Es ist: 31-10-2020, 04:36
Es ist: 31-10-2020, 04:36 Hallo, Gast! (Registrieren)


Romanfiguren
Beitrag #11 |

RE: Romanfiguren
Zitat:Und das ist es doch auch, was wir letztendlich erreichen wollen. Dass der Leser eine enge Bindung zu den Charakteren bekommt. Aber wenn wir die als Autor schon nicht haben, wie soll das dann beim Leser funktionieren? Icon_wink
Da kann ich noch gerade etwas dazu sagen.
Vor allem zu dem "Eigenleben" der Figuren - Dreadnoughts schreibt ja manchmal solche Texte, in denen er seine Protagonisten ins Kreuzverhör nimmt - als ich einen Quadrolog für ein neu zu schreibendes Romanprojekt geschrieben habe ... ich habe jetzt neue Ideen, einen groben Umriss der Handlung, einige neue Settings und einen neuen Titel. Und ich könnte schwören, dass das nicht alleine von mir kommt Icon_confused
Allerdings bin ich mir nun sicher, diese Figuren "wirklich" beschreiben zu können - als Autor habe ich sie verstanden. Nun kommt bald der Teil, in dem sie agieren müssen, in dem der Autor ein Setting für sie schaffen muss, in dem sie sich so frei wie möglich bewegen können. Dann können die Leser, so wie Lilith das beschrieben hat, finde ich, auch eine Bindung zu den Charakteren aufbauen.
(*außdem zickt jetzt eine Figur aus einem anderen Projekt herum**seufz*)

Dies als meine Meinung Icon_smile

Lieben Gruß,
Trinity

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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Beitrag #12 |

RE: Romanfiguren
Hallo zusammen,

interessantes Thema zu dem ich mich dann auch mal äußern möchte.
Ich finde es schon wichtig, eine Verbindung zu seinen Charas zu haben - oder sie zumindest sympathisch zu finden. Und das kann ich leider nicht steuern. Ich habe vor ein paar Monaten eine Geschichte angefangen, die eigentlich ein Roman werden sollte. Halbwegs brauchbare Ideen habe ich auch hin und wieder, aber ich habe einfach keine Lust weiterzuschreiben. Der Grund heißt Shadow, ist neunzehn Jahre alt und meine Hauptperson. Ich mag dieses Mädel einfach nicht und alle Versuche, sie für mich sympathischer zu schreiben, sind bisher kläglich gescheitert. Meine Charas machen sich in meinen Geschichten relativ schnell selbstständig und ich kann dann nichts mehr gegen deren Entwicklung tun. Wenn ich dann absichtlich etwas anders schreiben will, dann wirkt es 'falsch'.
Bei Figuren, die ich mag, neige ich dazu, sie einfach umzubringen Icon_irre Bei Hauptpersonen muss ich mich dann auch immer bis zum Ende der Geschiche zurückhalten, aber irgendwie habe ich eine sehr hohe Sterberate in meinem Buchstabenwirrwarr. Und es noch nicht mal Absicht.
Ich habe im Übrigen auch schon eine Beziehung zu einem Chara aufgebaut, der bisher auf dem Papier noch gar nicht existiert. Lana habe ich mir vor einer halben Ewigkeit ausgedacht und sie hat schon unzählige Abenteuer erlebt - aber eben nur in meinem Kopf.

- Life is not measured by the number of breaths we take but by the number of moments that take our breath away -
gesammelte Werke

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Beitrag #13 |

RE: Romanfiguren
@ Trinity

Zitat:Dreadnoughts schreibt ja manchmal solche Texte, in denen er seine Protagonisten ins Kreuzverhör nimmt

Kreuzverhör? Auch nicht schlecht.

Die von James N. Frey ins seinem Buch „The Key“ empfohlene Methode um in die Gedankenwelt seiner Figuren einzudringen finde ich auch sehr interessant.
Aus der Sicht der jeweiligen Figur und in deren Sprache Tagebuch schreiben (z. B. an den Autor gerichtet).
Würde mit Briefen sicherlich genauso funktionieren.

