Es ist: 23-02-2020, 07:41
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A Tribute to Living Life
Beitrag #1 |

A Tribute to Living Life
Ein ganz besonderes Stück Test, als Anlehnung an meine Postkarte und Dankeschön.


A Tribute to Living Life

Crush. Die Nacht wacht an jenem Abend über der unruhigen See. Ein nasser, frostiger Dezemberwind weht meine Haare durcheinander. Ich ziehe die Daunenjacke, die die Kälte vertreiben soll, enger um meinen zitternden Körper. Die warme Jacke schützt mich zwar vor den frostigen Temperaturen, bannt aber nicht das eisige Gefühl an Vergangenes, das mich so beben lässt. Ein Todestag, der ein Geburtstag hätte sein sollen. Die nötige Zutat, die aus heutiger Sicht völlig überflüssig war, aber damals alles unwiderruflich ins Rollen brachte. Die Nacht, die Richtungen änderte, hat sich gejährt. In einer Nacht ein Leben, hieß es – und doch änderte sie das Leben von allen. Nein, eigentlich ebnete sie nur die eingeschlagenen Wege. Begonnen hat alles eher. Vielleicht an einem Abend unter dem Motto „Wahnwitz in Tüten“. Vielleicht auch erst später, als Freunde zu Feinden und Verbündete zu Verrätern wurden. Vermutlich kann sich aber keiner von ihnen mehr daran erinnern, wann es genau begann. Irgendwann hat sich über jeden von ihnen ein Schatten gelegt, der sie immer verfolgt und nicht mehr los lassen wird. Alle sind auf der Flucht – kopflos, sinnlos. Eine unendliche Suche nach dem Ende des Flusses.

In Erinnerungen versunken, gehe ich ein Stück am Wasser entlang. Meine Schritte hinterlassen Spuren im schneenassen Sand. Irgendwo hier muss die Stelle sein. Ein Kurzschluss. Unweit vom Wasser entfernt wurden Blut und Tränen im Sand vergossen, das Weil einer Seele vernichtet. Angst wurde gesät, Verzweiflung geerntet, Schuld gegessen. Das letzte Stück Unschuld wurde ausgelöscht. Blutsbande. Unsichtbare Verbindungen wurden geschlossen, andere zerstört. Wer vertraut Mördern? Wer kann so ein Wissen für sich behalten, wenn man weiß, was man anderen damit antut?

Wie sehr ich mir doch wünsche, dass es anders gekommen wäre. Dann hätte er vielleicht hier bleiben können. Kleine Familien hätten ihr glückliches Spiel fortgesetzt und sich dennoch am Feuer, das schon viel zu stark loderte, die Finger verbrannt. Jeder hätte ein Stück Glück kosten und vielleicht sogar behalten dürfen. Aber es ist nicht so gekommen, wahrscheinlich wäre es das auch nie. Es ist, wie es ist, und alle müssen damit zurecht kommen. Auch ich, die nicht dabei war. Ich bin nur ein Zuschauer mitten im Geschehen, der Puzzle zusammen setzt, Umstände ansatzweise kennt und Gefühle versucht zu verstehen. Ich hasse und liebe die Akteure dieses „schlechten“ Films gleichermaßen und lechze nach jedem fehlenden Teil. Ich verachte die einen, misstraue den anderen und hoffe, dass sowohl die jüngsten als auch die, die beteiligt oder von den Ereignissen gewollt oder ungewollt geschnitten wurden, ein für ihre Verhältnisse normales Leben führen können.

Ich weiß, dass es bei vielen funktioniert. Sie sind wieder im Leben gestrandet, waschen ihre Hände in Unschuld und hüllen sich in Schweigen, um allen ein Leben zu ermöglichen. Die Mission Neustart hat bereits begonnen, wenn auch auf Biegen und Brechen. Jeder kämpft sich durch die Nacht und früher oder später werden alle aus dem Albtraum aufwachen und das Licht sehen, auch wenn der Schatten sie nie verlassen wird.

