Es ist: 27-06-2022, 22:17
Es ist: 27-06-2022, 22:17 Hallo, Gast! (Registrieren)


Musterung 1
Beitrag #11 |

RE: Musterung 1
Hey drakir!

Also ich hab da ja nochmal Glück gehabt - nix mit Musterung.
Auch wenn ich nach der neunten Klasse unbedingt zum Bund wollte und Panzerfahrer werden. Naja, irgendwie bin ich auf dem Gymnasium gelandet und ganz froh drüber, außerdem stehen meine Musterungschancen ziemlich schlecht - ich wäre vermutlich schon bei der ersten Wartezeit ins Koma gefallen. So lange stehen! Scheiße! Überhaupt, dass das alles so ewig dauert, aber das haben die Ämter wohl so an sich. Überall warten. Als hätte man eine Art Zeitreserve für solche Gelegenheiten. Naja, eigentlich ist die von dir gewählte Lösung die Beste, Augen zu und durch und hoffen, dass man nie wieder hinmuss.

Eigentlich ist die ganze Situation vollkommen absurd und ich frag mich manchmal wirklich, was manche Menschen für Gedanken im Kopf haben. Ob da überhaupt welche sind. Aber du schaffst es, das ganze mit Witz zu schildern, es lässt sich leicht lesen und eigentlich war ich die ganze Zeit nur am Lachen. Und am Kopfschütteln, währenddessen. Unglaublich, was die sich da alles leisten. Aber das Unglaubliche ist immer noch das beste am Leben. Ich glaube, du hast sicherlich ein paar Leuten Angst vor der Musterung gemacht *gg*.

Am besten hat mir die Stelle mit dem Hörtest gefallen. Einfach genial, mal auf das zu hören, was die (nicht) sagen. Passt perfekt zum Bund, dieses Gehorsam, aber sicher nicht dein rebellisches Gedankengut. Zum THW passt's auch nicht so recht, aber als Mann hat man da sicher nicht wirklich eine wahl. Wenn man Zivildienst macht, weiß man ja auch nicht so wirklich, wo man landet, zumindest in der Eifel nicht, weil da nichts ist, also wenige Möglichkeiten. Irgendwie interessiert mich die Geschichte über das THW auch - tausend hilflose Wichtel. Passt. Als ich das letzte mal mit denen zu tun hatte, war ich auf einem Jugendzeltlager und die Leute hatten eine Schnitzeljagd geplant mit dem Ergebnis, dass die Hälfte der Leute 3 Stunden lang planlos durch den Wald irrten, bis die uns Abends mit Taschenlampen suchen gegangen sind. Planlos trifft meinen Eindruck vom THW eben sehr gut und es ist schön, dass ich da nicht alleine bin *gg*.

Ich hab die Geschichte auf Jeden sehr gerne gelesen, dachte am Anfang kurz, dass die ziemlich lang ist, aber wenn man die ersten Sätze erst einmal hinter sich hat, vergeht die Zeit wie im Flug.
Hab auch nur einen Fehler gefunden:
Zitat:Hier war auch kein Potential vorhanden, irgendetwas unerwartetes zu tun.
groß schreiben.

