Es ist: 26-10-2020, 11:00
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Fünf Wörter Teil 5 (abgeschlossen)
Beitrag #1 |

Fünf Wörter Teil 5 (abgeschlossen)
Hallo zusammen,

langsam wird's Zeit für die nächste Runde Icon_smile.
Mira und ich haben mal zusammengelegt, das ist dabei rausgekommen:
Tretboot, Trittbrett, Motto, Herzschrittmacher, Tiefkühltruhe

Viel Spaß in der Teestube Icon_wink.
Liebe Grüße,
Libertine



Adsartha schrieb:Die Regeln sind ganz einfach:
Jeden Monat darf einer (der Sieger?) fünf willkürlich gewählte Wörter nennen. Daraus muss/darf dann eine Kurzgeschichte oder wahlweise auch ein Gedicht gebastelt werden. Die Reihenfolge, in der die Wörter dabei verwendet werden, ist egal, aber es müssen alle drin sein (Einzahl oder Mehrzahl).

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
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Beitrag #2 |

RE: Fünf Wörter Teil 5 (oder so)
Dann will ich mich mal an diesen Wörtern versuchen. Icon_ugly


Ah, kommt, setzt Euch, hört wie es einst geschah,
dass ein kleiner Schwan kaum das er ein Tretboot sah,
unsterlich der Liebe verfiel und begann,
dem kleinen Boot zu folgen dicht hintenan.

Der olle Latschenpaule, seines Zeichens Bürgermeister der Stadt,
fand, als er es erfuhr, dass man doch so ein tolles Motto hat.
Gar nicht dumm rief er sogleich nach der Presse,
veranstaltete um dem armen Schwan eine riesen Messe.

Trittbrett mit dem Ruhm wollt er fahrn, der alte Mann,
auf dass er für ne höhere Stelle kandieren kann,
doch als er sah die ganzen Menschen und zitternd vors Podium trat,
da hat vor lauter Nervosität der Herzschrittmacher in seiner Brust verzagt.

Jetzt liegt der Mann in der Tiefkühltruhebeim Pathologen,
und der verwirrte Schwan?, der ist alsbald weitergezogen.

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #3 |

RE: Fünf Wörter Teil 5 (oder so)
mich hat die teestube total kirre gemacht! Icon_ugly

Die Herren T.
Es waren einmal Herr Tan und Herr Tano. Beide wohnten in Stuttgart. Zunächst verstanden sie sich so gut, dass sie in der Stadtmitte direkt nebeneinander wohnten. Doch nach einigen Jahren gerieten sie in einen heftigen Streit und Herr Tan zog an den Stadtrand. Auch Herr Tano suchte sich eine neue Wohnungm bis er schließlich eine geeignete am Stadtende fand. Für seinen Umzug hatte er jedoch nicht genug Helfer, sodass er seine Tiefkühltruhe ganz alleine bis in den dritten Stock tragen musste. Dabei überanstrengte sich der alte Herr so, dass er einen Herzanfall erlitt. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert und erhielt einen Herzschrittmacher. Nachdem er wieder nach Hause durfte lebte er streng nach einem gesunden Motto, von dem er in einer Zeitschrift gelesen hatte. Herr Tano aß nur noch Gemüse und Obst und jedes zweite Wochenende fuhr er an den See. Dort lieh er sich ein Tretboot und fuhr damit eine Stunde seine Runden.
Aber auch Herr Tan erging es nicht besser, auch er musste seinen Umzug alleine bewältigen. Deshalb beschloss er sich einen Tag am See zu gönnen.
So kam es, dass sich Herr Tan und Herr Tano mitten auf einem See, beide in Tretbooten, wieder begegneten.
„Sie schon wieder?“, fragte Herr Tan ungläubig.
„Ja. Ich“, entgegnete Herr Tano.
„Sie sind mir an den See gefolgt, Sie … Sie … Trittbrettfahrer!“, entrüstete sich Herr Tan.
„Das ist doch gar nicht wahr“, schrie der Andere, „ich musste meinen Umzug ganz alleine bewerkstelligen und nun gönne ich mir einen Tag Erholung.“
„Ich musste sogar meine Tiefkühltruhe in den dritten Stock tragen“, versuchte Herr Tan anzugeben, nachdem seine Beleidigung nicht die gewünschte Wirkung erzielt hatte, „und ich bekam einen Herzschrittmacher.“
Beide ereiferten sich so sehr, dass sie Aufsprangen und so heftig in ihren Booten hin und her schwankten, dass sie ins Wasser fielen.
Da die beiden Herren T. nicht die besten Schwimmer waren, halfen sie sich gegenseitig an Land. Als sie das rettende Ufer erreicht hatten, wollten sie ihre Auseinandersetzung weiterführen. Doch in ihren nassen Kleidern wurde es ihnen schnell zu kalt und sie beschlossen sich in die Teestube zu setzten, wo es ihnen auch gleich wärmer wurde. Beide bestellten einen Tee, sprachen aber kein Wirt miteinander.
Als sie schließlich Zucker in ihren Heißgetränken verrührten, fragte Herr Tan: „Sie haben einen Herzschrittmacher und können trotzdem Tretboot fahren?“
„Ja, ich komme jedes zweite Wochenende hierher.“ Er versuchte erst gar nicht den Stolz in seiner Stimme zu verbergen.
So saßen die beiden in dem Café schlürften ihren Tee und warteten darauf, dass ihre Kleidung trocknete. Da beide sich in einem gehobenen Alter befanden, indem man leicht vergesslich wird, vergaßen sie auch ihren Streit auf dem See und kehrten schließlich zusammen in die Stadt zurück.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #4 |