"Unsere Blicke folgten den Möwen. Wie sie würden auch wir irgendwie am Leben bleiben. Wie ihnen ist auch uns ein Himmel bestimmt, der uns auf ewig Zuflucht und Heimat sein wird." (die letzten Zeilen aus "Harlans Endspurt" von Patricia Nell Warren)
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Beitrag #2 |

RE: A Tribute to Living Life
Hallo, mein Shaddow,

jaaaa, erste! Das gehört sich ja wohl auch so. *hehe*
Mann, was war ich happy, als ich den Text gestern entdeckt habe. Ich strahle noch immer wie ein Honigkuchenpferd. Das ist wirklich eine große Ehre für mich, ich danke dir sehr! Ein schöner Text. Und das sag ich nicht nur, weil er für mich ist und um LL geht! Mrgreen
Du hast mir jedenfalls eine Riesenfreude gemacht. Icon_bussi

Willst du ihn eigentlich so richtig kommentiert haben? *g*
Na, ich schau mal, was sich machen lässt.

Ich fand die Atmospähre, die du aufgebaut hast, sehr eindrucksvoll, was zu einem großen Teil auch an deiner bedeutungsvollen Wortwahl liegt, die gut zu dem passt, was du geschildert hast. Aber mit Meergeschichten kann man mich ja immer gut kriegen - tief im Herzen bin ich ein Kind der rauen See.

Fehlerchen ist mir fast gar nichts aufgefallen:

Zitat:Vielleicht auch erst später als Freunde zu Feinden und Verbündete zu Verrätern wurden.
Da kommt ein Komma nach "später".
Der Satz gefällt mir übrigens sehr gut, er drückt genau aus, wie es war.

Zitat:Alle sind auf der Flucht – Kopflos, sinnlos.
kopflos

Zitat:Es ist wie es ist und alle müssen damit zurrecht kommen.
Es ist, wie es ist, und alle müssen damit zurecht kommen.

Zitat:Sie sind wieder im Leben gestrandet, waschen ihre Hände in Unschuld und hüllen sich in Schweigen, um allen ein Leben zu ermöglichen.
Ja ... Eine gelungene Formulierung.

So, ich hab natürlich geschaut, ob du tatsächlich alle Geschichtentitel untergebracht hast. *g* Nach meiner Rechnung fehlen zwei, aber ich weiß ja gar nicht, ob du alle reinbringen wolltest. *g*

Und weil dieser Text einen ganz besonderen Kommentar verlangt, habe ich schließlich noch das für dich ...


In meinen Träumen bin ich noch immer so oft hier. Die Nacht am Strand hat mich nie losgelassen, auch wenn danach noch viel mehr geschah. Doch einen Beginn vergisst man nie; er lässt mich nicht los, so wenig ich auch am Tage einen Gedanken an ihn verschwende.
Der Strand ist auch in dieser Nacht Schauplatz meiner Träume. Doch dieses Mal versteckt sich der entsetzte Junge nicht in dem alten Bootshäuschen, ungläubig und mit zitternden Fingern die schrecklichen Bilder auf die Ewigkeit bannend.
Dieses Mal stehe ich im Sand und blicke hinaus auf die tosende See. Was geschehen ist, ist bereits Vergangenheit, ist verdrängt worden von der Dunkelheit einer Zukunft, die ich mir niemals gewünscht habe, die jedoch nun Teil von mir ist, in Schattierungen, und immer sein wird.
Es ist Nacht, ein fahler Vollmond hängt träge über dem Meer. Er erleuchtet mir den Blick auf eine weit entfernte Gestalt; schmal, mit dunklen Haaren, weiblich. Geht sie an jenem Ort spazieren, der uns allen zum Verhängnis geworden ist? Wenn sie wüsste, was dieser Strand gesehen hat, welches Geheimnis dieser Sand ihr zuwispert - würde sie angstvoll und mit Entsetzen im Herzen an einen anderen Ort fliehen?
Ich drehe mich weg vom Anblick der fremden Gestalt und lasse meine Seele über die schwarzen Wasser ziehen. Mich dürstet nach dem Licht der aufgehenden Sonne, ich sehne mich nach dem Weg hinaus aus dem, was mein Leben so lange beeinflusst hat und noch immer tut.
Am Tage hat die Gegenwart Oberhand gewonnen und vergönnt mir das Leben eines normalen Menschen.
Doch im Dunkel der Nacht bin ich ruhelos.



