Es ist: 22-11-2019, 14:50
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Die Götter der Germanen - Teil 12
Beitrag #1 |

Die Götter der Germanen - Teil 12
Wieder saß er Nebe in dessen Büro an seinem großen Schreibtisch gegenüber. Er hatte den Bericht gelesen, kommentarlos zur Seite gelegt und sah Hahn nun direkt an.
„Immer noch ein bisschen wenig. Und heute Morgen erreicht mich auch noch dieses Schreiben aus dem Stab Himmlers.“ Er reichte es Hahn, der es aufmerksam las und dann zurückgab.
„Eine Aufforderung Himmlers, die Ermittlungen im Fall Baumgarten einzustellen. Er sagt, die Gestapo kümmert sich bereits darum. Das bedeutet also, dass ich nicht mehr weiter ermitteln werde, oder?“, kommentierte Hahn enttäuscht.
„Das soll es heißen, heißt es aber nicht!“, lächelte Nebe trocken. „Der Reichsführer hat einen Formfehler begangen, den wir beide uns zunutze machen. Es ist nur eine Kleinigkeit, aber in der Welt der Befehle zählen Aufforderungen nicht sehr viel. Weiter werden Sie als ‚Kriminalpolizist der Außenstelle Wittenberg’ bezeichnet. Unsere Gegner wissen im Moment nicht, welcher Dienststelle Sie zugeteilt sind. Das wundert mich einigermaßen, spricht aber für mein Personal, das bis jetzt der Gestapo keinen Hinweis gab. Oder wollen die uns verwirren?“ Sinnend saß Nebe ein paar Sekunden da, bevor er lächelnd fortfuhr. „Auf jeden Fall werde ich diese Aufforderung an Voecks weiterleiten. Da Sie aber jetzt im Amt für Kriminalpolitik tätig sind, werden Sie weiter an der Sache arbeiten, Hahn. Bis der Befehl des Reichsführers an ihren derzeitigen Vorgesetzten geht. An mich“, grinste Nebe jetzt und betonte das Wort Befehl besonders. „Sie werden bis dahin herausfinden, wer diesen Baumgarten so zugerichtet hat, und vor allem, wer von den wichtigen Herren in die Sache verwickelt ist. Und keine Rücksichten mehr. Es bleiben uns nur noch Tage, im besten Fall eine Woche.“
„Sie wollen sich einer Aufforderung des Reichsführers widersetzen?“, fragte Hahn einigermaßen verwundert.
„Tun Sie nicht so, als könne man sich einer Aufforderung, nicht widersetzen, Hahn. Denken Sie an die Devisensache.“
„Damals hielt ich es für meine Pflicht, den Täter zu ermitteln, egal in welche Kreise er gehörte.“ Eine flache Entschuldigung, viel zu flach für einen Mann vom Kaliber Nebes, das wusste Hahn.
„Hahn, wir sind Kriminalisten. Sie sind genau wie ich versessen darauf, zu wissen, was hier vor sich geht. Aufforderung oder nicht, verboten oder erlaubt. Vor allem fällt jetzt langsam auf, dass jeder Befehl, jedes Schriftstück direkt vom Reichsführer kommt. Ohne voreilige Schlüsse zu ziehen würde ich sagen, dass entweder der Reichsführer selbst darin verstrickt ist, oder derselbe ein gewaltiges persönliches Interesse an dieser Sache hat. Sonst würde er nicht, bewusst oder unbewusst, so viele Schreiben, die sich direkt oder indirekt mit Ihnen befassen mit seiner Unterschrift versehen, ohne Sie vor sich zu zitieren.“
„Sie denken, dass der Reichsführer etwas damit zu tun hat?“
„Ich weiß es nicht, vielleicht ist es auch nur einer oder mehrere seiner Mitarbeiter ganz weit oben. Wie wollen Sie jetzt weitermachen?“
„Ich werde Frau Baumgarten heute Morgen verhören. Mal sehen, ob ich so weiter komme. Und heute Nachmittag werde ich diese Forschungsgemeinschaft deutsches Ahnenerbe besuchen, um mich dort umzuhören. Wenn ich das alles abgeklappert habe, ist Gut Weidenau dran. Das scheint Dreh- und Angelpunkt der Geschichte zu sein, aber ich möchte dort nicht hin, ohne vorher die anderen Informationsquellen ausgeschöpft zu haben.“
„Gut. Bevor Sie nach Weidenau fahren, melden Sie sich bei mir ab“, sagte Nebe und sah Hahn dann wieder ins Gesicht. „Ich kenne dieses Ahnenerbe. Es ist in den persönlichen Stab des Reichsführers integriert. Dort befassen sie sich mit allem möglichem Kram, von der Erforschung der Götter vor dem Christentum bis zu den Unterschieden im Körperbau der verschiedenen Rassen. Man will wissenschaftlich beweisen, dass der Arier den anderen Rassen überlegen ist.“ Nebe schüttelte kaum merklich den Kopf, während er weitersprach. „Wenn Sie dort sind, wenden Sie sich an den Reichsgeschäftsführers des Ahnenerbes, Wolfram Sievers. Also, Hahn, Heil Hitler.“

