Es ist: 28-07-2021, 22:04
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Literarisch verreisen...
Beitrag #1 |

Literarisch verreisen...
Hallo Leute,

nachdem es zu den Literaturbezogenen Sehenswürdigkeiten schon ein eigenes Thema gibt, kam mir eine weitere Idee:

Literarisch verreisen...

Hierbei geht es um Bücher, die einen realen Schauplatz haben und sich darauf konzentrieren, diesen zu beschreiben und somit die Athmosphäre und den Charakter eines Ortes besonders gut einfangen. Kennt Ihr solche Bücher, die Lust auf's "Hinfahren und Anschauen" machen?

Donna Leons "Brunetti" Krimis
Über den literarischen Wert von Donna Leons Krimis kann man ja streiten, aber ich finde ihre Beschreibungen von Venedig, diese morbide Düsterkeit abseits der Touristenströme, ziemlich authentisch und gelungen. Diese sind auch für mich der Grund, von Zeit zu Zeit Donna Leon zu lesen.

Kurt Tucholsky: Schloß Gripsholm
Das Buch hab' ich vor langer langer Zeit gelesen... Im Allgemeinen geht es um die emotionalen Verstrickungen eines Paares, das mit Freunden Urlaub in Schweden macht. Diesen Sommer habe ich das reale Schloß Gripsholm (Gripsholm Slottet, in Mariefred nahe Stockholm) besucht und daraufhin begonnen, das Buch nochmal zu lesen. Auch wenn die Beschreibungen des Schlosses und der Umgebung in dem Buch eher im Hintergrund stehen, und sich seit dem Erscheinungsjahr 1931 ziemlich verändert haben, fand ich's gelungen.

Heinrich Böll: Irisches Tagebuch
In Irland war ich noch nicht, aber diese Sammlung an Erzählungen und Kurzgeschichten macht wirklich Lust darauf... Böll beschreibt die Natur der "grünen Insel" und widmet sich sehr eingehend der "irischen Seele". Ob diese Beschreibungen klischeehaft sind oder nicht, kann ich aus Mangel an Vergleichsmöglichkeiten nicht sagen...

Wohin seid Ihr schon literarisch verreist? Und was sagt die Realität?

Freu mich auf Eure Beiträge!
Alles Liebe, t.

Ich bin absolut dafür, daß man Narren von gefährlichen Waffen fernhält. Beginnen wir mit Schreibmaschinen. (Frank Lloyd Wright)

Prinzessin von Kagran

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Beitrag #2 |

RE: Literarisch verreisen...
Hmm, also was mir so einfällt:

Andreas Eschbach - Der Nobelpreis

In diesem Thriller beschreibt Eschbach sehr detaillert, wie dieses Insitut aussieht, die Sitten und Bräuche, die dort herrschen und lässt sogar Details nicht aus wie beispielsweise das Essen, das nach einem strengen Ablauf und einem speziellen Menu zusammengeschustert ist. Das fand ich sehr interessant. Leider war ich nie in Schweden, um mir das selbst anzusehen. Aber habe mit Eschbach mal drüber gesprochen und er meinte, dass er die Reise auf sich genommen hat, um zu schauen, ob das wirklich auch alles stimmt, was er recherchiert hat. *lach*


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Beitrag #3 |

RE: Literarisch verreisen...
Dan Brown - Illuminati

Auch wenn man über den Wahrheitsgehalt streiten kann, so finde ich die Beschreibung Roms in Dan Brown "Illuminati" einfach nur gelungen. Da ich schon in der Stadt war, fühlte ich mich beim Lesen sofort dorthin zurückversetzt. Auch hat es mir viele Dateils offenbahrt, die ich während meines Besuchs übersehen habe und bei meiner nächsten Fahrt auf jeden Fall aufspüren werde. Icon_wink
Es hat mir auch gefallen, dass die Beschreibungen zwar vorhanden, doch nicht überladen waren.

