Es ist: 09-04-2020, 10:30
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Tagwanderer
Beitrag #1 |

Tagwanderer
Nach ausdrücklichem Wunsch *lach*

Tagwanderer

Vernarbte Schönheit
reflektiert von den Dächern;
Rauchfang neben Rauchfang.
Vor der Dachluke das trockene Moos;
Staubgeruch sperrt blauen Himmel aus.
Ein heller Vogel schnellt über die Schattenstelen
in diesem wüsten Land,
Buckelmeer über dem Leben;

Tagwanderer.

19.7.08


.

Krawehl, Krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain!
trübtauber Hain am Musenginst!
Krawehl, Krawehl!


"Kunst ist nichts anderes als das Portrait einer Idee." Manfred Kröplein.

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Beitrag #2 |

RE: Tagwanderer
Hallo lu,

Anmerkungskrimsbims:

das "den" vor Dächern würd ich weglassen, du spezifizierst sie nicht näher, da passt das einfach nicht ...

Die Optik finde ich diesmal auch nicht so gelungen, diese "Worthaufen" - das harmoniert nicht so gut mit dem nachdenklich(-kritischen) Ton ... Vorschlag:

Tagwanderer

Vernarbte Schönheit
reflektiert von Dächern;
Rauchfang neben Rauchfang.

Vor der Dachluke:
das trockene Moos;
Staubgeruch
sperrt blauen Himmel aus.
Ein heller Vogel schnellt
über die Schattenstelen

in diesem wüsten Land,
Buckelmeer über dem Leben;

Tagwanderer.


Nur so eine Idee ...

Tagwanderer - ich dachte mir, du meinst vielleicht die Sonne, die über den Himmel wandert. Oder den Vogel bzw. allgemein die Wesen, die durch dieses wüste Land wandern ... obgleich mir die Idee mit der Sonne ziemlich gut gefällt.

Die Stimmung hat irgendwie etwas Industrielles, paar Jahrzehnte zurückgedacht, verstaubte und verqualmte Städte, z.B. Ruhrgebiet (oder aktuell Peking). Die Moderne, die das Leben aussperrt, die die Schönheit mit grauen Schleiern belegt ...

Nur mein Eindruck. Für mich hat es etwas Menschheitskritisches, eine stille "Anklage" - eigentlich klagst du ja nicht an, aber es liest sich trotzdem so. Und traurig ... und ohnmächtig. Ein stummer Beobachter, der mit Hilfe des Schreibens diese wüste Welt einfängt - sehr gut einfängt.

Es gefällt mir sehr. Du hast dir deine schlichte Art zu schreiben erhalten - schlicht, jedoch bedeutungsvoll und auch sehr gefühlvoll. Beim ersten Lesen spür ich einfach viel bei deinen Gedichten und das mag ich sehr ... du solltest viel öfter etwas zeigen, aber das sage ich dir schon sooo lange ...

Trotz kleiner Meckerer oben: Ich find's großartig!
Auch wenn mir deine Gedichte schon (fast) immer gut oder auch sehr gut gefallen haben, finde ich, dass man hier eine Weiterentwicklung sieht, irgendwie ist es noch etwas aussagestärker als anderes von dir ...

Grüße

- Zack


P.S.: Irgendwie stelle ich mir auch eine lu vor, die aus einem Dachfenster über Wien guckt ^^ ...

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #3 |

RE: Tagwanderer
Hallo Zack Icon_smile

ich bin schon wieder überrascht von deinem Lob.. das Gedicht ist nämlich vollkommen untypisch entstanden. Ich hab aus meinem Fenster geschaut (ich seh direkt auf's Nebendach; eine Möwe ist drübergeflogen) und die ersten Sätze waren plötzlich da. Dann hab ich ein bisschen weitergesponnen und es sind weitere Sätze gekommen, die irgendwie aus der Stimmung heraus entstanden sind, nicht wirklich im Bezug auf den Rest des Gedichts. Darum war ich auch sehr unsicher, ob man als Leser überhaupt einen Bezug herstellen kann zwischen den Zeilen. Man kann, offenbar *lach* Icon_smile

Hm, ja, deine Einteilung ist besser. Ich werd's mal gleich ändern. Und wegen mehr zeigen.. ich schreib nicht wirklich mehr. k.A..

