Es ist: 26-02-2020, 01:51
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Simoni und Bichler. 4 ½ Seiten Seltsamkeit
Beitrag #1 |

Simoni und Bichler. 4 ½ Seiten Seltsamkeit
Hallo; dieser Text ist schon ca. 2 1/2 Jahre alt und ein paar von euch werden ihn wohl schon kennen. Hier ist er also trotzdem:


Simoni und Bichler. 4 ½ Seiten Seltsamkeit.

Herr Simoni an seinem Schreibtisch, leeres Papier und Akten überall, der Raum ist schön möbliert, der Tisch ein antikes Stück aus dunklem Holz. Ein Kristallkronleuchter hängt von der Decke, nur das Licht, das durch das große Fenster hinter dem Schreibtisch fällt, erhellt den Raum, es ist eher düster; die Wände sind kahl. Bichler klopft und kommt herein.

Herr Simoni aufschauend: Bichler.
Bichler bleibt bei der Tür stehen: Grüß Gott, Herr Simoni.
Herr Simoni lehnt sich zurück: Kommen Sie näher, Bichler. Lassen Sie sich anschauen.
Bichler kommt, Herr Simoni hat sich wieder seiner Arbeit gewidmet.
Herr Simoni ohne aufzuschauen: Gut schaun Sie aus, Bichler.
Bichler nach kurzer Pause: Danke.
Herr Simoni unwillig: Jaja.
Längere Pause, Bichler wartet stumm neben Herrn Simoni.
Herr Simoni aufschauend: Sie sind ja immer noch da, Bichler.
Bichler: Ja.
Herr Simoni unwirsch: Sagen Sie, Bichler, was tun Sie hier?
Bichler: Sie haben mich herbestellt.
Herr Simoni überrascht: Tatsächlich?
Bichler: Ja.
Herr Simoni: Habe ich.
Bichler: Ja, Herr Simoni.
Pause, Herr Simoni schaut auf den Kronleuchter, dann wieder auf seine Arbeit, dann auf Bichler. Bichler wartet stumm.
Bichler vorsichtig: Darf ich –
Herr Simoni unwirsch: Bitte nicht. Sie sehen doch, dass ich arbeiten muss, Bichler.
Beugt sich hinunter und schaut nicht mehr auf. Pause, Bichler starrt.
Bichler unsicher: Dann... werde ich gehen?
Herr Simoni ohne aufzuschauen: Ja, tun Sie das, auf Wiederschaun.
Bichler steht noch einen Moment stumm, geht langsam zur Tür, dreht sich noch einmal um, schaut kurz, keine Reaktion von Herrn Simoni, geht hinaus und schließt die Tür.


Das Geld, der Mangel an Geld, kann einen zu den niedrigsten, schwersten Arbeiten zwingen. Man tut viel für seine finanzielle Unabhängigkeit und gibt dabei nach und nach die wenigen Freiheiten auf, die man noch hat, ohne es sofort zu merken. Es staut sich auf, undefinierbar, aber immer dunkel fühlbar. Bis man es schließlich doch merkt, ist es zu spät, hat man sich zu sehr an einen Lebensstil gewöhnt, um noch etwas ändern zu können. Und wenn er ehrlich ist, hat die Gewohnheit zu viel Macht über ihn, als dass er noch etwas ändern wollte.


Herr Simoni vornüber gebeugt an seinem Schreibtisch. Ein Klopfen, Bichler kommt zur Tür herein.

