Es ist: 22-11-2019, 06:40
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VR: Erbfolge (450 d.D.)
Beitrag #1 |

VR: Erbfolge (450 d.D.)
Leise wurde die Tür zu den privaten Zimmern des Barons geöffnet. Es gab nur wenige, die es sich erlauben durften ohne Anmeldung diesen Bereich zu betreten. Marekis war einer davon. Der alte Diener war etwas älter als der Baron und hatte bereits als Knabe dem jüngeren Salinus als Spielkamerad gedient. Später war er ein Waffenkamerad und Berater geworden. Mit dem Alter hatte Marekis die Waffen abgelegt und stand als persönlicher Diener und Berater dem Baron zur Seite.

Eine Weile musterte er seinen Herrn eingehend. Das Gesicht war durch die lange Krankheit eingefallen und gezeichnet. Das eins wettergegerbte Gesicht blass. Nur die dunkelblauen Augen sprühten noch genauso vor Lebenswillen, wie sie es in jungen Jahren getan hatten. Mit einem tiefen Seufzer machte der Diener auf sich aufmerksam.
„Wie lange beobachtest du mich schon, Marekis?“ Die Stimme war kraftvoll und wollte nicht so recht zu dem Körper passen, doch dem Angesprochenen fiel das leichte Zittern darin auf.
„Nicht lange mein Herr. Ich bin erst eben zur Tür herein gekommen.“
„Hast du positive Nachrichten?“
Marekis schüttelte den Kopf. Dann erinnerte er sich daran, das sein Herr noch immer mit dem Rücken zu ihm gewandt dasaß. „Nein, mein Herr.“
„Dann verschone mich mit den schlechten.“
„Es sind weitere Freiherrn angereist und bitten um eine Audienz. In der Stadt benehmen sie sich schon wie die neuen Herren, haben schon manche Zeche geprellt und Inventar ruiniert. Von den Übergriffen auf die Mägde und Dienerinnen einmal abgesehen.“
„Aasgeier. Sollen sie von den Dunklen geholt werden.“ Der Baron bedeutete ihm zu sich zu setzen, eine Geste, die zeigte wie hoch er Marekis schätzte. Seinerseits betrachtete er nun seinen Diener und Kameraden. Trotz dessen hohen Alter war er in Ehren ergraut. Seine Gesichtszüge waren hager und seine braunen Augen blickten stets ernst. Würde die Krankheit Salinus nicht so beuteln, wäre er einen Kopf größer als Marekis. Manchmal verfluchte er ihn für seine Gesundheit und dann verfluchte er sich selbst, das er seinem treuesten Freund das neidete. „Geht zu den Wirten und entschädigt sie. Wenn diese Geier lange so weiter machen, dann werden sie eine arme Baronie vor sich haben. Und es gibt wirklich nichts positives zu vermelden? Kein altes Weib, dessen Sohn von mir sein könnte? Wirklich niemand?“

In jungen Jahren war Salinus für seine großen Vorlieben bekannt. Er hatte so manchen Bastard gezeugt und seinen drei Ehefrauen jeweils sorgenvolle Nächte bereitet. Doch seine rechtmäßigen Kinder waren entweder in jungen Jahren verstorben oder bei Unfällen und durch Krankheiten zu Tode gekommen. Und nun, da sein eigenes Ende sich ankündigte war keiner dieser Bastarde mehr aufzufinden. Sollte sich allerdings kein Erbe finden lassen, so fiele die Baronie an den Fürsten zurück, der sie an seine Lakaien vergeben könnte. Und wenn sein Herr einen Freiherrn an seines Namens statt nehmen würde, hatte er das Recht diesem die Baronie zu entziehen, sofern die Wahl nicht sorgfältig gewesen war. Und sorgfältig war der Baron. Er würde mit allen Mitteln versuchen einen guten Baron zu finden. Einem, der das Leben seiner Untertanen ebenso wichtig wäre, wie Salinus.
„Es tut mir Leid mein Herr, doch in der Baronie ist kein Bastard aufzufinden. Als wären sie vom Erdboden verschluckt.“ Seine Befürchtung, dass daran der Provinzfürst nicht ganz unschuldig sein könnte, behielt Marekis für sich. Sein Herr war dem Fürsten treu ergeben und solch ein Verdacht, ohne unwiderlegbare Beweise, würde ihn den Kopf kosten. „Allerdings ist Meister Brogan angekommen.“
„Gut. Das ist gut. Schick gleich nach ihm.“
„Wie ihr wünscht, mein Herr.“ Damit war Marekis entlassen.




