Es ist: 06-08-2020, 02:22
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Romanfiguren
Beitrag #1 |

Romanfiguren
Hallo Leute,

der ein oder andere wird sich sicher schon einmal an einem Roman versucht haben oder gar einen fertigen in der Schublade / auf der Festplatte liegen haben!

Und wenn man dann hunderte Seiten mit einem Charakter verbringt, er sich entwickelt - wie sieht da die Beziehung zwischen Autor und Protagonist aus? Hattet ihr schon die ein oder andere Krise mit euren Charakteren?

Und irgendwann kommt der Punkt, an dem sich der Spielraum einschränkt - einfach weil ein Charakter eben seine Eigenschaften hat und man auf seine Glaubwürdigkeit achten muss. Irgendwann schreibt er sich beinahe von selbst, weil man der Figur so nah ist oder weil man eben sehr darauf bedacht ist, dass die Figur keine unerklärlichen Stimmungsschwankungen hat.
Hat wohl positive und negative Seiten - negativ ist, dass man nun doch irgendwie "eingeschränkt" in seinem Schreiben ist, positiv ist, dass man dadurch besser vorankommt, eine Richtung hat. Finde ich zumindest. Ein gut entwickelter Charakter kann einem über so manche Stellen hinweghelfen - was meint ihr?

Wie ist euer Verhältnis zu euren Romanfiguren?

Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #2 |

RE: Romanfiguren
Also ich verbringe ja nun mittlerweile das dritte Jahr mit Theresa und Michelle (die Protagonisten von meinem Roman) und bin immer wieder erstaunt wie realistisch sie mittlerweile fuer mich sind, und wie stur sie manchmal seien koennen.
Krisen gab es schon einige, was daran lag, dass eine der beiden oder sogar beide nicht das tun wollten, was ich ihnen vorgab zu tun. Zuerst wird das Schreiben holprig und dann geht gar nichts mehr, oder man findet sich irgendwo wieder und fragt sich, was macht ihr da??
Doch die meiste Zeit stelle ich dabei fest, dass die beiden schon wissen, was sie wollen, was fuer sie und die Geschichte logischer ist.
Ich finde, man kann einen Roman nur dann gut schreiben, wenn man seine Charaktere wirklich kennt. Ihre Eigenschaften, Vorlieben und Schwaechen (siehe mein Topic dazu im Cafe Icon_wink ), um eine fuer den Leser realistische Figur zu schreiben.

Zitat:Und irgendwann kommt der Punkt, an dem sich der Spielraum einschränkt - einfach weil ein Charakter eben seine Eigenschaften hat und man auf seine Glaubwürdigkeit achten muss.
-Entschuldige, Zack, aber der Moment, in dem man auf die Glaubwuerdigkeit seines Charas achten muss, kommt meines Erachtens nicht erst "irgendwann", sondern ist von Anfang an da.
Eine Charackterentwicklung ist wie ein Haus, das Fundament muss stimmen, damit die Konstruktion auch bis zum Ende haelt und dem kritischen Auge des Lesers standhaelt. Icon_wink
Wenn du es so nennen willst, ist man als Autor von daher von Anfang an eingeschraenkt, aber das ist normal, schliesslich hat man die Hintergrundgeschcithe und alles was dazu gehoert fuer seinen Chara schon fertig, bevor man anfaengt zu schreiben - sollte man zumindest, damit man halt nicht in die Unglaubwuerdigkeitsfalle stolpert.

LG
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #3 |

RE: Romanfiguren
Hallo ihr,

also verbringe mit meinen Figuren inzwischen auch schon beinahe zwei Jahre, glaube ich.

Zitat:Wenn du es so nennen willst, ist man als Autor von daher von Anfang an eingeschraenkt, aber das ist normal, schliesslich hat man die Hintergrundgeschcithe und alles was dazu gehoert fuer seinen Chara schon fertig, bevor man anfaengt zu schreiben - sollte man zumindest, damit man halt nicht in die Unglaubwuerdigkeitsfalle stolpert.

Nun, ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht zuerst die Figuren entwickel bevor ich anfange zu schreiben. Ich fange einfach an und seh dann wieweit ich komme. Irgendwann gibts dann natürlich den ersten Stop und dann mach ich mir nähere Gedanken um meine Prots und ihren Hintergrund. Manchmal entwickelt sich dann auch schon während dem Schreiben. Jedenfalls ist das bei mir meistens so, nicht nur bei Romanen sondern auch bei kürzeren Texten. Da hat man natürlich nicht soviel Raum seine Figuren vorzustellen, aber trotzdem sollte man sich um deren Hintergrund Gedanken gemacht haben. Icon_smile Auf die Unglaubwürdigkeitsfalle sollte man mMn ständig ein Auge haben. Es ist schnell mal passiert, dass da was nicht stimmt. Zumindest hab ich das bei mir festgestellt, sobald ich mich näher auf die Handlung konzentriere.

Zitat:Hattet ihr schon die ein oder andere Krise mit euren Charakteren?

Krisen? Na klar, hab ich ständig mit meinen Prots. Entweder stelle ich plötzlich fest, dass die vorgesehene Tat nicht zu ihnen passt, oder ich merke plötzlich das ich mir um die ein oder andere Kleinigkeit gar keine Gedanken gemacht habe. Und dann gibts da noch diejenigen die nach noch mehr Aufmerksamkeit schreien. Da will man sich ihrer nur mal kurz als Nebendarsteller bedienen und plötzlich braucht man für sie doch ein ganzes Kapitel.

Zitat:Und irgendwann kommt der Punkt, an dem sich der Spielraum einschränkt - einfach weil ein Charakter eben seine Eigenschaften hat und man auf seine Glaubwürdigkeit achten muss.

Ich sehe diese Verselbstständigung nicht als Einschränkung an, wenn dadurch die Worte fließen ist das doch gut. Dann schreib ich einfach mal fleißig mit, was mir die Prots vorgeben. Ob das dann später auch in den Roman fließt wird kann ich dann ja immernoch entscheiden. Ich glaub für einen von meinen Prots habe ich drei Seiten an Hintergrundgeschichte geschrieben, Kindheit, Lebenslauf, Familie, alles Mögliche, aber ob das nochmal Verwendung weiss ich noch nicht. Aber es hat mir jedenfalls geholfen in der Geschichte zu bleiben und ihre Welt näher kennenzulernen.

Meistens vertrag ich mich aber doch mit meinen Prots, besonders, wenn wir die Krisen überwunden haben.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #4 |

RE: Romanfiguren
@Addi: Sehe ich nicht so - die ersten paar Seiten kannst du dir dein Fundament noch aussuchen. Da entwickelt sich der Chara erst. Notfalls kannst du ihn nochmal umschreiben. Mit zunehmender Seitenzahl erschwert sich das und die Einschränkung wächst. Natürlich muss man von Anfang an auf Glaubwürdigkeit achten, aber der Spielraum ist noch deutlich größer.

...

Ich verbring ja inzwischen schon 7 Jahre mit Ryan ... (hab den Roman nach 2 Jahren beendet, 3 Jahre nichts mehr geschrieben, dann mal wieder angefangen, neu zu schreiben und wirklich neu schreiben tu ich seit 2008) ... trotz dieser Pausen, ist er irgendwie immer wieder in meinen Gedanken aufgetaucht. Da kennt man sich Icon_wink ... und hat die ein oder andere Krise.
Manchmal bekomme ich einfach keinen Zugang zu ihm, mir fehlt das Verständnis, warum er jetzt so und so reagiert - im Prinzip weiß ichs, klar, aber das Verständnis fehlt und dann lass ichs erstmal liegen, weil dann die Emotionen im Text fehlen ...

