Es ist: 30-05-2020, 22:53
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Tom Wolfe: ich bin Charlotte Simmons
Beitrag #1 |

Tom Wolfe: ich bin Charlotte Simmons
Tom Wolfe: Ich bin Charlotte Simmons

[Bild: 51JAVE8P93L._SL500_AA240_.jpg]

Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Walter Ahlers. Charlotte schließt die Highschool in ihrem Dorf in den Blue Ridge Mountains als Beste ab und erhält ein Stipendium für die Dupont University in Pennsylvania. Das hoch begabte Mädchen freut sich darauf, an dieser bedeutendsten Universität des Landes endlich in den "Olymp des Wissens" aufgenommen zu werden. Doch kaum hat sie voller Idealismus ihr Studium begonnen, findet sie sich in einer Umgebung wieder, in der Saufgelage und sexuelle Ausschweifungen an der Tagesordnung stehen...

Rezensionen auf Perlentaucher.de

Meine Meinung
Das Buch wurde mir "wärmstens empfohlen" von einer Person mit literarischem Geschmack, ich möchte es jedoch nicht so vorbehaltlos weiterempfehlen.
Als Europäer kann man sich wohl nicht so hineinversetzen in die Welt eines amerikanischen Campus - schließlich gehen wir von der Uni wieder nach Hause und die Studentenheime verteilen sich über die ganze Stadt. Schön langsam aber frage ich mich, ob die Darstellung dieses "Sündenpfuhls Studentenlebens" vielleicht gar nicht so klischeehaft ist...
Tom Wolfe schreibt sehr amüsant und kurzweilig, dennoch wirkt es streckenweise sehr unbeholfen/peinlich, wenn ein "grantiger alter Mann" (Jg. 1931) versucht, im College-Slang sich auszudrücken. Oder das liegt allerdings an der Übersetzung, die teilweise sehr komische Versuche unternommen hat, Jugendjargon und Südstaatenakzent ins Deutsche zu übertragen.
Außerdem nimmt der Autor seine (selbst- oder von den Medien auferlegte?)als "Gewissen der Nation bzw. Mr. Zeitgeist" so ernst, daß das Buch streckenweise sehr moralinsauer wird... Allgemein ist es unglaublich schwarz/weiß - auf der einen Seite Charlotte, das hübsche und schüchterne und hochintelligente Provinzpomeranzerl, das niemals auch nur "shit" sagen würde, für die ein Kuß einem Eheversprechen gleichkommt, und fürchterlich empört ist darüber daß ihre Zimmergenossin besoffen nachts heimkommt und daß nicht alle Studenten ständig nur in der Bibliothek sitzen oder im Kaffeehaus über Schöngeistiges philosophieren, und auf der anderen Seite... die drei Bürschen, zwischen denen sie sich entscheiden "muß": Hoyt, der in einer Studentenverbindung ist und von dem sie von Anfang an weiß, daß er die Mädls nur abschleppt und als Trophäen vor seinen Kumpels hinstellt, und von dem sie sich dann doch in einem gewissen Übereinverständnis "benützen" läßt. Adam, der supersensible verkannte Philosoph, der ihr eine Welt des Intellekts offenbart, mit dem sie über Hochwissenschaftliches reden kann und der sie vor der bösen bösen Welt von Sex und Alkohol beschützen möchte, der ihr aber doch zu "nerdy" ist. Und Jojo, der Basketballstar, für den sie die Tutorin spielt und ihn auf einen Weg des Wissens läutert...

Fazit
Ein nettes Buch, aber zu "Dawson's Creek" für mich.
Eine glatte "3" auf der talblick-Skala.

Wer hat's noch gelesen? Was meint Ihr?

t.

Ich bin absolut dafür, daß man Narren von gefährlichen Waffen fernhält. Beginnen wir mit Schreibmaschinen. (Frank Lloyd Wright)

Prinzessin von Kagran

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Beitrag #2 |

RE: Tom Wolfe: ich bin Charlotte Simmons
Hallo talblick,

welch ein Zufall! Ich lese das Buch gerade und bisher finde ich das Buch ganz okay, habe mir aber doch mehr davon erhofft.

Ich denke, dass die Darstellung des Campus sicherlich etwas überspitzt ist, aber auf jeden Fall nicht nur Klischee. Wir können das nicht so beurteilen, aber vieles kennt man ja auch aus Filmen und dass die alle maßlos übertreiben, kann ich mir nicht vorstellen. Gesellschaftlichen Druck von außen kennen wir auch, den gibt es immer. Geht man nicht auf Parties ist man nicht "cool", hat man nicht das Geld für schicke Klamotten, ist man nicht "in" und mit diesen Problemen hat ja auch Charlotte zu kämpfen. Dass noch der Aspekt Sex hinzukommt, scheint mir jedoch ein ziemlich typisches amerikanisches Problem zu sein.