EDIT: Vor lauter Erklären hab ich ganz vergessen mich zu bedanken Mrgreen Also: Danke für deinen Kommentar. Icon_smile

*seufz* noch ein EDIT: Irgendwie will das Gedicht nicht in eine andere Form im Moment.. ich werd's mir später nochmal anschaun. danke jedenfalls für deinen Vorschlag Icon_smile

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Beitrag #4 |

RE: Tagwanderer
Hallo lu,


also ... langsam werd ich echt als unkritisch verschrien, aber bei diesem Gedicht hab ich nichts auszusetzen *lach* ...
Lesen würde ich es zwar wie in Zacks Formatierung, aber irgendwie passt deine besser zu dieser ganz eigentümlichen Stimmung.

Ja, dieses Gedicht hat so eine Stimmung. Irgendwie ist das beinah ein Merkmal von lu-Lyrik Icon_wink
Sehr still, wie ein Moment außerhalb der Zeit, dennoch lebendig. Und ja, wie ein Blick aus dem Fenster - aus einem dunklen, ein wenig verstaubten Zimmer (vielleicht einem Dachboden) hinaus in die Weiten eines Sommerhimmels, in die Stille eines heißen Tages. Blick auf eine alte Stadt. Und es ist ein liebevoller Blick. "Vernarbte Schönheit", "Buckelmeer" - das klingt nach viel Zuneigung zu diesem eigenwilligen Charakter der Stadt.
Es lässt sich schwer in Worte fassen, was du für eine Atmosphäre schaffst; es ist ein Balanceakt der Stimmung zwischen hell und dunkel, Staub und Weite, Alter und Frische. (Nein, Frische ist nicht das richtige Wort, aber hm ... ich meine den "Kontrast" (der hier kein richtiger ist, mehr ein Zusammenwirken) zwischen der Stadt und dem schnellenden Vogel.)
/edit: Ich seh gerade, dass ich eine ganz andere Leseart habe als Zack *g* ... Für mich ist es irgendwie so gar nicht traurig oder kritisch. Für mich ist es wie eine Liebeserklärung an einen Moment, vielleicht auch an eine Stadt Mrgreen ...

Ich finde es sehr schön geschrieben. Irgend einen Bruch zwischen den Zeilen konnte ich auch nach langem Suchen nicht ausfindig machen Icon_wink
Und den Klang der Vogelzeile mit hell und schnellen und Schattenstelen, den kann man sich auf der Zunge zergehen lassen ... der Kontrast zwischen dieser selbst schnellenden Zeile und dem Rest - es fügt sich einfach alles so ineinander, dass ich wirklich nicht das kleinste bisschen zu kritisieren finde.

Sehr schön. Mein momentanes Lieblingsgedicht von dir Icon_smile
Und, um in die selbe Kerbe zu schlagen wie Zack: Schreib mehr und dann zeig mehr Mrgreen ...


Mira

Ich bin ein Fragezeichen
kein Punkt
- Rose Ausländer -

Avatar von Zwielichtstochter

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Beitrag #5 |

RE: Tagwanderer
Hallo Mira Icon_smile

Danke auch dir für deinen Kommentar. Wie schon andrerorts gesagt, verwirrt mich eure Reaktion ein wenig, weil das Gedicht derart schnell und fast gedankenlos hingeschrieben war. Was aber nichts daran ändert, dass ich mich über's Lob freu Mrgreen