RE: Fünf Wörter Teil 5 (oder so)
Mich begeistern die Wörter immer noch *lacht* Hm, ein erster Versuch, irgendwo am Rande der Verständlichkeit, aber bei der Vorgabe muss das sein. Die Tiefkühltruhe fand ich am nervigsten, bildlich *g*


Stalaktiten

Frier mir Träume aus
und heb sie auf in Tiefkühltruhen.
Stalaktiten, die aus Poren wachsen
und manchmal wie Schuppen fallen,
zu Seenplatten zerschellen.

Seenplatten, die ich ausbreite,
festklebe und in deren Rinnen
ich Bewegung lerne:
Steig ins Tretboot und komm
doch nicht voran. Bin mit
blauen Knien und Lippen
immer noch auf der falschen Seite
des Frostschutzes.

Mein Rhythmus schlägt in Eiszeiten,
soll immer im Takt bleiben, im Takt
mit dem Herzschritt, Herzschrittmacher
bin ich, oder wärs zumindest
gern.

Gern gesehen sind Gastspiele.
Friere, lächle, mal mir aus
Seenplatten einen Fiebertraum.

Frei nach Motto mottofern
trete ich, tret auf Holzpedalen:
Willkommen auf den Trittbrettern,
die die Welt bedeuten (könnten).

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
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Beitrag #5 |

RE: Fünf Wörter Teil 5 (oder so)
Spontan zusammengetippt, trotzdem gepostet:

Winterpausenbrot

Gedankenloses Latschen, einfach durch die Stadt, am See entlang, dort standen sie: Unwirklich im Mittagslicht der täglichen Pause, schunkelten sie im noch zu kalten Frühjahrswind. Der einsame Angestellte hätte bei der Vorstellung, seinen Chef dort hineinzusetzen, beinahe gelächelt.

Tänzelnde Wellen
rollen sachte,
einträchtig gegen
taumelndes Plastik
blassroter Boote
ohne Dächer
oder Ruder
träge am Steg.

Jeder Kahn hatte einen schmalen Metallstreifen, der entweder das Einsteigen erleichtern, oder die Kundschaft an vertraute Wagen und Bahnen erinnern sollte. Ihn ließ die Gummistufe nur an das Brettchen am Müllauto denken, auf dem der arme Müllmann während der Fahrt stehen musste.

