Es ist: 04-12-2020, 12:34
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weihnachtlicher Lesekreis (2008): Eine Weihnachtsgeschichte
Beitrag #11 |

RE: weihnachtlicher Lesekreis: Eine Weihnachtsgeschichte
*grins* Und gleich wieder eine Lieblingsstelle:

Zitat:He then made bold to inquire what business brought him there.
“Your welfare!” said the Ghost.
Scrooge expressed himself much obliged, but could not help thinking that a night of unbroken rest would have been more conductive to that end.
Herrlich trocken. Und das denkt er vor allem, nachdem er ohnehin von 2 bis 14 Uhr geschlafen hat, also 22 Stunden! Mrgreen

Und das fand ich stark - als der Geist seine Schwester gelobt hat und er weinend zustimmen musste:
Zitat:“She died a woman,” said the Ghost, “and had, as I think, children.”
“One child,” Scrooge returned.
“True,” said the Ghost. “Your nephew!”
Aber hallo, Scrooge ... und so begegnest du dem einzigen Kind deiner heißgeliebten Schwester?

Dickens schlägt in der zweiten Strophe ernstere Töne an, die unmittelbare und überraschende Konfrontation mit seiner Vergangenheit überrumpelt Scrooge nicht nur, sie überwältigt ihn zugleich und spült sehr viele Emotionen an die Oberfläche. Um ehrlich zu sein: Mich wundert das nicht. Es ist nicht ohne, die trübe frühe Kindheit wieder aufleben zu sehen, dann die verstorbene Schwester, die schöne Zeit der Lehrjahre, und dann die eigenhändige Zerstörung möglichen Glückes, die Abschottung und Einsamkeit ... Nein, mich überrascht nicht, wie anders sich der sonst so harte Geizhals sich plötzlich verhält, wie sehr ihn das alles trifft und schmerzt.

Sternchen schrieb:Kein Sinn für Details, keiner für ausführliche Charakterbeschreibungen außer Scrooge. Eher lieblose Beschreibungen. Ein wenig kommt es mir gehetzt vor - weiter! weiter!
Findest du? Das wundert mich. Ich sehe hier zum Teil eine sehr liebevolle Gestaltung der Details und der Charaktere, vielleicht nicht unbedingt sehr ausführlich, aber aussagekräftig. Allein wie die Tänzer eintreten (die Szene des Weihnachtsfestes bei Mr. Fezziwig) ... Aber auch seine Schwester wir in wenigen Sätzen charakterisiert, seine ehemalige Freundin, er selbst.
Dem Kritikpunkt kann ich mich also nicht anschließen. Ich frage mich sogar, ob du vielleicht eine gekürzte Variante in den Händen hältst *g*

Sternchen schrieb:Ihn die Augen zu öffnen war, entgegen jeder Spannung, doch ziemlich leicht.
Nun, ich würde nicht sagen, dass ihm wirklich bleibend die Augen geöffnet worden sind. Zweimal hat er das Gesehene spontan auf seine Gegenwart umgelegt und bereut, aber ich denke, wenn die nächsten beiden Geister nicht nachhaken würden, würde er das alles schnell wieder in sich vergraben - so hat er es scheinbar ja schon längst gemacht - und zum Alltag zurückkehren. Mit dem bekannten "Humbug!" auf den Lippen. Icon_wink

Scrooges Verhalten fand ich bisher sehr nachvollziehbar, er wäre ja nicht der erste scheinbar steinhart verschlossene Mensch, der auf einmal mit einem Fingertippen an der richtigen Stelle ins Wanken gebracht werden kann.
Außerdem werden hier Begründungen dafür geliefert, warum er wurde, was er nun ist ...

LadydesBlauenMondes schrieb:was mich dann aber überrascht hat, war das sein freund marley offenbar an weihnachten gestorben ist und er deshalb dieses fest nicht mehr leiden kann. irgendwie muss diese gefühlskälte ja begründet werden. aber ich denke mal, da erwartet uns noch mehr.
Soweit ich das herausgelesen habe, war er schon lange gefühlskalt bzw. auf dem Weg zur Gefühlskälte, bevor Marley gestorben ist - mit dem ihn ja auch nicht unbedingt die ultimative Freundschaft zu verbinden schien. Eher sehe ich die Begründung in seiner Kindheit, als er Weihnachten gar nicht zuhause feiern durfte ... so etwas prägt. Ich kann mir gut vorstellen, dass man da einen gewissen unterschwelligen Hass auf das Fest entwickelt.
Weiters scheinen ihn seine Armut und der daraus resultierende Ehrgeiz immer mehr nach Gewinn streben zu lassen, weshalb sich schlussendlich sogar seine damalige Partnerin von im trennt. Das besiegelt seine Vereinsamung. Und was findet ein einsamer, geiziger, geldgieriger Mann noch an Weihnachten? Fühlt er sich doch von der Welt verlassen und kehrt ihr als trotzige Reaktion ebenfalls den Rücken zu.

LadydesBlauenMondes schrieb:die spannung (für mich) ist eben ob diese "schocktherapie" wirklich was nützt und wie er sich verhält, wenn er wieder daheim auf mitmenschen trifft. zumal er den geistern gegenüber immer trotziger reagiert. bei marley war er noch geschockt, hat dann aber voller spannung auf den ersten geist gewartet. aber schon als ihm dieser die zweite, oder dritte szene zeigen will sagt er: "zeig mir nichts mehr!"
Ich schätze, das ist nicht unbedingt Trotz, das ist mehr Abwehr und - besonders bei zweiterem - der Schmerz: Hier bricht einiges auf, was so qualvoll ist, dass er es nicht mehr erträgt. Wie gesagt, ich denke, wenn nicht zwei weitere Geister kommen würden, dann würde er alles gerade wegen dieser Schmerzhaftigkeit wieder verdrängen und in seinen Alltag zurückfallen.