Schluss mit lustig

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Beitrag #14 |

RE: Romanfiguren
'Nabend zusammen,

Romanfiguren... hach, ich darf ja eigentlich gar nicht mitreden, weil meine Romane immer irgendwo stecken bleiben ...
Aber ich habe prinzipiell das Problem, dass mir meine Chars zu sympathisch werden Icon_lol

Ich weiß noch, mein erster, ernster Fantasy-Roman, da wollte ich unbedingt zwei von meinen sechs "Helden" töten. Der eine hatte es einfach sowas von verdient, die andere war die Quoten-Frau, die ich reingepackt habe, um eine Frau in der Gruppe zu haben Icon_irre
Nunja, irgendwann schlich sich dann einen Randnotiz an meine Notizen: "Char_1 vielleicht fliehen lassen?" ... es gesellte sich nach einer Weile eine weitere dazu: "Char_2 überlebt möglicherweise schwerst verletzt!" ...
Hätte ich den Roman zuende geschrieben, wäre da wahrscheinlich niemand gestorben. Außer natürlich die Statisten, die nur zu diesem Zweck vorkamen Icon_aufsmaul

Genauso geht es mir dummerweise mit dem Antagonisten aus meinem aktuellsten Projekt: Ein fieser, machtgierigier, egozentrischer, gehässiger, starrsinniger, skurpelloser Magier - ich mag ihn so gerne! Aber er muss sterben ... Smiley_frown
Im selben Roman hat sich auch die Protagonistin verselbstständigt. Ich war ja fest entschlossen, endlich mal eine selbstbewusste, kühle, berechnende Frau zum Perspektiventräger zu machen. Irgendwas ging aber schief - der erste Kommentar meines Mannes war was in Richtung: Beschützerinstikt geweckt und die Kleine wäre total goldig ...
Jo, soviel zu Lannas Plänen Icon_ugly

Ich lasse meine Personen sich einfach selbst entwickeln, das gibt weniger Scherereien und ist weniger Arbeit *lach* Kann natürlich sein, dass mir dann im Verlauf der Geschichte noch ein passendes Merkmal einfällt, das ich am Anfang dann noch einarbeiten muss ... aber wofür gibt's die Überarbeitung denn? Icon_wink

So vermeide ich zum Glück auch Szenen, wo ein Charakter etwas tut oder sagt, nur um die Geschichte voranzutreiben, obwohl es gar nicht zu ihm passt. Sowas geht nämlich gar nicht.

Ein Gespräch mit / zwischen Charakteren, um sie kennen zu lernen, habe ich noch nie ausprobiert, plane aber zur Zeit etwas ähnliches für meine Khonar-Geschichten: Eine dialoglastige Kriegsrat-Sitzung mit den wichtigsten Offizieren der Armee, nur für mich, um mir darüber klar zu werden, wer auf wessen Seite steht und wer welche Meinung vertritt. Allerdings trau ich mich bisher nicht, weil ich befürchte, bei 8 - 12 Leuten den Überblick zu verlieren.

Ans Herz wachsen mir meine Personen aber irgendwie alle ... irgendwann Icon_wink

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #15 |

RE: Romanfiguren
Zitat:Wie ist euer Verhältnis zu euren Romanfiguren?

Hallo!

Na ja, ich will die Charaktere ja nicht klein reden, aber ein Roman hängt doch noch von vielen anderen Faktoren ab. Wenn er nicht spannend genug ist, schlecht recherchiert, von der Form her nicht stimmig, mit Logikbrüchen durchsetzt (wie ein Schweizer Käse), dann helfen auch die Charaktere nicht viel, um ihn noch zu retten. (egal wie eng meine Beziehung zu ihnen ist, oder auch nicht) Die Charaktere stehen natürlich im Mittelpunkt, das streite ich nicht ab, aber sie sind auch wiederum nur ein Teil vom Ganzen. Nehmen wir die Sprache; die (mal abgesehen von Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung) ganz wesentlich ist, für einen Roman. Wenn dieser gut geschrieben ist, kann man bei anderen Sachen sogar ein Auge zudrücken. Und Charaktere werden ja eh hauptsächlich durch eine gute Sprache (im Sinne von Dichtung) lebendig. Hoffentlich hab ich mich jetzt nicht zu weit von Thema weg bewegt. Ein Wort vielleicht noch: Wenn ich einen Elefanten beschreibe und rede die ganz Zeit von seinem Rüssel, dann hab ich nur einen Teil beleuchtet. Er hat ja auch noch einen riesigen Körper, vier Beine (wie Säulen), zwei Stoßzänge, große Ohren und einen Schwanz (ich meine den am Rücken) etc. Erst wenn ich all diese Dinge in Betracht ziehe, kann man das ganze Tier (im übertragenen Sinn: den Roman) erkennen. Somit sind die Charaktere (für mich jedenfalls) nur Teil des Ganzen; wenn auch ein ziemlich wichtiger. Ein Verhältnis zu ihnen möchte ich nicht haben und hab ich auch nicht - ich muß sie aus der Distanz betrachten können, um mit ihnen zu arbeiten. Kommen sie mir zu nahe, geht das nicht mehr.

