Es ist: 19-06-2021, 13:15
Es ist: 19-06-2021, 13:15 Hallo, Gast! (Registrieren)


Das Rote Palais: Die Totenwächterin von Helene Henke
Beitrag #1 |

Das Rote Palais: Die Totenwächterin von Helene Henke
Obwohl mein Erstling fast ein Jahr alt ist, möchte ich ihn euch ebenfalls gerne vorstellen. Zumal Teil zwei "Das Rote Palais: Der Gottvampir" im Juli 2009 folgen wird.

Inhalt "Das Rote Palais: Die Totenwächterin" Sieben Verlag

Wenn Menschen in Konflikte mit Vampiren geraten, wenden sie sich an die Detektivin Leyla Barth.
Deutschland plant den Vampirismus zu legalisieren, doch es gibt Widerstände auf beiden Seiten.
Die Polizei bittet Leyla um Mithilfe bei der Aufklärung mysteriöser Morde an Vampiren. Das Multiplexkino Aurodom gerät ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Es ist in fester Hand des Meistervampires der Stadt. Er setzt den Charme eines vollendeten, fünfhundert Jahre alten Gentlemans ein, um Leyla für sich zu gewinnen. Hat er mit den Morden zu tun?

Die Ermittlungen führen Leyla zu Thetania e.V., einer als Verein getarnten Sekte, die sich den Schönheits- und Jugendwahn der Menschen zunutze macht.

Leseprobe:

Wie erwartet fand sie dort eine Akte mit Fahndungsfotos und eine
Notiz von Rolf, mit der Bitte die Aussage von Rudger zu übernehmen.
Sein Erscheinen auf dem Revier hatte demnach nichts mit den
gestrigen Ereignissen zu tun. Rudger erwiderte ihren Gruß mit einem
Nicken und nahm auf der anderen Seite des Tisches Platz. Leyla saß
mit dem Rücken zu der Glasscheibe, hinter der sich das Großraumbüro
befand und beobachtete, wie Rudger die Fahndungsbilder sichtete.
Er blätterte mit bedachten Bewegungen in der Akte und betrachtete
jedes Bild mit ruhiger Konzentration. Zum ersten Mal fühlte sie
sich befangen in seiner Gegenwart, was vermutlich mit den Ereignissen
am Vorabend im Aurodom zusammenhing. Sie dachte an Evelyn,
an Vincent und an den Kuss auf der Bühne. Es hatte sich etwas zwischen
ihnen verändert. Leyla richtete sich in ihrem Stuhl auf und
straffte die Schultern. Das half ihr dabei, ihre Gedanken zu ordnen.
„Warum helfen Sie der Polizei?“ Augenblicklich spürte sie Hitze
aufwallen, als sie errötete. Die Frage war ihr rausgerutscht. Das war
ihr noch nie passiert. Schließlich erklärte Rudger sich nicht zum ersten
Mal dazu bereit, der Polizei bei Fahndungen behilflich zu sein.
Er blickte sie mit hochgezogenen Augenbrauen an und klappte die
Akte auf dem Tisch zu. Seine Mundwinkel zuckten.
„Ich revanchiere mich.“ Er machte eine kurze Pause und forschte in ihrem Gesicht.
„Eure Gesetze waren bislang von Vorteil für mich.
Mir gefällt diese Entwicklung der Zivilisation, weil sie Ordnung schafft.“
„Und die Polizei vom Roten Palais fernhält.“ Sie stellte erleichtert
fest, dass sie ihre Fassung wiederzugewinnen schien.
Er lächelte und nickte. „Ihre Kollegen beobachten uns“, bemerkte
er und blickte an ihr vorbei durch die Glasscheibe.
„Ja, sie haben einen Heidenspaß, doch in Wahrheit haben sie Angst
vor Ihnen.“
„So? Wovor fürchten sie sich?“ Er spreizte die Finger wie Fächer
auf der Tischplatte und lehnte sich zurück. Das kalte Neonlicht brach
sich in seinem Siegelring und ließ ihn funkeln.
„Sie glauben, dass Vampire die Weltherrschaft übernehmen wollen.“
Langsam beugte er sich vor, wie jemand, der seinem Gegenüber
etwas zuflüstern will. Seine Hände schoben sich über die Tischplatte
in ihre Richtung. Ihre Fingerspitzen kribbelten und sie widerstand
dem Impuls ihre Hände zurückzuziehen. Die Luft im Raum schien zu
knistern als hätte sie sich statisch aufgeladen. Die Härchen auf Leylas
Armen richteten sich auf.
„Die Weltherrschaft? Wir sind die Herrscher der Nacht, meine Liebe
und das werden wir auch bleiben. Der Tag ist uns verwehrt. Vampire
sind weder organisiert noch kontrollierbar.“ Seine gedämpfte
Stimme war sandig und überzog Leylas Haut mit einem Prickeln.
Irgendetwas berührte sie, streichelte zärtlich über sie hinweg und
erreichte jeden Winkel ihres Körpers. Sie fühlte ihr Innerstes nach
außen kehren. Schnell warf sie einen prüfenden Blick auf seine Hände.
Sie lagen nach wie vor regungslos auf der Tischplatte. „Doch das
Wichtigste ist, wir sind nicht daran interessiert.“
Er machte eine Pause und sah sie intensiv an. Heiße und kalte
Schauer fuhren im Wechsel über ihren Rücken. Das Atmen fiel ihr
schwer.
Meine Güte, sah der Mann gut aus. Der Gedanke war einfach da.
Unerwartet aufgetaucht aus ihrem Unterbewusstsein entzog er sich
jeglicher nüchterner Überlegung. Sie schob ihre feuchten Hände unauffällig
über die Tischplatte, um eine kühlere Stelle zu erwischen.
„Das hört sich an, als seien Vampire schlicht zu bequem dazu?“ Erleichtert
vernahm sie, dass ihre Stimme fest und sachlich klang.
Er musste aufgestanden sein, denn sein Gesicht befand sich nun
unmittelbar vor ihr. Für einige Sekunden starrte sie auf den verlockenden
Schwung seiner Lippen. Samtweiche Lippen deren fester
Druck ihren Verstand benebelt hatte. Es war nur ein Kuss gewesen,
nicht von Bedeutung sondern eine Showeinlage. Vermutlich stand
jeden Abend eine Frau aus dem Publikum auf der Bühne und erlag
dem betörenden Charme des Meistervampirs. Sie räusperte sich und
schaffte es nicht zurückzuweichen.
„Wir leben doch schon ewig, mina Fagreþæ. Es besteht keine Notwendigkeit
uns mit großen Taten ein unvergessliches Denkmal zu
setzen. Dieser Ehrgeiz ist eine menschliche Eigenart.“ Während er
sprach blitzten ebenmäßige Zahnreihen zwischen seinen Lippen.
Seine Reißzähne waren selbst auf diese kurze Distanz nicht zu sehen.
Sie wollte ihn nicht anstarren, doch anders schaffte sie es nicht, die
aufsteigende Panik und den instinktiven Drang nach Flucht zu unterdrücken.
„Die Menschen hetzen durch das Leben, um eine Antwort
auf die Sinnfrage ihrer Existenz zu finden. Wir hingegen sind Wesen
der Leidenschaft und des Genusses.“
Sein Gesicht zog sich so schnell zurück, dass Leyla erschrak. Seine
halbgeschlossenen Lider öffneten sich in Zeitlupe und ehe sie sich
versah, versank sie in seinem tiefen Blick. Das Zimmer um sie herum
verschwand im Nebel. Es blieb nichts anderes als das unergründliche
Mitternachtsblau seiner Augen. Ein brennendes Verlangen keimte in
ihr auf und ließ den Moment so intim erscheinen, als hätte er sie in
Gedanken hier vor den Augen ihrer Kollegen auf den Tisch geworfen
und mit ihr geschlafen. Zum Glück sahen die Männer hinter der
Glasscheibe lediglich zwei Leute, die sich in einem harmlosen Gespräch
gegenübersaßen. Mit aller Kraft entriss sie sich seinem Blick
und schaute auf die Wanduhr hinter ihm, nur um sich zu beweisen,
dass sie dazu in der Lage war. Mit einem tiefen Atemzug löste sich
die Anspannung in ihrem Hals.
„Das reicht. Lassen Sie die Spielchen, Meister.“ Sie zog ihre Hände
zurück und verschränkte sie vor der Brust. Obwohl sie innerlich
kochte, setzte sie ihr engelhaftestes Lächeln auf und wartete auf seine
Reaktion.
„Es ist dieses Mal niemand dabei“, sagte er.
„Bitte?“
Ihr Blick fiel auf die Akte, die er über den Tisch schob. Sein plötzlicher
Stimmungswechsel überkam sie wie ein eiskalter Regenschauer.
Dabei wurde immer von Frauen behauptet, dass sie zu schnell von
einem Thema zum anderen wechselten und man ihnen nur mit Mühen
folgen konnte. Solche Leute sollten sich mal mit einem Meistervampir
unterhalten.
„In Ordnung. Danke. Ich werde es Kommissar Fuhrmann ausrichten.“
Leyla erhob sich gleichzeitig mit ihm.
„Wir sehen uns morgen Abend“, sagte er und begab sich zur Tür.
Er würde wie üblich die Kellertür des Präsidiums aufsuchen und
von dort aus die stillgelegte Unterführung benutzen. Leyla stieß die
Luft aus und blickte noch eine Weile auf die geschlossene Tür. Es
ärgerte sie, dass er in der Lage war, in ihr derart wechselhafte Emotionen
auszulösen und sie gleichzeitig zu faszinieren. Morgen Abend,
wiederholte sie in Gedanken seine Worte.

Soviel von mir Icon_smile
Herzliche Grüße
Helene Henke


Angehängte Dateien Thumbnail(s)
   


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2021 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme