Es ist: 08-04-2020, 06:33
Es ist: 08-04-2020, 06:33 Hallo, Gast! (Registrieren)


Geflohenen Wortes Schall
Beitrag #1 |

Geflohenen Wortes Schall
Geflohenen Wortes Schall
in schilfgewoge übersetzt

ufer bloß noch relikt von wilden
rufern, wo’s doch genug lehm gäb, zu graben
zwischen weidenschenkeln die inseln
zischen bleigestängelt
windzerblasen
verlautet umkehr in kränkelndem sog

gebliebenen schweigens knall -


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Beitrag #2 |

RE: Geflohenen Wortes Schall
Hallo poLet,

schön, wieder etwas Neues von dir zu lesen Icon_smile - auch wenn meine Kommentare langsam Seltenheitswert haben, ich lese alle deine Gedichte! Und eigentlich meistens sehr gern.

Aber nun zu diesem hier:

Geflohenen Wortes Schall
ins schilfgewoge übersetzt


Ich würde nur "in" statt "ins" schreiben - hätte nen schöneren Klang, find ich und das Schilfgewoge wäre unbestimmt, was ich passender fände.

Sehe ich das richtig, dass in der ersten Zeile noch großgeschriebene Wörter sind, weil du sie als Titelzeile verwendest? (sonst hast du die nämlich immer fett geschrieben zur Abhebung)

Also "windzerbalsen" ist ein geniales Wort *mal anmerk* ...

Und dieses Mal weckt dein Gedicht keine industriellen Vergangenheitsgedanken, eher traumhafte ... ich habe neulich Aus dem Schattenreich von Hyakken Uchida gelesen, dein Gedicht erinnert mich etwas daran. Vielleicht, weil Schilf auch in dem Buch vorkommt (solltest du dir echt anschaffen, könnte dir gefallen!). Und auch dein Gedicht hat so eine seltsam ferne Traumstimmung.

Und auf eine solche Atmosphäre steh ich einfach ungemein Icon_wink - irgendwie ist es diesmal ein "sehr zwischenmenschliches" Gedicht und sehr stark auf einen Aspekt konzentriert. Keine weitgefasste Kritik oder Vision, eher ein kleine Ausschnitt, leise wie das Verklingen der geflohenen Worte. Wobei die wilden Rufer und dieses "bleigestängelt" auch wieder auf etwas Größeres hindeuten, auf Krieg ... man könnte es sogar Richtung Nationalsozialismus interpretieren. Und Richtung andere Systeme dieser Art.

Man kann es aber auch auf den Einzelnen hininterpretieren, das Verstummen und die resultierende Seltsamkeit, Schmerzlichkeit, wenn nur das Schweigen bleibt. Schweigen, das unerträglich laut wird. Man könnte in die Seele des Verstummten eintauchen, dort gibt es viel zu entdecken, aber es bleibt nur ein Konjunktiv ...

Das gefällt mir an diesem Gedicht so gut - es richtet sich irgendwie mehr an den Einzelnen als andere Gedichte von dir. Zwar ist auch eine Interpretation in einem größeren Zusammenhang möglich, aber eben auch eine ganz persönliche ...

Hat mir wieder sehr gut gefallen! Icon_smile

Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #3 |

RE: Geflohenen Wortes Schall
Heja Zack -

danke für die reaktion.
Yepp, "wieder etwas neues" von mir...es gibt diese zeiten, da ist es nicht
einfach, zu schreiben...zu wenig oder falscher input, wer weiß...-
nun, dieses hier hat auch schon einige zeit auf dem buckel, & ich kann
hier wirklich beim besten willen keinen deutungsansatz liefern.
Es ist so, als wäre es mir gänzlich fremd. Merkwürdig.
Aber: so wie Du etwas in & mit Dir daraus machst, denke ich, sollte es ja auch sein. Ich liefere meistens keine 'gebrauchsanweisung' mit & stehe
eher auf dem standpunkt, wer damit etwas anfangen kann, kann es tun, & wer nicht, hat es auch nicht schlechter.
"windzerblasen"..."geniales Wort"? Hm...wenn Du meinst. Mrgreen
(Habe einen gedichtband von Dylan Thomas, übersetzt ins deutsche freilich,
mit dem titel "Windabgeworfnes Licht"...das ist genial!)

Zitat:Sehe ich das richtig, dass in der ersten Zeile noch großgeschriebene Wörter sind, weil du sie als Titelzeile verwendest? (sonst hast du die nämlich immer fett geschrieben zur Abhebung)
- ähem? Traust Du Deinen augen nicht? Icon_cool
Ich versuche schon, einem gewissen stil anzuhängen -siehe meine kommentare-, aber manchesmal unterliegen gedichte ihrer eigenen gesetzmäßigkeit...?...- die nach dem titel folgende kleinschreibung besitzt
wahrscheinlich eine eigene bedeutung, ebenso wie in dem ebenfalls neu
eingestellten gedicht "mir schraken därme ins was-weiß-ich".
Vielleicht deutet die kleinschreibung auf eine andere form der verlautbarung hin, vielleicht ist da Deine deutung
Zitat:Man kann es aber auch auf den Einzelnen hininterpretieren, das Verstummen und die resultierende Seltsamkeit, Schmerzlichkeit, wenn nur das Schweigen bleibt. Schweigen, das unerträglich laut wird. Man könnte in die Seele des Verstummten eintauchen, dort gibt es viel zu entdecken, aber es bleibt nur ein Konjunktiv ...
deshalb sehr zutreffend, da im inneren alles etwas 'enger' ist, etwas 'näher'.
Aber wie schon erwähnt: auch für mich sind das eher spekulationen.

Danke für den literaturhinweis.

Danke für die auseinandersetzung & den besserungsvorschlag!
Natürlich erst recht für die aufmerksamkeit, die Du meinen 'werkchen' schenkst!

Schönes,
poLet


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