Seit dieser Baumgarten aufgetaucht war, bestand die Welt immer mehr aus Menschen, die an Wotan, Donar und andere heidnische Götter glaubten. Spielten diese Götter überhaupt noch eine Rolle? Sie waren seit mehr als tausend Jahren nicht mehr angebetet worden. Warum tauchten sie jetzt, in dieser schweren Zeit, wieder auf? Waren sie etwa die Waffen, von denen man gerüchteweise hörte?
Bei seinem letzten Gedanken verharrte Hahn auf dem Weg in sein Büro. Konnte jemand wirklich so naiv sein, diese Götter als Waffen zu reaktivieren? Und dann erinnerte er sich an die Worte des Gestapomannes Effer. Er hatte davon gesprochen, dass an Baumgarten Waffen ausprobiert worden wären.

In seinem Büro, das mehr einem Verlies mit Telefon ähnelte, versuchte Hahn, sich darüber klar zu werden, warum seit kurzem von diesen Göttern die Rede war. Sogar Nebe hatte sie unabsichtlich im Zusammenhang mit dem Ahnenerbe erwähnt.
Wo kamen diese Götter jetzt her? Wer waren Sie überhaupt? Er hatte seine private Unterredung mit Fischer nicht erwähnt. Nebe brauchte auch nicht alles zu wissen. Aber vielleicht konnte er über Fischer und diese Götterdienste etwas über die Götter und ihr urplötzliches Erscheinen in Erfahrung bringen. Vielleicht sogar etwas über Baumgarten.
Er würde zu Fischer Kontakt aufnehmen müssen, aber zuerst war Baumgartens Frau dran.

Marga Baumgarten war augenscheinlich überrascht, sogar erschrocken, als Hahn sich an der Tür als Kriminalpolizeibeamter vorstellte. Nachdem die junge Frau den Schreck überwunden hatte, bat sie Hahn in die kleine Zwei-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock eines grauen Mietshauses.
Schon beim betreten der Wohnung erkannte Hahn, die deutsche Einrichtung. Der Führer prangte gerahmt an der Wand im Flur, umschlungen von einer Hakenkreuzflagge. Darunter stand neben dem Brustbild eines jungen, stolzen SS-Obersturmführers ein Porzellan-Leuchter auf einem Schränkchen.
Die junge Frau führte ihn in die Wohnstube und während er sich nochmals vorstellte war sie nervös und etwas ängstlich, was aber an der immer wieder zu beobachtenden Furcht vor den Polizeiorganen liegen konnte. Als sie sich dann gegenüber saßen, hatte Marga wohl gemerkt, dass er sie nicht verhaften und mitnehmen wollte und der ängstliche Gesichtsausdruck verschwand langsam, verwandelte sich in einen beinahe neugierigen. Nur ihre Hände zeugten noch von der immer noch vorhandenen Nervosität. Sie strich fahrig über ihren Rock, der die züchtig übereinander geschlagenen Beine bedeckte, spielte dann mit ihren Fingern und wartete.
„Frau Baumgarten, es dreht sich um ihren Mann“, fiel er mit der Tür ins Haus. Die Reaktionen bei solchen Eröffnungen waren selten überraschend. Mancher ging sofort in Abwehrhaltung, während die Meisten ihn ängstlich anschauten.
Margas Augen weiteten sich, während sie sich schnell die Hand vor den aufklappenden Mund hielt.
„Ist ihm etwas passiert? Ist er gefallen?“ Aufgrund ihrer Reaktion bedauerte er sofort, so plump aufgetreten zu sein und nahm sich vor, etwas vorsichtiger mit dieser verängstigten Frau umzugehen. Er hatte nicht geplant, ihr zu sagen, dass ihr Mann so schrecklich getötet worden war, und er würde ihr auch nicht sagen, dass er tot war. Diese Nachricht zu überbringen fiel auch gar nicht in seinen Aufgabenbereich. Ein Brief würde das erledigen.
„Frau Baumgarten, ich bin von der Kriminalpolizei, nicht von der Waffen-SS“, sagte er beruhigend. „Es ist nichts mit ihm direkt. Es dreht sich um Ermittlungen, in deren Verlauf wir zu der Überzeugung kamen, dass ihr Mann vielleicht etwas gesehen hat, das uns helfen könnte. Kurz gesagt, ich würde gerne mit ihrem Mann reden.“
„Josef ist nicht hier, er ist in Frankreich. Er war vor zwei Monaten für zwei Wochen das letzte Mal auf Heimaturlaub.“
„Vielleicht können Sie mir helfen, Frau Baumgarten, denn indirekt sind auch Sie betroffen“, sagte er, und sah sich auffällig im Zimmer um.
„Es dreht sich um seine Religion“, stellte sie resigniert fest, als sie seinen Blick schweifen sah. „Tut mir leid, darüber weiß ich überhaupt nichts“, fügte sie dann noch leise hinzu.
„Nichts, Frau Baumgarten?“
„Nein, ich bin nicht aus der Kirche ausgetreten und ich bin auch nicht mit Josef zu seinen Versammlungen und Treffen gegangen. Ich weiß gar nichts.“
„Keine Angst, ich bin nicht hinter ihrem Mann oder Ihnen her. Ich möchte nur mehr über die Versammlungen erfahren. Ich verspreche Ihnen, ihrem Mann wird weiter nichts passieren, als dass ich ihm ein paar Fragen stelle. Sie haben mein Ehrenwort als SS-Offizier.“ Hahn konnte sein Ehrenwort leicht geben, denn Josef Baumgarten würde bestimmt nichts mehr passieren.
„Ich weiß doch nichts.“
„Hat er nie versucht, Sie mitzunehmen?“
„Doch, aber ich bin aus einer christlichen Familie, mein Glaube an Gott und die Kirche ist fest und ich hab’ immer nein gesagt.“
„Hat er Ihnen nie etwas über die Versammlungen erzählt?“
„Doch, er war während seiner Urlaube jeden Samstag bei den Versammlungen und hat am Anfang mit mir darüber gesprochen. Aber Joseph hat schnell gemerkt, dass mich das nicht interessiert. Von da an hat er mir nichts mehr davon erzählt.“
„Und was hat er gesagt?“
„Dass während dieser Versammlungen von einem Priester irgendwelche germanischen Götter angerufen wurden und dass zum Abschluss immer Opferungen stattfanden.“
Das Wort ließ ihn aufhorchen und sofort nachfragen. „Opferungen?“
„Ja. Er sagte, dass sie immer Früchte und Getreide als Opfer für die Götter darbringen würden.“
„Hat er auch über Opfertiere gesprochen? Oder gar Menschenopfer?“
„Menschenopfer? Natürlich nicht!“, stieß sie hervor und schüttelte sich, während sie ihn mit vor Entsetzen aufgerissenen Augen ansah. „Joseph hat mir erzählt, dass nur Nahrungsmittel geopfert würden. Ein verabscheuungswürdiger, heidnischer Vorgang sind diese Opferungen sowieso. Aber Menschenopfer? So barbarisch werden diese Heiden doch nicht sein, oder etwa doch?“ Noch einmal schüttelte sich die junge Frau.
Sie hielt es also für möglich, dachte Hahn, beruhigte sie aber dann.
„Nein, das glaube ich auch nicht. Aber Sie erwähnten die Götter. Welche Götter?“
„Die Götter der Germanen. Ich kenne sie nicht und sie interessieren mich auch nicht. Ich habe meinen Gott und will keinen anderen.“
„Kennen Sie wenigstens deren Namen?“
„Nein, er hat sie mir zwar genannt, aber ich habe sie mir nicht gemerkt. Wozu auch?“
„Hat Ihr Mann keine Bilder oder Figuren mitgebracht?“
„Nein, gar keine. Nur dieser Leuchter da vorne kam kurz vor Weihnachten vom Reichsführer. Als Geschenk zum Julfest. Das konnte ich mir merken, weil es das Ersatzfest für Weihnachten sein soll. Können Sie sich das vorstellen? Weihnachten abzuschaffen und dafür ein heidnisches Fest zu feiern?“ Er sah echtes Grauen in ihren Augen, als er aufstand, um den Porzellanleuchter zu betrachten.
‚Zum Julfest. Der Reichsführer-SS’, stand auf einer gravierten Messingplakette auf der Vorderseite. Auf der Standfläche war ein Stempel eingedrückt: Porzellanmanufaktur Allach. Wahrscheinlich eine SS-Manufaktur.
„Können Sie mir sagen, wer ihren Mann zu diesem Glauben, sozusagen, bekehrt hat?“ Immer noch stehend spielte Hahn mit dem Leuchter, fuhr seine Konturen mit den Fingern ab.
„Nein, er hat nie einen Namen erwähnt.“
Hahn erkannte an ihrem offenen Gesicht, dass sie nichts wusste. Und sie war zu nervös und ängstlich, um zu Lügen. Er trat näher an sie heran und stellte eine letzte Frage, die ihn nur persönlich interessierte: „Und Sie haben nie versucht, ihn von dem Götterglauben abzubringen?“
„Doch, natürlich, ich wollte nicht, dass Joseph Heide wird. Aber als ich ihm ganz zu Anfang sagte, er würde ein Heide werden und nicht errettet werden, wenn er so weitermache, hat er mir verboten mit ihm darüber zu reden. Er wurde wild und sagte, es wäre der Wunsch des Reichsführers, dass sich das deutsche Volk wieder auf seine Wurzeln besinne. Und das finge nun einmal mit dem Glauben an. Er müsse es tun, wenn wir den Krieg gewinnen wollen. Wenn wir den Krieg gewonnen hätten, wären wir schon errettet, denn dann hätte das richtige Blut auch den ihm gebührenden Boden. Ich habe dann nie wieder versucht, ihn zum Aufhören zu bewegen.“
Irgendwie hatte er ein komisches Gefühl als er sich von ihr verabschiedete. Die Frau wusste nichts greifbares, keine Götter, keine Orte, keine Namen, keine Daten. Und doch hatte sie ihm zumindest einen Eindruck über diese neuen Heiden verschafft. Und wieder tauchte Heinrich Himmler auf, wenn auch nicht persönlich. Diesmal schenkte er einem guten Deutschen und Mitglied seiner Organisation etwas zu einem Fest, von dem Hahn noch nie etwas gehört hatte.

