Es ist: 04-03-2021, 01:34
Es ist: 04-03-2021, 01:34 Hallo, Gast! (Registrieren)


Ferne Welt
Beitrag #1 |

Ferne Welt
Still liegt Forst im Morgenwind.
Ruh, mein Trauerspiel.
Seltsam, keine Menschen sind.

Rasch verscharrte Schützengräben
- 's sind nicht viel -
(als hätt's sie nie gegeben).

Duft von Feuer, totem Fleisch,
doch keine Körper.
Siehst's nicht gleich.

Nur ein Traum,
kein Bild, keine Wörter.
Wir spürten's kaum.

Ein Kampf -
doch ohne Menschentot,
man könnte meinen: sanft.

Von mir,
monoton, devot
mit dir, euch, allen -
mir.

"Zitieren ist die Methode, Bildung mit etwas zu belegen, was man nicht gelesen hat. Zitieren ist außerdem die Technik, etwas anzurufen, was garantiert nicht zurückruft. Zitieren ist etwas für Angeber." Zitat von Volker Dietzel

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Beitrag #2 |

RE: Ferne Welt
Hallo Werbär,

na dann wollen wir mal wieder:

~ Ruh' bitte mit Apostroph, wenn du sonst auch Apostrophe setzt (was auch gut zum Gedicht passt)

~ "'s nicht viel" - da könntest du ruhig "es ist nicht" schreiben, dieses 's liest sich komisch und gezwungen und den zweiten Gedanken strich würde ich weglassen, sonst folgt ja theoretisch Punkt auf Gedankenstrich

~ "mit dir, euch, allen" - ich lese irgendwie immer "euch allen" ohne Komma und würde auch sehr gut passen find ich, mit Komma-Lesepause holpert es nämlich ein klein wenig

~ bitte Punkt nach dem "mir" am Ende!

So, das war's an Anmerkungen ... also, ich muss sagen, das ist eines deiner besten Gedichte. Finde ich zumindest, gefällt mir sehr gut! Icon_smile
Es hat einen so leichten, aber gleichzeitig düster durchtränkten Klang und die letzte drei Strophen finde ich einfach klasse ...

Irgendwie erinnert es mich an Hiroshima - vielleicht sogar gewollt / gemeint?
Der Krieg, der Tod, das Feuer, doch keine Leichen, alles verbrannt, diese seltsame Stimmung ... nur zum Ende hin wird es sehr persönlich, würde aber dennoch noch passen *mhm* ... aber vielleicht lieg ich total daneben. Gefällt mir dann aber trotzdem Icon_wink ...

Gruß

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #3 |

RE: Ferne Welt
Jaja, die Zeichensetzung. *g*
Wenn ich erstmal Gedichte mit Hand schreibe und nicht von einem anderen Forum (dort sind sie enstanden) direkt hierhin übertrage, dann bekomm ich das auch mit dem korrekten nachträglichen Zeichen setzen irgendwann hin. Das "Es" statt "´s"... ok das kann ich machen, klingt sonst wirklich ein wenig zu sehr gekünstelt. Das Komma, nach dem "euch" muss sein, da will ich ein ritardando im Lesefluss, dass muss sozusagen absterben.... da lässt sich nichts dran rütteln. *schmunzel*
Der Punkt nach dem "mir" war schon knapp 5 Sekunden nach Posten nachträglich eingefügt. :D

Vielen lieben Dank für deine Kritik. Icon_smile Umso mehr freut es mich natürlich, dass es dir so gefällt. Icon_smile
Und mit der Stimmung hast du schon Recht, auch wenn es weniger zu meiner "Kriegsberichterstattungsgedichten" gehört. *schmunzel*

"Zitieren ist die Methode, Bildung mit etwas zu belegen, was man nicht gelesen hat. Zitieren ist außerdem die Technik, etwas anzurufen, was garantiert nicht zurückruft. Zitieren ist etwas für Angeber." Zitat von Volker Dietzel

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Beitrag #4 |

RE: Ferne Welt
Hallo Werbär,

Zitat:Still liegt Forst im Morgenwind.
Ruh, mein Trauerspiel.
Seltsam, keine Menschen sind.

Okay... ja, ich glaub ich muss erstmal reinkommen.

Zitat:Rasch verscharrte Schützengräben
- 's sind nicht viel -
(als hätt's sie nie gegeben).

Die zweite Zeile liest sich schwierig. "Es sind nicht viel" tuts auch.
Warum ist die letzte Zeile in Klammern?

Zitat:Duft von Feuer, totem Fleisch,
doch keine Körper.
Siehst's nicht gleich.

"Siehst's" ist auch sehr schwer zu lesen, find ich.

Zitat:Nur ein Traum,
kein Bild, keine Wörter.
Wir spürten's kaum.

Das reimt sich nicht so gut. Die erste Zeile ist kürzer als die letzte (die ohnehin schon zu kurz ist). Deshalb kollidiert das auch mit dem Mittelteil.
Als Beispiel verlägere ich mal die erste Zeile und verkürze die mittlere:
"Es war ein Traum,
kein Bild, kein Wort,
wir spürten's kaum."

Klingt schon runder, finde ich. Aber da fehlt noch ein i-Tüpfelchen in der ersten Zeile. Ein dünnes Wort, und dann passt es.

Zitat:Ein Kampf -
doch ohne Menschentot,
man könnte meinen: sanft.

Irgs... okay, ich gebe zu, ich hasse unreine Reime. Deshalb muss ich "Kampf" und "sanft" auch ankreiden. Gerade weil alles andere reine Reime sind.

Zitat:Von mir,
monoton, devot
mit dir, euch, allen -
mir.

Das letzte "mir" will sich mir nicht erschließen. Wozu steht es da? Ich würde es glatt wegstreichen.

"Euch" und "allen" direkt hintereinander klingt wie "euch allen". Wenn du statt Komma "und" verwendest, würde es besser klingen, finde ich.
Hm... man kann es aber auch anders machen. Das Wörtchen "mit" bietet Gelegenheit dazu:
"Von mir,
monoton, devot
mit dir, mit euch, mit allen."

So, das war's. Bin mir nicht schlüssig, ob ich den Sinn richtig eingefangen habe, will mir aber auch nicht die Blöße geben, ihn hier und jetzt zu interpretieren. Mrgreen


Liebe Grüße: Rorschach-Phoenix


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Beitrag #5 |

RE: Ferne Welt
Hallo Rohrschach-Phoenix und vielen Dank für deine ausführliche Kritik. Icon_smile
Zitat:Die zweite Zeile liest sich schwierig. "Es sind nicht viel" tuts auch.
Warum ist die letzte Zeile in Klammern?
"Es sind nicht viel" wird verändert, Zack hat mich auch schon darauf aufmerksam gemacht. Die letzte Zeile ist eingeklammert, weil sie einen Gedanken inmitten von Erzählungen darstellt.

Zitat:"Siehst's" ist auch sehr schwer zu lesen, find ich.
Das bricht aber dann das Metrum und wirkte mir zu lang.

Zitat:"Es war ein Traum,
kein Bild, kein Wort,
wir spürten's kaum."
Darüber denk ich noch nach. Icon_smile Aber danke für den Vorschlag.

Ja, Kampf und sanft reimen sich nicht ganz, das gebe ich zu. Ich mochte aber den Widerspruch zwischen beiden Wörtern, sodass ich den Reimfluss unterbrochen habe. Allgemein legt das Gedicht nicht viel Wert auf perfekte Reime, perfektes Metrum oder große Metaphorik. Musikalisch würd ich es als Minimal Music bezeichnen, also etwas ganz anderes als eine große Synfonie. Icon_smile