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #4 |

RE: Literarisch verreisen...
Ganz wunderbar literarisch verreisen kann man auch mit John Irving.

Der Großteil seiner Bücher spielt in New England, einem Teil der Vereinigten Staaten Amerikas an der Ostküste. Nicht nur hat er immer wieder wunderbare Beschreibungen der Landschaft drinnen (nicht seitenlang extra, sondern angenehm hineinverflochten), sondern als "New England Born And Raised" zeichnet er auch ein zutreffendes, oft nachdenklich stimmendes Psychogramm einer Region, seiner sozialen Struktur und seiner Einwohner. Besonders schön in diesem Aspekt finde ich die Bücher A Widow For One Year und The Cider House Rules (auch wenn letzteres hauptsächlich in Maine spielt).

Manche seiner Bücher spielen auch (zum Teil) in Wien, wo John Irving einen Teil seiner Studienzeit verbracht hat. Es ist interessant zu erfahren, welchen Blick ein "Fremder" und Amerikaner auf Europa im Ahhgemeinen hat, und vor allem auf die eigene Stadt. Teilweise sehr clichéhaft, teilweise auch ein Aha-Erlebnis - und auf jedenfall zutreffend, zum Beispiel das Haus "Schwindgasse 15" im 4. Wiener Gemeindebezirk, was in Garp vorkommt, sieht wirklich so aus wie von Irving beschrieben! Zur Gänze in Wien spielt Setting Free The Bears.

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Beitrag #5 |

RE: Literarisch verreisen...
hallo ihr,

ich bin auch schon öfters literarisch verreist.
unter anderem auch schon mit den bereits erwähnten. was mir noch zu john irving einfällt ist sein zirkuskind. ein sehr schöner ausflug nach indien. auch, wenn es mehr um die menschen ging, die dort leben, konnte man doch einen sehr guten eindruck von bombay und den sonstigen erwähnten städten bekommen.

dann war ich schon mit noah gordons "der medicus" im früheren england und dann auf einer langen reise bis nach persien unterwegs. und mit seinem "schamanen" in der amerikanischen prärie des späten 18. jahrhunderts. das hauptaugenmerk von gordon liegt zwar im geschichtlichen hintergrund bzw. der medizin, aber trotzdem hat mir das setting sehr gut gefallen. besonders, wenn der prot mal wieder an einem neuen ort ankam und sich dort umgeschaut hat. weite reisen haben wir zusammen zurückgelegt.

und ich war mit kirsten boie auf der "alhambra". ich hab das buch eigentlich auch nur deswegen, weil ich in einem spanienurlaub auch schon die alhambra besichtigt habe. deswegen musste ich es auch lesen. hat mich literaisch zwar nicht überzeugt, aber es war sehr schön granada mal wieder zusehen. sowohl in der gegenwart als auch in der vergangenheit. das war schon schön gemacht.

mehr fällt mir jetzt grad nicht ein, zu meinen literaischen ausflügen.

lg

Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #6 |

RE: Literarisch verreisen...
Wie man nicht literarisch verreisen sollte: Mit Betty Mahmoodys "Nicht ohne meine Tochter in den Iran.

Leider ist dieses Buch (neben dem einen oder anderen Buch nach dem gleichen Strickmuster: zwangsverheiratete, unterdrückte Muslimin befreit sich und flieht in den zivilisierten Westen) voll geladen mit Klischees, die zum Teil sicher ihrer Grundlage nicht entbehren, aber dennoch ein sehr einseitiges und dunkles Bild der arabischen Welt zeigen und stark in die Kerbe der "Achse des Bösen" hauen.

Ich habe dieses Jahr den Iran bereist. Natürlich ist die Unterdrückung durch das Diktat eines gewissen religiösen Fanatismus deutlich spürbar, doch habe ich das Land als einen Hort unglaublicher Kunstschätze (Persepolis! Isfahan!) kennengelernt und die Menschen als aufgeschlossen, neugierig und "off the records" auch sehr kritisch und diskussionsfreudig.