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Ranja saß im Gasthaus „Zum immervollen Krug“ und beobachtete die anderen Gäste. Hier im Norden waren Letharos nicht ganz so selten wie in anderen Teilen Athalems, sodass die neugierigen Blicke schon bald wieder verschwanden. Meister Brogan war zu einer Unterredung unterwegs und hatte ihr aufgetragen, die Freiherren zu beobachten.
„Ein Barde ist immer aufmerksam und beobachtet seine Umgebung genau. Also übe dich darin. Sei versichert, das ich dich überprüfe. Du bist bald am Ende deiner Lehrzeit angelangt und dann wirst du dich den Prüfungen der Barden stellen müssen. Also nutze jede Gelegenheit zum Üben. Und damit ist nicht nur deine Stimme oder deine Fingerfertigkeit mit den Instrumenten gemeint.“
Also hatte sie es sich an einem hinteren Tisch bequem gemacht und die Freiherren unauffällig beobachtet. Manieren hatte alle drei, die dort Platz genommen hatten, keine. Sie waren unflätig und hochnäsig. “Hoffentlich wird von denen keiner Baron.“ Sie waren kaum in der Stadt angekommen, als sich die Gerüchte bestätigt hatten. Und während der noch lebende Baron einen eigenen Nachfolger suchte, war der Fürst bereits ebenso mit der Auswahl von Kandidaten beschäftigt. Gerade waren sie dabei die Bedienung in Bedrängnis zu bringen. Ranja schüttelte den Kopf und seufzte. Ihr Meister hatte ihr strikt verboten ihre Kräfte in der Öffentlichkeit anzuwenden, doch im Geiste überlegte sie sich bereits passende Verse, sollten die ehrbaren Herren zu weit gehen. Der Nachteil ihrer bereits frühen Ausbildung in Dichtung und Gesang hatte dafür gesorgt, dass ihre Gabe nicht nach ihrem einfachen Willen lenkten konnte. Sie musste stehts auf Reime zurückgreifen, denn nur in den seltensten und unberechenbarsten Fällen kam sie ohne aus..

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Beitrag #2 |

RE: VR: Erbfolge (450 d.D.)
Zahida hatte eine lange Reise hinter sich. Zum ersten Mal in ihrem noch jungen Leben hatte sie die Grenzen Gandal'kans hinter sich gelassen. Und nicht nur Gandal'kans, auch Nomae'kans Grenzen lagen hinter ihr.

Den größten Teil ihrer Reise hatte sie auf einem Handelsschiff zurückgelegt, die der Küste Athalems folgten und Gandal’kan und Nomae’kan auf dem Seeweg verbanden. Ihre Silbermöwe Tilla war ihr dabei gefolgt. Sie hatte sich einem Schwarm gewöhnlicher Möwen angeschlossen und zog unablässig ihre Kreise über dem Schiff. Ab und zu kam sie zu Zahida hinab geflogen und ließ sich von ihr den weißen Kopf streicheln, doch dann erhob sie sich wieder in den salzigen Wind und rief mit einem heißeren Kreischen ihre Kameraden.
Kurz vor der nördlichen Grenze Nomae’ kans war sie von Bord des Handelsschiffs gegangen und hatte sich von einem kleinen Schifferboot hinter den Grenzen Iqann'kans absetzten lassen. Dort hatte sie zum ersten Mal die Luft der Nordländer geatmet.

Zahida folgte den Flüssen ins Landesinnere, dabei hatte sie stetig gespürt, dass sie sich immerweiter vom offenen Meer entfernte. Es stimmte sie traurig, als ob sie einem alten Freund verlassen würde, aber der Norden war von Flüssen durchzogen und so fühlte sie sich trotzdessen wohl. Auch Tilla schien zufrieden zu sein. Sie schwamm auf dem kühlen Nass und ließ sich vom fließenden Wasser treiben.
Die wenigen Bewohner, denen Zahida auf ihrer Durchreise begegnete, beäugten sie misstrauisch. Zwar war an ihrem Äußeren, mit den meergrünen Augen und den hellen langen Haaren nichts ungewöhnliches, aber sie war eine Fremde. Und Fremde waren nirgendwo gerne gesehen. Aber Zahida hatte sich inzwischen damit abgefunden. Unbeirrt folgte sie weiter dem fließenden Wasser, bis sie schließlich in einer Stadt ankam.
Unentschlossen stand sie nun vor dem Stadttor und betrachtete sich den Wachposten, der damit beschäftigt war einige schwer beladene Ochenskarren so durch das Tor zu lotsen, dass sie sich nicht gegenseitig im Weg standen. Zahida wartete, bis alle Karren hindurch waren, dann fragte sie den Wachhaben, der einen hellen Vollbart besaß:
“Wie heißt diese Stadt?“
“Basak“, antwortete der Bärtige knapp. Zahida hatte sich mehr Informationen erhofft.
„Und wer verwaltet diese Stadt?“
„Baron Salinus. Und jetzt verschwinde Mädchen. Ich habe zu tun.“
Zahida seufzte. Ergab sich aber ihrem Schicksal und passierte trotz allem das Tor. Sie sah zu ungefährlich aus, als dass der Bärtige versucht hätte sie aufzuhalten.
Eine riesige Stadt erhob sich vor ihren Augen, riesig und voller Menschen. Sie konnte sich auf den engen Straßen kaum selbst vorwärts bewegen und wurde von der Menge einfach mitgeschoben.
Zufällig fand sie sich plötzlich vor einem Gasthaus wieder. „Zum immervollen Krug“ stand auf dem Schild welches unbeweglich an seiner Stange hing.