Meine Interpretation deckt sich ziemlich mit deiner. Ja, ich liebe diese Stadt und ich liebe die Aussicht über die Dächer. Und dieses Seltsame, Überwachsene, Bröckelnde, Alte über dem eigentlichen Leben hat etwas Wunderschönes, Stilles. Dort oben ist nur Sonne, Schatten, Rauchfänge, Moos, Flechten, Vögel und Himmel. *lach*

hm, die Formatierung. Weil mir nichts Befriedigendes einfällt, werd ich sie wohl so lassen. Wenn man die Zeilen weiter bricht, bekommen Worte Betonung, die keine brauchen, bzw. keine haben sollen.. also bleib ich beim kleineren Übel und lass es als Haufen sein. *lach*

*g* und Lyrikfabrik bin ich auch keine *lach*
Gedichte, die man erzwingen will, werden selten gut. Da wart ich lieber auf die, die geschrieben werden wollen. Die kommen einem aber halt nicht täglich unter Icon_wink

Abschließend nochmal dankeschön für deine Reaktion. Ich hab mich gefreut, trotz Verwirrung *lach*

lg
lu Icon_smile

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Beitrag #6 |

RE: Tagwanderer
Hallo lu,

ich kann mich nicht recht entscheiden, ob ich es als Drinnen- oder als Draußengedicht lesen will. Es klingt, wie ein Blick durch eine Milchglasscheibe - sowohl von außen, als auch von innen. Tagwanderer hat für mich etwas von Bewegung, aber keine flüssige, eher etwas Stapfiges, als müsste man sich den Weg erst suchen, der weiterführt, durch Wüste, durch Meer. Das kann auch ein Weg von innen aus dem vernarbten Fenster raus sein. Mir gefällt das Wort "Tagwanderer", es hat für mich etwas von Ausbruch und Einbruch zugleich.
Trotzdem habe ich das Gefühl, mir fehlt noch ein Brocken, was vor allem daran liegt, dass ich das Buckelmeer nicht verstehe. Buckelmeer wie viel auf dem Buckel haben? Viel zu tun, viel Arbeit? Buckelmeer wie Buckel auf dem Meer? Hügelwellen?
Es vermittelt mir ein Gefühl von etwas Trostlosem, etwas mit der Zeit Alleingelassenem. Aber mir fehlt noch ein Klick, damit es mich richtig hat. Vielleicht liegt das am Moment und am geputzten Fenster, ich weiß es nicht. Bei anderen Gedichten von dir sah (und fühlte) ich klarer als hier.

Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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Beitrag #7 |

RE: Tagwanderer
Icon_smile Hallo Libertine

vielen Dank für deine Meinung. Mit dem Buckelmeer hätte ich die vielen Dächer gemeint, die man von erhöhtem Standpunkt aus in einer Stadt sieht.

Ich glaub, ich verstehe, was du meinst mit dem herinnen - heraußen. Staubgeruch, Dachluke vs. schnellende Vögel, etc. Hm. Wie herinnen ist man, wenn man bei offenem Fenster steht.. *lach* du bringst mich zum Nachdenken.

Ich danke dir jedenfalls nochmal dafür, dass du dir Zeit für mein Gedicht genommen hast, vllt. war ja das Buckelmeer der letzte Klick Icon_smile

lg
lu

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Beitrag #8 |

RE: Tagwanderer
Hallo lu,

ich kann es nicht lassen, dieses Gedicht zu kommentieren, denn du hast es an meinem 18ten Geburtstag geschrieben. :D

Nun, der Titel Tagwanderer klingt interessant. Ich habe das Gedicht erst kurz überflogen und dabei kam mir das dabei einen hübschen Herren vor, der irgendwo in einem ganz trockenen Gebiet herumwandert, irgendwie kommen mir dabei so diese Grand Canyon Landschaften in den Sinn Icon_lol . Ich weiß auch nicht warum, aber so klingt das halt. Irgendwie ein bisschen langsam ...