Zitat:Das letzte "mir" will sich mir nicht erschließen. Wozu steht es da? Ich würde es glatt wegstreichen.
Das "mir" ist mindestens genauso wichtig wie das "dir", das "euch" und das "allen". Vielleicht ist es sogar der wichtigste Personenteil. Schließlich ist jene ferne Welt die Folge von dem Kampf des Ichs mit sich selbst... bzw auch mit den Anderen... aber gerade das "mir" macht den Schluss aus, das kann auf keinen Fall schwinden. Icon_wink

Noch einmal Danke und liebe Grüße,
der Bär Icon_smile

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Beitrag #6 |

RE: Ferne Welt
Hallo Bär,

Jetzt will ich auch mal meine Meinung zu deinem Gedicht sagen Icon_smile

Vom Inhalt her schließ ich mich in etwa Zack an: bedrückender Unterton, man merkt recht bald, dass der Kampf kein offensichtlicher war; deshalb auch das "mir" in der letzten Strophe, wie du auch selbst schon bemerkt hast Icon_wink, unbedingt lassen; es hebt schlussendlich den letzten Zweifel auf. Interessant, wie du Kriegsattribute mit innerlichem Kampf verbindest.

Vom Sprachlichen und von der Form her:
Ich find die erste Strophe wirklich sehr eindrücklich, ausdrucksstark; sie gefällt mir am allerbesten. Dann fällt das Ganze für mich irgendwie ab. Das Ende gefällt mir dann wieder gut, aber zwischendurch scheint's mir fast, als hätt dich der Reim und dein eher striktes, kurzes Versschema behindert, wobei mir das vor allem bei den mittleren zwei Strophen (also die dritte und die vierte) aufgefallen ist.
Dem Gefühl nach würd ich diese beiden Strophen fast zu einer zusammenlegen (wobei einem dann natürlich aber der Reim wieder in die Quere kommen könnte); sie sind vom Inhalt her wichtig, aber irgendwie beide nicht "kondensiert" genug für mich, nehmen irgendwie zu viel Platz in deinem Gedicht ein; die wichtigsten Bilder aus diesen Strophen sind für mich:
Duft von Feuer, totem Fleisch,
doch keine Körper,
kein Bild, keine Wörter.

Vllt lässt sich da was machen (wenn du denn willst) mit Köper und Wörter. Sowas wie:
Kein Bild und keine Wörter,
Hauch von Feuer, totem Fleisch,
doch keine Körper.


(Duft ist eher Wohlgeruch?..naja.)

Insgesamt gefällt mir das Gedicht ganz gut, allerdings seh ich Verbesserungsmöglichkeiten, die es für mich zu einem wirklich guten Gedicht machen würden.

Alle diese Vorschläge etc. sind nur meine Meinung; wenn du sie so gar nicht nachvollziehen kannst, einfach ignorieren Icon_wink

lg
lu Icon_smile

Krawehl, Krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain!
trübtauber Hain am Musenginst!
Krawehl, Krawehl!


"Kunst ist nichts anderes als das Portrait einer Idee." Manfred Kröplein.

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Beitrag #7 |

RE: Ferne Welt
Hallo lu. Icon_smile
Vielen Dank für deinen Kommentar (verzeih, dass meine Antwort etwas spät kommt). Es freut mich, dass dir das Gedicht gefällt. Icon_smile Du hast sehr Recht, mich behindern Reimschemata sehr oft, das war auch bei diesem Gedicht der Fall. Besonders glücklich war ich mit "Körper" und "Wörter" ganz und gar nicht, es passte nur in den Konsens. Ja, Duft ist wirklich unpassend, aber Hauch trifft meine innere Vorstellung noch nicht ganz, da es nicht intensiv genug ist wie der geruch, den ich mir vorstellte. Ein Leichenfeld wird ja auch vermutlich nicht duften oder hauchen, stinken wäre passend, ist mir aber zu deutend... :/ Ich denke, ich werde mir diese zwei zeilen noch einmal genau anschauen, deinen vorschlag werde ich dabei ganz bestimmt nicht außer Acht lassen. Danke dafür Icon_smile

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