Es ist: 29-03-2020, 00:53
Es ist: 29-03-2020, 00:53 Hallo, Gast! (Registrieren)

Aktuell befinden wir uns im Umbau. Sollte also etwas seltsam aussehen, sind wir gerade bei der Arbeit und strukturieren die Foren neu :)

Ein Tag
Beitrag #1 |

Ein Tag
.

Ein Tag

Ein Tag, gering
wie Krähenfedern,
schwarz im Wind,

(zertrieben):

Schlamm leckt
an knochenbleichem Schotter,
bettet Flaschenkronen;

aus den Gärten tönt
Arbeit.

Schritte um
Sonnengeschmeide,
versteckte Gräben.

Unter den schnellen Wolken
zurück
in die Straßen,

die brache Zeit.


6.10.08



.

Krawehl, Krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain!
trübtauber Hain am Musenginst!
Krawehl, Krawehl!


"Kunst ist nichts anderes als das Portrait einer Idee." Manfred Kröplein.

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Beitrag #2 |

RE: Ein Tag
Hallo lu,

ein sehr stilles, beinahe stillstehendes Gedicht. Es liest sich wie Beobachtungen bei Spaziergängen, auf denen man nicht gesehen wird, Blickwechsel nur in eine Richtung, nichtmal ein Wechsel, eher ein Hinblick ohne Zurückblick. Aufgesammelte Eindrücke, wie so viele an uns vorbeirauschen und sich in Tagen sammeln. Und so liest sich das Gedicht für mich auch: am Wegrand eingesammelt, die Augen auf die Füße und die Ohren in die Umgebung gerichtet.
Die erste Strophe finde ich sehr stark, vor allem "gering wie Rabenfedern / schwarz im Wind" ist sehr eindrücklich, sehr vergänglich. Auch das Ende gefällt mir sehr, "die brache Zeit", die zurück in die Straßen bricht, vielleicht der Moment, wenn das Beobachten aufhört. Für mich liest sich das Gedicht fast schon resigniert, es schwingt so eine Stimmung mit, die trotz der Bewegung, trotz der Schritte, Reglosigkeit vermittelt, Lethargie.
Mich haben andere Gedichte von dir mehr getroffen, aber das liegt wahrscheinlich in der Natur dieses Gedichtes, es überträgt seine Stimmung auf den Leser, als wollte es sie loswerden. Lediglich die brache Zeit am Ende, zurück in den Straßen, zeigt einen Funken Leben, das noch ist. (Und die Arbeit, ja, aber das ist gehörte Arbeit.)

Zitat:(zertrieben):
Das ist wahrscheinlich Absicht, aber ich finde, dass die Klammern und der Doppelpunkt sich gegenseitig aufheben. Klammern sind für mich oft ein Flüstern, ein Doppelpunkt wie eine Unterstreichung dessen, was folgt. So spricht sich das Wort dann doch normal, vielleicht lässt du die Klammern weg?

Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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Beitrag #3 |

RE: Ein Tag
Hallo Libertine Icon_smile

Vielen Dank für deine Beschäftigung mit meinem Gedicht! Ich finde, du hast die Stimmung, in der ich beim Schreiben war, sehr genau wieder aus den Zeilen herauslesen können - sogar das Szenario stimmt *lach*
Geschrieben habe ich es an einem der wenigen ganz freien Tage nach mehreren 54-Stundenwochen einer Arbeit, die mich körperlich und vor allem geistig ziemlich auslaugt. Eine Pause zwischen Wochen des Mühsals, hinter einem liegt Arbeit, vor einem liegt Arbeit und man selbst erstickt fast, ist nur noch müde und findet alles sinnlos.
Das Gedicht habe ich nach einem sehr langen Spaziergang an eben jenem freien Tag geschrieben, einer der letzten Fast-Sommertage des Jahres Icon_smile

Was die Klammer angeht.. hm, hast du wohl recht. Ich werd's mir mal beizeiten anschaun.