„Sturmbannführer Ahlers!“, keuchte Hahn überrascht, als der Gestapomann kurz nach Mittag sein Büroverlies betrat. Mit leicht geöffnetem Mund starrte er den Gestapo-Mann an. Seine Gedanken rasten und er fragte sich, wie viel Zeit er bis zur Lösung oder dem Abbruch der Ermittlungen noch hatte.
„Heil Hitler, Hauptsturmführer!“, grüßte der Gestapomann korrekt.
„Setzen Sie sich. Haben Sie den Fall mit dem Juden gelöst?“, konnte Hahn sich nicht verkneifen.
Ahlers lächelte unverbindlich, setzte sich aber nicht und steckte die Hände in die Manteltaschen. Er stand vor Hahns Schreibtisch wie das Bild eines Gestapomanns.
„Sie haben uns die Leiche nicht gegeben, und jetzt werden Sie für uns arbeiten“, lächelte Ahlers unergründlich. „Nicht falsch verstehen, das ist ein Angebot, kein Befehl“, verdeutlichte er und Hahn sah ihn nur an. Mit diesem Satz war er wieder in der besseren Position und er genoss dieses Gefühl erneut.
„Ich trete in Vorleistung und Sie können entscheiden, was Sie tun wollen. Ich werde Sie zu nichts zwingen. Und Sie werden mich nie finden, geschweige denn etwas beweisen können. Darf ich mich vorstellen?“, fragte er rhetorisch, schlug dann die Hacken zusammen und hob die rechte Hand grüßend an die Schirmmütze.
„Oberstleutnant Peter Cornelsen, Amt Ausland/Abwehr im OKW.“
Hahn war wie betäubt.