Herr Simoni überrascht: Herr Bichler!
Bichler vorsichtig: Ja.
Herr Simoni schaut sich einen Moment unentschlossen um, dann winkt er Bichler heran, Bichler kommt mit schnellen Schritten, Herr Simoni folgt ihm mit den Augen, winkt ihn schließlich zu sich herunter, Bichler beugt sich etwas unwohl hinunter.
Herr Simoni schaut ihm ins Gesicht: Was arbeiten Sie eigentlich bei uns?
Bichler erwidert den Blick, leise: Ich bin im Verkauf, Herr Simoni.
Herr Simoni schaut misstrauisch: Tatsächlich?
Bichler nickt: Ja.
Pause, Herr Simoni lächelt plötzlich: Sie wissen wie das ist. So viele Angestellte.
Bichler leise: Ja, Herr Simoni.
Herr Simoni blickt wieder auf die Arbeit vor sich, Bichler schaut ebenfalls darauf, starrt, keine Pause, Herr Simoni nimmt eine Füllfeder in die Hand.
Herr Simoni ohne aufzuschauen: Sie können gehen, Bichler.
Bichler wirft einen beunruhigten Blick auf Herrn Simoni und richtet sich auf.
Bichler: Ja, Herr Simoni.
Bichler geht zur Tür, greift nach der Klinke. Herr Simoni schaut mit einem Ruck auf.
Herr Simoni laut: Bichler!
Bichler fährt herum, schaut Herrn Simoni überrascht und ein wenig verwirrt an. Herr Simoni winkt ihn mit einer knappen, unwilligen Handbewegung wieder zu sich, Bichler folgt.
Herr Simoni streng: Bichler, sorgen Sie dafür, dass hier endlich einmal aufgekehrt wird!
Bichler starrt und nickt dann langsam.
Bichler leise: Ja, Herr Simoni.
Herr Simoni nickt, widmet sich seiner Arbeit und wedelt Bichler mit der Hand fort. Bichler versteht die Geste, geht zur Tür, schaut noch einmal zurück, geht und schließt die Tür.


Die Tage scheinen endlos, wenn man sie überstehen muss; und jeder Tag ist gleich. Bleibt man stehen und blickt zurück, merkt man plötzlich, dass die Zeit ein seltsames Element ist, das Tage Wochen lang erscheinen lässt und dann ein ganzes Jahr von ihnen ohne Mühe zu einer Zeitspanne komprimieren kann, die sich im Zurückschauen wie drei Monate anfühlt. Ein absurder Dualismus, dem kluge Menschen sicher sein Geheimnis abjagen könnten. Er überlässt ihnen gerne die Chance.


Herr Simoni am Schreibtisch, starrt in die Luft. Ein Klopfen, Herr Simoni erschrickt, als Bichler eintritt. Schlägt mit der Faust auf den Tisch, Bichler bleibt abrupt stehen und schaut stumm.

Herr Simoni verärgert: Bichler!
Bichler: Ja.
Herr Simoni weiter verärgert: Können Sie nicht klopfen?
Bichler vorsichtig: Ich habe geklopft..
Herr Simoni scharf: Unsinn!
Pause, Herr Simoni schaut mit bösem Blick zu Bichler auf, der noch immer in der Mitte des Raumes steht. Nach einer Weile nickt Bichler knapp und fast unsichtbar.
Bichler laut: Sie haben Recht, es tut mir leid, Herr Simoni.
Herrn Simonis Gesicht glättet sich schlagartig, er lehnt sich zurück und mustert Bichler mit scharfem Blick.
Herr Simoni murmelt: Bichler. Wie lange arbeiten Sie schon bei uns?
Bichler nach Pause, etwas blass, leise: Seit sieben Jahren, Herr Simoni.
Herr Simoni nickt und starrt eine Weile stumm ins Nichts, Bichler steht und beginnt, unsichere Blicke auf Herrn Simoni zu werfen. Herr Simoni schaut schließlich Bichler wieder an.
Herr Simoni nachdenklich: Sie sind im Verkauf.
Bichler leise: Ja.
Herr Simoni nickt und blickt auf das Papier vor ihm. Kurze Pause.
Herr Simoni aufschauend: Gute Arbeit, Bichler. Sie können gehen.
Bichler dreht sich um und geht langsam zur Tür. Blickt noch einmal unsicher zurück, Herr Simoni schaut ihn an.
Herr Simoni mit einem plötzlichen Anflug von Ärger: Und das nächste Mal nehmen Sie Ihren Hut gefälligst unaufgefordert vor mir ab!
Bichler beugt den Kopf, leise: Ja, Herr Simoni. Bitte entschuldigen Sie meine Unachtsamkeit.
Herr Simoni nickt zufrieden, wedelt Bichler endgültig fort. Bichler geht und schließt die Türe.


Es ist am besten, sich als junger Mensch keine Vorstellungen von seinem späteren Leben zu machen. Was man mit dreißig will, kann etwas ganz anderes sein, als das, was man mit zwanzig für diesen Abschnitt geplant hätte. Man erkennt die eigene Veränderung meist nicht, und wenn, dann nur vage, wenn man zurückblickt. Und dann gibt es Dinge, die hasst man mit dreißig genauso wie mit zwanzig, genauso, wie man sie mit vierzig hassen wird. Und er hasst den Studentenjob, der sich langsam zu seinem Beruf weiterentwickelt hat.


Herr Simoni steht und betrachtet zwei Schwerter, die gekreuzt an der Wand hängen, hebt die Hand, um eines am Griff zu berühren, hört ein Klopfen, zuckt erschrocken zusammen, steht eine Sekunde erstarrt, geht dann schnell zu seinem Schreibtisch, setzt sich, nimmt eine Füllfeder in die Hand. Das Klopfen wiederholt sich.

Herr Simoni unwirsch: Herein!
Bichler tritt mit vorsichtigem Blick ein, bleibt nahe bei der Tür stehen.
Herr Simoni mit Nachdruck: Bichler.
Bichler bleibt unschlüssig stehen: Ja.
Herr Simoni winkt ihn zu sich, Bichler kommt mit schnellen Schritten.
Herr Simoni neutral: Sie kommen jeden Tag zu mir, Bichler.
Bichler: Ja, Herr Simoni.
Pause, Herr Simoni stützt die Ellbogen auf den Schreibtisch, legt die Füllfeder weg, legt die Fingerspitzen aufeinander und starrt nachdenklich auf den Kronleuchter. Bichler wartet stumm neben ihm, streift die Schwerter mit dem Blick, bleibt mit den Augen an ihnen hängen, Herr Simoni dreht ruckartig den Kopf in seine Richtung, Bichler schaut ihn an.
Herr Simoni: Bichler, ich glaube, Sie sind unterfordert.
Pause, Bichler schweigt, Herr Simoni mustert ihn, nickt schließlich und beugt sich über das Papier, nimmt die Füllfeder wieder, schreibt kurz, Bichler blickt fast betreten zu Boden.
Herr Simoni aufschauend: Da, geben Sie das der Sekretärin. Sie soll mir endlich den Kaffee bringen.
Herr Simoni gibt ihm einen Zettel, Bichler nimmt ihn, bleibt stehen, wo er ist. Herr Simoni schaut auf den Kronleuchter, wedelt Bichler fort, ohne den Blick abzuwenden. Bichler geht mit langsamen Schritten, ohne zu lesen, was auf dem Zettel steht. Bei der Tür wirft er doch einen schnellen Blick darauf, streift Herrn Simoni, der noch immer den Kronleuchter anstarrt, mit den Augen, zieht die Augenbrauen hoch, schaut ein letztes Mal auf die Schwerter und geht.


Wenn man den Humor behält, langweilt man sich grinsend. Wenn man fröhlich wirkt, beschäftigen sich die Leute gerne intensiver mit einem. Man wirkt zufrieden, man wirkt ruhig, sicher wie ein Fels in der Brandung. Man merkt, wie einem Vertrauen geschenkt wird. Und wenn man sich dieser Vorgänge bewusst ist, wenn man sie interessiert verfolgt, kann man nur erstaunt und belustigt den Kopf schütteln und weitermachen. Und dadurch weiter fröhlich wirken, so wie er.