Danke nochmal für deine Gedanken!
lg
lu Icon_smile

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Beitrag #4 |

RE: Ein Tag
Hallo lu=),

seit langer Zeit wieder ein KOmmentar von mir, mal sehen, ob ich noch welche schreiben kann^^

Also, wollen wir mal sehen *lach*:

Zitat:gering
wie Krähenfedern,
Tatsächlich, von Krähen findet man allerdings sehr selten Federn (muss ich wisseln, ich sammel nämlich jegliche Federn, die ich für meine Katzen finde Icon_wink )

Zitat:(zertrieben):
Irgendwie würde ich eher den Doppelpunkt weglassen. Ich mag einfach nicht so gerne Doppelpunkte, die haben so etwas Hartes, sagen eher "Guck, was ich meine Doppelpunkt". Nja, KLammern sind da wohl reichlich weicher und romantischer. Na, was man nicht alles in Satzzeichen lesen kann, was? Icon_rolleyes

So, das lasse ich jetzt erst mal stehen. Insgesamt ein sehr schönes Gedicht, hat mir gefallen. Es hat etwas sehr Sanftes an sich, das mag ich auch an der Natur, das liebliche. Stellenweise hatte ich den Herbst im Auge, dieses Laub und die Menschen, die verzweifelt versuchen mit diesen lächerlichen Bläserdingern die Blätter wegzupusten (was für ein Schwachsinn, ein WIndhauch und die können von vorne anfangen und wo sollen die Igel dann schlafen?) Ich kann gar nichts zum Bemängeln finden. Man merkt einfach, wenn ein Gedicht gefühlvoll geschrieben ist und wann man es eher aus den Gedanken herausgepresst hat. Bei dir ist es gefühlvoll. gerne gelesen.

liebe grüße
bia

"kein Mann ist so stark wie eine Frau, die schwach wird" (Hans Holt)
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Beitrag #5 |

RE: Ein Tag
Hallo bia,

mit einiger Verzögerung ein Dankeschön für deine Reaktion Icon_smile
Hab mich sehr gefreut, deinen Kommentar unter meinem Gedicht zu finden.

Mit den herausgepressten Gedichten geht's mir so wie dir: bei denen merk ich schon beim Schreiben, dass da etwas nicht passt und meistens verwerfe ich sie, noch bevor sie fertig sind.
Ich freu mich jedenfalls, dass aus meinem Haufen Bilder doch auch ein Gefühl herauszulesen ist *lach*

Vielen Dank nochmal für deine Gedanken - und was macht deine Katze mit den vielen Federn? Unserer können wir gar keine geben, die frisst die immer. (Sie frisst aber auch mit Vorliebe Haarknäuel, Staub und Spinnweben.. vllt. ist unsere Katze ein wenig seltsam?)

lg
lu Icon_wink

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Beitrag #6 |

RE: Ein Tag
*lach* spinnenweben und staub? Mrgreen Nein, das machen unsere nicht, aber zum Spielen sind Federn ideal (auch wenn sie ab und zu dabei verschlungen werden Icon_wink ) Einfach unter dem Türschlitz halten...da fahren die voll drauf ab^^

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Beitrag #7 |

RE: Ein Tag
Hallo lu,

unglaublich, dass ich das übersehen hab ... :icon_gucker: ...

Das Gedicht hat etwas sehr Stilles, als Altertümliches, was sich dennoch auf die Gegenwart übertragen lässt. Das lyrische Ich scheint beinahe außerhalb seiner Welt, nur stiller Beobachter - das Empfinden ist allein durch die Wortwahl ausgedrückt, was mir sehr gefällt.

Schlamm leckt
an knochenbleichem Schotter,
bettet Flaschenkronen;


Die Stelle gefällt mir am besten, sie ist so in sich stimmig, so atmosphärisch "gering" wie der Tag. Beiläufig und trivial, beinahe wie ein braunes Laubblatt am Straßenrand, das ins Zentrum der Wahrnehmung rückt. Schön!

Wie du merkst, das Gedicht gefällt mir sehr, sehr gut Icon_smile ...

Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #8 |

RE: Ein Tag
Hallo Zack Icon_smile

*freu*
schön, dass es dir gefällt!
Ich freu mich immer sehr über deine Meinung zu meinen Sachen - dankeschön für deinen Kommentar und dein Lob Icon_smile

lg
lu

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