„Am 27.6.1942 läuft U201 aus Brest zu seiner siebten Feindfahrt aus, Richtung Süden. Planmäßiges Operationsgebiet: Mittelatlantik und das Meer vor Freetown. Es läuft am 8.8.1942 in Brest wieder ein. Fünf Personen, die das Boot am 17.7.1942 vor Bunce Island an Bord nahm, gehen unter schwerer Bewachung von Bord und in einem separaten Eisenbahnwagen nach Berlin gebracht.“
Hahn sah ihn nur verständnislos an. Cornelsen fuhr lächelnd und fort.
„Wir haben lange gebraucht, um diesen Vorfall und die Leiche, die Sie gefunden haben, in die Nähe zueinander zu bringen, aber wir denken, dass es da einen Zusammenhang gibt. Keiner der Briefe der Matrosen des U-Boots nach dieser Feindfahrt kam bei den Familien an. Das Einzige was von Brest aus ankam, war dieser Zug, der von einem in Frankreich eingesetzten Gestapo-Beamten beobachtet wurde. Von demjenigen, der später auch die Briefe aussortieren und vernichten musste. Einem unserer Freunde. Sozusagen.“
Cornelsen nahm seine Hände aus den Taschen und fuhr fort.
„Wir hätten gerne die Besatzung zu dieser Fahrt befragt, vor allem KaLeu Schnee, aber wir waren zu spät, das Boot ist auf einer neuen Feindfahrt. Und Kaleu Schnee ist nach Afrika kommandiert, um dort eine wichtige Aufgabe im Nachschub zu lösen. Ihn konnten wir auch noch nicht befragen, denn in Afrika geht im Moment alles drunter und drüber.“
Cornelsen seufzte frustriert und fuhr dann fort. „Wir wissen nur, was Kaleu Schnee Admiral Dönitz bei seinem Rapport gemeldet hat. Ein gefährliches Auftauchen vor Bunce Island in der Nacht, Aufnahme von fünf Personen, die den Rest der Feindfahrt mitmachten und dann in Brest der Gestapo übergeben wurden.“
Cornelsen verschränkte die Hände auf dem Rücken und begann bei den nächsten Worten in Hahns Verlies auf und ab zu gehen.
„Als dieser Zug bei der Reichsbahnverwaltung angemeldet wurde, war die Priorität so hoch, dass die komplette Strecke bis nach Berlin frei gehalten wurde. Ein weiterer Freund hat dann den Transport per LKW mit diesen Gästen nach Gut Weidenau begleitet.“
Hahn war verwirrt und eine Frage musste er einfach stellen, denn Cornelsen konnte davon nichts wissen.
„Woher wissen Sie von Weidenau?“
„Wir haben Freunde“, lächelte Cornelsen süffisant und wurde sofort wieder ernst.
„Aber wir wissen es erst seit gestern. Einer unserer Freunde, ein Mann von den Totenköpfen, hat gestern dann doch geplaudert. Er ist mit seinem LKW auf der Fahrt nach Dachau umgekippt und jagt jetzt im Osten russische Banden in den Wäldern. Genau wie die beiden Gestapo-Beamten aus Berlin und Brest. Auch sie sind jetzt irgendwo im Osten und bekämpfen russische Banden. Beide hatten Gelegenheit, unterwegs einen Brief zu schreiben und an vorher bestimmten Orten zu deponieren. Ich will sie aber mit unserer Geheimdiensttätigkeit nicht langweilen, Hahn.“ Hahn war alles, aber nicht gelangweilt.
Cornelsen stellte sich direkt an Hahns Tisch, beugte sich vor und stützte sich auf. In einer Hand erkannte Hahn ein Stück Papier, dann sah er dem Abwehrmann in die Augen. Erst nach ein paar Sekunden fuhr der Cornelsen fort. „Wir möchten, dass Sie unser Freund werden. Wir wollen wissen, was auf Gut Weidenau gespielt wird, aber wir wollen nicht, dass Sie in Russland jagen gehen müssen. Ich biete Ihnen unsere Hilfe an. Bitte tun sie nichts unüberlegtes, bis Sie sich die Sache ganz genau überlegt haben.“
Hahn öffnete den Mund zur Antwort, aber Cornelsen kam ihm mit Grabesstimme zuvor. „Sagen Sie nichts, Hahn. Überlegen Sie es sich. Ich werde Sie nicht drängen, aber bedenken Sie, dass Sie sich mit mächtigen Gegnern anlegen und dass Sie vielleicht auch einen Freund brauchen werden. In zwei Tagen bin ich wieder hier. Sollte in der Zwischenzeit etwas passieren und Sie möchten Kontakt mit mir aufnehmen, rufen Sie bitte diesen Anschluss an. Die Person wird alles Notwendige arrangieren“, schloss Ahlers und schob ihm das Papier zu. Dann verabschiedete sich Cornelsen mit einem zackigen „Heil Hitler!“, und verschwand aus dem Büroverlies
Hahn grüßte nicht zurück, sondern starrte auf Cornelsen Rücken und spürte dabei, wie ihm jemand die Sporen in beide Seiten rammte. Hahn sprang auf und folgte Cornelsen, aber als er durch die Tür auf den Gang trat, war der Mann von der Abwehr wie vom Erdboden verschluckt.
Langsam ging Hahn in sein Verlies mit Telefon zurück und steckte das Papier Cornelsens ein. Nach einiger Zeit intensivstem Durchdenken der Sache ließ der Reiter das Pferd in einen Trab fallen und Hahn begann er damit, einen Brief zu schreiben. Er verschob den Besuch beim Ahnenerbe auf den nächsten Morgen.