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Prinzessin von Kagran

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Beitrag #7 |

RE: Literarisch verreisen...
Tanja Kinkel - Die Puppenspieler

Kinkel hat mich mit diesem Buch ziemlich neugierig auf Florenz gemacht. Leider sah die Realität 2001 nicht ganz so prachtvoll aus. Es war dreckig, die Unterkunft war ziemlich *piep* und überhaupt. Kann auch daran liegen das ich Florenz auf meiner Tutorienfahrt gesehen hab, vielleicht wär ich privat an einen schöneren Eindruck gelangt.


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Beitrag #8 |

RE: Literarisch verreisen...
Für eine Reise nach Schweden empfehle ich Astrid Lindgren.

Astrid Lindgren ist in ihrer Heimat tief verwurzelt und beschreibt Land und Leute sehr liebevoll - wenn auch ein bißchen zu übermäßig idyllisch, keine Sorge in Schweden gibt es inzwischen schon Autos und so Kram Icon_wink.

Besonders gut hat mir Bullerbü gefallen, da sie in diesem Buch sozusagen ein ganzes Jahr mit all seinem Brauchtum beschreibt - und die Schweden sind im allgemeinen zumindest an Feiertagen noch sehr mit ihren volkstümlichen Traditionen verwurzelt. Midsommar (das Sonnenwendefest) ist eine riesengroße Familienfeier und wer schon mal mit echten Schweden Krabben (crayfish) und Zimtwecken gegessen hat bis ihm schlecht wird, der kann die Geschehnisse im Buch noch gleich um ein Bißchen besser nachvollziehen.
Mein Topfavorit ist allerdings Ferien auf Saltkrokan - strenggenommen ein Buch ohne Handlung, und meiner Meinung nach eins der "erwachsensten" Lindgren-Bücher. Seitenweise Beschreibung von Landschaft, Athmosphäre und Stimmungen, vermischt mit der ausgelassenen Heiterkeit eines Großfamilienurlaubs. Da hat man schon beim Lesen das Gefühl, am Bootssteeg zu liegen und das Meer zu riechen.

Und jetzt, wo ich das aufgeschrieben habe, sehne ich mich gleich noch mehr zurück nach Schweden... *seufz*

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Beitrag #9 |

RE: Literarisch verreisen...
Da möchte ich gerne auch eine Empfehlung abgeben.

Drachenläufer
zu diesem Buch läuft derzeit sogar unser Lesekreis. Mir persönlich, habe den Film zum Buch schon gesehen, gefällt sehr die Beschreibung der Kultur von Afghanistan in den 70iger Jahren. Für geneigte Leser die gerne einmal in diese Zeit schnuppern möchten, kann ich es nur empfehlen.

"Ich träume davon, dass mein Sohn als guter Mensch aufwächst. Als freier Mensch. Ich träume davon, dass du eines Tages das Land unserer Kindheit besuchst, davon, dass wieder Blumen in den Straßen blühen ...
... und Drachen am Himmel fliegen."

- Hassan aus Drachenläufer

Kurzbeschreibung:
von amazon
Im Jahr 1975 ist Amir zwölf Jahre alt. Um seinem Vater seine Stärke zu beweisen, will er unbedingt bei einem Wettbewerb im Drachensteigen gewinnen. Dazu braucht er Hassans Hilfe. Hassan ist sein bester Freund. Obwohl sein Vater der Diener von Amirs Vater ist, hat die innige Freundschaft der Jungen allen Herausforderungen standgehalten. Bis zum Ende dieses erfolgreichen Wettkampfes, als Amir sie auf schreckliche Weise verrät.
Die dramatische Geschichte einer Freundschaft, eine Geschichte von Liebe und Verrat, Trennung und Wiedergutmachung vor dem Hintergrund der jüngsten Vergangenheit Afghanistans.

Grüße,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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