So, ich hoffe, ich hab keine Frage übersehen - und entschuldigt mein Antwortchaos, ich gedankenspringe ein bisschen gar kreuz und quer Icon_wink
Bisher bin ich jedenfalls sehr zufrieden mit dem Buch, ich lese es gern. Atmosphärisch und mit liebevollen Details, liebevollen Bildern und immer wieder ein bisschen Witz eingestreut.


/edit: Oh, mondi! Schön, dass du wirklich dabei bist. Icon_smile
Dass du krank bist, ist weniger schön - gute Besserung! *Weihnachtstee spendier*

Ich bin ein Fragezeichen
kein Punkt
- Rose Ausländer -

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Beitrag #12 |

RE: weihnachtlicher Lesekreis: Eine Weihnachtsgeschichte
Hallo zusammen,

freue mich über euren ausführlichen Rückmeldungen! Fein! *händereib* Dann mal los ...

LadydesBlauenMondes schrieb:in meiner ausgabe heisst die geschichte nämlich "weihnachtslied" und nicht "weihnachtsgeschichte". Da hat es dann für mich gepasst, dass es mit der ersten strophe beginnt und nicht mit dem ersten kapitel. vllt ist das tatsächlich ein übersetzungsfehler, der immerwieder übernommen wurde. keine ahnung. ich hab mir mal verschiedene werkeverzeichnisse von dickens angeschaut und da heisst es immerwieder "weihnachtslied".
=> Das mit dem Lied ist allerdings eigenartig und ich sehe keinen wirklichen Grund. Anscheinend hat es aber eine, vom Autor wohl beabsichtigte, Richtigkeit.
Mondenschein schrieb:Erste Strophe --- bei meiner englischen version wird das kapitel "Marley's Ghost" mit "Stave One" betitelt, also wirklich "Erste Strophe". und ja, ein christmas carol ist ein weihnachtslied ^^ es kommen ja dann auch die kinder vorbei die ihre weihnachtslieder singen...
=> für mich keine ausreichende Begründung. Icon_wink
(Mondenschein! Wie schön dich dabei zu wissen! *freu freu freu*)

LadydesBlauenMondes schrieb:details find ich, sind schon drin. z.b. fällt mir der weiße schal ein von dem armen kommis der da frieren und arbeiten muss. charakterlich wird eigentlich nur näher auf diesen neffen eingegangen, der scooge zum abendessen einladen will. da wurde dann schon deutlich das dieser eine "frohnatur" ist, eben genau das gegenteil von scrooge. ansonsten an beschreibungen hab ich den eindruck, dass nur das wichtigste beschrieben wird, z.b. der türklopfer der plötzlich aussieht wie marley und auch die kette des geistes. genauso ist es bei den charakteren. scrooge ist der wichtigste, also wird der auch am meisten charakterisiert.
=> Eben. "Nur das Notwendigste" ist mir bei einer Weichnachtsgeschichte fast ein bisschen zu wenig. Ich hätte mir etwas tiefer gezeichnetes vorgestellt. Natürlich sind da genug Grundzüge vorhanden, über die ich nicht meckern will.
So long.
- mir ist es aber trotzdem zu wenig. *lach*

LadydesBlauenMondes schrieb:ansonsten muss ich zum stil sagen, dass ich mich beim lesen arg darauf konzentrieren musste, weil er doch manchmal recht umständliche sätze bildet. was einfach dadurch bedingt ist, dass wir uns in einer ganz anderen zeit befinden.
=> Mit dem Stil komme ich eher schwer klar. Auch ich hab das Problem, das ich mich extrem konzentrieren muss das irgendwie ordentlich und in einem Guss zu lesen. Die Sätze sind verschachtelt und irgendwie schmeißt es mich immer wieder aus dem Konzept.

LadydesBlauenMondes schrieb:an dieser stelle muss ich grade mal erwähnen, dass hier auch meine lieblingsstelle ist: der dialog mit dem neffen. dieses: "sie haben doch keinen grund mürrisch zu sein, sie sind reich genug." ist eine geniale antwort und an dieser stelle gehen scrooge dann die argumente aus und er sagt nur noch wie ein kleines, trotziges kind: "guten abend!"Icon_smile
=> Stimmt! Das war eine schöne Stelle. Überhaupt hat mir der Dialog mit dem Neffen fast noch immer am Besten gefallen.

LadydesBlauenMondes schrieb:Entspricht das Buch eigentlich euren Erwartungen?
Ich meine den plot kennt man doch schon: geizhals trifft auf geister die ihm sein leben zeigen und ändert sich dann. soweit war mir die geschichte schon bekannt. was mich dann aber überrascht hat, war das sein freund marley offenbar an weihnachten gestorben ist und er deshalb dieses fest nicht mehr leiden kann. irgendwie muss diese gefühlskälte ja begründet werden. aber ich denke mal, da erwartet uns noch mehr.
ich bin auch von scrooges charakter überrascht. ich dachte da echt einen knallharten geizhals vorzufinden. aber schon im ersten kapitel wird er "weich" und gibt seinem kommis einen tag frei.
=> Mir geht es da ähnlich wie dir. Ich habe mir Scrooge auch ganz anders vorgestellt. Um ehrlich zu sein, bin ich von dem Buch und seinem Aufbau ein wenig enttäuscht. Ich hatte zwar mit Kürze gerechnet, aber mir geht das alles ein wenig gar zu schnell. Hätte gerne viel mehr aus Scroogs Leben gesehen bevor er sich so verändert. Das meine ich auch mit weiter, weiter! - mir fehlt das "Zeit lassen" und die doch tiefgehende Ausführlichkeit. Gerade das bietet sich bei dem Buch doch sehr an.

LadydesBlauenMondes schrieb:sternchen hat es ja auch schon mit den "gruseligen" bildern angsprochen, aber spätestens als marleys geist auftauchte, dachte ich mir, dass das ganz schön schaurig ist und man das einem kind eigentlich nicht vorlesen kann. die geister sind schon sehr schaurig dargestellt. nichts von wegen: wenn du tod bist kommst du in himmel, eher: dich erwartet die hölle!
=> Also von mir ein klares Nein! Ich würde es keinem Kind vorlesen. Dazu ist das ganze ein wenig zu schaurig. Erinnert mich an die Zeiten, wo man noch mit der Rute auf die Fingern geschlagen hat. Immer schon frontal in der Erziehung und mit ein wenig (?) "Nachdruck".

LadydesBlauenMondes schrieb:erstmal mit dickens sprache und dann aber auch mit der szernie. kohlefeuer, talgkerzen, pferdeleichenwagen ... es ist für den leser schon eine reise in die vergangenheit, in das london des 18. jahrhunderts. ich find das ja richtig spannend, wenn man mal auf diese szernie achtet und auf die wörter die damals benutzt wurden: ich mag den materialwarenhändler!
=> Mir gefallen Zeitsprünge immer sehr gut, auch und vor allem bei solchen Büchern. Kann ich gerne und lange lesen! Icon_smile

Mira schrieb:Das ist kein Kinderbuch
Für ältere Kinder schon eher, und es wird auch recht oft als Jugendtheaterstück inszeniert (habe da mit 10 oder so eine Inszenierung gesehen, die ich recht mochte), aber ein Kleinkindervorlesebuch ist es unter Garantie nicht. Dickens schrieb es als Groteske, und sein Humor zielt für mich eindeutig auf erwachsenes Publikum ab.
=> Damit musst du wohl oder übel recht haben. Wie ich weiter oben Lady schon sagte finde ich es für Kinder nämlich ziemlich ungeeignet. Auch der Humor (wenn ab und an vorhanden) wäre mindestens für wirklich Kleinere kaum verständlich.

Mira schrieb:Apropos Humor, auf den möchte ich wirklich noch zu sprechen kommen. Wie fandet ihr ihn? Spricht er euch an? Ich musste gar nicht so selten herzlich Lachen, das gebe ich gerne zu!
=> *hust* Von viel Lachen kann gar keine Rede sein. Wenn ich englisch besser verstehen könnte, dann wäre ich froh, deine Lache nachvollziehen zu können. Lächeln musste ich über seine Art alles von sich abzuwimmeln. Ich mag die schroffe Art von Scrooge eigentlich schon.

Mira schrieb:Zitat:“What right have you to be merry? what reason have you to be merry? You’re poor enough.”
“Come, then”, returned the nephew gaily. “What right have you to be dismal? what reason have you to be morose? You’re rich enough.”
Scrooge having no better answer ready on the spur of the moment, said, “Bah!” again; and followed it up with “Humbug.”
=> Ja, die Stelle mochte ich auch *wiedererkennt*

Mondenschein schrieb:(kurz deswegen, weil ziemlich krank und müde)
=> Gute Besserung!

Mondenschein schrieb:ich hab das buch ja schon mal gelesen, für meine englisch matura, weil charles dickens mein spezialgebiet war, und finde es auch beim mehrmaligen lesen nicht langweilig.
=> "Spezialgebiet" *ehrfürchtig guckt* Ist ja toll, dass wir einen Experten unter uns haben. Icon_smile

Mondenschein schrieb:achja, illustrationen oder bild-cover hab ich auch keines. aber das macht nix, denn die bilder von einer ziemlich alten disney-verfilmung spuken ab und zu in meinem kopf rum *g*
=> Die hab ich auch noch schwach im Kopf und ich weiß, dass ich sie sehr mochte! Icon_smile

Mondenschein schrieb:was gibt es noch zu sagen... ja, dickens erzählstil kann man oft als kindlich missverstehen, aber bei den sachen die ich sonst noch von ihm gelesen hab, ist der stil genauso. und das sind keine kinderbücher. ich find seinen stil aber sehr angenehm. überfordert einen nicht, ist schön bildhaft und fließt vor sich hin.
=> Wie schon oben bei Lady erwähnt komme ich mit dem Stil nicht gaaaanz so gut klar. Ich kann nicht genau sagen woran das liegt, aber insgesamt muss ich mich extrem bemühen so ohne zweifach lesen drüber zu kommen. Es sind an manchen Stellen schon längere, teilweise auch verschachtelte Sätze drin und ich glaube damit habe ich meine Probleme, wenn es um Beschreibungen geht. Es wird mir zu umständlich.

Mira schrieb:Findest du? Das wundert mich. Ich sehe hier zum Teil eine sehr liebevolle Gestaltung der Details und der Charaktere, vielleicht nicht unbedingt sehr ausführlich, aber aussagekräftig. Allein wie die Tänzer eintreten (die Szene des Weihnachtsfestes bei Mr. Fezziwig) ... Aber auch seine Schwester wir in wenigen Sätzen charakterisiert, seine ehemalige Freundin, er selbst.
Dem Kritikpunkt kann ich mich also nicht anschließen. Ich frage mich sogar, ob du vielleicht eine gekürzte Variante in den Händen hältst *g*
=> Vielleicht liegt es an meinen Schwierigkeiten mit dem Stil. Ich muss mich schon sehr anstrengen und genießen tue ich eigentlich hauptsächlich die Dialoge, die mir schon sehr gefallen. Eben auch wegen des Witzes und dann auch dem Ernst, der Ernüchterung. Die Sätze sind, wenn es um Beschreibungen geht meist lang und verschachtelt, das wirkt bei mir absolut nicht. Daher bin ich auch etwas unzufrieden mit den da wirken sollenden Beschreibungen. Ingesamt gesehen, liegt es aber vielleicht daran, dass ich mir "Ausführlichkeit" erwartet hab. Die Erfahrung hat mir gelehrt das meist bei älteren Büchern da nicht gerade gespart wird. Kurz und aussagekräftig? - Für mich leider nicht optimal. Icon_wink

Mira schrieb:Nun, ich würde nicht sagen, dass ihm wirklich bleibend die Augen geöffnet worden sind. Zweimal hat er das Gesehene spontan auf seine Gegenwart umgelegt und bereut, aber ich denke, wenn die nächsten beiden Geister nicht nachhaken würden, würde er das alles schnell wieder in sich vergraben - so hat er es scheinbar ja schon längst gemacht - und zum Alltag zurückkehren. Mit dem bekannten "Humbug!" auf den Lippen.
=> Da muss ich dir recht geben. So kann’s sein, hört sich auch sehr einleuchtend an. Vielleicht ist Scrooge tatsächlich so und versucht das ganze später erst recht besser zu ersticken. Unter diesem Punkt betrachtet, sehe ich es weniger kritisch.

Mira schrieb:Und was findet ein einsamer, geiziger, geldgieriger Mann noch an Weihnachten? Fühlt er sich doch von der Welt verlassen und kehrt ihr als trotzige Reaktion ebenfalls den Rücken zu.
=> Das Scrooge Weihnachten nicht leiden kann finde ich allerdings aus den genannten Gründen fast schon logisch. In dem Buch, so kommt es mir vor, soll er ja auch nicht unbedingt bekehrt werden Weihnachten zu lieben, sondern gutherzig zu sein und den Leute um sich herum zu helfen.

Entgegen dem wohl derzeitigen Anschein mag ich das Buch aber auch sehr gerne. Meine Kritikpunkte bleiben, obwohl ich manches durch eure Augen dann doch noch anders sehe, für mich aber erhalten. Die beziehen sich was Stil betrifft und Beschreibungen aber doch schon sehr auf Geschmack. Ingesamt ein gutes Buch und ein nettes Schmankerl mit unscheinbaren, aber heftigen Tiefgang. Ich bin gespannt, was einem da weiter erwartet. Zwar kenne ich die grobe Handlung natürlich schon, aber die Details sind in dem Fall, vor allem Scrooge weitere Reaktionen, schon sehr interessant.
[Bild: smilie_les_054.gif]

lesende Grüße,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
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Beitrag #13 |

RE: weihnachtlicher Lesekreis: Eine Weihnachtsgeschichte
hallo zusammen,

wie schön, das wird ja eine muntere diskussion. Icon_smile

Mira schrieb:Apropos Humor, auf den möchte ich wirklich noch zu sprechen kommen. Wie fandet ihr ihn? Spricht er euch an? Ich musste gar nicht so selten herzlich Lachen, das gebe ich gerne zu!

ich mag diesen humor auch. eigentlich ja eine ernste geschichte, aber so ab und zu mal, doch richtig lustig. hab grad noch eine meiner lieblingsstellen gefunden:

2. Strophe schrieb:Alles, was er bemerkte, war, daß es noch sehr neblig und sehr kalt war, und daß man nicht den Lärm hin und her eilender Leute hörte, was doch gewiß vernehmbar gewesen wäre, wenn Nacht plötzlich den hellen Tag vertrieben und von der Welt Besitz genommen hätte. Das war ein großer Trost, weil Bedingungen wie "Drei Tage nach Sicht bezahlen Sie diesen Primawechsel an Mr. Ebenezer Scrooge oder dessen Order" und so weiter bloße Vereinigte-Staaten-Sicherheiten wären, wenn es keine Tage mehr gab, um danach zu zählen.

sehr super! gerade festgestellt, dass die welt doch nicht untergegangen ist und beruhigt darüber das die Einzahlungsfristen noch kontrolliert werden können. Mrgreen

mondi schrieb:melde mich auch kurz zu wort (kurz deswegen, weil ziemlich krank und müde)

schön das du da bist! gute besserung!

mondi schrieb:übrigens find ich den neffen irgendwie toll ^^ der hat so einen grantigen onkel und versucht trotzdem ihn zu überreden mit seiner familie weihnachten zu feiern. der gibt einfach nicht auf und bleibt immer höflich *g* ich wär da nicht mit so viel durchhaltevermögen gesegnet *lach*

den mochte ich auch. aber auch sein verhalten ist "überzeichnet" wie du es so schön ausgedrückt hast. er ist eben das genaue gegenteil seines onkels. Icon_smile

Mira schrieb:Nun, ich würde nicht sagen, dass ihm wirklich bleibend die Augen geöffnet worden sind. Zweimal hat er das Gesehene spontan auf seine Gegenwart umgelegt und bereut, aber ich denke, wenn die nächsten beiden Geister nicht nachhaken würden, würde er das alles schnell wieder in sich vergraben - so hat er es scheinbar ja schon längst gemacht - und zum Alltag zurückkehren. Mit dem bekannten "Humbug!" auf den Lippen.

nun, als sternchen angemerkt hatte, dass er ja recht schnell zusammengebrochen ist, musste ich ihr schon ein bisschen rechtgeben. wie gesagt hier liegt die spannung für mich darin, ob das ganze auch wirkung zeigt. und da kann ich mich dir jetzt anschließen. ich denke er wird schon selbst gemerkt haben, wie es mit seinem leben langsam "bergab" ging, z.b. dort wo sich seine verlobte von ihm trennt und wird vllt noch versucht haben, sich zu ändern. das hat dann nicht funktioniert und er wird das aufgegeben haben. (vermute ich jetzt einfach mal so) deshalb ist es vllt ganz gut, dass er diesen tag zwischen marley und dem ersten geist verschlafen hat, sonst hätte er das von marley aufgewühlte schon wieder verdrängt.

Mira schrieb:Soweit ich das herausgelesen habe, war er schon lange gefühlskalt bzw. auf dem Weg zur Gefühlskälte, bevor Marley gestorben ist - mit dem ihn ja auch nicht unbedingt die ultimative Freundschaft zu verbinden schien. Eher sehe ich die Begründung in seiner Kindheit, als er Weihnachten gar nicht zuhause feiern durfte ... so etwas prägt. Ich kann mir gut vorstellen, dass man da einen gewissen unterschwelligen Hass auf das Fest entwickelt.

na klar hatte er diesen weg schon vor marleys tod eingeschlagen. aber das merkt man eben erst in der zweiten strophe, bis man die traurige kindheit sieht. zumindest ging es mir so. ich denke, da kommt eben vieles zusammen.
über die freundschaft mit marley bin ich mir noch nicht so ganz klar. ich hatte da schon das gefühl, dass die tiefer ging, weil er den firmennamen behalten hat und in seinen räumen wohnt. das kann aber natürlich auch nur aus geiz sein.

sternchen schrieb:Ich hatte zwar mit Kürze gerechnet, aber mir geht das alles ein wenig gar zu schnell. Hätte gerne viel mehr aus Scroogs Leben gesehen bevor er sich so verändert.

also ich fühle mich beim lesen nicht "gehetzt". noch mehr aus scrooges aktuellen alltag werden wir bestimmt noch vom "geist der gegenwärtigen weihnacht" erfahren, nehme ich an. die erste strophe ist ja nur die "einleitung" für die drei geister, die dann das wichtige zeigen. so seh ich das jedenfalls im moment. Icon_wink

Sternchen schrieb:In dem Buch, so kommt es mir vor, soll er ja auch nicht unbedingt bekehrt werden Weihnachten zu lieben, sondern gutherzig zu sein und den Leute um sich herum zu helfen.

ich denke auch, dass es grundsätzlich um die gutherzigkeit, mitgefühl gegenüber anderen usw. geht. für mich steht weihnachten in dem zusammenhang, symbolisch. außerdem sind seine "missratenen" weihnachten sehr geschickt als begründung genutzt. Icon_wink

so und jetzt bin ich auf die dritte strophe gespannt, gestern kam ich nicht dazu weiterzulesen.

lg

Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #14 |

RE: weihnachtlicher Lesekreis: Eine Weihnachtsgeschichte
Hallo zusammen,

fest entschlossen dem Schweigen in diesem Thread die Tür zu weisen, kommt heute Abend der von mir vorbereitete Beitrag. (Leider zuhause am PC abgespeichert).
Es ist aber natürlich erlaubt (auch immer gewesen) ohne jenem munter und fröhlich zu quasseln. Scrooge will schließlich sicherlich nur ungern warten. Icon_wink

Hoffe es haben alle weiter gelesen und sich von dem Weihnachtsstress nicht zu sehr packen lassen.

weihnachtliche Lesekreisgrüße,
Sternchen

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Beitrag #15 |

RE: weihnachtlicher Lesekreis: Eine Weihnachtsgeschichte
Hallo zusammen,

so und nun endlich zum weihnachtlichen Lesekreis. Voran einmal eine groß ausgefallene Entschuldigung für diese Verspätung. Mein Krankenstand und Miras (vermutlich durch Weihnachtsstress bedingte) Vergesslichkeit haben ihren Teil dazu beigetragen, über Dickens erst verspätet plaudern zu können.
Was uns aber hoffentlich nicht die Freude daran nimmt. Icon_wink

Zu lesen waren zwei Strophen. Der Geist der heurigen und der Geist der künftigen Weihnacht besuchen unseren alten Scrooge, der mir persönlich schon sehr ans Herz gewachsen ist. Anfänglich konnte ich mit der Erzählweise nicht sehr viel anfangen, das hat sich nun aber beinahe schon in Begeisterung gewandelt. Mit der zweiten Strophe waren viele Beschreibungen dabei und vor allem lebendige Beschreibungen vom Innenleben des alten Kauzes. Inzwischen denke ich nie, dass Scrooge jemals ein schlechter Mensch war, mit bösen Absichten und volltriefender Arroganz. Für mich ist er rückblickend eher gedankenlos gewesen. Ohne genau nachzudenken, oder Genuss zu schätzen - was er anscheinend nie gelernt hatte - einfach durch das Leben gewalzt.
Durch den Geist der heurigen Weihnacht hat er, wie es scheint, die Schönheit des Weihnachtsfestes entdeckt und mitleiden gelernt. Vor allem, alles es um den kleinen Tim geht. - Da stand sein Herz ja förmlich in Feuer. Schön und berührend war wieder einmal der Neffe und seine Einstellung, bzw. Güte Scrooge gegenüber. Ich finde ihn sehr warmherzig und wirklich nett. Was mich ein wenig gestört hat, aber für ein Märchen natürlich akzeptabel ist: überall ist Weihnachten der Inbegriff von Güte und herzhaften Lachen. Der Geist der heurigen Weichnacht führt Scrooge von einem zum nächsten und überall, herrscht Friede. Gut, das liegt auch am Weichnachtszauber, ... zugegeben, aber es ist halt schon ziemlich malerisch aufgefallen.
Der Geist der künftigen Weihnacht hat dann wunderschön Salz in die bereit geöffneten Wunden gerieben. Das Ding mit dem Grab ist recht heftig und allerspätestens hier hätte ich, dem Kind das Buch vor der Nase weggezogen. Das Spiel mit der Angst vorm Tod und die Herabsetzung der Menschen für Scrooge, ist schon ziemlich prägend. Trotzdem toll und wirklich schön beängstigend gewesen. Verwundert hat mich sogar die Herabsetzung Scrooges Finanzkollegen, aber gut, einem Sparfuchs lieben die vermutlich in ihrer Mitte eher nicht. Verständlich irgendwie, vor allem wenn der auch noch Grummelig ist.

