ne ... Icon_lachtot

Er war weit entfernt, sich selbst etwas vorzumachen. "So weit noch vom Rausch, vom Schauer des Schlafs, vom Zucken eines sterbenden Wurms", schüttelte er murmelnd leicht den Kopf.
Von all den Mädchen, deren gespreizte Beine er jemals gesehen hatte, ähnelte keines diesem auseinandertretenden Stamm.

=> Find ich persönlich ein bisschen holprig. Vor allem sein Murmel will nicht ganz in meinen Verstand sickern. Ist das nötig? Ein Zitat, das du später aufgreifst oder lose Gedankengäng, die man hier noch nicht verstehen muss. "Murmelnd leicht" find ich übrigens zu adjektivlastig. Irgendwie stockt an der Stelle der Lesefluss, obwohl ich Adjekte rechte gern mag.

Mit links führte er das Glas an die Lippen und trank einen Schluck, ohne den Blick abzuwenden. Daumen, Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand zogen das feine Häutchen über die Eichel, immer wieder, langsam, fast gleichmäßig, mechanisch verschlafen.
=> Da du "Mit Link" beginnst, hätte ich erwartet im Fortlauf des Satzes auch noch das zu lesen, was die rechte Hand tut: ergo ich würde es flüssiger finden, wenn beides eine Heimat hat. Schreibt man, wenn du "links" so verwendest das echt nicht groß? "Mit Link führte er das Glas an die Lippen, trank einen Schluck ohne den Blick abzuwenden und Damen, Zeuge- und Mitetlfinger der rechten Hand zogen das feine Mäutchen über die Eichel. Immer wieder, langsam, fast gleichmäßig, mechanisch verschlafen." - Nur mal ein Vorschlag von mir. Hier mag ich die hintereinander stehenden Adjektive schon.

Er spürte sich selbst, oder doch die Gabelung des Ahorn, das Fleisch einer Unbekannten, die Finger, Werkzeuge, die nicht mehr seine eigenen waren.
=> Sehr schön! Stark gemacht mit den Phantasien. Allerdings doppelst du bei diesen beiden Sätzen die Satzanfänge und das mag ich wieder gar nicht.

Er unterbrach und fuhr sich mit der Hand durch die Haare, schob seinen steifen Penis aufrecht in den Innenraum der Jeans zurück, und schloss den Reißverschluss. - "Eine Stunde mindestens -", murmelte er erneut, lauter hinzufügend, "warum habe ich eine wie dich nie kennengelernt?"
=> So und hier hört der erste Teil auf, der mir sehr, sehr gut gefällt. Wirklich toll, auch vom Stil her. Hier haben wir also Freddy, seine Neigungen und seine fünf Minuten vor Zwölf. Die letzten Aussagen versteh ich wie die davor schon nicht. Also eine Stunde muss der Baum, bzw. das Mädchen noch warten, oder wie? Vermutlich. Dann wäre Freddy aber schon sehr im Suff.

Wieder presste ich die Klingel. Er musste doch zu Hause sein. Es war ganz und gar nicht seine Art, Verabredungen nicht einzuhalten oder sie zu vergessen.
=> hier wechselst du die Perspektive. Der einzige Ich-Erzähler hier. Freddys Freund "Michel" - wie wir später erfahren - der ihn gut kennt. Rückblickend betrachtet gefällt mir auch dieser Teil ziemlich gut und bis dahin ist auch noch alles klar - zumindest für mich. Im Moment.

Schräg gegenüber kümmerten sich zwei städtische Arbeiter um verzweifelte Fluchtgebärden angelegter Sträucher und stutzten sie zurück in den Anstand verordneter Ästhetik.
=> Gefällt mir gut!

"Mensch, mach auf!", zischte ich leise.
=> Ich versteh zwar, dass das Rufzeichen wohl nur den Nachdruck zeigen soll, der da in den Worten schwingt, aber "Rufzeichen" und "leise zischen" wollen mir trotzdem nicht recht zusammen passen.