Herr Simoni mit falsch zugeknöpfter Trachtenweste an seinem Schreibtisch. Hirschgeweihe zieren die Wände, sonst ist das Zimmer unverändert. Herr Simoni hört ein Klopfen und nimmt hastig die Füllfeder in die Hand. Bichler kommt herein, als ihn Herr Simoni auffordert, ignoriert die Weste und die Hirschgeweihe, kommt stumm und unaufgefordert zum Schreibtisch, Herr Simoni folgt ihm mit den Augen.

Herr Simoni leise: Bichler. Seit einer Woche hab ich Sie nicht mehr gesehen.
Bichler nickt: Ich war im Urlaub, Herr Simoni.
Herr Simoni senkt den Blick auf seine Arbeit: Braun schauen Sie aus, Bichler.
Pause, Bichler bleibt stumm, sein Blick wandert die Knopfleiste der Weste entlang. Herr Simoni schaut auf einmal auf.
Herr Simoni laut: Bichler, wie lange arbeiten Sie schon bei uns?
Bichler ruhig: Seit fünfzehn Jahren, Herr Simoni.
Herr Simoni: Sie arbeiten im Verkauf?
Bichler: Nicht mehr, Herr Simoni. Seit sechs Jahren bin ich für die Werbung zuständig.
Pause, Herr Simoni mustert ihn genau, Bichler erwidert seinen Blick ruhig. Herr Simoni lehnt sich zurück, blickt kurz auf seine Arbeit, dann wieder auf Bichler.
Herr Simoni nachdenklich: Sie sind anders, Bichler.
Pause, Bichler bleibt stumm und schaut auf die Zettel auf Herrn Simonis Schreibtisch. Herr Simoni betrachtet den Kronleuchter.
Herr Simoni ohne Bichler anzuschauen: Die Werbung ist nichts für Sie.
Pause, Bichler bleibt wieder stumm, betrachtet Herrn Simonis Gesicht. Herr Simoni wendet plötzlich den Kopf und schaut wieder Bichler an.
Herr Simoni laut: Der Mistkübel neben meinem Schreibtisch ist voll, Bichler. Gehen Sie ihn ausleeren und schicken Sie die Sekretärin damit wieder herein.
Bichler nickt knapp: Ja, Herr Simoni.
Bichler bückt sich, hebt den Mistkübel auf, geht damit zur Tür, dreht sich verabschiedend zu Herrn Simoni. Herr Simoni fährt mit dem Finger die Knopfleiste seiner Weste entlang und schaut konzentriert. Bichler geht.


Wenn die Zeiten nicht so sind, wie man sie sich wünscht, wenn das Leben nicht so ist, wie man sich es vorgestellt hat, wird man still und seltsam. Oder man fängt zu jammern an, unablässig. Und manchmal, wenn man sich zu sehr an das Jammern gewöhnt hat, kommt man nicht mehr davon los, jammert jahrelang ohne Grund weiter. Merkt erst spät, dass man sein Leben gerne hat, und wenn die Erkenntnis kommt, dann kommt sie plötzlich. Und in seinem Fall ist sie mehr als erlösend.


Herr Simoni in der Trachtenweste, ein grüner Hut liegt auf dem Schreibtisch. Ein Klopfen, Bichler tritt ein, als ihn Herr Simoni auffordert. Bichler geht zu Herrn Simoni, der auf das Papier vor sich starrt. Bichler schaut zu Boden. Nach einiger Zeit des Schweigens schaut Herr Simoni auf, Bichler lenkt sofort seinen Blick in Herrn Simonis Gesicht.