Charlotte selbst finde ich viel zu brav, sie ist übertrieben dargestellt, voller mütterlicher Komplexe, nie flucht sie, nie denkt sie an Sex - viel zu "gut" für die Welt. Ein Mädchen von 18, 19 Jahren mag unschuldig sein können, aber dass sie nie daran denkt, einen Jungen küssen zu wollen, finde ich sehr unwahrscheinlich. Ihr Über-Ich scheint übergroß zu sein und die Stimme ihrer Mutter zu haben ...
Sie macht auf mich auch nicht wirklich den Eindruck eines Genies, sondern einfach eines fleißigen, ehrgeizigen, halbwegs intelligenten Mädchens, das sehr gute Noten hat - mehr nicht! Aber vielleicht kommt das (hoffentlich) noch.
Trotzdem hatte ich - genau wie Charlotte - die gleiche Illusion, als ich an der Uni angefangen hatte: Leute, mit denen man über Literatur diskutieren kann und die nicht nur an die nächste Sauftour denken. Teilweise gibt es die natürlich auch, aber größtenteils scheint die Uni nicht anders zu sein als die Oberstufe. Und doch ist Charlotte in einem künstlichen Dilemma, finde ich. In Dupont scheint es NUR Partymäuschen und Abschlepper zu geben und nicht einen einzigen, mit den man vernünftig reden kann (Du hast geschrieben, sie kann das mit Adam, aber so weit bin ich noch nicht im Buch).
Deswegen muss ich mir dir anschließen: Die Schwarz-Weiß-Malerei, die Wolfe da betreibt, finde ich peinlich, damit macht er es sich viel zu einfach. Es gibt auch genug Leute, mit denen man beides kann: Über Literatur diskutieren und ein Bier trinken.

Ich bin jetzt auf Seite 350 oder so und habe ja noch bisschen was vor mir, aber ich male mir natürlich schon aus, wie es weiter- und wie es ausgeht und das, was ich mir gerade ausmale, gefällt mir nicht wirklich (Ich sehe Charlotte vor mir, wie sie dem Druck der "Gesellschaft" nachgibt und zu dem Anhang eines Jungen mutiert), falls es anders wird, umso besser!



Grüße,
Isola.


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Beitrag #3 |

RE: Tom Wolfe: ich bin Charlotte Simmons
Liebe Isola, schön langsam krieg' ich Angst, weil wir offensichtlich ständig dasselbe lesen! :icon_gucker:

Mit Deiner Charakterisierung von Charlotte hast Du natürlich Recht, ich seh' das ganz genauso: sie ist ein klassisches Streber/Schleimer (im Sinne von "teacher's pet") Mädi, und mangels Vergleichmöglichkeiten halten sie alle für etwas ganz Besonderes, worauf sie sich natürlich (weil Menschen halt so sind, zeig mir irgendeinen Klassenstreber an einer durchschnittlichen Provinzmittelschule oder woanders, der nicht glaubt daß nach seiner Matura die ganze große Weite Welt des Intellekts etc. auf ausschließlich ihn gewartet hat) ausruht... Eigentlich sind mir solche Menschen zuwider.

Sag mir Bescheid, wenn Du fertig/weitergelesen hast, ich möchte nicht mit meiner Meinung/Analyse irgendwas ausplaudern und Dir den Spaß verderben! -- Das Ende war das Einzige, was mich wirklich überrascht hat an dem Buch, und dann doch ganz typisch war.

Alles Liebe! t.

Ich bin absolut dafür, daß man Narren von gefährlichen Waffen fernhält. Beginnen wir mit Schreibmaschinen. (Frank Lloyd Wright)

Prinzessin von Kagran

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Beitrag #4 |

RE: Tom Wolfe: ich bin Charlotte Simmons
Nachdem mir die liebe talblick das Ende verraten hat, damit ich mich nicht weiter durch das Buch quälen muss, will ich hier noch kurz meinen Senf dazu abgeben:

Schrecklich ... Einfach schrecklich. Es passiert genau das, womit man rechnet. Ich sehe auch nicht wirklich die Kritik Wolfe's hinter all dem, muss ich gestehen. Statt seine Heldin rebellieren und stark sein zu lassen, lässt er sie im Morast der achso verruchten Universität versinken und sie zu einer aus Tausenden werden.
Aber vielleicht kann man aus einem Charakter wie Charlotte auch einfach nicht mehr rausholen, da sie schließlich nur durch ihre Herkunft etwas besonderes ist. In einer Herde von Dummen ist ein normal intelligenter Mensch immer etwas besonderes ...

In den nächsten Tagen folgt eine Rezension auf der Hauptseite und die wird leider leider nicht sehr gut ausfallen!


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