Endlich ertönte die monotone Rassel, die bedeutete, dass ich das bis an den Bauchnabel reichende, metallene Tor aufdrücken konnte. Nachdem ich doch noch einen Speichelfleck hinterlassen hatte, betrat ich also die missgestaltet wirkende Außentreppe, die hinauf zur Tür seiner Wohnküche führte. Ich bemerkte das offenstehende Fenster, das man von der Straße aus nicht sehen konnte, und warf einen Blick hindurch auf die leblose Versammlung seltsam verschränkter Jacken- und Hemdsärmel, die sich an einer, nach Farbe seufzenden Wand zusammendrängten. Die Tür bewegte sich millimeterweise, als dränge sich eine mediterrane Sommerbrise dagegen, und im wachsenden Spalt begann das Gesicht von Freddy mit dem Lichteinfall zu leuchten.
=> Ich muss zugeben, dieser Abschnitt gefällt mir weniger, weil er eher an eine Aneinanderreihung klingt. "Endlich ertönte die monotone Rassel und ließ mich gegen das bis an den Bauchnabel reichende, metallene Tor drücken. Einen letzten Speichelfleck hinterlassen, betrat ich die missgestalte Außentreppe hinauf zur Wohnküche und bemerkt ein offenstehendes, einsames Fenster. Ich blickte hindruch auf die leblose Versammlung verschränkter Jacken- und Hemdsärmel, die sich an einer nach Farbe seufzenden Wand zusammendrängten, dann bewegte sich endlich die Eingangstür. Millimeterweise so, als dränge sich eine mediterrane Sommerbrise dagegen, begann im wachsenden Spalt das Gesicht von Freddy mit dem Lichteinfall zu leuchten." - Das wäre mein Vorschlag, oder zumindest meine Version, wenn ich diese Stelle schreiben müsste. Natürlich nicht an deinem Stil angepasst. Aber was mir auffällt: du betest das hier zu sehr hinunter, fängst ähnlich klingende Sätze an und benutzt hier und da zu viele Wörter, für das was du erzählen willst. Füllwörter. Ich find das hier ist dein schwächstes Textstück in dieser sonst sprachlich gut gelungenen Geschichte.

Ich roch den Alkohol sofort und erkannte, wie seine Wogen durchs Weiße der Augen meines Freundes schwappten. Ich folgte ihm nach innen. Ich wusste nicht warum, aber als ich ihn so ansah, war "Rhododendron" das einzige Wort, das mir einfiel.
=> Wordwiederholungen lassen stolpern. Zumindest, wenn man sie nicht als Stilmittel benutzt und das kann ich hier kaum erkennen. Daher würd ich versuchen, diese Stelle ein bisschen flüssiger zu gestalten. "Ich roch den Alkohol sofort, erkannte wie seine Wogen durch das Weiße seiner Augen schwappten und folgte meinen Freund nach innen. Das einzige Wort, dass mir bei seinem Anblick in den Sinn kam, war "Rhododendron"." - Wieder nur ein Beispiel.

Dennoch hatte sie sich bis dahin niemals die Frage gestellt, ob sie sich der Gefahr einer Schwangerschaft auslieferte, wenn sie sich ohne Höschen unter dem Kleid auf das kühlende Mitbringsel aus St.Louis, der zerfallenden Kolonialbaustätte im Norden Senegals, wo sie drei Wochen lang lernen musste, was es hieß, 'weiß' zu sein, hockte, um beispielsweise mit übereinandergeschlagenen Beinen und in die Hände gestütztem Kinn, den Tag und dessen ruhmlose Geräusche an sich vorüberziehen zu lassen.
=> ganz schön langer Satz. *nochmal liest* Wow, der ist gelungen. Respekt. Übrigens auch wie der Text darüber wieder gut zu lesen. War. Nur an der Klingel wirst du wie gesagt, recht schwach. Gut, hier also aus der Perspektive einer "Sie". Ines. Kurzweilig. Aber wo ist sie am Anfang? In ihrer Wohnung, sitzend auf Sperma? Nö, sicher nicht. Aber das Telefon? Festnetz? Wenn ja, und Michel sie angerufen hast, muss sie doch dort zuhause sein, oder ist es ein Handy? o.O *rumrätzelt*

Nicht dass sich in ihr eine Angst entwickelte, tatsächlich schwanger zu werden, vielmehr erwachte in ihr ein bis dahin noch nicht dagewesenes Verlangen danach, ein Wunsch, begattet zu werden, geschwemmt zu werden mit den Ausläufern eines Stroms, der aus dem Unbekannten kommt und sich nur nach Morgen wendet, ahnungsvoll und unsicher, zuversichtlich und sich doch, der Unvoraussehbarkeit anvertrauend, ihren lauernden Gefahren entgegenwirft.
=> Auch ein langer Satz. Den find ich nicht ganz so gut (fett / wiederholend) doch am Ende wieder sehr sehr stark.

"Eine Kraft..." hauchte sie in Richtung der Fotoecke, an der ihr Blick hing, der über die vielen verschiedenen Gesichter tastete, die Narben und Knutschflecken ihres Lebens, wie sie sie selbst bezeichnete, als das Ertönen des Telefons sie an die reale Oberfläche eines nachmittäglichen Donnerstags zurückrief.
=> Boah und da gehts gleich weiter. Also hintereinander finde ichs ein bisschen zu viel. Meiner Meinung nach tut man gut daran, sich ein bisschen abzuwechseln, besonders wenn man zu solchen Auswüchsen neigt. Das machst du, wie ich betonen möchte, sehr gut. Hier fehlt übrigens ein Komma nach den Anführungszeichen.