Tritt sicher auf,
ruhig ohne Kippeln
in die Höhe der
turnschuhoptimiert
tragenden Platte.
Blank poliert
rasselt sie unter
eilig Einsteigenden
träge Mitfahrenden
trotzigen Stehplatzbesitzern.

Im Fenster des geschlossenen Bootsverleihs vergilbte ein Spruch des Tages der letzten Saison. Mit Grauen dachte er an unbeholfene Motivationsversuche, affig hoch gehaltene Prinzipien und das erstaunlich ähnliche Tagesmotto im Intranet seiner Firma.

Marode Phrasen
ohne Verstand
taugen für
tägliches Prinzipienreiten
oder Sprücheklopfen.

Wie lange sollte er den Alltag noch mitmachen? Wenn sein Verstand der Routine standhielt, würde doch seine Stimme irgendwann das verlogene "Guten Morgen" verweigern. Wenn ihn nicht vorher der Schlag traf. Nein, der Schlag würde den Abteilungsleiter treffen; der machte sich ständig künstlichen Stress.

Hast du
eigentlich ein
ruhiges Leben
zwischen den
Stressattacken;
chancenlos gegen
herzliche Untätigkeit
radikal überforderter
innerer Organe,
trägst du doch das
tägliche Risiko.
Manager im Rentenalter
atmen schwerfällig und
checken oft erst
hinterher, dass
ein Kalkarterienherz mit dem
restlichen Leben nicht Schritt hält.

Träge packte er die Alufolie aus, in der sein Mittagessen steckte. Tiefgefroren, aufgetaut, eingepackt. Kochen musste er nur einmal im Monat. Kurz überlegte er, in den Pausenraum zu gehen, um den vorletzte Woche gebackenen, mittlerweile frostfreien Tomatenteigfladen in der Mikrowelle aufzuwärmen. Als sein Gedächtnis mitteilte, welche Kollegen er um diese Zeit dort treffen würde, biss er schulterzuckend in die kalte Pizza.

Tütenweise verpackt,
in Kartons gestapelt,
eingefrorene Pizza
für Monate.
Kaltluft
überstreicht die Hände vor
halb geöffneter Klappe
leergefutterter ***-Fächer.
Trickreich gewürzte Industrieprodukte
rahmen eigene Kochkunst
unbegrenzt
haltbar
ein.

Sollte er Frührente beantragen? Niemand würde ihn vermissen, doch er würde das Geld vermissen. Was machte er überhaupt mit seinem Lohn? Den Strom bezahlen, um den Kühlschrank zu betreiben, der Pizza zu Pappe fror, damit er effizienter Vorkochen konnte, um länger zu arbeiten.
Blassrote Tretboote dümpelten unter dem Motto der vergangenen Saison, Mittagssonne blitzte auf ihren silbrigen Trittbrettern. Das Wasser musste einer flüssigen Tiefkühltruhe gleichen. Drinnen, auf dem Werksgelände, würde ein Wutanfall den Herzschrittmacher eines Cholerikers an die Grenzen treiben, wenn er, der eigentlich überflüssige Angestellte, nicht pünktlich zurück war. Das Wasser würde trotzdem weiter gegen die Plastikboote platschen. Er würde sich eine Standpauke anhören, während der Steg weiter verfaulte. Vielleicht kippte der andere bald um. Er würde weiter kalte Pizza essen.


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Beitrag #6 |

RE: Fünf Wörter Teil 5 (oder so)
mancher Trittbrettfahrer
handelt nach dem Motto:

es ist mir völlig egal
wessen Leiche du in der Tiefkühltruhe versteckst,
wenn es mir nützt,
schwimme ich mit dir auch im Tretboot bis nach Amerika
ziehe den Stecker aus deinem Herzschrittmacher
und tanze anschließend auf deiner Beerdigung

MW


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Beitrag #7 |

RE: Fünf Wörter Teil 5 (oder so)
Mm, jo, mal sehen was mir zu den Fünfen so einfällt (improvisier...)Icon_confused

"Du hast doch nicht vor mit dem Tretboot raus zu fahren, bei der Kälte?" Sonja sah Harald an und dachte daran, daß er sich jetzt gleich wieder so aufregen wird, daß sein Herzschrittmacher jede Menge leisten muß, um den Rhythmus seiner Pumpe noch einigermaßen konstant zu halten. Es ist immer das gleiche mit diesem Kerl, dachte sie. Ist eben n´ verdammter Spießer, ein chronischer CDU-Wähler, ganz nach dem Motto seines Vaters: Die Welt ist schwarz, Punkt!