Schon seit Wochen hatte sie nichts, als Fisch und Beeren zu essen bekommen, und so war die Entscheidung die Gastwirtschaft aufzusuchen schnell gefallen.
Im Inneren war es wie in jeder anderen Gastwirtschaft auch, dunkel und rauchig. An der Theke standen drei Männer, die sich lautstark unterhielten. Zahida betrachte sie. Alle drei trugen Kleider aus feinen Stoffen, dazu Stiefel aus gutem Leder und feingearbeiteten Schmuck.
Zahida winkte dem Wirt zu, dann setzte sie sich an einen der vorderen Tische auf einen freien Stuhl.

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Beitrag #3 |

RE: VR: Erbfolge (450 d.D.)
Noch immer blickte Ranja grimmig zu den drei Herren hinüber. Es schien ihnen zu gefallen, dass die Schankmaid sich nicht zu wehren traute. Ihr rauhes Lachen übertönte selbst die Gespräche. Fast hätte Ranja den neuen Gast nicht wahrgenommen, doch als sie das Meerblau in ihr Blickfeld kam, wanderte ihr Blick und blieb an der Gestalt hängen. Sie war eine Fremde, das konnte man an den Reaktionen der Anwesenden erkennen. Doch das waren viele hier, zu dieser Zeit. Fast hätte sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Freiherrn gelenkt, als sie die Augen der jungen Frau kurz streiften. Ein klares Meerblau, das Ranje kurz darüber nachdenken lies, ob die Dame vor ihr eine Letharos sein könnte. Also blieb ihr Blick an dem Gast hängen.
Nein, sie war ein Mensch und trotzdem fing Ranjas Nacken an zu kribbeln. Etwas war an ihr, das sie neugierig machte.

Mittlerweile hatte der Neuankömmling sich gesetzt und den Wirt zu sich gerufen. Ihr schien nicht aufgefallen zu sein, dass die Freiherren sie nun aufmerksam musterten. Die Schankmaid hatte sich zu anderen Gästen gerettet und nun hatten sie keinen Spaß mehr. Auch gingen Blicke zu Ranja, doch eine Letharos war für sie zu ungewöhnlich, um sich etwas zu erlauben. Ranja hatte ihre Haare nach hinten gestrichen, dass ihre Ohren zu sehen waren. Sie wollte ihre Ruhe haben und das hatte sie damit erreicht. Doch die junge Frau, die nun ihr neues Opfer werden sollte, hatte keinen solchen Vorteil. Ranja versuchte ihren Blick einzufangen und als es ihr endlich gelang, bekam sie aus dem Augenwinkel heraus mit, das die feinen Herrschaften sich in Bewegung setzen wollten.

Also rief Ranja lauf zu der Dame. "Ach da bist, komm hierher. Ich hab dir einen Platz freigehalten." Sie winkte eifrig mit den Händen, so als kenne sie diesen Gast schon länger. Das schien sie zu überrumpelt. Einen Augenblick lang sah es so aus, als würde sie nicht reagieren. Dann stand sie unsicher auf und kam zu Ranja an den Tisch. "Entschuldigung, sie müssen..." Doch weiter kam sie nicht, denn Ranja unterbrach sie mit einer Lautstärke, als wäre ihr Gegenüber schwerhörig. "Ich dachte schon, du kommst nicht mehr. Hier setzt dich. Wirt? Bring ihre Bestellung dann hierher." Ranja fasste die Dame und zog sie auf einen Stuhl. Als sie sah, dass die Freiherrn wieder zurück an die Theke gingen, fuhr sie leise fort. "Verzeiht meine unhöfliche Art. Ranja Eichenklang mein Name. Die feinen Herren hatten euch als nächstes Ziel für ihre derben Späße ausgemacht und ich wusste mir keinen anderen Rat. So bitte ich euch, es mir gleichzutun. So als wären wir uns bekannt." Die Angesprochene blickte in strahlende Augen, von dem blau eines wolkenfreien Sommertagshimmel oder von den Buchten und Lagunen, wärend die Mittagssonne darauf ihr Licht warf. Und dann wanderte ihr Blick zu den spitzen Ohren.

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Beitrag #4 |

RE: VR: Erbfolge (450 d.D.)
Sie ist eine Letharos, war das erste was Zahida beim Anblick der jungen Frau dachte. Doch dann besann sie sich der Regeln der Höflichkeit und flüsterte:
„Mein Name ist Zahida. Ich danke euch für die Rettung.“ Etwas lauter und für alle hörbar fügte sie hinzu:
„Tut mir leid, dass ich mich verspätet habe, man hat mich am Tor aufgehalten!“
Misstrauisch betrachtete sich Zahida noch einmal die drei gut gekleideten Herren, an denen sich die Schankmaid nun wieder vorbeidrängen musste. Sie fragte sich, was diese an dem dürren Mädchen so interessant fanden, es wirkte äußerst unscheinbar. Außerdem sahen, diese drei nicht gerade aus, wie die typischen Besucher einer Kneipe und schon gar nicht, als würden sie sich mit einem einfachen Wirtsmädchen abgeben wollen. Viel mehr wirkten sie, in ihren bunten Kleidern, fehl am Platz, als ob sie auffallen wollten.
Schließlich gelang es dem Mädchen endlich, mit viel Geschick, ihr Tablett bis zum Tisch der beiden Frauen zu balancieren. Wortlos stellte sie vor Zahida eine Holzschüssel mit dampfender Suppe und einen Krug mit wässrigem Bier ab, als ob sie sich dadurch unsichtbar machen könnte.
„Entschuldigt bitte, ich habe schon seit Wochen nichts vernünftiges mehr gegessen“, sagte Zahida und griff nach dem Löffel. Während sie vorsichtig über die Suppe blies, betrachtete sie sich ihre Tischgefährtin genauer. Sie war eindeutig eine vom Volke der Letharos. Zahida hatte Geschichten über diese gehört, aber für sie hatten sie - genau wie die Zwerge - immer ins Reich der Legenden gehört, oder in weit entfernte, unbekannte Länder. Nun saß eine von ihnen, mit ihr an diesem, nicht gerade sauberen, Tisch. Neben ihr hing ein einfacher, grüner Reisemantel über dem letzten freien Stuhl.
„Darf ich Euch eine Frage stellen? Was macht eine Letharos, in einer Stadt wie dieser?“ Die Fremde hatte ihre Neugier geweckt.
"Fragen dürfen immer gestellt werden, man sollte nur wissen, ob man die Antwort wirklich hören will. Das sagt zumindest Meister Brogan immer. Denn die gleiche Frage könnte ich auch Euch stellen. Ihr seit nicht von hier und wie eine Händlerin seht ihr nicht gerade aus. Ich für meinen Teil reise mit meinem Lehrmeister, um mehr über Land und Leute zu lernen und meine Fähigkeiten zu verbessern." Ranjas Hand glitt zärtlich über ihre Musikintrumente.
"Und was hat Euch hierher geführt?"
Sie hatte die Frage erwartet und doch zögerte Zahida zunächst zu antworten. Doch sie wollte Ranja keinesfalls beleidigen.
„Die Neugier hat mich hergeführt. Ich hörte, dass sich in dieser Baronei die Quelle eines Flusses befindet. Auch ich muss noch so einiges lernen.“ Wehmut überfiel Zahida, als sie daran dachte, dass diese Letharos einen Meister hatte, der ihr alles beibrachte. Sie selbst aber ihren Lehrmeister hatte verlassen müssen. Rasch wechselte sie das Thema, bevor sie von den Gefühlen ihrer Vergangenheit eingeholt werden konnte.
„Wisst Ihr was es mit diesen drei gut gekleideten Herren auf sich hat? Die scheinen mir nicht die Sorte Mensch zu sein, die sich bevorzugt in solchen Tavernen aufhält.“

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Beitrag #5 |

RE: VR: Erbfolge (450 d.D.)
"Oh, ihr meint die Quelle des Nyltra? Ihr habt sicherlich die Legende davon gehört und wollt euch nun mit eigenen Augen davon überzeugen. Daran hatte ich auch bereits gedacht. Immerhin würde es zeigen, ob..." Ranja hielt inne. "Entschuldigt, ich sprudele gerne und schnell über. Das wisst ihr sicherlich bereits alles. Des wegen beantworte ich lieber eure Frage, obwohl ich mich darüber wundere. Ihr Menschen kennt euch mit dem Adel normalerweise besser aus. Diese drei Herren sind von adligem Stand, soweit ich das beurteilen kann handelt es sich wohl um Freiherren. Auch wenn das - so wurde ich unterrichtet - der niedrigste Stand beim Adel ist, so sind sie dadurch doch Adel und können sich solches Benehmen gegenüber dem einfachen Volk erlauben. Keinem anderen hier ist es erlaubt das Wort gegen sie zu richten. Und so benehmen sie sich nach eigenem Gutdünken."

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Beitrag #6 |

RE: VR: Erbfolge (450 d.D.)
„Freiherren also.“ Zahida überlegte einen Moment. Sie hatte in ihrem jungen Leben noch keine Begegnung mit den Adelsschichten Athalems gehabt. Ihre Eltern waren einfache Leute gewesen und ihr Lehrmeister hatte sie lediglich in magischen Dingen unterrichtet. „Ich kenne mich bei den Adelshäusern leider nicht aus. Aber sie wollen wohl Baron Salinus ihre Aufwartung machen. Weshalb sollten sie sich sonst wohl in diesem schäbigen Gasthaus aufhalten?“ Sie erschienen Zahida fehl am Platz und passten so gar nicht ihre Umgebung. Gerade beobachtete sie wieder, wie die Männer dem Schankmädchen - nicht gerade scheue -Blicke entgegenwarfen. Vorsichtig kostete sie von der Suppe, von deren Grund ihr ein paar kleine Gemüsestücke entgegenschwammen. Sie war heiß und das war das Beste an ihr. Die Brühe schmeckte Zahida nicht. Besser als nichts, dachte sie sich und, um sich von dem seltsamen Gemüsebeetgeschmack abzulenken, konzentrierte sich sich auf die Unterhaltung mit ihrer Tischgenossin.
„Aber sagt, wovon handelt diese Legende des Nyltra? Ich hörte zwar auf meinem Weg hierher, dass sich viele Mysterien darum ranken sollten, aber keine wurde mir davon erzählt.“

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Beitrag #7 |

RE: VR: Erbfolge (450 d.D.)
Ranja betrachtete die junge Frau eingehend. Zahida wusste diesen Blick nicht einzuordnen, doch schien die Letharos überrascht zu sein. Entweder über die Unkenntnis von ihr über den Adel - oder über die Geschichten. Einen Augenblick lang herrschte unangenehmes Schweigen am Tisch und Zahida begann ihre Suppe zu löffeln, um diesen Moment zu überbrücken. Dann räusperte sich Ranja und der seltsame Augenblick ging vorrüber.

"Nun, in dieser Gegend und entlang des Flusses wird sich von Generation zu Generation die Geschichte des Flusses Nyltra erzählt. Es heißt, das in der Zeit in der die Menschen Athalem kaum besiedelten und dabei waren nach und nach das Land zu erkunden, der Fluss Nyltra nicht mehr gewesen war, als ein kleiner Bachlauf. Bereits hier an der Stadt Basak war der Bach nurnoch ein kleines Rinnsaal. In dieser Zeit glaubten die meisten Menschen daran, dass die Natur von Geistern lebt war, welche sie mit Gaben milde stimmen konnten.

Die ersten Menschen, welche hierher kamen lebten von dem kargen Land. Doch es war kaum genug vorhanden und es war zu befürchten, dass ein strenger Winter alle dahinraffen würde. Also machte sich ein Familienvater auf, um die Quelle des Flusses zu suchen. Dort wollte er dem Geist des Wasser Gaben spenden und darum bitten, dass der Fluss mehr Wasser führen sollte. Er folgte dem Wasser flussaufwärts und erreichte nach einigen Tagen die Quelle des Nyltra. Dort brachte er die Gaben dar und bat inständig darum, das seine Bitte erhört werden möge. Er blieb dort zehn Tage und Nächte und brachte stets etwas von dem kargen Essen dar, welches er in der Nähe der Quelle fand. Doch nichts passierte. So wuchs Ungemach in dem Mann, der befürchtete seine Familie nicht über den Winter zu bringen. Er ging auf die Jagd, erlegte Hasen und Füchse. Von jedem Kleintier opferte er die besten Stücke dem Fluss und bat inständig darum, dass der Geist des Wassers sein Flehen erhöhren würde. Und er blieb weitere fünf Tage, ohne das sich etwas änderte. Die Verzweiflung wuchs, denn all die Opfergaben hätten seiner Familie einige Tage im Winter geholfen. Und aus seiner Verzweiflung wurde Wut und in seiner Wut opferte er dem Fluss sein eigenes Blut. Nur ein wenig und er schrie dem Geist zu, dass alle seine Dämme brechen sollten.

In der Ferne hörte man dann ein Donnern und das brachte den Mann wieder zurück. Angst und Scham kamen in ihm hoch und eilig verliess er die Quelle, um zu seiner Familie zurück zu kehren. Es schien, als würde das Donnergrollen ihm folgen und umso schneller kehrte er zu seiner Familie zurück. Und als er bei ihnen angekommen war, brach der Regen aus den Wolken hervor. Innerhalb kurzer Zeit wurde aus dem Bach ein reissender Fluss und eine Welle brach über der Familie zusammen. Nichts blieb von der Wohnstatt mehr übrig. Auch die toten Körper wurden nie gefunden. Doch noch hatte der Fluss seine heutigen Ausmasse nicht erreicht.