Das Gedicht beginnt aber schon damit, dass es Dächer gibt, da muss ich meinen ersten Eindruck wohl leider aufgeben. Aber trocken ist es! Und staubig. Doch ich finde dieses Trockene, Staubige hat nichts negatives an sich. Was wohl an der "Schönheit" in der ersten Zeile liegt. Wobei der Staubgeruch ja den blauen Himmel ausprerrt ... das sorgt schon wieder für leicht negative Stimmung ... Nein, ich glaube die Stimmung ist weder gut noch schlecht, weil sie einfach nicht wertend ist. Es ist, als hätte sich der "Erzählende" (darf man in der Lyrik ja nicht sagen, aber Lyrisches Ich klingt in dem Fall irgendwie blöd) damit abgefunden, dass der blaue Himmel augesperrt wird und dass das Moos trocken ist. Er wertet nicht, er nimmt es einfach so hin wie es ist.
Dann kommt plötzlich der Vogel. Schnell, in Bewegung. Ein Kontrast zu dem langsamen Anfang des Gedichts. Etwas das schnell vorbeiflitzt, während alles andere in Ruhe verharrt. So und dann verstehe ich nichts mehr. Den Rest verstehe ich nicht ganz. Das Vögelchen ist der Tagwanderer? Das Buckelmeer ist die Stadt, er fliegt drüber ... aber warum Tagwanderer. Jetzt muss ich überlegen. Ich habe das Gefühl, dass ich das Gedicht ganz anders gelesen habe, als du es gemeint hast. Ich konnte meinen Eindruck von so was (nur in rot in und mit höheren Bergen) einfach nicht loswerden. Für war das alles eher eine öde Kleistadt, wo ein vorbeirasender Vogel schon ein großeses Ereigniss ist, aber eigentlich meinstest du wahrscheinlich eine Großstadt, mit vielen Häusen und so ... Ich weiß es nicht. Erkläre es mir.
Mir gefällt das Gedicht von der sprachlichen Seite und, dass ich den Sinn dahinter nicht ganz erfasse liegt ja an mir und nicht an dem Gedicht, deswegen habe ich auch keine wirklichen Verbesserungsvorschläge.
Also ich warte dann auf ein paar Tips, um es besser verstehen zu können. :D

Liebe Grüße,
Meluse


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Beitrag #9 |

RE: Tagwanderer
Hallo Meluse Icon_smile

tjaaa.. eigentlich erklär ich Gedichte nicht gern; jeder interpretiert schließlich anders und was sich der Autor beim Schreiben denkt, ist ja eigentlich auch nur eine von vielen möglichen Interpretationen der Worte. Darum will ich gar nicht sagen, dass deine Bilder falsch wären. Ich kann dir aber sagen, was ich beim Schreiben gesehen habe:

Das Dach mit dem trockenen Moos gegenüber, die vielen Dächer dahinter, den blauen Himmel, die Sommerruhe, Hitze, die Schatten der Rauchfänge und den schnellen Vogel.

Was ich mir beim Schreiben gedacht habe? Nichts. Ich hab nur beobachtet. Das Wort "Tagwanderer" ist mir beim Anblick des Vogels und der Schatten gekommen - auf was es sich bezieht, kann man sich wohl aussuchen *lach*

Wenn eine Interpretation in sich stimmig ist, kann sie doch gar nicht falsch sein - was hast du denn gegen dein Bild mit der Kleinstadt? Icon_smile

lg
lu

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Beitrag #10 |

RE: Tagwanderer
Mein Bild von der Kleistadt war so widersprüchlich zu dem Buckelmeer. Somit war die Interpretation dann nicht mehr sonderlich stimmig.
Mir gefällt diese Ruhe in deinem Gedicht und dann der schnelle Vogel. An irgendeine Filmszene erinnert mich das, aber ich komme nicht drauf an welche. Da hat der Vogel beim vorbeigliegen noch so ein lustiges Geräusch gemacht, das mir auch in Erinnerung geblieben ist.
Aber ich kann verstehen, dass du Gedichte nicht gerne erklärst. Ich mag es auch nicht. :D Aber in dem Fall wollte ich gerne wissen, wie du dir das Ganze vorgestellt hast. Ich finde das immer so interessat zu sehen was sich der Schreibende beim Schreiben denkt. Denn meist ist es ja ganz anders, als das was der Leser herausließt. Aber das ist ja wohl etwas, das Gedichte schön macht.


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