Es war mir eine Ehre, liebes Shaddowlino,

und danke noch mal,

deine Lilly


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Beitrag #3 |

RE: A Tribute to Living Life
Hallo Lilly,

Zitat:jaaaa, erste! Das gehört sich ja wohl auch so. *hehe*
Mann, was war ich happy, als ich den Text gestern entdeckt habe. Ich strahle noch immer wie ein Honigkuchenpferd. Das ist wirklich eine große Ehre für mich, ich danke dir sehr! Ein schöner Text. Und das sag ich nicht nur, weil er für mich ist und um LL geht!
Du hast mir jedenfalls eine Riesenfreude gemacht.

Icon_bussi Icon_smileIcon_wink

Zitat:Willst du ihn eigentlich so richtig kommentiert haben? *g*
Na, ich schau mal, was sich machen lässt.
Natürlich will ich das, sonst hätte ich ihn dir einfach nur so geschickt.

Zitat:Aber mit Meergeschichten kann man mich ja immer gut kriegen - tief im Herzen bin ich ein Kind der rauen See.
Nicht nur du Icon_wink


Zitat:So, ich hab natürlich geschaut, ob du tatsächlich alle Geschichtentitel untergebracht hast. *g* Nach meiner Rechnung fehlen zwei, aber ich weiß ja gar nicht, ob du alle reinbringen wolltest. *g*

Wollte ich … welche fehlen denn? Lagerfeuer, oder? Und welcher noch?


Zitat:Und weil dieser Text einen ganz besonderen Kommentar verlangt, habe ich schließlich noch das für dich ...


In meinen Träumen bin ich noch immer so oft hier. Die Nacht am Strand hat mich nie losgelassen, auch wenn danach noch viel mehr geschah. Doch einen Beginn vergisst man nie; er lässt mich nicht los, so wenig ich auch am Tage einen Gedanken an ihn verschwende.
Der Strand ist auch in dieser Nacht Schauplatz meiner Träume. Doch dieses Mal versteckt sich der entsetzte Junge nicht in dem alten Bootshäuschen, ungläubig und mit zitternden Fingern die schrecklichen Bilder auf die Ewigkeit bannend.
Dieses Mal stehe ich im Sand und blicke hinaus auf die tosende See. Was geschehen ist, ist bereits Vergangenheit, ist verdrängt worden von der Dunkelheit einer Zukunft, die ich mir niemals gewünscht habe, die jedoch nun Teil von mir ist, in Schattierungen, und immer sein wird.
Es ist Nacht, ein fahler Vollmond hängt träge über dem Meer. Er erleuchtet mir den Blick auf eine weit entfernte Gestalt; schmal, mit dunklen Haaren, weiblich. Geht sie an jenem Ort spazieren, der uns allen zum Verhängnis geworden ist? Wenn sie wüsste, was dieser Strand gesehen hat, welches Geheimnis dieser Sand ihr zuwispert - würde sie angstvoll und mit Entsetzen im Herzen an einen anderen Ort fliehen?
Ich drehe mich weg vom Anblick der fremden Gestalt und lasse meine Seele über die schwarzen Wasser ziehen. Mich dürstet nach dem Licht der aufgehenden Sonne, ich sehne mich nach dem Weg hinaus aus dem, was mein Leben so lange beeinflusst hat und noch immer tut.
Am Tage hat die Gegenwart Oberhand gewonnen und vergönnt mir das Leben eines normalen Menschens.
Doch im Dunkel der Nacht bin ich ruhelos.

Dankeschön. Der passt einfach wunderbar. *strahl* und natürlich auch vielen Dank für dein kommentar überhaupt.


Liebe Grüße

Shaddowlino, das sich auch wahnsinnig über das kurze Textstück freut.

"Unsere Blicke folgten den Möwen. Wie sie würden auch wir irgendwie am Leben bleiben. Wie ihnen ist auch uns ein Himmel bestimmt, der uns auf ewig Zuflucht und Heimat sein wird." (die letzten Zeilen aus "Harlans Endspurt" von Patricia Nell Warren)
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