Herr Simoni leise und ernst: Bichler, ich weiß, dass Sie mich insgeheim für einen seltsamen Menschen halten.
Kurze Pause, Bichler bleibt stumm und schaut Herrn Simoni an, Herr Simoni nimmt eine Füllfeder in die Hand und blickt kurz auf die Zettel vor sich, dann wieder auf Bichler.
Herr Simoni unvermutet und leise: Glauben Sie, dass wir sehr verschieden sind, Bichler?
Pause, Bichler schaut zuerst überrascht, dann wird er nachdenklich, betrachtet den Raum, den Wandschmuck, die leeren Zettel auf dem Schreibtisch, Herrn Simoni selbst, seine Miene wird noch nachdenklicher. Herr Simoni lächelt schwach. Bichler legt den Kopf auf die Seite, betrachtet Herrn Simonis Gesicht noch einen Augenblick stumm, schüttelt dann langsam den Kopf.
Bichler: Ich glaube nicht, Herr Simoni.
Herr Simoni lächelnd: Nein. Nur, dass ich dreißig Jahre älter bin als Sie, Bichler.
Kurze Pause, Bichler bleibt stumm. Herr Simoni betrachtet den Kronleuchter, Bichler schaut sich noch einmal im Raum um. Plötzlich erhebt sich Herr Simoni langsam, stützt sich auf den Schreibtisch. Bichler und Herr Simoni schauen sich gegenseitig an.
Herr Simoni leise: Sie wissen ja, wie's geht.
Pause, Herr Simoni geht langsam und leicht gebückt um den Schreibtisch herum, nimmt den Hut, Bichler schaut ihm regungslos zu. Herr Simoni geht genauso langsam wie vorher zur Tür, öffnet sie, dreht sich noch einmal um.
Herr Simoni leise: Jeden Tag wird es nicht gehen. Aber einmal in der Woche. Ich schicke Ihnen die Sekretärin herein, die soll den Mistkübel ausleeren. Auf Wiederschaun, Herr Bichler.
Bichler schaut stumm auf den Schreibtisch, Herr Simoni geht hinaus, setzt den Hut auf und schließt die Tür.


Man merkt oft selbst nicht, wie schwer die Last ist, bis sie einem von den Schultern genommen wird, bis das Leben plötzlich eine Lösung anbietet, die genauso einfach wie befriedigend ist. Manchmal muss man sich zu ihr durchringen und genießt den Moment der Veränderung, manchmal springt sie einen regelrecht an und man merkt erst im Nachhinein, wie schwerwiegend die Entscheidung war, und wie befreiend. Ihm hat man sie fast aufgezwungen. Rückgängig machen würde er sie trotzdem nie.

24. – 27.8.2005

Krawehl, Krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain!
trübtauber Hain am Musenginst!
Krawehl, Krawehl!


"Kunst ist nichts anderes als das Portrait einer Idee." Manfred Kröplein.

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Beitrag #2 |

RE: Simoni und Bichler. 4 ½ Seiten Seltsamkeit
Hallo lu,


na endlich Icon_wink ...
Ich dachte, ich hätte den Text im LP gar nicht kommentiert - anscheinend aber doch. Seltsam *g*
Trotzdem melde ich mich noch einmal - mit ein paar Anmerkungen; schau einfach, was du davon gebrauchen kannst:

=> Bichler kommt, Herr Simoni hat sich wieder seiner Arbeit gewidmet.
"hat sich wieder gewidmet" klingt, als ob er damit schon fertig wäre. Ich wäre für "widmet sich wieder seiner Arbeit" oder "hat sich wieder in seine Arbeit vertieft".

=> Bichler unsicher: Dann... werde ich gehen?
Nach der neuen Rechtschreibung müsste ein Leerzeichen vor die drei Punkte *g*

=> Pause, Herr Simoni lächelt plötzlich: Sie wissen wie das ist.
Komma nach "wissen"? *nicht sicher sei*

=> Herr Simoni blickt wieder auf die Arbeit vor sich, Bichler schaut ebenfalls darauf, starrt, keine Pause, Herr Simoni nimmt eine Füllfeder in die Hand.
Keine Pause? Aber das ist doch gerade eine Pause?

=> Ein absurder Dualismus, dem kluge Menschen sicher sein Geheimnis abjagen könnten. Er überlässt ihnen gerne die Chance.
*grins* Eine Lieblingsstelle von mir.