Es wird erzählt, das in den Generationen danach immer wieder Menschen versuchten die Quelle des Flusses aufzusuchen, um ihr zu opfern. Und mit jedem Mal kam eine weitere Überflutung, riß Bäume und Häuser mit sich bis die Menschen sich nicht mehr dorthin trauten. Ihnen schien der Ort verflucht. Nur ein kleines Mädchen soll sich noch einmal dorthin verirrt haben und als sie zurück kam, stieg der Fluss nur ein wenig an. Gerade so, das die nun dort lebenden Bauern ihre Felder bestellen konnten. Niemand sonst hat seit dem mehr die Quelle gefunden, selbst als einige Unverbesserlichen es versuchten. Und seit dieser Zeit heißt es, dass man die Quelle des Nyltra nur finden kann, wenn man ein offnes und reines Herz hat. Denn sollte noch einmal ein unreines Wesen seinen Weg dorthin finden, würde der Fluss über alle Ufer fließen und alle Städte und Dörfer in der Nähe in sein nasses Grab ziehen.

Und das ist nur eine von mehreren Geschichten über den Fluss Nyltra und seine Quelle."

Einige weitere Augenblicke herrschte Stille in der Gaststätte. Ranjas Geschichte hatte die Gäste in ihren Bann gezogen. Zahida hatte noch das Gefühl den Regen und die Flut spüren zu kommen. Dann klang auch dieses Gefühl ab und die junge Frau wurde sich ihrer Umgebung wieder bewußt. Nur langsam kamen auch an den anderen Tischen die Gespräche wieder in Gang. Die Geschichte schien Eindruck hinterlassen zu haben, denn die Schankmaid kam umgehindert zu den beiden an den Tisch und stellte zwei Becher ab.
"Dies zum Dank vom Wirt." Sprach sie und verschwand wieder eilig.

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Beitrag #8 |

RE: VR: Erbfolge (450 d.D.)
Zahida lauschte noch immer dem Klang des Wassers nach, welcher durch die Worte der Bardin in ihr zu rauschen begonnen hatte. Langsam löffelte sie ihrer Suppe zu Ende, während der Gesang nach und nach verebbte. Dann griff sie nach dem Becher und prostete Ranja zu: „Eine wunderbare Legende.“ Zahida nahm einen kleinen Schluck.

Die Aufmerksamkeit der beiden Frauen wurde von einer plötzlichen Bewegung am Tresen in Anspruch genommen. Die drei Freiherren sprachen aufgeregt und, mit sich zugewandten Köpfen miteinander. Als ob sie etwas vorhaben, ging es Zahida durch den Kopf. Plötzlich tat sich etwas. Zwei der Männer hatten ein breites Grinsen auf ihren Zügen, aber der dritte und kleinste von ihnen, nicht. Die beiden größeren sahen ihn auffordernd und immer noch grinsend an. Der Kleine zuckte mit den Schultern, trank noch einen Schluck und durchquerte dann den Gastraum, um sich zu Ranja und Zahida an den Tisch zu setzen.
„Guten Tag, die Damen“, stammelte er, während er die Letharos, misstrauisch, beinahe ängstlich ansah.
Schnell wechselten die angesprochenen einen verwirrten Blick, bevor auch sie ihn begrüßten.
„Wir, das heißt meine beiden Begleiter und ich, haben uns gefragt, was zwei Damen in so eine Taverne führt.“ Der kleine Freiherr, hatte so schnell gesprochen, dass sie ihn kaum verstehen konnten. Auf seiner hohen Stirn hatten sich feine Tropfen gebildet. Er hat Angst vor Ranja, lächelte Zahida in sich hinein. Der runde Bauch des Mannes hob und senkte sich beinahe, als ob er zu lange gelaufen wäre und seine dunklen Augen hielten keinen Moment still.
„Nun, was soll uns schon hergeführt haben? Wir wollen nur schnell etwas essen, bevor wir weiter unserer Wege gehen“, antwortete Zahida und verschwieg, dass sie Ranja erst seit wenigen Minuten kannte.
Offensichtlich hatte der Mann eine weitaus interessanter Antwort erwartet, hilflos schaute er sich nach seinen Begleitern um, doch diese schienen ihn zu ignorieren. Zahida schaute noch einmal zu Ranja, doch diese schwieg und neigte leicht den Kopf zum Zeichen, dass sie mit der Antwort der anderen einverstanden war.
„Und wohin führen euch eure Wege?“, angestrengt versuchte er die Unterhaltung fortzusetzen. Für ihn ist das lediglich eine Mutprobe, geboren aus alkoholgeschwängerten Gedanken und der Hochnäsigkeit des Adels.
Zahida versuchte das Spiel, so gut es ging mitzuspielen.
„Mal hierhin, mal dorthin. Wohin uns der Wind führt.“
„Tatsächlich? Und wohin führt euch der Wind?“ Er heuchelt sein Interesse sehr geschickt vor.
„Ich denke er wird uns sehr bald schon, raus aus dieser Taverne führen.“ Zahida versuchte das Gespräch zu beenden, bevor es richtig anfing und warf der Bardin einen Blick zu. Diese neigte wieder fast unmerklich den Kopf.
„Entschuldigt mich, ich werde meine Schulden begleichen und dann müssen wir leider schon aufbrechen. Zahida erhob sich und ging eiligen Schrittes zur Theke, wobei sie den beiden Freiherren einen verächtlichen Blick zuwarf. Sie beeilte sich dem Wirt ein paar Münzen abzuzählen, dann ging sie zurück zu ihrem Tisch, wo die Bardin schon ihren Reisemantel übergeworfen hatte. Der kleine Freiherr war nicht mehr zu sehen. Entweder versteckt er sich vor uns, oder vor seinen Begleitern. Zahida war froh ihn los geworden zu sein und fragte deshalb auch nicht nach ihm. Stattdessen trat sie mit Ranja durch die Schänkentür.