HGruß, Sigurd


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Beitrag #16 |

RE: Romanfiguren
Seeehr interessantes Thema, zu dem sicher jeder, der bereits einen Roman fertiggestellt hat, ellenlange Erfahrungsberichte schreiben könnte. Icon_ugly

Meinen ersten Roman habe ich im zwarten Alter von 13 begonnen und daraus haben sich Fortsetzungen ergeben, an denen ich noch heute - rund 10 Jahre später - schreibe, folglich pflege ich eine sehr innige Beziehung zu jenen Figuren, weil meine ersten Erfahrungen mit dem Schreiben eben auf sie zurückgehen und sie mich, wie ich sie geprägt habe. Die Rede ist von 15-20 Hauptcharakteren, von denen mir 5 besonders ans Herz gewachsen sind und stellenweise sogar den Ton angegeben haben, wenns um wichtige Entscheidungen ging. Icon_aufsmaul Aber immer wenn ich mich im Sinne eines bestimmten Protas entschieden habe und seine Interessen bevorzugt behandelt habe, habe ich das guten Gewissens getan. Denn würde ich anfangen meinen Figuren zu misstrauen, müsste ich mein Schreiben per se in Frage stellen.

Einerseits schreiben sich natürlich solche Geschichten leichter von der Hand, kann ich bereits auf eine Vergangenheit mit den Protas zurückblicken. Andererseits beflügelt ein neuer Zugang durch die Augen von noch unverbrauchten Charakteren ungemein beim Schreiben. Natürlich sind die Möglichkeiten mit einer neuen Figur nicht unerschöpflich, allerdings befindet man sich auf noch nicht ausgetretenen Pfaden und kann seine Babys noch formen, solange sie noch keine zu festen Konturen haben.

Dadurch dass ich auch schon länger schreibe, kann ich meine Figuren verschiedenen Lebensphasen zuordnen und verstehe mich mit einigen besser und mit anderen schlechter. Klar entwickeln sich die Figuren mit mir selbst mit, doch in ihren Grundfesten unterscheiden sie sich extrem je nach dem, in welchem Alter ich sie erfunden habe.

Eigene Figuren können aber bei weitem über das eigentliche Schreiben hinauswachsen, indem man sich in sie hineinversetzt, um die persönliche Situation aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Dass das eine Persönlichkeitsspaltung fördert, ist dabei nicht zu bestreiten. Icon_lol

Ein Grund, warum ich lieber Romane (mit Fortsetzungen) als Kurzgeschichten schreibe, ist die gemeinsame Zeit mit den Figuren. Man braucht einfach eine Aufwärmphase, um mit seinen Charas zu rechtzukommen, nur ist die bei Kurzgeschichte so kurz bemessen, dass ich mit meinen Lieblingen warm geworden bin, wenn die gemeinsame Zeit bereits wieder vorm Ende steht und ich sie gar nicht mehr hergeben will.

@ Glory

Für mich ist es unvorstellbar, nicht mit meine Figuren zu sympathisieren. Icon_confused Immerhin sind meine Figuren - egal wie realitätsfremd oder übertrieben sie sind - ein Teil von mir, das gilt genauso für den Casanova, der Frauen nur als Bettwärmer benützt, wie das Mauerblümchen, das zu schüchtern ist, um den Mund aufzukriegen. Irgendwo muss Empathie sein, sonst wäre ich nie auf die Idee gekommen, sie zu erfinden.