Amt Ausland/Abwehr: Der deutsche Militärgeheimdienst, zuständig für Spionage, Gegenspionage und Sabotage.
Brest: Stadt in Frankreich, wichtige U-Boot-Basis der Deutschen im Zweiten Weltkrieg
Julfest: Germanisches Fest im Winter
KaLeu: Abkürzung für Kapitänleutnant, Dienstgrad in der Marine, vergleichbar dem Hauptmann oder dem Hauptkommissar
OKW: Oberkommando der Wehrmacht, zuständig für alle Kriegsschauplätze außer der Ostfront. Oberkommandierender: Adolf Hitler. (Nebenbei: Es gab auch ein OKH, Oberkommando des Heeres, das für die Ostfront zuständig war und eigentlich dem OKW unterstellt war. Praktischerweise war der Oberkommandierende des Heeres und damit zuständiger Befehlshaber für die Ostfront ein gewisser Adolf Hitler. Er war also sein eigener Vorgesetzter und gleichzeitig sein eigener Untergebener.)


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Beitrag #2 |

RE: Die Götter der Germanen - Teil 12
Hey Teja!

So, der zwölfte Teil wäre dann auch geschafft. Viel ist es ja jetzt nicht mehr. Und da lüftet sich das Gemeinis um Ahlers ein bisschen. Wir wissen nur ganz wenig mehr als vorher über ihn, aber immerhin haben wir jetzt seinen richtigen Namen und das Amt, das er bekleidet, also dürfte es nicht soooo schwer sein, rauszufinden, was sich sonst noch hinter dem Namen verbrigt. Ich finde, du hast mal wieder genau richtig viel verraten, weil so bleibt die Spannung erhalten und trotzdem freue ich mich über die Infos. Die Balance schaffst du immer sehr gut und ich bin wirklich neugierig, wie du das hinbekommen hast, diese ganzen Fragen in zwei Kapiteln zu beantworten. Naja, vermutlich macht mein Kopf nur Chaos und es ist gar nicht so kompliziert, wie ich das vermute.