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Beitrag #9 |

RE: VR: Erbfolge (450 d.D.)
Dieses Mal war es an Ranja, das sie überrascht worden war. Eigentlich hatte ich vor, noch eine Weile in der Taverne zu bleiben. Meister Brogan wird verärgert sein, hatte ich doch eine andere Aufgabe von ihm zugetragen bekommen. Aber ich bin gespannt wohin uns der Wind nun trägt. Ranja lächelte bei dem Gedanken. Vor der Tür wehte ihnen eine eisige Böhe entgegen und Ranja fasste ihren Mantel enger.
"Ich hoffe, den Freiherren ist es hier draussen zu kalt und sie bleiben in der Schänke. Die nächste betretbare Schänke ist ein gutes Stück entfernt. Oder hattet ihr etwas anderes im Sinn?"
„Ich glaube die sind viel zu beschäftigt mit den anderen Tavernenbesucherinen“, mutmaßte Zahida. Dann zog sie sich ihren langen, dunkelblauen Mantel fester um die Schultern, was sie während dem fluchtartigen Aufbruch nicht hatte tun können.
„Wisst ihr wo sich die Quelle der Nyltra befindet? Ich würde sie mir gerne einmal ansehen, jetzt wo ich ihre Geschichte kenne.“
Das Lächeln der Letharos erreichte ihre Augen und machten sie sympatischer. "Keiner weis wirklich wo die Quelle des Nyltra ist und sollte es jemand wissen, so wird dieser sicherlich schweigen. Dazu sind die Menschen hier zu abergläubisch. Doch Meister Brogan kennt bestimmt jemanden, der zumindest die Richtung kennt und uns fast bis zum Ende bringen könnte. Dafür müssten wir nur unbeschadet in die nächste Taverne kommen. Ich wäre auf jeden Fall dabei - und unterwegs kann ich euch noch die anderen Geschichten über die Quelle erzählen, damit uns die Abende nicht lang werden." Ranjas Nacken gribbelte und das war meist kein gutes Zeichen. "Ich hoffe also, dass ihr mit eurer Vermutung recht habt und die Freiherren bleiben wo sie sind. Folgt mir."
Kaum hatten sich die beiden in Bewegung gesetzt, als die Tür der Taverne erneut aufgestoßen wurde. Die Freiherren eilten im schnellen Schritt auf die Gasse und einer der hohen Herren zeigte in ihre Richtung.
"Ich glaube, jetzt wirds ungemütlich. Wir sollten uns beeilen." Ohne ein weiteres Wort fasste Ranja die junge Frau an der Hand und eilte mit ihr durch die Strassen. Mittlerweile war die Sonne am Horizont angekommen und Zahida konnte in dem Zwielicht kaum etwas sehen. Dafür schiehn die Letharos um so sicherer und zog sie mit sich. Immer wieder konnten sie hinter sich das Schnaufen und wütende Rufen der Männer hören.
"Mist, wenn die nicht bald eine falsche Abzweigung nehmen, weis ich auch nicht wie die Los werden. So lange bin auch ich noch nicht in Basak." Leise fluchte Ranja vor sich hin und stoppe mitten im Lauf, sodass Zahida sie fast umrannte. "So eine...." Zu mehr kam die Letharos nicht. Sie waren in eine Sackgasse gelaufen und als sie zurück rannten tauchten schon die Freiherren auf. "Oh bitte ihr Elemente, lasst mir einen Reim einfallen." Doch das Glück war Ranja nicht hold. Zahida wusste nicht, ob sie Angst haben sollte oder wütend werden.
"Da sind ja die beiden Windreiterinnen. Hat euch der Wind direkt in unsere Arme getrieben." Das derbe Lachen wurde lauter.
"Verschwindet." Zahida war von sich selbst überrascht, doch ein in die Enge getriebenes Tier fängt an zu kämpfen.
Die beiden Frauen waren derweil am offenen Ende der Sackgasse angelangt, doch die Freiherren versperrten ihnen den weiteren Weg. Ranja straffte sich, strich ihre Haare nach hinten, sodass ihre spitzen Ohren sichtbar wurden. "Ihr solltet lieber wieder in die Taverne zurück gehen, werte Herren." Die Angesprochenen zögerten. Eine Letharos war nichts Alltägliches und es gab viele Gerüchte und Geschcihten über die Fähigkeiten von diesen Mischlingen.