"Mach das Radio aus!", befahl eine düstere Stimme aus dem Klo.
=> *lach*

"So war das! Und zwei, drei Tage später erfuhr ich, dass Freddy sich aufgehängt hatte. - Dieser Idiot!"
=> Find ich echt grenzgenial. Erst beichten, immer noch sauer sein, damals sauer sein, ihn alleine lassen und jetzt ist "er" der Idiot, der er ist. Da wird nix beschönigt. *lach* Wobei einfach zu gehen und dann später nicht mehr nachfrage, wie es ihm geht oder so, ist schon heftig. Sehr sogar. Wirklich fürn Arsch, wenn er schon ankündigt, sich umzubringen und Michel ahnt, dass es kein Scherz ist ...

"Diese Frau hat ein Kind in die Welt geworfen und mir in den Briefkasten den unerschütterlichen, genetischen Beweis, dass ich der Erzeuger bin, und ich wundere mich, wie sie das angestellt haben könnte, verstehen Sie?
=> Also Ines hat ein Kind von Michel? o.O

Und ich bin hier in dieser Gegend, weil sie nicht weiß, dass ich hier in dieser Gegend bin. Und das alles geht Sie überhaupt nichts an! Und jetzt muss ich dringend meinen Rhododendron gießen, und danach habe ich eine Verabredung und es ist ganz und gar nicht meine Art, Verabredungen nicht einzuhalten, oder sie zu vergessen!

So. Okeh. Ich sortiere mich. Michel ist das neue Ich von Freddy, ne? Weil Freddy Schluss machen will, sich selbst ankotzt und sozusagen "springt" und Michel stattdessen abhauen kann. Mit seinem Rhododendron, irgendwohin wo die Ines ihn nicht findet, die jetzt doch von dem Teil voller Spermien schwanger geworden ist. Ur lustig, hey. Deine Geschichte ist so verdreht und verhagelt, dass ich gerade aufhören, wirklich zu versuchen, alles zu verstehen. Wenn ich nämlich krampfhaft beginne, dann dreh ich mir nur im Kreis. Fest steht, Michel ist Freddy, das mach ich gerade aus dem letzten Absatz fest. Freddy der genug hatte, der gern säuft. Aber falls er dachte, irgendwas ändert sich, hat er sich geschnitten, denn Michel will auch gerne betrunken sein. Dauert nicht lang und er "springt" auch aus nem Fenster. Das einzige, was ich so gar nicht einordnen kann ist, dass Ines "Michel" sagt, also man von dort den Namen hat. Leuchtet mir nicht ganz ein. Überhaupt nicht um genau zu sein und wenn diese Tatsache nicht wäre, würd ich fast sogar glauben, ich hätte deine Geschichte durchweg so verstanden, wie man sie als Leser eben verstehen kann.

Stilisch gefällt mir dein Treiben übrigens gut. Ich find schon, dass du Prosa schreiben kannst. Das was mir hier im Magen liegt ist schlicht und einfach das Genre selbst, in dem ich noch nie ein Händchen für die einzlenen Geschichten hatte, obwohl mir diesen inzwischen sogar richtig gut gefällt. Sie soll wohl nicht ganz erklärbar sein. Oder doch? Wenn ja, würd ich mich über eine Art Lösung freuen.

Ganz liebe Grüße,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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Beitrag #17 |