Was vl kaltblütig klingt, ist, dass ich keinerlei Probleme habe, meine Lieblinge um die Ecke zu bringen. Wenn die Handlung ihren Tod verlangt, dann ist ihr Ableben sichere Sache, denn ihr Ende gehört genauso zu ihnen wie ihre Vorliebe für Vanilleeis. Erst wenn ich bereit bin 100% mit ihnen zu geben, erhalten sie Leben.

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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Beitrag #17 |

RE: Romanfiguren
Haben mich meine Protagonisten schon einmal im Stich gelassen? Nein, das nicht. Es kam nur hin und wieder vor, dass sie nicht ganz so wollten, wie ich wollte und dann... muss eben ein Weg gefunden werden, der den Char zu der Entschidung bringt, die ich von ihm haben will und zwar ohne, dass ich ihn verrate und verbiege. Hin und wieder bedeutet das ein exeszives Benutzen der Entertaste auf einen markierten Text. In harten Fällen betrifft das mehrere Seiten.
Dann gibt es noch einen meiner Lieblingschars, der mich einfach nur herzlich auslachen würde, wenn er wüsste, was für Probleme er mir hin und wieder macht.

Ein Erlebnis ist mir allerdings hängen geblieben: die Wahl des richtigen Namens spielt bei mir eine gigantische Rolle. Es begann mit einer Geschichte, dessen Protagonistin Siiri hieß (nein, ich habe kein I-Phone. Ich kann Apple nicht einmal leiden) und die bereits auf der ersten Seite mit einem Sterbenden konfrontiert werden musste. Die arme Siiri hätte sich vor Angst beinahe in die Hosen gemacht. Sie war zu zart beseitet.
Doch halt. Ich wollte eine kratzbrüstige, schnoddrige und starke Figur haben, die mit der gesamten Situation vollkommen anders umging. Siiri war das nicht. Surea war geboren.
Surea stellte mich dann vor andere Probleme. Insbesondere dem, dass niemand außer ich sie leiden konnte. Weder irgendwer anderes in der Geschichte, noch meine Probeleser.
Es hat mir einfach sehr anschaulich gezeigt, dass man doch irgendwie einen Plan haben muss, was man will. Seine Figuren wachsen zu lassen ist leider nicht alles - man muss dieses Wachstum auch kontrollieren können. Auch Surea wurde überarbeitet, insbesondere die Situationen, in die sie geriet und ihre Entscheidungen. Mal schauen, ob meine Probeleser nun besser mit ihr auskommen...
Ich für meinen Teil mag sie. Sogar sehr, aber ich habe auch immer die Person im Hinterkopf, die sie irgendwann einmal sein soll.

Was die Meisten miner (Haupt-)Chars gemeinsam haben, egal ob gut oder böse, sind Konflikte. Ein Mensch ohne Konflikte ist langweilig. Innere Konflikte hauchen einer Figur Leben ein, geben ihr Autenzität und machen sie überhaupt erst... nun ja, zu Menschen.
Die wenigen Figuren, die bei mir keine ungelösten Probleme mehr mit sich herumschleppen sind gelinde gesagt langweilig. Deswegen nicht unsympatisch, aber so geben sie nicht allzuviel her. Bei mir sind das Chars, die mehr in den Bereich Priester fallen. In-sich-ruhende Charaktäre, in deren Perspektive ich auch nicht gerne schreibe, weil ihnen einfach etwas wichtiges fehlt, etwas Interessantes. Für mich ist es das, was ich meinem Helden am Ende seines Weges zugestehe (wenn ich nett bin und ihm endlich gestatte in den Ruhestand zu gehen und ihm erlaube dem Gras beim Wachsen zuzusehen), vorausgesetzt ich habe keine weiteren Pläne mit ihm.


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Beitrag #18 |

RE: Romanfiguren
Ich hole das Thema mal wieder nach oben. Obwohl ich schonmal was dazu geschrieben habe - aber das war vor 6 Jahren! Icon_shocked 

Und inzwischen HABE ich einen Roman mit einer ganzen Reihe Figuren, die ich über alles liebe und die seit inzwischen 8 Jahren meinen Kopf bevölkern.