Dann erklangen Stiefel auf den Steinen der Strasse. Noch bevor die Männer Mut fassen konnten, schlüpfen Ranja und Zahida an ihnen vorbei und eilten weiter. An der Kreuzung kam ihnen ein Mann entgegen. Blondes Haar, gutaussehendes Gesicht, hochgewachsen. Auf seine Weise kam er Ranja vage bekannt vor. Statt sich diesen Mann näher zu betrachten, eilte sie mit Zahida weiter und kam schon bald vor der Taverne "Wilder Schwan" an. "Hinein?" fragte Ranja ihre Begleiterin.

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Beitrag #10 |

RE: VR: Erbfolge (450 d.D.)
„Besser nicht. Diese Herren könnten auf dieselbe Idee kommen“, Zahida hatte auf das Wort soviel Verachtung gelegt, dass sie selbst überrascht darüber war.
„Lasst uns lieber noch ein wenig mehr Abstand zwischen uns und diese Männer bringen“, schlug sie stattdessen in einem versöhnlichen Tonfall vor. „Ich glaube wir haben mehr Glück als Verstand gehabt, dass wir ihnen entkommen sind.“
Seite an Seite folgten die beiden Frauen der gepflasterten Straße, die verlassen vor ihnen lag. Während ihrer Flucht mussten sie wohl in eine unbeliebten Teil Basaks geraten sein. Die Sonne stand zwar noch immer hoch am Himmel, schenkte ihnen aber mehr Licht, als Wärme. Ein eisiger Wind strick um die beiden Frauen und ließ vermuten, dass der Winter nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Zahida legte den Kopf in den Nacken und betrachtete sich das Firmament, als ob dort jeden Augenblick etwas interessantes geschehen würde. Ranja tat es ihr nach, konnte aber nichts ungewöhnliches erkennen. Nichts außer dem blauen Himmel und ein paar weißen, vorbeiziehenden Wolken, lediglich eine große Möwe erschien plötzlich in ihrem Blickfeld und kreiste über ihren Köpfen. Die Letharos kümmerte sich nicht weiter um sie, doch Zahida streckte ihren Arm aus, als ob sie den Wind berühren wollte. Der Vogel zog seine Kreise immer dichter über ihren Köpfen, bis er schließlich vor ihnen landete. Die junge Frau ließ sich in die Hocke sinken und hielt ihm ihre Hand hin, auf der nun ein paar Brotkrümmel lagen, die sie aus einer ihrer Manteltaschen gezogen hatte.
„Hallo Tilla“, sagte sie zu der Möwe, die mit einem krächzenden Geräusch antwortete. Dann wandte sie sich an Ranja: „Das ist Tilla, eine alte Freundin.“ Sie las in den Augen der Anderen soetwas wie Unglaube oder Überraschung und fügte erklärend hinzu: „Sie ist eine Silbermöwe.“ Mit feingliedrigen Fingern streichelte sie dem Tier liebevoll über den weißen Kopf und gab ihr die letzten Brotkrümmel, die die Möwe eifrig in ihrem Schnabel verschwinden ließ.
„Na, mein Mädchen. Wie geht’s dir?“, fragte sie den Vogel, welcher wieder mit seinem krächzenden Geräusch antwortete. „Das freut mich“, führte Zahida das seltsame Gespräch fort, als ob sie Tilla verstanden hätte. Ranja vermutete, dass sie auch genau das tat.
Zahida strich dem Vogel verabschiedend über den Rücken und flüsterte noch ein paar Worte. Dann breitete Tilla ihre langen Schwingen aus und erhob sich anmutig in die kalte Luft, um wieder ihre Kreise über den menschlichen Köpfen zu ziehen.
„Sie begleitet mich schon mein Leben lang“, versuchte Zahida der Letharos zu erklären und setzte dann ihren Weg fort, als wäre nicht ungewöhnliches geschehen. „Ich glaube ihr hätte die Legende von der Quelle gut gefallen. Sie mag das Wasser ebenso sehr wie ich,“ erzählte sie freimütig.
Die Straßen schienen sich plötzlich mit Menschen zu füllen, die Letharos versteckte ihre Ohren wieder unter ihrem Haar und Zahida steckte ihre Hände tiefer in ihre Manteltaschen, als ob sie darin einen Gegenstand festhalten wollte.
„Ich glaube wir nähern uns dem Stadtzentrum“, vermutete Ranja.

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