Mir gefällt das Büchlein inzwischen wirklich sehr sehr gut. Icon_smile
Wie gefällt es euch? Gibt es Dinge, die ihr recht unmöglich fandet, oder konnten die Seiten weiterhin begeistern und ihren Charme wirkungsvoll versprühen?

Liebe Grüße,
Sternchen


Bis nächsten Montag zu lesen wären dann die Strophe "Das Ende vom Lied" und das nicht auszulassend wollende "Nachwort" zu lesen. Viel Spaß, ich freu mich schon auf nächsten Montag und das Ende des Buches - bin schwer gespannt. (Obwohl ich ja schon weiß, was passiert wird - trotzdem ...)

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Beitrag #16 |

RE: weihnachtlicher Lesekreis: Eine Weihnachtsgeschichte
hallo liebe lesenden,

Zitat:Inzwischen denke ich nie, dass Scrooge jemals ein schlechter Mensch war, mit bösen Absichten und volltriefender Arroganz. Für mich ist er rückblickend eher gedankenlos gewesen. Ohne genau nachzudenken, oder Genuss zu schätzen - was er anscheinend nie gelernt hatte - einfach durch das Leben gewalzt.

schön, dass du dich mit der erzählweise angefreundet hast. Icon_smile
ja, inzwischen haben wir scrooge besser kennengelernt, gezeigt bekommen, dass er ein mensch mit allen facetten ist und nicht nur der böse, arrogante geizhals. ich denke auch, dass er das "zwischenmenschliche" einfach nie kennen gelernt hat. er musste sich von kindheit an immer durchs leben kämpfen, meistens allein. sonst hätte auch die erinnerung an das weihnachtsfest bei seinem lehrmeister nicht so eine emotionale reaktion ausgelöst.

der geist der diesjährigen weihnacht ist natürlich der inbegriff von friede und freude. die weihnachtsphilosophie ist wirklich klassisch dargestellt, familie, freude und menschlichkeit, das wichtigste überhaupt. eine recht einfache botschaft, aber warum nicht? in einer weihnachtsgeschichte darf es auch ruhig mal so kitschig zugehen. hauptsächlich beobachten wir ja in diesem kapitel scrooges kommis bob chratchit und seine familie besonders den kleinen tim. auch das ist ziemlich malerisch dargestellt, tim hat eine tödliche krankheit, die familie ist ziemlich arm, aber trotzdem glücklich. und scrooge reagiert sehr emotional mit reue und schmerz auf die nachricht, dass der kleine sterben wird. gleichzeitig kriegen wir aber auch gezeigt, was für ein schrecken scrooge für seine mitmenschen ist, die erwähnung seines namens drückt die stimmung jedesmal gewaltig und irgendwie hat er mir da schon leid getan, weil er inzwischen ja schon reue und schuld gezeigt hat.

den geist der zukünftigen weihnacht finde ich am gruseligsten. seine gestalt ist das genaue gegenteil des vorherigen geistes, dunkel und schattenhaft. mir war ziemlich schnell klar, dass er scrooge seinen eigenen tod zeigen will. dieser kapiert das aber sehr spät. ich glaube ja, das ist so eine art "nicht wahr haben wollen", da zeigt sich dann, dass er es immer noch gut versteht, die realität zu verdrängen und sich in seine eigene welt zurückzuziehen. ich finde das auch sehr drastisch dargestellt, mit den räubern und dem leichnam der unbeachtet in seinem bett liegt. scrooge begreift zwar, das der geist ihm zeigen will, das sein eigenes leben auch so aussehen könnte, aber auf die idee, dass dies seine eigene zukunft ist, kommt er nicht. aber dann als sie zum grabstein kommen, verspricht er schon besserung. bei so drastischen besserungsmaßnahmen auch nicht weiter verwunderlich. besonders das alle entweder froh über seinen tod ist, oder ihnen ist es egal. ich glaube das würde jeden zum undenken zwingen.

ich mag scrooge inzwischen und auch die geister find ich sehr faszinierend. der zweite geist, das sprühende leben überall frieden und glück verbreitend und der letzte geist, eine art tod, dunkel und gruselig, aber auch er scheint nicht emotionslos zu sein, auf dem friedhof scheint er auch zu schwanken.

insgesamt gefällt es mir nach wie vor sehr gut. ich freu mich schon auf die letzten kapitel.

lg

Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #17 |

RE: weihnachtlicher Lesekreis: Eine Weihnachtsgeschichte
Hallo zusammen,

... und guten Abend. *Theatralisch wirkend nach Mondenschein und Mira Ausschau hält.* Dickens hat euch zu stark beansprucht und euch sprachlos gemacht? Mrgreen

Ich würde mich über eure Beiträge freuen, bzw. über ein kurze Rückmeldung, wie es euch gefallen hat, bevor wir mit dem Ende und Nachwort beginnen. Morgen nehme ich dann aber keine Rücksicht mehr auf Verluste. Icon_wink

Und wenn wir schon dabei sind:
Lady schrieb:ich denke auch, dass er das "zwischenmenschliche" einfach nie kennen gelernt hat. er musste sich von kindheit an immer durchs leben kämpfen, meistens allein. sonst hätte auch die erinnerung an das weihnachtsfest bei seinem lehrmeister nicht so eine emotionale reaktion ausgelöst.
=> Ist wohl so. Ja. Überhaupt sehe ich in Scrooge, auch auf das Ende schon bezogen, sehr viel verborgenes Potenzial für Menschlichkeit und Gefühl.

Lady schrieb:die weihnachtsphilosophie ist wirklich klassisch dargestellt, familie, freude und menschlichkeit, das wichtigste überhaupt. eine recht einfache botschaft, aber warum nicht?
=> da bin ich der gleichen Meinung. Ein Märchen darf ruhig ein wenig verträumt sein und auch klare Bilder aufzeigen, damit spielen und direkt sein. Vor allem aber auch romantisch und kitschig.

Lady schrieb:finde ich am gruseligsten. seine gestalt ist das genaue gegenteil des vorherigen geistes, dunkel und schattenhaft. mir war ziemlich schnell klar, dass er scrooge seinen eigenen tod zeigen will. dieser kapiert das aber sehr spät.
=> ich mochte den Geist der künftigen Weihnacht fast schon am meisten. Ich weiß nicht, er hatte etwas sehr ausdrucksstarkes an sich. Das Scrooge nicht verstehen will - fand ich fast logisch. Das er ihm seinen eigenen Tod zeigen wollte, wusste ich noch von früher. Schad. Ich hätte gerne ohne Vorwissen gelesen, wäre (noch) interessanter und spannender gewesen.

Lady schrieb:ich mag scrooge inzwischen und auch die geister find ich sehr faszinierend. der zweite geist, das sprühende leben überall frieden und glück verbreitend und der letzte geist, eine art tod, dunkel und gruselig, aber auch er scheint nicht emotionslos zu sein, auf dem friedhof scheint er auch zu schwanken.
=> Stimmt, da hast du recht. Der war nicht so unbekümmert, wie er tat. Ich schließe mich an - faszinierend.

Morgen mehr dazu und dann endlich zum Ende. Ich würde mich freuen, wenn unsere Nachzügler noch ein paar Worte finden würden. Icon_smile Hoffe das geht sich bis morgen aus zu diesem Kapitel, damit wir da nicht durcheinander kommen.

Liebe Grüße,
Sternchen

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Beitrag #18 |

RE: weihnachtlicher Lesekreis: Eine Weihnachtsgeschichte
Hallo zusammen,

das "morgen" ist leider vorbei und der Weihnachtsstress jetzt hoffentlich ebenso. Am Freitag bin ich wieder zurück aus dem Urlaub. Hier noch einmal die Erinnerung an Mira und Mondenschein - Dickens nicht völlig zu vergessen.
- geht sicherlich nicht (... wurde wohl nur verdrängt Icon_wink )

Liebe Grüße,
Sternchen

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Beitrag #19 |

RE: weihnachtlicher Lesekreis: Eine Weihnachtsgeschichte
Hallo zusammen,

endlich zum Abschluss dieses Buches. Wenn auch spät, aber doch. Es war ein wirklich sehr nettes, kurzweiliges Buch, das am Ende, zwar nicht überraschend, aber doch überwältigend war, zumindest auf der Emotionalen Seite.

Scrooge erwacht in seinem Bett mit dem Satz: "Ich will die Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft leben!" - Was für eine Aussage. Könnte schon fast ein Lebensmotto werden. *lach*
Ich hab so gelächelt mit Scrooge. Scrooge der herumgelaufen ist wie ein Verrückter vor lauter Glück. Der sogar ein Töpfchen mit Hafergrütze belächelt hat. Es schrammte schon fast am Lächerlichen entlang und trotzdem hab ich es mit Wohlwollen gelesen. Trotz Kitsch, trotz einem hintergründigen Stirnrunzeln, ... es war einfach Herz dahinter. Hört sich jetzt komisch an, oder? Naja, macht nichts. Eigentlich ist es recht fein, zu lesen, mit den Augen zu rollen und sich gleichzeitig zu freuen. Mrgreen
Ging es euch eben so, oder fandet ihr das Glück am Ende vielleicht doch ein wenig übertrieben?

Eine Stelle die ich sehr gerne mochte in dieser Situation: "Aber wenn er sich die Nasenspitze abgeschnitten hätte, würde er ein Stück Heftpflaster darüber geklebt haben und wäre ganz zufrieden gewesen." - *lächelt*
Im Grunde erleben wir die Vollendung von Scrooge. Ein langer Weg, vom unleidlichen Grobklotz zum strahlenden Glück schlecht hin. Was anfangs für mich schwer war zu lesen, wurde Stück für Stück zu einem interessanten Märchen, mit einem moralischen Ende. Auf der einen Seite schwimmt eine ganze Menge "Weisheit" mit, die es sicherlich wert ist, im Form eines Märchens, erzählt zu werden. Dennoch, ich bleib dabei. Absolut nichts für Kinder.

Zum Nachwort ...
... über Charles Dickens Leben zu lesen, lässt zwar kein wirklich "anderes" Licht auf sein Werk scheinen, aber es macht es für mich umso glaubhafter. Ich finde seinen Weg eigentlich ziemlich bewundernswert und bin mir sicher, dass er im Buch auch wusste, über was er schreibt. Etwas nachhaltig zu verbessern, schien ihm am Herzen gelegen zu sein. Zwar ist sein Buch, als Märchen, nicht unbedingt nachhaltig, doch macht es nachdenklich für Momente.

Fazit: Rückblickend betrachtet gab es beim Lesen für mich Höhen und Tiefen. Anfangs war es mir selbst zu wenig ausführlich, der Eindruck hat sich aber gewandelt. Die 140 Seiten sind angenehm zu lesen und im Grunde schnell verschlungen, wenn man es möchte. Mir persönlich wäre es lieber gewesen, kein Märchen sondern sogar ein Buch über den alten Scrooge zu lesen. Ich fände, eine gewisse Ausführlichkeit, auch in der Handlung, hätte gut getan, um Scrooge noch ein wenig zu vertiefen. - Was nicht heißen soll, dass die Geschichte oder Personen flach gestaltet sind. Im Gegenteil. Mit der Zeit entwickelt sich ein Tiefgang, der Scrooge langsam als einen Mann enttarnt, der nie wirklich absichtlich schlecht und böse war. Eher unerfahren im Umgang mit Menschen.
Unerfahren im Glück.

Ein Weihnachtsmärchen, wie ich es wohl ab jetzt jedes Weihnachten einmal lesen möchte.
Prädikat für mich: sehr wertvoll.

Ich bedanke mich hier einmal herzlich für die Teilnahme. Ich hoffe, ihr hattet trotz aller Verzögerung Spaß und ein fröhliches, stimmiges Weihnachtsfest, so wie Scrooge es am ersten Tag seines neuen Lebens es euch gewünscht hätte. Icon_wink

Liebe Grüße,
Sternchen

( ... die gespannt auf Meinungen wartet)

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
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Beitrag #20 |

RE: weihnachtlicher Lesekreis: Eine Weihnachtsgeschichte
hallo sternchen,

ich bin mal gespannt, wann sich unsere nachzügler mal sehen lassen. Icon_smile

Zitat:Es war ein wirklich sehr nettes, kurzweiliges Buch, das am Ende, zwar nicht überraschend, aber doch überwältigend war, zumindest auf der Emotionalen Seite.

hier stimme ich dir vollständig zu.

Zitat:Es schrammte schon fast am Lächerlichen entlang und trotzdem hab ich es mit Wohlwollen gelesen. [...] Ging es euch eben so, oder fandet ihr das Glück am Ende vielleicht doch ein wenig übertrieben?

ich fand es auch ein klein wenig übertrieben, aber wenn ich jetzt genauer drüber nachdenke, find ich es nachvollziehbar. wenn man bedenkt das scrooge jahrzehntelang keine solche freude, kein solches glück gespürt hat. es wird sich einfach in ihm aufgestaut haben, keinen grund gehabt haben hervorzukommen und jetzt bricht es einfach aus ihm heraus. so versteh ich das jetzt jedenfalls rückblickend. auf der anderen seite gehören solche überschwenglichen emotionen einfach zu dickens schreibweise. (inzwischen hab ich nämlich noch drei weitere geschichten von ihm gelesen.) da passt auch das ende ganz gut, das sagt, dass er von jetzt an bis zu seinem ende, so fröhlich lebt. sowas lässt leider keine weiteren spekulationen zu, sonst wäre ich vllt noch dazu gekommen, dass er sich nur an den weihnachtstagen so nett verhält und sobald der alltag wieder einkehrt, er wieder zurück fällt in sein altes muster.

Zitat:Eine Stelle die ich sehr gerne mochte in dieser Situation: "Aber wenn er sich die Nasenspitze abgeschnitten hätte, würde er ein Stück Heftpflaster darüber geklebt haben und wäre ganz zufrieden gewesen." - *lächelt*

als ich die stelle gelesen hab, hab ich noch gedacht: das ist wieder eine dieser witzigen stellen, die die mira so schön findet. Mrgreen die unterstreicht natürlich perfekt scrooges gefühlslage, nach dem motto: was ist schon so ein bisschen körperlicher schmerz, gegen dieses große glück, was er jetzt spürt?

Zitat:Ich finde seinen Weg eigentlich ziemlich bewundernswert und bin mir sicher, dass er im Buch auch wusste, über was er schreibt. Etwas nachhaltig zu verbessern, schien ihm am Herzen gelegen zu sein.

das denke ich auch. die familie scheint wirlich alle situationen des lebens durchgemacht zu haben. zunächst hat die familie anscheind doch einen "relativen wohlstand" besessen, dann sind sie so verarmt das charles seine schulausbildung unterbrechen musste. bis er dann später sogar zeitschriften herausgebracht hat, sich also wieder hochgearbeitet hat. (sogar soweit das er jede menge reisen unternommen hat). find ich auch bewundernwert und ich denke, genau dieser lebensweg ist es, der die geschichten so glaubhaft macht, sowohl die darstellung der armen, als auch der reichen.
ach ja: in dem zusammenhang hab ich gelesen, dass weihnachten zu beginn des 19. jahrhunderts völlig aus der mode gekommen war. vllt war das eine der intentionen. den die weihnachtegeschichte ist ja 1843 erschienen. (wo ist unsere dickens expertin?)Icon_wink

Zitat:Mir persönlich wäre es lieber gewesen, kein Märchen sondern sogar ein Buch über den alten Scrooge zu lesen.

ich denke vom genre her, muss man schon als "märchen" bezeichnen. man erfährt genau soviel, wie man muss. wobei rückblickend hätte man tatsächlich noch tiefer in die vergangenheit einsteigen können, besonders in die kindheit. vllt sollte es ein bisschen die fantasie des lesers anregen. oder es war einfach teurer dicke bücher zu drucken, da die meisten geschichten ja doch in zeitungen/zeitschriften veröffentlich wurden. Icon_wink

Zitat:Ich hoffe, ihr hattet trotz aller Verzögerung Spaß und ein fröhliches, stimmiges Weihnachtsfest, so wie Scrooge es am ersten Tag seines neuen Lebens es euch gewünscht hätte.

der lesekreis hat mir wirklich spaß gemacht und mich dazu gebracht diesen klassiker endlich mal zu lesen, dazu noch eine silvestergeschichte von dickens, die optimal in die nachweihnachtszeit gepasst hat. daher war unsere zeiteinteilung optimal. Icon_smile

lg
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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