RE: Kurz vor Zwölf
Ach mensch, Sternchen!
Eigentlich versuche ich, ein gedicht zu schreiben, aber 'nee!', sollte wohl mal Deinem kommentar antworten.
Icon_motz
Na schön. Da Du Dir auch noch soviel mühe gemacht hast...Icon_irre...
nee, ich bin ja froh und glücklich! Icon_rolleyes
Also: froh und glücklich!
Icon_jump / Icon_lachtot /Pro
Du schreibst u.a.
Zitat:Achja und ich setze mich ingesamt nun zum dritten Mal an diesen einen Kommentar.
- selbst schuld.
Du meinst weiter
Zitat:Mit einem Mal wurde ihm bewusst, er würde es nicht schaffen, bis zwölf Uhr mittags betrunken zu sein. Es blieben ihm noch gut zehn Minuten, diese Enttäuschung hinunterzuspülen.
=> Wie gesagt, für solche Art von Humor, für solche Gestalten schwärme ich. Wunderbar. Wunderbar, sag ich. Ein toller Einstieg. So kann es weiter gehen.
- humor? Icon_confused Was'n für'n humor? DAS ist tragisch, Sternchen, ich könnte beim schreiben geheult haben...! Humor...?!
Du wunderst Dich
Zitat:Danach - er trat ans offene Fenster und musterte wieder einmal den Baum, dem er sich nicht entschließen konnte, einen Namen zu geben.
=> Der Bindestrich hat mich etwas ins Stolpern gebracht. Man erwartet nen Bindestrichschluss, vom Lesefluss her. Aber da ist nix, nur eine Fortsetzung. Danach also was? Eine offene Frage? Wenn ja, würd ich sie anders formulieren, anders präsentieren, anders wirken lassen.
- hm, ich glaube, dieses Danach entstammt seinen gedanken, oder denen des autors, oder denen meines nachbarn...? Ich werde nachsehen, danach.
Zitat:Einen, der etwas ausdrücken sollte, etwas wie Zuneigung. Der Ahorn, dessen Gabelung ihn immer wieder an ein kopfstehendes Mädchen erinnerte, die Beine gespreizt, wie über die Stirn des Windes stolzierend, der auf die Erde herabsah aus Spott und Mitleid. Das waren seine Gedanken, seine Bilder. Das war ihm ebenso bewusst, wie sein geöffneter Hosenschlitz und der daraus hervorgereckte Penis.
=> Genial. Wirklich genial. *lach* Der ... ne ... Icon_lachtot
- "Der ...ne..." was? - Nein! Schon gut! Ich habe verstanden und Smiley_emoticons_blush
Ähem...weiter gehst Du mit
Zitat:Er war weit entfernt, sich selbst etwas vorzumachen. "So weit noch vom Rausch, vom Schauer des Schlafs, vom Zucken eines sterbenden Wurms", schüttelte er murmelnd leicht den Kopf.
Von all den Mädchen, deren gespreizte Beine er jemals gesehen hatte, ähnelte keines diesem auseinandertretenden Stamm.
=> Find ich persönlich ein bisschen holprig. Vor allem sein Murmel will nicht ganz in meinen Verstand sickern. Ist das nötig? Ein Zitat, das du später aufgreifst oder lose Gedankengäng, die man hier noch nicht verstehen muss. "Murmelnd leicht" find ich übrigens zu adjektivlastig. Irgendwie stockt an der Stelle der Lesefluss, obwohl ich Adjekte rechte gern mag.
- oh, ich liebe adjektive, vor allem die tiefen! - Aber das tut hier ja nichts zur sache.
Icon_shocked Steht da wirklich "murmelnd leicht"? Icon_lachtot Welcher idiot schreibt denn murm...al-sogeht das freilich nicht. Du hast ein gutes aug' auf meinem wisch!

Sternchen:
Zitat:Mit links führte er das Glas an die Lippen und trank einen Schluck, ohne den Blick abzuwenden. Daumen, Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand zogen das feine Häutchen über die Eichel, immer wieder, langsam, fast gleichmäßig, mechanisch verschlafen.
=> Da du "Mit Link" beginnst, hätte ich erwartet im Fortlauf des Satzes auch noch das zu lesen, was die rechte Hand tut: ergo ich würde es flüssiger finden, wenn beides eine Heimat hat. Schreibt man, wenn du "links" so verwendest das echt nicht groß? "Mit Link führte er das Glas an die Lippen, trank einen Schluck ohne den Blick abzuwenden und Damen, Zeuge- und Mitetlfinger der rechten Hand zogen das feine Mäutchen über die Eichel. Immer wieder, langsam, fast gleichmäßig, mechanisch verschlafen." - Nur mal ein Vorschlag von mir. Hier mag ich die hintereinander stehenden Adjektive schon.
- jaaa, aber dann würde ich noch ein "während" einbauen.
"Mit Links...", "Mit links...", ich hab keine ahnung!

Sternchen:
Zitat:Er unterbrach und fuhr sich mit der Hand durch die Haare, schob seinen steifen Penis aufrecht in den Innenraum der Jeans zurück, und schloss den Reißverschluss. - "Eine Stunde mindestens -", murmelte er erneut, lauter hinzufügend, "warum habe ich eine wie dich nie kennengelernt?"
=> So und hier hört der erste Teil auf, der mir sehr, sehr gut gefällt. Wirklich toll, auch vom Stil her. Hier haben wir also Freddy, seine Neigungen und seine fünf Minuten vor Zwölf. Die letzten Aussagen versteh ich wie die davor schon nicht. Also eine Stunde muss der Baum, bzw. das Mädchen noch warten, oder wie? Vermutlich. Dann wäre Freddy aber schon sehr im Suff.
- ich glaube, er meinte, 1 stunde für den suff. Aber ich kann mich auch täuschen.