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Beitrag #5 |

RE: Romanfiguren
Ich glaube zwar auch, dass sich ein Char in den ersten Seiten entwickelt, aber die wirkliche Geburt und frühe Kindheit, wie ich sagen würde, findet in den Gedanken des Autors statt. Man kann Romanfiguren erst nach dem Säuglingsalter auf das Papier lassen, wenn ihr versteht, was ich meine. Zum Beispiel ging es mir einmal so, dass ich eine Figur im Sinn hatte und sie unbedingt in eine neue Welt loslassen wollte, aber Jystina sträubte sich. Sie war einfach noch nicht reif genug, also ließ ich sie in einem anderen Roman eine kleine Rolle einnehmen und lernte sie eben über nur dreißig Seiten kennen. Man musste sie nicht komplett einführen, weil sie kein Protagonist war, aber man hat doch Seiten an ihr kennen gelernt, die von dem Moment, in dem man sie bemerkte, schon immer da gewesen waren. Ich persönlich mag sie jetzt gerne - auch wenn sich jetzt ihre Vergangenheit mit mir zankt Icon_irre
Generell mag ich allerdings meine Protos und allgemein meine Figuren gerne. Und das Gerücht, dass Autoren ein Avatar in eine Traumwelt setzten, um dann schreibend Realitätsflucht zu begehen, weise ich zurück: Ich identifiziere mich höchstens teilweise mit meinen Figuren. Vlt bin ich ... irgendwie anders, aber es sind die Leute, die ganz anders sind als ich. Nicht nur vom Aussehen oder den Stärken her. Sie kennen mich nicht, aber ich bewundere sie gerne und leide mit ihnen. Hilfe, sie sind Stars der ganz eigenen Welt des Autors - holt sie nicht aus der Geschichte heraus! Icon_smile

(Sozusagen grüße ich hiermit Neya &Sasyma, Sahiva & Nitila, Zenaura & Jina, Feuerfuchs & Eylen, Jystina, Nizai, Saruke und etliche andere Smiley_emoticons_blush )

Gruß
Trinity

P.S.: wie ist das eigentlich mit dem Namen eurer ProtagonistInnen - wie sucht ihr den, findet ihr den, denkt ihn euch aus ... ? Aber vlt sollten wir dafür einen neuen Thread eröffnen. Mit einer Sammelliste für Protagonistennamen ...

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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Beitrag #6 |

RE: Romanfiguren
Ich hatte vor ein paar Jahren mit einem Roman begonnen, hatte auch ein recht vollständiges Konzept dafür, aber irgendwie ist mir bei der Hälfte des Romans die Verbindung zu meiner Hauptfigur verloren gegangen. Ich habe zwar weiter geschrieben, aber irgendwie war das alles unglaubwürdig, es passte nicht mehr. Ich weiß nicht wieso und wann, aber an irgendeiner Stelle hat sich meine Hauptfigur anders entwickelt als ich mir das Vorgestellt hatte und dann passte alles was danach kam nicht mehr. Ich hab noch mehrmals versucht wieder mit dem Roman weiter zu machen, aber ich verstehe meine Hauptfigur nicht mehr. Ich hab seit dem nichts anderes längeres mehr geschrieben, da ich befürchte das mir ähnliches wieder passiert. Ist schon fast wie eine Schreibblockade und wenn ich heute den Text von damals lese, kommt er mir sehr fremd vor.

Mal sehen, vielleicht ergibt sich ja irgendwann mal wieder eine Idee, die ich umsetzten will.

Zweizeiler
Zeile für Zeile komm ich Dir näher.
Wort für Wort stiehlst Du Dich davon.


(Stefan Brinkmann)

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Beitrag #7 |

RE: Romanfiguren
Ich bin ja der König der Romananfänge. Ständig fasziniert mich, beeinflusst durch alles was mich umgibt, ein anderes Thema, weshalb ich regelmäßig neue Charaktere erdenke. Wenn ich dann beginne, ihre Geschichten aufzuschreiben, kappt schnell die Verbindung. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich Projekte, deren Handlung und Ende ich erdacht habe, nach dem ersten Kapitel beende. Denkt ihr, es gibt einen Weg, sich enger an seinen Protagonisten zu binden?

Zu der Frage, wie ich mir Namen ausdenke, muss ich sagen, dass sie mir einfach einfallen. Und der Name, der mir vorschwebt, kann dann auch nicht mehr geändert werden. Sollte mir einmal kein Name einfallen, wird es für mich schwieriger, mich mit dem Protagonist zu identifizieren.