"Gerade jetzt macht es doch Spaß", entgegnete sie. "Im Sommer, wenn es heiß ist, sind hier mehr Tretboote unterwegs, als es Wassertropfen gibt. Da kann man den See doch gar nicht mehr sehen und riechen, geschweige denn genießen." Harald sah sie an, mit seiner schwarzen Unions-Seele. Er hätte Pfarrer werden sollen, dachte Sonja, die Rolle des Seelsorgers ist ihm wie auf den Leib geschrieben. "Guck doch mal raus", sagte Harald, "der See ist an den Ufern überall schon zugefroren. Du könntest wo hängen bleiben und nicht mehr weiter kommen." Sonja grinste... und zog ihr Handy hervor. "Dann ruf ich dich eben an. Du schwingst dich in das andere Tretboot und holst mich." Harald sah sie verständnislos an, schüttelte den Kopf, aber ohne eine Antwort zu geben.

Inzwischen hatte Sonja eine Axt von irgendwoher geholt, hielt sie mit beiden Händen auf Bauchhöhe und sah ihren Mann nachdenklich an. Warum hab ich den nur geheiratet, fragte sie sich. Einen Spießer, der gut und gerne zum Popen getaugt hätte. Und ich, mit meinen Hippy-Idealen, mit meiner 68er Vergangenheit und meinen Vorstellungen von einem freien, inspirierten und kreativen Leben? Sie dachte den Gedanken nicht weiter und sagte: "Ich stelle mich einfach aufs Trittbrett, das ist breit genug, und schlage die Eisschollen hiermit entzwei, wenn sie mich am Weiterfahren hindern." Demonstrativ machte sie ein paar Hackbewegungen...

Harald sagte nichts. Er dachte an die Tiefkühltruhe, die im Keller stand. Dort würde er hinunter laufen, sich einen Hasenbraten rausziehen und ihn auftauen, wenn sie weg war. Und das würde ihn schon von seinen Befürchtungen ablenken. Denn weggehen würde sie auf jeden Fall, das wußte er. Zum Tretboot fahren, mitten im Winter und bei Eis. Warum hab ich nur so eine geheiratet, eine Liberale, die ihre Freiheit braucht und ständig alle möglichen Verrücktheiten ausleben will?

Sonja zog sich den Anorak an, Stiefel, Handschuhe und legte einen Schal um. Dann packte sie die Thermoskanne mit dem heißen Tee in eine Tragetrasche und ein paar Brote, die sie sich eilig geschmiert hatte. Die Axt in der Linken, die Handtasche in der Rechten, sah Harald sie vom Fenster aus runter zum See laufen. Er wartete aber nicht, bis sie im Tretboot saß. Er wollte nicht sehen, wie sie da einstieg, mit dem Beil vielleicht gleich ein paar Eisschollen entzwei schlagen mußte - dabei wackelig auf dem Trittbrett stand - und Gefahr lief, gleich zu Anfang ins Wasser zu fallen.

Unten im Keller stand er inzwischen vor der offenen Kühltruhe und griff nach dem Hasenbraten. Erbsen und Karotten vielleicht dazu? Er griff sich jeweils eine Packung. Und wenn sie da draußen vielleicht schon im Wasser liegt? Er spürte, wie sein Herzschlag sich beschleunigte. Sie ertrinkt vielleicht gerade und ich stehe hier rum und...