Sternchen:
Zitat:"Mensch, mach auf!", zischte ich leise.
=> Ich versteh zwar, dass das Rufzeichen wohl nur den Nachdruck zeigen soll, der da in den Worten schwingt, aber "Rufzeichen" und "leise zischen" wollen mir trotzdem nicht recht zusammen passen.
- gut, ich habe Dich auch noch nie leise angezischt, Du könntest es dann nachvollziehen!

Sternchen:
Zitat:Endlich ertönte die monotone Rassel, die bedeutete, dass ich das bis an den Bauchnabel reichende, metallene Tor aufdrücken konnte. Nachdem ich doch noch einen Speichelfleck hinterlassen hatte, betrat ich also die missgestaltet wirkende Außentreppe, die hinauf zur Tür seiner Wohnküche führte. Ich bemerkte das offenstehende Fenster, das man von der Straße aus nicht sehen konnte, und warf einen Blick hindurch auf die leblose Versammlung seltsam verschränkter Jacken- und Hemdsärmel, die sich an einer, nach Farbe seufzenden Wand zusammendrängten. Die Tür bewegte sich millimeterweise, als dränge sich eine mediterrane Sommerbrise dagegen, und im wachsenden Spalt begann das Gesicht von Freddy mit dem Lichteinfall zu leuchten.
=> Ich muss zugeben, dieser Abschnitt gefällt mir weniger, weil er eher an eine Aneinanderreihung klingt. "Endlich ertönte die monotone Rassel und ließ mich gegen das bis an den Bauchnabel reichende, metallene Tor drücken. Einen letzten Speichelfleck hinterlassen, betrat ich die missgestalte Außentreppe hinauf zur Wohnküche und bemerkt ein offenstehendes, einsames Fenster. Ich blickte hindruch auf die leblose Versammlung verschränkter Jacken- und Hemdsärmel, die sich an einer nach Farbe seufzenden Wand zusammendrängten, dann bewegte sich endlich die Eingangstür. Millimeterweise so, als dränge sich eine mediterrane Sommerbrise dagegen, begann im wachsenden Spalt das Gesicht von Freddy mit dem Lichteinfall zu leuchten." - Das wäre mein Vorschlag, oder zumindest meine Version, wenn ich diese Stelle schreiben müsste. Natürlich nicht an deinem Stil angepasst. Aber was mir auffällt: du betest das hier zu sehr hinunter, fängst ähnlich klingende Sätze an und benutzt hier und da zu viele Wörter, für das was du erzählen willst. Füllwörter. Ich find das hier ist dein schwächstes Textstück in dieser sonst sprachlich gut gelungenen Geschichte.
- oh...Smiley_emoticons_blush...aber diesen teil, also Deinen, würde ich gern übernehmen, wie er ist. Darf ich?
Zitat:Ich roch den Alkohol sofort und erkannte, wie seine Wogen durchs Weiße der Augen meines Freundes schwappten. Ich folgte ihm nach innen. Ich wusste nicht warum, aber als ich ihn so ansah, war "Rhododendron" das einzige Wort, das mir einfiel.
=> Wordwiederholungen lassen stolpern. Zumindest, wenn man sie nicht als Stilmittel benutzt und das kann ich hier kaum erkennen. Daher würd ich versuchen, diese Stelle ein bisschen flüssiger zu gestalten. "Ich roch den Alkohol sofort, erkannte wie seine Wogen durch das Weiße seiner Augen schwappten und folgte meinen Freund nach innen. Das einzige Wort, dass mir bei seinem Anblick in den Sinn kam, war "Rhododendron"." - Wieder nur ein Beispiel.
- auch dieses beispiel würde ich anpassen!

Sternchen:
Zitat:Dennoch hatte sie sich bis dahin niemals die Frage gestellt, ob sie sich der Gefahr einer Schwangerschaft auslieferte, wenn sie sich ohne Höschen unter dem Kleid auf das kühlende Mitbringsel aus St.Louis, der zerfallenden Kolonialbaustätte im Norden Senegals, wo sie drei Wochen lang lernen musste, was es hieß, 'weiß' zu sein, hockte, um beispielsweise mit übereinandergeschlagenen Beinen und in die Hände gestütztem Kinn, den Tag und dessen ruhmlose Geräusche an sich vorüberziehen zu lassen.
=> ganz schön langer Satz. *nochmal liest* Wow, der ist gelungen. Respekt. Übrigens auch wie der Text darüber wieder gut zu lesen. War. Nur an der Klingel wirst du wie gesagt, recht schwach. Gut, hier also aus der Perspektive einer "Sie". Ines. Kurzweilig. Aber wo ist sie am Anfang? In ihrer Wohnung, sitzend auf Sperma? Nö, sicher nicht. Aber das Telefon? Festnetz? Wenn ja, und Michel sie angerufen hast, muss sie doch dort zuhause sein, oder ist es ein Handy? o.O *rumrätzelt*
- Icon_ugly ...jaja, 2-zimmer-wohnung, erdgeschoss. Festnetz- und internetflat. Noch fragen?

Sternchen:
Zitat:Nicht dass sich in ihr eine Angst entwickelte, tatsächlich schwanger zu werden, vielmehr erwachte in ihr ein bis dahin noch nicht dagewesenes Verlangen danach, ein Wunsch, begattet zu werden, geschwemmt zu werden mit den Ausläufern eines Stroms, der aus dem Unbekannten kommt und sich nur nach Morgen wendet, ahnungsvoll und unsicher, zuversichtlich und sich doch, der Unvoraussehbarkeit anvertrauend, ihren lauernden Gefahren entgegenwirft.
=> Auch ein langer Satz. Den find ich nicht ganz so gut (fett / wiederholend) doch am Ende wieder sehr sehr stark.

"Eine Kraft..." hauchte sie in Richtung der Fotoecke, an der ihr Blick hing, der über die vielen verschiedenen Gesichter tastete, die Narben und Knutschflecken ihres Lebens, wie sie sie selbst bezeichnete, als das Ertönen des Telefons sie an die reale Oberfläche eines nachmittäglichen Donnerstags zurückrief.
=> Boah und da gehts gleich weiter. Also hintereinander finde ichs ein bisschen zu viel. Meiner Meinung nach tut man gut daran, sich ein bisschen abzuwechseln, besonders wenn man zu solchen Auswüchsen neigt. Das machst du, wie ich betonen möchte, sehr gut. Hier fehlt übrigens ein Komma nach den Anführungszeichen.
- "Auswüchsen"? Pardon? - Aber Du hast recht. Mal sehen... .

Sternchen fragt:
Zitat:"Diese Frau hat ein Kind in die Welt geworfen und mir in den Briefkasten den unerschütterlichen, genetischen Beweis, dass ich der Erzeuger bin, und ich wundere mich, wie sie das angestellt haben könnte, verstehen Sie?
=> Also Ines hat ein Kind von Michel? o.O
- woher soll ich das denn wissen? Ich mein, wenns da steht?!
Wo genau das baby in der 2-zimmer-wohnung mit flatrate haust, weiß ich jetzt aber wirklich nicht!

Sternchen resümiert:
Zitat:So. Okeh. Ich sortiere mich. Michel ist das neue Ich von Freddy, ne? Weil Freddy Schluss machen will, sich selbst ankotzt und sozusagen "springt" und Michel stattdessen abhauen kann. Mit seinem Rhododendron, irgendwohin wo die Ines ihn nicht findet, die jetzt doch von dem Teil voller Spermien schwanger geworden ist. Ur lustig, hey. Deine Geschichte ist so verdreht und verhagelt, dass ich gerade aufhören, wirklich zu versuchen, alles zu verstehen. Wenn ich nämlich krampfhaft beginne, dann dreh ich mir nur im Kreis. Fest steht, Michel ist Freddy, das mach ich gerade aus dem letzten Absatz fest. Freddy der genug hatte, der gern säuft. Aber falls er dachte, irgendwas ändert sich, hat er sich geschnitten, denn Michel will auch gerne betrunken sein. Dauert nicht lang und er "springt" auch aus nem Fenster. Das einzige, was ich so gar nicht einordnen kann ist, dass Ines "Michel" sagt, also man von dort den Namen hat. Leuchtet mir nicht ganz ein. Überhaupt nicht um genau zu sein und wenn diese Tatsache nicht wäre, würd ich fast sogar glauben, ich hätte deine Geschichte durchweg so verstanden, wie man sie als Leser eben verstehen kann.
- hmm...vielleicht heißt das baby auch Michel? Vielleicht hat Ines auch mehr mit dem baum gemein, als die fensterputzerin klarwischen kann? Wenn doch Freddy und Michel ein und dieselbe person sind, braucht man dann noch einen dna-test wegen der spermaflecken? Wieso hat der Fiesta-fahrer keinen namen? Ist er vielleicht ein laienprediger? Mit eigenem beichtstuhl? Haben Sie Wien schon bei nacht gesehn?...Nee, tschulligung, jetzt gehe ich zu weit, gewiss! Aber wenn Michel jetzt nach hause kommt, wer wird um 5 vor 12 klingeln? Lars?... Icon_ugly

Sternchen schließt:
Zitat:Stilisch gefällt mir dein Treiben übrigens gut. Ich find schon, dass du Prosa schreiben kannst. Das was mir hier im Magen liegt ist schlicht und einfach das Genre selbst, in dem ich noch nie ein Händchen für die einzlenen Geschichten hatte, obwohl mir diesen inzwischen sogar richtig gut gefällt. Sie soll wohl nicht ganz erklärbar sein. Oder doch? Wenn ja, würd ich mich über eine Art Lösung freuen.
- isch hab stilisch alles gegeben! Mrgreen
"Sie soll wohl nicht ganz erklärbar sein. Oder doch? Wenn ja, würd ich mich über eine Art Lösung freuen."
Icon_lachtot
Das ist gut, Sternchen, das ist wirklich gut! Ich mich auch!
Ich bin ergriffen, wie Du Dir mein Write zu gemüte geführt hast!
Ich kann weder das eine, noch das andere erklären!
Pro
Herzlichen dank für Deine mühe und konzentration, Dein wohlwollen und die antizipation, die Du meinem Write entgegengebracht hast!
Verzeih, aber Icon_bussi
So! (Selbst schuld!)
Schönes,
poLet









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Beitrag #18 |

RE: Kurz vor Zwölf
Hi PoLet,
welch Überraschung. Mrgreen
Ich glaub, ich hab die Geschichte sogar schon mal gelesen, aber nur noch entfernte Erinnerung dran... also auf geht's! Ich hab natürlich keine der anderen Rezensionen gelesen, um mir mein eigenes Bild machen zu können.

Zitat:Mit einem Mal wurde ihm bewusst, er würde es nicht schaffen, bis zwölf Uhr mittags betrunken zu sein.

Schöner Einstiegssatz! Pro

Zitat:Es blieben ihm noch gut zehn Minuten, diese Enttäuschung hinunterzuspülen.

Das "diese" ist für mich auf den Satz davor zu beziehen, aber das macht ja nicht wirklich Sinn. Sollte die Enttäuschung etwas anders sein, würde mir "seine Enttäuschung" besser gefallen.

Zitat: Im zurückgesetzten, vanillegetünchten Wohnblock dahinter mühte sich eine maßlos ausgebreitete Frau an der Unsichtbarkeit ihrer Fenster.

Schöner Satz!

Zitat:warf einen Blick hindurch auf die leblose Versammlung seltsam verschränkter Jacken- und Hemdsärmel, die sich an einer, nach Farbe seufzenden Wand zusammendrängten.

Komma nach "einer" muss weg.

Zitat:Die Tür bewegte sich millimeterweise, als dränge sich eine mediterrane Sommerbrise dagegen, und im wachsenden Spalt begann das Gesicht von Freddy mit dem Lichteinfall zu leuchten.

Ich persönlich fände schöner: "und das Gesicht von Freddy begann mit dem Lichteinfall im wachsenden Spalt zu leuchten." Nur als Vorschlag.

Zitat:Ich musste mir vorkommen wie jemand, der nach jahrelanger, mühsamer Arbeit seinem Papagei das Sprechen beigebracht hatte, und der seinem Lehrer nun klipp und klar auf den Kopf zusagte, welche Charakterschwächen er hätte und wie unwichtig er wirklich sei.

1. "Ich kam mir vor" - er denkt von sich selbst, da kann er darüber doch nicht nur vermuten, zumindest wirkt er auf mich nicht so unsicher...
2. Das zweite "der" bezieht sich immer noch auf den Ich-Erzähler, sollte sich aber eigentlich auf den Papagei beziehen.
Für mich weist die Stelle außerdem darauf hin, dass Freddy dem Ich-Erzähler einiges zu verdanken hat. Sehe ich das richtig?

Zitat:Dieser Name allein trieb mich in eine Art Amnesie, in der ich erwachte, mich selbst fragend, was ich eigentlich hier wollte, hier in dieser taglichtfernen Auslieferungszelle nach Gedeih und Verderben. War ich hier, weil ich für meine allmonatlichen Zuschüsse gedacht hatte, es gäbe vielleicht ja auch mal etwas herauszuholen?

Die Auslieferungszelle ist der Beichtstuhl oder? Aber was will er hier für seine allmonatlichen Zuschüsse rausholen? Sündenerlass ist heutzutage doch kostenlos..? Meinst du damit nur, dass er das Geld irgendwie spenden will und dadurch sein Gewissen erleichtern oder habe ich das ganz falsch verstanden?

Zitat:Und dann wollte ich auf jeden Fall bis zwölf Uhr mittags betrunken sein!

Und der Kreis schließt sich, beziehungsweise der nächste Domino-Stein kippt um...