=> Bichler vorsichtig: Ich habe geklopft..
Theoretisch drei Punkte und ein Leerzeichen (aber ich weiß schon, du magst diese zwei Punkte Icon_wink)

=> Man erkennt die eigene Veränderung meist nicht, und wenn dann nur vage, wenn man zurückblickt.
Komma nach "wenn"

=> Oder man fängt zu Jammern ab, unablässig.
"jammern" hier klein

=> Und manchmal, wenn man sich zu sehr an das Jammern gewöhnt hat, kommt man nicht mehr davon los, jammert jahrelang ohne Grund weiter. Merkt erst spät, dass man sein Leben gerne hat, und wenn die Erkenntnis kommt, dann kommt sie plötzlich.
Schön treffend. *g*

=> Bichler lenkt sofort seinen Blick in Herrn Simonis Gesicht.
*gg* Diese Beschreibung klingt nach Auffahrunfall Icon_wink

=> Ihm hat man sie fast aufgezwungen, rückgängig machen würde er sie trotzdem nie.
Das wirkt fast, als würde noch etwas folgen - drum wäre ich dafür, statt dem Komma einen Punkt zu setzen und zwei Sätze draus zu machen. Aber das ist halt nur meine Meinung.

Ansonsten ist mir nur aufgefallen, dass du "schauen" oft verwendest, manchmal zu oft für meinen Geschmack ... und in der Mitte irgendwann war mir der Bichler ein bisschen zu oft "leise" Icon_wink

Aber eigentlich sind das alles nur Kleinigkeiten. Insgesamt finde ich deinen Text immer noch gut zu lesen und sehr schön absurd. Auch dieses Österreichische, das er teilweise hat *g* ... Österreich ist irgendwie ganz allgemein absurd Icon_wink ...
Dieses Szenario schilderst du wirklich gelungen, finde ich. Ohne viele Worte zu verlieren, erzeugst du eine seltsame Atmosphäre - absurd und irgendwie bedrückend humorvoll, wie Galgenhumor (hm, ob das der richtige Ausdruck ist) - und auch einen gewissen Hintersinn, unausgesprochen mitschwingend; deine Zwischentexte sind zugleich auch etwas, das "zwischen den Zeilen" fühlbar ist. Der Wechsel gefällt mir. Fast würde ich dir trotzdem zu einer Kursivsetzung der Zwischentexte raten, um sie noch ein bisschen mehr in der Schwebe hängen zu lassen.
Das Ende schließt es schön rund ab - das einzig passende Ende für diesen Text.
Fazit: Mir gefällt's noch immer; war schön, diese lu'schen Seltsamkeiten wieder zu lesen Icon_smile
Ach ja: Den Titel finde ich toll! *lach*


Mira

Ich bin ein Fragezeichen
kein Punkt
- Rose Ausländer -

Avatar von Zwielichtstochter

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Beitrag #3 |

RE: Simoni und Bichler. 4 ½ Seiten Seltsamkeit
Hallo Mira;

danke auch für diesen zweiten Kommentar. Deine Vorschläge hab ich größtenteils umgesetzt. Bei

Herr Simoni blickt wieder auf die Arbeit vor sich, Bichler schaut ebenfalls darauf, starrt, keine Pause, Herr Simoni nimmt eine Füllfeder in die Hand.

hab ich "keine Pause" geschrieben, weil Bichler zwar starrt (das impliziert irgendwie eine Pause) aber eben keine Pause in der Handlung ist. Und wenn ich Pause geschrieben habe, hab ich immer gemeint, dass es still ist und sich entweder keiner bewegt oder alle mit dem weitermachen, was sie grad tun; für einige Sekunden.

"hat sich wieder der Arbeit gewidmet"... hm? Er hat sich eben inzwischen wieder den Zetteln gewidmet.. *lach*

das "Blick lenken" hab ich gelassen; mir passt's und falsch ist es nicht Icon_wink

mit "leise" und "schaun"... naja, bei Theater/ Drehbuchanweisungen muss man nicht unbedingt auf Wortwiederholungen achten... ich weiß zwar selbst nicht ganz, was der Text ist, aber in dem Sinne war es gedacht.