Augenblicklich ließ er alles fallen und hastete nach oben, rannte ins Wohnzimmer, stellte sich vors Fenster und sah raus. Sonja war nicht zu sehen. Er holte das Fernglas, ging zurück ins Wohnzimmer und blickte wieder hinaus. Aber er sah sie nicht. Ich muß sofort zu ihr, dachte er und sie retten. Haralds Herzschlag beschleunigte sich immens. Er legte das Fernglas beiseite und rannte raus in den Hof und runter zum See. Dort stand er keuchend am Ufer und blickte hinaus auf´s Wasser. Sonja war nicht zu sehen. Der Schweiß brach ihm aus und sein Atem ging rasselnd, wie das Laufwerk einer alten Standuhr. Aber die beiden Tretboote lagen ja noch am Ufer, das sah er jetzt erst. Wo ist sie zum Kuckuck?, fragte er sich, als Sonja aus dem Bootshaus kam und zu ihm lief. "Ich fahr heut´doch nicht raus", sagte sie und lächelte... Harald schloß sie in die Arme und hielt sie fest. "Das ist gut", sagte er, "wirklich gut."


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Beitrag #8 |

RE: Fünf Wörter Teil 5 (oder so)
Tagchen.

Hab hier noch nicht mitgemacht, aber die Wörter haben mir gefallen und so habe ich was getippt ... sehr geschwind und des Spaßes halber. Also nicht motzen Icon_smile

Und so kam es, dass sie ging, dass sie mich zurückließ, mit pochendem Schmerz in meiner Seele. In jedem Raum, den ich betrete, ist ein Sog, eine Stelle die mich bannt, wie ein Schwarzes Loch, das an mir reißt. Als stünde sie dort in all ihrer Schön- und Makellosigkeit und doch weiß ich, dass dies nur ein Trug ist.
Herausgesaugt aus mir, all die wunderschönen Erinnerungen, all die Poesie die uns umspielte, wie eine fleischgeworden Ballade. Lediglich das leidliche Gefühl des Verlustes bleibt und ist allgegenwärtig.
Das warme Fleisch meines Herzens ist verdorrt, zu Eis gefroren, wie ein Stück Fleisch in der Tiefkühltruhe. Leblos, armselig und das Schlagens nicht mehr mächtig.
Was bleibt sind Freunde, deren Anwesenheit einen glücklich und zornig macht, beides zugleich, mit all ihren Mottos über Beziehungen und Frust, der offenbar ein Teil des menschlichen Daseins ist, und doch sind es nur Trittbrettfahrer der Klischees, die in Glückskeksen zu finden sind. Sinnfrei und übertragbar auf jede Banalität, die das Auge tagtäglich erblickt.
Es ist die dunkelste Phase, in der ich mich befinde, Depression und Ruhe ist alles was ich möchte. Nur da liegen und an die Decke starren und auf den fehlenden Herzschlag hören, der aus meiner Brust nicht ertönt. Selbst ein Elektronenstoß direkt in meine trockene Kammer würde nicht reichen, vergeblich würde der Herzschrittmacher arbeiten, denn ich möchte nicht, dass es weiter pumpt.
Und so segelt mein Geist davon, treibt auf dem Wasser wie ein verlorenes Tretboot ohne Passagier; und ich liege da und warte, bis er zu mir zurückfindet, mit neuen Erkenntnissen, neuem Mut und dem Willen weiterzumachen. Doch bis dahin ist Zeit …


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Beitrag #9 |

RE: Fünf Wörter Teil 5 (oder so)
'hust' Moin Moin - ich dachte, ich lass mal meine Gedanken zu den 5 Wörtern da. Icon_wink