Und jetzt zu den Stellen, die mir besonders gut gefallen haben bzw. wo ich mich am meisten drüber kaputtgelacht hab:
Zitat:das sich Kreiswehrersatzamt schimpft - wobei ich bis heute noch nicht ganz verstanden habe, was da ersetzt wird, das Hirn, der Verstand?
Einfach schön... geniale Wortwahl! Icon_wink
Zitat:Hätten sie auch eher sagen können, gerade vor fünf Minuten war ich auf dem Klo gewesen, weil ich so lange hatte warten müssen. Entweder sie wrangen mich aus oder es würde lange dauern, bis sie die Probe von mir sahen.
„Geht das auch später?“, fragte ich.
Ich glaub, die Leute fragen immer nach Urinproben, wenn man grade nicht pinkeln kann. Auf meine letzte in der Klinik haben die bestimmt fünf Stunden und 7l Tee gewartet. Ich glaube, ich hab in meinem ganzen Leben noch nie so viel getrunken. Und ständig lief irgendein Pfleger hinter mir her und meinte: "Du musst doch bestimmt pinkeln!", "Musst du immer noch nicht pinkeln?" oder ich habe einen erwischt, der bereits resigniert hatte, Standartantwort: "Ich mach dir noch nen Tee." Icon_irre
Zitat:staatlichen geförderten Terrorismus
Meine drei Lieblingswörter.
Ich hab mal so was ähnliches über die Schule gesagt *gg*.
Aber beim Bund hat man dann doch ein paar Möglichkeiten mehr... Ganz großes Lob!
Zitat:Tut, mir leid, das konnte ich vorher nicht ahnen. Aber sehen sie es so, jetzt wissen sie, dass ihr Knie nicht stabil war. Haben halt schlechte Gene, nicht. Sie werden sicher wieder schnell auf die Beine kommen.
Die ganze Situation ist einfach nur zum Schreien!
Als ich das mit "auf die Beine kommen" gelesen hab, konnte ich echt nicht mehr. Passt einfach perfekt hier rein!Icon_lachtot

Okay, das war's von mir. Hat wirklich Spaß gemacht und ich freu mich auf Teil zwei, auch weil der schon drin steht und ich nicht lange warten muss *gg*

Liebe Grüße,
Lain

Schmetterlinge weinen nicht

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Beitrag #12 |

RE: Musterung 1
Lieber „drakir“,
aus gegebenem Anlass - mein Großneffe (16) hat an seinem Gymnasium ein Referat über die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Schweden (August 2018) zu halten – recherchierte ich im Internet und stieß dabei auf Deinen Aufsatz von vor zehn Jahren.
      Deine humorvolle Schilderung des Verlaufes Deiner Musterung - angefangen vom Erhalt des ‚Einladungsschreibens‘ bis zum Abschlussgespräch - und Deinem verständlichen Vorsatz, mit dem ‚Bund‘ damals und in Zukunft nichts im Sinne haben zu wollen (was ich aufgrund eigener nachwirkender, demütigender und entwürdigender Erlebnisse vor über fünf Jahrzehnten extrem gut verstehe), las ich aufmerksam.
      Die Kritik, der Aufsatz sei zu lang, kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, die einzelnen Details (z.B. Untersuchung: Kreuzbänder, Dehnung und Drehung der Extremitäten …) sind drastisch, realistisch und trotzdem witzig und amüsant formuliert. Dies und die anderen Vorgänge sind zweifelsfrei nicht kürzer darzustellen.
      Allerdings muss ich ausdrücklich konstatieren, dass gerade in den vielen Jahren vor und auch noch ein paar Jahre nach 2008 bis zur Aussetzung der Wehrpflicht nicht alle Musterungen (über 8 Mio. in 55 Jahren) so ‚harmlos‘ stattfanden, sondern durch z.T. perverse sexistische Übergriffe auf junge Männer (ab 17 bis 22 Jahren) eine besondere ‚Qualität‘ erhielten.
      Unzählige Jungs (auch aus meinem engsten Familienumfeld) wurden über Jahre hinweg in zahlreichen Kreiswehrersatzämtern (KWEA) auf schrecklich demütigende, schikanöse und niederträchtige Art und Weise im Genitalbereich fast ausschließlich von Ärztinnen nach allen Regeln der Kunst und ausdauernd ‚untersucht‘ und zwar in Gegenwart - ohne jeglichen Sichtschutz – und auf kürzeste Distanz - von (manchmal sogar zwei) weiblichen Mitarbeiterinnen (Schreibkräfte).
Diese Form der erzwungenen Nacktheit und Zurschaustellung ist für viele junge Männer zum Trauma geworden.
Ich hatte zunächst einen viel längeren Kommentar geschrieben und heute am 06.01.2019 erheblich gekürzt, um vielleicht bei LITERATOPIA einen ausführlicheren Diskussionsbeitrag zu diesem Thema und zu der damit zusammenhängenden Maskulismusdebatte gegen die ständige und m.E. mittlerweile penetrante #metoo-Debatte zu ‚posten‘.

Homosapiens47


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