Jedenfalls auch hier noch einmal dankeschön für Lob und Kritik. Icon_smile
Das war einer der Texte, bei denen ich am meisten mit schlechter Kritik gerechnet hab, wie ich ihn zum ersten Mal gepostet hab...
lg
lu Icon_smile

Krawehl, Krawehl!
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Beitrag #4 |

RE: Simoni und Bichler. 4 ½ Seiten Seltsamkeit
hallo lu,

ich hoffe du hast nichts gegen neue kommentare zu deinem "alten" text. :D

Zitat:Herr Simoni an seinem Schreibtisch, leeres Papier und Akten überall, ...

beim ersten lesen hat mir das verb gefehlt. also: "Herr Simoni saß an seinem Schreibtisch, ..." als ich den satz zum zweiten mal gelesen hab, ist mir das gar nicht mehr so negativ aufgefallen.

Zitat:Herr Simoni aufschauend: Bichler.

ist das absicht das hier die anführungszeichen fehlen? wahrscheinlich schon. aber warum? o_O

Zitat:Herr Simoni verärgert: Bichler!
Bichler: Ja.

gerade ist mir aufgefallen das du nur für simoni die anrede "herr" benutzt. damit hat sich bei mir automatisch die assoziation eingeschlichen das bichler in der rangfolge unter simoni steht.

so. jetzt hab ich's zuende gelesen. es mutet ein bisschen an, wie ein theaterstück mit knappen regieanweisungen. du verwendest wenig worte, aber mit diesen wenigen worten erzeugst du eine beklemmende atmosphäre. deshalb ist es mir auch so vorgekommen, als ob bichler und simoni beide unzufrieden mit ihren jobs sind, ihnen das aber gar nicht so richig bewusst ist. ich glaube ihnen ist auch nicht bewusst, dass sie beide eigentlich gar nichts zu tun haben, oder nicht viel. erstens mal weil bichler jeden tag zeit hat um bei simoni vorbeizukommen und weil simoni dauernd auf leeres papier starrt. beide sind in dieser spirale so gefangen, dass sie nicht rauskommen können. solange bis simoni beginnt sich zu verändern, bis er am schluss seinen platz mit bichler tauscht und (ich denke mal) in rente geht.

hmm, alles in allem ein text der nicht leicht zu verstehen ist und der auch nicht leicht zu lesen ist. irgendwie wirkt alles ein wenig seltsam, absurd und befremdlich. aber dein titel sagt mir das du genau das wolltest und das ist dir auch gelungen.

lg

Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #5 |

RE: Simoni und Bichler. 4 ½ Seiten Seltsamkeit
Hallo Lady Icon_smile

Ja, natürlich freu ich mich über Kommentare, egal, wie alt der Text schon ist Icon_smile

Das Mit den Anführungszeichen: Bei Theaterstücken werden auch keine verwendet. Das hab ich übernommen Icon_smile

Ja, der Bichler steht unter dem Herrn Simoni.

Das Ganze ist entstanden, als ich noch gearbeitet habe - 3 Tage Arbeit, 4 Tage Uni, 3 Tage Arbeit, 4 Tage Uni... ohne Pause, jeweils 8 Monate lang, über 3 Jahre hinweg .. die Arbeit hat mir nicht wirklich gefallen und ich hab das Gefühl gehabt, unterbezahlt zu sein. Ich nehme an, das spiegelt sich wieder..

Die Absurdität ist erwünscht, allerdings basiert sie auf Dingen, die ich selbst erlebt hab mit "Vorgesetzten" bzw. Leuten, die "das Sagen" gehabt haben (zB Lehrern).

Es freut mich auf alle Fälle, dass du bis zum Schluss gelesen hast und ich dank dir für deine Kritik und deine Meinung!! Icon_smile

lg
lu

Krawehl, Krawehl!
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