Kurzes Schlussfazit: Die stellenweise Symbolik (z. B. Rhododendron) hat mir sehr gut gefallen. Die paar Unklarheiten und anderen Anmerkungen fallen nicht schwer ins Gewicht. Insgesamt bleibt ja viel Platz für Fantasie, denn obwohl die Figuren ja doch recht eindeutig gezeichnet - wenn ich's mal so ausdrücken darf - sind, ist das mMn ein allgemeiner, düsterer Blick auf's Leben. Was ich damit sagen will, ist nochmal: die Stimmung der Geschichte hat mir besonders gut gefallen. Der mMn poetisch anmutende Stil (vielleicht ist diese Meinung auch davon beeinflusst, dass man dich ja eher aus der Lyrik-Ecke kennt) tut das Seine dazu. Ich hätte während des Lesens über immer ein dunkles, an den Rändern mit Dreck verkrustetes Fenster vor Augen, durch das hindurch ich die Personen beobachte.
Besonders aus genannten Gründen hat mir die Geschichte wirklich sehr gut gefallen, gerade eben durch die dunkle Poetik, die darin verwoben ist. Pro

rex.

EDIT: Ich sehe jetzt, dass Sternchen das Ganze ein wenig tiefer interpretiert hat. Ich hab dabei mehr eine Symbolik in dem Sinne gesehen, dass das Leben sich im Kreis dreht und sich Freunde auch gegenseitig in den Abgrund reißen.

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #19 |

RE: Kurz vor Zwölf
Heja rex,
Du hast es Dir also wirklich angetan...?!
Schön. Icon_wink

Hmja, zu Deinen anmerkungen:
Zitat: Zitat:Es blieben ihm noch gut zehn Minuten, diese Enttäuschung hinunterzuspülen.


Das "diese" ist für mich auf den Satz davor zu beziehen, aber das macht ja nicht wirklich Sinn. Sollte die Enttäuschung etwas anders sein, würde mir "seine Enttäuschung" besser gefallen.
- ha! Widerspruch! Doch, "diese Enttäuschung" bezieht sich genau und nur auf den satz davor. Er wollte etwas, sieht ein, dass er es nicht schafft, und ist darob enttäuscht. Ein 'spinnerter' einstieg, mag sein, aber ich finde ihn logisch.
Zitat:Komma nach "einer" muss weg.
- ok, wird weggemacht!
Zitat: Zitat:Die Tür bewegte sich millimeterweise, als dränge sich eine mediterrane Sommerbrise dagegen, und im wachsenden Spalt begann das Gesicht von Freddy mit dem Lichteinfall zu leuchten.


Ich persönlich fände schöner: "und das Gesicht von Freddy begann mit dem Lichteinfall im wachsenden Spalt zu leuchten." Nur als Vorschlag.
- guter vorschlag! Finde ich persönlich auch schöner, stärker, besser.
Zitat:1. "Ich kam mir vor" - er denkt von sich selbst, da kann er darüber doch nicht nur vermuten, zumindest wirkt er auf mich nicht so unsicher...
2. Das zweite "der" bezieht sich immer noch auf den Ich-Erzähler, sollte sich aber eigentlich auf den Papagei beziehen.
Für mich weist die Stelle außerdem darauf hin, dass Freddy dem Ich-Erzähler einiges zu verdanken hat. Sehe ich das richtig?
- 1. hast Du auch hier recht!
2. sprichst Du einen neuralgischen punkt an, was Prosaversuche eines Lyrikers betrifft, die gestaltung von langen sätzen. Icon_rolleyes
Wie kriege ich es hin, dass sich das zweite "der" klar auf den papagei bezieht?... Mit 'welcher'? Oder 'und dieser'?...Hmpf.
Ansonsten siehst Du richtig, was der autor im blick gehabt haben könnte. Icon_smile
Zitat:Die Auslieferungszelle ist der Beichtstuhl oder? Aber was will er hier für seine allmonatlichen Zuschüsse rausholen? Sündenerlass ist heutzutage doch kostenlos..? Meinst du damit nur, dass er das Geld irgendwie spenden will und dadurch sein Gewissen erleichtern oder habe ich das ganz falsch verstanden?
- "Beichtstuhl", ja. Es geht nicht um geld, dass er 'rausholen' will, einzig um vergebung, was aber bei zweifelnden oder ungläubigen nicht so einfach ist. Und wer sich selbst nicht vergeben kann...nuja.

Zitat:EDIT: Ich sehe jetzt, dass Sternchen das Ganze ein wenig tiefer interpretiert hat. Ich hab dabei mehr eine Symbolik in dem Sinne gesehen, dass das Leben sich im Kreis dreht und sich Freunde auch gegenseitig in den Abgrund reißen.
- ich kann und will niemandem eine interpretation auf- bzw. abschwatzen!
Ich fürchte fast, es ging mir darum, einen erzählten aufbau mit nur einem satz ad absurdum führen zu können...was Du mit
Zitat:Und der Kreis schließt sich, beziehungsweise der nächste Domino-Stein kippt um...
sehr wohl ausdrückst.

Ich danke Dir für Deinen wohlwollenden kommentar und Deine aufmerksamen vorschläge.
Schöne grüße,
poLet


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