Auf jeden Fall hat Hahn in diesem Kapitel wieder wahnsinnig viel Glück gehabt. Ich meine - sie hätten ihn einfach so an irgendeine Front schicken können und er wäre weg, kein Problem mehr. Und dann machen sie so nen dummen Fehler, ich bin mir sogar sicher, dass es noch etwas länger dauern wird, bis Nebe selbst einen Brief erhält. Bürokratie geschickt umgangen und Hahn darf weiter machen! :icon_thumbs1: Schön, wenn ein System so herrlich verschachtelt und undurchsichtig ist, dass keiner mehr peilt, was eigentlich Sache ist. Mrgreen

Hahn hat ein wenig Zeit gewonnen und vielleicht sogar neue Verbündete. Cornelsens unerwartetes Angebot ist ziemlich großzügig, aber ich finde, es ist wirklich besser, wenn er eine Zeit lang darüber nachdenkt. Es ist ja schon eine schwerwiegende Entscheidung und kann er dem Mann überhaupt trauen?
Hinzu kommt noch diese Sache mit dem Boot und den fünf offensichtlich gefährlichen Göttern... wollen sie wirklich auf diese Art und Weise den Glauben an die Götterwelt wieder aufleben lassen? Den Krieg haben sie ja trotzdem verloren :P - fast ein bisschen schade, dass man das schon weiß.

Zitat:Warum tauchten sie jetzt, in dieser schweren Zeit, wieder auf? Waren sie etwa die Waffen, von denen man gerüchteweise hörte?
Interessant, wie er die Ereignisse interpretiert, welche Möglichkeiten er findet... ich würde es fast schon als reine Paranoia betrachten, wäre wenig später nicht dieser Satz gekommen:
Zitat:Er hatte davon gesprochen, dass an Baumgarten Waffen ausprobiert worden wären.
Das ist wie ein Puzzleteil, das für Hahns Theroie viel bedeuten könnten. Im Verlauf des kommen später noch mehr Bestätigungen -> Spannend! Icon_jump :icon_thumbs1:

Fehlerchen:
Zitat:„Tun Sie nicht so, als könne man sich einer Aufforderung, nicht widersetzen, Hahn. Denken Sie an die Devisensache.“
Ich glaube, das Komma zwischen den beiden Wörtern muss weg.
Zitat:Schon beim betreten der Wohnung erkannte Hahn, die deutsche Einrichtung. Der Führer prangte gerahmt an der Wand im Flur, umschlungen von einer Hakenkreuzflagge.
groß schreiben...
Zitat:Aber Joseph hat schnell gemerkt, dass mich das nicht interessiert. Von da an hat er mir nichts mehr davon erzählt.“
Vorher schreibst du "Josef" mit "f" am Schluss.
Zitat:Hahn erkannte an ihrem offenen Gesicht, dass sie nichts wusste. Und sie war zu nervös und ängstlich, um zu Lügen.
klein schreiben...
Zitat:„Sturmbannführer Ahlers!“, keuchte Hahn überrascht, als der Gestapomann kurz nach Mittag sein Büroverlies betrat. Mit leicht geöffnetem Mund starrte er den Gestapo-Mann an. Seine Gedanken rasten und er fragte sich, wie viel Zeit er bis zur Lösung oder dem Abbruch der Ermittlungen noch hatte.
„Heil Hitler, Hauptsturmführer!“, grüßte der Gestapomann korrekt.
„Setzen Sie sich. Haben Sie den Fall mit dem Juden gelöst?“, konnte Hahn sich nicht verkneifen.
Ahlers lächelte unverbindlich, setzte sich aber nicht und steckte die Hände in die Manteltaschen. Er stand vor Hahns Schreibtisch wie das Bild eines Gestapomanns.
Okay, ist schon ein größeres Stückchen Text, aber das "Gestapomann" kommt trotzdem ein bisschen häufig drin vor -> und unterschiedlich geschrieben...
Zitat:Fünf Personen, die das Boot am 17.7.1942 vor Bunce Island an Bord nahm, gehen unter schwerer Bewachung von Bord und in einem separaten Eisenbahnwagen nach Berlin gebracht.
Da fehlt irgendwo ein Wort...
Zitat:Erst nach ein paar Sekunden fuhr der Cornelsen fort. „Wir möchten, dass Sie unser Freund werden.
Das "der" klingt etwas unglücklich formuliert...
Zitat:Bitte tun sie nichts unüberlegtes, bis Sie sich die Sache ganz genau überlegt haben.“
Liest sich auch irgendwie seltsam...
Zitat:Hahn grüßte nicht zurück, sondern starrte auf Cornelsen Rücken und spürte dabei, wie ihm jemand die Sporen in beide Seiten rammte.
Cornelsens...