Zack schrieb:wie sieht da die Beziehung zwischen Autor und Protagonist aus? Hattet ihr schon die ein oder andere Krise mit euren Charakteren?
Definitiv. (Die Teilnehmer der vergangenen MoPros haben das teilweise live mitbekommen). Ob jetzt Janis nicht einsehen wollte, warum er nett zu einem Elfen sein sollte (war ihm auch egal, dass sein Leben quasi davon abhängt), ob Yelena sich uneinsichtig zeigte und sich weigert, sich mit dem gleichen Elfen zu versöhnen und den Plot voranzubringen, sondern lieber noch ein Kapitel lang schmollend in der Ecke saß ... Asad mit seinen aus dem Nichts kommenden Vorträgen über die langweiligsten Dinge, oder Hayden, der mal einfach so jemanden erschießt, weil er gerade sauer ist (Nein, Herr General, die Figur brauche ich nicht mehr, tu dir keinen Zwang an, wenns dir dann besser geht *hmpf*).
Was hab ich mit den Leuten schon alles durchgemacht.

Meistens ergebe ich mich und lasse sie machen. Und nicht selten kommt was Gutes dabei raus. Nicht unbedingt für die Charaktere gut, aber für die Geschichte. Und bei den negativen Konsequenzen kann ich mir denken: Tja, das habt ihr jetzt davon, hättet ihr mal auf mich gehört!  Icon_ugly

Zitat:Und irgendwann kommt der Punkt, an dem sich der Spielraum einschränkt - einfach weil ein Charakter eben seine Eigenschaften hat und man auf seine Glaubwürdigkeit achten muss.
Ja, das sehe ich wie du sowohl als Vor- als auch als Nachteil.
Wie viele Szenen musste ich verwerfen, weil sie zwar in meinem Kopf toll geklungen haben, aber meine Charaktere sich weigerten, sie umzusetzen. Weil ich übersehen habe, dass die Story eine bestimmte Reaktion braucht, die aber so gar nicht zu dem Charakter passt. Oder weil der Charakter selbst dann doch anders geworden ist, als er geplant war.
Genau das ist dann aber auch der Vorteil: Die Charaktere wissen schon sehr genau, wie sie Probleme lösen, wie sie reagieren, wie sie interagieren. Wenn ich sie streiten lasse, vertraue ich darauf, dass jeder auf seine ganz eigene Art daran herangeht, ohne dass ich ihnen da groß was vorschreibe.

Zitat:Ein gut entwickelter Charakter kann einem über so manche Stellen hinweghelfen - was meint ihr?
Trifft für mich auf jeden Fall zu. Statt mich mit unzähligen Möglichkeiten auseinandersetzen zu müssen, wie ein gewisser Konflikt sich entwickeln könnte, lass ich meine Charaktere einfach machen und sehe dabei zu, wie sie sich ganz allein tiefer in die Scheiße reinreiten *lach*

Zitat:Wie ist euer Verhältnis zu euren Romanfiguren?
Ich liebe sie und ich hasse sie.
Weil sie lebendig sind und ihren eigenen Willen haben.