„Janette?“
Eine helle freundliche Stimme schlängelte sich durch ihr Gehör. Sie versuchte den Kopf zu schütteln, doch jede Bewegung verursachte einen stechenden Schmerz zu beiden Seiten. Ihre Augen waren verschlossen, Arme und Beine nicht spürbar.
„Hey, ganz ruhig. Alles okay.“
Sie suchte nach einem Gefühl in den Fingern – doch alles was sie fand, war Kälte.
„Alles wird gut.“
Sie spürte ein Pochen, folgte ihm und fand sich hinter ihren Lidern wieder, die sich nur schwer öffnen ließen. Dunkelheit, mittendrin hing ein Gesicht, dessen Name ihr auf der leblosen Zunge lag.
Sie atmete schwer und schaute fragend in bernsteinfarbene Augen.
„Weißt Du noch? Das leise Schaukeln des Tretbootes auf dem See?“
Leicht durcheinander gewirbeltes Haar, dessen dunkle Strähnen vereinzelt in das haarlose, glatte Gesicht fielen.
„Weitab vom Ufer? Nur wir beide, das Boot, der See ...“
Ihr Blick verschwamm als er sich zu ihr hinunter beugte.
„Das wildschlagende Herz, die zaghafte Berührung, die Sucht nach der Nähe, das Überschreiten einer Grenze ...“
Die Konturen seines Gesichtes verloren sich in der Dunkelheit um sie herum, als er nach etwas außerhalb ihres Blickfeldes griff. Sie versuchte sich zu konzentrieren, den Blick zu schärfen – doch selbst die Gedanken trudelten angeheitert durch ihren Kopf und ließen sich nicht fassen.
„... und dann der Kuss!“
Er beugte sich weiter hinab zu ihr. Irgendwo hinter ihm schaukelte eine gelbliche Lichtquelle leicht hin und her.
„Die Kraft der Liebe hat uns beide zusammengeführt, Janette. Diese grenzenlose Energie, die uns erst wirklich atmen, denken und fühlen lässt“, hauchte er ihr ins Gesicht. „Wenn in der Tiefsee ein männlicher Fisch eine weibliche Artgenossin findet, dann beißt er sich fest und bleibt an ihr hängen. Sein Körper bildet sich zurück und das Weibchen ernährt ihn.“
In Gedanken runzelte sie die Stirn und schaute ihn verwundert an.
Er lächelte, offenbarte seine makellosen Zähne und strich zärtlich über den Knebel, der wie ein bunter Eisberg aus ihrem Mund ragte.
„Janette, ich bin der Fisch, der sich an Dir festgebissen hat.“
Ein leiser Ton klingelte durch die Dunkelheit und sein Gesicht entfernte sich von ihr, als er nach dem Handy griff, das neben einem silbernen Tablett lag.
Das Telefon leuchtete und drückte freudig einen Namen von innen an das Display.
Perfekt, dachte er und erinnerte sich an die Schlagzeile über dem Motto des Tages aus der Zeitung, die ihm morgens fast seine gute Laune verdorben hatte.
'Erneut ausgemergelte Leiche einer Prostituierten gefunden.'
Er hatte zornig die Zeitung zerknüllt, mit verbissenem Ausdruck festgehalten und dann in einem hohen Bogen durch die riesige Küche in den weit entfernten Abfalleimer geworfen.
Verdammter Trittbrettfahrer!
Doch jetzt war ihm das egal. Bereits nachdem er den Eimer getroffen hatte, war der Tag in seinem Kopf akribisch durchgeplant worden – und nun war alles fertig. Alles lag bereit vor ihm und wartete nur darauf, dass er endlich anfing. Die Messer und die Säge für die Rippen, die Tiefkühltruhe für die Überreste, die Einmachgläser für die Herzen. Er seufzte zufrieden und schmunzelte bei dem Gedanken daran, dass selbst ein Herzschrittmacher noch Platz in den Behältnissen finden würde.
Er lächelte Janette auf dem kargen Stahltisch an und drückte den Namen 'Marie' auf dem Display fort.
Das wird ein anstrengender Tag.

(Okay, Trittbrett ist als Trittbrettfahrer drin - hoffe, es gilt trotzdem?)


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Beitrag #10 |

RE: Fünf Wörter Teil 5 (oder so)
* Adsartha möchte Mal kurz vorbeischaun und, obwohl es nicht ihre Wörter sind, anmerken, wie toll sie die rege Beteiligung findet. Icon_smile

@ Dread: Jurek! Endlich! Icon_jump Icon_jump
(Ich habs zwar schon fast ab 5./6. Satz geahnt, aber trotzdem toll. Erinnert mich sehr stark an Cupido von Jilliane Hoffman - kennst du den Thriller?)

LG
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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