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Beitrag #8 |

RE: Romanfiguren
Tja, ich hab bisjetzt nur eine Geschichte geschrieben, die länger als 5 Kapitel ist^^ Und es ist gleichzietig auch meine erste Geschichte. Die Hauptperson hat mehr Eigendschaften von mir als alle anderen. Im Grunde hab ich keine Hauptperson erfunden, ich bin die Protagonistin. Die natürlich auch viele Wunsch-Eigendschaften hatMrgreen

lg
sandy

Mit Worten kann man die Welt aus den Angeln hebeln

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Beitrag #9 |

RE: Romanfiguren
Hm, ich bin als Autorin jemand, der eine sehr emotionale Bindung zu seinen Figuren aufbaut. An der Art, wie ich diese Figuren wahrnehme - emotional wahrnehme, meine ich damit - merke ich, wie "rund" sie sind, wie viel Potenzial sie in sich tragen. Klingt vielleicht erst mal bekloppt, ist aber so. Icon_wink

Ich habe alle meine Figuren sehr "gern", ich gebe ihnen Spitznamen, ich lache mit ihnen und ich lache über sie, genauso wie ich mit ihnen weine oder eben über ihr Schicksal ... Es tut mir ebenso weh, wenn ich einer Figur etwas antue oder ihr eine schlimme Vergangenheit andichte (allerdings tue ich das oft, ich scheine masochistisch veranlagt zu sein Icon_ugly Mrgreen ).

Vieles kommt durch's Einfühlen. Dadurch, dass ich als Autorin immer versuche, die Gefühle der Figuren nachzuvollziehen und ihre Beweggründe nachzuempfinden, baue ich ein engeres Verhältnis zu ihnen auf. Ich kann sie besser verstehen, so weit sie in ihren Motiven und Eigenschaften auch von mir entfernt sein mögen ...

Krisen hatte ich noch keine wirklichen mit meinen Charakteren, aber es gab wohl schon Fälle, bei denen ich mich um eine genaue Gesamtwahrnemung der Figur gedrückt habe, meist aus eigenen, unbewusst emotionalen Gründen. Das ist vielleicht eine Art "Krise", aber, hm, als solche habe ich sie nie gesehen ... Meine Figuren kommen meist als Gesamtpaket auf die Welt, das heißt, sie sind so gut wie fertig, ich muss nur noch herausfinden und nachhaken, gucken, WIE sie sind.


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Beitrag #10 |

RE: Romanfiguren
Werde hier auch mal meinen Senf dazu geben, weil ich das Thema sehr interessant finde.

Für mich ist es enorm wichtig, eine enge Verbindung mit seinen Hauptcharakteren zu haben. Schon allein um sie so authentisch wie möglich darzustellen und aus ihnen dreidimensionale Figuren zu machen.
Man muss sie gut kennen, um sie in den jeweiligen Situationen auch entsprechend handeln zu lassen. Schließlich sind Figuren nur glaubwürdig, wenn sie sich auch ihrem Charakter entsprechend verhalten. Deshalb arbeite ich für meine Prots vorher eine detaillierte Biographie aus.
Irgendwann in der Geschichte fangen sie dann an sich selbständig zu machen. Ich muss sie dann nur noch in die richtige Richtung lenken, was nicht immer ganz leicht ist. Icon_confused

Im Prinzip ist es egal, wie lange man an einem Buch arbeitet bzw. wie viel Zeit man mit seinen Charakteren verbringt. Meinen ersten Roman habe ich in zwei Monaten geschrieben, aber auch dort war die Bindung zu den Prots so stark, dass ich das Ende so lange wie möglich hinausgezögert habe. Ich wollte einfach nicht loslassen.

Und das ist es doch auch, was wir letztendlich erreichen wollen. Dass der Leser eine enge Bindung zu den Charakteren bekommt. Aber wenn wir die als Autor schon nicht haben, wie soll das dann beim Leser funktionieren? Icon_wink

Schluss mit lustig

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