Adsartha schrieb:Wenn du es so nennen willst, ist man als Autor von daher von Anfang an eingeschraenkt, aber das ist normal, schliesslich hat man die Hintergrundgeschichte und alles was dazu gehoert fuer seinen Chara schon fertig, bevor man anfaengt zu schreiben - sollte man zumindest, damit man halt nicht in die Unglaubwuerdigkeitsfalle stolpert.
Das hängt, mMn, stark von der Art ab, wie man schreibt. Ich für meinen Teil komme überhaupt nicht mit Charakter-Vorplanung klar, bei mir kommt alles aus dem Bauch. Zumindest beim ersten Schreiben. Meine Charaktere leben nur in dem aktuellen Moment, wenn ich anfange zu schreiben. Sie entwickeln sich während der Geschichte, über ihre Vergangenheit mache ich mir Gedanken, wenn es wichtig für die Handlung wird. Am Anfang haben meine Charaktere also alle Freiheiten, die sie wollen.
Es hat sich herausgestellt, dass sich ihre Persönlichkeit im Laufe des Schreibens auch ändern kann, so dass ich im Nachhinein da sehr viel anpassen/ändern muss. Aber das passiert mir auch, wenn ich eine Figur durchplane. Beim Schreiben entwickelt sie ein Eigenleben und das lasse ich ihr, auch wenn es heißt, meine Planung über den Haufen zu werfen.
Hitoro zum Beispiel hat nur ein Auge. Er ist ehemaliger Soldat, das wusste ich in der ersten Szene schon, aber ich hatte keine Ahnung, wo/wann/warum er sein Auge verloren hat. Darüber hab ich mir erst Gedanken gemacht, als in einem Gespräch zwischen ihm und jemand anders die Frage aufkam, was passiert ist.
Mein Hauptantagonist hat ein Problem mit Wissenschaftlern. Er mag sie nicht. Hat mir aber bis heute nicht verraten, warum das so ist  Icon_rolleyes (ich weiß nur, dass er eine Zeitlang in einem Forschungshabitat gelebt hat).
Ich weiß von nur einer Person einen relativ konrekten Lebenslauf (wo die Kindheit verbracht, welche Ausbildung, welche Arbeitsstellen, welche polizeilichen und medizinischen Vorfälle), und diese Person ist nichtmal Perspektiventräger. Und den Lebenslauf hat diese Figur mir während dem Schreiben immer wieder Stückweise verraten. Trotzdem passt es immer noch von vorne bis hinten.

Also ich glaube schon, dass viele Autoren mit Planung und allem besser vorankommen oder es ihnen leichter fällt, glaubhafte Charaktere zu erschaffen. Aber ein Muss ist so ein Charakterbogen sicherlich nicht. Selbst wenn solche Bauch-Charaktere im ersten Draft wankelmütig und "unlogisch" werden, hat man dafür ja immer noch die Überarbeitung Icon_wink

Trinity schrieb:Ich identifiziere mich höchstens teilweise mit meinen Figuren. Vlt bin ich ... irgendwie anders, aber es sind die Leute, die ganz anders sind als ich. Nicht nur vom Aussehen oder den Stärken her. Sie kennen mich nicht, aber ich bewundere sie gerne und leide mit ihnen.
Auch ein interessanter Punkt: Ich identifiziere mich ebenfalls nicht mit meinen Figuren. Das mache ich auch beim Lesen nicht. Ich mag sie, ich habe Verständnis für sie, ich leide und lache mit ihnen, ärgere mich über sie, bewundere sie, himmel sie an  Icon_cuinlove , aber ich identifiziere mich nicht mit ihnen. (Außer bei Yelena. Die ist genauso unberechenbar-hysterisch wie ich *lach*).
Ich liebe es, meine weibliche Hauptrolle klein sein zu lassen, weil ich selbst nicht so groß bin. Aber ansonsten habe ich nicht das Bedürfnis, jemandem genau meine Eigenschaften oder mein Weltbild aufzudrücken.

Glory schrieb:Ich finde es schon wichtig, eine Verbindung zu seinen Charas zu haben - oder sie zumindest sympathisch zu finden.
Die Verbindung brauche ich auf jeden Fall auch. Das Gefühl für die Person, wie hier auch mehrfach erwähnt. Sympathie nicht zwangsläufig. Es hilft zwar, aber wie beim Lesen auch ist mir in erster Linie wichtig, dass ich die Figuren interessant finde.
Und oft wird es mir zum Problem, wenn ich Sympathie entwickle. Denn dann will ich, dass auch der Leser die Figur mag. Was bei einem Bösewicht jetzt nicht unbedingt von Vorteil ist, immerhin soll der Leser sich am Ende doch mit den Helden freuen, dass der Böse besiegt wird.
Und je sympathischer mir jemand ist, umso schwerer fällt es mir, ihn zu töten oder ihm andere schlimme Dinge anzutun.
Manchmal mag ich es sogar richtig, Arschlöcher zu schreiben. Gut, meistens ist es die Art, die im Grunde doch irgendwie nur Opfer der Umstände sind und irgendwann auch mal irgendwas Nettes tun ... aber als "sympathisch" würde ich vielleicht die Hälfte meiner Crew bezeichnen. Wobei ... ein Drittel eher. In echt würde ich mit den wenigstens irgendwas zu tun haben wollen  Icon_ugly