Liebe Grüße,
Lain

Schmetterlinge weinen nicht

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Beitrag #3 |

RE: Die Götter der Germanen - Teil 12
Hi Teja!

Zitat: „Sie wollen sich einer Aufforderung des Reichsführers widersetzen?“, fragte Hahn einigermaßen verwundert.
Hat er das nicht schon getan, als er Hahn NICHT nach Paris versetzt hat?

Zitat: Denken Sie an die Devisensache.“
Stimmt, die ist schon lange nicht mehr erwähnt worden, könnte in Vergessenheit geraten Icon_wink

Zitat: „Sie denken, dass der Reichsführer etwas damit zu tun hat?“
Ja, das hat er doch grad gesagt. Als Ermittler sollte Hahn ein bisschen besser zuhören *tsts*

Zitat: Weihnachten abzuschaffen und dafür ein heidnisches Fest zu feiern?
Icon_lol Was die arme Frau wohl sagen würde, wenn man ihr erklären täte, dass eigentlich Weihnachten aus dem Jul-Fest entstanden ist ? *grins*

Bei Marga das gleiche Spiel wie schon zuvor: Hahn stellt Fragen und kriegt antworten, kein Widerstand, der gebrochen werden muss, keine Zweifel, dass die Frau auf jeden Fall die Wahrheit sagt. Geradlinig und flüssig. Ich hätte es gerne etwas beschwerlicher, aber dann würde natürlich auch die Geschichte länger.

Zitat: „Sturmbannführer Ahlers!“
Yay! Da bin ich aber gespannt, ob wir jetzt mehr über ihn erfahren.

Zitat: „Oberstleutnant Peter Cornelsen, Amt Ausland/Abwehr im OKW.“
Hahn war wie betäubt.

Ahja. Sagt mir jetzt mal gar nix. Dadurch kann ich auch Hahns Reaktion nicht nachvollziehen. Ich vermute mal, Peter ist ein ganz hohes Tier?

Zitat: Hahn war verwirrt und eine Frage musste er einfach stellen, denn Cornelsen konnte davon nichts wissen.
„Woher wissen Sie von Weidenau?“

warum kann er davon nichts wissen? Er hätte sich doch nur näher bei den Leuten umhören müssen, die für die Transporte verantwortlich waren. Da hätte es gereicht, wenn er nach dem Unfall nochmal mit dem LKW-Fahrer gesprochen hätte oder sowas. Sooo streng geheim kann das ja nicht gewesen sein mit dem Stopp in Weidenau, wenn Kripo und Orpo das erzählt bekommen.
Außerdem sagt er doch einen Satz vorher, dass ein »Freund« die Leute dahin begleitet hat. Weidenau ist ja nicht wie Bielefeld und existiert eigentlich gar nicht *grins*

Zitat: Er ist mit seinem LKW auf der Fahrt nach Dachau umgekippt
Also der vom Anfang?

Zitat: Genau wie die beiden Gestapo-Beamten aus Berlin und Brest. Auch sie sind jetzt irgendwo im Osten und bekämpfen russische Banden. Beide hatten Gelegenheit, unterwegs einen Brief zu schreiben und an vorher bestimmten Orten zu deponieren. Ich will sie aber mit unserer Geheimdiensttätigkeit nicht langweilen, Hahn.
Warum tut er es dann? Der plaudert und plaudert, wie irgendwie alle Figuren um Hahn herum und Hahn muss im Prinzip nur alles mitanhören und sich alles merken. Von einem Ermittler (wo ist eigentlich der Reiter? Icon_wink ) hätte ich etwas mehr Aktivität erwartet

Zitat: schloss Ahlers und schob ihm das Papier zu.
Hier ist ein Ahlers reingerutscht

Zitat: wie ihm jemand die Sporen in beide Seiten rammte.
Aye, wenn man vom Teufel tippt Mrgreen

Alllmählich kann ich mich nur noch wiederholen, deshalb verweise ich einfach auf die zurückliegenden Kritiken. Zu glatt, zu wenig Hindernisse, zu wenig Eigenhandlung Hahns. Und Hanne ist offenbar vom Erdboden verschluckt worden.

Liebe Grüße
Lanna

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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