Chewi schrieb:Ein Erlebnis ist mir allerdings hängen geblieben: die Wahl des richtigen Namens spielt bei mir eine gigantische Rolle.
Seit ich mit "realen" Namen schreibe, merke ich das bei mir enorm: Die meisten Namen habe ich eher willkürlich gewählt, aber sie wurden mit der Zeit teil der Persönlichkeit, oder vielleicht hat sich die Persönlichkeit auch passend zum Namen entwickelt. Nate kann ich mir unter keinem anderen Namen vorstellen. Nach acht Jahren IST der Name Nate für mich alles, was den Charakter im Roman ausmacht. Jeder andere Name klänge falsch.
Irgendwann habe ich meinen Gregory mal in Nicholas umbenannt und es Wochen später wieder rückgängig gemacht, weil der Name noch immer falsch klang.
Wie viel hab ich mir schon über "Asad" den Kopf zerbrochen. Ob ich ihn wirklich so nennen soll, welche Alternativen es gibt. Aber ich hab genau den Tonfall im Kopf, jedes Mal wenn Yelena entrüstet "Asad!" ranzt und das ist genau dieser Klang von genau diesem Namen, der perfekt zu diesem Charakter passt.
Ich glaube, das ist wie bei Freunden. Wie seltsam wäre es für uns, wenn die beste Freundin, nennen wir sie Nadine, plötzlich Ute genannt werden will? Himmel, ich bin seit 8 Jahren verheiratet und habe mich immer noch nicht an meinen Doppelnamen gewöhnt  Mrgreen

Und weil ich meinem ersten Post vom Umbringen schrieb:
So sehr ich an den Figuren aus Kumen-Esh hänge: Zumindest ihre Tode reden sie mir nicht aus. Zumindest die, die seit Anfang an (also quasi seit gut sieben Jahren) geplant waren. Ich hab einen, den wollte ich eigentlich umbringen, ertrug den Gedanken aber nicht, also sollte er leben bleiben, und plötzlich war ich in der Szene und alles sah danach aus, dass er wohl doch sterben muss. Weil es plötzlich die einzige Problemlösung war. Aber das ging mir dann doch zu spontan und ich hab lieber zwei Tage nachgedacht und ihn gerettet.
Ein anderer Tod kam sehr ungeplant und hat mich selbst schockiert. Aber es fühlte sich so ... richtig an, in dieser Szene, in der Atmosphäre, deshalb habe ich es passieren lassen.
Eine Sterbeszene ist fest eingeplant, und ich bin mir sicher, dass ich sie schreiben werde (weil die Geschichte schon lange ohne die Figur weitergeht), aber bisher hab ich es noch nicht übers Herz gebracht. Weil es besonders werden soll. Es soll traurig und dramatisch und verzweifelt werden, weil es dem Leser nahegehen soll, weil ich die Figur so sehr mag und sie ein dramatisches Ende verdient hat.

Sosehr ich allerdings an meinen Figuren hänge: Ich habe nicht das Bedürfnis, ihre Geschichte nach Kumen-Esh weiterzuerzählen. Ich liebe diese Figuren in dieser Geschichte, aber beides gehört für mich irgendwie zusammen. Ich habe nie darüber nachgedacht, was sie wohl nach Kumen-Esh tun werden, wie ihr Leben weitergeht ... Sie existieren (im Moment) bis zum Epilog und nicht weiter. Wenn ich so darüber nachdenke, kommt es mir seltsam vor, weil man doch erwarten würde, etwas, an dem man so sehr hängt, nicht loslassen zu wollen.
Aber wer weiß, wie das in 10 Jahren aussieht, wenn ich die Überarbeitung fertig habe und mich tatsächlich von ihnen allen trennen muss. Dann flenn ich wahrscheinlich wie ein Baby  Smiley_frown Mrgreen

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

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